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Full text of "Hamburgisches Magazin, oder, Gesammlete Schriften, aus der Naturforschung und den angenehmen Wissenschaften überhaupt"

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\ = Horticultural Society of New York, Inc. 


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Ew \ * Kenneth K. Macrkenzie 
—R Octuber 1934 


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amnbur giſches 


agazin, 


| | ee ; 
geſammlete Schriften, 
2% zum 
Unterricht und Vergnuͤgen, 
| aus der Noturforfchung 


und den 


angenehmen Wiffenfchaften uͤberhaupt. 





e: Ih 
N 88 
c) - 


KINN 


Il 





Des vierten Bandes erfied Stud. 
Mir Königl. Pohln. und Churfuͤrſtl. Sächfifcher Freyheit. 
Hamburg, bey Georg Chriſt. Grund, und in Leipzig, 

bey Adam Heinr. Holle, 1752. 








& er Benfall, welchen das Han: 
burgiſche Magazin erhalten 
DES, hat, erfordert, daß man deſſel⸗ 

| ben Fortfegung, fo viel in un⸗ 
| ferer Gewalt fteht, zu verdie⸗ 
onen  Bernßet * Hierzu wird nicht noͤthig 
feyn, die Vorſchriften, die man ſich einmal wer 
gen deſſelben Einrichtung gemachet hat, zu ver⸗ 
laſſen, man wird ihnen, da die Erfahrung ihre 
Güte verfichert Hat, nur forgfältig folgen duͤr⸗ 
fen; * verhindert nicht ihnen noch einige 
ya *2 Zufäge 





* 
A J 
—* 

[A 


Vorrede. 


Zuſaͤtze beyzufuͤgen, die das Vorige nicht auf | 
“heben, fondern es volllommener zu machen, ge⸗ E 
ſchickt find, 

Der Unterricht und das Vergnuͤgen, sr 
ches beydes man in diefer periodifchen Schrift 
zu befördern gefucht hat, ift vornehmlich aus 
zweyerley Arten von Wiffenfchaften hergenom: 
mentorden, and der Naturfehre und aus den 

Gefchichten. Beyde lehren uns die Welt, ob 
wohl auf verfchiedene Art, Fennen ; jene die 

Kräfte der Körper, und die Geſetze, nach de- 

nen fie wirken ; diefe, das Vermögen der Gei- 
fter und die Triebe, von denen fie regieret wer: 
den. In jener fehen wir unempfindliche und 

gedankenloſe Weſen die Abſichten des weiſe⸗ 
ſten Schoͤpfers erfuͤllen, in dieſer, auch unruhi⸗ 
ge, und; wenigſtens ihrer Einbildung nach, ein⸗ 

ſichtsvolle Menfchen, die Endzwecke des hoͤch⸗ 
ſten Weſens ins Werk richten, wenn fie bloß 
ihrem Eigenfinne genug zu. thun arbeiten; und 
wieſen ung nicht eben diefe Gefchichte, die er: 


> habenften Benfpiele einer beſſer angewendeten 


— ſo wuͤrde ſich fragen laſſen ob man 
— 


Vorrede. 


— wie Koͤrper, aus Zwange, | 
beftandig vecht? oder wie Menfchen, aus Mis⸗ 


brauche der Freyheit, faſt — * A 


Bee 2 


Dieſe beyden Wiſenſchaften, die & 
— und die Naturforſchung, die ſo 
unterſchieden ſcheinen, haben nicht nur in ihrem 


Gegenſtande fo viel ähnliches, fie koͤnnen auch 


einander wechſelsweiſe zur Zierrath und zum 
Nutzen dienen. Ich will nicht ſo kuͤhn ſeyn, zu 


ſagen, daß wir weniger redende Ochſen, Zwitter, 


Stein: Blut: Milch⸗ Fleiſch Regen, und ſolche 
ſchreckliche Zeichen mehr im Livius finden wuͤr⸗ 


den, wenn nicht ihm, ſondern ſeinen Zeiten, eine 
beſſere Phyſik Bekannt geweſen wäre: Die Ber: 
j ehrer dieſes großen Gefchichtfehreibers wuͤrden 

mich in einen Streit wegen ſeines Aberglau⸗ 


bens verwickeln, der mich zu weit fuͤhrete; aber 


von neuern Schriftſtellern darf ich doch wohl 
fagen, daß eine beſſere Keuntniß der Natur 
‚ aus ihren Nachrichten manche Mordgefchichte 


wuͤrde verbannt haben, durch deren Sammlung 
Kr h man 


Vorrede. 

man den Julius Obſequens mit etlichen Baͤn⸗ 
den vermehren koͤnnte. Doch fürdie Kometen 
nachrichten find wir ihnen wenigſtens Dank 
fehuldig; fie glaubeten, das groͤßte, was ſich uns 
von diefen Schreckſternen ſagen ließe, zu mel» 
den, wenn fie uns ſolche als Vorboten, von 
Londesplagen kennen lehreten, und mußten 
nicht, daß fie Erzählungen von Zerftörern der 
Weltkugeln aufzeichneten. Heyn hätte den 
Umlauf feines Sündfluth: Kometen nicht fo 
zuverläßig herausgebracht, wenn dieſes boshaf⸗ 
te Geftien, nach der Bermüftung, diees aufun- 
ſerer Erde angerichtet hatte, nicht auch noch 
bey dem Tode von ein Paar Kaifern die Welt ers 
ſchreckt Härte. Im Ernſte zu reden, Fann ein Lieb⸗ 
haber der Phyſik, nicht aus Nachrichten von Be: 
gebenheiten, die der Zeit oder dem Orte nach von 
uns entferner heißen, Kenntniffe von den na: 
türlichen Vortheilen verfchiedener Länder, von. 
derſelben Erhöhung durch den Fleiß der Ein- 
wohner u. ſ. w. erhalten, die ihm ſonſt verbor⸗ | 
gen geblieben wären ? und wenn fich Bege⸗ 
benheiten auf ſolche phyſikaliſche Umftände 
| grüns- 


7 Dorrede, in 

gründen, wenn von einem: großen Herrn nicht 
nur foll erzählet werden, wie viel Menfchen er 
Durch feine Siege elend, fondern wie viel er 
Durch weife, und auf den Gebrauch der natuͤr⸗ 
Tichen Güter feines Landes abzielende Verord⸗ 
- nungen glücklich gemacht Hat, wird es nicht 
gut ſeyn, daß der Gefchichtfchreiber fid) richtig 
auszudruͤcken weiß, und von der Naturlehre 
wenigſtens ſo viel Nachricht beſitzt, als er vom 
Kriegsweſen beſitzen ſoll, damit er nicht etwa in 
einer Schlacht die Eſcadronen von den Ba: 
taillonen über den Haufen veuten läßt? 


Ohne daß man eine engere Berbindung 
der Naturlehre und der Gefchichtkunde ſorg⸗ 
faltig erweifen darf, foift es genug; daß die Er- 
Fahrungen, darauf fich beyde gründen, einen 
Geiſt, der zudenken gewohnt ift, auf die anges 
| nehmften und nuͤtzlichſten Betrachtungen füh- 
ren, Ich rede von einem Geifte, der zu den: 
ten gewohnt ift, denn ich weiß, daß e8 in bey: 
den Wiſſenſchaften Gedaͤchtnißgelehrte giebt. 
Allein, der Naturforſcher, der nur eine Menge 

i "a dee 


Vorrede. RR 
der fehönften ausländifchen Mufcheln, nebſt ih⸗ 

ven Geburtsſeen, nennen „aber nur nennen 
kann, und. der Sefchichtfundige; der von allen 
roͤmiſchen Kaifern die Ordnung, die Geburts⸗ 
Hegierungs : und Todesjahre, aber weiter 
nichts weiß, ‚gehen in einem Dans, 


Wie man daflır forgen Air j — Leb— 
haber dieſer beyden verſchiedenen Theile der Ge⸗ 
lehrſamkeit, kuͤnftig, wie bisher, in. dem Maga⸗ 
zin eine lehrreiche Ergoͤtzung finden moͤgen, ſo 
hat man ſich insbeſondere den Freunden der 
Naturlehre zu gefallen entſchloſſen, ihnen die 
neueſten herauskommenden Schriften anzuzei⸗ 
gen. Man will die letzten Blaͤtter eines jeden 
Stuͤcks dazu beſtimmen, und begreift hier un⸗ 
ter dem Namen der Naturlehre j alles, was 
die Kenntniß der Natur, nicht nur als eine 
bloße Kenntniß, fondern in fo. fern fie zum 
Nutzen und Vergnuͤgen der Menfchen ange: 
wandt wird, in fich faffet, daher man auf den 
Gebrauch der Naturlehre , der die Wohlfahrt: 
ganzer Laͤnder, und den Vortheil einzelner 

Haus⸗ 


Vorrede. 


gauswirthe befördern kann, nicht unaufmerk⸗ 
ſamer ſeyn wird; als man bisher auf denſelben 
geweſen iſt. Man wird ſich uͤbrigens bey die⸗ 
ſen Nachrichten, der Kuͤrze wegen mit Anzei⸗ 
gung des Hauptinhalts begnuͤgen muͤſſen, ohne 
ſich in weitlaͤuftige Unterſuchungen einzulaflen, 
und eben dieß wird Urtheile, die man über ſol⸗ 
che Schriften fällen önnte, zuruͤckhalten, wenn 
man folche nicht: fogleich Durch beygefügte Ber 
weife rechtzufertigen vermoͤgend ift, oder wenn 
fie nicht etwa die ganze Art, wie die Sacheab- 
. gehandelt worden ift, betreffen, da e8 nicht ſo⸗ 
| wohl Urtheile, als Erzählungen find, deren Bes 
weisthuͤmer fich, der Weitlaͤuftigkeit wegen, 
nicht mit hinzufegen laffen. Man will die Leſer 
nur benachrichtigen, was fir Schriften heraus⸗ 
gekommen find, und die Lirtheile meift ihnen 
ſelbſt uͤberlaſſen. Die bloße Nachricht von 
neuen Schriften aber ift, wie in allen andern 
Wiſſenſchaften nüslich, fo befonders in der 
Naturlehre von Wichtigkeit. Anderswo un: 
terrichtet ung die Gelehrtengefchichte nur von 
anderer BSR hier auch, von anderer Er⸗ 

19 fahrun⸗ 


/ 


Vorrede. BR 
apengen: Wir koͤnnen uns eben die. Stät- 
ke des Nachdenkens zutrauen, die andere beſeſſen 
Haben, und daher glauben, daß unſere Betrach- 
tungen vermögend find, uns eben dahin zu füh: 
ven, wohin fie durch die ihrigen gefommen 
find ; die Unwiſſenheit alfo, was andere hier 
inn vor ung 'gethan haben, fehadet oft nur ſo 
viel, daß wir von Unterfuchungen anfangen, 
die wir fehon als bekannt Hätten vorausfegen 
fönnen, und Dinge ald neu anfehen, die ande: 
ve laͤngſt vor ung gewußt hatten: aber die Un⸗ 
wiſſenheit von anderer Erfahrungen, hemmet 
den Fortgang der Wiſſenſchaften noch mehr. 
Denn hier ſind wir nicht allezeit vermoͤgend, 
ſelbſt eben das zu thun, was andere gethan ha⸗ 
ben, weil jemand ſich vorzuͤglich in den Umſtaͤn⸗ 
den befinden kann, gewiſſe Erfahrungen anzu: 
fiellen. Wer die Schrift —* errn Waizens 
von der Elektricitaͤt lieſet, wird finden, daß 
derfelbe verfchiedene —— zu dahin ge⸗ 
hoͤrigen Verſuchen in ſeiner Gewalt gehabt 
hat, die andern Elektriſirern mangeln: er hat 
alfo wichtige Entderfungen machen koͤnnen, 

wenn 


£ Borrede. 

wenn viele andere nichts weiter thun konnen, 
Als fpielen. - Und nur alsdenn darf man fich 
ſowohl merkliche Erweiterungen der Wiffen- 
ſchaft, als wichtige Beytraͤge zum Nutzen der 
Menſchen verfprechen, wenn jemand in denje⸗ 
nigen Theilen der Naturlehre befonders nach⸗ 
forſchet, zu deren Kenntniß ihn ſeine Lebensart 
‚oder fein Amt beſonders veranlaſſen, und viel⸗ 
leicht verbinden, denn alödenn find feine Unter: 
- füchungen nicht Bloß eine Ergößung, auf die 
man fo viel wendet, ald die Neugier anreizet, 
/ fondern ein Fleiß, durch den man Pflichten zu 
erfüllen ſragte 


| Wie nicht alle die Vortheile, welche ſie in 
dieſer Abſicht beſitzen, erkennen, und zu brau- 
chen wiſſen, fo find auch nicht alle vermögend, 
aus den Erfahrungen, die fie wirklich vor an: 
dern zum Voraus haben, allen Nutzen zu zie: 
hen: Und diefes verurfachet, daß zu einer wich⸗ 
tigen Vergrößerung der Naturlehre oft zweyer 
ley Leute erfordert werden, von denen einige 
Erfahrungen liefern, andere darüber Betrach⸗ 
fungen 


tungen anftellen.. Deſcartes machte eine fal- 
ſche Theorie von der Ebbe und Fluth, weil, w 
ſich die Beobachtungen. dev, Schiffer nicht, zu- 
länglich befannt gemacht, hatte: ‚aber ie Schif⸗ 
fer, von denen Newton ‚for: ältiger. dernte, 
‚was ben dieſer Bewegung des Meeres wirk⸗ 
lich vorgeht, waren nicht im Stande, ‚ ‚Die all: 
gemeinen Regeln und Urfachen, derfelben, ® | 
wie et, zu lehren, z In der Naturlehre ſind ge⸗ 
meiniglich, wie in. andern Wiffenfchaften ie ei- | 
re mehr zur ee aufgelegt, Große 
Mathematifverftändige haben die feinften und 
tieffinnigften Theorien, auf höchft grobe und 
untichtige Berfuche gebauet : Und. £eute ‚von 
vieler Erfahrung find in ihren Schlüffen nicht: | 
allezeit fo glücklich, als in. u BT 
tungen, 


Alles dieſes lehret, wie nötig eg 9, fi ch 
fo viel als möglich, von den Bemühungen an- 
derer in der Naturlehre befannt zu machen, 


wenn ‚man in ‚feinen eigenen AURER, feyn 
will. 


I 


Vorrede. 


will, Man wird ſich dadurch die Muhe er er⸗ 
ſparen, Dinge feſt zu feßen, die von andern 
fchon gehörig find dargethan worden ; man 
wird aber auch mas fie noch aus unfichern 
Gründen behauptet haben, weiter unterfüchem, 
und Fury: die von ihnen entdeckten Wahrheiten 
zur Eehre, ihre Fehler aber zur — 
brauchen konnen. 


Wie bieſee fängf iſt An worden, daß 
in der Phyſik nicht jeder von vorne anfangen 
kann, ſondern daß man ſich darinnen ſeiner 
Vorgänger und Mitarbeiter Beyhuͤlfe bedie- 
nen muͤſſe, fo haben auch die phnfikalifchen 
Schriften vorlangft gelehrter ausgefehen, als 
die Schriften aus verfchiedenen andern Thei- 
Ten der Weltweisheit. In Wiſſenſchaften, die 
| fü ich Bloß auf Begriffe, oder auf gemeine, und 
von jedem Teicht anzuftellende Erfahrungen 
gründen, braucht man gegenwärtig, da das 
Vorurtheil des Anfehens, wenigſtens in Buͤ— 
chern, eben nicht fo viel mehr gilt, andere. ni 
weiter anzuführen, als wenn man die &e 





Vorrede. 


te der Wiſſenſchaft zugleich lehren, oder auf 4 
weitere Ausfuͤhrung der vorgetragenen Saͤtze 
verweiſen will; daher kann man hier oft mit 
einem geringen Buͤchervorrathe zufrieden ſeyn, 
ja es giebt Wiſſenſchaften, wenn es erlaubt 
iſt, dieſen erhabenen Namen auch Hirngeſpin⸗ 
ſten beyzulegen, die ein tiefſinniger Kopf ganz 
aus ſich ſelbſt heraus ſpinnen, oder wenn er ſie 
etwa von einem Vorgaͤnger geerbet hat, ſich an⸗ 
maßen und zur Vollkommenheit bringen kann, 
ohngefaͤhr wie eine Spinne manchmal das Ge⸗ 

webe einnimmt und ausbeſſert, das eine ande⸗ 
re verlaſſen hat. In der Naturlehre koͤmmt 
es auf Begebenheiten an, die durch glaubwuͤr⸗ 
dige Zeugen muͤſſen beſtaͤtiget werden. Man 
fragt hier nicht nur, was einer erzaͤhlet, ſondern 
auch, wer es erzaͤhlet. Man iſt geneigter, zu 
glauben, daß von Caßini und Short ein Venus⸗ 
monden, als daß vom Kindermann ein Mar: 
tismonden gefehen worden iſt. 


Eben die Betrachtung, welche zu dem Ent⸗ 


f ef bie neueften phyſikaliſchen Schriften 
anzu⸗ 


| Vorrede. 


anzukuͤndigen Gelegenheit gegeben Bat, veran⸗ 
laſſet auch, daß man kuͤnftig von neuen Stücken 
der philofophif. Transactionen den Inhalt an⸗ 
zeigen wird. Man hoffet, Dadurch vielen ger 
fallig zu feyn, Die gerne wenigſtens das Haupt: 
werk aus. folhen Abhandlungen wiſſen möd); 
ten, deren völlige Ueberſetzung nicht für dien⸗ 
lich befunden wird, und man wird-die Aus: 
züge mit dem 1744ſten Jahre anfangen aus 
welchem in den erſten Stücken des Magazins 
Lieberfegungen befindlich find. Wie man fich 
diefe Gränze nur aus dem Grunde gefeget hat, 
weil e8 fremde fcheinen möchte, aus fehr alten 
Stuͤcken der Transactionen ißo erftlich Aus: 
züge zu machen, ſo wird fie nicht verhindern, 
aus den ältern Stücken folche Artikel zu über- 
feßen, von denen man glaubet, daß fie für ver: 
fehiedene deutfche Lefer noch etwas Neues ha⸗ 
‚ben Fünnen, | 


Man wird gewiſſe Theile des Magazins 
fünftighin ferner mit Kupfern verfehen ; nur 
bitter mar fich dabey Die Erlaubniß aus, die 
| | | Zeich⸗ 


Tg 


Zeichnungen dazu, mehr * ber Berftand, als 
für das Auge, zu wählen, und eine Karte von 
der Hudfonsbay, "einer fhönen italienifchen 
Landfchaft vorzuziehen. Diefes ift der AB: 
fiht des Magazins gemäß, da es nicht bloß 
ergoͤtzen, ſondern zugleich unterrichten will, 
und es giebt außerdem genug Bilderbuͤcher in 
der Welt fuͤr Kinder und für zeane. 
Leute, 


—9 im Brachmonat, — 
5 ——— 
A. ©. Kaͤſtner. 


Be 2 le 





1. Nach⸗ 





Na & richt 
von den Bemuͤhungen der Englaͤnder, 


wegen einer 


nordweſtlichen Durchfahrt 
he; bey der Hudſons Bay, . 


INS, Angeachtet die esife, weiches von den 
MR Engländern in dem Jahre 1746 aus⸗ 
gefandt worden, eine Durchfabrt bey 
der Hud ſons⸗Bay zu fuchen, ihre 'ib= 
ſicht nicht völlig erreicher Haben ; fo ift 
doch das Unternehmen an fich fo wichtig, und die ih« 
nen dabey zugeftoßenen Vorfälle von folher Merk: 
würdigfeit, daß die Gefchichte diefer Seefahrt ver- 
Diener, bekannt zu werden. Wirhaben zwey Bücher 
erhalten, die in diefer Abfiche find gefchrieben wor« 
‚ben; eines führet den Titel: A Voyage to the Hud- 

4 Ban. 4 fons 





2 Von den Bemuͤhung. der Engländer 
fons Bay by the Dobbs Galley and. ‚California, in 
the years 1746 and 1747. for difcovering a north- 
welt paffage, with an aceurate Survey of the coalt 
and a [hort natural hiflory of the Country, toge- 
ther with a fair view ofthe fads and arguments 
from which the future finding of fuch a Paflage 
is rendered probabl e. By Henry Ellis Gent, ** 
for the proprietors in the ſaid Expedition. Lond. 
37488: ı Alph. nebft verfehiedenen Kupferftichen und 
einer Charte von den Gegenden, wo die Durchfahrt 
verſucht worden. Des andern Titel heißt: An 
Account of.a. Voyage for the difcovery ofa N. W. 
paffage by Hudfons Streights to the Weftern and 
Southern Ocean of America, performed in the 
year 1746. 1747. in the Ship California, Cepit. Francis 
Smith Commander. By the Clerk ofthe California. 
Bon diefem Werke, das ebenfalls mit Rupfern und 
Eharten gezieret ift, haben wir nur den erften Band, 
der ı Alph. 8. Bogen ftarkift, in Händen, Eswird 
alſo beffer ſeyn, zuerft von dem vorigen, welches volls 
Ständig ift, Nachricht zu ertheilen, worauf wir das 
Beſondere, welches die letztere Schrift enthaͤlt, eben⸗ 
falls anzeigen werden. 
Es enthält alſo Herrn Ellis Werk, beſage des 
Titels: „Eine Seefahrt nad) der Hudfonsban, i inder 
„Dobbs Gallee und California, fo in den Jah» 
„ren 1746 und 1747 zu Entdeckung einer nordweſtli⸗ 
„chen Durchfabre unternommen worden, nebſt einer 
„richtigen Abzeichnung der Küfte und einer kurzen 
„Naturgeſchichte des Landes, aud) einer aufrichtigen 
„Vorſtellung der Begebenheiten und Öründe, 100» 
* die 4 ———— einer ſolchen — 
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wegen einer nordweſtl Durchfahrt. 3 


„fahrt wahrſcheinlich wird., Die Vorrede zeigerdie 
Wichtigkeit einer ſolchen Entdeckung für die Englän 
der. Sie würde einen vortheilhaften Handel mit 
Voͤlkern auf jeder Seite der Durchfahrt eröffnen. 
Auf der Suͤdweſtſeite des Canals, vom Cape Te uls 
era, bis nach Cape Blanco in Californien, d. i. von 
‚der Breite 65 Gr. zu 43 Gr. nordlich, liegt ein Land» 
ſtrich, der zu America geböret, und alfo 22 Grad 

Breite, und nicht weniger als 30 Grad Laͤnge ein: 
nimmt, undander Küfte fi) auf 6no Seemeilen era 
ſtrecet. Dieſe Gegenden find zwar faſt gar nicht bes 
kannt, aber man weiß doch, daß nächft bey der 
Durchfahrt Kupfer, Häute und Pelze häufig find, 
und weiter nach Süden hat man was beſſeres zu er 
warten. Wenigſtens ift man verfichere, daß Die 
daſigen $änder ftarf bewohnet find, und da die weni 
gen Einwohner der Hudfonsbay fo viel englifche Waa⸗ 
ven nehmen, fo hätte man fich von zahlreichen BöL 
fern noch mehr Abnahme zu verſorechen, die nach dem 
Berichte verſchiedener Schriftſteller nicht fo gar un- 
geſittet, und große Keindeder Spanier find. Hiezu 
kommen noch andere Nebenvortheile aber von qleich® 
großer Bich: igfeit. ‘Bisher find nur zweene Wege in die 
Suͤdſee, einer um Cape Horn herum, der fehr befchwer« 
Lich und gefährlich iſt und alsdenn die fange Fahrt von 
Dftindien ab ; da diefe Entdeckung einen Eurzen und 
leichtern Weg eröffnen würde. Man hätte zugleich da: 
‚bey Selegenheit; die weite See zwifchen America und 
Afien zu durchfuchen, in der noch diele den Europäern 
gänzlich unbefanntereiche Eylande feyn mögen u. ſ. w. 
Die Kälte und übrige Gefahr aufdieler Reife ift auch 
fo groß nicht, als man fich erwa vorgefteller bat. .: 
ae 13 Das 





folhen Durchfahrt ; der zweyte berichtet die Bege⸗ 
benheiten der gegenwärtigen Seefahrt, und derdritte 


enthält die Gruͤnde, welche eine ſolche Durchfahrt 
glaublich machen. 


Johann Cabot, ein Venetianer, der ſich einige 


Zeit in England aufgehalten, hat die Entdeckung ei⸗ 


ner folhen Durchfahre zuerft unter König Heinrich 


des VII Schutze 1497 unternommen, und weil er bis 
an Cape Florida gefommen ift, fo leiten die engli⸗ 
hen Monarchen ihr Recht auf Nordamerica , von 
diefer Unternehmung her , welches nad) des Berfaß 
fers Anmerfung als eine Frucht von den Bemuͤhun⸗ 
gen um die Durchfahrt anzuſehen ift, und fie anzu 
preiſen dienet, da fie fo einen guten Anfang gehabt. 
Der Berfaffer erzäblet ſowohl was Cabot gethan, als 
Srobishers, Fentons und verfchiedener anderer Be: 
mühungen, unter Denen Cap. Middletons Unterneh- 
men im 1737 Jahre den Schluß machet. Da eg zu weit: 
laͤuftig ſeyn würde, “aus diefem Theile des Werkes, 
der doch nur eine Vorbereitung zu dem übrigen iſt, 
- einen Yuszug zu machen, fo merfen wir nur die Fol⸗ 
gerungen an, die der Berfaffer zulegt aus dem, was 
er erzählet hat, ziehe. Es erhellet naͤmlich Daraus, 
daß feit drittehalb Jahrhunderten her unter Perfonen 
von Einfiht und Erfahrung, der Gedanke ſtatt ge: 


funden hat, daß es eine nordweftliche Durchfahrrger 


be, welcher Gedanke theils auf Gründen und Ber: 


nunfefchlüffen, theils auf allerhand zwar hnicht voll 


fommen zuverläßigen, aber doch nicht gänzlich ver⸗ 
- werflichen Nachricen beruhet: die Einwendungen 
dawider, 


4 Von den Bergung. dei Englände J 


Das Werk ſelbſt iſt in drey Theile abgeſondert. Der | 
erſte erzählet die vorherigen Bemühungen wegen einer 


| wegen einer nordweſtl. Durchfahrt. 5 


dawider, gruͤnden ſich meiſt auf vorausgeſetzte Um 
ftände, die man bey aenauerer Unterfuchung falſch 
befunden bat. Ferner folget aus denfangeftellten Un« 
terfuchungen, daß feine Durchfahrt in der Davis- 
ftraße zu hoffen ift, aber die Gründe, welche diefe 
Hoffnung niederfchlagen, veranlaffen zugleich eine ans 
dere, auf der Weftfeite von der Hudfonsbay, und 
zwar innerhalb fo enger Schranfen, daß ſich das Ge⸗ 
heimniß entdecken muß, wenn man nur einige Jahre 
hintereinander alle Einfahrten innerhalb dieſes Raums 
unablaͤßig unterſuchet. Daß verſchiedene dieſer Ein⸗ 
fahrten, wie man gefunden hat, Fluͤſſe und Bayen 
jind, vermehret die Wahrſcheinlichkeit einer Durch? 
fahrt, weil, es bie Unmöglichfeit immer deutlicher: 
zeiget, woher eine Menge Waſſer Eommen folle, wel« 
che die Fluth in dieſen Fluͤſſen und Bayen ſo hoch 
zu ſteigen verurſachen, wenn man nicht einen Zus 
fammenhang mit einem andern Dcean zum Voraus 
feßer. Roi 
Wir menden ung zum zweyten Theile. Man 
hat zu dieſer Unternehmung eine Gubfcription ans 
geftellet, und 10000 Pfund, vermittelft 100 Portio⸗ 
nen, jede von 100 Pfunden, kufammengebracht. Die: 
Namen der Eubferibenten find dem Werfe vorgefeger, 
und einige haben zwey, auch drey Antheile über fich 
genommen. Die hierzu beftimmten Schiffe, find die 
Dobbs Ballee von 180 Tonnen Laft, Cap. Wil 
liam Moor, und Californis von 140 Tonnen, Cap, - 
Franz Smith gewefen, die man dazu gefaufet, gehüs 
rigermaßen ausgebeffert, und mit allen Nothwendig · 
keiten verſehen hat. Der Verfaſſer gegenwaͤrtiger 
Nachricht iſt erſt, wie a —* zu Stande geweſen, 
aus 


- 
= 





6 Von den Bemuͤhung. der Engländer 


aus Italien zuruͤck gefommen, und als Agent fürdie 
aus den Subferibenten ausgelefene Committe, auf 
die Reife gefchicker worden, mit Verordnung, von 
Den neuzuentdeckenden Gegenden genaue Zeichnungen 
und Yusmeflungen zu verfertigen, Die Ebbe und Fluth, 
Abweichung ver Magnetnadel, Beſchaffenheit der | 
Laͤnder u. d. gl. zu beobachten, EN 
Die Berhaltungsbeiehle, welche den Capitainen 
ertheiler worden, entdecken fo viel Sinſicht, als redlichen 
Eifer für das gemeine Beſte. Die erſte Mer wuͤrdigkeit, 
fo wir aus den Borfälfen, die ven Schiffen aufder im 
Fun. 1746 angetretenen Reife begegnet find, anführen 
wollen, ift das Teeibholz /d. große Stuͤcken Holz, die 
ſie oſtwaͤrts des Cape Farewell in Groͤnland, uͤber der 
Breite 58 Gr. 30 M. in der See treibend angetroffen, 
Diefes verdienet Ueberlegung, weilnoch niemand zus 
laͤnglich gezeiget hat, wo es her oͤmmt. Alle Nachrich⸗ 
ten von Groͤnland Der Straße Davis, und der Hude 
fonsenge, fo verfchieden fie in andern Dingen find, 
ſtimmen darinn überein, daß in dieſen Gegenden fein 
Holz von der Größe diefes Treibholzes wächft, daher 
es einige von Norwegen, andere vonder Küfte von Ters 
ra de Sabrador in Nordamerica,bergeführet haben; der’ 
Verfaſſer glaubet, die nordweſtlichen Winde in dieſen 
Gegenden wuͤrden es nicht aus Norwegen, und die 
ſtarken Ströme, die aus den Engen Davis und Hud⸗ 
ſons ſuͤdwaͤrts ſtreichen, nicht aus America hieher ge⸗ 
laſſen haben: Er billiget am meiſten Herrn Egedens 
Erklaͤrung davon, welcher an der oſtlichen Kuͤſte von 
Groͤnland Birken, Ellern und andere Arten Bäume 18 
Fuß hoch, und ſo ſtark als ſein Schenkel in der Breite 


von 61 Gr. will geſehen haben, en bemerfer Hat, in. 


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wegen einer nordweſtl. Durchfahrt. 7 


Morwegen ſowohl, als in Grönland, fey die oſtliche 
Kuͤſte waͤrmer, als die weſtliche, daß alles daſelbſt 


gluͤcklicher und groͤßer wachſe, und man alſo, bis man 
was beſſer entdecket, dieſes Treibholz aus Groͤnland 


herleiten muß. | 


+» Den sten Julii erreichten fie die Refolutionsey> 


Lande, an denen fie hätten fcheitern Fönnen, wenn der 
Mebel, ver ihnen derfelben Anblick, faft bis fie daran 
waren, entzog, fich nicht zu ihrem Glück zertheilet hät 


te. An diefen Inſeln kamen drey große und 26 Elei« 


ne Canvas voll Eskimaux Indianer zu ihnen, die 


Fiſchbein und Seefalbhäute gegen Norte, Sägen u.d.g. 


zu vertaufchen brachten. . Sie hatten nicht viel Waa⸗ 
ve, der Handel brachte aber den Engländern ftarfen 
Vorteil, und die Indianer waren gleichfalls wohl 
damit zufrieden, fo, daß Manng- und NBeibsbilder 
ihre Kleider auszogen, folche für Meffer u. d.g. zu 
vertaufchen. Alles, was fie Fauften, beleckten fie, 
Sie find von mittlere Größe, ftarf, und geneigt fett 
zu werden, mit großen Köpfen, runden und flacher 
Gefichtern , von ſchwaͤrzlicher Farbe, ſchwarzen klei⸗ 
nen’ und funfelnden Augen, flachen Nafen, großen 
Lippen, ſchwarzen und fchlanfen Haare, breiten Schule 
tern, proportionirten genden, aber fehr kleinen Füßen. 
Ihre Aufführung iſt aufgewecket und munter, aber fie 
feheinen liſtig, verſchlagen und betrügerifch zu ſeyn. 
Sie ſchmeicheln fehr, und find Fremde zu beftehlen . 
geneigt + Sie werden bald kuͤhn, aber auch leicht 
wieder in Furcht gefeger. Ihr Baterfand lieben fie 
ungemein. Die füolichen Indianer haben einige als 
Knaben gefangen, zu den englifchen Sactoreyen ges 
— Ua 4hracht, 


8 Don den Bemuͤhung der Engländer 


bracht. wo fie verfchiedene Jahre bleiben müffen, ab 
ſich immer nad) Haufe geſehnet haben. Einer, der 
‚mit englifcher Speiſe war unterhalten worden, ſah 
einen Bootsmann ein. Seefalb aufbauen, und den 
Thran häufig herausrinnen, worauf er, was fich mit 
feinen Händen auffangen ließ, begierig auflecfte, und 
fagte : Ach ich lobe mir mein liebes Vaterland, da ich 
mir den Bauch damit anfüllen konnte. Ihr Handel 
ift jeßo fehr geringe, würde aber Bortheil bringen, 
wenn er verftärfer würde, welches leicht geſchehen 
könnte, wenn man ihnen gehörige Werkzeuge, Wall- 
fliche, Seehunde u. d, g. zu fangen, verſchaffete. Ihre 
Canvas, die fie fehr gefchickt zu regieren wiſſen, find, 
nach Herrn Ellis Befchreibung ‚ den geönländifchen 
ähnlich, ſowohl die Fleinen, als die Weiber boote *. 
Wir übergehen ihre Kleidung, die der Verfaſſer eben⸗ 
falls befchreibt,und dabey verſchiedenes ſeltſam iſt z. [I 
daß die Weiber ihre Rinder in ihren meiten, und 
mit Fifchbein gefteiften Stiefeln tragen. . Sie bilden. 
Stuͤckchen Holz oder Elfenbein fehr artig, bie Werk 
zeuge des Gefichts zu bedecfen, und machen in jedes 
ſolches Stücfe zweene Schliße, fo lang als die Au-- 
gen, ‚aber ſehr fchmal , viefe Mafchinen heißen fie 
mit einem fehr gefchickten Namen Schneeaugen; fie 
verwahren fich Dadurch vor der Blendung, die der 
Schnee verurfachet, und fönnen ſehr deutlich und oh ⸗ 
ne einige Beſchwerniß ſehen: Ja fie bedienen ſich 
dieſer Löcher, wenn fie in die Ferne eben wollen, wie: 
wir der Serngläfer. ihre Werkzeuge zeigen ebenfalls, 
wie ihre Kleider, viel Wis und Erfindung, befonders | 
ihre Bogen, die fie aus dreyen Stuͤcken Holz fehr artig 

u 





r Anderfond Nachrichten von Groͤnland, sı$. 


wegen einer nordweſtl. Durchfahrt. 9 
und genau zuſammen zu fuͤgen wiſſen; und weil die⸗ 
ſes Holz weder Staͤrke noch Federkraft genug hat, fo 
beziehen fie den Ruͤcken des Bogens mit einer Schnur 
von Thierfehnen, daraus auch die Bogenſchnur ges 
machet ift, und tauchen den Bogen ins Waffer, da= 
von er fich, wie die Ruͤckenſchnur jufammen zieht, und 
ftärfer wird. Eie find von Jugend auf im Schies- 
ſen geüber und fehr gefchieft. Sie effen roh Fleifch, 
wie der Berfaffer glaubwürdig berichtet worden, und 
ihr Name zeiger Diefes im Indianiſchen an. Daber, 
auch wegen ihrer weißen Aarbe, und der Bärte, wel» 
che Feine Indianer haben, glaubet man, daß fie von 
den Örönländern abftammen. 

Der Berfaffer befchreibt die Gefahr zwifchen dem 
treibenden Eife, das zu 5 bis 10 Faden dick iſt, zu 
ſchiffen. Wenn ein Schiff mit Gewalt daran läuft, 
ſo ſcheitert es, wie an einer Klippe. Bey der Annaͤ⸗ 
herung folchen Eifes wird die Luft jählings Falt, und 
es ift ein Dicker Nebel, aber nur etwa fo hoch. als ein 
Schiffmaſt um daffelbe herum / daß die Efkimaur 
vielmal vom Sande auf dem Eife an die Schiffe ge- 
wandert find, ehe man fie wahrgenommen hat. Es 

ift gewöhnlich, das Eis über den Horizont wenigfteng 
6 Grad erhöht zu fehen, daß man es alfo viel weiter 
. entdeckt, als wenn die Luft die Strahlen nicht fo ftarf 
bräche, | 
Den 17 Julii macheten fie das Schiff, vermittelſt 
verſchiedener Eisanker und Taue, an ein Stuͤcke Eis 
feſte, wozu man die größten Stuͤcke erwaͤhlet, die 
vom Winde und Flurhen nicht fo fehr berveget wer⸗ 
den, Sie fuͤlleten ihre leeren Gefaͤſſe mic füßem 
EB aus den Teichen, * man ordentlich mn dem 
5 Eife 


10 Bon den Bemůͤhung deren A 


= 





Eife findet. Den ıgten haften fie viel Blitz N 
Donner, der fonft bier felten ift, weil die häufigen 
Nordlichter die Schwefeldünfte, die fonft Blitz und 
Donner zeugen würden, zerftreuen*. Giefanden die 
kleinen Wafferteiche auf dem Eife meift alfe Nachte 
zugefroren, beſonders bey Nordwinden. 


Den ıgten Aug. fahen fie Warmoreyland, und 
fandten die $angboote aus jedem Schiffe, unter 
Aufficht der Hochbootsleute, aus, und der Berfaffer 
gieng auch mit: fie follten Anmerkungen von der Fluth 
machen, Diezu Kenntniß der Durchfahrt einiges Licht 


geben koͤnnten; die Nachricht, fo fie den 16ten ** zu 


rück brachten, war, daß fie verjchiedene große Deff- 
nungen der See, weftwärts des Eylandes geſehen, daß 
die Fluth von N. O. nad) den Strecken der Küfte 
gefommen,und das hohe Waffer um 4 Uhr über To Fuß 
geftiegen. In dieſer Jahrszeit ward nichts weiter wer 
gen der Entdeckung vorgenommen, fondern der Ente 
ſchluß gefaffer, einen Platz zum Ueberwintern aus zu⸗ 
ſuchen. Sie verließen alſo das Marmoreyland, von 
dem der Verfaſſer unter Mi nod) meldet, daß es 
im 62 Gr, 55 M. Dreite N. und 92 Gr. weftlicher 
Laͤnge von Sonden liege, und vermuthlich Kupfer oder 
andere Metalle enthalte, weildas aus den Felſenkluͤf 
ten hervorſchießende Waſſer, an einigen Orten gruͤn⸗ 
licht ausſieht, und nach Gruͤnſpan ſchmeckt, anders⸗ | 
wo roth ift, und die Steine, über die es 3 
färbet. | 
Zum 


* Der Berfafr erkläret alfo ben Urſprung der Nordiich— 


ter, wie der Herr Daron Wolf. 


Zuvor war ſchon der igte Da gewefen. 


wegen einer nordweſtl. Durchfahrt. ıı 
9 Zum Anferpfaße ward ein Dre unweit Nor 
fort, fo der engliſchen Hudfonsbangefellfchaft zuſtan⸗ 
‚dig ift, erwaͤhlet. Das Schiff California kam gut 
zu anfern, aber die Dobbsgallee Fam auf ven Grund 
zu ſitzen und wäre bey flarfem Winde verloren ges 
weſen. Anſtatt daß der Gouverneur von Morkfort 
ihnen hätte behuͤlflich ſeyn follen, wie er auch wohl 
wußte, wer fie waren, fchicfte er feute, ein Zeichen, 


Das Birese hat, folchem zu folgen, wenn 







Das wieder flott wäre, niederzureißen, unter⸗ 
fagte en, ohne ausdruͤckliche Erlaubnig vonder Res 
gierung oder der Hud ſons baygeſellſchaft, der Factorey 
naͤher zu kommen, verhinderte die Indianer, ihnen 
behuͤlſlich zu ſeyn u. ſ. w. Ihr Winterquartier hat⸗ 
sen fie ſich zu Portnelſon ausgelefen, und es würde 
N mweitläuftig fallen, zu befchreiben , wie fie fich da= 


elbſt zu überwintern eingerichtet, auch) find dergleie 


chen Einrichtungen fihen bekannt, Das Haus, das 
fie fie den Capitain und die Dfficirer aufgebauet, ha⸗ 
ben fie, dem Herzoge von Montague, als einem großen 
Beförderer Diefer Unternehmung, zu Ehren, Monta⸗ 
guehaus genannt. Nur ift anzuführen, daß bey 
gehöriger warmer Kleidung die Kälte hier nicht fo uns 
erträglich ift, wie man fich vielleicht vorftellen follce. 
In die ausführliche Beſchreibung der Gegend 

und Der Einwohner koͤnnen wir ung ebenfalls nicht 
einlaflen, und führen nur einige Merkwürdigfeiten an. 
Die unfägliche Anzahl der großen Fliegen und Müs . 
- fen, mitdenen man da geplaget ift, überfeber, nach des 
Berfaffers Gedanfen, den Winter, in einer Ave von 
unempfindlichem Zuftande, und kann ſich deswegen bey 
Anfange des Sommers gleich fo ſtark zeigen. er 
| ©... fteng 





2 Bonden Bemuͤhung devEng RR VO 


ftens einer über. einen Fleinen Sumpf: im Winter 
gieng und ihm der Fuß ausglitzſchte, trat er von dem: 
Baume, der ihm ftattdes Steges diente, einen ſchwat ⸗ 
zen Klumpen ab, der, bey genauerer Betrachtung, eine 
Menge zuſammengefrorner Mücen war, Die am 
Feuer wieder auflebeten, aber von neuem indie Kaͤl 
te gebracht, wieder erſtarben, und nachgehends nicht 
mehr lebendig zu machen waren. Aehnliche Erfah⸗ 
rungen find den Engländern in den nordlich 


i . f ie can 
reyen von America * Froͤſchen — | 
Fleiſch aud) fo hart wie Eis ift, und die in der 
aufleben, aber darauf in der Kälte völlig ſterben. 

Die Indianer find da meift fehr gefund, ausge 
nommen, die fich mit Brannteweintrinken verderben. 
Aus diefer Abficht"geben ihnen die Franzoſen keinen 
Branntewein, und die Engländer, die ihnen felbigen. 
verfchaffen, thun fich felbft den größten Schaden da» 
mit, denn dieſe vom Brannteweine gefchroächte und 
frantlichgemachte Indianer find niche fo vermögend, 
ihre befhwerliche Jagd fo Fühn und gefchickt abzu⸗ 
warten, daher Die Engländer von ihnen weniger 
Häute erhalten, Dieß zeiget die Erfahrung bey den 
Indianern, die fich unter den Engländern aufhalten, 
unleugbar: fie find alle mager, Flein, träg und Fränf- 
lich; Diejenigen, die aus mweitern Gegenden herfom» 
men, und den Branntewein, wegen feiner uͤblen Wir ⸗ 
kungen, bie ſie befuͤrchten, nicht trinken, ſind 
ein ſtarkes geſundes Volk, und bringen ſo viel Haͤute, 
als ſie fortfuͤhren Fönnen, wobey fie wa viel —— 
laſſen. 

Verſchiedene Indianer verhandeln: an ihre — 

re Landsleute allerhand von den Englaͤndern erhaltene 

Waaren, 







wegen einer nordweſtl. Durchfahrt. 13 


Waaren, als Ingwer, Gartenſaamen, Schnupfto— 
bad u. d. g. denen fie ſeltſame Kräfte, z. E. die He= 
bung afleriey Krankheiten, das Vermoͤgen bey ver 
Jagd gluͤcklich und gefchickt zu machen u. ſ. w. zu⸗ 
fehreiben. Diefe Duadfalberey trägt ihnen und den 
Englaͤndern viel ein, die leßtern aber würden mehr 
wahren Bortheil haben, wenn fie von Wollen und 
Eifenmanufacturen in Großbritannien Waaren da⸗ 
bin führeten, als daß fie einen fo unanftändigen und 
in der Folge ihnen wirklich nachtheiligen Handel ver⸗ 
anlaſſen. 
Die Indianer erkennen ein Weſen von unendli— 
cher Guͤte, das ſie Ukkewma nennen, welches in 
ihrer Sprache das große Über haupt heißt: die⸗ 
ſes ſehen ſie als den Urheber alles Guten an, reden 
von ihm mit Ehrfurcht, und befingen fein sb i in Lie⸗ 
dern, die feinen unangenehmen Ton haben : aber ihre 
Begriffe von demfelben find fo wankend und ver« 
- wirret, Daß man nicht eigentlich fagen kann, was fie 
‘mit diefem öffentlichen Gottesdienfte meynen, Ein 
anderes Wefen, das fie Wittikka nennen, ftelfen fie 
als den Verurfacher alles Uebels vor, und fürchtenes 
ſehr, wiſſen aber Fein Drittel, es zu befänftigen. 
Ihre Sprache wird etwas fehr durch die Kehle ges 
redet, ift aber weder fehr raub, noch unangenehm; fie | 
wiſſen zufammengefeßte Worte zu machen, wodurch 
fie die Figenfchaften der Sachen anzeigen, und da« 
durch neue Begriffe berrennen fonnen, daher die Enge 
länder feine E chmierigfeit finden, ihre Sprache zu ler⸗ 
nen und zu reden; gäben fie ſich Die Mühe, diefes ar⸗ 
me Volk im Gebrauche der Buchftaben, den Grüns 
den der Gittenlehre und der Religion zu unterrich⸗ 
| ten, 


i 


5 | 





14 Bonden Bemuͤhung dere 


ten, fo.würben fie ſelbſt viel, beifer (bh, ie ni 
würbe wachfen, und diefe Leute würden ungemein viel 
Ehrfurcht und Liebe gegen Die engliſche Narion be: 
kommen. 


Die Engländer ſelbſt haben aͤble Vetungen vom 
Branteweine empfunden. Die Leute auf beyden Schif⸗ 
fen waren geſund genug, bis auf das Chriſtfeſt, das, 
dem loͤblichen Gebrauche nach, mit Brannteweinſau⸗ 
fen mußte gefehert werden, und von der Zeit an uͤber⸗ 
fiel ſie der Scorbut, und fi Hatten verfchiedene Kran⸗ 
fe und Todte, welches die gewöhnlichen Folgen des 
‚Gebrauchs von geiftreichen Getränten find, Das 
Theerwaffer hat ihnen, da alle andere Hülfsmittel 
nicht anfchlugen, gute Dienfte gethan. Die Englän« _ 
der, die fich hier ordentlic) aufhalten, bedienen fich 
fehr häufig eines Getraͤnkes, das der Verfaſſer Sprüce 
beer nennt, und dieſes chut ſo gute Wirkung daß in 
den vier Zactoreyen, Churchill, Yorkfort, Albany und 
Moofe River, in fieben Jahren von 100 Mann nicht 
einer geſtorben iſt. 


In dieſen elenden Umſtaͤnden haben unſere See⸗ 
fahrer nicht nur vom Gouverneuer zu Norkfort keine 
Benhülfe befommen, fondern er hat auch noch die 
Indianer, die ihnen willig würden frifche Lebensmit⸗ 
tel zugeführeet haben, durch Ausfprenqung, daß die 
. $eute von den C Schiffen fie anftecfen koͤnnten, und ſo⸗ 
wohl ihre als der Englaͤnder Feinde waͤren, davon 
abgehalten, aber durch den Eindruck, den dieſe Reden 
bey ihnen gemacht, verurſachet, daß darauf nur we⸗ 
nig Sa au Ber nach! Vorkfort en | 


find. 
Ya: 


wegen einer nordweſtl. Durchſahrt. 15 


Vorkfort liegt an dem ſuͤdlichen Arme des Port⸗ 
—J der Hayes River genannt wird, in 57 
Gr. 20 M. nordl. Breite, und 98 Gr. 53 M. weſt⸗ 
licher Laͤnge von London, wie der Verfaſſer aus einer 
ſorgfaͤltig von ihm daſelbſt beobachteten Mondfinſter 
niß denzgten Hornung 1747 erlernet. Es iſt nur ein 
viereckigtes Haus mit vier kleinen Bollwerken ver: 
fehen, Die jet alle bedecfet und in Wohnungen oder 
Borvatbsbehältniffe verwandelt find. Auf jedem 
Mittelwalle ftehen drey Eleine Steinſtuͤcken, alles iſt 
verpallifadirt, eine Batterie mit großen Stücken be- 
ſtreicht den Fluß, die eine kleine Bruſtwehre von Torf 
bat, und in Rriegszeiten ift die Befagung doch ohn- 
gefahr 33 Mann; alfo ift diefes Fort nur den Wils 
den furchtbar. Etwa 7 Meilen vom Fort befinden 
ſich unter einer Menge von Steinen viele vollkommen 
runde Kiefe (Pyrites) faft von der Größe fechspfün: 
diger Sanonenfugeln. Die dafigen Engländer find 
gleichwohl fo Flug, und glauben, die Franzofen hät 
ten fie wirklich für ihre Canonen in diefe Form ge: 
goffen, wie fie das Fort angreifen wollen; der Vers 
fafler aber fieht fie als ein merfwürdiges Anzeichen 
an, daß das Land Metalle, und zwar, welche von den 
foftbarjten habe, weil der Kies allemal etiwas weni⸗ 
ges Gold, oft viel Silber, und nur ſelten Bley oder 
Zinn halte, 

Diefer Dre ift der wichtigfte Handelsplatz ber 
Hudfonsbaygefellfhaft, und es werden dafelbft zwi⸗ 
fchen 40 und 50000 Eoftbare Felle jährlich gefauft, 
es koͤnnte aud), wie der Verfaſſer aus verfchiedener 

‚Perfonen übereinftimmenden Nachrichten erlernet hat, 
mit cin wenig Geſchicklichkeit der Handel fuͤnfmal 
er 


3 


16 Bon den Bemuͤhung der Engländer 


her getrieben werden: aber durch eine Staatsflugbeit, | 
die fich wenigftens mir dem Beften ver ganzen Marion 
nicht vergleichen läßt, fchlägt Die Geſellſchaft den 
Muth ihrer Factoreyen, den Handel in Aufnehmen 
zu bringen, nieder, und giebt fich Feine Mühe, den 
Franzoſen die Wage zu halten, die fich täglich mehr _ 
und mehr ausbreiten, und den Indianern beffere 
Preifegeben, als die Engländer, obes wohl diefe eben 
fo gut thun Fönnten. Eine andere befondere Grund- 
regel in der Geſellſchaft Politik ift, daß fiedie gering: 
ften und ungelehrteften unter ihren Bedienten zu Ba: 
ctoren machen, die bey fo liftigen Mebenbublern, als- 
die Sranzofen, den Handel: vermuthlich nicht ver» 
größern werden, ob fie wohl fchlau genug find, Die ar— 
men Indianer er alle Weife zu überliften, und für 
ſich einen der Geſellſchaft nachtheiligen Handel zu 
treiben. Daher beträgt, was die Gefellfchaft aus 
England dahin ausführer, jährlich nicht mehr, als 
etwa 3000 oder 4000 Pfund, weiches in Abficht - 
auf Die ganze Nation ganz was weniges ift, obwohl, 
wenn man überleget. daß wenig Perfonen die an Dies 
fer Handlung Theil haben, mit wenig Capital einen. 
großen Vortheil machen, ihre Aufführung, nur in 
Abſicht auf ihren Sigennuß , nicht fo ungereimt ift, 
wie fie dem erften Anſehen nach ſcheint. ; 
Den Winter über ward beichloffen, wegen ber 
fernerhin zu machenden Entdeckungen, das tang> 
boot zu erlängen, zu erhöhen und zu bedecfen ; weil 
man mit folcyem an verfchiedene Derter Teidhten und 
ficherer hinkommen fonnte, wo es für große Schiffe 
gefährlich und unmöglich feyn würde." Dieß ward ins 
Werk gerichtet, und den ı Julii gieng Cap. Moore 
* mit 


‚wegen einer nordweſtl. Durchfahet: 17 


8 Manm und dem Verfaſſer, nebſt Vorrathe auf 
nate, auf dieſes Boot, dem ſie den Namen der 
ließung (che reſolution) gegeben hatten. Gig 
bemerketen die Fluthen und Kuͤſten, trafen auch unter⸗ 
wegens verſchiedenemal Indianer an, von denen ſie 
Fiſchbein mit Vortheil handelten und hoch mehr hat⸗ 
ten handeln koͤnnen, wenn ſie ſolches nicht wegen 
der vorhabenden ‚Enrdectungen haͤtten ausichlagen 
ve ‚Der Verfaffer bemerket dabey, daß auf dies 
ſer Fahrt ‚oft alle ihre Magnetnadeln die Richtung 
verloren, und eine dieſe, die andere jene, aber keine 
eine-beftändige behalten... Er vermuthet, daß. ſolches 
hier eine Wirkung der Kälte feyn koͤnne, welche in 
den Zwiſchenraͤumchen des Eiſens, ‚und vielleicht in 
der magnetischen Materie Beranderungen verurſachet: 
denn die Nadeln »baben ihre - ‚ordentlichen AR 
gen in der Wärme wieder erhalten, 

Was unfern. Seefahrern auf diefen Keife vorge· 
fen, alles zuierzäblen, würde zu weitläuftig feyn, 
daher wir nur ‚erwähnen, daß fie Feine Durchfahrt 
entdecket und die Schiffe im Oetober 1747 wieder in 
England. angelanget find, Was aber, die Hauptab» ⸗ 
ſicht der Reife betreffend, ‚ausgerichtet worden, hat der 
Verfaſſer felbft indem dritten Theile feines Werfeg 3 

ufammengezogen, der. verichiedene auf ſichere Bege⸗ 
—* — gegruͤndete Schluͤſſe enthaͤlt, „durch wel⸗ 
„he eine nordweſtliche Durchfahrt in die Suͤderſee 
„ſehr wahrſcheinlich gemacht wird, ob folche wohl bey. 
„der  leßten Uncernebmung nicht voor 
„den, | 

Es iſt eine raue Grfabrng; daf in ae 
dern, die einen Eleinen Umfang baben, es mögen nun, 
4Band. —— Bahr 












Halbinfeln oder Inſeln feyn, keine Höhen Bäume, 
dern nur Gebuͤſche und Unterholz zu finden find,o 
auf dem feften Sande in eben der Breite das ſchoͤnſte 
Holzwächft, Man Eönntefolches mit Narboroughs 
Beſchreibung von der’ magellanifchen Meerenge und 
viel anderen Nachrichten beſtaͤtigen aber wer die or⸗ 
eadifchen und fehortländifchen Eylande fenner, der 
wird Feine weiteren Proben verlangen. Man kann 
hieraus die Folgerung ziehen, daß, wo in einen Lands 
fteiche, der fonft voll Waldungen’ift, ein Land bey ges 
nauer Unterfuchung von Holz leer gefunden wird) daſ⸗ 
felbe aufbeyden Seiten Waſſer Haben möge. Unſere 
Reiſenden aber Haben gefunden, daß von der Breite 
von 61 Gr. nordlich an, alle Gewächfe, gleichſam 
fichtbarlic) Fleiner und ſchwaͤcher geworden find‘; da 
fi) in höhern Breiten, als Norwegen, Schweden, 
tappland, Rußland u. f. m. große Wälder von ho⸗ 
hen und vortrefflichen Bäumen befinden. Gienge 
alſo auch hier auf der andern Seite ein großer Strich 
Landes weſtwaͤrts, fo follte innerhalb der Laͤnder an 
der Hudſonsbay ebenfalls die Menge von Bäumen 
ſeyn; und daß diefes nicht ift, laͤßt fich amwahr- 
ſcheinlichſten aus: der Nachbarſchaft eines weftlichen 
Deeans erfläten, Die Kälte kann man nicht anführ. 
ren, ba nicht nur andere Pflanzen, ſondern auch Korn, 
hier und dar in Kamſchatska wachſen, wo es viel 
kaͤlter iſt, als auf den Küften dev Hudfonsbay, . 
Weil fie fich im Montaguehaufe aufbielten, ber 
merketen fie beftändig, Daßjdie Nordweftwinde fehr 
“ Häufig folches Schneegeftöber mit ſich brachten, in 
welches dev Erfahrung gemäß, die aus offenen Waf- 
ſern auffteigende Dünfte von der kalten Winterluft 
—X | veräns 





4 SR m en * re 

wegen einer nordweſtl Durchfahrt. 19 
deränbere werden: Man Fan Auch aus dieſem 
runde eine große Menge Waffers auf der Norde 





Die füplichen "Yhbianer Haben auch Beändig bie 


hatten, haben einen Entwurf von einem auf die Fels 
fen zu Eurchill-gemacht : Narborough meldet uns, 
daß die Wilden an der magellanifchen Enge fein Schiff 

aus Erde und Holz nachgebildet, wie er vermuthet, 
ſich das Andenken davon zu erhalten, weil ihnen ſonſt 

Fein Mittel, das Vergangene aufzuzeichnen, bekannt 
iſt. In eben der Abſicht de af die Indianer an 
Pen 2 der 


vr 





der Hudſonsbay gerfan Haben ; und ka ten. fie ei 
Schiff mahlen, fo mußten fie eins gefehen { 2 
Andere Indianer Bohr a! Bali n en en Far 






Oceans 5 worden. Bi 

Dieß alles machet nur noch. ———— — 
das Land auf beyden Seiten See ha 
keine Durchfahrt, oder waͤre ſol e fehr mweitlär 
fehr befchwerlich, fehr hoch nach. Norden ‚6 würde 
ung diefes nicht viel helfen, es wäre denn, daß man 
einen kurzen Weg uͤber Land von einer See zur an⸗ 
dern ausfuͤndig machet. 

Die ſtaͤrkſten Beweisthamer aber, daß wirklich 
eine Durchfahrt ſey, nimmt der Verfaſſer von der 
Ebbe und Fluth her. Es iſt ausgemacht, daß dieſe | 
Veränderungen in Fleinere Seen aus dem Dcean 
nach der Verhältniß der Nähe und Deffnung des 
Oceans in diefelben fortgepflanzet werden, Daher fin. Ä 
det fich bey Seen, Die innerhalb Sandes liegen, und 
entweder gar feinen oder einen fehr geringen Zufam. 
menhang mit dem Deean haben, ſchwache und. faſt 
unmerkliche Ebbe und Fluth, z. E. im mittelländi« 
fhen Meere, wo die Fluch von Welten nad) £ ſten | 
‚geht, und durch die Enge von Gibraltar iſt die luth 
gar nicht merklich. Im venetianiſchen Meerbuſen 
merket man nur eine kleine Bewegung. Die Griechen 
muͤſſen von der Fluth und Ebbe, die unordentliche 
Bewegung des Euripus ausgenommen, gar nichts ger 
wußt haben, weil des großen Alexanders Armee bey 
der Ebbe der See an der Mündung des Indus fo 
erſtaunte, und folche als ein Wunderwerf enkösn 








wegen einer nordweſtl. Durchfahrt. ꝛ 
Auch den Römern war dieſe Naturbegebenheit bis zu 

des africaniſchen Scipio Zeiten unbekannt geweſen: 
dieſes beweift, daß die Ebbe und Fluth in Seen ihr 
nerhalb des Sandes nicht empfindlich find, fonft hätten 
folche den Griechen und Römern nicht Fönnen’vers 
bogen bleiben.  Män’Eann ferner vorausfegen, daß 
die Wirfung defto färfer erfolger, je näher die Urſa⸗ 
eilt, und alfo die Fluch an Dertetn, die dem Ocean 

räher gelegen find, eher und färfer-ift, als am ent · 
ferntern ; welches der Berfaffer mit Erempeln von 
der englifchen Küfte erläutert. Diefes nun auf die 
norbweftliche Durchfahre anzuwenden, fo bemerfet 
der Berfafler, wenn es dergleichen nicht gebe, fo fey 
ie Hudfonsbay fo gut eine ee innerhalb Landes als 
das mitkelländifche Meer, und in'eigentlicherm Ver⸗ 
ftande, als das balthifhe, weil fie mit der offenbaren 
See feinen Zufanimenhang, als vermittelft der Hud⸗ 
fonsenge, «habe ; denn der Zufammenbang mit der 
Baffinsbay und Straße Davis ift noch unermiefen, 
wuͤrde auch diefen Schlüffen ihre Stärfe nicht neh⸗ 
mer. Da aber die Hudfonsenge ſehr weit ift, und 
die Day fi) von Dften nach Welten erftrecht ‚1 
kann man ihr die Ebbe und Fluth nicht abfprechen, 
doch muͤſſen dieſelben doch ſo beſchaffen ſeyn, wie ſie ſich 
Aus dem Ocean durch die Hudſonsenge forepflangent 





Tonnen : Mun hat der Verfaffer die Fluch an einem 
Eplande in 62 Gt. 2 M. 10 Fuß, in der Breite von 
‘65 Gr. an der weftlichen Küfte des Welcome, 13 5: 
‚und hordmpätts deffelben 17 &. gefunden ; zu Caryes 
wansmeft aberiftfienach Cap. For Vermelden 6 Fuß: 
Katme nun die Fluth ausdem Ocean duch die Hude 
BB RG —— fong» 






ame hs Fr lichsung, der. 
Die. Zeit. ihrer: größten ie bekro Ri 14 
. Su der Breite von 62 Gr. 2.M. Eam fie 

der, und wär um fünf Uhr ——— am. Cape 
Sen, im 64 Gr. R. Fand der Verfa —7— daß die Fluch | 
nordwarts nach. der Richtung, der, Rüfte Fam, „und 
das hohe Waſſer beym Bollmonde und. Mondsmwec) 
fel, war um 3 Uhr. In der Breite von. 65,6} 
Fam die Fluth noch nordwaͤrts her: Darf man N 
aus der Richtung. und Zeit ber Fluth in diefen Thei 
Ien der Hudſonsbay etwas fhließen, ſo iſt klar, d 
fie, von Norden und Nordweſten koͤmmt, abe er a 
dem atlantiſchen Meere nicht kommen kann, 
muͤßte die hoͤchſte Fluth, wenn man in ‚größern B | 
en kaͤme, 55* Mate: und fpäter — rd ⸗ 










u mit Ku — Ba wäre, a Napa 
Derfaffer will dieß fo wenig zugeftehen , als. efror- 
ne oder, unbekannte —— durch welche olche— 
erhalten, wuͤrde. Man hat in. der, Baffinsbay be⸗ 
mierket, daß die Fluth art Fuß hoch ſtei 
und a felbft meldet, of jr in der an sit 


Ein Zaden iſt 6 Fuß. 


* ii ** re 


en. gewiffen Strich, Hält, „aber. nur pn OH 8 ‚ober-g 
de und die luth Kühe Re . ba,mip 
m Ocean. Emm nr indem fiedie 
infuhrten fuͤllet „a ‚und. nach ‚abe 
ar, daß eine Flut J von 3 Faden in 
| afler, wenn auch —— 













* * 


ms 
Hangdaf Ibjtworausgefeßet wuͤrde im Welcome ni 

au „einen. Faden heben fann da es doch Dafelb 
‚bi er ‚als, in der Baffinsbay, feige, ‚und folglid) di 
Wirkung größer. als die Urfache waͤre, Hiezu koͤmmt, | 
Bed Dar allen. an von dem nerblichen Kuͤ⸗ 


— 





im Welcome —4— man 3 entweder 
alle Grundſaͤtze unſerer Kenntniß von der Ebbe und 
Fluch verlaſſen, oder dieſen Einfall von der Forts 
pflanzung der Fluth durch Baffinsbay und ae 
es bey Seite fegen muß. | Sur 


"Henn die Such, nicht aus dem atlantifchen ober 
nordiſchen Ocean kommen kann, ſo iſt fie ſonſt nir⸗ 
gene, herzuleiten, als aus der Suͤderſee, und daher 

urch keinen Weg, als durch eine nordiveftliche 

urchfahrt. Auf der gegenwärtigen Reife hat. man 
Dan daß Nordweſtwinde auft dieſen Kuͤſten uͤber⸗ 
alt die hoͤchſte Fluth machen: Kaͤme fie. aus. dem at⸗ 
lantiſchen Ocean durch die Hudſonsenge, ſo wuͤrde 
Suͤdoſtwind ſie am meiſten erhoͤhen, da es ausge⸗ 
macht iſt, daß ein Wind, der nach eben der Richtung 
mit der Fluch ſtleicht, ihre Höhe am größten macht. 
Man kann auch nicht einwenden, daß der weſtliche 
D4 Ocean, 








er Von dei Bein ft 


Det, "ober bie — —* dieſen Laͤm 
Hehim Rücken lieg gt/und all dein Suͤdoſtwind, der! 
ellen An das — Ai die Flut 

"am Höchften'ma Jen‘ ſollte — Rh ac aß 

ein Wind, der nach einerley Richt er Flut 

ftreicht fe eiſten Bin nuß die Kuͤſte mag 

Ba wie fie will; ‚weil er eine große Menge Waller 

ufuͤhret —— AMein die Fluth ſteigt; und die Er- 

Ffabrung Tehret'ebeh das auf der oftlichen Küfte hi 

England, vo das deutſche Meer oſtwaͤrts liegt, ı 

Doch Norhweſtwinde die höchite Fluth machen , we 

der große en aus dem koͤ me, hip SR Sei. 

— — RE a u J Ha 


Hiezu nit 9— er das Bart im Bis 
J fo klar und geſalzen ift, daß der. Verfaſſer, wie 
erdie Shih am Cape Fry unterfuchte, den Boden in 
der Tiefe von ı1 Faden deutlich fehen Fonnte : aber 
Tiefe, Durchſichtigkeit und Salz fehicken, fich nicht u 
dem Ber iffe eines Sees, der aus Flüffen, die fi in - 
ihnet gieße en, aus geſchmolzenem Schnee und Regen 
ehtſteht, wie fie gegentheils einen Zu lammenhang mit 
em Obean ehr, ſtark anzeigen, Ferner ‚halten | 
— beſtaͤl g durchſtreichende Ströme von Eife 
frey, f6, daß Mi unleügbar ift, daß der nordliche Zelt 
der Bay vollkommen frey und offen if, wenn der 
ſuͤdliche * mie Ei — iſt, d. i daß es in ber 
Breite von 64 ober 65 G r. wenig Eis, und in der 
Breite von 82 Gr. oder 83 Gr. fehr vieles giebt. Es 
ift aber'nicht zu begreifen, ‚woher diefe ftarfe 
we kommen ſollen, als, aus einem weſtlichen De 
Endiich 





rdweſtl Durchfahrt. 25. 


* ſieht man gegen das Ende des Sommers eis 
Menge Wallfiſche daſelbſt. Num iſt befannt, daß 
dieſe Fifche fich nach wärmern Gegenden begeben, und 
folglich müffen fie ‚hier einen Weg nicht in eine‘ ‚note 
liche, ſondern in eine weſtliche See finden, · et 2 ? 


5 
+} y 
’* 





Ddie Gegend, mo die Durchfahrr hi mu 
nach des Berfaflers Gedanfen, nicht weit na —* 
den hinauf, weil man im Welcome, , oder Repulſe. 
bay feine Eisberge findet, wie in der weißen Baͤre—⸗ 
— ——————— Baffinsbay oder Davisſtraße, 
he fcheinen, zu einem andern feften Sande das 
er, oder an dem Pole liegt, zu gehören; die Hoͤhe 
der Fluth bekraͤftiget eben das. Daß diefe Durchrahet 
kurz ift, läße fich daraus muthmaßen, weil man nur 
f ache und Eleine Flüffe auf der weſtlichen Küfte 
r Hudfonebay findet, welches ein Beweis ift, daß fie 
Hücheiweit fließen, und folglich, Daß das fand, welches 
beyde Seen trennet, nicht groß ift : Die Stärke und 
Regelmaͤßigkeit der Fiub beweiſt eben das; denn wo 
die Ebbe und Flur) innerhalb 24 Stunden fait in 
gleichen Zeiten, den Unterfchied, welchen die fpätere 
Ankunfe des Monds an den Mittagsziefel verur⸗ 
ſachet, ausgenommen, auf einander folgen hältman 
folches für ein ſicheres Merkmaal der Nähe beym 
Ocean, woher ſie ſtammen: Auch die Wallfiſche wuͤr⸗ 
den nicht Zeit haben, in waͤrmere Gegenden zu kom⸗ 
men, wenn die Durchfahrt lang waͤre. 


Der Verfaſſer giebt zweene Oerter an, wo er 
große Hohfnung hat, daß die Durchfahrt koͤnne ge⸗ 


ar * 


IDEE), 5° funden 







funden werden, einen in * 
nem Orte, den er Chef — nlet heißt, 
den zweyten beh Der, Repul ebay.. — — e Muth 
fungen gründen ſich auf die vorhin angegebenen 
ftände: Und das ſieht er als die Frucht biefer © < 
fahrt an, die zwar ihre Hauptabficht nicht erreicht 
aber doch mehr Ucht und- Hoffnung ı megeneiuer- Fünf 
tigen Entdeckung gegeben, Dazu. a) e — au 

— aufmuntert. ee - 


Außer einer Charte von den Gegenden * EM 
Durchfahrtgefuchee worden, finden ſich bey dem Ber 
fe viele Kupfer, die, Ausfichten von verfchiedenen Ge 
‚genden, Trachten und Werkzeuge der era 

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er nie BE DRSELU.  NE U DISC EG IsheR 
— Einige Proben... — —7—— 
el Br ya en 
u EN RL TE 
dem Einfluſſe dei: Raturlehre 
„in Die SRechtsgefeftfämkei, 
N). ia. al, II I IRETHUR® ‚ıhim Bo. 
01 — werden, als ‚von 
Adem der eine Wiſſenſchaft für geringſchaͤ⸗ 
— Werken des unendlichen Wer 









Jens, und ſolchen Sachen, die zum Nutzen und ber 
Nothwendigkeit des menſchlichen Lebens gehören, be- 
ſchaͤfftiget iſt. Sie hat alſo ihren eigenen Werth, 

und darf nicht dadurch ſich erſtlich einige, Achtung 
erwerben, daß fie in andern Theilen der Gelehrſam⸗ 
feit zu gebrauchen, iſt. Sch halte es indeffen nicht 
für.überflüßig, ven Verehrern anderer Wiffenfchaften, 
zu zeigen, daß die Naturlehre ihnen auch bey der 
Einficht, die fie ‚fich insbefondere zu ihrem Zweite 
‚vorgefeget haben, Bortheil bringe. Diefes erwirbt 
‚vielleicht einer Wiſſenſchaft etwas mehr Aufmerkfam- 
keit bey Gelehrten, die fie nur als eine Beluftigung 
und einen,Zeitvertreib angefehen haben, Es iſt auch 
dergleichen vor. mir ſchon von verfchiedenen unternom=- 
menmorden, , Scheuchzers Schriften, in welchener 
den Nugen gejeiget, Den Öortesgelebrte aus der Na-- 
turſorſchung ſchoͤpfen fonnen, find befannter, san 
Kan a aaa nal Ar nm all 


ich fie * — — def. 
fen: Naturwiffenfchaft Hiobs, befindet ſich ga r ein 
Brief von eine iftlichen, in d ———— 
die ante I — ſey zu Erlaͤute⸗ 
rung “2 Big Schrift eben fo en ; St J 


Se hne mich ** 
nahen) Joßiie: e vielen Schr — den 40* 
li 


die Naturlehre zum Dienſte der na ichen oder ge« 
a Theologie angewandt, zu erzählen, will 
ch mich zu einem andern Theile der Gelehrfamkelt 
— bey dem Mh die —— enig 
wendig zu ſchaͤtzen pfle jlaubet inse 
Kr wenn ein er A fe made 
nen wir fchließen und’ handeln, von dem Phi a 
gelernet habe, fo wiſſe er das alles, was — 
nem Rechtsgelehrten von den Phifofop en ı uk 
noͤthig ſey, und bie Naturfor ſchung in | 
affenfalls' jur Stillung feiner Meugte H, 
zur Kenntnig und Anwendung der jenen, * ine 
Nügen. Wie weit dieſer Gedanke richtig fey, ode 
Ay —— ich meine fe sefer aus dem Folgenden urehei 
en Riten. eier 
Meine Abfiche tft, den Einf ber Bonfi in de 
Rechtsgelehr ſamt eit nur durch J eh 
gen Ich verftede unter der Phyſik die wahre 
nüßliche Kennthiß der, Natur, nicht eine 3 
Kenneniß von Spielwerken a Mafhinen, und 
von Dingen, die mehr unfere Neugier befchäfftie 
als unſete Einſicht und unſere Vortheile erweiter 
Es iſt wahr, do ß viele Leute unter dem Worte, Ph y 
zerade Das verſtehen, was ich nicht darunter "verftehe. 
Die mögen felbft feyen, wie fie den Fr na 
yſi 






















x Naturl. in die Rechtsgelehrſamt a9 


Bun Ranıc 
le —0 egriffe, gehoͤret die Unterſuchung 
utzen und, Vergnuͤgen anwenden koͤnnen. Dergleis 





Uute en ‚entdecken uns öfters, neue und 
wichtige Wa Ehe und mo die Menſchen auch nur 
f be annte Cigenfchaften der Körper zu ihrem 
Öebrauche anwenden, thun fie, allezeit Da 
gers, als wenn einige Natirforfcher ebenfalls (dom 
Bekannte Eigenfehaften der Körper, zur Tändeley als 
wenden, Ich nehme alfo zur Narurforfchung, fo: 
ohl das, was man in einem engern Verftande Die 
daturgeſchichte zu mennen pflegt, als die, Kenntniß 
der Künfte, Die auf den Gebraud) der natürlichen 


örper ankommen, mit. —*— 
Wollte ich mehr Scheingruͤnde, als wirkliche Be 
weile anführen, fo koͤnnte ih Schluͤſſe von dem Ein⸗ 
rufe der Narurforfchung in die Rechtsgelehrfamkeit, 
als der Erflärung der leßtern Wiflenfchafe, welche 
die römifchen Rechtsgelehrten gegeben haben, herlei⸗ 
een: Sollfieeine Kenntniß von göttlichen und menſch⸗ 
fihen Sachen feyn, fo glaube ich, e8 würde ihr mehr 
Ehre bringen, unter den göttlichen Sachen die Wer: 
fe des Schöpfers zu verftehen, als diefes von den 
ı Geheimniffen der römifchen Religionsgebräuche oder 
ihres wahrfagerifchen Aberglaubens auszulegen. Aber 
ich will meinen Saß nicht auf eine Erflärung gründen, 
von deren Richtigfeit, und ob fie nicht vonden Rechts» 
gelehrten den Philofophen abgeborger fey, ein großer 
und wichtiger Streit ift, in den ich mich igo nicht ein ⸗ 
laffen Fann, BREI 


Hi 


Die 










Die — tsgelehrſamke 
faſſung oder mean de Gefege a an 
Verrichtungen Des menfihlichen gebens, denen ©: 
vorz ac find, 9 et in dem Gebr ud 

| Ei | —* „diefen beyven. 











re dr — "Die Sr jufacturen find, 
ne Gedanken nach, Theile d Race und 
= folche, deren Unwiſſenheit ei ſich fo nennen“ 
den Nafürlehrer größere Schande He t, als wenn 
er (damit ichrecht fehr ſchimpfe! den? kufepenbrocfi ] 
ſchen elektriſchen Verſuch nicht wuͤßte: bie feute, wel · 
che mit dieſen Dingen zu thun haben, find in | 
auf: dieſelben Naturforſcher, oder wenn ſie es nicht 
find, d. i. wenn ſie die ihnen vorkommenden natuͤrli⸗ 
chen Wirkungen nicht mit Aufmerkſamkeit und Uebe 
legung zu betrachten wiſſen: ſo folgen ſie — 
die ihnen von Naturforſchern ſind gegeben worden, 
und haben ſie auch dergleichen nicht, ſo empfinden ſie 
die Strafe ihrer Unwiſſenheit durch. wirklichen Scha⸗ 
den oder durch Entbehrung größeren: Bortheile, Die 
ihnen mehr Einficht verſchaffet hätte, ae 
hellet, was für eine Kenntniß der Naturlehre ſo viele 
und fo mannigfaltige Geſetze, diediefe Beſchaͤfftigun⸗ 
gen betreffen, erfodern. Machen die Bergrechte doch 
einen beſondern Theil der Rechtsgelehrſamkeit aus;⸗/; 
in dem vielleicht vieles aus einer genauern und voll⸗ 
ſtaͤndigern Kenntniß der Natur noch zu ergänzen, und, 
— zu beſtimmen wäre, wie zu E. eine weitläufs 
tige 





er Raturl. indie Rechtögefehtfanfeit. 3 





- 


; tige Gangftreitigfeit, die Zimmermann *erzähler, nur 


g 


aus genauern Begriffen von der Befchaffenheit eines 


Ganges zu enefcheiden ift, Die Rechte, welche vie 
Landwirthſchaft betreffen, und in ſo großer Menge 
find, daß Donauers Anmerkungen über Florini 
Hausvarer, und Leyſers davon abgefafites Werk ** 
fie doc) vielleicht noch nicht alle enthalten, gründen 
ſich auf die Naturgefchichtedes Erdreichs, der r Tiere, 
der Pflanzen, der Wirterungen u.f. w. a, die 


Rechtsgelehrten Fönnen ohne Kenntniß des Acker⸗ 


baues, nicht einmalein gewiſſes juriftifches Wort vers 
ftehen, davon die Sache öfter, als fie follte, vors 
koͤmmt ***.Und die Geſetze, durch welche bey Kuͤn⸗ 
ſten und Manufacturen die Ehre und der darauf ans 
fommende Vortheil eines Landes muͤſſen verſichert 
werden, laſſen ſich von niemanden, als von einem 
Naturforſcher, abfaſſen und veritehen. Frankreich, 
dem die Deutfchen lieber in Thorheiten nachäffen, als 
en wahrer Wiffenfchaften, und Anwen⸗ 

dung derfelben zum Beften des Staats nachahmen, 


weiß um dergleichen Einrichtungen, feine Akademie 


zu befragen. Du Fans Berfuche, nach welchen den 


Faͤrbern Gefeße vorgefchrieben worden, haben viel« 


deicht nicht fo viel Aufſehen verurfachet, aber Frank⸗ 


reich wohl eben fo viel Nugen gebracht, als‘ feine 


eletwriſchen Belegen: 


' Mat 
| Oberſachfiſche Bergakademie XI Ofen, im 01 St. = 


** Js Georgieum. ie 
*+* Praewaricari :. Arator nifi incuruus praenaricatur. 
_ Inde translatum hoc crimen in forum. Ibi itaque 


caueatur vbi inuentum eſt. Plin. XVIII. c. 19. 
7 Hellot Theorie Chymique de la ‚Teinture des etoffes. 


Memoi- 





Man J mir MA ã was ich 
vorgebracht habe, erfordere eine Kenntniß der Natur · 
lehre bey gewiſſen beſondern Rechten; aber die ge⸗ 
woͤhnlichſte und brauchbarſte Ausuͤbung der Nee 
gelehrfamfeit verlange. folche Weitläuftigfeiten ie, 
weder Teſtamente zu machen, noch Contracte zu ent · 
werfen, noch die Proceßordnung — noch 
koͤpfen, henken und raͤdern zu laſſen, ſey die Natur: 
lehre nörhig. Behielte aud) dieſer Einwurf ſeine 
vollige Stärke, fo würde er mir doch nicht fo gar 
nachtheilig fen; ; ich würde fragen, ob das, was in 
einem Theile der Rechtsgelehrfamfeitnüßet,in der. gans 
zen Rechtsgelehrfamfeit koͤnne unnüße genannt wer: 
den ?- ob die Unterfuchung der römifchen Gefege 
und Alterthuͤmer bey der Rechtsgelehrſamkeit uͤber⸗ 
fluͤßig ſey, weil ein großer Theil der heutigen Rechte 
ohne fie kann verftanden und gebrauchet werden, weil 
eine Menge praftifcher Rechtsgelehrten, entweder nie 
viel Fleiß darauf gewandt, oder ihre darinnen erlangs 
te Kenntniß faſt wieder ausgeſchwitzet haben? "Sch 
würde. ferner anmerfen, daß nicht alle, die ſich der 
Rechtsgelehrſamkeit widmen, Sachwalter, Gerichts⸗ 
perſonen oder Uvtheileverfaifer werden, daß zu Aem⸗ 
tern, die Deconomie, Cameralwiſſenſchaften u. di. gl, 
erfodern, Nechtsgelehrte vorzüglich vor andern Ger 
lehrten erwählet werden, denen alsdenn oft ein großer 
Theil ihres juriftifchen Sleißes fo unnüß ift, fo. vor⸗ 
theilhaft ihnen eine Kenneniß der wahren Donfik, und 
der — ſeyn wuͤrde. Ich wuͤrde erinnern daß 

| | ‚große 

——— de l’Academ. des Sciences, 1740. L Mein. 
178. ©. der holland. Yuflage, II. Mem. Mem, des P’A- 

Sad, des Se. 1741. G. das Mag. 1B.5. St.u 2B.5. St. 





chtsgelehrſamkeit. 33 


große Rechtsgefehrte, die ihre Wiſſenſchaft als eine 
gelehrte Wiſſenſchaft, und nicht als ein Handwerk ver⸗ 
ſtehen, allemal die Phyſik, wenigſtens wie andere fchö« 
nen Kenntniſſe als eine Zierrath anfehen, daß ;. E. der 
Hr. von Leyſer in feinen Meditationibusad Pandectas, 
die Nachrichten der Naturforfcher von Erzeugungder 
DM zur Erläuterung deffen, wasdierömifchen Ge⸗ 
[den Perlen verordnen, zu gebrauchen gewußt 
hat* Doch es iſt leicht zu zeigen, daß in den taͤg⸗ 
üch brauchbaren Sägen der Rechtsgelehrſamkeit ſehr 
vieles aus der Phyſik muß verſtanden und beurtheilet 
werden. Wenn zu der Phyſik die Kenntniß des 
menfchlicyen Körpers gerechnet wird, und wenn dieſe 
Kenntniß in Eriminalfachen, bey Nuthmaßungen we⸗ 
gen begangener Verbrechen, bey Beſtimmung der 
Grade von der Tortur u. ſ. m. noͤthig iſt, fo iſt dies 
ſer Theil der Naturforſchung einem Rechtsgelehrten 
nicht entbehrlicher, als ihm die ſchrecklichen Buͤcher 
in den Pandecten find, und er hat Urſache, die Bes 
mühungen der Arztneygelehrren mit Danke zu erfen« 
nen, von denen die Medicina forenfis als eine beſon⸗ 
dere Anwendung der Arztneywiſſenſchaft ift abgehan« 
delt worden. : Thomafius hat zu unferm großen Tro⸗ | 
fte bey dem täglich zunehmenden Holzmangel , die He⸗ 
xerey unter Die verlornen Kuͤnſte verſtoßen: wie 
viel Holz haͤtten aber nicht unſere Vorfahren erſparen 
koͤnnen, wenn die Hexeninquiſitoren beſſere Natur; 
forſcher geweſen waͤren? 
Wie viel Streitigkeiten fallen nicht von der Bes 
ſchaffenheit ſolcher Sachen, über die Käufe u. d. g. 
b find 





*Specim. 392 


4 Dand, C 






34 Einige Proben von dem Einfluffe 
r,ohnedie 





find gefchloffen worden, vor die ein Sachw 
Natur dieſer Sachen einigermaßen zu kennen, weder 


verſtehen, noch führen, und einr Richter noch vielweniger 
entſcheiden kann? Ich wollte unfern Rechtsgelehrten 
zum Vortheile wuͤnſchen, daß dergleichen Streitig · 
keiten alle nur uͤber Bier, Tobak und Wein entſtuͤn⸗ 
den, ſo koͤnnten die meiſten von ihnen, vielleicht mit 
eigenen Augen ſehen, ich ſollte ſagen mit eigenem 
Gaumen ſchmecken, und duͤrften ihre Zuflucht nicht 
fo zu dem troͤſtlichen Lehrſatze: peritis in arte ſua 
credendum eſt, nehmen; aber zum Unglück koͤn⸗ 
nen noch uͤber die natuͤrliche Beſchaffenheit anderer 
Sachen Streitigkeiten entſtehen. Die roͤmiſchen Ge⸗ 
ſetze erzählen eine Menge von Krankheiten und Feh ⸗ 
lern, die beym Verkaufe der Knechte vorfommen fonn« 
en *. Die deurfchen Rechte enthalten von den Feh ⸗ 
lern der Pferde, die einen Verkauf derfelben untüch- 
eig machen Eönnen, befondere Berordnungen**, und 
bey diefen Verordnungen fieht man: eine herrliche 
Probe, wiedie Gefege von Leuten verftanden werden, 
die fi) nur um Wörter und nicht um die Natur be= 
Eimmern. Weil in ihnen haarſchlechtig ftatt 
hartſchlaͤgig gefchrieben war, fo haben die Rechts⸗ 
gelehrten, die es nicht für noͤthig bielten, ſich hier 
von Roßkaͤmmen unterrichten zu laffen, getroſt 
diefes Wort durch Scabiofus überfeße, ohne zu be= 
denfen, ob daffelbe einen innerlichen Hauptmans - 
gel 
* V. Strauch. diſſ. I. de aedilitio edicto cap. IV inter 
opufeula Strauchii, collectore Knorrio Hal. 1729. 
edita XIX. | 


8% Weichb. a. 97- 


der Naturl. indie Rechtsgelehrfamfeit. 35 
gel nach dem Begriffe der deurfchen Rechte bedeu« 
ten Eönne*. ge 
Unter den Geſetzen, welche die Teftamente berref- 
fen, bat eines dem großen Gelehrten, Aegidio Me⸗ 
nagio zu einer. herrlichen phnfifalifchen Anmerfung 
Anlaß gegeben. Der Rechtsgelehrte meldet, es fey 
feiner fo taub, der gar nicht höre, wenn man ihm 
über den Scheitel zurede **. Menagius berichtet, 
wie es der Wahrheit gemäß ift ***, daß die Erfah» 
rung folches befräftige, wundert fich aber gleichwohl, 
wie folches zugehen könne, da der Schall aus Luft be- 
ftehe, und folglic) indie Höhe gehe, daß alfo ein Tau— 
ber leichter hören follte, wenn man unter feinem 
Scheitel, als wenn man über folchem ihm zuredet f. 
Man Fanndiefen Einfall den Zeiten des Menage, und 

feinen übrigen Verdienſten verzeihen, aber er möchte 
doch wenigftens zu unfern Zeiten. einige belehren, daß 
fie entweder noch was mehr, als römifche Alterthuͤ⸗ 
mer, Sarein und Griechifch lernen muͤſſen, ober fi 
nicht an die Auslegung aller uns auch noch übrig ge 
bliebenen und brauchbaren römifchen Gefege wagen 
dürfen, ig vr 2 
Mr Che ich weiter gehe, muß ich noch ein Paar Wor⸗ 

\ te, von dem fchon erwähnten hülfreichen Saße fagen, 
un. & 2 daß 

* Vitriarius de tribus vitiis equorum capitalibrıs Saxoni- 

eis c.I. IV. Trai. ad Rhen. 1694: 

»*], 10. C. qui teft. fac. pofl. N i 

#** Haller, phyfiol. $. 393. re ” 

} Cum vox fit aßsens vt quae ex aere conftet, facilius - 

bprofecto furdus exaudire' deberet, fi quis infra ce- 
rebrum illius quam fupra logüeretur. (Menag. Ayn, Iur, 
Ciu. cap. 27. — 


5 


36 Einige Proben von dem Einfluſſe 


daß man jedem in feiner Kunft glauben müffe, und - 
daher bey Sachen, die man felbft nicht verftehe, fich 
auf Leute, die davon die gehörige Kenntniß haben, ver · 
laffen dürfe. Sch geftehe es willig zu,daß ein Rechts 
gelehrter ſich der Einfiche anderer bedienen bürfe; 
‘aber hierzu ift nöthig, daß er urtheilen koͤnne, ob die 
$eute, deren er fich bedienen will, Einficht befißen, 
und daß er fich ihre Nachrichten zu Nutze machen kann: 
zu beyden iſt er unfähig, wenn er von den Sachen, 
wo fie ihm Nachricht erteilen follen, gar feine Bes 
griffe hat, Wird ein Rechesgelehrter mit dem gan⸗ 
zen Corpore iuris, und auch mit allem, was von den 
. aquaedudtibus, Gelehrte, und nicht Mathematiker» 
ftändige oder Naturforfcher, gefehrieben Haben, vermoͤ⸗ 
‚gend feyn, bey einer Muͤhlenſtreitigkeit zu urtheilen, 
ob die Müller gewiffenhaft und die Gefchwornen ges 
fehicte genug find ? Und wird er in ihren Berichten, 
Fachbaum, Wehr, Gefälle u. d. g. nicht mie 
eben fo viel Erbauung lefen, als ein deutfcher Bürger 
die Claufulaın codicillarem in einem Teftamente, oder 
das defuper nobilisfimum iudicis ofhcium implo- 
rando in einem Klaglibefle liefet? Soll man fich aber 
wohl gänzlich auf der KRunftverftändigen Urtheil ver⸗ 
laſſen, da auch gefchickte feute in den Unterfuchungen, 
aus welchen fie ihr Hauptwerk machen, fehlen koͤn⸗ 
nen. ? ft es nöthig, daß ich dieſen Satz mit nod) 
mehr Erempeln beftätige, alsdamit, daß verfchiedene 
medicinifche Collegia das Auripigment für Gift er⸗ 
Eläret haben*, oder ift auch diefes Beyſpiel ſchon 
uͤberfluͤßig? a: 
RN Eine 


*Hofmann Obferu. Phyf, chym. LI. Obferu.I. 


cHre 














der Naturl. in die Rechtsgelehrſamkeit. 37 
Eine Frage, die nicht in die Bergrechte, ſondern in 
die Pandecten geböret, ift ohne Kenneniß der Mineras 
logie nicht auszumachen, wie es nämlich mit der Aus⸗ 
beute, die aus Bergwerken erfolget, zu halten fey, wenn 
jemand die Fruchtnießung von ‘Bergtheilen hat; ob er 
ſich folche völlig, oder nur die Nutzung diefer Ausbeute 
\anmaßen dürfe ? Man muß dabey das willen, ob 
die Bergtheile unter bewegliche oder unbewegliche Sa⸗ 
chen gehören ? und ob die Metalle wieder wachfen? 
Beydes hat der Ehurfürft, deflen fir Sachfen auch 
nach ihm noch fo glücklichen Namen ich nie ohne Ent⸗ 
zuͤckung nenne, der ewige Auguft, mie einer Einfiche 
entſchieden, wie fie von ihm Fonnte erwartet werden, 
von einem Fürften, der die natürlichen Vorzüge ſei⸗ 
nes Landes kannte, und erhob, deffen weiſe Geſetze, defe 
fen fandesväterliche Anordnungen auch nad) verfloſſe ⸗ 
nen Kahrhunderten, nod) einen Theil von dem Gluͤ⸗ 
cke unſerer Zeiten wirken. Die Bergtheile find nach 
feinem Ausfpruche unbeweglich und die Metalle wach⸗ 
fenden Früchten nicht gleich zu fehägen*. Die 
wahrhaftig großen Rechtsgelehrten, von denen erwaͤhn⸗ 
te Öefege find erläutert worden, haͤtten über gegen« 
wärtiges ganz andere Anmerkungen machen Fönnen, 
‚als fie gemacher haben, wenn fie beffere Naturfor« 
ſcher gemwefen wären, Wenigftens hätte alsdenn 
Berlich“* unter die Bemeife, daß die Beratheile zu 
den beweglichen Sachen gehörten,die herrlichen Grün: 
de nicht gefeßer: es liefen fich nur unbewegliche Sa⸗ 
„> Sal i chen 
*Churf. Auguſts Confitutiones von 1572, Ilter Theil 
25 Conſt. t 
** Part. III. concl. 35. 


* 


33 Einige Proben von dem Einflu 
«hen zu Sehne geben, und die Ver außerung der Berg · 
theile ſey durch ſolche Geſetze verboten, die ſonſt nur 
die Veraͤußerung unbeweglicher Sachen unterſageten. 
So triftige Urſachen * einen ſolchen Kenner und 
Befoͤrderer des Bergbaues, wo nicht gar einen Beſitzer 
des groͤßten chymiſchen Geheimniſſes, wie Auguſt 
war, ſchwerlich bewegt. Wie die Entſcheidung, daß 
die Bergtheile zu den unbeweglichen Sachen gehoͤren, 
hoͤchſt vernuͤnftig iſt, ſo hat er, wegen des Wieder⸗ 
wachſens der Metalle, ohnſtreitig mit vollkommener 
Einſicht in die Beſchaffenheit feiner Bergwerke geur- 
theilet. Daß Metalle von neuem können erzeuget wer⸗ 
den, iſt aus den Gruͤnden der Naturlehre ſo wenig zu wi⸗ 
derlegen, ſo ernſtlich es von den erfahrenſten Schriften 
von Bergwerksſachen, behauptet wird *, ob dieſe wohl 
nicht eben allemal uͤberzeugende Urſachen anfuͤhren; 

denn daß z. E. die Stollen mit der Zeit enger werden 

follen, kann vielleicht nur von dem Drucke des darauf 
liegenden "Berges verurfacher werden, und würde aufs 
böchfte nur nach Herrn Leſſers Anmerfung R —* 

en, 

Lohneis vom Bergwerk, I Th. 18 ©. Roͤßler im Berg⸗ 
werksſpiegel I Tb. 25 C. u. am. Siehe auch des 

Herrn von Leyſer Med. ad Pand. Spec. 106. Med. 6. 
. Man fehe auch die von Herrn Sulzern angeführten 
Schriftſteller in der Anmerk i. zur 4ten ſcheuchzeriſchen 
Bergreiſe, 127 ©. feiner Ausgabe. 

** Lithotheol. 108 $. Herr Leffer hatte noch su den Be: 
meifen, daß Steine wachſen, Tourneforts Beobach- 
tungen feßen Eönnen, der in dem cretenfiichen Laby⸗ 
rinth die Buchftaben erböbet gefunden, die Reifende 

« vor. etlichen hundert Fahren dafelbft zum Andenken in 
die Steine gegraben hatten, und in der Höhle von An⸗ 
tiparod Marmorfteine will gefehen haben, die 


, 
l 





der Naturl iin die Rechtögelehrfamfeit. 39 


fen, daß Steine, nicht aber das Metall, wieder wach» 


fen. Wenn aber auch diefes richtig wäre, wenn man 
auch der merfwürdigen Gefchichte die Mathefius fo. 
umftändlich erzählet*, Glauben zuftellen will, fo eve 
hellet doch leichte, daß die Metalle nicht da wieder 
wachfen fönnen, wo die Gangart, in der fieerzeugee 
worden, mit ausgehauen wird, odernur fo viel von ihr, 
als zur Bergfefte nöthig ift, ftehen bleib. — 
Man kann zu diefer churfürftl. Verordnung noch 
eine andere feßen, die ebenfalls die Metalle betrifft. 
Wenn das fächfifche Landrecht alle Schäge, dietiefer, 
als ein Pflug geht, in der Erde liegen, der landes« 
herrlichen Gewalt zueignet**, fo hat der Churfürft 
Auguft diefen Ausſpruch nur von Metallen, und niche 
von vergrabnen Schaͤtzen, ausgeleget***. Cs läßt 


ſich noch darüber ftreiten, ob das Wort Schatz fol« 


chergeftalt Eckens von Repgau Sinne gemäß ange ⸗ 
nommen wird, welches der Herr von Leyſer leug⸗ 
net+, wie Carpzov gegentheils ++ glaubet, man muͤſ⸗ 
ſe es von Metallen annehmen, weil gleich darauf 

C4 von 


liche Baumſtaͤmme vorgeſtellet, und ſo gar die Jahre 
gezeiget. Siehe Voyage du Levant Lettre II. p. 79. 
und LettreV, p.228. T. I. der lyoniſchen Ausgabe von 
1717. auch) die Memoires der Acad. des Sc. 1702: Doch 

man weiß wohl, was vom Tournefort geurtheilet wor⸗ 
den, daß er aus Liche zu den Pflanzen, alles in Pflan⸗ 
zen verwandelt. | Ka Va 

*Sarepta Öffe Predigt. it 

**19. 35 Art. Rling fol. CVIL 

** II 55, 53 Eonfl. 

tMed. ad P. Sp. 442. med. 2. . —* 

tt F. I. C. 33. def. 1. In einem Manuſcript iſt dem 
Worte argenti noch beygefüget, cum — 





von Silber geredet wird. Die BE 
ger Ausgabe von 1545* verſteht anfänglich. offenbar 
das Wort Schutz von vergrabenem Gelde, fcheint 
ſich aber nachgehends zu widerfpredhen, under: deut⸗ 
ſchen Sprache eine Armuth Schuld zu geben, die ſie 
noͤthigte, das Wort Schuß ſtatt Erz zu Brauchen **, 
Niemand wird glauben, daß der Verfaſſer diefer 
Gloſſe, der die tömifchen Gefege mit den deutfchen 
Gewohnheiten fo unglücklich zufammenflicker, feine 
Murrerfprache zulänglid) gewußt habe, und daß bie 
Deurfchen zu einer Zeit, da die Bergwerke mit fo 
viel Eifer und Vortheil gebauet wurden, Fein Wort 
gehabt häiten, die Reichthuͤmer, die fie aus der Erde 
ausgruben, zu bezeichnen, wenn fich nach Leibnitzens 
Berichte ***, felbft die Tuͤrken in den Bergwerken 
von Griechenland und klein Aſien deutſcher Woͤrter 
bedienen. Auch der große Kenner unſerer Spra⸗ 
chen, Wachter, weiß nichts von dieſer Bedeutung des 
Wortes Schatz, wie er gegentheils bemerket, daß 
Aer von Gelde gebrauchet worden, und noch itzo in 
den nordiſchen Laͤndern gebrauchet wird f. Dochlin 
Wwas 
2 bie Särtnerifche Ausgabe vom Banbeeit, bey die⸗ 
ſem Artikel 
* Bey den Worten: allerhand Schat. 
> Boy den Worten: Silber magtc. Fudovic hatin ſei⸗ 
nem Sachfenfpiegel, nur dieſen Theil der Gloſſe mit 
Weglaſſung des übrigen angeführet, und daß ich es im 
Vorbeygehen erinnere, auf dem Rande faͤlſchlich dru⸗ 


cken laſſen: Erz mag auch kein Mann haben ſtatt 

hauwen ic. 
bh Praef. ad Nizol. antibarb, * izte S. der nn Ä 

furter Ausg. von 1674. | 
+ Gloffar. Germ. his vor. 





der Naturl. indies Rei hi - 


was für einem Berftande aud) der Berfaffer des nd 
ſenſpiegels das Wort Schag genommen hat, fo erhel⸗ 
fet aus des Ehurfürften Auslegung fo viel Güre, als 
Weisheit : aber die legtere Fann nur ein Rechtsges 
lehrter erfennen und zeigen, der Begriffe von dem 
Bergbaue hat, und weiß, daß einer oder wenige Prir 
vatperfonen, ohne den Schuß und die Anordnungdes 
Landesherrn, folchen mit geringem Nutzen und oft 
zum Schaden des Staates anftellen würden, daßda- 
ber das Bergwerf, wie alles, was einen farfen Ein 
Fluß in den Zuſtand des ganzen Landes hat, und zu 
deſſen gehörigem Gebrauche einzelne Bürger für fich 
weder Einficht noch Kräfte genug befigen, dem Lan⸗ 
desheren zuzueignen iſt, wie folches die Schrift 
ftellee von den: Bergregale und am neueften der 
Berfaffer von den bergmaͤnniſchen — 
den*, ausführlich gezeiget haben, 


Selbſt von der Wuͤnſchelruthe haben die Rechts⸗ 
gelehrten, auch wo Feine Bergwerke find, zu entſchei⸗ 
den, weil man fich ihrer zu Auffuchung der Gränzen, 
oder vergrabenen Gchäße hat bedienen wollen ”*, 
Iſt e8 ihnen alfo unnuͤtze zu wiffen, was bey Ken 
nern der wahren Pänfif der Soßitien laͤngſt ausge⸗ 
machet ift, daß die Wuͤnſchelruthe, ſo wenig durch die 
Wirkung eines boͤſen Geiſtes, als wie Zeidler 
glaubet **, durch, ich weiß nicht, was. für eine Ver⸗ 
— des menſchlichen Geiſtes, mit, ich weiß nicht 

€; was 
* u Abhandlung. 


** Wernher difp. de finibus per virgulam — — 
non inueſtigandis Vit.1734. 


*+* Zeidlers Pantomyſterium, oder dag Neue vom So 
re,von der Wünfchelruche. 1700, 


42. Einige Broben von dem Einflufe 


—* einem ‚allgemeinen Weltgeiſte ſchlaͤgt. Von 
Herr Kruͤgern wird in ſeiner Geſchichte der Erden, 
das Geheimniß deutlich entdecket, und kaun man wohl 
noch itzo daran zweifeln, daß diefe Wahrfagung auf 
Errathen oder auf Betrug binausläuft ? Leibnitz hat 
ſchon an den Magliabechi berichtet*, daß ein. Rus 
thengänger.in den Harzgebirgen die Gänge mit vers 
bundenen Augen nicht wieder finden Fönnen, die er 
zuvor ausgegangen war, und man wird alfo ſchwer⸗ 
lich die mannsfeldifchen Bergleute für viel unwiſſen⸗ 
der zu halten haben, weil ihnen, nad) Heren Kieß- 
lings Vermelden, der Gebraud) der Wünfchelrurbe 
fait unbefannt ift * ‚MWie muß niche Aymar über 
die Richter gelachet Haben, Die ihm fo freulich, bey 
Aufſuchung der Mörder, nachgefolger find, bis fein 
Betrug ift entdecket worben ++, Ein wenig phyſika⸗ 
liſche Kenntniß wuͤrde ihnen dieſe Muͤhe und dieſe 
Schande erfparet haben, Esift wahr, daß auch Leu⸗ 
te, die Naturforfcher feyn wollten, dieſe Wunderdinge 
geglaubet, und fogar aus Der cartefi anifchen Phyſik zu 
erftären gefuchet haben t; aber man fiehe leichte, daß 
diefes Marurforfiher von der bequemen Art. geme- 
fen find, die mehr aus Büchern ‚ eitelen Hirnges 
finnften und etwa fpielenden Verſuchen Elug zu 
werden gehoffet haben ‚ als aus forgtältiger. und 

muͤhſa⸗ 


* Claror. ——— — ad Magliabech, a Targio- 
nio editae, ep. 16. Leibnitii. 

*⁊ Nachricht vom Bergbau in ber Grafſchaft Mannsſed⸗ 
97 Seite. 

u, die Breßl. Samml. 1725. $.IV. Cl. 8. Art. 

+6; bes Abts Vallemont Phyfi ique osculte. 


der Naturl.in die Kechtögelehrfamfeit. 43 | 
muͤhſamer Unterfuchung der Natur felbft. Bon diefen 
aber habe ic) f hen vorhin meine Gedanfen gefager. 
Machen doc) neue Entdeckungen inder Naturlehre 
in Geſetzen, die fonft mit gutem Grunde abgefaßet find, 
nöthige Veränderungen. Wenn jemand aus einem 
Stoffe, der einem andern zugehörig war, mas Neues 
‚verfertiget hatte, fo entſteht ein Zweifel, ob ſolches ihm⸗ 
oder dem Beſitzer der Materie, zuſtaͤndig ſey, über wel: 
chen die alten Rechtsgelehrren lange geftritten haben * 
Juſtinian hat die Entſcheidung gemachet, wenn das 
verfertigte in die vorige rohe Materie wieder koͤnne ver⸗ 
wandelt werden, ſolle der Herr der Materie, im ans 
dern Falle der Verfertiger, den Vorzug haben **, und 
wenn zwo Materien, deren jede einem andern Herrn 
gehöret hatte, fo mit einander vermenget wären, daß fie 
nicht wieder fönnten gefchieden werden, hat er fie für 
gemeinfchaftlich erkläre. Er bedienet fich dazu des 
Erempels von vermengtem Gold und Silber, welches 
er eledtrum nennt ***, Dabeutzu Tage diefe beyden 
Metalle fönnen von einander gefchieden werden, fo ift 
leicht zu ſehen, daß die Gemeinfchaft fo wenig ftatt hat, 
als fie nad) Ulpians Ausfpruche r bey dem vermengten 
Silber und Bley ftatt finder, welches ſchon die Römer 
zufcheiden wußten. Wird es alfo einem Rechtsgelehr⸗ 
ten zum Berftande folcher Gefege undienlidy feyn, von 
den — die a zu ſcheiden, Degeifle zu haben, 
zu 
*S. des a Kr Mafcon Schrift, de Sedtis Sabin. er 
‘ Procul. IX @ap. 27 $. 


**, 25. deR.D. 

*** 6,27. ib. Vom Ele&tro hat Salmuth, ad Panciroll, 
, FE RR tit. 33, viel zufammen gefchrieben. 
re. | 





zu wiflen, in was as Glen auch die fonf gewößni | 

chen Mittel nicht angehen*, und beurtheilen zu fon 

nen, ob dasjenige, was Huber ** bey diefer Rechts⸗ 
frage,aus dem Giphanius angefuͤhret hat, —— 
tigkeit habe? 

ESolite man wohl glauben, daß ſelbſt das Goldma⸗ 
chen zu Unterſuchungen Anlaß geben koͤnne, darüber die 
Rechtsgelehrten gefraget werden ?Wenn die Geſchich⸗ 
te Glauben verdienet, die in einer gewiſſen Samm⸗ 
Jung von Rechtsfprüchen erzählet wird ***, fo müßte 
es Leute geben, Die was mehreres thun, als wie Boer⸗ 
have von den alten Schriftſtellern von der Goldma⸗ 
cherkunſt vermuthet, wahrſcheinliche Folgerungen aus 
ihren Erfahrungen für Erfahrungen auszugebent. 
Ein vornehmes Srauenzimmer ſoll das Gluͤck ges 
habt haben, daß ein Unbekannter ihr alles Silber: 
werf in Gold verwandelt hat, und da ihr Mann 
nachgehends fi bey ſolchem den Nießgebraud), oder 
gar das Eigenthum anmaßen wollen, hat ihm der leip⸗ 
ziger Schoͤppenſtuhl ſolches abgeſprochen. 

Die Exempel, die id) von dem Gebrauche der Natur⸗ 
lehre in den Rechten angefuͤhret habe, ſind meiſtens aus 
dem Mineralreiche hergenommen geweſen. Wie ſich 
dieſer ihre Anzahl vermehren ließe, ſo koͤnnte ich auch 
aus andern Theilen der Naturforfchung Proben an: 
führen, ohne mich dabey einiger andern Schriften, 
die mit gei genmärtiger einerley Gegenftand haben, zu 
bedienen, fo wenig, alsich mic) derfelben itzo "ie 

ade, 
*Kramers Probierfunft I I 518 $. b 
*æ* Prael, iur. ciu. ad Tit. I. de R. D. 
*** Putonei enunciata et — lia iuris XV St. Rn 92. 
Man fehe auch Kundimanng rariora nat. etart. S.IL. a.33. 
4 Boerh. Chym. T.L fub fin. art. de vülit. Chym, p. 108. 
der leip. Ausg. 


der Naturl. in die Rechtsgelehrſamkeit. 45 
habe“. Vielleicht kann diefes ein andermal gefihe« 
hen, doch die angemerften Beyſpiele werden fchon zu« 
länglic) feyn, den Rechtsbefliffenen, die in ihrer Haupt⸗ 
wiffenfchaft fo ſchrecklich viel zu thun finden, daß fie 
‚auf andere Dinge, die ihrem wohlbedächtigen Aus« 
fpruche nad), Fein Brodt bringen, gar Feine Zeit wen 
den dürfen, einige Erinnerungen zu geben. Diefe 
Herren dürfen eben nicht denken, daß ich die Phyſik 
als eine Magd der Nechtsgelehrfamfeit ihnen anprei« 

ſen will, wie man vorzeiten die Philofophie, in Abſicht 
auf die Gottesgelahrtheit, betrachtet hat. Sie hat ih⸗ 
ren eigenen- Werth, und ohne die Kenntniß und den 
Gebrauch der irdifchen Güter, die fie ung lehret, wuͤr⸗ 
den wir auch der Vorfchriften der Rechte nicht nöthig 
haben, von diefen Öütern jedem das Seinige iageben 
Aber, fchilt man diejenigen Stümper in der Rechts⸗ 
‚gelehrfamfeit, die von den römifchen Gefchichten und 
Alterthuͤmern nichts wiſſen, und daraus die eingefuͤhr⸗ 
ten fremden Rechte, von denen fo ein großer Theil un: 
brauchbar ift, nicht erflären koͤnnen: was follman von 
Denen fagen, die aus Unwiſſenheit der Naturlehre nicht 

‚ vermögend find, den größten und nüßlichften Theil von 
den Gefegen ihres Vaterlandes zu verfiehen? 
a: A. ©. Röftner, P.P.E. 
Birnbaums Difp. de infigni phyfices in iuris prudentia 
tilitate, iſt 1721 zu Leipzig gehalten. Die ohne Benen- 
nung des Orts und Jahres zufammen herausgegebene 
Specimina iuris- audtore Gotofr. Guil. Leibnitzio ent» . 
halten, außer den beyden. Abhandlungen, de cafibus per- 
plexis und dem Specimine demonftrationum in do- 
ctrina de conditionibus, auch ein Specimen encyclo- 
paediae in iure f. quaeftiones philofophicas amoenio- 

. zes ex iure fele&tas, mo die zte biß zur ııten Frage 
aus der Naturlehre genommen find. iR 


N 


46 Bon denn Urſprunge einer Linie 2 
er 
us Gedanken I 
zur Erläuterung des geometriſchen 
—— | 


von dem Urfpeunge: cine 


ki; 0 aus, Der 


dei Bewegung eines a 


Ms‘ 


ein, 


— 01 man fi hi in der sel, vorfteile, es 
entſtehe aus ber Bewegung eines Punctes 





X eine tinie, ift befannt, und man weiß auch, 


wie.auf eine ähnliche. Art der Urſprung der Flächen 
‚und Körper erfläretwird. Sc glaube, es wird meh⸗ 
rern fo gegangen ‚feyn, wie mir, da diefe S Sachen mir 
zuerſt vorgetragen wurden. Es ſchien mir naͤmlich 
daraus augenſcheinlich zu folgen, eine. £inie en aus 
— Die Linie 





—— ke DE M en, 
AZ dachte ich, enefteht, indem ſich der Punet A von 
"A nach; Z bewegt, und überall Merfmaale oder 
Spuren hinter fi) läßt : mas kann fie alfo anders 
ſeyn, als die Summe aller dieſer Merkmaale, d. i. 
die Summe aller dene ' die, * For Bi 

nn 


f 


aus der Bewegung eines Punctes. 47 


Wenn der Punct aus A in B,;ausB in C, aus C 
in D u. f. w. koͤmmt, und überall folche Merfmaale 


nach ſich läßt, kann man nicht fagen, daß A, B. C 


u. f. w. nebſt allen zwiſchen ihnen enthaltenen Spu⸗ 
ven des Punctes, der ſich beweget hat, d.i. nebft ale 
fen zwifchen ihnen enthaltenen; Puncten, — 


| genommen, die ange Ad. auemachen⸗ ER BR 


en pro 

en Gleihwohl die Marhemarierftinigen 
wider die Zufammenfegung einer Linie aus Punctens 
Es verlohnet fich vielleicht der. Mühe, diefe Schwie— 

tigkeit. zu erläutern ; ‚wollteich glauben, es ſey nur für 
mich eine wegen meiner ſchwachen Einficht gemwefen, 
fo finde ich doch, daß Leute, deren Scharfſi nnigkeit 
ich nicht gering zu ſchaͤtzen Urſache habe, in dieſer Be⸗ 
faachtung, nicht nur eine Schwierigkeit, fondern wohl 
einen Beweis, ybıh die 28 an Ale beſtehe, zu 
— glauben: J 


7 "Die. Begriffe, von ‚den. WERNE PR Größen: zu 
erhalten, fange: ich nicht von. Puncten, fondern, auf 
dem andern Ende, von Körpernan. Ich nehme an, 
daß ein Körper vorhand , beflen Theile alle zu» 
fanmenbängen, fo, dapıı er aufhöret, gleich der 
andereanfängt: Diefes ift-das, was man Continuum 
nennt. Diefer Körper geht nicht ohne Ende fort; 
er hat feine Graͤnzen, und dieſe Gränzen heiße ich 
Flaͤchen. Die Fläche ift da, wo der Körper aufjöret, 
und alfo fein Theil vom Körper, denn mo noch ein 
Theil vom Körper vorhanden ift, da höret er niche 
auf, Wo Flächen aufhören, find Linien, und mo Li⸗ 





' nien aufhören, Puncte. Sch ftelle mir alfo den Punet 


nicht 


—* Fa aaa nn u ö 
Arab Ay A er 4. 4 vr 
diPr.-PITIIPT 





nicht als etwas für ſich beſtehendes dor, "das vorhan. 


den ift, ehe die Linie, Fläche und Körper da find. 


Wer fich die Sache fo einbildet „ der feßt fich vielen 
Einwürfen aus. Leute, die fich untheilbare Wefen 
nicht vorftellen Fönnen, halten den marhematifchen 
Punct alsdenn fuͤr nichts, und ich wollte darauf wet⸗ 
ten, daß die meiſten, denen die Sache auf dieſe Art 
vorgetragen wird, ſich den Punct als ein klein rund 
Tuͤpfelchen vorſtellen. Ich gegentheils bin verſichert, 
daß Puncte vorhanden ſind, wofern eine ſtetige Aus⸗ 
dehnung (extenſio continua) vorhanden iſt, die ihre 
Graͤnzen hat; denn dieſe Graͤnzen muͤſſen ſich endlich 
in Puncte verlierenn mar 9 Ar 
Ich ſtelle mir alſo die Linie AZ’ als vorhanden 
vor; wo fie aufhoͤret, da giebt es Puncte; fie kann 


— Set 


aber nicht nur in A und Z’aufhören; als eine ſtetige 
Größe, kann fie ſich uͤberall zwiſchen A und Zen“ 


digen; ich mill feßen, fie höret in der Mitte, in M 
diıf.  &o giebt es in M einen Punet, fie kann mit 
eben fo viel Nechte in D, in C u fr w. aufhören 7 


überall Puncte in der fi 





Z, das iſt, ich Habedas, 


uͤberall wird es ihr geben. Ich habe alſo 


was ich haben wuͤrde, J | 
(weil alle Puncte einander ähnlich find) nad) und 
nad) in B, C, D,M, u. ſ. w. vorſtellete: und das 
ift die Art, wie man darauffümmt, die Erzeugung ei⸗ 
ner $inie vermittelft eines bewegten Pünctes zu erkläs 
ten. Man Fann fich überallinder Linie Puncte vor« 
ftellen ; das ift, man kann ſich überall in ihr einen 
Punct, der nad) und nad) bald da,'bald dort iſt, vor⸗ 
ftellen, oder, einen Punct, der a 
Hi \ - Aber 


‚ich mie den Punct Ay 


u 


aus der Bewegung eines Punctes. 49 
Aber in dem Schluſſe ſehe ich Feine Folge : es giebt 
überall Puncte in der Linie, daher beſteht fie aus 
Duncten. Denn fein Börderfaß heiße fo viel, alss 
‚Die Linie kann aufhören, wo man will; folger aber 
daraus ; fie befteht aus den Gränzen, an 5 
” aufhören? — 


Wenn man ſich vorſtellet, der Punct A, 
ch aus A nach Z zu, fo wird man ſich allezeit feine 
on ‚Stationen, wenn ich fo reden: darf, B. 
u. ſ. m. in gewiffen Entiernungen von einander 
vorſtellen. Man begreift allemal, daß zwi chen A 
und B Oerter find, durch welche der Punct durchge⸗ 
gangen iſt, ehe er aus A in B fam, und eben fo, 
 himmt man die folgende Spur Cnie fo.an, daßder 
unct unmittelbar aus B in C fäme, fondern man 
fieht allezeit, daß er nad) feinem Ausgange aus B 
noch an andern von C unterfchiedenen Oertern geve 
fen, ehe er in dieſen gekommen ift, Die Linie AZ 
befteht alfo nicht aus den Puncten A,B,C u.f. m 
ſondern aus ihren. Zwiſchenweiten AB, BC, uf, 
0 folhe Stationen, wie D und M z. E. ſo an⸗ 
daß zwifchen ihnen feine andere feyn koͤnn⸗ 
te, das hieße nur eine annehmen, die man mit zweyen 
verſchiedenen Namen belegete; alle Mathematik · 
berſtaͤndige werden alsdenn ſagen, daß die Puncte 
D und M zufammengehen, daft fie nur. ein Punct 
gi, daß AM fo lang ift, als AD, und der Punct 
A, wenn er Bis in M iſt, nicht weiter gekommen 
iſt, als wie er in D war, feigtic) fich nicht bewegt 
| bat, 23 A 


| See Re Aber, 





50 Bon dem Urſprunge einer Linie, 


Aber, wie Fann der Punct aus D inM, das 
von D entfernet iſt, fommen, ohne durch einen Ort, 
der dem. D am naͤchſten war, gegangen zu ſeyn? 
Wie kann er in Dexter fommen, die von-D durch 
Dazwifchen liegende Stellen abgefondert find, ohne ei» 
ne Stelle eingenommen zu haben, die von D durch 
Feine dazwiſchenliegende abgefondert wurde ? Eine 
ſolche Frage feger zum Voraus, daß es dergleichen 
Stelle in der Linie DM gebe, das ift, (weil die 
Stelle eines Punctes auch ein Punct ift,) daß es in 
DM einen Punct gebe, der dem Puncte D fo nahe 
ſey, daß zwifchen ihm und D fein anderer Punct 
feyn Eönne, und doch von ihm unterfchieden ſey: 
Eine ſolche Nachbarfchaft der Puncte erfennet die 
Geometrie nicht. Man heiße diefen Punct, der fo . 
nahe bey Diſt, E. Er wird alfo die Gränze von einem 
Stuͤcke AE der !inie AZ feyn, wie D foldhes von 
AD ift: Das, mas von ihm vorausgefeget wird, 
zeiget, daß AE und AD gleich lang find, fonft gaͤ⸗ 
be ihr Unterfchied DE eine Entfernung zwifchen D 
und E. Sind AD und AE gleich lang, fo hören 
- beyde an einem, Orte auf „d. i. Dumd E find nur 
ein Punct, da D der Ort, wo AD, und E der 
Ort ift, wo AE aufhöret. Die Frage fegt alfo was 
zum Boraus, Das der Natur der geometrifchen Linie 
widerfpricht, und es ift befannt, daß man eine Fra⸗ 
ge auf ziveyerley Art auflöfen fann, wenn man fie 
wirklich beantwortet, und wenn man zeiget ‚ daß fie 


J 


was Widerſprechendes vorausſetze. BR 


Ueberhaupt fofgere ich hieraus, daß es nicht 
wohlgethan ift, beym Vortrage der age 
M a 


aus der Bewegung eines Punctes. 51 
Begriffe, von den Puncten anzufangen, aus deren 
Bewegung Linien, aus- diefer Bewegung Flächen, 
u. fi w. zu erzeugen. Dieſes qiebt Gelegenheit, daß 
man ſich die Puncte als Subſtanzen vorſtellet, die 
eher, als das übrige, vorhanden find, undses iſt na⸗ 
türlich, daß man achgebends darauf verfällt, dag’ 
übrige aus ihnen zuſammenzuſetzen. Sie find nichts, 
als die legten Gränzen ver Körper, und werden: 
alfo nicht vorhanden feyn, wenn die Körper nicht vor« 
handen find. Kine Linie entfteht von einem bewege 
ten Puncte ; diefes ift ein Ausdruf, der etwas 
richtiges zum Örunde hat, aber der leicht zu irrigen 
Gedanfen Anlaß geben fann, wenn man ihn nicht 
9— die Art erklaͤret, wie ich gethan habe, . 


Noch eine Betrachtung wird zeigen, daß man 
ſi ich allezeit die Linie, welche ein Punct beſchreiben 
ſoll, eher vorſtellet, als die Bewegung dieſes Punctes 
wirklich geſchieht. Wenn ich mir den Punct A 
ganz allein einbilde, fo kann ich ihm feine Bewegung 
zufchreiben, ohne zugleich an eine gewiſſe Richtung 
zu gedenfen, nad) welcher fie gehe : diefe Richtung 
aber ift eben die Linie, die er befchreiben foll, Ehe 
ich alfo den Punct aus feiner erſten Stelle fortrücken 
laſſe, ftelle ich mir ſchon die Linie vor, die feine Bee 
wegung erzeugen foll: Der Begriff dieſer Linie iſt 
eher, als der Begriff von feiner Bewegung: der 
Danct. erzeuget die Linie nicht, er wandert auf einer 
$inie fort, die ich ihm fehon in Gedanken vorgefchriee 
ben hatte, und man weiß, daß in der Geometrie das 
vorhanden ift, was man fich nur in Gedanfen vors 


ſtellen darf. 
tv D 2 Sof 


2 Bon dem Urſprung einer Linie. 


- Soll id) wohl diefen, kurzen Auffag durch eine 
weitläuftige Entfchuldigung verlängern, daß ich et- 
was abgehandelt habe, welches zuden erften Begrif⸗ 
fen der Geometrie gehöret ? Lehret nicht die Erfah. 
rung, daß man aus einer Iehrbegiegigen Ungeduld oft 
weiter geht, ehe man diefe —— zulaͤnglich uͤber⸗ 
dacht hat, und aus Mangel einer deutlichen und volle 
ftändigen Erkenntniß derfelben, auf Säge geraͤth, 

die nicht vollfommen richtig, oder wohl 
| gar falſch find? | 


A. ©. Raͤſtner. 


* — 
tt, 

u er 

% 
le 
BR. 





BEHT. 
} 


a Et} 
IV. Anlei⸗ 


nun u 5 PP A 53 
BR. ** Ka 
2 ne f 


ur eogtekring a 
zur e Mactjpenderang, 


nah 
isn Anfangsgruͤnden und — — 
kuͤrzlich entworfen. 


Drehen, 1749, 410, 2 Alphab. 15 Bog. 1 Bogen Kupfer⸗ 
tafeln, und ı Alphab. Tafeln, fo un den RAN 
„berrechnungen siehören. 


I 


SE Aer Herr SR von Dppel, als 
Verfaſſer gegenwaͤrtigen Werkes, hat ſei⸗ 
) ne Stärfe in der Mathematik ſchon durch 
die 1745 berausgefommene Analyfın Triangulorum 
gewiefen. Es befteht außer einem Borberichte, der 
von der Meßfunft überhaupt redet, daraus den Be⸗ 
griff einer unterirdifchen Meßkunſt Herleitet, und den 
Nusen devfelben zeiger, aus zweyen Abfchnitten. Dee 
erite enthält Die Anfangsgründe der Rechen: und 
Mepfunft überhaupt, in fofern folhe beym Marke 
fcheiden zum Voraus gefeßet werden; wo der Here 
Verfaſſer zwar nicht die allerbefannteften Beariffevon 
den Zahlen ausführet,aber dod) die Decimal:Duadrat« 
feigonometrifche Rechnung u. d. g. zum Gebrauche 
der Marficheider abhandelt, und eben fo von dee 
Geometrie fo viel erwähner, alsdie Gründe des Marke 





4 Anleitung 
ſcheidens eiazuſehen noͤthig iſt. Man darf nicht 


glauben, als ob viefes ſogar wenig fey ; denn wer 
nur weiß, was ein Gang ift, wird leicht einſehen, daß 
Begriffe von dem Streichen und Fallen der Gaͤnge zu 
geben, die Lehre von der Lage der Flaͤche aus der Geo⸗ 
metrie der. Koͤrper erfordert wird. Eben hi raus et= 
heller, daß die fphärifche Trigonomerrie,als vermittelft 
der, was zu den Lagen der Flächen —— kann be⸗ 
rechnet werden, in der Markſcheidekunſt Nutzen ha⸗ 
ben kann, ob der Herr Verfaſſer wohl den Vorwurf 
zugroßer Subtilitätenzu vermeiden, folches nur kuͤrz⸗ 
lich anführee. Wie der Herr von Oppel bey diefem 
Vortrage nicht für dienlich, befunden hat, Anfangs» 
‚gründe der Geometrie abzufchreiben, fo ſind nur die 
nöthigen Lehrfäße und Aufgaben ohne Beweis er- 
zaͤhlet, aber doch dergeftalt geordnet, » ‚daß man den 
Zufammenhang wiſchen ihnen einigermaßen uͤberſe⸗ 
hen kann. Wir merken aus diefer Abhandlung zivey- 
tem Hauptftüce, vom Maaße der Linien, nur die: 
‚Größe des Sängenmaaßes, deffen fich Die Markfcheir 
der unter dem Namen eines $achters bedienen, an, 
Es foll in Freyberg, nach den Churſaͤchſiſ. Bergord- 
nungen, 35 freybergifche Elle halten, und wird nad) 
genauer Vergleichung 6 Schub, 3 Zoll, 10% Linien 
rheinl. Maafes befunden, daß es ſich alfo zum rhein⸗ 
laͤndiſchen Schuh, wie 3643: 576 und zum pariſer, 
wie 87997: 14400 verhält; und daher ohngefaͤhr 
103 rheinl. $inien länger ift, als es Voigtel auf der 

ı ©. feiner Mar£fcheidekunft angegeben. 
Der zweyte Abfchnitt lehret die Ausübung der 
Marffcheidefunft, und. befchreibt im erften Haupt: 
ſtuͤcke die Bertzeuge der Markſcheider, nebft deren 
ein« 


zur Markſcheidekunſt. 55 


einfachftem Gebrauche. Man finder hier ſowohl die 
gewöhnlichen beſchrieben und in Kupfer vorgeſtellet, 
als auch einige mit guter Einſicht gemachte Erinne⸗ 
rungen, wegen des Gebrauchs und der Verbeſſerung 
derſelben. Insbeſondere giebt der Hr. Verfaſſer im 
488 u. f. $. ein Paar beſondere Arten von Eiſenſchei⸗ 
ben an, deren Vorrheileer ausführlich zeiget. Es ift 
zwar bey denfelben eine Doppelte trigonomerrifche Bes 
rechnung nötbig, aber dieſe Mühe wird dadurd) ers 
ſetzet, daß bey dem Gebrauche Diefer Eifenfcheiben 
nicht erfordert wird, ihre ganze Släche föhlig aufzue 
fegen, und man weiß, mie viel Diefes fagen will, wenn 
es mit der gehörigen Nichtigkeit geſchehen foll, Daher 
es beffer ift, fich etwas ſchwerere Berechnungen ges 
fallen zu laſſen, als ſich der Gefahr auszufeßen, daß 
in der a Hinderniffe die Ausmeflung 
unrichtig Der Herr Verfaſſer bemerket an 
eben dieſem Orte, daß die Eiſenſcheibe auch in ans 
dern Bergwerken, als in folchen Fünnte gebraucht 
werden, io des Eifens wegen der Compaß nicht zu 
brauchen ift ; es würde aber jolches deswegen nicht 
rathſam feyn, weil die geringfte Syrrung, die bey An« 
nehmung eines einigen Winfels mit der Eifenfcheibe 
begangen worden, bey allen übrigen Linien fortgefuͤh⸗ 
vet wird, daß Diefelben alle, ſowohl in Anfehung der 
vorhergehenden, als der Weltgegenden, eine faliche 
Sage befommen ; wenn man bey Abnehmung einer 
Stunde mit dem Compaß irret, ſo erſtrecket ſich der 
Fehler nicht weiter, als auf dieſe Linie, und alle uͤbri⸗ 
gen erhalten unter ſich und gegen die Weltgegenden 
ihre gehoͤrige Lage. Wegen der Abweichung des Com⸗ 
paſſes aber lehret der Herr Verfaſſer aus der Aftro- 
D4 nomie 







56 Anleitung 


nomie die Mittagslinie finden, und wuͤnſchet, daß die | A 
Markfcheider hierauf Acht geben Ba | 


In dem ʒweyten Hauptſtůͤcke handel der H 
Verfaſ er von dem Streichen und Falle der Kl fte und 
Gange. Er trägt darinn einen befondern Gedanken, 
über den Urfprung diefer in. der Erde entftandenen, | 

und zum Theil ange üllten Ritze vor, ob er wohl von 
folchen, weil er eigentlich nicht bieher gehöre, nur 
was ſehr weniges ſaget. Wenn man al Thon« 
oder eine andere Erde in einen Klumpen zufammen« 
drückt, und in einen folchen Grad der Hitze Bi 





welche 
* Der Strand des — wird noch * cherer 






gleich auf einander folgenden Tag eicht. Mei 
findet Erfahrungen, wider die fich fchwerlich was ein⸗ 
‚wenden laßt, in der IVten Abhandlung der 1748 zu 
Schneeberg heraußgefommenen bergmaͤnniſchen es 
benftunden, und in Herrn Krafts meteorologifchen 
Hoferpationen im 1746ffen Jahre der Memoires de 
Berlin, 255 8. mo noch mehr Naturforfcher, die eben 
dergleichen beobachtet haben, angeführet werden. Man 
ſetze hinzu, daß die Nadel ihre Richtung verändert, 
mern das Glas elektrifch wird. 6. des Magaz. 32. 
3St. 6 Art. Sollte wohl die Abwechſelung ber 
Warme und Kälte zu verftbiedenen Zeiten des Tages 
AR Veraͤnderungen verurfachen ? Herr Ellied Bes 
J9— (S. dieſes St. des Magazins) ı7te ©.) 
einen folchen Gedanken veranlaffen. Da be- 
A, iſt, daß die Erhisung des Eiſens, und das 
Feuer, in die anziehende magnetiſche Kraft viel Ein: 
fluß haben, fo waren leicht Verſuche auszudenken, wie 
m etwa in Die —— Nichtumg wirketen. 





zur Markſcheidekunſt. 57 


welche ihn jaͤhling austrocknetſo ſpringt er auf 
und befümmt Ritze, welche von der Oberfläche des 
Klumpens nad) den Innern Theilen deſſelben zuge 
ben, und einander ohngefaͤhr eben fo durchlaufen, wie 
die Klüfte und Gange des großen Erdkoͤrpers. Er giebt 
diefes als einen noch fehr rohen Gedanfen an, und 
überläß: es den Liebhabern der wbiltenifchen Lehren’ zit 
unterfucben, wie meit- ein: ſolches geſchwindes Aus⸗ 
trocknen dev Erde mit dem angenommenen Saße zu 
vereinigen ſey, daß die Erde zu Anfange der moſai⸗ 
fhen Schöpfung «in in fein Chaos verwickelter Ko⸗ 
met gemwefen. Dieſes gande Eapirel iſt nicht nur fuͤr 
diejenigen, die fich Begriffe vom Bergbane machen 
wollen ‚-fondern für alle Liebhaber der wahren und 
nuͤtzlichen Naturlehre ſehr lehrreich, und vielleicht 
Fünnten manche eingebildete Naturforſcher vieles dar⸗ 
aus lernen, die von der Sündflurh, dem Urfprunge 
der Bergen. f. w. ein Haufen aus Büchern herzuſa⸗ 
gen willen, ohne weitere Begriffe von der Beſchaf⸗ 
fenheit der Gebirge oder des Innern der Erde zu ha- 
ben, als daß fie wiſſen, was für Schichfen verfchie- 
dener Materie, bey Grabung eines Brunnens, vor 
300 Fahren nach) einander gefolger haben, weil ih⸗ 
nen der Herr Baron Wolf foiches aus dem Bas 
renius angeführet bat. Der Herr Verfaſſer ſchließt 
diefe Abhandlung mit einer Anmerfung, die mehr 
den betrachtenden Verſtand ergoͤtzet, als beym 
Bergbaue Mugen bringe. Wenn man fich einen’ 
Gang einbildet, der ſich nirgend abfchneidet, be⸗ 
ftandig und überalf in einerley Stunde fortftreicht, in. 
ewige Teufe feßt, und von einem jeden auf ihm ans 
genommenen Punctean, ig Grad des Fallens, 
5 in 


3 enge 


in einer je * unter dieſem Puncte genommenen Teu⸗ 
fe unveränderlich behält, ſo fälle diefer Gang: in 
der logarithmifchen, Spirallinie und. ſtreicht in der 
loxodromiſchen Linie zu Tage aus, Wie Deo 
den ift, hat der Herr Berfaffer nicht gewiefen, und 

es wäre folches auch feiner Abfiche nicht gemäß gewe⸗ 
‚fen, da es genung ift, Kennen der böbenn Mathema · 
tik ſolches angezeiget zu haben. 

Das dritte Hauptſtuͤck redet. ‚von der Verrich⸗ | 
tung ‚und Einfchreibung der Züge; ; das vierte von 
derfelben Berechnung und Zulage, und das fünfte 
von den Anmwendungender Morffcheidefunft, nach be» 
fondern Abfichten auf den ‘Bergbau, Hier find vie 
le Aufgaben, die eine gemeinfchaftliche Abficht und 
Auflöfung haben, zufammengezogen, ob. fie gleich ins⸗ 
gemein von, den Marffcheidern.als ſo vielerley ver- 
ſchiedene Saͤtze gelehret werden ; fie haben Dadurch oͤf · 
ters ein mehr geometrifches Anfehen, und einen fol« 
chen Bortrag erhalten, vermittelft deflen man febefier 
überfiehet und ihren Zufammenbang begreift. 

Die bengefügten Tafeln enthalten die —— 
men für ı bis 20 000, imgleichen die Sinus und: 
Tangenten der Zirkelbogen, da der Sinus totus we· 

gen bequemern Gebrauchs beym tachtermaafe 80 000 
angenommen iſt, die Sogarithmen biefer Linien aber 
find, wie gewöhnlich, gelaffen worden, und endlich 
Tafeln der Soblen und Seigerteufen in oo Teilen 
eines Zolles für die Grade der Donfegen von 5 zu 
5 Minuten, Ä 
Aus Büchern, welche die Anfangsgrünbe: von. 
Wiſſenſchaften und "Rünften vortragen, iſt überhaupt 
Auszüge zu machen, theils unmöglich, theils um: 


Wu 





zur ſcheidekunſt. 59 
Bey einem Werke, wie gegenwaͤrtiges ins beſondere, 
geht ſolches noch weniger an, weil beſtaͤndig Begrif⸗ 
fe zum Voraus geſetzet, und Redensarten gebrauchet 
werden muͤſſen, die dem meiſten Theile anderer Leſer 
unbekannt ſind. Nur kann man doch allezeit kurz 
anzeigen, was der Verfaſſer eines ſolchen Werks fuͤr 
Abſichten gehabt, und wie er ſie ausgefuͤhret habe. 
Hier koͤmmt es außer einigen ſchon angezeigten befon» 
dern Gedanken, auf einen deutlichen und gründlichen 
Vortrag der Markfheidefunft und der Damit verbun- 
denen Bergwerkswiſſenſchaften an, Diefes ift von 
dem Heren Berfaffer in einer ſolchen Vollkommen⸗ 
beit gefchehen, daß ihm nicht nur diejenigen dafür 
danken müffen, welche ihrer Pflicht wegen, oder we⸗ 
gen der Lebensart, zu der ſie ſich beſtimmen, ſich um 
Bergwerks ſachen bekuͤmmern muͤſſen; ſondern daß 
ſich auch ſehr viele andere aus ſeinem Werke mit Ver⸗ 
gnuͤgen unterrichten koͤnnen, die nur aus einer ver⸗ 
nuͤnftigen Neugier, ſich von einem ſo wichtigen Theile 
der Naturlehre, und einer Sache, die in das Wohl 
der Staaten ſo vielen Einfluß hat, als der Bergbau 
ift, einige Kenntniß erwerben wollen. Es wäre zu 
wuͤnſchen, daß man die übrigen Theile der Berg: 
werferpiifenichaften mit eben fo viel Ordnung 
am 39 Qufpmumenbange abgehandelt 
hätte, 


A. G. R. 


a 
BORD 
V. Be 


6 Beſchreibung zwoer Höhlen 
ee > 


Seifen woer oihen I 


von ER 


wunderbarer Sefthaffenfeit 
„Deren die eine voll Eis iſt, 
. die andere 


ai: Daͤmpfe von ſich giebt, 
| andie 8, Londenſche Geſellſch. KR 


im * —— 


— re 
Matthias Bel, aus Ungarn uͤberſandt. 


Aus dem Lareinifchen in den Phil. Tranſ 452 R 3 eh 
| befindlichen Auffage überfegt. ' 





in Cap. 
Von der Eishohle bey Sei. | 


(Fr Am Fuße des carpathifchen Gebirges liegt eis 
Y Yy ne Graffdaft, die ihren Mamen vom 
9 Scloße Thorna führe. Sie hat einen 
engen Bezirk, und ift voller Berge, die aber nach 
Art des carpathifcyen Gebirges durch verfchiedene 
Naturwunder merkwuͤrdig werden. Man kann dar: 
unter einen Berg zählen, der fich zwiſchen den Fle⸗ 
m» cken 











vor wunderbarer 2 Beſchaffenheit. 61 

gen Scelicze und Borfua erhebet, und zwar nicht 

größer, als Die andern ift, aber eine Beondege Öeftalt 

hat, ‚die ich igo befchreiben will, 

U. Die HöHle heißt von dem. dabey fiegenden Fler 

en, die fjelicifche. Die Gegend ift wegen der Hügel 
und Wälder unfruchebar ‚die Luft raub und falt; 
ſtarke und faft beftändige Südwinde, die von dem be⸗ 


ſchneyten und hoben carpathifchen Gebirge von Mit: 
ternacht her zucüickgetrieben werden, machen fie aus. 


der maßen unfreundlich, daß ſie auch, wenn es ſonſt 
| in der ganzen übrigen Sandfchaft fehr warm wird, für 
Mauͤcken und Fliegen zu kalt bleibt. In dem Bezirke 

dieſes Fleckens, öffnet ſich Die Hoͤhle, von der ich reden 
will, mit einer weiten und nach Suͤden gekehrten 
Kluft. Denn diefe Deffnung ift XVIII Klaftern 
(orgyias) hoch und VIII breit, und folglich weit genung 
die Suͤdwinde aufzufangen, und in fich zu laſſen. Ih— 


Nre unterirdifchen und felfichten Gänge erftrecfen fich 


nad) Mittag, weiter als jemand unterfucher bat. 
III. Das Wunderbare bey der Höhle iſt, daß, 
wenn außen der ftrengfte Winter wüther, inwendig die 


Luft lau, und gegentheils nicht nur froftig, fonbern 


eisfale ift, wenn die Sonne am heißeften brennt.: So 
bald der Schnee bey hereintretendem Fruͤhlinge zer- 
ſchmelzt, ſchwitzet aus der innerſten Woͤlbung der 
Hoͤhle, wo ihre aͤußere Fläche der Mittagsfonne aus: 


geſetzet iſt, ein lauteres Waſſer, das hier und dar her⸗ 


abtroͤpfelt; dieſes verwandelt ſich, vermittelſt der in⸗ 
wendigen Kälte i in Eis, davon ‚Zapfen ſo dicke, wie 


große Faͤſſer herabhängen, und fich in Aefte ausbreis 


. ten, und feltfame Geftalten bilden : auch das Waſſer, 


N von den * auf die ea Erde herabtroͤ⸗ 
| J pfelt, 


; - ] : h EM Ds Ä 
62 Beſchreibung zwoer Höhlen 


pfele, gefriere unglaublich gefchwinde : So ſind nicht 
nur die obern Gewoͤlbe, die von der Natur aus einem 
feſten Felſen beſtehen, fondern aud) der Boden der 
Höhle, mie häufigem und glänzendem Eife bedecket. 
Man follte glauben, die ganze Höhle fey mit Cryſtal 
len bekleidet, ſo glaͤnzet das Eis in ihr. 

IV. Ein fo ſeltener Anblick ruͤhret die Sineinttes 
tenden deftomehr, je weiter fich die Höhle ausbreicet, 
und je tiefer fie fich fenfet, Go meitmanindie Höh- 4 
fe kommen kann, iſt fie so Klaftern tief und 26 breit, 
die Hoͤhen der verſchiedenen Abtheilungen ſind, wegen 
der ungleichen Felſenbogen, nicht von einer Groͤße. 
Was ſich tiefer ſenket, iſt wegen der jaͤhen Kluft nicht 
unterſuchet worden, denn es hat ſich niemand in das 
innere der Höhle, wegen des Glatteifes machen 
wollen; auch die den ſchon unterfuchten Theil befichtigen 
wollen, müffen fich mit vieler Arbeit ausgehauener 
Stufen bedienen. Einige wollten das Innere der 
Höhle mit einem Senebleye unterfuchen, aber verge« 
bens, weil fie nicht wie ein Brunnen, fenfrecht, fon» ⸗ 
dern in vielen Kruͤmmungen hinabgeht: Diejenigen | 
haben noch mehr gelernet, die ftarf geladenes Schieß- 
gewehr hinein losgebrannt haben; denn da der Knall 
viele Minuten lang, bald hier, bald da entfeglich wies 
der gefchaller hat, fo haben fie daraus gefehen, daß ſich 
die Höhle weit in die Tiefe ausbreite, und nach allen 
Seiten foreftreichende Gänge habe. 

V. Nur im Sommer ift die Höhle voll Eis, und 
welches noch mehr zu bewundern ift, je ftärfer die 
Sonnenhige wird, jemehr wird das Eis. "Mit ans 
gehenden‘ Frühlinge höret die Luft auf, wie fie den 
Winter über gemefen war, Tau zu feyn, und je weiteres: 

in den en druͤblins bineintömm, je heftiger wird die. 
| Kälte, 


von wunderbarer Beſchaffenheit. 63 


Räte, wie immer. zinimmt, je heißer es außen wird, 
In dem heißeften Sommer, undinden Hundstagen, 
iſt inwendig alles voll Eis: alsdenn gefriert das her⸗ 


abtröpflende Waſſer fo fchnell, daß, mo heute ſchwache | 


Zapfenhiengen, ven Tag darauf ftarfe Klumpen, wie 
Fäffer, oder den Abfturz drohende Selfenftücken, be« 
findlich find. Hier unddar,wo das Wafler anden Sei⸗ 
tender Höhle herabfließt, ſiehet man ſeltſame Ueberzuͤ⸗ 
ge von Eisrinden, die wie nach der Kunſt, als Tapeten 
gemachet, ſcheinen; das übrige Eis hängt nach eben 
der Verhaͤltniß unter fich zufammen, wie das Wetter 
außen abmwechfelt. Denn wenn die Hitze lange an⸗ 
haltend und heftig iſt, fo befindet fich mehr Eis an 
den Zapfen, und am Boden der Höhle ; wird die 
Wärme von den Suͤdwinden, oder von Regengüffen 
gemäßiget, fo gefrieredas Waſſer langfamer, und das 
Eis ſchwitzet ſtark, und läßt Fleine Bäche von fich 
fließen, bis es bey erneuerter Hiße, wieder gefriert. 
Einige haben bemerfet,die Beränderungen inder Hoͤh⸗ 
le zeigeten eben, tie bey einem Wetterglaſe, den Beh: 
ſel er Witterungen an. 
Diefe Höhle enthält fo viel von dem —— 
| ſichtigſten Eiſe, daß 600 Wagen mit vier Pferden in 
einer Woche es nicht ſollten wegfuͤhren konnen. Wenn 
die Anwohner mit der Feldarbeit beſchaͤfftiget find, und 
unmeitdiefer Höhle Korn erndten, oder Heu machen, 
nehmen fie das Eis aus ihr, und Fühlen damit ent« 
weder daslaue Brunnenmafler ab, oder fchmelzen es 
an der Sonne felbft zu Waſſer, welches ihuer Mey- 





nung nad) ſehr gefund ift, weil defgleichen Waller 


den Magen weniger beſchweren, und eber durch den 


— und Harn — ſoll; dieſes iſt deſto 


leichter 


— 





A ' ⸗ 
* * Br‘ er 
4J y 6 1 PR 
Be bung VD 4 ne Y% ui 
* 


—* u N da dası — ist: 
gen will, fo durgefeiger wird. { 
VII. ‚Hier und dar in der Höhle find — * 
Die Kälte firenger und gelindee ift. - Bon außen:ift 
‚ ver Eingang fehr: angenehm, denn e8 koͤmmt ein ans 
genehm Luͤftchen wie die Hundstagswinde, einem ent» 
gegen. Iſt man einige Schritte fortgegangen , ſo 
überläuft einen ein Schauer, und wenn man noch 
meiter gebt, Flappert man vor: Frofte, daß man die 
Kleider, die etwa außen, der Wärme wegen find ge« 
Öffnet worden, zumachen muß.) Komme man tiefer 
in die Höhle, fo empfindet man eine Winterkaͤlte, —* 
die Hinabſteigenden bald in die Haͤnde blaſen, | 
durch) ftarfe Bewegungen »der Glieder, fic vor —* 

faſt unertraͤglichen Kälte verwahren muͤſſen: Je fies 
fer man ſich hinein machet, deſto heftiger wird die Kaͤl⸗ 
ce, und auß der Ruͤckreiſe empfindet man von allem 
das Gegentheil. Nach verfloffenen, Hundstagen, 
wenn fic) der Sommer in: den Herbit verwandelt; 
richtet fih Die Höhle wieder. nach der äußern Luft. 
Die erften Monate, wenn die, Mächte kalt j 
fängt das Eis, da die äußere $ufenach und na, 
fer wird, und die Flüffe ge rieren, hier aufzuthauen 
an, als ob man es an Feuer braͤchte, und bey eintre⸗ 
tendem Winter, wird die Hoͤhle voͤllig trocken, ohne 
dag man Merkmaale vom Eiſe faͤnde: alsdenn iſt 
die ganze Höhle gelinde warm, und das Ungezieſer, 
nebft Thieren, welche die Kaͤlte nicht vertragen koͤn⸗ 
nen, nehmen in dieſe vorige Eisgrube ihre Zuflucht. 
Man trifft alsdenn in ihr Schwarme von Fliegen und 
Muͤcken/ Haufen Fledermaͤuſe und Nachteulen auch 


N und Fuͤchſe an, bis fie: — F 
ruͤh⸗ 





von wunderbarer Befchaffenbeit. 65. 
Fruͤhlinge voll Eis wird. Ueber der Hoͤhle befindet 
ſich ehr hohe Erde, die, wo fie der Mittagsfonne aus⸗ 

geſetzet ift, häufiges und ferres Gras träge, und zur 
Weide, oder wenn das Vieh abgehalten wid, gung 

/ Heumachen fehr dienlich ift. - 

VIII. Dieß find die Begebenheiten der Höhle, 

Nun muͤſſen wir ſehen, wie fo eine feltfame Beihaf: 

enheit fich erklären laͤßt. Ueberhaupt find in unter⸗ 
irdischen Höhlen die Abwechstungen der Wärme unt 

Kälte, wie es ſcheint, den Außern entgegen gefeßet, * 
Denn wenn die Luft außen heiß iſt, find ſolche Gruͤf⸗ 
re kuͤhl, und bey aͤußerlicher Kaͤlte lau, welches et 
was tiefe Weinkeller räglich fehren*, Die Wirkung 
der Wärme nämlich ift Diefe, daß fie die natürliche 

Kaͤlte des groben , feuchten und Falten Elements der 
Erde, wenn fie auf ſoſcher fieget, einwärts treibt, und 
‚in Höhlen, fir mögen von der Natur oder von der 
er gemacht fenn, merklich verdichtet. Die Kälte 

gegentheils, die ſich auf der Oberfläche & der Erde bes 
fin et, locket die Wärme, die in ihrem Innerſten ſteck⸗ 
fe, fie mag von was für einer Urſache fie will herruͤh⸗ 
ven, ‚hervor, daß folche fich durch die Grüfte ausge 
breitet, und die tuft, fo weit fie deingen kann, Tau, 
und hie und da fehr warm macht. Mir fällt hiebey . 
die alte Gewohnheit meiner Landsleute ein, wie fie 
im den ebenen und von der Sonnenhiße ungemein 
verbrannten Gegenden von Hungarn, den Wein ab⸗ 
—* kuͤhlen. 
— iſt befannt, daß die Ratur forſcher auf das Anſe⸗ 
hen der Merteraläfer, dieſes für einen Betrug der Sins 


"ne erklären. en pre aber ke er N ®: 4 Sr 
"487 S. A. d 


4Band. E 





— 


66 Beſchreibung zwoer Hu | 


£ühlen. Wenn fie durch große Einöden RR oder 
fich daſelbſt aufhalten müffen, und weder Eis, nod) 
Brunnenwaffer zu Abfühlung des Getränfes vorhan: 
den ift, machen fie eine Örube, ohngefähr auf zween 
Fuß tief in die Erde, laffen die Weinflaſchen hinein, 
und bedecken folche forgfältig wieder mit Erde: dar- 
auf zünden fie jählings über diefer Grube, in welcher: 
der Wein liegt, eine Flamme, vermittelft Heues, 
Strohes oder Schilfes,an. Wenn folche von fich ſelbſt 
ausgegangen, oder von ihnen ausgelöfcht worden iſt, 
räumen fie die äußerlich warme Erde weg, und neh 
men den Wein fo abgefühle heraus, als ob fie. ‚ihn, 
in Eis gefest hätten; woher ruͤhret Diefe Abfühlung, 
als daher, weil von der jählingen Glut, die der Gru⸗ 
be Dderfläche ploͤtzlich erhitzt, Die natürliche, Kälte 
des Erdreichs von allen Seiten her ift verdichtet wor⸗ 
den, fich um die Flaſche herumgefest, den * durch⸗ 
Drungen und erfrifchet bat. 

IX. Hieraus läßt fich begreifen, r sole bie befcörien 
bene Höhle bald heiß bald Falt feyn Fann. Von der, 
außen auf fie drückenden Hige wird die natürliche Käle, 
te bes Erdreichs, und der Felſen, die das. Gewölbe 
unten ausmachen, verdicet, und das Wafler wird, 
erftlich davon kalt, nach! ehends aber wm&is, Bey kal⸗ 
ter Luft, wird die Wärme, die in dem Innern der Er⸗ 
de ſiecle wieder hervorgelocket. So faͤllt dieſes or⸗ 
dentlich in die Sinne. Ich will aber damit Morins 
Meynung nicht Beyfall geben, der beym Du Hamel 
die Erde wie die Luft in drey Regionen —7 Deren 
die erfte wechſels weiſe kalt und warm. it, i ‚im‘ 
ter Wärme, im Sommer Kälte befiße, und fich nf 
400 fechsfüßige Rurpen oder Klaftern rn ;.bie 

: Aweyte 





von wunderbarer Befchaffenheit. 67 
Iweyte foll aflezeit Heiß feyn, wie er in den ungari« 
chen Bergwerken will felbft erfahren haben. Bon 
der dritten, die dem Mitteipuncte der Erden am naͤch⸗ 
ſten iſt, muthmaßet er, fie fen beftändig kalt, wie die 
mirtlere Region der Luft ſtets Falt, und die oberfte, 
alsdem Himmel am nächften fters marmift. Dieſes 
wollen wir dem Morin als ungewiffe Dinge überlaffen. 
Was er von den ungarifchen Bergmerfen, zu Beſtaͤ⸗ 
tigung feines Saßes, von der Wärme der zweyten 
Region anführer, ift wenigftens nicht alles richtig, 
Denn vonden Gruben, Die mir befanne find, ift Feine 


auf vier hundert Klafter tief, 5 kaum eine gehet 







auf zweyhundert fechsfüßige 3 ,‚ weil das uns 
ten hervordringende Waller verhindert in größere 
Teufe zu kommen, wie Fonnte er alfo in die zweyte 
Region fommen, die nach ſeiner Einbildung ſo heiß 
ſeyn ſoll, da fie ſich erſtlich unter 400 Klaftern Teufe 
anfängt ? Es giebt allerdings Gegenden in den Grus 
ben, die hier fühle, dort Heiß find, auch wo die Teufe 
nicht go Klaftern austräge* Aber wir wollen wie⸗ 
‚ber zur Fishoͤle kommen. 


X, Außer der angeführten Urſache trägt zu dieſer 
| —— die Lage der Hoͤhle und die 
E 2 e⸗ 


Morin iſt vielleicht an Herter gekommen, mo feine Wet: 
ter. geweſen find. Boyle in feiner Schrift, de temperie 
‚fubterranearum regionum, hat hieher gehörige Bes 
obachtungen, die aber mit fehlechterer Sorafalt, alg 

daß man was daraus folgern koͤnnte, angeffeller find, - 
Denn der Herr von Dppel in feiner Markſcheidekunſt 

ö88 $. die größten Teufen, in die mah noch gekommen 
} pa Dr bat, fo erreicht noch Feine 400 Toiſen. 

eb, 






63 Beſchreibung zwoer Hoͤht 


* 





0 


INDIE 

Befchaffenheit ihres: Gewoͤlbes fehr vieles bey. Ih⸗ 
ve Deffnung fteht den Falten Suͤdwinden entgegen, die 
von dem Theile des carpathifchen Gebirges, das an 
der fcepufifchen Öraffchaft Liegt, an diefen feinen Fuß 
gefandt werden, und wie fie überhaupt haufig find, in 
den Frühlings» und Herbftinonaten aus der Maaße 
wuͤthen, und von.den Schneegebirgen, von denen fie 
herabftürmen, die Fälteften Theilchen mit fich führen, 
die alfo in die Höhle hinein kommen, und in ihr von 
der äußern Wärme zufammen gehäufet werden, und 
das herabtröpfelnde Waſſer leichte durchdringen, und 
zu Eife machen. Hiezu koͤmmt, daß die Gewoͤlber 
ganz aus den diieften Steinen, die hier hoc) erha⸗ 
ben find, dort herabhaͤngen, als ob fie einftürzen woll⸗ 
ten, befteben. Die Felfen des carpathifchen Gebir- 
ges aber find meift von ſalzigter, alaun · und vitriol⸗ 
bafter Befchaffenheit. Was ift alfo natürlicher, als 
daß in diefer Höhle aus der Vermiſchung folcher Theile 
mit Eistheilchen, Eis in Menge gezeuget wird? Die 


ur 
f 









aus. oft wiederholten Berfuchen, gelernet haben, wie 






man Eis durch die Kunft mache, m Ti 
fall geben. Denn wenn man Schnee o is,mit 


gemeinem Salze, Salpeter, Alaun, oder Vitriol z 


gleichen Theilen vermenget und um ein Gefäße leget, 
ſo verwandelt ſich dadurch das Waſſer darinnen in 
Eis auch mitten im Sommer, oder nahe beym 


Feuer, anderer bekannten Erfahrungen zu gefchtveis 


gen. So viel von der Höhle by 
....Eeelige Ra 


ES AREE © 327,V >? BE 
> 2137 u.% nl —J 
Ron 


FRE 


von on winderbarer Belhaffenhen. * 
II. 
Von der Hoͤhle beiy Ribar / aus welcher 
ſchadliche Dampfe aufſteigen. 


I. “fie und neue Schriftſteller haben toͤdtliche Höhe | 


fen hier und da angemerfer. Meine Abficht 

if nicht, nur ihre Namen anzuführen ; von foldyen 

Höhlen bat Georg Agricola, im IV B, de natura 0 

rum, quae efHuunt e terra,‘ gehandelt ; ißo will ic) 

nur eine ungarifche Höhle befchreiben, die fich in der 

Grafſchaft Zol (Comitatus Zolienfis) bey dem Fles 
cken Nibar befinder, fo wohl die ganze Sache felbit 

der Wahrheitgemäß zu berichten, als der Schriftftels 

ler Jerthuͤmer zu entdecken, Agricola erwähnt diefe 

Hoͤhle felbit am angeführten Drre. „Auch der Theil 

„von Ungarn, fagt er, der fonft Dacien geheißen 

„bat, ift von giftigen Höhlen niche frey : fie find 
„von der wegen ihrer Kupferbergwerfe berühmten 

Stadt Neufohl etwa 6000 Schritte weit, und pfles 

gen bisweilen Voͤgel, die hinzu fliegen, oder andere 

Thiere zu tödten.,, Ich habe anderswo erwähnt * f 

daß Neuſohl nicht zu Dacien zu rechnen ift, und von 

den giftigen Dunſthoͤhlen will ich weiter handeln. Faſt 


auf diefe Art, erwähnte Wernher eben diefe Höhle*", 


ich will ihn aber hier-nicht ausfchreiben, fondern meis 
ne — Beobachtungen anfuͤhren. 
E3 II. Der 
#*Notitiae Hung. Nouae T.D. in Hift. Comitat. Zolien- 
fis Parte Gen. Membr. I. $. XII. p. 396. | 


##de admir. Hung. Aquis, und unzahlig andere, die 
ihm gefolger find. 


1 De Ficen Ribar liegt in Sof, 





anderthalbe Meile den Fluß Gran, —— 7 an⸗ 


gefuͤhrtem Orte erwaͤhnet habe*, von Neuſohl, nad) 
Mittage zu hinunter; auf deffelben Feldern, in einem 
nach Morgen zu gelegenen Hügel, befinden fich war» 
me Bäder, die von ungemeinen Heilungskräften, aber 
auch von fehr befonderer Beſchaffenheit find : doch 
von diefen kann ich ißo nicht handeln. Bon dem 
Orte, wo diefe Bäder verborgen find, etwa 600 
Schritte nad) Mittage zu, öffner fich diefe Höhle, Bie 
wegen ihrer ſchaͤdlichen Dämpfe ſchon lange Zeit in 
uͤbelm Rufe ift, in einer £leinen aber grasreichen Wie 
fe eines fchönen Thälchens : nahe bey ihr ift ein 


Sauerbrunnen, der zum Teinfen noch tauglic) ge« 


nug iſt. Vor jeiten, da man auf ſolche Merkwuͤr⸗ 
digkeiten weniger Acht hatte, hat faſt niemand die 


ſeltſame Beſchaffenheit der Höhle angemerket: 


Man beſuchte ſie alſo in den Hecken unter denen ſie 
verwachſen war, ſehr ſelten. Damals war ſie wie 


ein Brunnen beſchaffen, der haͤufig Waſſer von 


ſich ſtieß, das ziemlich hoch fprang, und ſich als— 
denn nicht anders ausbreitete, als wie man bey den 


Waſſerſtaͤndern beobachtet, wo das Waſſer aus der 


Roͤhre in ein Becken ſpringt, abfließet, und in an⸗ 
dere durch die Kunſt gemachte Gaͤnge fälle. Das 


Waſſer ift zum Steinanfegen‘ geneigt geweſen, 


denn durch feinen langen Zufluß bat fich ein Tofftein 


angeleget, der nad) und nach um bie Mündung des 


Quells fo hoch angewarhfen ift, daß er einen Hügel 
vorgeſtellet bat x durch diefen Tofftein ift der Quell 
felbft verdecft worden, der nun nicht mehr, wie vor⸗ 

a4) RR “ ‚bin, 
* Tom. II. p. 3504. n. 22. 


on wunderbarer Beſchaffenheit. 7u 
Hi Han den Obertheil des Brunnens ſchaͤumend 
ſpringen konnte; auch die Bauern ſuchten den Duell | 
‚gu unterdruͤcken, damit fie für ihr Vieh nichts zu 

rt hätten. 

III So ift die alte Befchaffenheit diefes Duelle 
| ie diefer Grube geivefen, davon ſich noch heut zu 
Tage Spuren, auf der Mitragsfeite der Wieſe, am 
Fuſſe des waldichten Huͤgels zeigen. Wie nachges 
bends aus dieſem 'vormaligen Brunnen unter der 
Erde in verborgenen Gängen häufiges Waffer ſich 
ausbreitete,, ift davon die Erde um diefen geweſenen 
Duell herum, unten ausgewafchen worden, Davon die 
MWiefe aufgeborften ift, und fich eine neue Kiufe eröff« 
net hat. Aus diefer Haben fich erft angefangen ſchaͤb⸗ 
liche Dünfte zu erheben, die Bögeln und andern Thies 
von tödelich waren. Die da herumwohnende Bauern 
bemerften nicht nur die Höhle, die von der aufgebor: 
ftenen Erde von neuem entftanden war, wo fid) vor« 
hin foftes Sand befunden hatte, fondern fie entdeckten 
auch ihre fchädfiche Ausdämpfungen, da fie bald todt⸗ 
te Bögel, bald hingerichtete Thiere fanden, ja endlich 
. fahen wie das dafelbft weidende Vieh jaͤhlings todt 
niederſiel. Es iſt nicht zu ſagen, wie das Bauervolk 
dieſe verhaßte Hoͤhle verflucht hat, als wenn die er⸗ 
zuͤrnte Gottheit fie daſelbſt eroͤffnet hätte, ihnen damit 
den Untergang gleich itzo zu drohen, oder aufs kuͤnf⸗ 
tige anzudeuten. Wie ſich die Nachricht von dieſer 
Seltſamkeit ausbreitete, hieße fie bey einigen ein Aver⸗ 
nus, bey andern eine Deffnung der Hölle, und bey 
Ä andern eine Höhle, die man Durch eine That, wiedes 
Mi Be feine, ausföhnen muͤßte. Die Kluft 
war nach Art eines Trichters aufgeborſten, und ihr 
E4 oberer 





(denn fe ur 24 Schritte —7* —* hit Brei⸗ 


te). Sie verengte ſich nad) und nach, bis endlich ganz 
unten im Boden nur eine Fleine Deffnung übrig blieb, 
aus der Diefe ſchaͤdlichen Dämpfe hervordrangen. Man 
höret noch das Geräufche der unten fliegenden Waſſer, 
und kann daraus leicht muthmaßen, daß ſich durch 
dieſe Gaͤnge ein Fluß mit vielen Wellen durchſchlingt, 
und endlich in unbekannten Gruͤften verliert: : denn 
er geht nirgends ins Freye heraus, ob ſich wohl nicht 
weit von der Grube eine abhaͤngende Gegend an 
die ſich in einen. Thal verliere, 

IV. Bom jahre 1708 an habe ich Die feftfame 
Befchaffenheit dieſer Kluft auf verfchiedene Art zu er ⸗ 
forſchen geſucht. Erſtlich babe ich, nebſt einem Freunde, 
der ein ebhaber von Unterſuchung der Natur war, 
einen ziemlich ſtarken Hahn, an einen Spieß gebunden, 
fo über die Deffnung der Höhle gebalten,daß ihn die von 
unten auffteigenden Dämpfe. treffen mußten : kaum 
harte ich ihn folchergeftait ver Höhle genähert, fo fing er 
an zu flattern, und ftarbin einem Augenblicke. Wir 
öffneten ihn, zu ſehen, was für ein Gift ihn fo plöß- 
lich getodtet hätte? Aber wir fanden nichts, als: Ge⸗ 
blüte, Das um Die Gegenden des Herzens herum ge 
ftanden war, und fonft Feine Berlegung, Alsdenn 
habe ich ſelbſt, auf Stufen, die in dem Erdreiche aus: 
gefchnitten wurden, mich in die Höhle begeben, das 
darin (himmernde Wafler näher zu betrachten, aber 

Ich mußte zurück, ehe ic) nur etwas tief hinunter war, 
weil mir von dem Dampfe der Odem verfeßet, und der 
Kopf ſchwindlich gemacht wurde. Das ſcheint wun⸗ 
* daß die Damſen auch wenn ſie am er 








ſten find, en PEN st Dickes, das merk⸗ 
lich in die Augen fiele, entdecken, und die ruft darͤ⸗ 

ber ſiehet rein und heiter aus, welches ſich im Plu- 
toneo, deſſen Strabo und Plimue gedenken, anders 
verhalten hat. Wir waren alſo begierig, zu entde · 
cken, was dieſes für Duͤnſte wären, die nicht in die 
Augen fielen, und doch den Thieren fo einen geſchwin⸗ 
den Tod verurfachten. Uns fiel ein, es wiirde fich 
ſolches auf feine Art: beffer erforfchen laſſen/ als wenn 
man ein Schießgewehr in dem Innerſten der Höhle 
losbrennte. So bald diefes gefchehen war, erjchals 
lete die Höhle wie ein Donnerwerter, und ftieß viele 
Stunden lang Rauch aus, welches fehr angenehm 
ausfahe. Wir fchloffen hieraus, die Flamme, die 
foichergeftalt in der Höhle entitanden , babe Schwes 
felduͤnſte in ihr angezündet, die fich hin und her bes 
weget, und. endlich in die freye Luft Herausgegangen 
find. Es roch in der That ſtark nad) Schwefel, faft 
wie ich bey Annäherung eines Gemitters in den 
warmen Bädern bemerfet habe, davon ich unten tee 
* will. 

V. Nachdem man biefen Schwefeldampf be⸗ 
wecke hatte, war es natuͤrlich, alles ſchaͤdliche dieſer 
toͤdtlichen Duͤnſte dem fluͤchtigen und ungemein zarten 
Schwefel zuzuſchreiben. Wir haben uns alſo be⸗ 
muͤhet, daß aus der tödtlichen Höhle gefchöpfte Waſ⸗ 
fer, zu Beftärigung des Verſuchs forgfältig anzu: 
wenden, Diefe Begierde vermehrte beyunsdie Men: 
ge todter Vögel, die da herumlagen; denn wir moch⸗ 
ten früh oder nach Mirtagehieher kommen, fo fanden 
wir faft allemal neue Leichen. Beſonders 308 ein 
Igel Ka Aufmerkſamkeit auffich, der. an eben die 

Es ſem 





fem Giſte PR in einer Ba 
len war , daß aus der aufgetriebenen Haut auch die 
Stacheln, die fonft fo fee darinn ftecfen, mit ihren 
Wurzeln herausgedruckt waren : dieſes brachte ung 
auf die Muthmaßung, das Thier möchte wohl gar 
von dem Waffer der Höhle getrunfen haben, das ine 
wendig mit;großer Gewalt hervorbricht, und ineben 
der Kluft wieder verfchlungen wird. ; Die Lungen des 
Igels, die blau angelaufen waren, und die übrigen aus 
der maßen aufgefchwollenen Eingeweide fchienen uns. 
anzuzeigen, das Thier habe fomohl vom Waſſer ger 
trunfen, alsdie Dämpfe in fich gezogen, und es ſtank 
ſchon Damals fehr widerwaͤrtig. Wir ſchoͤpften alſo 
Waſſer aus dieſem tiefen Sumpfe, nicht ohne Gefahr 
des Bedienten, den wie mit niedergefenttem Kopfe 
hinein ließen, aber fülchen an Striche befeftiger hat 
ten. Es war erpftallenhelle, leicht, und wie ätherifch, 
von mittelmäßigem Schwefelgeruche, fäuerlic und 
mittelmäßig —* aher ohne Zunge oder Gaumen 
anzufrefli en. Es fchien dem Sauerbrunnen, der un« 
weit der Höhle ift, am nächften zu kommen. Wir 
Fofteten diefes verdächtige Waffer erftlich. nur füccht« 
ſam und mit den aͤußeren Lippen, bis eines Beyſpiel 
immer den andern kuͤhner machte , und mir erftlich 
mäßige Züge, bald auch ſtaͤrkere, ohne Bedenfen has 
ten. Es iſt auch feinem von uns dieſe Neugier ſchaͤd⸗ 
lich geweſen, ob gleich die meiſten von ung einen zaͤrtli⸗ 
chen und vom Gebrauchedes Sauerbrunnens gar eflen 
Magen haiten, ja es wuͤnſchten einige, dieſes Waſſer 
unter dei edlen ungarifchen Wein mengen zu koͤnnen. 

„VI. Diefes haben wir fo viele Jahre dur, und 


sig beobachtet, damit man urtheilen moͤge, ob Ya: 
cola 





von wunderbarer Beſchaffenheit. 75 
* und Wernher die Ausdunſtungen dieſer Höhle 

mit Rechte giftig nennen. Ein neuerer Schriftſtel⸗ 
fer hat die Kuͤhnheit, dieſes Gift aus der Faͤulniß 
oder aus dem Verderben, ich weiß nicht was rt 
einer daſelbſt ftehenden "Feuchtigkeie ‚bersuleiten. 
Indeß find die Dämpfe diefer Höhle nicht giftig, ob 
fie gleich tödelich find. Denn fie rödten die Thiere 


nicht, vermoͤge eines Gifts, das fie mit ſich führeten) 


fondern aus andern Urſachen, Die ich gleich erwähnen 
will. Wären fie giftig, fo koͤnnte man das Wafler 
nicht trinfen, noch vielweniger die getödteten Thiere, 
als Hähne, Kramersvögel, Holztauben und Hafen, 
ohne Gefahr, und wenigftens ohne Schaden der Ger 
fundheit, genoffen werden, wie doch alle thun, die fich 
der Bäder, zur Geſundheit oder zur Luft bedienen; 
wenn fie von einer fo außerordentlichen Sache Bew 


füche anftellen wolten*. Aber vielleicht ftößt die fau⸗ 
fe Erde, oder ein ftilleftehender Sumpf, diefe Dämpfe 


aus? Gemwiß, Feines von beyden : fonft müßten die 
Dämpfe dicke und trübe, das Waſſer aber unrein und 
von widrigem Geſchmecke ſeyn, da gegentheils die 
Dämpfe ee find, das Warfer aber nicht faul, 

| ſondern 


Die Thiere, welche von den Schlangen gebiſſen, und 
vermittelſt dieſes Giftes, hingerichtet worden ſind, 
werden ohne Gefahr gegeſſen. Redi Obf. de viperis, 
Opufeulor. Amftaeled. 1685. edit. Tom. I. p.178. wie 
auch, was vom Bifte des Tabaks oder der Scorpio— 
nen, mit dem Blute vermengt, geſtorben iſt. Siehe 
eben deſſen Obſeru. de generat. Inſect. Opuſe. T. L 

.p.91. Indeß hat man allerdings bier keinen Grund, 
die Errödtung der Thiere aus was anders, alg aus 
Schwefelduͤnſten zu erflaren. Anm. >. Yeb, 


1: 
d Sy 94/ 
F An IL 

1 * —A— — 


Guben; ich ſchn Manm Cd 
lich£eit diefer Dämpfe aus der — aͤrteſten 
Schwefels und beygemiſchter mineraliſchen Dämpfe \ 
herleiten, die mit dem Waller in dieſen unterirdis 
fhen Gängen ſchnell foreftrömen, und für ſich ihrer 
eigenen Natur nach nicht fhädlich find, aber wenn 
folche zarte Dünfte,die Aefte der $ufteöhrei in der Lun⸗ 
ge jaͤhlings erfüllen, und die Luft, die zum Odemholen 
noͤthig war, ausſchließen, das Blut daſelbſt ſtehend 
machen, und daher die Thiere augenblicklich umbrin- 
gen. Wer anders von diefer Sache urtheilet, irret 
felbft, und verführet andere, und macht zugleich der 
Höhle einen Schimpf, der auf Feine Art kann wieder 
gut gemacht werden, als wenn er durch dieſe unſere 
Beobachtung zum Befenntniffe feines. Jrithums ge: 
bracht wird, und folchen wiederunft. 

VII. Uebrigens kann man auch daher eine A⸗el. 
ge von der ſchwefelartigen Beſchaffenheit unſerer 
Hoͤhle nehmen, weil die anliegenden Baͤder eben die 
Eigenſchaft haben, ob ſie wohl dickere Daͤmpfe und 
ſolche bald ſtaͤrker, bald ſchwaͤcher zeugen, nachdem 
ſich der Zuſtand der Luft verhaͤlt, der in bieſes war⸗ 
me Waſſer einen ganz beſondern Einfluß hat. Wenn 
es fich nämlich, bey großer Hiße zu einem Gewitter 
anfchicfet, fo fängt das Bad, das beftändig einen 
Schwefelgeruch hat, tiber alle maßen an, Schwe- 
felgeftanf von fich zu geben, daß foldhes den Badegä- 
ften nicht nur beſchwerlich, fondern ſchaͤdlich, ja tödt- 
lich wird, befonders wenn das Waffer aus dem Dr- 
te, wo man badet, ift abgelafiı en worden, und frifches 
hineinläuft. ‘dh habe einen ftarfen Mann gefehen, 
der in Kriegesd wunen and, und noch i in ſeinen beſten 

—_ | 








-die Sehwefenämpfe die aledenn gewoͤ ah ce 
ſtaͤrker w eine Zeitlang ausgehalt nmhatte, ſprang 
er wie raſend aus dem Bade, bekam ein hißiges Fie- 
ber, und ftarb den vierten Tag darauf. Miriftun- 
befannt, ob die Höhle, von der ich: geredet habe, auch 
diefen Abwechfehingen des Wetters fo unterworfen 
ift; denn ich bedaure, daß ich niche fo forgfältic g gewe⸗ 
ſen bin, dieſen Umſtand mit den uͤbrigen, wie er doch 
diente, zu bemerken. Das ift bekannt, daß auch bey 
beiterem Himmel,wenn man fein Gewitter vermuthet, 
doch die Wirkung diefer fchädlichen Duͤnſte abwechfelt, 
und die hinzugebrachten Thiere bald eher, bald fpäter 
hinrichtet, auch bisweilen gleichfam gar aufhoͤret, und 
fi) nicht mehr entdecket. So wenig aber als ic) 
ſelbſt die Urfachen hievon unterfucher babe, fo we⸗ 
nig erinnere ich mic), daß es meine Freunde gethan 
hätten. Die Anwohner verdecfen ißo die Höhle 
dergeſtalt mit Bufcywerfe, dag man faft nicht. m 
dazu Fann, und es finden fich nicht mehr fo a 
todte Voͤgel, als wie zuvor, welches, meinen Ge 
| danfen nach, daher rühret, weil das 
Waſſer tiefer als zuvor fließer, 
6o viel hievon. 11 


9 BON 30 
A. G. R. 


gear | 
I 


— Pe 





Kernen 


. Gm: i 3 * VI 52 1.) D De) v Eu 
. 2 ? — — 


Martin‘ Folkes, Eſqu. 
Praͤſident der Koͤn. — ie 


Bas. 27900770 a AR 
über eine von P. Harduin 


verbeſſerte Stelle indes Plinius 


Naturgeſchichte, | 
"U Buch LXXIV Abfehnite ber Parifer Folio» 
| ausgabe 1722. f 


Den 2aften Jenner 1746::7 — 
Aus den — Tranſactionen 482 N. v Arie 
J — * 


T afaque ‚horofcopa non vbique — Er 
W  vfui, in trecentis ftadiis, vel longiffime i in 
quingentis, mutantibus femet vmbris ſolis. 

Itaque vmbilici, (quem gnomonem appellant) vm- 
bra in Aegypto meridiano tempore, aequinoctii 
die, paulo plus quam dimidiam gnomonis menſu- 
An efficit. In vrbe Roma nona pars gnomonis 
eft vinbrae. In oppido Anconae ae quin- 
ta. 


® Diefe Anmerkung kann zu einer Yroße dienen, ob * — 
mal zum Verſtande alter Schriftſteller und noch mehr 
zu ihrer Verbeſſerung etwas weiter noͤthig ſey, als 
Woͤrter und Alterthuͤmer zu ca Anm. d. Ueb. 


7 
& 


eich 


! 


in des Plinius Naturgeſchichte. | 19 U 


* 


ta. Decima in parte Italiae, quae Venetia appella- 


tur, eisdem horis vmbra gnomoni par fit. 


„Ein Leſer, welcher der Erdbefchreibung kundig ift, 
wird bier fogleich bemerfen, daß etwas in der | 
wie fie hier ftedt, fehlerhaft ift, da der Schatten aM 
Tage, welcher feiner Nacht gleich ift, zu Ancona Fürs 
zer als zu Rom gemacht wird, und folglich die Breite 
von Ancona kleiner als die römifehe feyn follte , ohne 
geachtet fie wirklich merklich größer iſt; denn Ancona 
liegt am adriatifchen Mieere, etwa zween Grad nord« 





-wärts von Kom. 


Wie ih; P. Harduins Anmerkungen über dieſe 


Stelle nachleſe, ſo finde ich, daß er den Text, wie 


ſolcher in den vorigen gedruckten Ausgaben geweſen 
iſt, ſtark veraͤndert hat. Seine Anmerkung iſt foigende: 

Bisher hat es in Den gedruckten Ausgaben ge⸗ 
„beißen: in oppido Anconae ſupereſt quinta XXX, 


Ain parte. Ttaliae ete. Die Handfchriften find nicht 


„einftimmig. Wir * aus einer ſichern Muth⸗ 

maßung drucken laſſen: Anconae ſupereſt quinta: 

„decima in parte Italiae. Er hat in dem folgenden 
„Buche Venedig in die zehnte Abtheilung vo Ita⸗ 


| M geſetzet. Es iſt nicht wahrſcheinlich, daß ein 


„Mann, der die Größen meiſtentheils nur ohngefaͤhr 
„angiebt, den Zeiger oder ven Schatten in fo viel, 
CTheile, in 35, follte getheilt haben.;, 

Aus diefen Worten erhellet, daß der P. Fake 
ung meldet: er habe in den Handfehriften verſchiede⸗ 
ne $esarten angetroffen, aber wegen der feinigen weiß er 
ſich auf feine zu berufen, jaer meldet uns ausdruͤcklich, 
daß feine Berbefferung. ‚bloß aus einer Muchmaßung, 
ung fen, woraus wir fhliegen-fönnen, daß fie ſich 

* 





j 80 | | | # eſſe : 2 = op) l g 9 
ganz und gar auf fein weiteres Anſehen gruͤndet. Zu 
gleicher Zeit befennet er, daß alle gedruckte Ausgaben 


wi € tesarten haben, welches ich in verfehiedehen, 







anzufehen Gelegenheit gehabt, richtig befunden 
Be, nur mit der Veränderung, daß, wie die erfte 
Ausgabe von 1469, und verfchiedene folgende, dag 
Wort quinta völlig ausdrucken, und XXX nur mit 
Zahlbuchſtaben fehreiben, fie haben einige der neuern, 
und.befonders die elzepiriiche von 1635 beyde Worte 
völlig ausgedruckt. Die ganze Stelle heißt : Vin: 
bilici (quem gnomonem appellant) vmbra in Ae- 
$ypto meridiano tempore, aequinodtii die, paulo 
plus quam dimidiam gnomonis menfuram efhicit, 
in vrbe Roma, nona pars gnomönis deeft vmbrae, 
in oppido Ancone füpereft quinta trigefuna, in par- 
te Italiae quae Venetia appellatur, iisdem horis vm- 
bra gnomoni par fit. a ——— — — 
Der natuͤrliche Verſtand dieſer Worte iſt bloß, 
daß die Laͤnge des Schattens von einem ſenkrecht auf⸗ 
geſetzten Stifte ſey zu Nom um den neunten Theil 
der Höhe des Zeigers fürzers, alsderfelbe, zu Ancona 
ſey die Höhe des Stifts um einen 35 Theil größer, 
als die Länge des Schattens, oder fie verhalte ſich 
zum Schatten, wie 35: 34, und in dent Theile von 


ge des Schattens und die Höhe des Zeigers von einer 
Größe. - 3 997815 ala. ı 
Dieſe befondern Umftände find nach der Ordnung‘ 
in vier folgenden Breiten : 26 Gr. 34M., 4r®r.' 
38 M. 44 Gr. TOM: und 45 Gr wahr. Die! 
erfte Breite gehoͤret für die mittlern Gegenden von’ 
Aegypten, und die legte fuͤr verſchiedene Derter im: 
INN, vene⸗ 


Ari 
* 


— 


in des Plinius Naturgeſchichte. Sı- 
venetianifchen Gebiete, da die Stadt felbft nah Mans 
fredis Tafeln in der Breite von 45 Gr. 33 M, und 


2 45 Gr. 28 M, liegt. Prolemäus giebt 







Des tes Breite 44 Ör, 30 M., und die 
Breite don Aquileja oben am adriarifchen Meere, 
genau 45 Ör. an, 


Die Breite von Nom, welche nach dem Ptole⸗ 
mäus nur 41 Gr. 40 M. ift, übertrifft diejenige, bie 
fir aus unferm Terte gefchloffen haben, nur um 2M., 
und diefe legtere ift wieder, um 154 M. Fleiner als 
die vom Manfredi und Biandyini angegebene 41 Gr, 
541 M. Außerdem ift zu merken, daß Vitruvius 
von eben diefer Sache vollfommen fo redet, wie P. 
Harduin in einer feiner Anmerkungen erinnert: „Die. 
„Sonne macht zu der Zeit, da Tag und Nacht gleich 
„find, in der Himmelsgegend, unter der Kom liegt, 
„den Schatten acht folcher %heile lang, deren neune 
„auf den Zeiger gehen *.,, 


Wir fommen endlich zu der Breite von Ancona, 
die Manfredi 43 Br. 54 M. oder 16 M. Eleiner, als 
fie oben aus dem Plinius gefchloffen. worden, an giebt, . 
aber Ptolemaͤus feßet fie 43 Gr. 40 M. einen halben 
Grad kleiner als eben derfeibe. Gleichwohl Fann 
man diefe Obfervation nicht für fo gar fchlecht anſe⸗ 
ben, in Betrachtung der Zeit, wenn, und der Art, 
wie, fie gemacht ift, da ung die Stunde unbes 
kannt ift, in welcher die Sonne an den Tagen der 
Dbfervation wmirflic durch den Aequator gegangen, 
und befonders, da fie mit allen igren Unvolltommen« 


beiten. 
*im 8 Capitel des 9 Buche. 4 
4Band. N. 





ge Harduins verbeſſerte 
heiten der Wahrheit ſo nahe koͤmmt, die 


nach des Plinius und Vitruvs Berichte m Rom 





felbft ift angeftellee worden, und da fie 
Breite ungefähr um eben fo viel it 
Prolemäus 70 oder go Jahre darnad) geg 
- Elein iſt. 
Daher erhellet, wenn man alles zuſammen nimmt, 


te 


fo 







daß der Tert Feiner Berbefferung bedurft hat, und die. 
Erinnerung , man habe den Zeiger wohl nicht in 35. 


Theile getheilet, ift von fchlechtem Gewichte, in Be— 


erachtung, daß fich die Alten bey folchen Gelegenhei⸗ 


ten ſehr großer Zeiger bedienet haben, daß einer von den 
Obeliſken, die jetzo zu Rom ſtehen, der zu St, Jo⸗ 


hann im Lateran, ohne das Piedeſtal, 108 Fuß Hoͤhe 


hat, und daß dem andern, der noch im Campo Mar⸗ 


—*3 


tio unter der Erden liegt, und vormals eben zu der 


Abſicht gebrauchet wurde, auch nicht viel an dieſer 


Höhe fehlte*. Der fünf und dreyßigſte Theil von 
der Höhe eines ſolchen Steins war nicht unter drey 
engliſchen Fuß, und ein viel kleinerer Theil wuͤrde 
ſich im Schatten leicht entdecket haben, deſſen Laͤnge, 
"aller aus dem Halbſchatten entſtehender Schwierig⸗ 
keiten ungeachtet, doch ſicherlich hat auf einen halben 

Fuß koͤnnen beſtimmet werden. 
Ich will dieſer Anmerkung die Beſchreibung bey⸗ 


* 


fuͤgen, welche Plinius von idieſem Gnomon i im 36 B. 


machet, 


KR Man hat jeßo Hoffnung, folchen einft wieder aufgerich- 
tetzu ſehen. Ueber des Plinius Nachricht von dieſem 
Dbeliffe (36 3. 10 Cap.) hat Bayer in Altorf 1706, ei: 
ne Differtationem mathematicam de obelifco gnome- 
ne Augufti Caefaris, — A. d. Ueb. 


— * 


oh BER \* 


in des Plinius Naturgeſchichte. 33 


machet. Rachdem er im 14 Abſchnitte von den Obe⸗ 
lifken gereder hat, die zu feiner Zeit zu Rom waren, 


- 


ſo ſetzet er im Anfange des ı5 hinzu: Ei qui eft in 


campo, diuus Auguftus addidit mirabileın vfum 
ad eprehendendas folis vnbras , dierumque ac 
nodium ita magnitudines, ftrato lapide ad inagni- 
tudinem obelifei, cui par fieret vinbra brumae con- 
fectae die fexta hora, paulatimque per regulas 


(quae funt ex aere inclufae) fingulis diebus de- 


erefceret ac rurfus augefceret. Ich verftehe diefe 
DBefchreibung fo, daß vom Fuße des Obeliſks nord« 
wärts ein waflerebenes Pflafter von Steine ift gelegee 
gemefen,, deſſen Breite der Breite des Obeliffs feibft, 
die Laͤnge aber feinem Mittagsfchatten am Fürzeften 
Tage gleich geivefen ift, d. i. Die Länge bar ſich zue 
Höhe des Obeliffs, wie 22 : 10 verhalten: In vie: 
fes Pflafter find parallele Regeln von Meralle ge» 


leget gewefen, deren Entfernungen von dem Puncte 


gerade unter des Obeliſks Spige den Sängen des 
Mittagsfchattens an verfchiedenen Tagen im jahre 
gleich gewefen find, fo wie diefe Sängen vom Eürzeften 
Tage zum längiten abgenommen, und vom längften 


zum fürzeften wieder zugenommen haben, 2 


Mach diefem erwähner der Verfaſſer, in einer fehr 


verdorbenen und daher jet faft unverftändlichen Ste 


le, daß ein Manilius oder Manlius, auf den Gipfel 
bes Dbeliffs eine vergoldete Kugelgefeget hätte, durch 
welche der Schatten am Ende Fenntlicher geworden 
wäre, da man vermirtelft derfelben den Schatten des. 


"Mittels von der Kugel leichte haͤtte bemerken koͤnnen da 


der Schatten der Spige vom Obeliſke nicht würde 
| kenntlich gemefen ſeyn. Imn 
52 VI. Einige 


34 Einige Anmerkungen 
RR KEK ** * Krk be * 
VL J 

| Einige — — 
uͤber die Aa 


von C. I. Sprengel, * 
Doct. der Arztneykunſt, Mitgl. der K. Geſellſch. 
Aus den Philoſ. Tranſ. 376 N. V. Art. 









u Mayland traf ich einen Natterfaͤnger an, der 
ſelten ohne 60 oder mehr lebendige Pattern 
war, die erineinem Kaften,der oben offen war, 
auf dem Nücken trug, und nachdem man fie gebrau⸗ 
chen wollte, lebendig oder tode verkaufte. Wie er 
einftens eine trächtige Matter gefangen hatte, melde: 
te er mir folches, daß ich fehen follte, wie fie mit ihrem 
Raube umgehen wuͤrde. Wir gaben ihr darauf eini⸗ 
ge Maͤuſe, immer eine auf einmal. Unter allen Nat⸗ 
tern, deren wohl uͤber 60 waren, bekuͤmmerte ſich Feine 
einzige um die Maus, bis die erwaͤhnte traͤchtige, und 
die Maus einander entdeckten: Die Maus erſchrack, 

die Natter aber erhob ihren Kopf, und machte mit 
dem Halſe einen vollkommenen Bogen, wobey ihr 
Maul offen war, die Zunge fpielte, die Augen vol 
Feuer und der Schwan; aufgerichtet waren. Die 
Maus fchien fi) von ihrem Schrecken bald wieder zu 
erhohlen, und: machte eine oder ein Paar, manchmal 
auc) mehr Wendungen fehr ſchnell um die Matter ber» 
um, wobey fie vann und wann quickte; endlich aber 
; In fie ſehr ſchnelli in den Rachen der Natter und 

na 


nach und nach * —0 Dieſe ganze 
Zeit uͤber bewegte ſich die Natter nicht von der Stelle, 
ſondern lag in einem Kreiſe. | 
Man muß bemerken, daß Feine Matter; die man 
eingefpettet halt, frißt, als wenn fie trächtig iſt. | 
Ich fabe eben dergleichen zu Brüffel, wo ein Sol⸗ 

dat eine große traͤchtige Natter gefangen hatte. Das 
Haus, wo ich und meine Geſellſchaft ſich aufhielten, 
war unweit des Fiſchmarktes, und mein Wirth hatte 
eine Saue mit fünf Ferkelchen von 9 oder 10 Tagen. 
Wir ließen eines von den Ferfeln von der Matter in 
den Schwanz beißen, und hieben den Schwan; nad) 
vier Minuten ab: das Ferfel fchien Frank und ſchwin⸗ 
delnd, und der übriggebliebene Theil des Schmanzes 
ſchwall auf, ich glaube aber, das Bluten half ihm, d 

den Morgen darauf befand e8 ſich wieder wohl. Ehen 
das gefchah einem andern Ferkel, das mir in den Bora 
derfuß beißen ließen, und fieben Minuten nach dem 
Biſſe, den Fuß ihm, etiva zween Zoll über dem Biſſe 
abhieben: Nach diefen beyden nahmen wir die andern 
drey, und ließen fie an verfchiedene Derter beißen ; zwey 
ftarben die Nacht, und das dritte, dem wir etwa 5 oder 
6 Minuten darauf 10 Gran Tartari Emetici gegeben 
hatten, fam davon, 
Ich verfuchte folches nachgehends bey Hunden, 
die von Nattern waren gebiffen worden, und fand; 
daß dieſes — — allen 
—J Half. 


- 


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s 3wwu dus⸗ 








86 Won einer Feile, 
reine 
Var 
Auszug aus einem Briefe in | 
dom Heren de Bremond, Dr. der Arzenepfunf, 
an Dr. Mortimer; TE 


‚eine Zeile betreffend, 


die vom Blitze magnetiſch geworden. 
Aus den phil Tranſ. 459 N. XI Artikel. 





(87 n der 437 N. der philofophifchen Transactios 
. a nen ift Dr. Cooffons von Wakefield Brief 
befannt gemachet worden, der erzaͤhlet, wie der 
Dlig verſchiedenen eiſernen Werkjeugen eine magneti 
ſche Krajt mirgetheiler hat. Bon St. Andre in Dau« 
phine habe ich ein Schreiben vom 7 Sept. 1739 er⸗ 
Balten, welches eine Begebenheit von eben der gr 
‚folgendermaßen berichtet: 
„Vor drey Wochen fehlug das Wetter, - 20 
„Schritte von meinem Haufe bey einem Uhrmacher 
„ein. ch will die befondern Umftände ver Verwuͤ⸗ 
„fung, die es angerichtet hat, nicht weitläuftig er⸗ 
„zählen, [Jedermann weiß, wie erftaunlich die Wire 
„kungen des Donners ſind: aber hier iſt doch noch 
„eine beſondere. Der Donner zerſchlug eine von 
„des Uhrmachers Feilen vier Zoll vom Ende, ſo daß 
„noch fieben Zoll von ihr am Griffe blieben, und 
„das Stüd von 4 Zollen , bag abgeſchlagen ea auf 
gaben liegen blieb, 
! „Den 





die vom Blitze magnetiſch geworden 8y_ 
Den Tag darauf nahm der Uhrmacher den uͤbrig⸗ 
- „gebliebenen Theil diefer Feile, wie er fahe, daß fols 
„cher noch zu gebrauchen wäre, und arbeitete damit: 
er erftaunte aber fehr, wie er fahe, daß dem Ende 
‚feine. zerbrochenen Seile Eifen nachfolgte. Er 
„hielt dieß Ende an einen Bohrer, der ſogleich von 
„der Beile angezogen wurde. Er rufte mich, und ic) 
„machte verfchiedene Verſuche mit dieſer anziehenden 
Kraft. Sch nahm das abgebrochene Stuͤck Feile, 
„und bielt e8 an einen eifernen Schlüffelring, den 
„es hob, und fo lange es mir gefiel, erhoben hielt, 
„Ich zweifelte nicht, daß der Blitz der Feile diefe magne⸗ 
„tifche Eigenfchaft nicht mitgetheilet hätte, und ich fand 
„durch Verſuche, daß nur die innere Seite der Feile 
„und des zerbrochenen Stuͤcks ſolche erhalten hatten, 
„denn ich hielt an jede Seite Stuͤckchen Eiſen, ohne 
Wirkung, die Kraft war ganz allein da, wo es ab« 
„gebrochen war. Ich zerbrach das Stuͤck von vier Zol⸗ 
„len, und eines von beyden Stüden, zog das Eifen an 
„beyden Enden an, dag andere nur an dem Ende, 
„wo e8 abgebrochen war. Ich rieb die Spige mei- 
„nes Meflers an eines von dieſen beyden Stücken der 
„Seile, und es theilte dom Meffer zulängliche Kraft 
„mit, Nadeln zu erheben und zu erhalten.,, 

Sch wünfche, M. H. daß diefe Anmerfung ihnen 
angenehm feyn möge, die wenigftens die Wunder der 
magnetifchen Kraft, und die außerordentlichen Wire 
Fungen des Bliges vermehrer, Ich bin ꝛtc. 

Bari den 4. Sun. 
1740. 
De Bremond, 
* M.der K. Akad.der Wiſſenſch. 
ser IX. Bes 


— 


188 Begebenheit mit einer Nadel, die ec. 





N OT 


L. 


Begebenheit mit e 





die in * 
den Arm hineingeſtoßen, m * der 
Bruſt herausgenommen worden. 
Aus den Philoſoph. Tranſact. 461 N. 4 Art. 


aria Howell von Oſwaldeſtry in Shrop- 
fhire, eine Spinnerinn, hatte den zten 
Merz, 1732 eine Fleine Nadel auf dem 


Aermel ihres Rockes ſtecken; fie lief ohnverfehens ge- 
gen eine Thüre, wovon die Nadel, nebft einem Faden 
in ihren linfen Arm, etwa 6 Zoll unter der Schulter 


ner Rabe, 


hinein getrieben wurde ; ein junges Weibeebild, Ma: | 


ria Price, bemühete fich, die Nadel betaustupiehen, 
brach aber das Oehr ab, und ließ ihr die Madel im 
Acme ftecden. Siemachte fich fogleich zu einem da> 


figen Wundarzte Herren Tomfins, derdie Nadel her: } 


aus zubringen fuchte, aber folhes, ohne Deffnung ihres 
Armes, nicht vermögend war, welches fie doch nicht 
äulaffen wollte, Etwa einen Monat darauf fühlte 
‚fie ein Stechen um den’ Ort herum, wo die Nadel hin. 
eingedrungen war, und hinauf bis an ihre linfe Schul⸗ 
ter; dieß währte drey oder vier Tage, und Fam fo 
dann und warın wieder, bis fie endlih, ı7 Wochen 


darnad) ein Stechen, ihrer Einbildungnadh, um den 


Magen herum fühlte, davon fie fehr krank wurde, fich 
immer brechen wollte, und damit, beſonders des Mor⸗ 
gens, 


"Der Wörter » 


gens, bis den Sonntag nad) Oftern, beſchweret ward; 
‚den Abend diefes Tages gerieth fie auf die Gedanken, 
es ſey ihr ei Reh in ihre rechte Bruſt unten hin« 
! —— d gieng zween Tage darauf zu dem 
Wundarzte, Herrn! Robert Nanney, in Fetterlane, 
der ihr noch felben Tag die Bruft mit einer Sanzerte 
öffnete, und diefelbe Nadel herauszog, wie: ‚fie ſicher 
glaubet, weildie Nadel Fein Dehr hat, und der Faden 
‚noch darum gewickelt ift, Sie har diefe Nabel, wel⸗ 
che etwa einen Zoll lang ift, Fein Oehr har, und dar⸗ 
um der Faden noch gewickelt iſt, verſchiedenen ges 
zeiget, und meldet, ſeitdem dieſe Nabel, fo von ihr ge⸗ 
nommen worden, habe fie nie feine Rückkehr des 
Schmerzens in der Bruft, dem Magen, der Schulter 
oder. dem Arme empfunden. $ondon, ven 
den 2ten Sun. 1739. Da 


ee ee ee 


"X. 


Wortergelehrte. 
Einfall bey einem Wetterglaſe. 


eran duͤnkt ſich gelehrt; Was mag ſein Vorzug ſeyn? 
Er ſpricht ja Gallifch, Welſch, Briechiſch und 


Lat 

So wird er Witz und Geiſt von ſo viel Bölkern kennen? 
O nein! Doch Brodt und Fleiſch weiß er, wie ſie zu nennen. 
An Kenntniß gleicht er noch dem Wetterglaſe nicht, 
Das nur von kalt und warm mit ſieben Zungen *ſpricht. 





| Raͤſtner. 
*gateinifch, Deutſch „emins, Holandiſch⸗ Sranzöfi Ich, Italiaͤ⸗ 
nifch und Spanifc Ira) u 


— 5 3 ‚XI. Neue 





— TESZIEETTEE Free EEE 
XI: 

Reue berausgefommene 

— — 


(4 Wongenesmer und bie ‚Zeitvertreib, mie 
V Betrachtung curiofer Vorſtellungen aller- 
hand kriechender, fliegender und ſchwimmen⸗ 
der, auf Dem Lande und im Baer ſich befindender und 
naͤhrender Thiere, ſowohl nach ihrer Geſtalt und aͤußer⸗ 
lichen Beſchaffenheit, als auch nad) der accurateſt 
Davon verfertigten Steuctur ihrer Sceleten oder Bein⸗ 
koͤrper, nebſt einer deutlichen, ſowohl phyſikaliſch⸗ | 
als anatomifch- befonders. aber ofteologifch- und mes 
chanifchen Beſchreibung derſelben, nach der Natur 
gezeichnet, gemalet, in Kupfer geftochen und verleget 
von Johann Daniel Meyer, Miniaturmaler in 
Nürnberg, 1748, it groß Sof: Don diefem fchös 
nen Werke find uns 12 Kupfertafeln, jede von 3 Bo- 
gen, nebft einigen Bogen Tert, zu Gefichte ges 
fommen. Jede ſtellet ein Thier und zwar bisher alle 
in gebensgröße, nach dem Leben illuminirer, und dar⸗ 
unter fein Öerippe, auch bisweilen einzelne Theile des 
Gerippes, imgleichen das Gerippe in verfchiedenen 
Lagen vor. Der berühmte Herr Hofrath Treu ver» 
ftattet feine Sammlung von Gerippen und Thieren 
zum Gebrauche diefes Werkes, wiewohl man aud) das 
daſelbſt abgaͤngige anderswoher zu erſetzen bemuͤht iſt, 
und in dem beygefuͤgten Texte wird Das Thier, das 
auf jeder Tafel vorſtellig gemachet worden, —2 
wobey 





Schriften. gi 
toben man, ‚wie die Vorrede erwaͤhnet, bie Abficht ge 
habt hat, was anderswo von dieſen Thieren gefaget 
worden ift, zufammeln. Es iftindep gut, daß man 
dieſe Abfiche nicht in der völligen Schärfe ins Werk 
gerichtet hat, und es ijt viel angenehmer, daß hier die 
DBefchreibung des Gerippes, weldye man fo glei ge⸗ 
gen die Abbildung defielben halten Fann, das meifte 
ausmachet; das übrige, das man in fo viel andern 
Büchern nachlefen kann, würde einigar zu ungeheits 
res Werf machen, und vielleicht ift in dem wenigen, 
was außer der ofteoiogifchen ‚Beichreibung von jedem 
Thiere gefager iſt ſchon verfchiedenes, das ohne Scha- 
den hätte wegbleiben konnen, z. E. die Erinnerungen, 
Beh fi) die Mäufe und Fledermäufe, wie andere 
nſecten, aus der Faͤulniß erzeugen follen. Zu uns 
Zeiten ift es wohl nicht mehr erlaubt, diefen Satz 
auch nur mit einem: Sollen, zu erwähnen, und wie 
kann man dergleichen Begriffe von Erzeugung der 
Inſecten noch an einem Orte haben, wo der aufmerf- 
fame und fleißige Herr Nöfel feine Inſectenbeluſti · 
gungen herausgiebt? Uebrigens wäre es nicht uns 
dienlich, wenn bey jedem Thiere die vornehmſten 
Schriftſteller von demſelben, zwar nicht abgeſchrieben, 
aber doch angefuͤhret wuͤrden; einen kleinen Beytrag 
dazu zu thun, wollen wir bey dem, was ad Tab. I. 2 S 
des Textes, vom ſogenannten Rattenkoͤnige, aus Va- 
Ientini Mufeo Mufeorum, ermwähnet worden, noch 
beyfuͤgen, daß ſich davon eine Abhandlung und Zio⸗ 
nung im Hornunge, 1726, der breßlauiſchen Samml. 
AUIICI.7 Art. beſindet. In Abſchilderung der Thies 
"re ſelbſt bindet ſich der Herr Herausgeber an Feine 
Ordnung, und man finder alfo hier folgende Be 
\ | ine 





* 
92 


1. Eine Maus ; H.einen — Sau. eine Fleder⸗ | 


maus ; IV. einen Krummſchnabel; V. einen-fleinen 
Papagey ; VI. einen Eisvogel ; VIL einen Karpfen; 
VIII. einen ſpieglichten Daphinkarpfen IX. einen 


Hecht, wobey ein gang befonderer feltener grüner Hecht | 


mit abgefchildere iſt; X. ein Waſſerhuhn; XI, eine 
Waſſerſchnepfe; XI. eine Stocfente, 
IM. Sammlung verfchiedener ausländifcher 8 


ſeltener Vögel, worinnen ein jeder derfelben nicht nur 


auf das genaueſte beſchrieben, ſondern auch in einer 
richtigen und ſauber illuminirten Abbildung vorgeſtel⸗ 
let wird, von Joh. Michael Seligmann, Nuͤrnberg, 
1749, groß. Folio. Auf 14 Platten: werden hier fol: 
gende Vögel illuminirt vorgeftellee. Der meißge: 
ſchwaͤnzte Adler aus der Hudſonsſtraße, aus Hrn. Ed 
wards Bögelfammlungnachgeftochenz; der Adler mit 


demmeißen Köpfe, aus des Catesby Sammlung ges - 


nommen ; der Geyerfönig, der Fifchaar, der Tauben« 
habicht, der americaniſche gefleckte Falke, der ſchwarze 


ameri:anifche Falke, der Habicht mie dem Schwal⸗ 


benſchwanze, der ſchwarze Papagey von Madagaf Far, 
der kleine Habicht, ‚der kleinſte, gruͤne und rothe in⸗ 
dianiſche Papagey, der kleine gruͤne Papagey aus 


Oſtindien, der indianiſche Buſſaar oder Bußhart, 


der Touraw und die kleine Eule. Außer dem Ed⸗ 


ward und Catesby, hat man ſich auch noch Albins 


Sammlung bey diefen: Kupferftichen bedienet, wel: 


he nad) jenen getreulich nachgeahmet und faubet illu⸗ | 


miniret find. Bey jedem befindet fid) eine furge Bes 
fehreibung des Vogels, wie fie jeder von erwähnten 
drey Engländern feinen Abbildungen beygefüget hat, 
—* meiftens nur die Öröße,das —— das aͤus · 


ſerli · 


93 
ſerliche Anſehen, und wo der caexihuer . 
hergewefen , angeht, 

* 

II. Die Nahrungsgefäße in * Blättern der 
Bäume, nach ihrer unterfchiedlichen Austheilung und 
Zufamntenfügung, wie folche die Natur felbft bilder, 
‚abgedruckt von Joh. Mich. Seligmann, Kupferftecher 

in Nürnberg; nebft Tie. Hrn, Hofrach Chriſtoph Ja⸗ 
Cohn Treu biftorifchen Bericht von der Anatomie der 
Pflanzen und von der Abfiche diefes Werfes, Nuͤrn⸗ 
berg, 1748, groß Folio, In dem Vorberichte giebt 
‚der Herr Hofrach eine ſehr fhöne und vollftändige 
Nachricht, von denen, die fich mit der Zergliederung 
der Pflanzen, und befonders mit Unterfuchung der 
Gefäße in den Blättern und Früchten bemüher haben, 
Wie hieraus allgemeine Saͤtze von der Natur der, 
Pflanjen, zu folgern, erfodert wird, daß man eine 
Menge von dergleichen Erfahrungen vor Augen has 
be und mit einander vergleichen Eönne, fo hat er dem 
Verleger angerathen, diefe Sammlung heraus zuge⸗ 
ben, von der alle 4 Wochen 2 Stüd für 15 Kreuzer 
zu haben feyn follen. Bisher haben wir auf 16 hal« 
ben Bogen folgende gefehen: Blätter vom Liumon 
ponzino Regino, ebendavon ein Stuͤckchen Netz und 
Stuͤckchen Haͤutlein durch das Sonnenmikroſcopium 
vergroͤßert, mit beygezeichneter natuͤrlicher Groͤße; 
Blaͤtter von einer Bergamotenbirne, davon die Frucht 
mild iſt; Netz und Haͤutchen davon vergroͤßert, wie 
vorhin; Blaͤtter vom Limon di Calabriadolce, vom 
Ruſcus oder Mausdorn; vom Cedro di Fiorenza ; 
vom mwelfchen Nußbaum, vom Grabenbirnbaum, | 
| vom 








94 

vom Sorberbaume,, vom Mehlbirnbaume, vom Aran- 
zo Incanitiato, von einem Frühlindenbaume, vom 
Epheu oder Baummwinde, vom Limon Salerno, vom 
Miſpelbaume, vom Aranzo Garbo, und von einem 
Junkernbirnbaume, davon Die Frucht mild ift. Es 
find allezeit verfchiedene folche Blätter , oder vielmehr 
—* von einerley Baume zuſammengezeichnet, da⸗ 
mit man das Aehnliche, das fie haben, deſto leichter be» 
merfen Eann, und fünftig follen mehr Zeichnungen 
durch das Sonnenmifrofcopium erfolgen, welches 
nach des Herrn Hofrath Treues Gedanken, den Künft: 
ler in den Stand feßet, die Sachen gerreulicher nach» 
zuzeichnen, als er bey einem andern vermögend iſt. 


IV. Kieſewetter hat Linnaei Syftema naturae 
nach der fechften ſtockholmiſchen Auflagein Leipzig auf 
17 Bogen in Octav wieder abdrucen laſſen. Statt 
der ſchwediſchen Benennungen der natürlichen Koͤr⸗ 
per find hier deutfche beygefüger, und wie fich diefe 
Auflage an Bermehrungen und Beränderungen un« 
gemein von den vorhergehenden unrerfcheidet, und 
zum Gebrauche afademifcher Lectionen gefchickt ges 
machet ift, fo find auch acht Kupfertafeln beygefüger, 
die Haupterdnungen der natürlichen Körper, ver 
miteelft ihrer Merfmaale, den Anfängern Fenntlicher 
zu machen: die erfte namlich ſtellet Hirnfchädel von 
den ſechs Drdnungen, der vierfüßigen Thiere, nebft 
ihren Börderzähnen, vor, nah denen fie Herr Linnaͤus 
unterſcheidet; Die zweyte die Köpfe, Füße und Klüs 
gel der Vögel; die drifte einige Thiere, die zugleich 
im Wafler und auf. dem Sande leben; die wierte ei⸗ 

nen: 


Re Schriften, N 9 


nen Fiſch aus jeber von des Heren Unnaͤus fünf 
- Ordnungen; die fünfte von jedem feiner fieben Ord⸗ 


nungen der Inſecten eins; die fechfte, Thiere, ſo er 
unter dem Mamen: Würmer, begreift; die fies 
bente, die verfchiedenen Elaffen der Pflanzen nach ih. 
ven Geſchlechtsgliedern; und Die achte, die Cryſtalle 
aus dem Steinreiche. Von dem Werke felbft wird 
nicht nöthig feyn, weitläuftiger zu reden, va es fo 
befannt ift. DD gleich andere Kenner der Naturge- 
ſchichte mit Herrn tinnäus nicht allemal regen Ab⸗ 
theilung der Claffen und Beſtimmung derfelben 
Merfmaale eines find, fo wird man doc) allezeit fei- 


‚ nen unermüdeten Fleiß und feine philofophifche Auf: 


ee —— 
— — 


merkſamkeit verchren, und dieſes Werk allen, welche 
die natürlicher Körper wollen Eennen ler: 
nen, als unentbehrlich ans | 
preifen, 





LESE 
7 Bun, 


J J —* 
Indhalt des efien Site, 
‚vierten Bande, pin * 





Rechricht von den Bemuͤhungen der. TR 


wegen einer nordweſtlichen ————— 


Hudſons⸗Bay Seiten 


I. Einige Proben von dem Einfluſſe der Naturlehre 
“in bie Rechtsgelehrſamteit 27 


Gedanken zur Erlänterung des geometrifchen Ber 
geiffs von dem Urſprunge einer Linie, aus der Bes 
7 wegung eines Punctes | 46 


sw. Anleitung zur. Mortſcheidetanſt nach u An⸗ 
fangsgruůnden und a: li kachperſen 


3 


v. Befchreibung zwoer — ——— von — Be⸗ | 


ſchaffenheit deren die eine vol+Ei iſt, die andere 
fehadliche Dampfe von fich giebt 60 


VI. Anmerkung über eine von 9. Harduin verbefferte 


Stelle in des Plinius Naturgefihichte 78 
VII. Einige Anmerkungen über bie Bogen,non 3 
Sprengel 84 


VIH. Auszug aus einem Briefe vom 1 Sen. de Bremond, 


eine Feile —“ die vom Blitze magnetiſch ge⸗ 
worden 86 


IX. Hegebenbeit mit einer ae Nabel, die.in den Arm bins 
eingeftoßen, und be deri Bruft herausgenommen 
worden 85 


X. Der ——— Einfall bey einem Wetter⸗ 
glaſe 89 


xl Neue erausgefommene Schriften 9 


hc 19 SE 9. > 


* 


Samburgiſches 


Wagazin, 
geammiete Sdhritten— 


unterricht und Vergnügen, 
aus der Naturforfchung 


und den 


angenehmen Wiſſenſchaften überhaupt. 





Des vierten Bandes zweytes Stud. 
Mit Koͤnigl. Pohln. und Churfuͤrſtl. Saͤchſiſcher Freybeit. 


Hamburg, ben Georg Ehrift, Grund, und in $eipzig, 
bey Adam Heine, Holle, 1753. 


3 


. 
, 
’ 










sestesueesneen 7 
Et 


ERRRTTER DE 
J. 
Phyſi caliſche Nachricht Tr 


von Den 


— — üßcrhaupt. 





Ber Tr eine und klateſte Waſſer, worinn 
auch das ſcharfſichtigſte Yuge feine vom 
3 Waſſer unterfchiedene Theile zu entdecken 
im Stande iſt, ift der Faͤulniß unfer- 
worfen, und mit unendlichen verfchiedenen Körper: 
' hen unter mancherley Verhaͤltniß vermifcher. So 
verſchieden das Waffer ift, fo verfchieden find auch 
deſſelben Wirkungen. Denn gleichiwie ſich in allen 
Dingen, die die Natur hervorbeingt, und die alfo 
nicht bloße Geburten menfhliher Einbildungskraft 
find, ein wunderbarer Unterfchied äußert, fo äußert 


ſolcher ſich auch bier. Es ift von den Weltweiſen 


auf das fcharffinnigfte bewieſen worden, daß in den 
allerkleinften Theilen der Körper, die man fich eins 
bilden Fann , fie mögen einander gleich fo Ähnlich 
fcheinen, wie fie immer wollen, einiger Unterſchied 

fen. Diefes finder ein aufmerffaner Leberleger na 
türlicher Dinge durch die Erfahrung ziemlich bekraͤf⸗ 





tiget, fo weit fein blödes Geficht Die kleinen Seile 
zu unterſcheiden im Stande iſt. 

Im Regen⸗ Schnee: Duell: Fluß— und Seewaſ⸗ 
fer findet man nicht alfein in Anfehung verfchiedener 
5: ——— aufge⸗ 








16  Ponficalifche N 


aufgelöften Theile der Körper ak n Unterfhie, r 
ift auch ein jedes der Schwere nad) unterf | 
Und mern man die verfchiedene Salzquellen und Ge⸗ 
ſundbrunnen betrachtet; ſo ſieht man, wie bemuͤht 
die Natur ſey, was fie in ihrem Schoße bat, mit 
dem Waffer auf mancherlen Art zu vereinigen : ob» 
gleich Boyle dem ungeachtet nicht einmal mit gewaff- 
neten Augen felbige vom gemeinen WBajli er zu unter⸗ 
ſcheiden im Stande geweſen. 

Die weiſeſte Vorſorge des allechochſten Weſens 
leitet mit dieſem Element nicht allein die Theile, die 
zum Wachsthum und zur Erhaltung ſowohl lebendi— 
ger als lebloſer Dinge noͤthig ſind, an verſchiedene 
Oerter, ſondern fie hat auch einigen mif fo unvergleich: 
lichen Kräften angefüllet,, daß fie menfchliche Krank— 
beiten und langwierige Schwachheiten zu beſiegen ver · 
moͤgend ſind. 

Das Geruͤchte erzehlet uns von vielen Geſund⸗ 
brunnen mit allgemeinem Beyfall Dinge, die wir 
Urſache haben zu bewundern, und in beſondere Be— 
trachtung zu ziehen; und dieſes um ſo viel mehr, da 
die Aerzte ſelbſt die natuͤrlichen Kraͤfte ſolcher - Waffer 
erkennen und einmüchig erheben. Faſt in allen Lan⸗ 
dern giebe e8 dergleichen Waſſerſchaͤtze. Inſonder— 
heit ift Deutfchland, Ungarn, Frankreich und Eng 
land mie fo vielen herrlichen Duellen verfehen, deren 
Eigenſchaften und Wirkungen die Naturforfcher Ge⸗ 
legenheit gehabt zu unterſuchen, daß es muͤhſam ſeyn 
würde, auch nur alle Namen folcher Duellen mitzue 
eheilen.. Was die angeftellten Unterfuchungen der⸗ 
felben betrifft, fo hat es anfaͤnglich faft fo viel ver⸗ 


ſchiedene aa von denen in: Diefen Duellen 
auf⸗ —9 





— 


⸗ 


0 von den Gefumdbrumnen. 117 
aufgelöften Materien und derfelben Erzeugung gege- 
ben, fo viel verfehiedene Unterſuchungen angeſtellet 
worden. | 
Hiervon mögen theils die Schwierigkeit der Sache 
ſelbſt, theils der wirkliche Unterſchied der Quellen, 
theils die verſchiedene Art, dieſelben zu unterſuchen, 
theils die aus unvollkommenen und unbedachtſamen 
Unterfuchungen aus unvorſichtiger Uebereilung ge⸗ 
machte Schluͤſſe Urſache geweſen ſeyn. Ueber dieſes 
letzte beklagt ſich ſchon Boyle in einem in Form eines 
Briefes A. 1683 ausgegebenen Tractat, worinn er eine 
Hiftorie der mineralifchen Waffer und feine angeftell- 
ren Verfuche mittheilet. Es hat faft alles, was in 
der Natur ift, in den mineralifchen Waffern ſeyn muͤſ⸗ 
fen, 3. €. ein wahrer Salpeter, ein,grobes Vitriol, 
Aaun, Schwefel, Arſenicum, ein ammoniacalifches 
Salz, Bergharz, Kreide, ein fetter fetten, worinn 
Eifentheile befindlich, imgleichen Bergkryſtall, Mars 
mor, Bimftein, Marfafit, Blur: und Magnetftein, 
Einige Quellen haben ihre Kräfte aus den Wur— 
zeln der nahe an den Quellen fich befindenden Ges 
waͤchſe herleiten muͤſſen. Die ſich übereilende Ein- 
bildungsfraft hat folchen Waſſern noch mehr zu fra 
gen gegeben‘, z. E. Spießglas, ein grobes Eifen, Zinn, 
Kupfer, Silber, Bley, Duefilber, und gar Gold, 

Diejenigen, denen wir eine genauere Unterfuhung 
befagter Duellen zu danfen haben, verftehen unfer 
 folchen alles aus der Erden hervorquelfende Waffer, 
welches dem Geſchmack und der Wirfung nach von 
‚dem gemeinen reinen Waffer, den Salzquellen und 
‚dem Seewaffer gänzlich unterſchieden, worinn theils 
‚reine Saugenfälze, theils irdifche Theile, bisweilen’ 
Pr 58 auch) 





8 Phyſicaliſche Nad richt: 


auch Mittelfalze ſich befinden, in welchen. ‚man fehr 
oft nebft den Laugen: und Mittelfalzen einen fehr fub- 
tilen Eiſenkalk antrifft, imgleichen viel Luft und faft 
durchgehends eine mit den Fräftigften Geiftern ange: 
füllete Materie, die fich Durch den Geruch und einen 
fcharfen Geſchmack imgleichen, wenn man ein ſol⸗ 
ches Waſſer bewegt ausgießt , oder aber mit faurem 
Wein vermifcht, durch Bläslein und ‚Dünfte zu er⸗ 
kennen giebt. Das find nun diejenigen Theile, mit 
welchen die Quellen verfehen, Denen Die Aerzte mic 
Hecht ven Namen der Gefundbrunnen glauben * 
legen zu koͤnnen. 

Von ſolchen iſt hauptſachlich dieſer Haupfumter- 
fchied zu merfen, daß einige Quellen Falt, andere _ 
warm, ja bisweilen fo heiß find, daß man das aus 
felbigen gefchöpfte Waffer eine Zeitlang in der freyen 
Luft muß ftehen laflen, ehe man e8 ohne Schaden 
gebrauchen Fann. Wenn man ins Carlsbad nur drey 
oder viermal was gefiedertes eintauchet, foll es die 
Federn verlieren, und vom Aachener Bade fchreibt 
Eduard Zromn in feiner Keifebefchreibung, daß 
man deſſen Waffer 12 Stunden müßte ftehen laffen, 
wenn man fich deflelben bedienen wollte. Faſt aller 
Irten, wo es Gefundbrunnen giebt, trifft man bie 
falten Quellen ‚nicht weit von den warmen Bädern, 
und diefe nicht weit von jenen an; daher fie auch in 
Anfehung ihrer Grundtheile nicht viel von einander: 
unterfchieden, Außer dem Linterfchiede, den Die Ge- 
fundbrunnen in Anſehung der Wärme und Kälte ha⸗ 
ben, ‚giebt es auch einige Quellen , ‚welche ihr mine⸗ 
califches. Waſſer nicht beftändig. geben, ‚fondern zu⸗ 
weilen zu Bf aufhören, nach einer gewiflen Zeit, 

Hi — 





* 


von den Gefundbrumnen. ug 
Bingegen ihre mittlerweile gefammlete Waſſerſchaͤtze 
wieder mittheilen. 


‚Nachdem wir durch die gegebene Umfchreibung der 
Geſundwaͤſſer unfere Betrachtungen gehörig einge» 


ſchraͤnket, und den Haupfunterfchied der Duellen, fo 


weit zu unſerm Zweck dienlich, bemerfet, fo wollen 
wir mit möglichfter Aufmerkſamkeit aufehen, mit wie 
großem Ernſt und Eifer fleißige Naturforſcher die in 
felbigen fchwimmende Theile befonders darzuftellen 
ſich bemühet, oder aber nur aus den Wirkungen auf 
die Gegenwart gefchlöflen, und: wie weit es ihnen 


darinn gelungen Wir wollen erwegen, mie felbige 
ſich die Erzeugung ſolcher Waffer vorgeftellee, und 


endlich wolfen wir die vornehmſten Eigenſchaften und 

Wirkungen, die ſich auf angezeigte weſentliche Theile 

gruͤnden, und den Nutzen derſelben betrachten. 
Schon im Jahre 1667 hat du Clos bey der Pa⸗ 


riſiſchen Akademie, die zufanımen mie der Engliſchen 


durch ihre Erempel andere zu forgfältiger Unterfu= 


hung natürlicher Wirkungen anzufpornen, zugleich 


viele Brunnen mit Ernſt und Eifer zu unterfuchen 


_. 
* 


angefangen. hm folgeten Burlet, Chomel, Le⸗ 


mery, Boulouc; mie aͤhnlichem Fieiße ließen ſich 


auch Boyle, 2 ifter und Slare in England die Sa⸗ 


che gleichfalls angelegen feyn, imgleichen Stahl und 


Hofmann in Deutfchland. 
Man hat aus felbisen, wie wir oben gefeßen, 


infonderheit viel Saugenfalz und einen fubtilen vitrios - 


liſchen Geift, bisweilen auch Mittelfalze heraus ge: 
bracht, imgleichen viel Luft und eine ſübtile eifenhal- 
tige Materie, Sn einigen hat fich’ zugleich Die Ge— 
genwart einer Art eines Bergharzes geäußert. Was 
| | 24 TEE 


\ 


1} 


Ir Phyſicatiſche Na ch he 


die Luft und infonderheit die ſubtile eiſenh tige Ma- 





terie betrifft; fo ift es ganz gewiß, daß man es nicht 


allein in den kalten Brunnen, ſondern zugleich i in vie⸗ 
len warmen Quellen antrifft. Boulduc unterſuchte 
die Paßiſche mineraliſche Quellen, und fand, daß zer- 
fioßene Galläpfel dem aus felbigen gefchöpften Waf- 
fer eine rothe oder violette Farbe gaben ; wie folches 
allezeit geſchieht, wenn man ſie in eine flüßige Mates 
vie thut, in welcher Eifenvitriol aufgelöfet iſt. Der 
Geſchmack felbit gab ein Zeugnig von der Gegenwart 
des Eiſens. Dieſer Geſchmack verlor ſich bey war: 
mer Witterung ; im Ealten Wetter hingegen oder an 
einem Ealten Orte in wohl zugemachten Gefaͤßen ver⸗ 
aͤnderte ſich das Waſſer in vielen Monaten nicht. Er 
merkte aber doch endlich, daß ſich etwas zu Boden 
geſetzet hatte, und daß der eiſenhafte penetrante Ge— 
ſchmack zugleich gaͤnzlich aufgehoͤret. Wenn er eine 
Bouteille Waſſer in die Sonne ſetzte, da gieng dieſe 


Veraͤnderung noch eher vor ſich, und dieſes geſchahe 
noch eher, wenn er das Waſſer evaporirte oder de⸗ 


ſtillirte, er mochte ſich gleich eines ſo geringen Feuers 
bedienen, als er immer wollte. Waͤhrender Evapo⸗ 


ration war das Waſſer truͤbe, es ſtieg eine Menge 


Luftblaſen in die Höhe, welche, fo bald fie die Ober- 


fläche erreichten, fi verloren, und eine Materie, dar⸗ 
aus endlich ein dünnes Häutlein wurde, zurück ließen. 


So lange die Blafen in die Höhe giengen, fo lange 
hatte das Paßifche Waſſer einen eiſenhaften Geſchmack, 
und gab zugleich eine Tinctur mit zerſtoßenen Gall- 


äpfeln; fo bald aber die Blafen aufbörten, fo. bald 


hörte auch diefes mie auf, das Waffer ward hell’ und 
klar, nachdem fich etwas zu Boden gefeßet hatte, 
Boul⸗ 


von den Geſundbrunnen. 121 


Boulduc feste das Waſſer in einen luftleeren 
Kaum, da dehnere fich die im Waſſer eingefchloffene 
$ufe aus, indem ihr von außen nichts widerſtund. 
Es zeigten ſich große Blaſen, und es ließ nicht an« 
ders, als wenn das Waſſer in vollem Gieden wäre, 
Er nahm das Waffer nach) einer Viertelftunde aus 
dem luftleeren Raume wieder heraus, machte das 
Glas mit Sorgfalt zu, feste. inen Falten Det, 
und merkte an, daß das Waſſer Ald darauf anfing 
teübe zu werden, und daß fich etwas zu Boden ſetzte; 
doch dauerte eg wohl beynahe 3 Tage bis fich alles zu 
Boden gefegt hatte, da denn der eiſenhafte Geſchmack 
zugleich vergangen war. Er fonnte aber von der Öes 
genwart des Eifens auch auf diefe Art noch nicht den 
»vollfommenften Grad der phyſicaliſchen Gewißheit 
haben, ob er gleich von der Menge der Luft in den 
mineralifchen Waſſern überzeuget wurde, 

Endlich nahm er. eine Deftillation vor, und brach: 
te fo viel zumege, daß die ſchweren irdifchen Salz: 
und andere Theile zurück blieben. Diejenige Ma: 
terie, fo in dem Gefäße, als die fehwerefte, Die un: 
terfte Stelle einnahm, fonderte er. von der übrigen 
ab, und löfete folche in allen fauren mineralifchen Gei- 
ftern auf, welches ein neues Kennzeichen war, daß 
es ein metallifcher Körper fenn müßte. So bald er 
zu den Geiftern, darinn die Materie aufgelöfet war, 
noch zerftoßene Öalläpfel Hinzu that, fo bald entſtund 
eine Tinctur, als wenn in felbigen Eifenfeil wäre - 
aufgelöfet worden. Wenn er die abgefonderte Ma- 
tevie über gefchmolzen Salpeter warf, that es eben 
Die Wirkung, die ſonſten Eifenfeil in ähnlichen Um— 
ftänden zu tbun pfleget, Da er endlich die Materie 
* in 






v2 Phyſiealiſche Nachrich 


in einer zugedeckten Scherbe ohne Zuſat — 
und auf dieſe Art alles Salz, ſo etwa noch der Ma- 
terie anhängen mochte, abgefondert hatte, hieng die 
Materie auch dem Magnerftein an, und alfo zeigte 
ſich vollkommen die Natur des Eiſens. Auf aͤhnliche 
Art ſonderte Boulduc das Eiſen aus den Bourbo⸗ 
niſchen und Vichiſchen Baͤdern. Hofmann, der 
den Pyrmonter en unterſuchet verſichert, daß 
zerſtoßene Gall heeblaͤtter, und Granatenbluͤ⸗ 
te, deſſen Waſſer anfaͤnglich blau ‚darauf purpurroth, 
und. endlich ſchwarz färbten, und daß, wenn man 
fpiritum vitrioli hineingöße, die Farbe ſich verlöre. 
Er fchreibe dem Waffer zugleich einen vitriolifchen 
Geſchmaͤck zu. Das gelinde Egrifche Brunnenwaſ⸗ 
fer fol, nach feinem Berichte, durch Galläpfel nur 
eine Purpurfarbe befommen. Das Schmwalbaher . 
Spa- und Carber- Brunnenwaffer in der Wetterau 
follen einen gelben Bodenfaß , die beyden erſten von 
zerſtoſſenen Gallaͤpfeln zugleich eine purpurfarbene 
Tinctur, das letzte aber nur eine blaue geben. Alle 
kurz beruͤhrte Waſſer ſollen zugleich den Stuhlgang 
ſchwarz färben, welches die Aerzte als einen neuen Bes _ 
weis anführen, daß in felbigen ein fubtiles Eifen fi 
‚befinden müffe. Wenn man bevenfer, daß Boulduc 
aus den Daßifchen Waffern, die auch nur eine rothe 
und violerte Farbe durch zerftoßene Galläpfel befom: 
men, ein wahres Eifen hervor gebracht; fo ift es 

ziemlich wahrſcheinlich, daß man auch aus allen ob- 
befchriebenen Quellen ein Eifen hatte zum Worfchein 
bringen Fönnen ‚wenn man die Unterfuchung auf aͤhn⸗ 
liche Art: forcgefeßet hätte, Auc) im Carls und Em⸗ 
* Bade ſoll man was eiſenhaftiges antreffen. Ob 











nun 


v) » ) vs r 
von den Gefumdbrumnen. 123 


nun gleich in verfehiedenen Sauerbrunnen und war: 
men Bädern Merkmaale von einem eifenhaften We— 
fen gefunden werden; fo foll es doch auch andere ge: 
ben, darinn ſich nichts von Eifen zeigen foll, wie 
34€. das Selter Brunnenwaffer, das feine Tinctur 
mit Gallaͤpfeln, auch Feinen gelben Bodenſatz geben 
foll, außer daß es, wenn man zergangen Weinftein- 
ſalz hinzugoͤſſe, milchfärbicht würde, ohne daß ſich 
etwas zu Boden feßte. Bey dem Toͤnſteiner und 
Wildunger Brunnen foll man ein ähnliches wahr» 
nehmen; außer daß fich nach Vermiſchung mit zer: 
gangenem Weinfteinfalze zugleich eine Falfhafte Ma— 
terie abfondern fol. So wird auch das Aachener 
Bad von zerftoßenen Galläpfeln im geringften niche 
‚geändert. Vieler andern zu gefchweigen. Es giebt 
endlich auch folche Geſundbrunnen, die nur ein eiſen⸗ 
haftes Wefen bey fich führen, und in welchen man 
nichts weiter entdecken kann. Zerſtoßene Gallaͤpfel 
geben ſolchen Waſſern eine purpurxothe und biswei- 
len eine fchwarze Farbe, Man pfleget in den Gefaͤs— 
jen, worinn man ein ſolches Waſſer aufbehält, nach 
einigen Wochen einen gelben Bodenſatz anzutreffen 
welchen man durch die Calcination in einen wahrhaf 
figen Crocum Martis folf verwandeln koͤnnen. Zu 
dieſen Brunnen rechnet man den Lauchſtaͤdter in Meis⸗ 
fen, ven Nadebergifchen bey Dregden, den Bebrai- 
fhen in Thüringen, den Freywalder in der Marf, 
den NWeifenburgifchen in Franken. Aus dem, was. 
angeführet, fehen wir , daß das Eifen aus den Brun- 
nen, in welchen es fich befindet, nicht auf eine folche 
Art abgefondert worden, daß man deflen Berhältnig 
zu den übrigen Theilen beſtimmet hätte, er Br 
| eicht 





24 Phyſicaliſche Nachricht 
leicht Deswegen, weil fie fehr Elein, ſich a: ‚ange: 
ben läßt. _ Was die Luft betrifft, 0 hält ſich diefe in 
allen Alüßigen Materien häufig auf, abfonderlich aber 
in den mineralifchen Waſſern, aber doch aud) in eini= 
gen mehr, als in andern. Wie ſie fich in den Paßis 
fhen Duellen geäußert, haben wir gefehen, Bon 
dem Pyrmonter Waffer verfichert Hofmann, daß 
es mit diefer elaftifchen Materie fo reichlich verfehen, 
daß es im Stande fey, eine zugemachte Flaſche zu 
zerſprengen, wenn es nur ein wenig warm gemacht 
wuͤrde. Von dem Carber-Waſſer in der Wetterau 
ſchreibt er, daß es, wenn es geſchuͤttelt und die Oeff— 
nung der Bonteille mit einem Daumen zugehalten 
würde, nach abgefegtem Daumen mit ftarfem Ge- 

räufch 8 bis 10 Schritte weit heraus Ipeige, fo auch 
von vielen andern Quellen. Ti 
Sobald Boulduc gewiß war, daß in den Paßi- 

fehen mineralifchen Waffen ein fubtiles Eifen befind: 
lich, mußte er als ein ſcharfſinniger Naturforſcher 
darauf denken, wie es moͤglich waͤre, daß ein Eiſen 
von ſolchem Waſſer koͤnnte aufgelöfet werden. So 
iel fahe er, daß nad) einer vorhergegangenen Bewe⸗ 
@. die Eifentheile von dem Waffer abgeſondert 
wurden; die Bewegung mochte nun entweder durch 
die Wärme, oder auch durch Die Ausdehnung der in 
dem Waſſer eingefchloflenen Luft in einem luftleeren 
Raume entftehen. Er wußte dabey, daß das Eifen - 
nur von einem fauren Spiritu Fönne aufgelöfet wer⸗ 
den. Hierauf kam er num auf die Gedanken, zu 
unterſuchen, ob ſich auch ein dergleichen faurer we 
von den mineralifchen Waffern abfondern ließe. 


war ihm bekannt, daß viele BE ſolches u: 
‚sen, 


von den Gefundbrunnen. 125 


‚sen, inzwifchen ihren Ölauben nur darauf gründeten, 
daß fie in den mineralifchen Waſſern einen vitrioli- 
ſchen, und bisweilen einen weinſaͤuerlichen Geſchmack 
wahrgenommen, oder aber, daß ſie, nachdem ſie 
in die mineraliſchen Waſſer Gallaͤpfel geſtreuet, bes 
merket, daß ſelbige eine Farbe bekommen, welches 
ſie fuͤr ein Merkmaal nicht allein von der Gegenwart 
des Eiſens, fondern auch eines mit einem Eiſen ver⸗ 
‚einigten Bicvioffpirieug oder eines Vitriolfalzes ges 
halten. Er wußte, daß fie diefen Bitriolfpiritum 
dabey für fo flüchtig Bielten, daß er fi) durch ale 
chymiſche Künfte nicht auffangen ließe, Ob ihm nun 
‚gleich nicht verborgen war, daß fie ihren chymifchen 
Glauben auf chnmifche Berfuche gründeten, indem 
fie öfters die mineralifchen Waſſer eine Weile an eis 
nem warmen Orte pflegten ftehen zu laffen. Da fich 
felbige durch zerftoßene Galläpfel nicht mehr verän: 
dern liegen, fo ließ er fich doch nichts anfechten; er 
bemühete ſich, den fauren vitriolifchen Geift von dem 
Paßiſchen Waſſer wirklich abzufondern, Zu diefer 
Arbeit wurde er aufgemuntert, da er nicht allein ſelbſt 
viele Anzeigungen von der Gegenwart deffelben hatte, 
fondehn zugleich wußte, daß fein Vorgänger du Clos 

denfelben aus einem gewiffen Brunnen dur) die Des 
ſtillation ſchon vorlängft hervorgebracht, und daß 
Stahl ausdruͤcklich behauptet hatte, es ließe ſich dere 
felbe aus den mineralifchen Waſſern fheiden.. Er 
Fonnte ſich nicht .einbilden, daß der. Bitriolfpivitus | 
währender Deftilfation gänzlich verloren. ehen fünnte, 
und meynte, es müßte fich in der nach der Deftillas 
tion zurücfgebliebenen Materie, wovon er das Eiſen, 
wie e oben gemeldet, abgefondert. ‚ noch ein ſolcher Spi» 
ritus 


/ 





126 Phyficalifche Nachricht 

ritus befinden. Cr löfete alfo von der Materie im 
Waffer fo viel auf, als fih auflöfen ließ, goß, was 
fich aufgelöfee hatte, von dem übrigen ab, und eva- 
porirte davon das Waſſer; das zurückgebliebene Sal; 
deftillivte er ohne allen Zuſatz, und freuete fich herz: 
Tich , da er bey einem gelinden Feuer einen Nebel her- 
auf fteigen fahe, der fich allgemach an die innere Slä- 
che des Halfes der Vorlage anfeßte, und endlich in 
Geftalt fetter Streifen herabfloß. Da er die Deftil- 
lation fortfegte, gieng auch ein wahrer mineralifcher 
Schwefel in die Höhe, und feßte fi) an den Hals 
der Vorlage an. Wie diefer Schwefel währender 
Deftillation habe erzeuget werden Zönnen, werden wir 
unten an feinem Orte fehen. Der auf befchriebene 
Art von den mineralifchen Waffern abgefonderte Spi⸗ 
ritus hatte einen ſaͤuerlichen Geſchmack, einen Fräfti 
gen und penetranten Geruch nad) abgebranntem 
Schwefel. Es war alfo ein fehr flüchkiger Schwefel- 
fpiritus. Boulduc glaubte, daß die Natur im 
Stande wäre, in ihrem unterirdifchen Laboratorio die— 
fen Geift mic dem Eifen zu verbinden, und ein Bi: 
triol darzuſtellen, desgleichen die Natur nicht, nach- 
machen Fönnte, Er hatte dabey das Vertrauc daß 
viele andere mineralifche Waffer ebenfalls einen fol- 
en Spiritum befigen müßten. Hr. Seip bat aus 
3 Pfunden vom Pyrmonter Brunnenfalze 6 Loth von 
einem flüchtigen Vitriolſpiritus, und ein Duentchen 
vom ordentlichen Schwefel befommen. Du Clos 
hielte vorlängft dafür, dab man die Wirfungen der 
- mineralischen Waffer hauptfächlih einem folchen Gei- 
fe zufchreiben müßte. So bald als man in Schwe- 
ben 1678 den erften Gefunbbrunnen entdeckte, und 

ein 








von den Gefundbrunnen. 127 
ein Schwedifcher Arzt, Namens Hioͤrna, Gelegen- 
‚beit bekam, Die = deffelben und anderer Bruns 
nen zu erforfchen ‚WeHauptete er in einem heratisge- 
gebenen Tractat, daß die meiften Wafjer einen fauren 
flüchtigen Geift bey ſich fuͤhreten, den er mit einer 
vom Helmontio entlehnten Benennung gas belegte, . 
der fic) bisweilen offenbar durch einen penetranten 
und prickelnden Geruch zu erkennen gäbe, wie z. €, 
im Schwalbacher⸗ Spa- Pyrmonter: und Egrifchen 
Waller, und andern mehr, Ob nun gleic) dieſer 
Spiritus in den meiften Brunnen angetroffen wird; 
fo bleibet er doch mit felbigem in einem Gefäße außer 
der Duelle lange nicht vereiniget. In den Quellen felbft. 
hingegen verfpüret man ordentlich Feine Abnahme der 
Kräfte. Es giebt alfo einen fubtilen fauren Bitriol- 
geist in den Gefunddrunnen, und einige Quellen ba: 
ben eine fo merflihe Säure, daß Darenius in fei: 
ner Geographia generali fchreibt, daß im ſchwefel⸗ 
reichen Rönigreiche Sitilien eine Quelle fen, aus wel- 
cher man fich des Waſſer anftatt des Eßigs foll be 
dienen koͤnnen. Die befchriebene Art, den flüchtigen 
vitriolifchen Geift aus den mineralifchen Waflern ab- 
zufondern ‚ überzeugte den Herrn Boulduc, daß der. 
faure Geift eben nicht ganzlicd) durch die erfte Deftil- 
lation verloren gegangen war. Doch muß fich von 
felbigem etwas verlieren; denn durch bydroftarifche 
Berfuche hat man gefunden, daß die mineralifchen. 
Waſſer, wenn fie eine. Weile in freyer $uff an einem 
warmen Orte ſtehen, nicht mehr Die vorige Art der 
Schwere haben, fondern von ſchwererer Art find, als 
frifches aus eben denfelben Quellen gefchöpftes Wah 
fer. Diefes zeige an, daß viele Theile von leichterer 

Art 


228 PVooficatifihe Nachricht 

Are flüchtig worden. Doch alles diefes konnte niche 
hinlaͤnglich feyn , den Herrn Boulduc zuüberführen, 
daß der faure Geift gänzlich davon Flöhe, da er, den» 
felben wirklich abgefondert hatte, Inzwiſchen mwollce 
er: den zureichenden Grund wiflen, warum diefer faure 
Spiritus in dem Pagifchen Waller das Eifen verlaffe, 
und fi) mit einer andern Materie: vereinige, Er 
wußte, daß ein faurer Spiritus beftandig eine metal⸗ 
liſche Subſtanz verlaͤßt, ‚wenn er fih mit Laugenſal⸗ 
zen vereinigen kann, wie denn dieſes der natürliche 
‚und ordentliche Weg: ift, dejlen ſich die Naturforſcher 
bedienen, eine metalliſche Subſtanz von einem ſauren 
Spiritu zu ſcheiden. Wenn man z. E. zum aufge: 
loͤſten Vitriol Weinſteinſalz hinzuthut, oder aber ein 
anderes Laugenſalz; ſo entſteht ein Wallen, die me— 
talliſchen Theile vom Vitriole fallen zu Boden, der 
faure Geiſt des Vitriols vereiniget ſich mit dem Wein- 
ſteinſalz, und der vitrioliſche Geſchmack aͤußert ſich 
nicht mehr. Eben ein ſolches Wallen bemerkte 
Bonlduc in den Paßiſchen Waffern, fo bald eine 
Außerliche Bewegung Durch Wärme, oder fonft die 
verfchiedenen Theile in denenfelbenan eitander ftießen; 
Solches nahm er als ein offenbares Merfmaal an, 
daß die laugenhaften und fauren Salze in einander 
wirften. Die Folge, da das Eifen zu Boden fiel, 
und der vitriolifche Geſchmack ganzlic) aufhörete, bes 
wies die Sache ebenfalls. 

Anfänglich konnten ſichs die Naturforſcher nicht 
einbilden, daß ein Laugenſalz in den mineralifchen 
Waſſern Statt finden koͤnnte; weil ſie daſſelbe ſonſt 
durch ein gewaltſames Feuer bereiten muͤßten, indem 


ſie die Pflanzen zu Aſchen verbrannten, und * der 
auge 


von den Gefundbrunnen. 129 


tauge diefer Alche das Salz hervor bringen mußten. 
Sie konnten nicht:begreifen , wie Die Natur im-mine- 
ralifchen Reiche dergleichen. Salze ‚hätte verfertigen 
Fönnen. Du Clos und. viele andere mit ihm ge» 
traueten ſich alſo nicht, das folchem ähnliche Satz 
mit dem Namen eines Saugenfalzes zu belegen; fon- 
dern nennfe es das Nitrum oder Natrum der Alten. 
Liſter nannte es ein kalkichtes Nitrum. Sie ftimm- 
ten darinn uͤberein, daß ſie es nicht fuͤr einen wahren 
Salpeter hielten, ſondern fuͤr eine gewiſſe Materie, 
die mit einem laugenhaften Salze eine große Aehn— 
lichfeit haͤte. Die Neuern ftehen - im  geringften 
nicht bey fich an, in-den meiften Gefundbrunnen ein 
wahres taugenfalz zufuchen, und.demfelben vie afler- 
edelſten Wirfungen in dem menfchlichen Körper bey: 
zulegen. : Sie evaporiren oder deſtilliren die minera- 
liſchen Waſſer, die zuruͤckgebliebene Materie augen 
‚fie durch deſtillirtes Waſſer aus, kochen die Lauge ein, 
ſetzen alsdenn das Gefaͤß an einen kalten Ort, und 
finden, daß ſich meiſtentheils Kryſtallen anſchießen. 
Wenn fie auf dieſes Salz einen laugenhaften Spiri- 
- tum, ls den Urin, und Hirſchhornſpiritum, imglei- 
hen ein zergangenes Weinfteinfalz,, oder auch aufge: 
loͤſete Potafche gießen, nehmen fie Feine Beränderung 
wahr. ya nicht einmal, wenn fiefolche flüßige Ma— 
ferien in frifche mineralifche Waſſer tröpfeln, 
Dieſes zeiget an, daß in dem: Salz und in dem 
Waſſer Feine oder wenig Säure ſich befinde. So 
bald man aber einen fauren Spiritum, und bey eini- 
gen, die fonderlich viel Laugenſalz in fich haben, nur 
etvwas vom Rheinwein eingießet, fo. bald enefteht ein 
heftiges Wallen , und endlich, wenn das Sieden auf 
4 Dand, 3 boͤret, 


m en 





dem — * sr Sekhrisbenen Are die Be 
Salz: und andere Theile von den mineralifchen Waf- 
fern geſchieden, hatte fo viel davon aufgelöfer, als fich 
davon auflöfen ließ, darauf von dem aufgelöften die 
Feuchtigkeit wieder evaporiret, und daffelbe in Kry⸗ 
ftallen anſchießen laſſen, und endlich aus den Kryftal- 
len, wie mir oben gefehen, den ſauren vitrioliſchen 
Spiritum deſtilliret; fo loͤſete er, was in der Netorte 
zurück geblieben, ‚im Waſſer noch einmal auf, evapo⸗ 
rirte die Feuchtigkeit, und ließ fihs darauf in Kry⸗ 
ftallen anſchießen. Diefe Kryſtallen ftellten ein wah⸗ 
res Olsuberifches Salz dar, nach dem Geſchmack 
und äußerlihem Anfehen. Weil nun ferner Boul⸗ 
duc nicht unbekannt war, daß aus einem; Bitriölöf 
und Meerſalz Das Blauberifche: Salz durch die 
Kunft ſich hervorbringen läßt; fo muthmaßete er des⸗ 
wegen, es möchte auch in den Paßifchen Waſſern, wie 
du Clos von verſchiedenen ‚andern Gefundbrunnen 
verſichert, wirklich ein Meerfalz anzutreffen ſeyn. Es 
verriech fich ihm ein folches glücklich) auf folgende Art. 
Er ſtuͤrzte im Scheidewaſſer aufgelöftes Silber in 
den Paßifchen Waſſern zu Boden, (indem er von dem 
aufgeloͤſten Silber einen Tropfen nach dem andern in 
eine Portion mineraliſchen Waſſer eintroͤpfelte) und 
ſammlete eine Menge von ſolchem zu Boden geſtuͤrz⸗ 
ten Silberkalke, vermiſchte ſelbigen mit gleichviel 
| Sinnober; und deſtillirte die Materie i in einer a | 
er 


von den Gefundsrumnen. 131 


Der Schwefel müßte ſich nothwendig von dem Zin— 
nober trennen, und dem GSilberfalf anhangen, dag 
Salz Hingegen, welches fid) an das untergeſtuͤrzte 
Silber angefeßet hatte, vereinigte fich mit dem Queck— 
filber,, der in dem Zinnober befindlich , feßte fich oben 
an den Hals der Phiole an, und war nichts anders, 
als ein wahrhaftiger Mercurius fublimatus. Da 
nun diefer ohne Küchen: oder Seefalz nicht kann ge: 
macht werden; fo fchloß er, daß ſich an das Gilber 
ein folches Salz angefeger hätte. Weil nun das Sil- 
ber von dem Scheidewaſſer durch die mineralifchen 
Waſſer mar abgefondert worden „fchloß er weiter, daß 
fih) aus den mineralifchen Waſſern an das Silber et- 
was vom Meerfalz angefeger häfte, Es verrieth fich 
ihm in den Bourbonifchen Waſſern eben auch diefes 
Salz. Er brachte endlich gar die Krnftallen von ei» 
nem wahren Meerfalze wirklich aus diefem Duell: 
waſſer hervor. Bon dem Pyrmonter Brunnen fchreibee 
Hofmann, daß er daraus, nach angeftellcer Evapo— 
ration, eine Materie heraus gebracht, Die, nad) hin⸗ 
zugetröpfeltem Bitriolöl , alfofort einen. fubrilen 
Dampf von fich gegeben, der heftig in der Naſen ges 
fißelt, eben wie e8 zu gefchehen pflegt, wenn man ge= 
meines Salz mit Bitriolöl vermiſcht. Eben ders 
gleichen gefchahe aud) mir dem Tönfteiner Brunnen: 
ſalz, nachdem er einige Tropfen von dem ftärfften 
Vitrioloͤl hinzugetröpfelt. Wenn man 2 Pfund von 
dem. Wisbade verrauchen läßt, foll 3 Duentlein tros 
ckene Materie zurückbleiben, welche in glüenden Koh— 
‚len praffeln, von wenigen Tropfen eines Bitriolöls 
‚in eine heftige Wallung gerathen, und einen durch. 
' dringenden Dampf, eben als wenn man gemeines 

2 | 52 Salz 


, 





132 Phnfiealiiche Nachricht 

Salz und Bitriolöl mit einander. vermifche, von 
fi) hauchen fol. Liſter und viele andere haben in 
verfihiedenen Brunnen etwas von einem gemeinen 





Salze gefunden. Daß die Paßiſchen Waffer ein 


Mittelfalz geben, von der Art, als des Glanbers 
wunderbares Salz, haben wir gefehen. Eben ein 
folches geben auch die Bourbonifchen Quellen, und 
die Egrifchen Brunnen in Deurfchland, imgleichen 
die laulichte Duelle im Carlsbade, ver Mühlbrunn 
genannt. So giebt es noch viele andere Brunnen, 
die mit dergleichen Salz verfehen. Hiebey wollen 
mir nicht unbetrachtet übergehen, wie Boulduc dem 
Zweifel derjenigen begegnet, Die oben befchriebene Art, 
die Salze ausden mineralifchen Waffern abzufondern, 
deswegen getadelt, weil man nicht vergewiſſert feyn 
koͤnnte, ob dergleichen Salze, die man bervorbringt, 
ſich wirklich in den mineralifhen Waflern befänden, 
oder ob fie nicht durch ein heftiges Feuer währender 
chymiſcher Operation erzeuget würden. Er ließ. eine 
Menge Waffers aus den warmen. Bourbonifchen 
Quellen gefrieren, flug das Eis in Stuͤcken, und 
fand in der Mitte klares Waffer, fo einen fehr lau⸗ 
genhaften Geſchmack hatte. Da diefe auge davon 
flog, nahm fie ganz vollfommen formirte Kryſtallen 

mit ſich, die eine vollfominene Aehnlichkeit mit den 

Kryftallen hatten, die durchs Feuer aus eben diefem | 

Quellwaſſer waren hervorgebracht worden , außer daß 


fie Eleiner waren, a 
Mittel- 


Ob man nun gleich bisweilen dergleichen M 
falze, wie im vorhergehenden befchrieben , in den Ge: 
fundbrunnen antrifft, fo gefchiebet das doch nicht ore 
dentlich. Ordentlich aber-foll man ein fires faugen» 
; Be | ſalz 


X 





von den Gefundbrunnen. 133 


falz ohne Säure in denfelben antreffen, und zivar in 
den warmen Bädern mehr, als in den Falten Bruns 
nem: Don diefem Sal; trifft man in den beiten Ges 
fundbrunnen in Anſehung der übrigen Grundtbeile 
am meiften an. Hofmann hat im Carlsbade nach 
Abrauchung des Waffers aus 2 Duentlein ruͤckſtaͤn⸗ 
diger Materie ı Scrupel Jaugenfalz befommen. Aus 
dem Bollifchen Brunnen im Herzogthume Würten- 
berg und aus dem Emfer Bade in der Wetterau foll 
man eben fo viel Saugenfalz ziehen. - Von dem Aache- 
ner Bade fol ı Pfund Waffer 20 Gran taugenfalz 
geben. Aus den Bourbonifchen Bädern in Frank: 
reich hat Chomel aus einem Pfund Waſſer 20 Gran 
Saugenfalz befommen. So follen auch die Töpliger 
und Hirfchberger Bäder aus 6 Maag Wafler ein 
Quentgen $augenfalz geben. Der Selter Brunnen 
giebt aus 2 Apothekerpfunden 2 Scrupel taugenfalz. 
Der Buchfäurlinger giebt aus eben fo viel Pfunden 
ı6 Gran Saugenfalz, die Wildungifchen aber nur 4 
Gran. Sonſten wallen unterfchiedene andere Waſſer, 
wenn fie mit fauren Sachen vermiſcht worden, auf, 
und zeigen alfo fehon hierdurch an, daß fie ein dem 
fauren Salz entgegen gefegtes Laugenfalz bey fich füh- 
ven, wie 3. E, das Pyrmonter: Spa: und Schwalbe: 
her Waſſer, der Gerbersweilifche und Greisbachifche 
Brunnen im Elſaß, der Sanditeinifche in ber Pfalz 
nicht weit von Andernach ; der Brubels-Brunnen, 
das Wildbad im Herzogehume Würtenberg ;der Uber» -⸗ 
linger , imaleichen der Göppinger in Schwaben; die 
Paßiſchen Waffer und Bourbonifchen Bäder ıc. 
Außer dem, daß diefes Salz, wenn es mit faus 
ren Spiritibus verfeßet wird, ein Mittelſalz machet, 
" — giebt 


hadı nlige ' ua 

134 Phnficatifche Nachricht 

giebt e8, wenn es mit ammonicaliſchem Salze vermi- 
ſchet wird, einen penetranten urinöfen Geruch ; ftür. 
zet aus einer Bitriolfolution das Eifen zu Boden; 
zergehet in der freyen Luft, und wird flüßig, wie ein 
Weinfteinfalz; kann feine Milch gerinnend machen, 
die Milch mag falt oder warm feyn, fondern loͤſet 
eine geronnene Milch vielmehr auf, und erhält folche 
eine Zeitlang flüßig. Diefes Saugenfalz in ven mis 
neralifchen Waffern ift firer Natur, und verfliegee 
nicht im Feuer, Es giebt bisweilen aud) ein flüchtiz 
ges Laugenfalz in den mineralifchen Waſſern, und. 
fonderlicd) den Falten; Denn wenn man das aus eini= 
gen Quellen gefchöpfte Waffer  alfobald mit ſauren 
Sachen vermifcher ‚fo entftehet gleich ein Wallen und 
Brauſen. Laͤßt man es aber eine Weile ftehen, oder, 
machet, daß durch Kochen die flüchtigen Galze ver» 
fliegen, fo gefchieht diefes nicht mehr, ob man gleich 
nad) vollbrachter Evaporation im Grunde des Ge: 
füßes nod) eine laugenhafte Erde antrifft. Diefe 
laugenhafte Erde trifft man aber nicht allein in dem 
Duellen an, in welchen ein fluͤchtiges Saugenfalz ſich 
befindet, fondern aud) in vielen andern. Bisweilen 
ift fie ungemein weiß und zart. ine folche pflegen. 
die Chymici zu brennen, und befommen daraus eine 
Materie, die im Wafler einen Sod machet , wie der, 

befte ungelöfchte Kalk. Einige Gefundbrunnen find 
weder mit einem fubtilen Eifen, noch mit taugenfalzen, 

noch auch mit fubtilen vitriolifchen Geiftern verfeben, 
fondern führen nur ein bitteres Salz mittlerer Gat- 

fung, und fonft trifft man in felbigen nichts an, wo⸗ 

von man fic) große Wirkungen im menfchlichen Leibe 

verfprechen koͤnnte. Es follen aber felbige er Kar, ; 


von den Geſundbrunnen. 135 
ſeyn. Hofmann hat aus dem Sebliger Brunnen 


dergleichen Salz heraus gebracht, ‘welches er aus ei» 
nem Falfhaften Wefen und fauren Salz zufammen 


geſetzt zu ſeyn glauber. ‚© Andere ſollen nebſt dem kalk⸗ 


haften Salze ein wenig von gemeinem Salze bey fich 
führen, als der Rageburger Brunnen. | 
Eublich wollen wir unterſuchen, in wie fern ein 


mineraliſcher Schwefel in den mineraliſchen Waſſern | 


fich aufhalten koͤnne. Daß Here Seip einen mine= 
ralifchen Schwefel befommen ‚indem er. den fauren 
vitrioliſchen Spiritum von dem Pyrmonter Brunnens 
waſſer abſondern wollen, imgleichen auch Boulduc, 
das haben wir oben geſehen. An und fuͤr ſich kann 


nach der Chyinieorum Meynung ein wirklich aufge— 


loͤſter mineraliſcher Schwefel in den mineraliſchen 


Waſſern ſich nicht befinden. Oben aber kann er, 
wohl ſtuͤckweiſe oder in Geſtalt einer ſubtilen Haut 


ſchwimmen. Das, was. folche, beruͤhrtes zu glaue 
ben, überredet, it, daß, im Fall eine dergleichen 
Auflöfung vorgienge , ber fogenannte hepar fulphu- 
ris entftehen, und fich durch den Geruch verfaulter 
Eyer verrathen wuͤrde, welches ‚aber nicht gefehieht. 
Boulduc fand in den Paßiſchen Waſſern ein Berg⸗ 
harz, oder eine aus Bergharz und Meerfalz vermifchte 


Materie; denn wenn er auf felbige ein Vitriolöl goß, 


verflog der penetrante Geift des gemeinen Salzes 


merflich. Er war bemuͤhet, von dem Meerſalze dieſes 
Bergharʒ zu ſcheiden. Er goß alſo zu der Materie 


eine gewiſſe Portion Vitrioloͤl, und deſtillirte dieſes. 


Das faure hinzu gegoſſene Vitrioloͤl vereinigte ſich 
leicht mit der laugenhaften Erde des Meerſalzes, und 
ſtellete das wunderbare Glauberiſche Salz dar. 


J411 Der 





fen durch Erdbeben und durch Auswerfung En 
nr, > lam- 





Flammen u und. ein atmen ein. ſchreckenvolles 
Spiel erregen kann. Lemery zeigte, daß man der 
Natur dieſes Spiel nachmachen koͤnnte. Er machte 
aus 5o Pfund ſubtil zerftoßenem Schwefel und ‚eben 
ſo viel reinem. Eiſenfeil vermittelſt reines Waſſers 
einen dicken Teig, legte ſelbigen in einen Topf, deckte 
den, Topf mit Leinwand zu, und verfiharrte ihn ı Fuß 
tief in die Erde, Mad) 8 Stunden ungefähr fieng 
ſich die Erde an in die Höhe zu begeben und zu bor⸗ 
ſten. : Es fuhr aus den Ritzen ein fchweflichter 
Damnf und, endlich eine Flamme heraus. Nachdem 
die Flamme aufgehörer, nahm er ‚eine rund um: Die 
Risen ausgeftreuete gelbe und ſchwarze Materie wahr. 
Haͤtte er mehr Materie genommen, wuͤrde er es der 
Natur noch beſſer nachgemacht haben. Die in der 
Materie eingeſchloßene Luft mußte durch Die von aus: 
fen eindringende Wärme ausgedehnt, und die Ma: 
terie in Bewegung gefeßet werden. Das Eifen mufte 
an den Schwefel anftoßen, Die Säure im Schwer: 
fel, „welche ein vollfommenes Vitriolol iſt, mußte, 
wie ordentlich geſchieht, das Eiſen aufloͤſen, und eine 
iße erregen. Durd), diefe Hige mußte die einge 
loßene Luft noch mehr ausgedehner, die Erde alfo 
aus einander. getrieben, und Durch- den Zufluß der 
£alten Luft die verbrennliche Materie des Schwefels 
angezündet werden, und alfo durch die Rice in Ge⸗ 
ſtalt einer Flamme heraus fahren. 

Lemery glaubte, daß die Natur in feuer⸗ 
foeyenden Bergen einer ähnlichen Materie ſich ber 
diente. Dieſes glaubte er um fo viel eher, weil er 
wußte, daß man, nachdem derjelben ſchreckhafte Wir» 
kungen aufhörten „wirklich vie Schwefel um den 
(reschi] J5 Bergen 





135 Achri 
Bergen auf der Oberflaͤche der Erde date; in den 
Ritzen der Erde aber, mo die Flamme heraus gefab- 
ven, eine Materie, die den Eifenfchladen, die fich in 
den Schmiedehůtten von dem Eiſen ſcheiden ‚ hnlich 
wäre, fich befaͤnde. Da nun auf diefe Art Flarift, 
daß unter der Erde auch in den kaͤlteſten Weltgegen 
den, wie z. E. in Island, ein Feuer kann erzeuget 
werden; fo ift nicht unbegreiflich, daß auch an den 
Heten, wo es warme Quellen giebt, dergleichen un 


terirdifche Hige'entftehen koͤnne, wodurch die minera⸗ 


tifchen Waſſer koͤnnen gekocht anb: erhitzet werben; 
und diefes um ſo viel mehr, je‘offenbarere Ange 
at. "Hofmann, der 
id ohne allen Zwa. 
fel auf alles genau Achtung gegeben, was er vermey- 
net, zur Erforſchung der Natur der Gefundbrimnen 
etwas beyzutragen, verfichert ‚daß die Erde im Carls⸗ 
bade fo warn wäre, daß die Leute gezwungen wür- 
den, ihre Keller außer der Stade in Bergen anzule⸗ 
gen, und daß auf der Straße wegen der Wärme der 
Schnee im Winter fehr bald ſchmelze. Ja auch 
außer der Stadt ſoll es Stellen geben, wo der Sch 











leichte aufdauet. In dem ganzen Elbogiſchen Die 


ſtrict giebt e8, nach des Jeſuiten Bogislai Bal⸗ 
bini Bericht in ſeinen Sammlungen zur Hiſtorie des 
Koͤnigreichs Böhmen, eine große Menge Steinkoh— 
fen, und bey Falkenau foll ein Berg gelegen fern, 
unter dem es beftöndig brennen ſoll. Wenn man 
vas Ohr an die Erde hält, ſoll man ein ſtarkes 
Braufen und Raufchen vom Winde und euer hören. 
Wenn ſich das Werter merklich ändert, foll’der Berg 
—* und Tag ganz heue brennen, a 

ſichert, 


von den Geſundbrunnen. | 139 


ſichert, daß man fehon vor 200 Jahren nicht weit vom 
Carlsbade Vitriolwerke angelege gehabt. Im Aa- 
chener Bad trifft man wirklich mineralifchen Schwe⸗ 
fel oben ſchwimmend an, und in der Gegend herum 
eine große Menge Salmen. An allen übrigen Or⸗ 
ten, wo es warme Bäder giebt, foll es zugleich Schwe- 
fel und Eifenfiefe in großer Menge geben, oder aud) 
Steinfohlen und Bergbarz. Erweget man Diefes, 
und vergleiche es mit Dem, mas von den feuerfpeyen: 
den Bergen da gervefen ; # ift leicht zu erachten, daß 
folche Materien, wenn Waſſer durch felbige Durch» 
dringet, in eine innerliche Bewegung gerathen und 
fich erhitzen müffen. Fließet nun nicht weit von der⸗ 
‚gleichen erhisten Materien eine Duelle, fo muß noth⸗ 
wendig felbige von der ſich ausbreitenden Hitze geko— 
het werden, und auf dieſe Art muͤſſen die warmen 
Bader entftehen. Die Naturforfcher fehen aus den 
Naturgeſchichten alfo fehr wohl, daß die Natur dies 
jenigen Derter, wo es mineralifcdye Quellen giebt, mit 
Schwefel und eifenhaltigen Materien oder aud) Berg⸗ 
harzen und Steinkohlen verfehen; fie fünnen, aber 
nicht fo leicht: begreifen , wie ſich ein flüchtiges und 
fires Saugenfalz in der Erden erzeugen Fünne. Daß 
die Natur, die fonft eine Liebhaberinn von beftändi- 
gen Verwandlungen ift, aus fo viel 1000 Millionen 
in und über der Erden faulenden und in die Afche ger 
lex gten Pflanzen, Thieren, Wuͤrmern und Ungeziefer 
ein fluͤchtiges und fires $augenfalz fcheiden, und in ei- 
ner lockern, Falkichten, trocfenen und eifenhaltigen 
Erde, worinn fie feine Pflanzen findet, Denen folche 
Selze zur Nahrung dienen fonnten, ſammlen, und 


durch eine durchfließende Wofferader aufloͤſen koͤnne, 
kommt 





fommt ihnen gar nicht ——— weil fie 
weder ein flüchtiges noch fires Saugenfalz in der Erde 
Fön bie — —— Betrachtung — 
oͤnnen. 

Zwar machen die ſuheſten Fluͤſſe, in welchen man 
nichts ſalziges ſchmecken, oder aus denſelben ſonſt 
zum Vorſchein bringen kann, die See ſalzig; aber 
doch auch dieſes will nicht hinlangen die beruͤhrte Art 
der Erzeugung der Laugenſalze in der Erden wahr⸗ 
ſcheinlich und beliebt zu machen. Inzwiſchen zeiget 
ſich doch wirklich, wie wir oben geſehen, in den mi- 
neraliſchen Waffern bald nur ein flüchtiges, bald nur 
ein fires Saugenfalz. An den Dertern, wo es mines 
ralifche Quellen giebe, findet man aber nur eine kalk⸗ 
bafte, fette, leimichte, ſchwefel und eiſenhaltige Erde. 
Einige geben ſich alfo große Mühe, aus- etlichen von 
diefen Grundtheilen die Erzeugung der Salze begreif⸗ 
lich zu machen. Sie fagen, daß durch einen fauren 
Schmefeldampf eine kalkichte Erde in ein wahres Lau⸗ 
genfalz koͤnne verwandelt werden; wie fie denn wirf- 
lich) aus Kreide, Kalf, Gips, und anderer augen» 
haften Erde, nach gefehehener Berfegung mit fauren 
Geiftern, ein Saugenfalz darftellen, das alle diejeni- 
gen Proben aushält, die man in dem aus ben mine 
raliſchen Waffen abgefonderten wahrnimmt. Gie 
geben alfo vor, daß, wenn eine laugenhafte Erde von 
einem geringen Vorrath der fubtilften ſauren ſchwe⸗ 
feligten Dünfte durchdrungen winde, aus folcher ein 
flüchtiges Salz würde. Wenn hingegen die eifens 
und fehmefelhaftigen Materien ſich aufs aͤußerſte er 
Bigten, ftiegen auch groͤbere Duͤnſte i in die Hoͤhe, und 
vereinigten ſich genauer mit einer laugenhaften Erde, 
und 


von den Geſundbrunnen. 141 


und auf diefe Art müßte ein fixes Laugenſalz in die 
Quellen fommen. Andere Chymici aber merfen 
wohl, daß feine vollfommene Gewißheit in der Sa⸗ 
che fen, weil jene aus einer Falfichten Erde mit einem 
fauren Spiritu ohne Zuthuung einer Menge Holz: 
Fohlen das fire Laugenſalz nicht machen koͤnnen. Sie 
glauben alſo, daß ein wirklich Laugenſalz in der Er: 
den ſich befinde, und das kommt ihnen um fo viel 
wahrfcheinlicher vor, weil fie aus den Maturgefchich- 
ten wien, daß man folches Salz in Egypten habe, 
welches man FTaffpn nenne, und daß die Einwoh- 
ner zu Smyrna pheſus aus einem dergleichen 
mineralifchen Laugenſalz ihre Seife zu machen pfleg- 
ten. Inzwiſchen finden fie es eben aud) nicht an den 
Orten, wo es Quellen giebt, fie möaen fo forgfältig 
ſuchen, wie fie immer wollen , in fo großer Menge, 
Daß fie es aus der Erden auslaugen Fünnten. Sa, 
wenn fie e8 gleich fanden, fo müßten fie doch noch ein 
flüchtiges Laugenfalz fuchen. Es giebt noch andere 
Chymicos, die das fire Laugenfalz aus dem flüchtigen 
und einer Falfhaften Erde zufammengefegt zu fern ver- 
meynen. Auf diefe Gedanken gerathen fie, weil fie 
‚aus eben den Pflanzen, aus deren Afche fie. ein fires 
Laugenſalz ziehen, waͤhrender Faͤulniß einen fluͤchtigen 
laugenhaften Spiritum, nach der Faͤulniß hingegen 
nicht ein Staͤubchen von einem firen Saugenfalz her⸗ 
vorbringen * Sie ſchließen alſo hieraus, daß 
das fire Salz nothwendig aus dem flüchtigen und ei⸗ 
ner andern Materie zufammengefeßt feyn muͤſſe. 
Weil fie nun, indem fie das fire Laugenſalz öfters 
‚auflöfen, wahrnehmen, daß fich von felbigem eine 
ſubtile Erde ſcheidet; fo urtheilen fie, daß. * fr 
ubtile 








ſubtile Erde ſich mit dem flüchtigen Sah 5 
muͤſſe, wenn ein ſixes Salz entſtehen ſoll. 

nun, daß ſich ein fixes Salz durch eine genaue ie | 
einigung mit einem flüchtigen erzeugen ließe; fo ha⸗ 
ben fie nichts defto weniger den Knoten noch aufzulö- 
fen, wie ein folches in die Erde fomme, da es felbi» 
gen unmahrjcheinlich vorfomme, daß die in und auf 
der Erden faulende Pflanzen, Thiere, Würmer } Uns 
geziefer ꝛc. Dazu was betragen fönnen, 

Aus diefem, was wir angeführet, ſiehet der ge / 
neigte Leſer, daß die Art von zeugung der Lau⸗ 
genfalze in den mineralifhen Wäller noch Zweifeln 
unterworfen, die man vielleicht mit der zeit — 
aufloͤſen wird. 

Die Erzeugung der ſauren — Geiſteri in 
den mineraliſchen Waſſern koͤnnen —9— die Herren 

Chymici ſchon leichter vorſtellen. Sie finden an den 
Orten, wo es mineraliſche Quellen giebt, eine eifen- 
und ſchwefelhaltige Materie, Bergharze, Steinkoh— 
len ꝛc. fie wiſſen, daß die Materien, menn fie durchs 
Waſſer vereiniget werden, fich erhißen, weil die in 
dem Schwefel befindliche Säure dadurch, dafs fie 
das Eifen angreift und auflöfer, eine Hitze verutfas 
het, wodurch) der verbrennliche Theil des Schwefels 
ebenfalls in eine Bewegung kommt. Sie wiſſen, 
daß aus einem im Vitriolſpiritus aufgeloͤſten Eiſen 
nach einer kurzen Evaporation ein Vitriolſalz entſte⸗ 
het. Es kommt ihnen deswegen ſehr begreiflich vor, 
daß aus einem ſubtilen Eiſen in der Exde und einem 
ſubtilen Schwefelfpiritus gleichfalls’ ein Vitriol ent⸗ 
ſtehen koͤnne, der wegen der viel fetten Th ile die 
ihm anhiengen , niche von einem fchlechten Waſſer, 









von den Gefundbrunnen. 143 





zohl aber von einer Lauge, wie die mineraliſchen 
Waſſer, wären; konnte aufgeloͤſet werden. Weil aber 
auch die anhaͤngende Fettigkeit ſehr ſubtil waͤre; ſo 
koͤnnte fie. durch eine geringe Bewegung von dem ſub⸗ 
tilen Vitriol gefchieden werden, morauf Die Laugen⸗ 
ſalze in die Vitriolſaͤure wirken, ein Wallen verurſa⸗ 
hen, und ſich mit derſelbigen vereinigen koͤnnten, da 
denn die ſubtile eiſenhaltige Materie zu Boden fallen 
muͤßte; inzwiſchen wuͤrde auch eine Menge ſaurer 
fluͤchtiger Geiſter mit der ſich ausdehnenden und ber 
—n. Luft flüchtig. 

‚Bon der falfhaften fubtilen Erde, die man in 
Din mineralifchen Waſſern wahrnimmt, meynen die 
Naturforſcher, daß dieſelbe, weil ſie mit den Laugen⸗ 
falzen vereiniget wäre, zugleich mit ſelbigen  aufgelö- 
ſet, oder aber durch das ſich bewegende Waſſer, ohne 
daß ſie aufgeloͤſet worden, nur zertheilet und fortge⸗ 
riffen wiirde, Im Carlsbade ſoͤll ſich an den Rin⸗ 
nen und Canälen eine kalkhafte Erde anſetzen, und 
innerhalb 24 Stünden foll fich alles, was man hin- 
ein leget, z. & Stroh, Holz, Eyerſchalen, Blaͤtter 
von Bäumen‘ ; bon und dergleichen, mit einer ftei- 
nigten Rinde überziehen, fo man aud) in vielen an- 
a Gefundbrunnen wahrnimmt, 

NMunmehro ift es Zeit, dag wir fürzlich die vor. 
ine Wirkungen und Eigenfchaften dieſer Waſſer 
erzehlen. Weil die Saugenfalze in den meiften die 
Dberhand haben ; fo hat man nicht Urfache, fich 
darüber zu vermundern, daß aus einem aufgelöften - 
Vitriol durch die mineralifchen Waſſer die eifenhalti- 
‚gen Theile herunter gejtürze werden ‚weil die Vitriol⸗ 
Fre ‚ihrer Natur nach fich lieber mit den Laugenſal⸗ 
zen 





' / 
144 y IM 
zen vereiniget, und Die Re: :ifenhaltigen 
Fahren läßt. Ein durch: Laugenſalz aufgeföft 
meiner Schwefel kann durch Feine'mineralifche Waf- 
fer, wie durch faure Sachen, mi den Saugenfalgen 
gefehieden werden. x Kar 
Durch die meiften reine of Marfer gerinnet 
weber eine alte noch warme Milch, ja: eine geron: 
nene wird oft durch felbige wieder: ‚aufgelöfer, eine 
füße hingegen lange flüßig erhalten; ein dunfelblauer 
Biolenfprop wird durch Zugießung ſolcher Waſſer 
geünlicht, da er durch faure Sachen: roth wird, 
Wenn man diefelben mit faugengeiftern und Laugen 
vermiſcht, z. E. mit dem Urin und Hirfchhorngeifte, 
imgleichen mie zergangenem Weinfteinfalz und auf: 
gelöfter Potafche, entſtehet im geringften fein Wallen 
und Sieden, außer daß bey Eintröpfelung des zer- 
gangenen NWeinfteinfalzes, oder eines andern 
fen Sangenfalzes;, fich einige irdiſche eiſen haltige 
zu: Boden ſetzen. Weil durch die. ebene his 
fetten Theile. von dem ſubtilen Vitriol abgeftoßen 
würden, und alfo der faure ar ſich ‚mit den 
Laugenſalzen vereinigen müßte, So bald man aber 
Eßig, einen Bitriol- Salz: ‚oder Salpeterfpieitum, 
ja bisweilen nur Rheinwein in folche Waſſer eingies- 
fet, entftehet ein Starkes Wallen, weil die fauren und 
Laugenſalze in einander wirken. QBegen des vitrioli · 
ſchen in den: Waſſern enthaltenen flüchtigen: Geiſtes 
ſteiget öfters ein ſaurer Geruch in die Mafe, der dem 
Geruch eines Ameifenfpiritus ähnlich. iſt. Mas für 
Wirkungen fih mit den jerftoßenen Gallaͤpfeln aͤus⸗ 
ſern, haben wir ſchon oben beruͤhret. Wir erwaͤgen 
nur noch daß man angemerfet, gt 
ie 






von den Geſundbrunnen. "145 


die ſolche Waſſer mit zerſtoßenen Gallaͤpfeln gaͤben, 
ſey bey kaltem Wetter ſtaͤrker, als bey warmen Wer 
ter, und daß ſich die tingirende Kraft bey warmer 
Witterung nicht fo leicht verliere, zumal wenn, die 

‚Gefäße wohl vermacht werden. 
-- Die meiften warmen Duellen haben wegen der 
ſchweren Salze die Eigenfchaft, daß fie ihre Wärme 
nicht fo. bald. verlieren; denn wenn man mit dem aus 
felbigem geſchoͤpften Waller, gemeines Waſſer von 
gleicher Waͤrme ſtehen laͤßt, ſo iſt das gemeine Waſ⸗ 
fer ſchonk kalt wenn dieſes noch laulicht iſt. Ja es 
geſchiehet diefes, ‚wenn das gemeine Waſſer gleich 
fiedend Heiß iſt. Wegen der vielen fetten Theile, die 
man in einigen Waſſern antrifft, werden Die füberne 
Gefäße, die man in dergleichen Wafler-eintauchet, 
braun gefärbet ‚und bisweilen ganz uͤberguͤldet. Die« 
fes fiehet man an dem Yachener Waſſer. Man hat 
aber eben nicht Urfache zu glauben, daß diefe färben- 
de Materie ein Schwefel fen, zumal da die Wund« 
ärzte angemerfet, daß ihre füberne Inſtrumenten, 
wenn fie damit gewiſſe eiterhafte Materien berührten, 
ebenfalls übergüfdee würden. Man darf aber zus 
gleich nicht zweifeln, daß nicht aus einer ſolchen Ma» 
terie, vermöge der Vereinigung mit einem Vitriol⸗ 
geifte , ein gemeiner wahrer Schtwefel, wie aus allen 
übrigen Fertigkeiten, entftehen Fönne; weil man wirk- 
lid) wahrnimmt, daß die fich ſelbſt "gelaff ene Natur 
einen dergleichen Schwefel bey einigen Quellen bere _ 
vorbringe, wie z. E. in den Aachener Quellen. | 
Was den Mugen der Gefundbrunnen in der Ara 
zeneyfunft betrifft, fo glauben die Aerzte, daß folche 
Wafler wegen des Iuftigen vitzioliſchen Geiſtes den 
4 Band. K Umlauf 





6 B rchricht 

Umlauf des Gebluͤts erleichtern und Befördern. ) Sie 
- verfichern, daß die Erfahrung es beftäfige, und daß 
diejenigen, die dergleichen Waſſer trinfen, Furz dar 
auf einen ftärfern und geſchwindern Puls hätten, wo⸗ 
mit eine Wärme verfnüpft wäre; es erfolgte darauf 
ein Schweiß; alle natürliche Feuchtigkeiten würden 
im $eibe wirffamer, und fhaffeten mit einem glückli- 
chen Erfolge alle Unreinigkeiten aus dem Leibe; die 
Saugenfalze vereinigten fich mit der ſchaͤdlichen Säure 
in dem Magen und in den Gedaͤrmen, öffneten die 
Milchwege, wenn fie dutch einen Jähen Schleim ver- 
ſtopfet wären, flöffen mit dem Nahrungsfaft ins Ge: 
bluͤt, machten daifelbe, wenn es dick und zähe ge 
worden, wieder flüßig; die Mittelfalze hätten einen 
Ähnlichen Mugen, ja die Saugenfalze würden, wenn 
fie ſich in dem $eibe mit einer ſchaͤdlichen Säure ver» 
mifcheen, Mittelfalz, und beforderten den Stulgang 
wie Die Mittelfalze ungemein; durch die fubtile Eifen: 
thjeilchen würden die Gedärme ftarf gemacht, und die 
fhlapp gewordene Fäferchen gleichfam wieder geſtim⸗ 
met und aufgefpannet; die laugenhafte Erde koͤnne 
Feine Berftopfungen verurfachen, wenn die minerali: 
fhen Waffer zugleich mit den andern edlern und ſub⸗ 
tilern Grundtheilen verfehen wären; dieneten inzwi⸗ 
ſchen ebenfalls dazu, daß ſie die Saͤure aus dem 
Leibe an ſich zoͤgen, welche folglich ſammt dieſen irdi⸗ 
ſchen Theilen aus dem Leibe durch die natuͤrlichen 
Wege herausgeſchaffet wuͤrden; die warmen Quellen 
ſollen nur zum aͤuſſerlichen Gebrauch dienen, wegen 
ihrer groͤbern Grundtheile. Aus allem dieſem beur⸗ 
theilen ſie, in wieweit ein —* in einem beſon⸗ 
dern Falle zu Rathe zu ziehen. Ja viele haben fh 
* | : au ) 


go den Geſundbrunnen. 147 
auch unternommen, nachdem einige Grundtheile bei 
Fannt worden, die mineralifche Wafler nachzumachen. 
Boyle hat Eifenfeil in Weinekig digerirer, und das . 
durch etwas den mineralifchen Waffern ähnliches her⸗ 
Horbringen wollen, welches aber wegen der Abweſen⸗ 
heit eines faugenfalges als eines Hauptgrundtheils der 
vollfommenften Duellen, von den Aerzten in feine 
fondetliche Betrachtung gezogen wird. Da man ans 
gefangen, die Waller zu verführen, und mit felbigen 
einen Handel zu treiben, dabey aefehen, daß die meis 
ften Waffer im Berführen ihre Kräfte verlören, Hat 
man mit noch mehrerer Sorgfalt darauf gedacht. 
Diejenigen, die es ihren Kräften zugetrauef, das 
Kunftftück der Natur entweder vollfommen abgefei 
hen zu haben, oder aber ſich eingebildet, anftatt dies 
fer Arzeneyen noch beffere und bequemere an die Hand 
zu geben, haben die zu hohe Hochachtung für die mis 
neralifchen Wafler für mas abergläubifches gehalten, 
Man hat ein wenig Eiſenvitriol in Waſſer aufgelöfer, 
hernad) ein wenig von einem Vitriol- oder Schmefels 
fpivitu dazu gegoffen. Man bat weiter im Vitriol⸗ 
oder Schwefelfpiritu Eifen aufgelöfer, einige Tropfen 
in leichtes reines Waſſer getroͤpfelt, noch einige Tros 
pfen vom Vitriolgeiſte, und etwas von Glaubers 
wunderbarem Salze hinzugethan, und verſichert, daß 
dieſe Vermiſchungen denen vollkommenen Sauer 
brunnen noch näher kaͤmen. Andere, da fie ſehen, 
daß der chymiſche Witz noch nicht hinlaͤnglich ſey, in 
den gemachten mineraliſchen Waſſern das ſaure We— 
ſen mit den Laugenſalzen ſo zu erhalten, daß ſie nicht 
anfingen in einander zu wuͤrken, und alſo die kuͤnſtli⸗ 
che Geburt im Augenblick aufhoͤren müßte, zu ſeyn, 

K2 was 


148 Nachricht vonden Geſundbrunnen. 
was fie, feyn follte, fagen, daß man felbige wicht 
nachmachen fönne, wenn man gleich fo glücklich waͤ⸗ 
ve, fo. fnne die Kunft die Grundtheile niche ſubtil 
genug und fo wirffam machen, mie fie.die Natur 
mache. Man fehäget diefe Geburt der Natur fo 
hoc), daß man verfichere, man würde. fich beffer ra⸗ 
then, wenn man ſich des Waſſers bey den Quellen 
felbft bediente, damit man die Arzeney von der Na⸗ 
eur felbft, als der erften Hand fich fönne reichen laſ⸗ 
fen. Daß aber diejenigen Gefundbrunnen, die ent« 
weder nur ein Mittelfalz, oder ein fubtiles Eifen, 
oder aber ein Ealfhaftes Salz nebit einem gemeinen 

Salze in ſich enthalten, fi) nachmachen laſſen, ift 
eben nicht unwahrſcheinlich. Bat 4 ” 


an 


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ch er 149 

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Berfud, 


die wahre Abſicht 
des Nic. Machiavels, 


bey wi Verfertigung der Regierungs⸗ 
kunſt ſeines Fuͤrſten, 
zu EUR 


an feßet —— vn der Verfaſſer einer 
berühmten. Schrift eine Abſicht gehabt, 
da er diefelbe ans ‚Licht geſtellet bat, 


Man giebt fich in der gelehrten Gefchichte Mühe, diefe 
Abfiche zu entdecken. Und das mit Necht. Denn 
der Zweck eines Buches Fann bey der Erklärung dun⸗ 
Feler Stellen ein Drafel abgeben. 

Bey Schriften, die feltfame, widerfprechende und 
abfcheulihe Meynungen enthalten, ift man vornehm⸗ 
lich berechtiget, ‚nach der Abficht zu forſchen. Wo⸗ 
ferne wir den uͤrheber nicht fuͤr einen Wahnwitzigen 
halten wollen, muͤſſen wir zugeſtehen, daß er das 
Verhaßte und Seltſame in feinen Sägen, fo Jeder- 
mann in die Augen leuchtet, ſelbſt eingeſehen habe. 
Weil ihn nun Verachtung, VBerdruß, Widerſpruch, 


und andere Ungemächlichfeiten: von der Befanntmas 
Rz Hung 


o Verſuch, die wahre Abſicht 


Hung nicht zurück halten können ; fo muß feine. Abs 
ficht ſehr reizend gewefen feyn. Es ift wahr, es hat 
fid) alles ben ihm unter einer ſchoͤnen Larve gezeiget. 
Allein eben diefe Larve ift es, die wir entdecken muͤſ—⸗ 
fen ‚weil fie den Berfaffer bezaubert hat,daß er durch 
das Abfcheuliche, fo darunter verborgen liegt, Nicht 
gerühree it, Man wird nicht irren, wenn man ſich 
vorſtellet, daß bey einem folchen Schriftftefler vor der 
Genteinmachung feiner Mennungen ein Kampf vor: 
bergegangen. In demfelben bat die Furcht vor ei- 
nem Widerfpruch und Verdruß mit, feiner veizenden 
Abſicht, fie mag nun feyn ‚welche fie will, eine Zeit- 
lang geftritten. Weit nun die Abficht gefieger, und 
ſich feines Vorſatzes bemeiftert hat; fo muß fie um 
fo viel ſtaͤrker geweſen ſeyn, je fürchterlichere Feinde 
fie überwunden hat. 3:3 ,Aunian man un na 


aut Bi: SL 3! rm irk a 4 | 
Es Hält aber überhaupt ſchwer, die Abfichten der 
enfchen zu entdecken. Dennfie find von Natur 
zur Berftellung geneigt, und werden durch die be— 
truͤbte Nothwendigkeit in diefem Schauplaße der 
Welt noch mehr dazu gezwungen. Ein jeder will 
vollfommener angefehen feyn, als er in der That it. 
Er giebt demnach feinem Vornehmen einen beffern 
Anſtrich, als es deffen innere Güte verdiene. Wir 
wollen es nur bekennen. Wir Menfchen insgefamt 
find eigennügige Münzer, und ſtempeln unfere Hand» 
lungen, fo von 'unterfchiedenem Schrot und Korn. 
find, mit einem mehr bedeutenden Gepraͤge, das iſt, 
einer Abſicht, die immer zu viel’ Gutes ſagt. Doch 
‚ bleibe “ein großer. Unterfchied unter den Muͤnzern. 
Bir nennen die Br ink... 
N ; 2. a e, 


des Nic. Machiavels zu entdecken. ı5ı 


haſte, die unter den mangelhaften die wenigſten Feh⸗ 
ler haben: wie die Muͤnze ſchon gut iſt, deren Ge⸗ 
halt dem Gepraͤge am nächften fommt. Wenigſtens 
müffen die, Münzfoften abgeben. Die Eigenliebe 
praͤget, und. etwas. muß man ihr in der Rechnung 
paßiren laſſen. Es kann aber ſeyn, daß ſich ein 
Menſch unterweilen ſelbſt nicht bewußt iſt, daß er ſei⸗ 
nen Handlungen ein gar zu viel bedeutendes Gepraͤge 
giebt. Cajus ſetzet die Feder an, ein Buch zu ſchrei⸗ 
ben, ſowohl in der Welt einen Ruͤhen zu ſchaffen, als 
auch, auf eine anftändige Art, bey andern Gelehrten 
tiebe und Hochachtung zu erhalten. Er trifft eine 
Materie an, fo dem gemeinen Beſten zutraͤglich iſt. 
Die Einbildungsfraft ftellee diefen Mugen durch ein 
Bergrößerungsglas vor. Die Feder flieffet weit beſ⸗ 
fer, weil der. Gedanfe von dem großen Mugen die 
Seele belebt. Was. gefchiehet? Da die Liebe: zu 
dem gemeinen Beften mehr brillivet, als der Trieb 
zur Ehre; fo verſteckt ſich die letztere Abſicht unter 
der erſten, wie im Sommer die unanſehnlichen Aeſte 
der Baͤume unter den anmuthigen Blaͤttern. Ends 
lich verlieret ſich der geringere Zweck dergeſtalt aus 
dem Gedaͤchtniß, daß ich glaube, es koͤnne Cajus, 
welcher ſich nicht genau pruͤfet, aufrichtig mit einem 
koͤrperlichen Eide verſichern, ſich bewußt zu ſeyn, daß 
er durch ſeine Schrift nur das allgemeine MeM be» 
fördern mel 


$. Ä 

Iſt es nun ‚fer , bie ae Abſi cht bey Miele 
‚chen Schriften: zu entdeden, und betriegen fich die 
WVerfaſſer oftmals: felbft; fo ift leicht zu erachten, wie 
\ wlan es fen, den Zweck MR Bücher zu er⸗ 
84 forſchen, 





152 eri f ‚die wahre Abſicht 


forſchen, die verhaßte und wider rechende 
Meynungen enthalten, Wer abſcheuliche Säge 
behaupfet, muß einen verderbten Verſtand und ver⸗ 
kehrten Willen haben, Wo beyde Kräfte nichts rau: 
gen, kann man fich Teiche die Rechnung machen, daß 
ein Schrifefteller die Wahrheit den Feidenfchaften auf: 
öpfern, und feinem unfauglichen Re * 
falſchen Anſtrich geben werde. MIROR 


BE NDURIRY 





Wie fol man es aber angreifen‘, wenn man bie 


Abficht einer verhaßten und ruchlofen Schrift entde⸗ 


cken will? Ich will dazu vier Wege vorſchlagen; 
leugne aber nicht, daß deren noch ge von andern 
koͤnnen entdeckt werden. a 


Der erfte Weg Me Man ſchreibe einem 
Schriftfteller nicht leicht die allervollkommenſte, 
noch auch die allerabſcheulichſte Abſicht zu. 
Alle Menſchen ohne Unterſchied haben gewiſſe Haupt⸗ 
abſichten, daraus alle andere, als aus einer Quelle, 
flieſſen. Sie ſuchen Ehre, fie ſuchen Vorrbeile , fie 
füchen Bergnügen. Einige empfinden dieſe Vollkom- 


menheiten aus Gütern, die fie , oder die ihrigen, faſt 


nur allein mit Ausfehlieffüng anderer‘ befißen wollen. 
Andere find geneigeer , ihre Ehre, Bortheile und Ver⸗ 


gnügungen auf den Grund der Menſchenliebe zu 


bauen, Die erftern heiſſet man Safterhafte, die an⸗ 
dern Tugendhafte. Zwiſchen dem größten Grade der 
Tugend und dem größten Grade des $afters ift ein 
unendlicher Zwifchenraum. In dieſem großen Zwi⸗ 
fehenraume ſchwimmen die Menfchen herum, "und na- 
ben fich unterweilen dem größeften Grade des u 

oder 


* 


des Machiabels zu entdecken. 153 


oder der Tugend, doch ſo, daß keiner das aͤuſſerſte 
gaͤnzlich beruͤhret. Es kommen aber wenige der groͤß 
ten Tugend und dem groͤßten Safter ſehr nahe. Die 
meiften bleiben in der Mitten. Dem ohngeachtet 
find wir geneigt, durch das Perfpectiv der Eigenliebe 
unfere Feinde bey dem größten Laſter, und unfere 
Freunde bey der größten Tugend zu erblicen. "Weil 
nun alle Schriftſteller Menfchen find, fo muß man 
(eben, wie ihre Abfichten aus. der allgemeinen 
Duelle der Ehre, des Vortheils und des Vergnuͤgens 
Fönnen hergeleitet werden. Iſt aber die Frage: Ob 
man bie Zigenliebe,öder aber die Liebe des Naͤch⸗ 
ſten zur Triebfeder annehmen ſolle? fo deucht mich, 
daß man am ſicherſten fahre, wenn man einem Schrift⸗ 
ſteller weder die groͤßte Tugend, noch das groͤßte La⸗ 
ſter beymiſſet. Doch wird man bey Schriften, die 
dem ganzen menſchlichen Geſchlechte verhaßt ſind, die 
Abſicht des Verfaſſers wohl in der Gegend der Laſter 
ſuchen muͤſſen. Indeſſen habe ich jederzeit bemerket, 
daß ſich bey den abſcheulichen Handlungen auch etwas 
—* der allgemeinen Liebe mit einmiſche, welches als 
ein Irrlicht den Verſtand verblendet. Was kann 
abſcheulicher feyn, als dag 'Alerander die Stadt 
Perfepolin, ein Wunder der Welt, einer Hure zu 
gefallen in den Brand ſtecket? Indeſſen ftellete er 
fich) dabey vor, wie er dem Griechifchen Wolfe, das 
ehedem von den Perfern befrieget worden, dadurch 
eine Freude magen wuͤrde. | 


Te 

Die zwote Aane it: Wan ſetze die Abſich,, 
ſo der Schriftſteller 5* anzeigt, nicht gaͤnz⸗ 
5 lieh) 





lich aus J— RER — a ihr nur 
den falſchen Anftrich, den ihr entweder die 
Eigenliebe oder die Bosbeir giebt. Man kann 
ſich ja den Schriftſteller nicht als einen Raſenden vor» 
fteflen. Er muͤßte es aber ſeyn, wenn er aus Hoch⸗ 
muth glaubte, daß er allen Menſchen die Augen Ders 
Fleiftern wollte, ‚fo daß er ihnen weiß machen. Fönnte, 
was ihm beliebte. Er weiß ja, daß zwifchen einem 
Mitch und einem Zwecke. eine Aehnlichkeit feyn müffe. 
Da num die Schrift das Mittel iſt, wodurch der Zweck 
ſoll erhalten werden; fo muß er. in dem angegebenen 
Zwecke etwas Wehrer anbringen. Weil wir Men⸗ 
ſchen aber von Natur geneigt find, in das Vorgeben 
unferer Mitbürger ein Mistrauen zu fegen, und dazu 
noch mehr berecytiget zu fenn vermennen, wenn mir 
es mit Gottlofen.zu thun haben ; fo gefchiehet es, daß 
wir auf das. Borgeben eines verhaßten Schriftftellers 
nicht Acht haben, welches uns doc) Durch einige Um» 
wege in jene ** Abſchten führen Eünnten. | 


iD g 8 | a | 

Die britte Kegel if: Wan N vor an⸗ 
dern die abſcheuliche und widerſinniſche Mey⸗ 
nungen, und ſuche einen Grund, woraus ſich 
die Bekanntmachung derſelben am fuͤglichſten 
begreifen laͤſſet. Die ſeltſamen und. ‚verhaßten. 
Meynungen eines Schriftftellers find, meinen Bes 
duͤnken nad), die beften Spürbunde, ‚ihn, in. feinen, 
verborgenen Schlupfwinfeln aufzufuchen, Wir be 
dienen uns derfelbigen «gemeiniglich nicht, wie wir 
koͤnnten. Dieß ift kein Wunder, Sie find uns we⸗ 
gen ihrer Haͤßlichkeit ſo zuwider, daß wir nicht gerne 

dar⸗ 





des Machinvels zu entdechen. 155 


daran gedenken. Indeſſen ſollten wir billig auf fel- 
bige Acht haben, wie die Belagerten auf das Feuer 
der verdeckten feindlichen Canonen. Mir faͤllt hie— 
bey ein, daß der große Leibnitz in ſeiner Theodicee 
6. 80. von der Uebereinſtimmung des Glaubens mit 
der Vernunft ſchreibet: Wenn die Vernunft einen 
„Sag umftößt, fo richtet fie den gegenfeitigen auf; 
„und wenn es ſcheint, als würfe fie zugleich beyde 
„einander entgegen ftehende Säge über den Haufen, 
„fo verfpriche fie uns salsdenn, etwas Tiefes und 
„Gruͤndliches, wenn wir ihr fo weit nachfolgen,, als 
„fie geben Fann,* Gott, der größte Derfaffer 
aller Dinge, bat feine: Abfichten verſteckt. Er: läßt 
uns aber Davon etwas erblicfen, wenn wir ung Die 
Mühe geben wollen, dahin unfern Verſtand zu rich: 
fen, wo die größten Schivierigfeiten der Weltweis- 
heit anzutreffen ſind. Solchergeftalt ſteckt er die 
Wahrheit als einen Preis des Fleiffes auf. Wenn, 

die Menfchen, als Derfaffer kleiner Werke, ihre 
Abfichten verbergen; fo. darf man nur fein Augenmerk 
auf die ſchwereſten und vermorrenften Gäße richten: 
man wird-die Urheber darinn, wie das Wild in den 
tiefften Hecken, antreffen. 


a a Flyer a 
Der legte Weg iſt: Man ermäge das Leben 
nebft den Schickfalen des Schriftftellers , und 
füche eine Abfiche feines Buches ausfündig zu. 
machen, P fich mit bepden am beften reimet, 
Ein Mittel, deſſen man ſich bisher am meiften bes 
dienet hat. x | 6 
—— | kai, 


S. 10. 





Das findı nun * Kegeln, vermittelſt welcher: g 
meinem Bedünfen nach ‚die Abficht eines —** 
lers ausſpuͤren muß. Wenn man demnach einen 
Zweck eines Buches angeben kann, wobey der Per⸗ 
faſſer abſcheulicher Säge viel Zigenliebe, in 
Erwartung großer Ehre und Vortheile, sugleich, 
aber auch etwas Menſchenliebe Kann empfuns 
den haben, der auch nebft einem falfchen An⸗ 
ſtrich von ihm ſelbſt an die Hand gegeben 


wird, uͤberdem auch den Grund und die Quel⸗ 


ie aller verhaßten Saͤtze deutlich enthaͤlt, ſich 
endlich mit dem Leben und den Schickfalen 
des Derfaffers reimet; fo wird der Leſer das Urtheil 
fallen, es müjfe derfelbe für das vechtmäßige Kind 
des Schriftftellers f6 lange gehalten werden, bis das 
Gegentheil nachdrüdlich ermwiefen worden. Mehr 


verlange man nicht. Eine eigentliche Demonftration 


hat bier nicht Statt. Wo eine Wahrheit nicht kann 


mathematiſch erwieſen werden, bleibe allemal das Pe- 


ritoxium uͤbrig. Man thut genug, wenn man ſich 
durch die angegebenen Beweiſe im. Poffefforio erhält, 


Diefes ift es nun, was id) verfüuchen werde. Ich 


will anfänglich die bekannte Meynungen von der Ab⸗ 
ſicht des Machiavels bey der Herausgabe der Re⸗ 
gierungskunſt ſeines Fuͤrſten beybringen, und ſodann 
einen Zweck hinzufuͤgen, den er, meinem Beduͤnken 
nach, gehabt hat, endlich aber. erweiſen, daß dieſer 
lette alle vier angezeigte Ben befige. Run 


ge 
Die Abfiche, fo Wachiavel ben * Befanntma- 


Sung der u feines Fürften angegeben, 
und 


— — — —— 


des Machiavels zu entdeden. 157 

d die dahin gehet, daß ſich ein Fuͤrſt durch die 
"= zefüh . a er  Rocdln So Srauſam⸗ 
Pa des —5 — auf dem Thron erhal⸗ 
ten, und feinen Stast vermehren mil, haben 
einige, für, befannt angenommen. ,. Andere fehen Das 
Bud als, eine Satyre an, worinnen er die abs 
ſcheuliche Warimen der damaligen, Fuͤrſten 
abſchildern wollen, um fie dem Volke deſto ver⸗ 
haßter vorzuſtellen. 8. Meynung heget Alberi⸗ 
cus Gentilis und. Bayle. Erſterer ſchreibet im 
gten Cap. ſeines dritten Buchs von den Geſandten: 
——— Abſicht iſt nicht, einen Tyrannen zu 
„un ſterrichten, ſondern er bemuͤhet ſich, ſeine Geheim⸗ 
u e zu offenbaren, und. ihn dem geplagten Bolfe 
loß und in ſeiner wahren Geſtalt vorzuſtellen.“ 
gta ſpricht i in feinen, verichiedenen Werken Tom, 2. 

„Es ift zu bewundern, daß die meiften Menfihen 
„glauben, Machiavel lehre die Fürjten eine gefaͤhr⸗ 
En Ber Pe rbb: Hischlauel 


14a At 


MN oh a | 

Die lehtere Meynung Fann 34 9 Worte 
und der Verbindung aller Säge unter einander ohn⸗ 
möglich beftehen. Man nimmt gar u deutlich wahr, 
daß 





daß es ——— mit feinen Kegeln in ( 
fey. Man lefe das Buch, man frage ſich 0 

die geringfte Spur einer Sathre de Hin antreife, 
Die fcharffinnigften Geifter würden fi fh auch ner 
die Mühe gegeben haben, diefe Schrift zu w fe 
gen, wenh fie nur im geringften vermurhen konnen 
daß es eine Satyre feyn ſollte. Es ift aber Bentti. 
lis nebft andern auf diefe Mepnung jefallen, weil er 
es für unmöglich gehalten, daß ein Ve rſtaͤndiger Ge⸗ 
ſchichtſchteiber, der fein Vaterland gelieber, * — 
Fuͤrſten und Cardinaͤlen einen Zutritt gehab 

fo unmenſchliche Dinge gelehret haben. ef 
Gründe nun find'es, wodurch die erſte —* uns 
glaubtich wird.” Was ift nun zu thun? Man muß 
inter Scyllam et Charybdin, das ift, zwiſchen zwoen 
entgegen gefeßten Schwier a die —— 
erwaͤhlen. — | 









NA 42 Th: 
Der $efer erN —— wolten a ich 
dem Machiavel für eine Abficht bermeſſe Es iſt 
billig, daß ich ſeinem Verlangen ein Genuͤge thue. 
Doch wird er ſich nicht misfallen laſſen, daß ich mei⸗ 
ne Meynung mit den Umſtaͤnden 3 sie den 
Grund zum Beiveife legen." m 
ic, Machiavel hatte in feiner — bie * 
teiniſchen "und griechiſchen Schriftſteller mit großer 
Begierde geleſen, und ſich die Thaten der groͤßten 
Conqueranten bekannt gemacht. Da er or 
die‘ Bedienung eines Geſchichtſchreibers erhielte; ſo 
fand er Gelegenheit, feine Aufmerkſamkeit mit ders 
gleichen Vorftellungen noch mehr zu_ unterhalten, 
Beil er num überden zu einer lebhaften Abſchilderung 
der 


des Machiavels zu entdecken. 130 


der menſchlichen Handlungen aufgeleget war, wie ſol— 
ches feine viele und alleſammt beliebte Schauſpiele 
zeigen; fo konnte er ſich Helden von allerhand Art 
recht lebhaft vorftellen. Zu feiner Zeie war fein 
freyes Vaterland Florenz; faſt unter vie Herrſchaft 
der Fürften aus dem Haufe Medicis gekommen, 
‚Kurz vorher war ganz Italien bald von den Spaniern 
bald von den Ftanzofen, bald von den Paͤbſten, baib 
von den einheimiſchen Fuͤrſten, die ſich unter einander 
die Halfe brachen, chefeglich mitgenommen. Man 
mufite auch dergleichen Elend’ fernerhin beſorgen. 
Den folhen Umftänden war ja nichts leichter, als 
daß fich die fruchtbare Einbildungskraft des Machia⸗ 
vels vermittelft der Lebenslaͤufe großer Helden einige 
Plane vorftellete, wie dem Uebel entweder in der Re; 
publif Florenz, oder aber in ganz Italien Fönne ab: 
geholfen werden. Wenn er an fein freyes Vaterland 
gedachte; fo Fam ihm Caßius und Brutus, oder 
aber der erfte Brutus in den Kof, Es fteflete fih 
in feinem Gehirn ein Schaufpiel vor, darinn ein 
Brutus feiner Zeit die Fürften, fo der Freyheit ges 
fährlih waren, in jene Welt ſchickte. Er hatte des- 
» wegen einen fo ftarfen Umgang mit dem Aloifius 
Alsmanni und dem Jacob Diacettino in den 
Gärten des Cosmin Ruscelli, und verrückte ihnen 
durch feine Schriften den Berftand dergeftalt, daß 
fie die Perfon des Brutus und Caßius in Ermor 
dung des Cardinals Julian Medicis nachſpielen 
wollten. Wenn aber eben diefer Machiavel an 
die Zerrüttung in ganz Italien, an das viele Blut⸗ 
vergießen, fo Spanier, $ranzofen, und Einheimifche 
darinnen angerichtet hatten, und noch Fünftig antich* 
J ten 





160 Verſuch, die wahre Abſicht 


ten Fonnten, gedachte; fo fiel ihm ein At uguſtus ein 
der die lite ‚römifhe Republik in Rn 
brachte, und dem Blutvergieſſen der. verfchiedenen 
Partheyen ein Ende machte, Es ‚erblickte alfo fein 
‚an Einfällen fruchtbarer. Kopf einen italienifchen Held, 
welcher alle Eleine Beherrſcher der. italienifchen Staa- 
ten bezwang,, ihre Familien ausrottete, einerley Ges 
fee einführete, und den Grund zu einem. fic) felbft 
befehügenden. Reiche, legte. An ſolcher Borftellung 
hatte die Eigenliebe den größten Antheil, Er ver— 
_ meynte einen, großen Ruhm zu er Keen wenn. ein 
Held feinen Dlan ausführen ſollte. Bielleiche har er 
fich auch träumen laſſen, daß er unter einem. foldyen 
Conqueranten das Ruder mit führen würbe, Allein 
wir wollen billig.urtheilen. Die Menfehenliebe kann 
auf diefen Plan aud) einen Eleinen Anfpruch machen. 
Wischiavel gedachte, daß Diefer fein Held einem 
langwierigen Blutbade und: vielen innerlichen Krie: 
gen ein Ende machen würde, Er glaubte, daß alle 
Graufamfeiten, fo er ihm vorſchrieb, nur, Mittel 
wären, einem geößern Uebel, naͤmlich dem. beftändi- 
gen, Kriege, abzubelfen. Ich bin alfo verficherr, daß 
er fich auf fein Project was rechts zu que gethan und 
gedacht hat, man würde ihn als einen Wohlthaͤter 
von ganz Italien bis an den Himmel erheben. Wer 
die Thorheit unferer Einbildungskraft verfteher, wird 
ſich hierüber nicht wundern. _ ge 
In ſolcher Gemuͤthsbeſchaffenheit ſchrieb nun 
chiavel die Regierungskunſt ſeines Fuͤrſten. Er 
gedachte durch ſeine Vorſtellung einen italieniſchen 
Held, vermuthlich einen aus dem Haufe Medicis, zu 
bewegen, feinen Plan auszuführen Er fand alfo 
iu | noͤthig, 


des Machiabels zu entdecken. 
nöefig ‚ feinem Helden zu zeigen, daß er ihm = 


unmögliches anrathe, wenn er nur alle möglidye 
— ohne unterſcheid ——— und alle 

diejenigen aus der Weit ſchaffen wollte, ſo ihm 
im Wege ſtuͤnden. Dieß konnte er durch Beye 
ſpiele von allerhand ehemaligen Unternehmungen be⸗ 

weiſen. Allein er ſahe, daß ihm ein Held zurufen 
. würdet ‚Soll ic) ein Tyrann und. Bluthund werden, 
um deinen, Plan auszuführen ? Dieß ift nicht era 
faubt. ; — — die verfluchten Morimen 








Er 


— a 
Br ikm hun die ht, N ir —— meinem 
Beduͤnken nach, bey der Regierungskunſt feines Fürs 
ſter gehabt. Iſt ſie aͤcht, fo muß fie bey dem erſten 
Anbuck einem fcharffinnigen und aufmerffamen Sefer 
begreiflich ſeyn. Er muß darinn eine. Uebereinftim» 
mung, als dag: ‚Kennzeichen der Wahrheit, antreffen, 
Indeſſen will ich feinen völligen DBevfall nicht ‚eher 
" verlangen, als bis ich noch umftändlicher erwieſen, 
daß dieſe angegebene Abſicht des Rachiahee Ale ur 


; Beine: ai Kennzeichen Sefige, ——— 
Bund, an 












3 * 












nifchen Reiche gemacht, welches e ur den U fergan 
alfer kleinen Staaten’ erbauet/ damit kuͤnftig 
nerlichen Kriegen vorgeben ! 





uget wuͤrde; fo ſiehet me 
wie die Eigenliebe hier die Feder habe führen und 
zugleich von einiger: Menſchenliebe gelenket wer e 
koͤnnen. Hier erblickt man die — — eil: 
unter welcher ſich die abſcheulichen Re egeln der Grau 
ſamkeit dem Machiavel angene m vorgeſte ellet Haben, 
Man ſiehet wie es moͤglich geweſen , daß e fr * ch; 
ein —— Men A ni I fee. 





Ener Der Hufe a als ein — * * 


tiren wollen, 


ge * Sri ni 

Wie aber?‘ Bat ſich der Berfffer in feiner chrif 
nicht merken laſſen, daß er dieſen Zweck gehabt? 
Allerdings. In dem Zueignungsbriefe Hindi er an 
ben Laurentius de Medicis, ‚Herzogen von Urs 
re a Sie mein ih m mir. h Aue zert ſe m ei 





„Wei icy mir alles, was Ar in bei — vr | 
„ Capiteln abgehandelt babe, ordentlich vorftelle, ı 

„baben überdenfe, ob die ‚gegenwärtigen Umft 
„für einen neuen Sürften, der.eine —— 


„form 


163 


PER in Stalien einführen * „die N Ehre und 
.  „bern'ganzen Sande Mugen fd;affete, vortheilhaft waͤ⸗ 
„ren; ſo finde ich ſo vieles, das zur Befoͤrderung Dies 
„ſes Unternehmens: zuſammen kommt, daß ich nicht 
„weiß, ob jemals eine bequemere Zeit dazu kommen 
— Mußte das Volk Iſrael in der aͤgyptiſchen 
„Dien ſtbarkeit ſtehen, wenn man wiſſen ſollte, was. 











Moſes für ein Mann fen; mußten die Perſer von 
am Medern unedrict ‚fenn, damit des Cyrus Tas 
fich zeigen Fonntes ac. fo muß auch) Italien 
o ele elend, x. gepluͤndert und von Fremden in 
| Aa e — ſeyn, damit die Größe eines Ita⸗ 
lieners recht in die Yugen-fallen mögtes, Warum 
hat man -aber in diefen Worten Die Hauptabficht des 
Machiavels nicht eher wahrgenommen? Man bat 
ihn als einen Betruͤger angeſehen, und ihm gar Feine 
| Menfchentiebe zugetrauet. Vielleicht ift auch der 
Titel’ diefes Capitels ſchuld daran, als wodurch der 
Machiavel feine Abſicht vielleicht etwas hat verdun⸗ 
keln wollen. Das Capitel hat eine doppelte Aufſchrift. 
Die erfte ift: Von den unterfchiedenen Arten. 
der Unterhandlungen, und von den Urſachen 
des Krieges, die gerecht zu nennen ſind. Die 
zwote: Ermahnung Jtalien von den Barba⸗ 
ven zu befreyen. Bonde: flimmen mit der Auss 
führung nicht überein. Der rechte Titel würde dies 
fer ſeyn Ermabnung, ‚in. Italien une neue 
Menarchie aufzurichten ON 
Be. ———— 
ae Das ſtaͤrkſte Kenreichen ‚nämlich daß | 
\ der wahren Abſicht einer Schrift begreifli 
le, warum der Berner ſo ſeltſame Meynungen 
ange⸗ — 












ne 









4 N. Abſi 
angenenmen Babe, redet au für mich. 

behauptet ein Menſch, in deſſen Leben die Geſchic 
ſchreiber nichts Wildes bemerken, und der be en g 
ſen Fuͤrſten wohl angeſchrieben geweſen, es 










Regenten in ben eroberten Städten die Samllente | 


vorigen Fuͤrſten umbringen, man folle neue Unter» 
thanen entweder durch iebfofungen geroinnen ‚oder 
aus der Wele fchaffen? Warum preiſet er Fürfter 
das unglücliche Beyſpiel Caͤſar Borgias als ei 
Mufter an, und rühmet, > er die iafienifcjen & A 
ten in Verwirrung gefeßer, Damit er fich derfelbige 
bemächtigen fönnte, und daß. er ——— 
Herren ausrotten laſſen, welche er um iht Vermögen 
gebracht? Warum erhebt er den Agathocles, der 
als ein General in einer freyen Republik die reich 
Bürger auf einmal umbringen ließ, um ſich zum Herrn 
aufzumerfen? Warum bewundert er den Olivetto 
de Sermo, der feinen Baterbruder, welcher ihn als 
einen Wanfen erzogen, und ihm einen Einzug in feine 
Vaterftadeverfhaffer, bey’ ſolcher er eis 
nem angeftelleen Gaftmahle meuchelm 
Weiſe umgebracht? Warum růhmet —— 
Alexander den Sechſten, der in feinem ganzen 
geben nichts gethan, als’ Berrügerepen — und 
ein Mufter in falſchen Eydſchwuͤren gegeben? War-⸗ 
um preifet-er das Erempel Mofis, der die Kinder 
| ae auf Gottes Befehl aus Eobpien 5* ſei⸗ 
Fuͤrſten an, den er vorher in der Grauſamkeit 
— hatte? Allein dieſe Raͤtzel werden aufge. 
Tot, , Menn man annimmt, daß Mai irch 


















ſeine Schrift einen Held bewegen wollen, es zu wa⸗ 


gen, ganz Stalien durch allerhand: Mittel unter ſich 


” 


des Machiavels zu entdecken. 165 


zu bringen, und den verderblichen Kriegen ein Ende 


—— PR RO: 2 


| fätef, ob die angezeigte Abficht des N 


\ Eben dieſe Abſicht —* Ri durch das ER und 
die Schickſale des Machiavels und feiner. Schriften 
gerechefertiget. Fürften liebtenden Machiavel. Wuͤr⸗ 
ben fie es wohl gethan haben, wenn fie ihn für einen 
Menfchenfeind gehalten hätten, der ſich fein Gewiſſen 


‚machte, die Regeln auszuüben, fo er feinem Fürften 


gegeben? Sie wußten fonder Zweifel feine Abficht. 
Vielleicht find fie Willens geweſen, feinen Plan aus» 


| zuführen, ‚wenn fic) dazu bequeme Umftände finden 


mögten, und haben nur auf günftige Afpecten gelaus 
ret. Wenn ſolches andem gewefen; fo ift fehr wahr» - 


- feheinlich , daß fie es gernegefehen ‚daß die Gemuͤther 


durd) Maciavels Kegierungsfunft dazu zubereitet 
‚würden. Es ift Machiavels gottlofe Schrift inner⸗ 
Halb 72 Jahren mie Bewilligung der Päbfte befanne 
gemacht, nachgehends aber. allererft verboten worden. 
Aus der Abficht, die ich dem Machiavel beymeſſe, 
kann man die Urfache davon ein ſehen. Man wußte, 
daß Machiavel nicht allen Fuͤrſten die Grauſam⸗ 
keit lehren, ſondern nur einem Helden Regeln gehen 
wollen, der in Italien eine Monarchie anlegen wollte. 
Da man nun nachgehends auf alle Fürften zog, was 
er nur für einen befondern Fall gefchrieben; fo 
fand man für gut, das * zu verdammen. R 


un ift es Zeit, niein sefee daß du das heit 
tachiavels für 
eine wahre Geburt feines Gehiens, oder für eine un- 
tergefchöbene zu halten‘ ſey. * es moͤglich, daß ſo 





viele 





id —— daß man meine on, 
meine Hirngeburt, verroerfe, Allein wie woller 
uns überzeugen, daß unfer Freund, fo von e ner Re 
‚fommt , eben derſelbige ſey, der ehedem von uns A 
ſchied genommen, wenn ſo viele uͤebereinſtimn mung: 
und Aehnlichteiten — der Wahrheit ſeyn? 

9. 20,4. Be! — 

Ich aber noch zwey Einwuͤrfe heben, Die 
mir ein $efer entgegen ſetzen möge, Er kann ſagen: 
Man erweiſet aus der Uebereinſtimmung aller Um⸗ 
ſtaͤnde, die ſich im Leben, „den Schi Efalen, Schriften 
und Saͤtzen des Maciavels ,ı ind felbft in der ? 
ber Menfchen in Betrachtung ihrer Abfichen finden, 
daß Machiavel nureinen Held bewegen wollen, ganz 
Italien unter fih zu bringen. Allein man "vergiß, 
daß eben diefer Machiavel die Freyheit feines Vater⸗ 
landes Florenz geliebet , und deswegen mie denen 

Freundſchaft gepflogen, die den Cardinal von Me⸗ 
Dicis ; fo der Freyheit ‚gefährlich war, ‚ermorden wols 
len. Wie veimet ſich hiermit, daß er ganz. Italien 

einen Oberherrn geben wollen? Haͤtte ſich alsdenn 

nicht auch Florenz unter ſeinem Zepter biegen müflen? 
Es fehler alſo die: Uebereinſtimmung. Ich geſtehe, 
fie fehler. Sie. muß aber aud) fehlen, wenn eine 

Uebereinftimmung mit der Natur des Machiavels 

‚Statt haben ſoll. Hätte ih dem Machiavel viel 
Redlichkeit und wenig. ‚Eigenliebe zugeſchrieben; fo 
fönnte ich diefen Einwurf nicht Heben. « Ein aufrich⸗ 

figes Gemuͤth haͤtte die Freyheit feines: Vaterlandes 
nicht aufopfern wuͤrden, wenn es auch gleich einen 

großen Plan aus fire konnen . Allein Machiavel 
J war 





















— 


hat. Eine davon reimet ſich vi 
ſeines Vaterlandes. Cine andere | 
Ehre. Er gedenfe: Wenn ein Project unüberfteige 


des Machiavels zu entdecen. | 167 


mar einem. Gonqueranten. ‚gleich habe: viel Abfichten 
eich Fe: dem Wohl 


ge ihm mehr 





liche Hindernifle findet, fo gehet vielleicht das andere, 
wie ein Borfchlag im englifchen Parlamente, durch. 
Wenn er die Wahl bat, fo ziehet er. das vor, wovon 

er ſelbſt den meiſten Nutzen hat. Caͤſar hat gewiß 


> —9— Projecte im Sinne gehabt, als er ausgefuͤhrt. 
Su der catilinariſchen Verſchwoͤrung foll er auch ver⸗ 


wickelt eweſen ſeyn. Je weniger Tugend, je weni⸗ 
ger Uebereinſtimmung der Handlungen. Barum? 
Der Safterafte handelt ohne Kegeln. 
Gi, Aka, 
Man mögte —— ſagen: Da man I Machia- 


vel nicht unter die Tugendhaften zaͤhlet, warum giebt 
man ſich denn Muͤhe ihm eine leidlichere Abſicht zu⸗ 
zuſchreiben ? Es wäre ja beſſer, daß man dieſen 
Lehrmeiſter der Laſter ſo abſcheulich darſtellete, als es 
immer moͤglich. Ich erwiedere: Machiavel iſt und 
bleibt ein Lehrmeiſter der Laſter. Ein Menſch, der 


ſo viel Eigenliebe heget, daß er allen Fuͤrſten vor⸗ 


nem Bezwinger von Italien anrathen konnte, um 
‚nur feinen Zweck zu erhalten, iſt ein Scheufal des 
menfchfichen Geſchlechts. Wie aber? wenn er feine 
Abſicht deutlicher entdecket, und die Grauſamkeit nur 
einem italienifchen Conqueranten angepriefen haͤtte? 
In dieſem Falle, der ‚aber nicht Statt. bat, würde 


fhreibt ‚was er, nach feiner eigenen Einficht, nur eis 


ic) ein wenig gelinder von ihm urteilen. Indeſſen | 





bliebe er doch ein Lehrmeiſter der Safte 


after. Denn die 
graufame Sanblnden; fo er vorfchre bt, find gewiß. 
N 4 Der 





168 Ende 


Der Erfolg. davon iſt ungen oh enn 
Tyrann Italien unter feinen Scepter gebt. 
gut eingerichtet haͤtte; ſo war er dennoch ic ne 

chert , daß dieſes Reich lange beftehen, und des 
eingebildeten Vortheils lange genießen. —— 
deſſen kann ich mich doch nicht entſchließen, einem 

boshaften Menſchen eine unbegreifliche Abſicht zuzu⸗ 
ſchreiben, ſo lange noch eine begreifliche kann ausfuͤn⸗ 
dig gemacht werden. Man ſiehet aber aus dieſer 

ganzen Abhandlung, wie die Eigenliebe Menſchen, 
unter einem guten Schein, zu — Untere 
nehmungen verleiten — ——— 






und 


J 





m xort⸗ 


“nern 


ie Ile 
Sortgefete Ab handlung 
von der 


Wirkung der Luft 
at und die menſchlichen 


von dem 


„Gm. John Arbuthnot, M. D. 





Das vierte ———— 


Von der Beſchaffenheit der Luft in verſchiede⸗ 
nen Lagen, Gegenden und Jahrszeiten. 





3 wir inden vorhergehenden Hauptftücken von 
I dem, was bie $uft in fich enthält, von ihren 
weſentlichen und zufälligen Eigenfchaften und 
von ihren Wirkungen überhaupt etwas gefagt haben; 
. ‚fo müffen wir uns auch um die Eigenfchaften derfel- 
ben befümmern, die von dem Orte und der Zeie her⸗ 
‚rühren, welche nicht bloß aus Murhmaßungen, fons 
dern aus überzeugenden Gründen, aus dem, mas 
nah geſaget worden, ee in 4 
5. Aa, ei 5 

= Giehe des zweyten Bandes III. ti €, S. 243. und 
des dritten a. I. Stu, ©. 197. 








i — ae Reis as in der Luft 
hal 9* nach der Beſchaffenheit der Obe 
der Erde oder des Waſſers; mo es herau 
unterſchieden ſeyn muͤſſe; und dieſer Unterſchied 
De auf einer jeden Stelle der Exdfugel bei ändig feyn 
wenn nicht Der ganze Haufen der Luft als ein 
Weſen eine Gemeinſchaft mit einander haͤtte, und 
wenn die Theile derſelben mid E durch die Bewe | 
der —— und durch andere d m weiſen Ur — 
Natur beliebige Arten hin und her getrie ver⸗ 
miſchet Bl, Doch 74 9 













E nicht fo 
vollfommen, daß fie nicht einen Unterfchied in der 
Natur der Luft zurück. laſſen ſollte, den die Einwoh⸗ 
ner von einerley Striche Sandes, wo die Ausduͤnſtu 
gen beſtaͤndig und alfezeit mit der Luft vermifd find, 

„ empfinden fönnten, Der Than ifteine Ausdünftung der 
Erde, fo wieder zurück fömme, und auf di elbe aus⸗ 
gegoffen wird. Folglich feheine£die Natur des Thaues 
eines jeden Orts, und. was derſelbe in ſich enchaͤlt, 
das beſte Merkzeichen der Ausdünftungen des Bodens 
eines folhen Orts zu ſeyn. Durch chymiſche Ver⸗ 
ſuche erhellet, daß der Thau verſchiedene inge,ent: 
hält, nachdem nämlich der Dre und der. Boden mi le 
ferig, ſalzig, fettig, ſaliniſch oder mineraliſch iſt; ‚der 
Unterfehied deffelben beftehe bloß i in der Quantität 
der Hitze, dadurch er entweder von der Sonne, oder. 
inwendig von. der Erde erreget wird. Die Eigen- 
fehaften der Luft, fo vom Orte herrühren ‚find dauer 
bafter bey ruhigem als bey. windigem Wetter, Dieß 

erhellet aus den Mebeln, welche: eine Folge folcher 

ſtillen Witterungen find. Die Luſt behält daher die 
igtgebachten Eigenſchaften laͤnger — — 
8% un 





















E aufn die menſchlichen Körper. 171 
- and Gruben, welche: nicht durchwehet werden und 
länger in Thälern, als auf den Spigen der Berge 
2. Die Ausdünftungen großer Flaͤchen Waſſer, 
| als zum Epempel der See, find kaum etwas anders, _ 
als Waffer, indem die Sonne weder auf den Grund 
wirket, noch das Salz heraus ziehet. Winde, ercegen 
etwas vom Salz durch den Schaum , wie man folches 
‚aus der Erfahrung in großen Stürmen weiß. Fenſter⸗ 
riegel und Eifen nehmen Roft an, wenn fie der Seeluft 
bloß geftellee-find. Diefes Satz ift der menſchlichen 
- Matur nicht undienlih. Die große Maffe der Aus: 
dünftungen aber ift feifches Waſſer, und wenn niche 
beftändige Winde die Decke der Dünfte abweheten, 
welche die See umgiebt; ſo bin ich der Meynung, 
daß die Seeluft den menfchlichen Körpern anertraͤg 
lich ſeyn wuͤrde. | 
3, Die Dinge, fo die auft enthält, müfleni im Foſt 
und. in gelindem, Wetter ſehr unterfchieden feyn. 
Große Fröfte verftopfen die Ausdünftung der. Erde, 
und berauben folglich die Luft der Ingredienzen diefer 
Ausduͤnſtungen. Dem zufolge hat man durch Er- 
fahrung gefunden, wenn fehadliche Ausdünftungen in 
der, Luft geweſen, ‚moraus vielleicht anftecfende Seus _ 
den hätten entſtehen fönnen, daß folche durch Froft 
gehemmet worden. Der Froſt feheidet durch das 
Gefrieren das Waffer von der Luft. Wenn hingegen 
bey Thauwetter die Ausdünftung der Erde wieder her⸗ 
geſtellet und häufiger wird; fo find dergleichen Wit- 
terungen öfters ungeſund. Eine, folche Bewandniß 
hatte es vor der legten Peft in Lo Es war ein 
harter Winter, dem ein ploͤtzliches wetter folgte. 
—* war eine große Menge Waſſer au 













Eine ſolche hat 
ae große 5 hervorbringen 
die Menſchen nicht ‚anders, als in einem naffen K 
ler bey einem großen Feuer, lebten. Son 







luft ift gar ſehr von der Luft des Winters unter | 


* 


* 


untorſchieden. Siehe h. 8. und q. des er 


ben, indem fie mit der ausgedunſteten Materie der 
Pflanzen erfüllet ft. Degen müffen, nad) einer 

fen Dürre, aewiffermaßen eben diefelbe Wirkung, 
als Thauwetter nach großen Froͤſten, haben. Die 
Stadtluft iſt von der Landluft aus vielen Urſache 





4. Die Dinge in der Luft eines. jeden Hr. find, 
nach der Sage defflben, und zwar in Anfehung der 
daran liegenden Derter, von welchen die Luft durch 
die Winde bergebracht, unterfchieden. "Ein ‚hoher, 
trockener und natürlich geſunder Boden, der an ei⸗ 
nem niedrigen Marſchgrund lieget, muß nothwendig 
ungeſund werden, wenn die Winde über die Marfch- 


länder wehen. Ueber diefes ſo ziehet ein hoher Grund 
die Ausduͤnſtungen an. fih, wenn fie von niedrigem 
Erdreich in die Höhe fteigen. "Wenn man eine Lage 
eines Ortes erwählen will, fo muß man nicht nur 


auf die Befchaffenheit des Bodens, auf welchen man 
bauet, ſondern auch auf die Defhrfeneit ——— | 
Pb der daneben lieg. | 
5. Ein reicher feuchebarer. Boden , * "einen-Ale 
berfiuß an vielerley activen, flüchtigen und fchmierig» 


‚ ten Theilgen hat, und wobey fich ein ‚ziemlicher Grad 


Hitze findet, muß nothwendig anſteckende Seuchen 
in den menſchlichen Koͤrpern hervorbringen. Der⸗ 
‚gleichen find fruchtbare Wieſengruͤnde an den Geſta⸗ 
ben der Fluͤſſe, welche, nebſt der —— en 


— 


* —* die menfhfichen Ki 173 


des Frühlings, Fieber, und infonderheit abwec 
Fieber zumege bringen, ‚Sole fr —* 
in ſehr heißen Gegenden ſind hoͤchſten geſund, 
man ſolches in den Reiſebeſchreibungen findet, ‚Da 
hingegen iſt ein Fiefigter Boden an dem Ufer. eines 
laufenden Stroms gemeiniglic) heilſam. 

6. Gebürgigte Derter haben einen Ueberfuß: a an 
wärßtiäten Ausdünftungen. - Hügel und Wälder zies _ 
hen Dünfte an, - und verflopfen die Durchwehung 
der Winde, Kalkigte und’ Fiefigte hohe Erdreiche 
‚aber , die feine unfchädliche Ausdünftung haben, auch 
nicht. nahe an niedrigen und — — liegen, 
ſind gemeiniglich heilſamnm . 

7. Beydes die oͤbern Ausbänftungen der Ede und 
die Ausdunſtungen der Mineralien, welche tiefer lie⸗ 
gen, wirken auf die Luft, wie aus der Erfahrung 
bekannt iſt. Leute, die uͤber einen Boden gehen, 







wo viele Minen find, empfinden verletzende Dünfte, 


Die Seen Averniin Ungarn tödten Thiere, und auch 
Voͤgel, die daruͤber fliegen. Der Herr Boyle iſt der 
Meynung , daß mehrere Derter an Mineralien, und 
infonderheit.an Marcaſite einen Ueberfluß haben, als 
man meynet. Mineralien muͤſſen nothwendig auf 
die Luft wirken, zumal da ſie ſelbſt in die Subſtanz 
der Pflanzen dringen, in ‚deren. fehr wenig find, die nicht 
Eifen in fihh haben. Die auffteigende Dämpfe der 
Minen in Devonſhire haben alle. Pflanzen als. 


Gras, Farrenkraut u. d. g. verſenget. Alle minera⸗ 


Uſche Duͤnſte ſind nicht unheilſam. Der Hr. Doyle 





führee Erempel an von einigen, die ein 


WMiſchenden Geſchmack von ſich geben, wie in einem 
Bergwerke in Ungarn, welches ein Erz 


* —— 


174 ° Bon der Wirkung der Luft 


get, das Rothguͤlden Erz genetinet: wird, deffen 
Dunft fo erfrifchend iſt, daß die Leute in der. Gegend, 
wo es zu finden ift, ſpatzieren gehen, um friſche Luft 
zu fchöpfen. Leute, die mit Zinn umgehen, find 
niche ungefunder,, und: haben aud) fein kuͤrzer Leben, 
als andere Menfchen. Der Kalkſtein wird für. heils 
fam gehalten, Er ift warm, zerfchmelzee. gar bald 
den Schnee, und verurfachee vortrefflich und heilſa⸗ 
mes Gras. Herr Boyle hat aus einer weißen Erde 
einen. reichen volatilifdyen Spiritus herausgezogen, 
Es giebt geroiffe Mittel, wodurch man entdecken kann, 
was für Arten von Dünften in der $ufe find, und es 
Fönnte bisweilen von nicht geringen Nußen feyn, Dies 
felben zu verfuchen; Be ee 

8. Die Mittel, welche Herr Boyle anrärh, um 
zu entdecken, was für Salze die Luft enthaͤlt beftchen 
darinn, daß man folche Körper, auf welche dergleis 
chen Salze’wirfen;, der freyen Luft bloß ftelle: Ge⸗ 
färbte Seide von befondern Farben z. & wird von 
nirröfen Salzen ſchmutzig. Sachen, die aus Schwe⸗ 
fel bereitet find, ‚werden.von witriolifchen: Salzen 
ſchwarz. Es läßt fich verfuchen, was für Veraͤnde⸗ 
rungen weißem Leinen, darin weder Seife noch Lauge 
ift,, von Dünften oder vom: Thau widerfahren. Es 
fönnen Verſuche mie entfärbten, oder foldyen Kör« 
pern angeftellet werden, > worauf verſchiedene Spiri⸗ 
tus fonft ihre Wirkungen gehabt haben. + Spiritus 
Nitri auf Kupfer verurfachet ein blaffes Blau , Spi⸗ 
virus Salis ein Grün, Urinſpiritus ein tiefes Blau. 
An einigen Dertern,, als 3, & in Amſterdam, werden 
fülberne und zinnerne Schüffeln und Teller: bald ſchmu⸗ 
Sig. . Die Kupferbergmwerke in Schweden haben a 

| | a 





| N es 5 An einige — tern verfaulet 
das Hausgeraͤthe, und das Meralt voftet. Ich glau⸗ 
be aber, es ſey kein beſſer Mittel, die Luft an einem 
jeden Orte zu beurtheilen, als vermittelft des Wa 
—* welches nothwendig die Salze, Schwefel und 
Mineralien an ſich nehmen muß, durch wels 
| de es fließet. Wenn es nun von allem Geſchmacke 
dieſer Subftanzen frey iſt, ſo iſt es wahrfcheinlich, 
daß es mit dem Erdboden eine gleiche Vewandniß 
hat. Schwefeligte Dünfte, die vermittelſt einer. uns 
teriedifchen Hitze auffteigen, machen das. Waſſer der 
ellen weiß, und ſind gewiſſe Vorboten eines Erd⸗ 
bebens. Und ich glaube, es laſſe ſich der Schluß 
machen, , wo das Waſſer gut iſt, da fen. auch die Luft 
gut. Schwefel in der Luſt kann durch den Geruch 
empfunden werden, wie man ſolches bey feuerſpeyen ⸗ 
den Bergen und Stuͤrmen gewahr wird. Schwefes 
ligte Luft kann durch ein Sich angezündet. werden. 
9. Feuchtigkeit in der Luft wird durch: Spavefehe 
pia entdecket. Und eine $ufe die von Natur feucht 
iſt, verraͤch ſich felbft ducch ihre Wirkungen auf Haus» 
geraͤth, zinnerne Gefäße und verfchiedene andere Koͤr⸗ 
per, und das bisweilen in folhem Grade bey Thau⸗ 
mettern nach einem ‚großen Froſte, daß Treppen, Ti 
felungen, Gemaͤhlde und anderes. "Sauegerlep: gang 
naß Davon werden. ee 
ı0. Was bie Schivere und Eiofickdeder Su an· 
betrifft; ſo nimmt dieſelbe mit der Höhe a 2 
andern Hauptftücte erwehnet worden Und. es feheis 
net· faſt unglaublich zu feyn, daß ein Menſch im 
Bunde eines Bergwerks, da der Mercur 32 Zoll 
N | hoch 



















haoch I 
Höhe 3 le | 
Mercur auf 16 ſtehet, das if fpbär im 
erften Falle 32000, und * ph, — Pfun 
ſchwer iſt, leben Eann. . Es find vielleicht ſchwerlich 
Maeanſchen zu: finden, die beftändig in einer ‘von Dies 
fen beyden äufferen Graͤnzen der Luft leben. Wenn 
das wäre; fo müßte fich ein «großer Unterſchied 
von Naturen und Krankheiten iden. Ein kleinerer 
Unterſchied des Gewichts der Sufe. ‚abe muß eine gabe 
Beränderung der Wirkungen derfelben auf: die Ein 
wohner dieſer verfchiedenen Gegenden verurfachen. 
1. Je häufiger und: größer die Veränderungen 
der Schwere der Luft find, Ne — 
— — der 5* und, Rüchtiger —* le in der 









ir 5 ke: * — mo —*— = — — 
Winde ſind, ſind die Veraͤnderungen ‚der; — 
Mercurs nur geringe. Es muß daher eine ‚große 
Berfchiedenheit der. Naturen zwifchen den Ei | 
nern geoßer- und kleiner Breiten: entſtehen, ‚nachdem | 
nämlich die Schwere der Luft mehr oder weniger. dere 
ändert wird, Von diefen Defonderheiten erden wir 
nachgehenda noch mebr.fagen... an wine 
‚12. Die, $uft dringen durch ihre — 
ihrer Schwere zu Hülfe koͤmmt, in thierifche Körper. 
Es giebt einige Subftangen,, die, wenn fie ‚mit der 
uft vermifcht find , ‚etwas. von ihrer. Eiafticität ver⸗ 
| A unkraͤftig machen inſonderheit ſchwefe⸗ 
ligte Duͤnſte, z. E. von Lichtern und Thieren, welche 
die * zur Reſpiration ungeſchickt machen 











auf und in die menſchlichen Körper. 177 
Luft, welche ſich in ſolchen Duͤnſten aufhaͤlt, iſt von 


der reinen Luft gar ſehr unterſchieden. 


13. Die Hitze, in fo ferne fie von der Wirkung der 
Sonne herruͤhret, laͤſſet fich in verfchiedenen Himmels⸗ 


‚gegenden abmeflen. Die Quantitäten derfelben find 


von dem D. Aalley * geometrifch beſtimmet wor⸗ 
den, Zum Erempel, die Yequinoctialbige unter der 
$inie verhält fich zur Aequinoctialhige einer Breite 
von 60 Grad, wie 2 zu ı, und zu der Hiße einer 
Breite von 50 Grad, etwas weniger als 10 zu 6, 


Die tropicalifche Hitze unter der Linie ift geringer, als 


in einer Breite von 50 Grad, und verhält ſich bey- 
nahe wie 9 zu ı. Die Tropicalbige unter der Linie 
ift die geringfte von allen Sagen der Erdfugel. Die 
Tropicalhige unter den Pol ift größer, als die unter 
der Linie, und verhält fich gegen derfelben wie 5 zu 4, 
Die 24 Stunden lange Dauer der Sonne über dem 


‚Horizont überwieger den Unterfchied der Beugungen 


ihrer Strahlen. Allem Anfehen nach) würden, wenn 
feine Sonne wäre, alle Flüßigfeiten uͤber der Erde, 


‚oder in einer gewiffen Tiefe derfelben ſchlechterdings 


erſtarret und gefroren feyn, fo. daß fich überall nichts 
flüßiges finde; vielleicht würde felbft die $uft, ohne 
Wirkung der Sonne, aufhören flüßig zu feyn, Die 
Slüßigkeiten find, bey der Entfernung der Sonne in 
großen Breiten, fo fehr gefroren, daß die Quantitaͤt 
| ; Hitze 
* Abrigd. of Philof. Trans. Vol. II. p.169. S. imgl. 
des II. Bandes IV. Gt. p. 426. dieſes Magaz. allmo 
der gelehrte Herr Prof. Kaͤſiner eine Erläuterung: 
der Hallepifchen Methode, die Wärme zu berech⸗ 
nen, geliefert Bat. 23 su a Be 


4 Band. M 


78 ° Don der Wirkung der Luft 
Hitze der Sonnen, fo lange fie über dem Horizont 
ſtehet, nicht ftarf genug ift, fie zu ſchmelzen und die 
Armofphäre zu wärmen, welche durch das Eis auf 
der Oberfläche der Erde kalt erhalten wird. KHiße und 
Kälte werden in den Körpern, nad) dem Berhältniffe 
ihrer Dichte, länger und Fürzer aufgehalten. 

14. Rund um den Pol, und vielleicht auf einige 
Grade, ift eine Rinde von dichtem Eiſe, welche durch 
einen harten und Falten Winter mehr geftärfee werden 
ann, als fie bey dem folgenden Sommer. verlieret. 
Und da fie von ven Winden getrieben wird ‚fo machet 
fie die Luft geringerer Breiten fehr kalt. Große Eis: 
koͤrper, die in der Nähe find, verurfachen in großen 
Strichen Landes größere und Dauerhaftere Öraden von 
Kälte, als dem Verhaͤltniſſe ihrer ‘Breiten an und für 
fic) felbft natürlich ift, welche auch nicht eher aufbo- 
tet, als bis das Eis gefchmolzen. Die Kälte in Weft- 
indien in den mit London gleichlaufenden Gegenden ift 
weit größer. Die Gegenden, fo mitten in einem 
großen feften Sande liegen, find weit Fälter, als die, 
fo die Seeluft haben. Moſcau bat mit Edinburg ei: 
nerley Breite, und ift doch vielfäter, 
15. Diefelben füdlichen Breiten find Fälter, als die 
nordlichen, und zwar aug einer aftronomifchen Urſa⸗ 
che. Wer die Aftronomie nicht verftehet, kann ſich 
die Sache fo vorftellen: Die Zeit vom Frühlings- 
äquinoctio bis zum Herbftlichen ift neun Tage länger, 
als vom Herbftlichen zum Frühlingsäquinoetio, folge 
lich ift der Sommer auf unferee Halbfugel 9 Tage 
länger, als in den füdlichen Breiten. Da diefe Urs 
fache eine große Menge Yahre gemirfet, fo muß fie 
unfere Halbkugel mehr higen,als die füdliche. Dock. 

Halley 


auf und in die menſchlichen Körper. 179 
Zalley hat im Monat Januarius in der Breite von 
st Graden eine See angetroffen ‚die wegen des Eifes 
unfchiffbar war, welches eben fo viel ft, als Eis in 
unfern Seen im Monate Julius. 

16. Es iſt flar, daß die Graden ber Hiße an uns 
terfchiedenen Stellen der Erde mit der Wirkung der 
Sonne Eein regelmäßiges Berhältniß bat, als welche 
allezeit einförmig ift. Die große Berfchiedenheit der 
MWitterungen an einerley Orte mag vielleicht geroiflers 
maßen von einiger Wirfung der Sonne auf die Erde 
herruͤhren die den chymiſchen Operationen gleicher, 
indem fie einige unterirdiſche Dünfte von unterfchies 
dener Beſchaffenheit und Quantität zu unterſchiedli⸗ 
chen Zeiten in bie Höhe ziehe. in gemiffer Ges 
fhichtfchreiber * Hat berichtet, daß im Jahre 775 
das mittelländifche Meer in einer Weite von zo Mei⸗ 
len längft der Küfte gefroren gewefen. 

17. Die Hige der $uft beruhet gewiſſermaßen auf 
ber Befchaffenheit und der Miſchung der Hberfläche 
der Erde, welche die Hiße an einigen Orten befler, 
als an andern, zurüc behält. . Schwarze Erde ver- 
ſchlucket die Sonnenftrablen. Man lege eine weiße 
und eine ſchwarze marmorne Kugel an einem Elaren 
und heißen Tage an die Sonnenftrahlen. Die weiße 
wird ganz kalt bleiben, da hingegen die fchrwarze eine 
Hitze bekoöͤmmt, davon ein En gahr gemacht werden 
fann. Sandigter Boden, der die Sonnenftrahlen 
allenthalben zurück wirft, erhißer die Luft, ift den Aus 
gen ſchaͤdlich, und ift wegen der Hige des Sandes in 


" einigen Sändern den Füßen unerträglich. Die Hige 


der Inſel Ormus, melche jenſeit * — 
Ma N des 
⸗ Giycus. 


vVon der Wirtung der Sur 


des a lieget, ift wegen der Surlekerfüng der 
Sonnenſtrahlen von den weißen Salzgebürgen, zu 
geriffen Zeiten des Tages fo unerträglic),, daß Die 
Einwohner gezwungen find, ſich ins Waffer zu tauchen. 
18. Heiße Dünfte, die von der Oberfläche der Er: 
‚de auffteigen, erhißen die daran ſtoßende Luft. Die 
Hitze befonderer Tage rühret öfters von der Zurüd- 
werfung und Brechung der Sonnenftrahlen vun den 
Wolfen, nach den catoptrifchen und dioptriſchen Ne= 
geln, ber. Der größefte Grad Hige wird durch Rei- 
ben hervorgebracht. Die Theile, fo durch das Rei— 
ben des Feuerfteins an den Stahl abgefchabt werden, 
‚find Glas, welches die Außerfte Wirfung der Hige 
der Brenngläfer, und noch geſchwinder als diefelbe 
if. Und es ift möglich, daß die größten Graden 
Hitze in der Luft, ale Stürme und Donner, dur) 
das Zufammenftoßen und den Fall eifigter Körper i in 
Der Luft verurfachet werden. 
ı9. Die Hige nimmt mit den aus der Oberfläche, 
der Oberfläche der Erde herrührenden Wirkungen ab, 
und ift ſchwaͤcher auf den Spisen der Berge ‚als in 
Thaͤlern, weil die Luft, ‚die eine fehr dünne Fluͤßig⸗ 
keit, die Hiße nur eine Eurze Zeit zurück behält. ‘Der 
Einfall der Sonnenftrahlen verurfachet niche die ges 
tingfte dauerhafte Hiße in der Luft. Die Luft in ei- 
ner Eleinen Entfernung von dem foco eines Brenn: 
glafes, das Metall zu Glas machet, ift nicht heißer, 
als andere Luft. Die Hitze, welche in der Luft durch 
die Sonnenftrahlen erreget. wird, verlöfcher den Au⸗ 
genblid durch das Auffangen berfelben. In einem 
Gewaͤchshauſe werden die Theile, die von den refle⸗ 
ctirten Sonnenſtrahlen ass berübret worden — cn 
t fa N 


— 


auf und in die menſchlichen Körper, 181 

kalt, als die aͤußerliche Luft. Dichte Körper behal⸗ 
ten die Hitze, ſo durch die Sonnenſtrahlen erreget 
worden, laͤnger, je dichter ſie ſind, die Luft aber be⸗ 
haͤlt ſie nicht einen Augenblick, wie zum Exempel auf 
den Spitzen der Berge, wo ſie der Hitze und der Zu⸗ 
ruͤckwerfung von der Oberflaͤche der Erde beraubet iſt. 
Mitten in dem hitzigen Erftriche auf der Inſel Cey— 
Ion wird die Luft, je hoͤher man gebet, immer kaͤl⸗ 
ter. Die Spitzen der Berge find in ſehr heißen Sans 
dern mit Schnee bedecket *. Wenn man von dem 
rothen Meer in Aechiopien in die Hoͤhe koͤmmt, ſo 
wird die Luft immer gemaͤßigter, bis fie auf den Spin 
gen der Berge unerfräglicher,, als die Hige in den 
Thälern, wird. Bon der heißen Luft, und nicht 
von der Wirfung der Sonne, Eommt es ber, daß 
das Eis ſchmelzet. Die Hige der Sonnen hat an 
einem Elaven Falten Tage auf eine Fläche Eis nur eis 
ne geringe Wirkung. Joſeph von Acofta ſaget 
uns, daß auf einem hohen Berge in Peru die Luft 
; bonn erften Anblafen rödelich fen, und durch ihre 
Kälte von todten Körpern die Verweſung abhalte, 
Er berichter uns ‚ daß er auf der Spiße eines Ber⸗ 
ge8 in Peru, der vielleicht der höchfte in der Welt 
fen, nebft feinen Gefehrten ein Erbrechen befommen, 
wobey fie die Galle von ſich gegeben, welches viele _ 
leicht von der Dünne ſowohl. als auch der Kaͤlte der 
Luft hergeruͤhret. 

20. Weil die Luft in hoͤhern Gegenden kälter if, 
ſo ſcheinet die Kälte allda anzufangen , und bis an die 
Dberfläche der Erde herunter zu ſteigen. Sie wir 
ket auf das hen zuerft auf den 1 ; *— Ki 
E Mg ‚bey 
* Ludolpb. - 


| 2 .2on der Wirfung der Luft 


* der aͤußerſten Kälte in 24 Stunden 3 Zoll tief 
frierer. Daß die Anfeßung des Froftes durch nicröfe 
Theilgen in der Luft verurfacher werde, laͤßt ſich nicht 
wohl behaupten. Nitroͤſe Duͤnſte haben in Her vor⸗ 
bringung der Kaͤlte keine groͤßere Wirkung, als die 
Duͤnſte von andern ſalzigten Fluͤßigkeiten. Spiris 
tus Nitri loͤſet Eis auf. Kurz, es iſt dieſes den 
Verſuchen zuwider, in welchen Nitrum das Eis viel 
eher aufloͤſet, als hervorbringet. 

21. Bloßes Frieren iſt nicht das Maaß der Kaͤlte, 
denn es faͤngt bey 32 an zu frieren; die Kaͤlte kann 
aber zunehmen, bis ſie den vectifieirten Spiritum 
auf o bringet, eine Kälte, welche ‚menfchliche Koͤr⸗ 
per nicht ertragen koͤnnen, und worinn die ſpirituoͤſe⸗ 
ſten Fluͤßigkeiten gefrieren. Die ſtaͤrkſte Bewegung 
und die groͤßte kuͤnſtliche Hitze durch Feuer kann 
menſchliche Koͤrper kaum fuͤr das Frieren bewahren. 
Die natuͤrliche Hitze eines menſchlichen Koͤrpers iſt 
90, und er kann in Graden der Hitze zwiſchen etwas 
weniger und etwas mehr als go beſtehen. Gleich⸗ 
wie der Unterſchied der Schwere der Luft, darinn 
menſchliche Koͤrper ausdauren koͤnnen, zu bewundern 
iſt; ſo ſind auch die Graͤnzen der Hitze und Kaͤlte 
durch die Huͤlfe der Kunſt und Gewohnheit ertraͤglich, 
und zwar in einer Kälte bis o in dem Thermometer, 
und in einer Hige über Die go gemeldeten Grabe. 
Es find gewiffe Länder, als in Suagena, wo das 
Wachs fchmelzet, ob es gleich in Cabinettern ver⸗ 
ſchloſſen iſt, wo die Koͤrper im Sommer durch die 
Hitze, ſo wie in den noͤrdlichen Gegenden durch die 
Kälte, die Haut verlieren. Die Schuhe find gleich— 
a, als wenn fie mit einem heißen Eifen gebrannt 

! wären, 


f 


auf und in diemenfehlichen Körper. 183 


wären. Menfchliche Ereaturen aber müffen gemifle 
- Mittel gebrauchen, womit fie fi für dergleichen 
‚außerordentliche Hiße bewahren koͤnnen, fonften koͤnn⸗ 
ten ſie nicht leben, 
22. So wie die Hiße von der äußern Fläche der 
Erde gegen die Höhe zu abnimmt; fo erſtrecket fich 
die Wirkung des Froftes Faum 10 Fuß tief in die 
Erde; unter diefer Tiefe ift die Hitze einfoͤrmiger, in⸗ 
dem der Thermometer innerhalb einer Tiefe von 130 
Fuß ſich kaum veraͤndert, ausgenommen durch zu⸗ 
faͤllige Urſachen von Subſtanzen innerhalb dem Ein« 
geweide der Erde, Nach den Erzählungen derer, 
die ziemliche Tiefen bis an den Boden der Bergwerfe 
binabgeftiegen find, fo befinden fie fi), wenn fie aus 
der warmen Luft Eommen, und nur einige wenige 
Klaftern hinab fteigen, Fälter. Machgehends nimmt 
die Hiße zu, je tiefer fie fommen, fo daß die Berg» 
leute auc) in einigen Minen ſich genöthiget fehen, 
ohne Kleider zu arbeiten, und diefe Hiße ift ‚ohne 
Zweifel, nach dem Unterfchiede der mineralifchen 
Subftanzen, verfihieden. Die Hige, welche durch 
die Wirkung der Sonne auf die Theile der Oberflaͤ⸗ 
che der Erde hervorgebracht wird, brauche längere 
Zeit zum Ab» und Zunehmen, als die Hiße in der 
Luft oder über der Oberfläche, daß alfo die Wirte: 
rungen in der Erde nicht fo gefchwinde, als in der 
offenen Luft, ihren Anfang nehmen. 
23. Durch die Winde werden in der Miſchung der. 
Luft in Anfehung der Hitze und Kälte große Veraͤn⸗ 
. derungen hervorgebracht. Dieß gefchiehet aber nich 


duch ihre Bewegung, fondern nachdem fie über eie . 


nen beißen oder Falten Grund wehen, und eine heife 
Mi fere 


ER N ae. v2 Ma 
134 Don der Wirkung der Luft 
fere.oder Fältere Luft mit der Luft eines andern Ortes 
vermifchen, welches, nachdem die Graden der Hige 
Binzugethan oder abgezogen werden, die halbe Gum: 
me ausmacht. Z. E. Luft, die fo heiß iſt als go, 
macht, wenn fie mit einer $uft, die fo heiß als 40 
ift, vermifcher wird, eine Luft fo heiß als 60. Luft 
fo heiß als 30, die mit einer $uft fo heiß als 40 ver- 
mifchet wird, macht eine $uft fo heiß als 35. Es 
giebt heiße Winde in Africa, die über fandigte Wir 
ften wehen und fogar Elephanten tödten. Ein nörd- 
licher Wind hingegen, der auf eine mäßige Weife in 
‚einer Stunde g Meilen weher, bringet innerhalb 12 
Tagen die Luft des Pols nad) London. Aus diefer 
Urfache find in heißen Gegenden an diefer Seite der 
Linie die Mordwinde heilſam, die Suͤdwinde aber 
bringen Kranfheiten. Die Krankheit und Gefund- 
beit der Einwohner in Egypten hält ihre richtige Zeit 
mir diefen. beyden Winden. Die $uft eines jedweden 
Ortes kann dur) Winde auf hohe Grade erhißer, 
oder abgefühlee werden. Denn, wenn man, wie 
ich vorhin bemerfee habe, mit einem Blafebalge die 
Luft des Zimmers bläfer, wo das Thermomerrum 
ftehet, fo wird es dadurch weder fteigen noch fallen. 
Bläfer man aber durch heiß Metall, oder Eis; fo 
wird das Thermometrum den Augenblik durch das 
eritere fteigen, und durd) das andere fallen. Winde 
fühlen die menfchlichen Körper ab, wenn fie Fälter 
find, als die Yemofphäre der ausgedünfteren Materie, 
die fie umgiebt, indem fie diefe heißere Atmofphäre 
megblafen, und den Körper mit einer etwas Fältern 
umgeben. Die See - und Landkuͤhlungen erfrifchen 
die Luft der in der zona torrida liegenden Laͤnder, und 
Ri "find 


auf und in diemenfehlichen Körper. 185 
‚find den Einwohnern derfelben fehr zuträglich. Wo 
die $ufe durch Hitze fehr verduͤnnet ift, da dringer die 
benachbarte fältere Luft binein, um dag Gleichges 
mwichte zu erſetzen. Die Nächte in beißen Ländern 
find oft ſehr Ealt, und aus diefer Urfache der Gefund- 
heit derer, fo fich denfelben bloß fteflen, fehr nach- 
theilig. Ein öftlicher Wind bläfer in diefem Sande, 
nachdem die Sonne untergegangen ift, kalt, und ers 
fältet nach einem beißen Tage die menfchlichen Koͤr— 
per, welche vemfelben bloß geftellee find, fo fehr, daß 
auch öfters Fieber und andere Krankheiten dadurch 
verurſachet werden. _ | 

24. In großen Strichen Landes findet fich eine 
viel größere Gleichfürmigfeie des Wetters, als man 
ſich gemeiniglid) einbildet. Die Hige und Kälte ift 
in Anfebung ihrer Grade unterfchieden, fie faͤngt aber 
an und endiget fic) beynahe um einerley Zeit. Dieß 
wird durch) die Tagebücher beftätiger, die vom Werts 
fer zu Upmünfter, Zürich und Paris gehalten wor— 
den; indem an diefen Dertern merfliche Beränderun: 
gen des Wetters beynahe um einerley Zeit vorgegan- 
gen. Die Veränderungen der Schwere der Luft find. 
noch gleichförmiger; indem der Mercurius, mie fol. 
ches bemerfet worden, um diefelbe Zeit zu Paris, 
Upmünfter, Dublin, Lancashire, geftiegen und ge- 
fallen. Die Winde fommen gleichfalls, wenn fie 
ftarf find, fehr wohl mit einander überein; wenn fie - 
‚ aber nicht heftig find, fo find fie unterfchieden, indem. 
folches aus Urfachen herrübret, die auf den Dre an- 
kommen. Es erhellet gleichfalls, daß der Schnee 
der Alpen eben ſowohl einen Einfluß auf das Wetter 
in England, als auf das Wetter in Zürich hat, Da 

| N ER das 


186 Don der Wirfung der Luft 
das Wetter in großen Strichen Landes gleichförmig 
ift, fo macht e8 auch die Krankheiten gleichförmig, 
welches wir noch Fürzlich durch eugenjDeTRNn. Des 
merfungen gefehen haben, 
2 . Die Kaͤlte etlicher Winter in Brittanien * 
einigen nahe daran liegenden Gegenden, infonderheit 
die von 1708, ift der Kälte großer nordlicyen Breiten 
‘ ziemlich nahe beygefommen, indem dadurch verfchies 
dene Thiere, als Fifche und einige Arten von Bögeln 
aufgerieben worden, die kaum einige Jahre nachher 
gedauret. Am meiften aber haben die Pflanzen dar⸗ 
‚unter leiden müffen. Dennoch aber verurfachte fie 
eben fein fonderlich großes Sterben unter den Men: 
ſchen; indem diefelben fid) gegen eine gar zu große 
Kälte ſchon durch die Kunft zu verteidigen willen. 
Die Urfachen diefer großen Ausfchmweifungen der Witz 
terungen in die äußerften Grade der Hiße und Kälte 
find fehr dunkel; fie fheinen aber vielmehr von den 
Ausdünftungen, die aus der Erde entftehen, als von 
den Wirkungen der Bimmlifchen Körper herzuruͤhren. 
26. Was die Feuchtigkeit und Trockenheit anbes 
trifft, in fo ferne folche auf die menfchlichen Körper 
wicket; ſo iſt dieſelbe in der Gegend ver Luft zu bes 
erachten in welcher wir leben und Athem holen. Wo 
eine Wolfe it, da ift feuchte Luft, oder etwas, dag 
dem Gefühle des menſchlichen Körpers fo vorfönmt, 
Iſt fie aber fo hoc), daß man nicht an fie reicher; fo 
‚wird der Körper auch nicht dadurch gerühret. 


27. In trockenem Wetter ift das Waſſer in der 
Luft innerlich) mit derfelben vermifcher; und da Die 


Dünfte höher find, fo haben die menſchlichen Rue | 
eine 


auf undi in die menſchlichen Körper. 187 


feine Empfindung der Feuchtigkeit. Allein wenn 
waͤſſerigte Dinfte haufenmweife auffteigen oder herun⸗ 
ter fallen; alsbenn empfinden menfchliche Körper Dies 
felben, und fie werden mwahrfcheinlicher Weife mit der 
Luft eingefogen, welche dem Gefühle feuchter vors 
kommt, wenn das Waſſer herunter faͤllt, als wenn 
es in die Höhe ſteiget. Auch iſt die Luft feuchter, 
wenn das Waſſer in kleinen, als wenn es in großen 
Tropfen, wenn es in feinen Staubregen, als wenn 
es in großen Platzregen herabfaͤllt. Die Wirkun⸗ 
gen ver Feuchtigkeit find den menfchlichen Körpern 
empfindlicher vor großen Negengüffen, als nad) 
denfelben, 

28. Die Quantität der auffteigenden Dünfte und 
die Quantität des Waflers, fo aus der $uft herab» 
fälle, fcheinet, wie ich vorhin angemerker habe, das 
Jahr herdurch über die ganze Fläche der Erdfugel 
‚ziemlich gleich zu feyn, und made etwa überhaupt 
ohngefähr 22 Zoll aus. Aus zufälligen Lirfachen 
aber ift die Quantität an unterſchiedenen Orten ſo⸗ 
wohl, als auch an einerley Orte in unterſchiedlichen 
Jahren ſehr verſchieden. Es iſt bemerket worden, 
daß die Quantitaͤt des Waſſers, ſo aus den Wolken 
gefallen, in einer Zeit von 8 Fahren 

zu Zürich 22% Zoll 

zu Paris IQ a 

zu lpmünfter 193 « 

uPifa 434 ⸗ 
und zu Lancashire 42% > 

ausgemacht. Die Quantitäten find in-andern ut: 
kreiſen unterfchieden; ‚allein die Verhältniffe nicht fo 
fehr. Die Urfachen,, woher die — der 

uan⸗ 


388, Vorder Wirkung der Luft 


— des Regens entſtehen ſcheinen folgende 
zu ſeyn: 1) Eine feuchtere oder: waͤſſerigtere Dber- 
fläche, fo der Wirkung der Hiße bloß geſtellet ift, 
wodurch die Dünfte in die Höhe gezogen werden, 
2) Kälte in den obern Gegenden der Luft, wodurch 
dieſe Duͤnſte ſich verdicken, welche, wenn ſie zu ſchwer 
werden, in der Geſtalt des Regens, Hagels und 
Schnees herunter fallen muͤſſen. Es muß daher ei⸗ 
ne feuchte Erdflaͤche, wobey Hitze und Kälte einan- 
der folgen, nothwendig eine regnichte Witterung ver: 
urfachen. 3) Winde, welche die Quantität des Res 
gens an einem befondern Orte verändern , indem fie 
Wolfen von einem Orte zum andern führen. Hügel 
ziehen Dünfte an ſich, und Thäler nahe bey bergig- 
ten Gegenden haben gemeiniglich eine große Menge 
Degen. Was die Feuchtigkeit und Trockenheit der 
Gegend in dem hißigen Erdfteiche anbetrifft; fo ift - 
diefes die allgemeinfte Kegel: Der Regen ift am 
häuftgften, je näher die Sonne tft, und wenn die 
Sonne am fhiefeften ift, defto größer ift die Tro= 
ckenheit. Joſeph d' Acoſta bekraͤftiget dieſes, wie⸗ 
wohl nicht ohne Ausnahme. In unſerer Gegend 
fallen die ſtaͤrkſten Guͤſſe mit den groͤßten Tropfen des 
Sommers. In der Gegend des Wendezirfels nen⸗ 
nen fie die regnigte Jahrszeit ihren Winter. Cs 
falle vielleicht eine größere Quantität Regen zwifchen. 
den Wendgzirfeln, als in größern Breiten, Es fin- 
den fich dafelbft größere Flüffe und Seen, und durch) 
die größere Hitze werden auch größere Duantitäten 
Dünfte in die Hoͤhe gezogen. Diefer freyere Um— 
lauf des Waſſers ia der großen Hige das Gegen: 
gewichte, 


auf und in die menfhlichen Körper. 189 
gewichte, welche ohne Feuchtigkeit die menfchlichen 
Körper fränklich und den Boden unfruchebar machen 
würde, Die Seuchtigfeit einer Witterung laße ſich 
nicht genau nad) ber Quantität des Regens fchäßen. 
Denn viele regnigte Tage, ( während deren Zeit das 
Wetter feucht Fann genennet mwerden,) bringen öf- 
ters Feine fo große Duantirät Regen, als ein einziger 
Platzregen, auf welchen viele trockene Tage folgen; 
allein die DBeränderungen, fo in dem menfchlichen 
Körper gewirket werden, richten fich nach der Dauer 
der feuchten oder trockenen Witterungen. Die 
Quantitaͤt des Waflers, fo auf einem Strich Landes 
falle, kann aus der Befchaffenbeit der Brunnquellen 
beurtheilet werden.‘ Wo diefelben fallen, da hat es 
gewiß an einer zureichenden Quantität Waflers aus 
den Wolfen gefehlee, und die Oberfläche der Erde 
ift außer Zweifel aus dieſer Urfache trockener, und 
giebt. daher eine geringere Quantität Dünfte. Es 
finder fich nicht leiche eine beffere Maße der Feuchtig- 
Feit der Oberfläche der Erde, der Quantität der 
Dünfte, und überhaupt der Feuchtigkeit der Witte 
rung, als die Duantität des Waflers, und diefes ift 
in der That an Dertern, mo veränderliche Winde 
einen Einfluß haben, in verfchiedenen Jahren ſehr 
unferfchiedlih. Zu Upmünfter fiel im Jahre 1709 
mehr als 25 Zoll vom Regen, und im Jahre 1714 
meniger als 11% Zoll, welches noch über den Untere. 
fhied von 2 gegen ı if. Zu Paris fiel im Jahre: 
1693, 24. 18. und 1705, 14. 82. ein Unterfchied. 
beynahe von 7 gegen 5. Große Ausſchweifungen 
der Wirterungen von Trockenheit zur Feuchtigkeit 
En De 


X 


1990 Von der Wirfung der Luft 
verurfachen in den förperlichen Befchaffenheiten und 
Krankheiten der Menfchen große Beränderungen. 
So weit als die Bemerkungen geben, fcheinen tro» 
dene Witterungen von beyden die gefährlichften zu 
ſeyn. Das Jahr 1714 war dem Vieh wegen Man: 

gel des Waſſers nachtheilig; es war aber auch für 
die Menfchen ungefund, und zwar vielleicht wegen 
des Mangels einer gehörigen Quantitaͤt Waſſers in 

der Luft. | Ken. RZ 


29. Feuchte Luft dringet durch die Porog der dich. 
teften Körper, und, wie vorhin bemerfet worden, 
ziehen menfchliche Körper die Feuchtigkeit mir der 
Luft ein. Vielleicht ift auch eine gehörige Quanti⸗ 
tät derfelben zu dem vollfommenen Zuftande ſowohl 
der flüßigen als feften Theile nothwendig, Ein 
Schwamm nimmt, vermittelft der Feuchtigkeit der 
Luft, ohngeachtet des Feuers in einem Zimmer, um 
2 an feinem Gewichte zu; wenn das Feuer aber 
abnimmt, fo mwächfer er noch mehr am Gewichte, 
Schafleder nimmt die Feuchtigkeit der Luft in großer 
Maße an. Auch Knochen ziehen diefe Feuchtigkeit an 
fih. Die Räude unter den Schafen wird durch 
eine gar zu große Feuchtigkeit der Luft verurfacher. 
Vermittelſt Hygroſcopien, und infonderheit folcher, 
die von Schwämmen gemacht find, Eönnen verfchie= 
dene nüßliche Anmerkungen in Anfehung der Wirte» 
rungen und deren Einfluß in die menfchlichen Körper 
angeftellee werden, Durch Hngrofcopien hat man 
bemerfet, daß Winde öfters die Feuchtigkeit der Luft 
vermindern, indem fie die Dünfte wegblafen, er ; 

2 | ie 








T 


auf undindiemenfehlichen Körper. 191 
je die buft austrocknen, und fo verurfachen fie gleich— 
— die Quantitaͤt der Ausduͤnſtungen zunimmt, 
indem fie den Ueberzug von Duͤnſten, welche eine Flaͤ⸗ 
che Waſſer bekleidet, wegblafen, und einen neuen an 
deſſen Stelle entftehen laffen. 
30. Feuchtigkeit vermehret das Gewichte und die 
. Größe aller Pflanzen, und macht, wie man bemer» 
ket hat, alle einfache Fibern ſowohl an Pflanzen als 
Thieren fchlaff; folglich koͤnnen von einer feuchten 
Luft alle Krankheiten verurfachet werden, die von 
fehlaffen Fibern berrühren, und fo müßten auch die 
Kranfheiten und Naturen der Menfchen in feuchten 
ändern und Witterungen befchaffen fenn. Eine fehr 
trocfene Luft hingegen ſauget alle Feuchtigfeit aus 
thierifchen Körpern heraus. Hitze mache fchlaff, 
- noch weit ftärfer aber wenn fie mit Feuchtigfeic ver- 
fnüpfer ift. Don diefen Materien will ich nachge= 
hends handeln. | | 
31. Was ich im 2. Hauptſt. $. 7. von dem großen 
. Unterfchiede des Gewichtes der Luft, den menfchliche 
‚Körper aushalten fönnen, gefagt habe, ift auch in 
Anfehung der andern Eigenfchaften der Luft wahr. 
Es ift wunderbar zu bemerfen, daß ein und daffelbe 
Gefchöpf, nämlich dee Menſch, in fo manchen ver- 
fhiedenen Gegenden wohnen Eönne. Ueberhaupt zu 
reden, fo Fonnen Thiere warmer Länder in falten Ge⸗ 
genden nicht leben. Africanifhe Thiere koͤnnen vie 
Kälte der offenen Luft in England kaum erfragen, 
die hingegen für die Rennthiere zu warm if. Ein 
Menſch hingegen kann von der Luft unter der Linie 
an bis in einer $uft von 75 Graden Breite leben. 
Be 4 Was 


192 Von der Wirkung der Luft ꝛc. 
Was aber den Unterfchieb zwiſchen den Menſchen 
und andern Thieren ausmachet, iſt dieſes daß die 
Menſchen viele Huͤlfsmittel von der Kunſt herneh⸗ 
men, die ſie faͤhig machen, eine ſo ſehr von einander 
verſchiedene Luft zu ertragen. Unvernuͤnftige Thiere, 
die ihrer eigenen Wahl überlaffen find, erwählen, in. 
ſo fern ſie ihren Endzweck durch die Bewegung von 
einem Orte zum andern erhalten können, diejenigen 
!änder und Gegenden, die fi) am — fuͤr ihre 
Naturen ſchicken; und % würde es der Menſch viel⸗ 
leicht auch machen, wenn er ſeiner eigenen Wahl 
uͤberlaſſen waͤre. Allein er iſt in Geſellſchaft, unter 
einer Regierung, und Leidenſchaften unterworfen, 
denen er die groͤßten Guͤter der Geſundheit und des 
Lebens ſelbſt aufopfert. Es giebt aber auch noch an« 
dere Urfachen der Wanderung großer Heerden Men: 
fchen,, wenn ihrer nämlich fo viel geworden, daß fie 
die Sander, welche fie bewohnen, gar zu ſehr uͤber⸗ 
haͤufen. 

(Die Fortſetzung künftig.) u 





+ 


175 © SEE ‚193 


EEE ET T Tee 
alter — IV in “ 


F 


Naturgeſchichte 
der HEN 


Inſel Tabago. 


ıbago und deffen fruchtbarer Boden bedarf 
feiner Lobrede; die Inſel lobet fich ſelbſt: und 
‚alle, die fie gefehen: haben, ftimmen darinn 
überein, daß jiemit allen übrigen Caribiſchen Inſeln 
um den Borzug flreite. Sie liegt ın Grad 30 Minuten 
Morderbreite, gegen Welten von Lizard, und ohn- 
gefahr go Meilen von den blühenden Berbadifchen 
Inſeln, wie der Capitain Lloyd in feinem kurzen 
‘Bericht verfichert, welcher gleichfalls faget, daß fie 
‚die befte, bequemite und geſundeſte von allen Caris 
bifhen Inſeln ſey. Und das iſt fie auch in der 
Thar, weil fie durch die gelinden und allgemeinen 
Winde gemäßiger wird, welche des Tages die Ein— 
wohner erfrifchen, und des Machts die Luft reinigen. 
Des Tages entftehen diefe Winde von der See, und 
erheben fich mit dem Aufgange der Sonne, fo wie 
Diefe Gegend: durch die nächtlichen Winde mit fanfz 
— | fern 
* Diefe Nachricht hat ung ein guter Freund aus London 
- in Englifiher Sprache zugefandt. Sie ift niemals ges. 
druckt worden. Ein Eapitain, Namens John Poyns, _ 
der für fich ſelbſt und feine Gefellfchaft im Jahre 1683 
von dem Herzoge von Eurland , als damaligen Befi- 
Ger der Inſel 120000 Acker Landes gekauft hatte, bar 
dieſelbe aufgeſetzt. ER 





1194. Noturgefhichte 

tern: Kuͤhlungen erfriſchet werden, die von den Felſen 
und Gebuͤrgen herkommen. Man bat auch niemals 
gehöret, daß die Wuth eines Ungemitters Die Einwoh- 
ner in Schreden geſetzet, und man weiß nicht, daß fie 
von dem Wüten eines Ircang jemals wären überfal- 
fen worden, welches für die übrigen Caribifchen In⸗ 
fein um fo viel ſchrecklicher, und folglich um fo viel 
ungluͤcklicher ift. Diefe Inſel lieget ſuͤdwaͤrts und am 
nächften an den Spanifchen Küften, welche, ſo viel 
man von den Einwohnern gehoͤret, noch niemals von 
einem Orcan angegriffen worden. Dieſe Inſel iſt in⸗ 
deſſen nicht uͤber zo Meilen lang, und ich muͤßte mich 
ſehr irren, wenn fie mehr als ır Meilen breit wäre, 
welche Ungleichheit doc) aber ziemlichermaßen durd) die 
natürliche Lage der Bufen und Haven für die Schiffe 
wieder erfeßet wird, wohin die Flüffe, Eleinen Bäche 
und größeren Deffnungen ‘gehören , die für Chaloupen 
und Fleine Fahrzeuge fehr bequem find, welches denn 
den Einwohnern fowohl zur Erlangung ihrer Noth- 
wendigfeiten, als auch zu ihrer Verteidigung fehr 
vortheilhaftig ift. 

Sie erwirbet fich felbft den Zunamen der glückti, 
cben Inſel, wiewohl fonften die Holländer fiedie un- 
glückliche genennet haben , indem diefelbe fie durch ihre 
Annehmlichkeiten an fich gelocfet, und andere Fürjten 
gereizet, mit ihnen gleiches Glück zu genießen. Nun⸗ 
mebro lebet diefe Inſel im Friede, und ihr Erdreich 
ift ohne Kunſt und ‘Bearbeitung fo fruchtbar, daß ei⸗ 
nige ſie uͤr das Indianiſche aradies gehalten. Ihr 
Boden hat eine vortreffliche Tarbe, fo an einigen Or⸗ 
ten eine, angenehme Rothe, an andern aber eine ſchoͤne 
Schwärze zeiget. Es ift derfelbe von einer fehr Be 

Beſcha 


der InfelTabäge. 195 


Beſchaffenheit, und dieſe Fettigkeit erſtrecket ſich ſehr 
tief hinein in die Erde. Dieß erhellet deutlich aus dem 
erſtaunlichen Wuchs ihres feiten und ſchweren Bauhof: 
jes, aus ihrem natürlichen Reichthum und ihrer Frucht» 
barkeit an Lebensmitteln, aus ihren fo wohlſchmecken— 
den Früchten, und aus der großen Kraft ihrer Wur⸗ 
zeln, Blumen und Kräuter. Leber diefes bar fie die qů⸗ 
tige Natur mit einer Menge Thiere verforger, und der . 
Himmel hat fie mit einer fruchtbaren Menge von Wöz 
geln, wie auch Fluß: und Seefifchen reichlich gefegnet. 
Die Einwohner diefer Inſel haben es weit beſſer, 
als die , fo meiter hin nad) Morden wohnen, und 
zwar wegen der fo gemäßigten Hiße, die, wie fchon 
gedacht, von den beftändig fühlenden Winden ver⸗ 
urſachet wird. Sie bringen keinen Sommer damit 
zu, ſich Vorrath auf den Winter zu haͤufen, indem 
die Kraͤuter und Fruͤchte das ganze Jahr herdurch, 
als in einem beſtaͤndigen Fruͤhlinge, wachſen und 
hervorſchießen; und die Waͤrme an und fuͤr ſich ſelbſt 
iſt zur Unterhaltung des Alters eben ſo bequem, als 
der alles hervor bringende Fruͤhling zur Ermunterung 
der Jugend. Die Inſel iſt ſo voll von Baumaterialien, 
‚daß, wenn nur geſchickte Hände und gute Kuͤnſtler bin- 
gebracht werden, man in kurzer Zeit und mit weniger 
Mühe Häufer, Städte und Beftungsmerfe aufrichten 
fann. Wir müffen nunmehro auch den Wülhs des 
Landes betrachten, der durch Fleiß und die Mittel der 
Kunſt gar fehr kann befördert werden. 
Wir wollen von dem Indianifchen Korn den. 
Anfang machen, welches eben fo ift, als das, fo in 
Virginia, Neuyork, Carolina u. f. w. npächfet, 
und nachgebends von dem Buineifchen und ande 
| Nr rem 


196 Naturgeſchichte 
rem Korne reden, fo auf der Inſel waͤchſt. Engli⸗ 
ſches Korn waͤchſet allhier gar nicht, wiewohl ſich 
allhier Engliſche Erbſen, und noch dazu von ver⸗ 
ſchiedener Art, nebſt Bohnen und Huͤlſenfruͤchten 
genug finden, wie aus dem folgenden erhellen wird. 
Das Indianiſche Korn waͤchſet mit kleinen Sten⸗ 
geln auf ſtarken Halmen, die man den Barbadi⸗ 
ſchen Inſeln zur Zeit der Erndte unter den Zucker— 
Eeffeln verbrennet, Er bat eine fehr zäferigte Wur— 
zel. Einiges davon bringet eine, anderes zwo, und 
noch anderes 3 Aehren. Die grünen Blätter deſſel⸗ 
ben werden in den meiften Caribiſchen Inſeln ab« 
geftreifet, und dem Vieh gegeben. Won diefer Are 
Korn hat man jährlich zwo, wo nicht gar drey reiche 
Erndten zu gemwarten. Es wird gutes Brodt, mie 
auch mit Feiner fonderlichen Kunft ein fehr wohlſchme⸗ 
ckendes Getränfe daraus gemacht. Kae | 
Das Guineiſche Korn koͤmmt an Geftale und 
Befchaffenheit dem Reiß ziemlich nahe, ausgenom= 
men daß der Reiß dünnere Stengel und Fleinere Aeh⸗ 
ven bat, und.nicht anders als auf feuchtem Erdreich 
wächfer.  Dieß Korn bingegen mwächfer auch oben 
auf den Felſen, und trägt auf jedem Erdreiche Frucht. - 
Die Halme find ftarf , di und lang, und das Korn 
wächfer an der Spiße des Halmes hervor, Es hat 
eine säferigte Wurzel, und vermehret ſich faft uns 
glaublich. Denn aus einem einzigen Korne entſte⸗ 
ben von ratur, ohne die geringften Hülfsmittel der 
Kunſt, viele taufend, "Man machee Brodt, Klöße - 
und Würfte davon; einige; machen es auch aus den 
Huͤlſen, wie den Reiß, und £ochen es min Milch. 


Die 


der Inſel Tabage. 197 


Die fogenannten Bonivis fehen aus wie Erbfen, 
wiewohl ſie etwas laͤnger ſind. Wenn dieſe Frucht 
einmal in die Erde gebracht iſt, fo iſt Feine menſchli— 
che Kunft fähig, diefelbe auszurorten, fie ſchießet bes 
ftändig hervor, blühet, und verforget den, der fie ges 

pflanzer, das ganze Jahr berdurch, mit grünen und 
reifen Erbſen. Sie giebt den beften Türfifchen Boh— 
nen niches nach, wenn fie nur einigermaßen gut ge⸗ 
kocht, und mit frifcher Butter gegeffen wird. Dieß 
muß aber gefchehen, wenn fie noch) geüm und zart ift. 
Denn wenn fie reif geworden, fo werden ihre Hilfen 
weiß. Wenn fie alsdann getrocknet, und wie ans 
dere Hülfenfrüchte gefocht wird, fo iſſet man fie zum 
Schweinefteifch ‚und eg ift eine febr nahrhafte Speife, 

Hiernaͤchſt giebt es allhier Tuͤrkiſche Erbſen, 
die in Martinique ſo ſehr bewundert werden. Dieſe 
ſind gleichfalls eine ſehr geſunde und nahrhafte Speiſe. 
Sie ſind auch ſehr fruchtbar, und tragen das ganze 

Jahr herdurch. 

Eben ſo iſt es auch mit den Jamaica⸗ oder Fuͤnf⸗ 
Wochen ⸗Erbſen beſchaffen. Wenn die Einwoh— 
ner nur einigen Fleiß anwenden, ſo koͤnnen ſie keinen 
Mangel daran haben. Wer auch dieſe Fruͤchte nicht 
hat, dem fehlet es dennoch niemals an andern guten 
und geſunden Speiſen. Wie aber der Muͤßiggang 
ein Gefaͤhrte eines ſorgloſen Lebens zu ſeyn pfleget; 
ſo gerathen dennoch einige aus gar zu großer Bequem⸗ 
lichkeit in Armuth. 

Es giebt auch Welſche Erbſen und ſchwarz⸗ 
aͤugigte Erbſen, die faſt einerley Natur und Ei» 
genfchaften haben, und die von einigen für eine Arze⸗ 


ney gehalten werden. 
N3 Tauben⸗ 


18 


j 





Tauben-oder Feld re wo bier gleich- 


falls, und find ein angenehmes Effen; fie müffen aber, 


wenn fie noch jung und ihre Schalen noch Bu find, 
mit frifcher ‘Burrer gegeflen werden. =. 

Man hat alldier auch Tuͤrkiſche Bohnen von 
befonderer Größe. 

Es bringet diefe Inſel auch über dieſes, zu jeder⸗ 
manns Verwunderung noch andere beſondere Arten 
von Huͤlſenfruͤchten hervor, die gleichſam von Natur 
uͤber die ganze Inſel ausgeſtreuet —* und das ganze 
Jahr durch hervorſchießen. 

Wenn Sommerkorn in dieſes — Erd⸗ 
reich gebracht wird, ſo fehlet es demſelben niemals 
an einem reichlichen Wachschum. Mir einem Worte: 
Niemand darf beforgen, allhier Hungers zu ſterben. 

Ich erinnere mich dabey der wunderbaren Erhal- 
fung eines Holländers, mit Namen Otto Eden, 
der in einem kleinen Fahrzeuge von Suriname ge: 
flüchtet, um fich und feine Familie zu erhalten, wel⸗ 
cher auch durch Gottes wunderbare Fuͤgung auf dieſer 
gluͤcklichen Inſel angelanget und feinen. Unterhalt ge= 
funden hat. Er war fremd an dieſem Drte, hatte feinen 
Biſſen Brod zu effen, und feine halb’ verhungerten 
Kinder meinten um ihn herum, worüber er in eine 
tiere Traurigkeit geriech. Ein Proteftantifcher In⸗ 
dDianer, der mit ihm geflohen war, fragte ihn nad) 
der Urſache folcher außerordentlichen ‘Berrübnig. Und 
als er zur Antwort gab: er, der fonft fo manchen 
Menfchen ihren Unterhalt gefchaffer, hätte jetzo felbit 
nicht Das geringfte zu effen; fo verfegteder Indianer: 


⸗Der Gott, der euch bisher erhalten, bat euch in ein 


„gefegnetes Sand gebracht. Verzweifelt daher nicht. 
„Geber 


der Inſel Tabago. 199 


Gebet mir einen oder zween Schwar e und ein paar 
„Aexte mit, fo will ich euch bald was zu eflen brin« 
„gen. Diep gefehahe auch in der That, Der In— 
dianer hieb einen großen Wiaccaws Baum um, der 
fo dick war, als ein Mann im Leibe, nahm dasweiß- 
liche Marf heraus, fo nahe an dem Gipfel diefes 
Daums jißet, ftieß folches in einem Mörfer, preßte- 
den Saft heraus, und fochte einen Pudding davon. 
Das übrige trocknete er, und rieb es zu einem feinen 
Mehl, aus welchem er mit nichts anders als reinem 
Waller Kuchen machte; von welhem Brodte ich 
noch felbft, bey meiner Ankunft in Tabago, in eben 
diefes Edens Haufe gegeffen habe. Ich glaubte 
auch, ehe ich diefe Erzehlung hörte, in der That nicht 
anders, als daß es holländifcher Zwiebad von Weis 
zenmehi waͤren. 

Von den Fruͤchten dieſes Landes gedenke ich zuerſt 
des Ruͤſſenapfels, welcher Eſſen und Trinken zu— 
gleich verſchaffet, der aber auf eine beſondere Art 
muß gekocht werden. Wenn die Nuͤſſe davon aufge- 
hoben werden, fo fanıı man fie effen; und aus der 
‚Rinde fann man, wenn fie noch grün ift, durch eine 
gar geringe Kunſt ein vortreffliches Lampenoͤl machen, 

Die Frucht, welche Bonano beißt, wird fo fehr 

‚bewundert, daß die abergläubifchen Catholiken fie 
auch nicht mit einem Meffer fehneiden dürfen, damit 
fie das Kreuz, fo diefe Frucht vorftellet , nicht verder- 
ben. Sie fann roh gegeffen werden; fie ſchmecket 
aber beffer, wenn fie gelinde gefocht wird. - 

Man hat hier au) Seigenbäume von eben ber 
Art, als in Spanien, Portugall, und verfchiedenen 
andern Orten in America. Man Eann fie, wenn fie 
| — Na4 reif 


N. ur are 
200 Naturgefihihte 

reif geivorden, eflen; es kann aber aud) sein gutes 
Getraͤnke daraus gemacht werden. 

Hiernaͤchſt hat man hier den Stachelapfel , der 
von einem herben und ftarfen Geſchmacke, und bey 
den Indianern ein Mittel wider den Blutfluß ift. 
Er laͤßt fih gut mit Zucder einmachen; man, ann ihs 
auch zum Faͤrben gebrauchen. 

Die Stachelbirn aber iſt in der That eine von 
den allerſchoͤnſten Fruͤchten in ganz pen | 

Granataͤpfel find bier in großer Menge. Sie 
find reſtringirend und Fühlend. Die Einwohner be: 
dienen fich derfelben bey Fiebern und Fluͤſſen. | 

Der Sichtenapfel ift eine fo vortreffliche Feucht, 

daß ich es nicht genug befchreiben Fann, Einige ha— 
ben eine Krone, und werden als Könige der Früchte 
angefehen, Die, fo drey Kronen haben, werden 
von dem abergläubifchen Wolke faft angebetet. Die 
Frucht an fich ſelbſt iſt ſehr angenehm, und der Saft 
in Bouteillen aufbehalten, iſt ein herrliches Getraͤnke. 

Es fehlet hier auch nicht an Citronen. Von 
Orangen find Hier dreyerley Arten. Die fauren 
werden zu Saucen gebraucht. Von der andern Art 
laflen ſich aflerley Effenzen machen; und die füßen 
werben zur Erfrifchung gegeflen. Die Ehinefifchen 
Drangen aber, die bier in America wachfen, über: 
treffen die Europäifchen über alle Maße. Don Kir 
monien giebt es bier gleichfalls zwo Arten; die fau= 
ven werden zu Limonaden gebraucht, und die füßen 
werden gegeflen. 

Guavers find eine Frucht, die fehr ſteinigt if. 
Es giebt weiße und rothe. Sie find aber in Anſe— 
bung ihrer Wirfung unterfchieden. Wenn fie grün 

gebacken 


/ 
e 


der Infel Tabago. äh 


gebacken oder gefocht werben , fo fonnen beyde Arten 
als ein gutes Mittel wider den Durchlauf dienen. 
Wenn man fie von den Steinen reiniget, fo laffen fie 
ſich gut mit Zucker einmachen. 

Tamarinden wachſen allhier von fich felbft. Es 
iſt eine angenehme Frucht, und leiſtet bey Fiebern 
gute Dienſte. 

Der Plantainbaum aber bringet diejenige Frucht 
hervor, die den Schwarzen am angenehmſten, und ſehr 
nahrhaft und heilſam iſt. Einige eſſen ſie roh, wenn die 
Natur ſie reif gemacht hat; andere braten ſie, ehe ſie reif 
wird; und noch andere lochen ſie. Gebraten giebt ſie 
Brodt; gefocht Fann fie zu einer Sauce, wie auch zum 
Einmachen dienen. Wenn fie aber in der Sonne gedör- 
ret iſt; fo kann ein ſchoͤnes Mehl daraus gemacht werden. 

Trauben find bier in großer Menge. Sie wer: 
den fo, mie fie wachfen, aufgegeffen. Man denket 
bier nicht daran, Wein zu machen, indem man ans 
dere und vortheilhaftere Abfichten bat. | 

Der Cuſtard⸗ Apfel ift einer der angenehmften 
vom Geſchmacke. 

Der Sowre-Sop wird von einigen zum Effen, 
von andern zum Trinfen gebraucht. 

Der Papaw-Apfel ift fehr angenehm, wenn er 
— einer Sauce gebraucht, und mit geſalzenem Rind⸗ 
fleiſch gekocht wird. 

Der Mamme⸗Apfel waͤchſet bier fo groß; als 
eine Dfundbirne. Er bat eine gelbe Farbe, und 
wird eingemacht gegeſſen. Es giebt noch eine andre 
Art davon, die eben ſo beſchaffen iſt, als die erſte, 
bloß mit dem Unterſchiede, daß ſie (ac — die 

andere aber nur einen hat. — 
nam Die 


202 Naturgefihichte 


Die gelben Pflaumen *— hier allenthal⸗ 
ben, und ſind eine ſehr ſuͤße Frucht. Es iſt aber gar 
wenig daran zu genießen, indem ſie große Steine und 





eine ſehr dicke Schale haben. 


Es giebt bier auch Rirſch⸗Baͤume, welche das 
ganze Jahr herdurd) tragen, Deren Seuche: einen et⸗ 
was fcharfen Gefchmad hat. Auc) finder fich eine 
Art Kirſchen, welche die Spanier Purgas nennen, 
die, wenn fie vollfommen reif geworden, fehr füß 
und von einer fühlenden und eröffnenden Befchaffen- 
heit find. 

Den Cacao⸗ Baum und feine Frucht beten die 
Eenianer faft an, und nennen ihn Gottes - Baum, 
indem er ihnen Eſſen, Teinfen und Kleidung ver 
ſchaffet. Die Nuß an und für ſich felbft ift füßer, 
als die füßefte Mandel, und der Saft, der fich mit» 
ten in dieſer Frucht finder gehet ben Slorentiner 
Wein über, Die Schale dienet zu Bechern , Löffeln 
und Gefäßen. Die Rinde, fo die Schale umgiebr, 
gebrauchen die Indianer zu ihrer Bedeckung. Mit 
den Blättern decken fie ihre Haͤuſer, und machen 
Körbe daraus; noch andere wiſſen fich Stride und 
Netze zum Fifchen daraus zu bereiten. 

Bon der Schale der !YIaccam + LTuß machen die 
Indianer die Köpfe ihrer Tobackspfeifen. Der Kern 
laͤſſet fich eſſen, ift aber nicht fonderlich von Geſchmack; 
die Nuß an fich felbft giebt ein vortreffliches Lampenoͤl. 

Man bat hier auch zwo Arten von Melonen. 
Die eine wird Musk, und die andere Waflır-Mes 
Ionen genannt, Die erfte fehneckt unvergleichlic) ; 
die andere aber g ebt Effen und Trinfen zugleich, und 

man Fann niemals zu viel davon genießen. en 

on 


— 


um 


der Inſel Tabagı. 203 
WVon dem Baume, worauf die mediciniſche Nuß 
waͤchſet, werden Zaͤune gemacht. Die Nuß an und 
für ſich ſelbſt iſt ein ſtarkes Emeticum und Catharti⸗ 
cum. Wenn fie ganz in Waſſer geweicht und ge 
kocht wird, fo giebt fie ein fhönes fampenöl, — 
Penguins find eine herbe und ſcharfe Frucht. 
Die Indianer loben fie wegen ihrer guten Wirkung 
bey Fiebern. | 
Gurken finden ſich hier von zweyerley Arten, das 
von Die eine roh gegeflen, die andere aber eingepefele 
wird. Auch giebt es ungeheure Rürbis, deren Größe 
zu fagen ich mich ſchaͤme, weil man mir vielleicht nicht 
glauben möchte. Man macht hieraus einen Gallert, 
- der bey gefalzen Rindfleifch ungemein ſchmecket. Man 
hat bier noch ziwo Arten von Kürbis, die fügen, die 
‚gekocht werden, und deren Brühe als eine Arzney ge— 
braucht wird, und die wilden Kürbis, "woraus man 
allerley Werkzeuge und Gefäße macht. 
Zu den Wurzeln dieſes $andes gehören die Pota⸗ 
toes oder Patatas. Sie ift von dreyerley Art, die 
weiße, die gelbe und die rothe. Die weiße und rothe 
werden zur Speife gekocht, und find ein allgemeines 
Eſſen in ganz Indien. Von der gelben Art wird 
vermirtelft eines Zufages von der rohen ein angeneh- 
mier Saft gemacht, der ‚wenn er mit Zucker verſuͤßet 
worden, und 24 Stunden in Bouteillen geftanden, ge: 
frunfen werden kann. Diefer Saft hat ven Namen 
WMobby, und ift das allgemeine Getränfe in der 
Inſel Cabago. aa 
Man hat auch Wurzeln, die Eddies genannf 
werden, und ganz unvergleichlich find ; imgleichen 
— Names, 


24 Maturgeſchichte 

- Domes, die in der ganzen Wele niche beffer zu fin⸗ 
den. Es ift eine gefunde nahrhafte Wurzel. Es find 
über diefes noch viele andere, die ich nicht alle zu nen= 
nen weiß. Diefe und die Patatoes find ihr, natürs 
liches Brod , wo ich es anders fo nennen Eann. 

Man hat auch Rüben, Paftinatwurzeln, Zwiebeln 
und rothe Rüben. Diefe feßtern aber werden durch 
die Runft hervorgebracht, und gehören nicht eigent« 
lich zu den natürlichen Früchten des Landes, 

Ich muß auch noch der Caſſado⸗Wurzel geden⸗ 
fen, deren Saft giftig ift, und den Tod verurfacher. 
Das Brod aber, fo davon gemacht wird, ift, wenn 
es in gehöriger Ordnung und mit dFleiß verfertiget 
wird, ſo geſund, als das Brodt von dem feinſten 
Mehl, und das Getraͤnke, das man Er 
gehends aus dem Brodte mache, ift fehr ſtark. 
fuͤhret den Namen Pereno. 

Wer allhier Fleiß darauf wendet, der kann alle 
Arten von Salat wachſen machen: denn die Natur 
hat dieſe Inſel mit allerley gleichſam impraͤgnirt; ; und 
es ift in der That zu bewundern, wie das Erdreich 
allhier fo fruchtbar feyn Fann, da es doc) von einer 
nitröfen Luft ernaͤhret wird. 

Es giebt bier ‚eine Rinde, welche Beh — 
Tabago⸗ Zimmer führer, und auf einer Staude 
wächfee. Hiernächit hat man langen Pfeffer, der 
alfenthalben heroorfchießer , wie auch Aülfenpfeffer, 
Glockenpfeffer und runden Pfeffer, theils roth, 
theils grün, fo von Matur, ohne gebauet zu werden, 
wächfer, Ferner iſt bier das berühmte Americanifche 


Gewürz, ber Jamaica⸗Pfeffer, der den Geruch, 
die 


der Inſel Tabago. | 205 


die Farbe und den Geſchmack von Nägelein und Zims 
met har. 

Ueber dieß befchenfer diefe Inſel ihre —— 
mit noch vielen andern trefflichen Früchten und Wur⸗ 
zeln auf das reichlichfte, nicht um etwa ihre daran 
gewandte Arbeit zu belohnen, fondern gleichfam aus 
einer gütigen und angebohrnen Großmuth. 

Auch fehler es diefer Inſel nicht am Fleiſche. 
Wilde Schweine find allhier in unzähliger Menge, 
Es werden ihrer jährlid) wenigftens 20000 gefäller, 
und doch) nehmen fie fo unglaublich zu, daß es un 
möglich feyn würde, fie gänzlich zu vertilgen. Die 
Einwohner der Barbadifcyen Inſeln fällen einige 
davon, und von den übrigen Caribiſchen Inſeln 
fommen fäglic) Leute herüber, die fie erlegen und an 
der Sonne dörren oder einpeceln, 

Der Pickery’ ift ein Thier, fo einem Schweine 
ziemlich ähnlich fommt, ausgenommen daß es vers 
mittelft des Magens Athem holet, der ſich mehren: 
theils in der Mitte feines Ruͤckens zuſammenziehet. 
‚Diefes Thier ift gefchwinder zu Fuß, als ein Schwein ; 

Fleiſch ift aber auch magerer, und ſchmecket mehr 
ah Wildprät , als nad) Schweinfleifh, Es ift 
auch nicht fo leicht zu jagen, als die Schweine, weil 
es gefchwinder und den Hunden fehr gefährlich iſt. 
Man kann fich feiner gar felten anders als vermiktelft 
Flinten oder Pfeile bemächtigen; denn es hat fehr 
große Hauer, die es auf- und niederwärfs bewegen 
Fann. So fürchterlich es aber auch zu ſeyn fcheiner, 
fo hat man doc) bisher. noch niemals — 
daß es * — Ioegegangen wäre, — 


Man 


206 Naturgeſchichte 


Man findet hieſelbſt eine große Menge * FRE 
dillen, welche die Holländer Tattoos nennen, die 
auf ihrem Ruͤcken mit einem Harniſche verfehen find. 
Die geößeften unter ihnen find nicht über einen Fuß 
hoch. Sie ernähren fich gemeiniglich von Kräutern 
und Wurzeln. Wenn fie gebraten werden, ſchme—⸗ 
en fie natürlich wie Ferkeln; das Fleiſch aber ift 
viel gefunder ‚ nicht anders als wenn es von Natur 
zur Cur eines überladenen Magens wäre gemacht 
worden, 

Uebrigens ift allhier fuͤr Kuͤhe, Schafe, Pferde, 
Eſel, Hirſche, Rebe, Schweine, 3iegen, Bas 
ninichen ꝛc. die befte Weide, fo daß fein — 
an Senſelben zu finden. 

In dieſer Inſel trifft man auch zwo Arten von 
Guanos an. Die eine Art iſt grün, die andere 
grau, Die graue iſt faſt wie eine Eider gebildet, 
und gleichet einigermaßen dem Alligator. Ich 
babe einige davon geſehen, die 4 bis 5 Fuß lang wa⸗ 
ven. Sie leben Bon Kräutern , Inſecten und Fruͤch⸗ 
ten, und graben in den Sand, wie die Kaninichen. 
Die Jndianer rühmen fie, daß ſie gut zu eſſen ſind⸗ 
Der grüne Guano aber iſt eine zaͤrtlichere und nahr— 
baftere Speife, der bloß von Früchten und Fliegen: 
lebet. Er ift auch nicht ſo groß, als der graue; er 
gleicher dem Camäleon , bält fih auf Bäumen und 
nicht in Selslöchern auf: ; er laͤßt fih auch nicht: * 
fettem Erdreiche finden. 

Das Indianiſche Raninichen iſt ein särtliches 
hier, aber viel länger , größer und dicker, als unfere. 
Sie find angenehm, gefund und zart zu eſſen, und 
ihre Haͤute riechen ſtark nad) Musfus ; ; daher eg 

— 





der Infel Tabage. 207 


auch gekommen, daß einige Fremde, wiewohl etwas 
uneigentlich ſie Zibethkatzen genennet. Ihre Felle 
dienen indeſſen, zumal wegen ihres —— Ge⸗ 
ruchs, zu gutem Pelziverfe. 

Man bat hier auch ein Thier, weiches Apoſſum 
genennet wird, das an Beſchaffenheit und Geſtalt 
den Engliſchen Dadhfen ziemlich ähnlich fommt, auß 
fer daß feine Beine gerade find. Cs ift dem Ras 
cone am allerähnlichften. Es bat eine natürliche 
Zuneigung zum Menfchen, koͤmmt zu ihm, gebt ihm 
nad), und ſcheinet ein Bergnüngen daran zu finden, 
ihn anzufehben. Es kann daher auch mit fehr leichter 
Mühe zahm gemacht werden, Das Weibgen davon 
hat einen falfchen oder loshangenden Bauch, darinn 
es feine Jungen ſaͤuget und befchüßer. . 

Unter den Fiſchen, davon diefe Inſel gleichfalls 
einen reichen Gegen befiget, gedenke ich zuvoͤrderſt 
des Groopers, welcher viel größer ift, als ein Lachs. 
Sein Kopf ift noch viel beffer, als der Ben eines 
Stocfifches. 

Naͤchſt dem Brooper ift der graue Porgo zu 
bemerken, der zwar Fleiner, aber eben fo angenehm 
zu eſſen it , wie auch der rothe Porgo, der eben ſo⸗ 
wohl als der graue Porgo und der Grooper Schup⸗ 
pen hat. Dieſer Fiſch iſt einem jedweden angenehm, 
und er laͤßt ſich auch gar leicht an einem Angel fangen. | 

Bon Cavallas find alldier zwo Arten, grüne und 
graue. Vie legten nennen wir Pferöe- Augen. 
Sie find von der Größe eines Lachſes und haben auch 

eben ſolche Schuppen. Der grüne Cavalla iſt klei⸗ 
ner als ein Grooper, er wird demſelben aber weit 
— vorge⸗ 


208 Naturgeſchichte 
vorgezogen, indem er weit beſſet ſchmace und auch 
viel nahıhafter ift, — 

Mullets ſind hier in großer Menge und von ver 
fehiedener Größe, von der Größe einer Mafreele au 
bis zur Größe eines Fleinen Hechts. Diefer Fiſch ift 
von vortrefflichem Geſchmacke, und ein guter Koch 
kann eine vortreffliche Scavache daraus machen, 

Der See-Stint ift gleichfalls vortrefflich , vor al- 
fen wenn er gut bereitet wird. Er muß aber. ganz 
friſch ſeyn, fonft tauget er nichts, und iſt ungefund. 


Bon diefem Fifche infonderheit läßt fic) die Königli» 


che Scavache gut machen , fo wie von dem Nogen 
der Mullets die Buttargo gemacht wird, : Wr,” 
» Die Manatee oder Seekuh ift ein Amphibium. 
Sie iſſet Gras wie ein Ochs, und ſchwimmt wie eine 
Otter. Dieſes Thier wird ſehr groß. Einige davon 
haben uͤber 1000 bis 1200 Pfund gewogen. Sie 
werden mit Wurffpießen oder andern dergleichen In— 


firumenten erleger. Ihr Fleiſch ift bloß zur. Zeit der 


Noch gut; ihre Haut aber giebt, wenn fie wohl be— 
reitet. wird, ein ftarfes Leder, Die armen Schwar⸗ 
zen erfahren die Härte deffelben, wenn fie mit Nie: 
men, die. aus diefem Feder gefchnicten find, gepeitſcht 
werden. r 

Von dem Fiſche, der Turtle genennet wird, giebt 
es verſchiedene Arten, als der Aabichtsfehnabel, der 
Vandora, der Loggerhead und der gruͤne Turtle, 
welchen legtern die Indianer aus übergroßem Aber- 
glauben für heilig Halten, und ihn Gottesfifch nennen, 
wegen feiner außerordentlich guten Wirkung. Ich 
kann in der That bezeugen, daß dieſer Fiſch ein recht 


heilſames Eſſen fe. Sch "habe mich einft damit von 
einem 


— 


. der Inſel Tabago. 209 
einem vergifteten Palmweine curiret, den mir die 
Schwarzen, wie ich das letztemal in Guinea war, 
gegeben harten. Nichts iſt beſſer für die Gonorrhaͤa 
und die Sranzofen, als diefer Fiſch. Dieſes vortreff« 
liche Thier hat gleichfam drey Herzen, die aneinander 
bangen. Es ift gleichfalls ein Amphibion. Es les 
get Ener in den Sand, wie ein Bogel. Sein Fleiſch 
ſchmecket bald wie Kalb: bald wie Rindfleiſch. Das 
Fett ift grün, und läßt fih wie Mark effen. Ihre 
Ener laffen ſich von Hünereyern nicht unterfcheiden, 
Wenn fie gefalzen und an der Sonne gedörret. wer— 
den, fo find fie eben fo gut, als ein Burtargo, Der 
Vandora⸗Turtle koͤmmt dem grünen Turtle zwar 
ziemlich nahe, allein fein Fett ift nicht halb fo füß, 
und ift auch gelber von Farbe, Der Habichts⸗ 
ſchnabel ift Eleiner, und lange nicht fo gut, Seine 
Schale ift aber fefter. Es werden Kämme daraus 
gemacht, wie aus Schildfrötenfchalen. Sie legen 
ihre Ener gleichfalls in den Sand. Der Logger⸗ 
besd aber ift ein viel größerer Fifh. Sie finden 
fi) alldier in fo großer Menge, daß in einer Mache 
fo viel gefangen werden, die für mehr denn 1000 Leu⸗ 
te auf zweymal 24 Stunden zureichen, | 

Bon Fifhen, die den Namen Baracooto fühe 
ven, giebt es bier zmo Arten. Einige. find. über 
zween Fuß lang. Sie haben einen langen Rachen 
voller Zähne. Sollen fie mit einem Angel gefangen 
werden; fo muß derfelbe an einem eifernen Drate be= 
feftiget werden. Der meißmäuligte Baracooto iſt 
der gefundefte Fifch ; denn des ſchwarzmaͤuligten Zaͤh⸗ 
ne und fein Fleiſch gegen den Ruͤckgrad zu find giftig. 


4 Band, > Den 


210 Nature 


Den großen Garr nennen bie Spanier den Na⸗ 
del⸗Fiſch. Er ift ohngefähr 2 Fuß lang, und hat 
einen fpigigen Schnabel. Er iſt gefund zu effen. 
Der Fleinere Barr bat gleichfalls einen langen Schnas 
bei, ift felten über 12 Zoll lang, und ift, wenn er gut 
zubereitet wird, ein gut Effen. 

Man bat hier auch Sardellen, welche aber klei⸗ 
ner ſind, als die Engliſchen. Diefe Sifche Taufen in 
die Meerbufen, um fich dadurch für die Verfolgung 
größerer Fiſche in Sicherheit zu ſetzen, ſo daß oͤfters 


ganze Haufen davon ans Ufer getrieben und in großer 
Menge mit Netzen gefangen werden. Die Sardel⸗ 


len in den Barbadiſchen Inſeln aber ſind einige 
Monate im Jahre fieberhaft. 

Auch giebt es hier Fiſche, die wir Anchoves nen⸗ 
nen, die viel kleiner ſind, als die Sardellen, aber 
eben fo ausfehen, und die fich, wenn fie zu rechter. 
Zeit gefangen und eingefälzen werden ſehr gut eſſen 
laſſen. 

Auch findet ſich hier der Igelfiſch der mit ſehr 
großen Stacheln gewaffnet iſt; er uͤbertrifft an Dicke 
und Groͤße den Landigel. Einige haben ſie gegeſſen, 
und verſichern, daß ſie gut ſchmecken; allein ich ziehe 
ihr Oel vor, welches ein gutes ſchmerzſtillendes Mit⸗ 
tel iſt. 

Der Caninichen⸗ Sıfch iſt kleiner, und bat: ſeinen 
Namen von der Geſtalt ſeines Mundes bekommen. 
Er wird ſehr ſelten gegeſſen. Sein Fleiſch wird auf 
eine beſondere Art zubereitet, und als eine Seltenheit | 
nach England oder andersmohin verſendet. 

Der Indianiſche Stoͤhr, wie ihn die Englaͤn⸗ 


- ber nennen, läuft in Die Meerbuſen. Einige davon 


find 


3 


der Inſel Tabago. u 


find 5 bis 6 Fuß lang. Sie laffen ſich nicht wohl in 
entlegene. Laͤnder verführen, Friſch aber ift er ein 
fehr gutes Eſſen. Man fängt fie an "Angeln und mit 
Netzen zu allen Jahrszeiten. Wenn in dieſer Inſel 
eine Fiſcherey aufgerichtet waͤre; ſo wuͤrde ſelbige ſehr 
eintraͤglich ſeyn. 

Der Delphin iſt ein Fiſch, der den fliegenden 
Fiſchen nachjaget, die allda unzaͤhlig ſind. Wenn 
der Delphin auf der Jagd iſt, ſo ſcheinet er ganz 
goldfarbigt; zu andern Zeiten aber, wenn er nicht 
auf den Raub ausgehet, ſcheinen feine Schuppen wie 
Silber. Sie werden mit Angeln gefangen. Eini—⸗ 
ge von ihnen find 2, 3, und mehr Fuß lang. Sie 
Taffen ſich ſehr gut effen. Wenn fie fterben, nehmen 
fie alle Farben an ‚die fich ihnen vorftellen. Die Bes 
raubung des Waſſers tödter fie den Augenblick, 

Der fliegende Fiſch ift nicht völlig fo groß, alg 
ein Hering, bat auch lange nicht fo viele Gräten, iſt 
aber von zartem Geſchmacke; daher ihm auch verfchies 
dene Fifche in der See nachftellen. Bey einer Winds 
kuͤhlung breitet er feine Floßfedern aus, die ihn die 
Natur anſtatt der Flügel gegeben, und die ihn öfters 
fo weit als ein halb Stuͤck Feldweges und noch wohl 
weiter bringen. Alsdenn tunket er feine Flügel wies 
der in das falzige Meer, und macht ſich zu einem ans 
dern Fluge bereit, Wenn ihn die Raubfiſche verfol⸗ 
gen, fo nimmt er öfters feine Zuflucht aufdie Schiffe; 
mie es mir denn auf meiner Reiſe nad) den Barbas 
diſchen Inſeln begegnete, daß mir ein fliegender 
— Fiſch, wie ich bey Tiſche ſaß, in den Schooß flog. 

‚Der Doneto. verfolget gleichfalls den fliegenden 
Big ‚und wird theils mit —* Angel, theils auf an⸗ 

dere 


212 | Naturgeſchichte 


dere Art gefangen. Einige davon ſind 30 Zoll lang. 
Wenn ſie mit friſcher Butter und Litronenſaft gegeſ⸗ 
ſen werden, ſchmecken ſie vortrefflich. 

Der Albacore fiehet eben fo aus, als der Bones 
to, ilt von eben der Befchaffenheit und Geſchmack, 
und verfolger auch die fliegende Fiſche; allein er ift 

roͤßer. 
Der Amberfiſch iſt ein herrliches Eſſen, imgfei- 
chen der Engelfiſch und der grüne Schwalben» 
fbwanz, welcher leßtere nicht viel größer als ein 
Hering ift. Sie laſſen ſich alle aut am Angel fangen. 

Der Papageyfiſch, veffen Schuppen einen grüs 
nen und gelben Glanz von ſich geben, hat einen Kopf, 
der dem Kopfe eines "Papageyen fehr ähnlich kommt. 
Er ift von. trefflichem Gefchmade, eben fo wie der 
Golofiſch, melden die Spanier Dorado nennen, 
deflen Schuppen wie Gold glänzen. Beyde find 
ohngefäbr fo groß als eine Makrele. Alle Flüffe und 
Bäche find übrigens mit einer Menge frifcher Fifche 
angefüller. 

Die Hummer oder Meerkrebſe find allhier von 


ungeheurer Größe. Sie haben aber Feine Vorder» 


Elauen; doch find fie von unvergleichlichem Geſchmack. 
Die Tabago⸗Krebſe find ungleic) beffer, ‚als die 


Engliſchen. 


Sie haben auch grüne Rrebfe, die den ‚Englie 
fehen an Geftalt vollfommen gleich, aber viel größer 
find und unvergleichlich ſchmecken. 

Der Seefoldar gleichet dem Krebs in Anfehung 
feiner Fleinen und großen Klauen. Seine Schale 
gleiche der Schale einer Sa a * aus wie 
eine dunkelfarbige De 3 — 
e 


der Infel Tabage. 213 


Der Cunk iſt ein Schafenfifch, davon man bier 
die Menge bat. Zweene Knaben koͤnnen in zwo 
Stunden genug für 500 Perfonen fangen. Eie wer: 
den gekocht , man ißt fie mit Wein, wie aud). mit fis 
ker Butter, und fein Fiſch * beſſer ſchmecken. 

Ihre Schalen ſind perlenfarbigt, gelb und weiß. 

Von den Hornfiſchen habe ich einige geſehen, die 
10 Zoll lang waren. Sie ſind einem Poſthorn nicht 
unaͤhnlich. Ihre Schale iſt mehrentheils perlfarbigt. 
Sie ſind ſehr gut zu eſſen. 

Der Orney iſt auch eine Art von Schalenfiſchen, 
die an den Seiten der Felſen haͤngen. Sie ſind faſt 
fo groß als ein Ey, und ſchmecken gut mit friſcher But⸗ 
ter. Die Schale fiehet aus wie orientalifche Perlen, 

- Der ScollopsKifch oder die Ramm⸗Auſter 
bat eine fehr dicke Schale, und gleichet einigermaßen 
an Farbe den Perlen. Diefer Fiſch bat nur eine 
balbe Schale, und klebet an den Felfen, wie DBogel- 
leim an einem Zweige, Er fchmedee fehr ſchoͤn, wenn 
er gut zubereitee ift. 

Eine gewöiffe Art Meerſchnecken wachſen bier fo 
groß als ein Ey, Es giebt aber noch eine Fleinere 
Art, die niemals zu ihrer völligen Reife koͤmmt, fon 
dern im Sande liegt, die fich aber, wenn fie ans Seuen 
gebracht werben, dennod) gut effen laflen, 

Die ' gersönlichen Seeſchnecken ſind hier in 
großer Menge, einige davon ſind einer Fauſt groß. 
Sie liegen dicht an einander in großen Haufen, und 
koͤnnen bey niedrigem Waſſer ohne Schwierigkeit ges 
fangen werden. Bon ihren Schalen werden Trink: 
geſchirre gemacht. Sie gleichen” den orientalifchen 


Perlen an Farbe. 
BY I 3 Die 


214 Naturgefch. der Infel Tabago. 


Die Selfen : Auftern hängen an den Klippen. 

Inwendig hat ihre Schale eine glänzende Farbe. 
Ihr Saft iſt ſalzig, und ihr Fleiſch iſt fehr gut. 

Die andern Auſtern, darinn ſich die Derlen fin⸗ 
den, liegen 4 oder 5 Faden tief unter Waſſer, derer 
ſich die Indianer durch Tauchen bemaͤchtigen. Wir 
hoffen aber ein beſſer Mittel dazu ausfuͤndig zu ma⸗ 
chen, wenn wir einſt Auſterfiſcher unter uns befommen. 

Die Mangrove-Aufter waͤchſet auf Bäumen’ 
in den Spigen der Aeſte und der Fleinen Zweige; 
denn die rothe Mangrove waͤchſet allezeit i in ſalzigem 
Waſſer, und die Spitzen dieſer Baume, indem fie 
ihre Zweige herabbeugen, ſaugen das ſalzige Waſſer 
an ſich, welches durch einen natürlichen Trieb bis zu 
ihren Wurzeln geher. Dadurch häufen fich die Aus 
ftern um fie zufammen, fo daß Fein Zweig ledig iſt. 
Einige Leute effen fie, ich kann aber Eeinen befondern 
Geſchmack daran finden, Ihre Schalen find perl. 
farbige, durchfichtig , dünn und hell; ‚daher Die Spa 
nier fie anſtatt bes Glaſes brauchen. 

"Das SeesSEy ift von zwo Arten, ſchwarz und 
grau, Beyde Arten aber find mit Stacheln verfes 
ben. Die grauen gleichen den: Auftern am Ger 
ſchmack, und werden roh, wie auch gekocht, mie 
pe und Schalotten und oftindifchem nn ge 
geſſen. | 
| Die Sortfezung ſolget. 


se» 
7 | Min 


| | | 215 
*** * 
mM achri J t 
| Sr von den — 
Sapeifen und Manufacturen 
in Sranfreid, 
und den 
daraus entſtehenden Vortheilen. 









> DE haben im Borhergebenden * von den 
N Vortheilen, fo das Koͤnigreich Großbrit⸗ 
tannien aus den Wollenmanufacturen 
* Nachricht ertheilet. Wir wollen alſo auch 
eine Nachricht von dem Nutzen, den ſie in Frankreich 
ftiften, mittheilen. Die Franzoͤſiſchen Minifter find 
von der Nutzbarkeit der Handwerke fo wohl uͤberzeugt, 
daß ſie, da ſie ſich beſtaͤndig bemuͤhen, ein jedes Stuͤck 
ihrer Handlung der ganzen Nation nuͤtzlich zu machen, 
alle moͤgliche Sorge und Fleiß anwenden, die Manu⸗ 
facturen in Frankreich zu befoͤrdern und auszubreiten. 
Der Herr Eolbert, der große Beförderer der Hand- 
werfe ſowohl als auch der freyen Künfte, war es, der 
den König Ludewig den Dierschnten bemegte, 
die Manufackuren der Bobelins zu Paris aufzurich- 
ten, allwo feit der Zeit die Tapetenarbeit nebſt an⸗ 
Mi 4 dern 
0 # Siehe aten Bandes ates Stuͤck * 395. und ztes 
Gtüf p. 524. 


] 


316 us Von den Manufacturen 


dern nörbigen Manufacturen, zum &ebrauche der 
Krone und zum Zierrathe der Königlichen Palläfte, 


verfertiget wird, Diefe Manufactur , oder vielmehr 


das Gebäude dazu, ftehet in der Vorſtadt St. Mar: 
cellus. Es führee den Namen Bobelins von zween 
Brüvern , nämlich Biles und Johann Gobelin, 
die unter der Regierung des Königs Srancıfcus des 
Erſten das Geheimniß erfunden, fchönen Scharlach 
zu färben, der nach der Zeit der Bobelins-Schars 
lach genennet worden , und als Ludewig der Vier⸗ 
zehnte das gedachte Gebäude zu einer Manufactur 
Faufte, nannte er es. den Pallaft der Gobelins. 
Diefen Namen bat es nicht nur feit der Zeit behalten, 
fondern es bat auch der Eleine Fluß von Bievre, der 
allda' vorbey flieffer, den Namen Gobelins befom: 
men. Anißo ift diefer Pallaft mit vortrefflichen Meis 
ftern in Tapeten : Goldfchmieds- und Bildhauer : Ar- 
beit angefüllet, die unter der Aufficht des Dberinten- 
danten der Gebäude, Künfte und Manufacturen in 
Frankreich ſtehen. Mic der Tapetenarbeit allein find 
in demfelben Jahr aus Jahr ein vollfommen 200 
Derfonen beichäfftiger. Der Herr Colbert risth 
dem Könige folches an: denn da der Louvre, die 
Thuilleries und andere’ Königliche Palläfte unter 


feiner Auffiche zum Stande gebracht wurden ; fo ſahe 
er nicht gern, daß das Geld zur. Anfchaffung der Ta- 


peten und anderer nöthiger Zierrathen dieſer Pallaͤſte 
aus dem Lande geſchicket wuͤrde. In der Abſicht 


lockte er, ſobald der Pallaſt der Gobelins dazu be- 


ftimmer war, eine große Anzahl Künftler und Hand« 
werfsleute, infonderheit Mahler, Tapetenwirfer, 
Goldſchmiede, Brodirer, 4.0.9. aus andern Staͤdten 

des 


in Frankreich. 217 


des Koͤnigreichs dahin, wie denn auch ſehr viele an⸗ 
dere, vermittelſt Anerbietungen von Geld, Penſionen 
und Freyheiten, aus fremden Landen ſich gleichfalls 
dahin begaben. Darauf ward die Einfuhr fremder 
Tapeten verboten, und ſeit der Zeit iſt die gedachte 
Manufactur zur vollkommenſten in ihrer Art von 
ganz Europa geworden; indem, die Menge von ſehr 
kuͤnſtlicher Arbeit, und die Anzahl von Kuͤnſtlern ſo 
groß iſt, daß es behnahe unglaublich ſcheinet, und der 
gegenwaͤrtige bluͤhende Zuſtand der Kuͤnſte und Hand⸗ 
werke in Frankreich iſt in der That groͤßtentheils d der 
Aufrichtung dieſer Manufactur zuzuſchreiben. In⸗ 
ſonderheit haben die Arbeiter des Pallaſtes der Go⸗ 
belins mit Recht vor allen andern Nationen in der 
ausnehmend ſchoͤnen Tapetenarbeit den Vorzug, wel⸗ 
he fie zu einer ſolchen Vollkommenheit gebracht ha⸗ 
ben, daß fie.aller derjenigen nicht weichen darf, die 
ehemals von den Engländern und Holländern verfer, 
figet worden, welche das Tapetenwirken allererft in 
der Levante gelernet haben, allwo diefe Kunft ihren 
erften Urſprung gehabt, wozu fie ohne Zmeifel bey 
‚ihren Kreuzzügen wider die Saracenen Anleitung be= 
kommen. Dem fey nun wie ihm wolle, fo ift es ges. 
wiß, Daß diefe beyden Nationen, infonderbeit aber 
die Engländer, die erften gewefen, welche die edlen 
Manufacturen i in Europa angefangen haben, wodurd) 
Wolle und Seide fo fünftlich bearbeitet werden kann, 
daß es dem Leben und der Natur fehr nahe komme, 
ſogar daß auch die Fünftlich geflochtene Wollen⸗ und 
Seidenfaͤden den ſchoͤnſten Zügen eines geuͤbten Pin⸗ 
ſels im geringſten nicht weichen dürfen, wie alle die⸗ 
jenigen bezeugen können, welche die vortrefflichen 
| 25 Tapeten 


28 Von den Manufacturen 


Tapeten im Louvre, in den Thuilleries), zu Mar» 
Iy, zu Choiſy le Koi, zu Derfailles, und in an- 
dern Königlichen Pallaͤſten gefehen haben, die unter 
andern die Feldfchlachten Aleranders, die vier Jah⸗ 
reszeiten, und die vornehmſten Heldenthaten Koͤnigs 
Ludewigs des Vierzehnten vorſtellen, die nach 
den ausfuͤhrlichen Gemaͤhlden des Herrn le Bruͤn, 
und andern vortrefflichen Gemaͤhlden, deren Kunſt 
alle Vorſtellungen uͤbertrifft, gewebet ſind. Auch 
haben die Franzoſen anfehnliche Tapetenmanufacturen 
zu Selletin und zu Beauvais, und infonderheit in 
der Stadt Arras in Artois, die wegen der Tapeten 
beruͤhmt ift, fo allda verfertiger, und Tapeten von 
Arras genennet werden; wiewohl man geſtehen 
muß, daß die Tapeten von Bruͤſſel und Antwer⸗ 
pen dieſe letztere, ſowohl in Anſehung der Erfindung, 
als Ausführung, inſonderheit an Thieren und Land⸗ 
haften, weit übertreffen. Auch werden in Auvers 
gne, außer Papier und mancherley Arten Foftbarer 
Spiben, gleichfalls fchöne Tapeten gemacht, die al- 
Ienthalben befannt find, indem die Einwohner dieſer 
Provinz überall den Namen fehr arbeitfamer Leute 
führen, durch welche Manufacturen diefe Provinz 
u wohl vornehmlich bluͤhet. Und in der Landſchaft 
la Marche ift das Staͤdtgen Aubuffon, ob es 
gleich Elein, dennoch fo zu fagen die Miederlage der 
Tapeten, indem es fehr volkreich ift, und die Ein- 
wohner mehrentheils aus Tapetenwirkern beſtehen. 
Man findet uͤber dieſes auch noch in einigen andern 
Staͤdten Fraͤnkreichs Tapetenmachereyen, die zwar 
nicht ſo angeſehen ſind, als die obgedachten, dennoch 
aber eine große Menge Menſchen beſchaͤfftigen. Weil 
nun 


nun die Franzöfifchen Tapeten beynahe dur) die ganze 
Welt befannt find, und ihrer Schönheit wegen al- 
lenthalben gefucher werden; fo Fann man leicht begrei⸗ 
fen, daß das Geld, welches dafür von ausmärtigen 
$ändern in das Königreich fommt, fehr große Sum- 
men ausmachen müjle. 
Es find zmo Arten von Franzöfifchen Taperäi) 
nämlih die hohe Scherung und die niedrige 
Scherung, wiewohl der Unterfchied eigentlich in der 
Art zu weben ‚und nicht in der Arbeit felbft zu ſuchen 
ift, indem das Webergeftelle zur hoben Scherung in 
der Höhe ſtehet, und hingegen das zur niedrigen Sche- 
rung nad) dem Waflerpaß mit dem ‘Boden gleid) lie= 
get. Das Geftelle zu der hohen Scherung beftehet 
aus 4 Hauptftücken, naͤmlich zwo in die Höhe ftehen- 
den Wänden, und zween quer liegenden- Bäumen 
oder Rollen, und zwar eine über die andere, ohnge⸗ 
fähr einen Fuß hoch vom Boden. Die Scherung, 
fo aus einer Art gezwirnten Wollengarns befteher, 
- wird um die oberfte, und die Tapete, fo bald fie ge— 
webet ift, um die unterfte Rolle gewunden, Wenn 
die Scherung bereit ift, wird die Patrone oder das 
Bildwerf ‚das auf der Tapete vorgeftellet werden foll, 
binter die Scherung geftellee, und auf der vorderften 
Seite der Scherung, welche die rechte Seite der Ta- 
pete ift, werden die Außerfien Züge mit einem Pinfel 
entworfen, und zwar fo, Daß dieſe Züge fowohl hin⸗ 
fen als vorn koͤnnen gefehen werden. Hernach wird 
die Patrone auf einen Rollſtock gerollet, und der Tas - 
— — verfuͤget ſich an die unrechte Seite der 
Scherung, wo er den Einſchlag mit ſeidenen, wolle⸗ 
nen und andern Faͤden macht, die er mit den Fingern 
freu 


220 Don den Manufacturen 


kreuzweiſe über einander flicht, wobey er, fo bald nur 


ein Faden durchgefchlagen ift, denfelben mit einem 
elfenbeinernen Kamm eben machet, und die Sarben 
nad) den Farben der Patrone verändert ; nachgehends 


aber an der rechten Seite feine Arbeit nachfieher, und, 
die Zeichnung darinnen, wenn es gefchehen Fann, 


mit einer Madel verbeffert. Diefe Art, Tapeten zu 
weben, iſt fehr mühfam, und wird daher wenig mehr 
gebrauchet. Der Here le Blon hat ein neues Wer 


bergeftelfe erfunden, und wenn daffelbe einmahl auf» 


geftellee ift, fo ift feibft der geringfte und gröbfte We— 


ber im Stande, alles, was ihm vorgefchildere iſt, 


nachzumeben, wenn er gleich gar Fein Zeichnen noch 


Schildern verfteher, ja wenn er auch fogar dasjenige, 
was ihm vorgeleget worden, nicht einmal recht Fen- 
net, auf welche Weife ein Stuͤck Tapetenarbeit in der 


Zeit von einem oder zween Monaten fertig gemacht 
werden kann, Dabingegen das von der erſten Art zu- 
mweilen einige Jahre auf dem Geftelle bleibt, daher 
denn auch jeßo viel beffere und feinere Tapeten für 
500, als ehemals für 5000 Reichsthaler zu bekom⸗ 
men find. Das Webergeftelle für die niedrige Sche- 
rung ‚welches jeßo meiftens im Gebrauch ift, gleicher 
einem gemeinen Weberſtuhle gar fehr, und beſtehet 
aus zwo auf der Seite liegenden Wänden mit einer 


Rolle vorne und hinten. Die Patrone wird unter die 


Scherung geleget; der Weber fißet auf einer Fleinen 
Bank vor dem Weberftuhl, macht den Einfchlag,und 
fchläget ihn mit einem hölzernen oder elfenbeinernen 
Kamm eben, wobey zu merfen ift, daß der Weber an 
der unrechten Seite feines Werkes fißer, und eber nichts 
von dem fehen fann, mas er gewebet hat, als nn 

as 


in Frankreich. 221 


das Stück fertig if, Es ift zwar an dem, daß die 
Tapetenmwebereyen zur Beförderung der Handlung 
und zur Blühte des Königreichs fehr vieles beytragen; 
- allein die Seidenmanufacturen übertreffen diefelben 
noch in vielen Stuͤcken, wiewohl fie jego nicht mehr 
in einem foldyen blühenden Stande find, als vorhin. 
Als die Manufacturen zu Lion im beiten Aufnehmen 
waren, zählte man 18000 Webergeftelle, die allein 
in und um diefe Stadt im Gange erhalten wurden; 
doch in dem Jahre 1698 verminderte ſich diefe Anzahl 
auf 4000. Indeſſen ift Lion doc) noch allenthalben 
wegen der Seidenmanufacturen, und fonderlich der 
Armoʒynen befannt, welche wegen ihres ſchoͤnen Glan⸗ 
zes merfwürdig find, der Durch einen gewiflen Mann, 
Namens Octavio May, durch folgenden Zufall 
erfunden worden, Als diefes Octavio Nahrung 
ziemlich Frebsgängig ward, und er einften über fein 
Unglück in tiefen Gedanken war; fo hatte er einige 
feine feidene Faden im Munde, die er Fauete, ohne 
es faft felbjt zu wiffen. Wie er diefe Seide aus dem 
Munde nahm, fand er, daß ſich ein feltener- Glanz 
auf derfelben zeigte, Als er denfelben mit Bermuns 
‚ derung befchauete, fiel er nach langem Denfen dar⸗ 
auf, diefer Glanz wuͤrde ohne Zmeifel Dadurch ver 
urfache, daß die Fäden zmwifchen feinen Zähnen ges 
druckt, mit dem leimhaften Speichel befeuchtet, und 


durch die natürliche Wärme des Mundes erhitzet wor⸗ 


den, worauf er nach langem Arbeiten ein Mittel ause 
fündig machte, folchen an den Armozynen, die er ver» 
fertigte, zumege zu bringen, wodurch er fich bald 
große Schäße fammlete, und wodurch die Stadt Lion 
feie der Zeit den Ruhm behalten, daß nirgends ein 

| ſchoͤne⸗ 


222 Don den Manufactuven un 


ſchoͤnerer Glanz, als in derfelben, auf die Armoßzy⸗ 
nen gebracht werden koͤnne. Das Kunftgeräthe, ſo 
Octavio erfunden, ift einem Üeftelle zum Seide: 
weben fehr ähnlich, mit einer Rolle an beyden Sei« 
ten, zwifchen welchen die Armozyn ausgebreitet wird. 
Ja nachdem diefelbe von der einen Rolle auf die an- 
dere gebracht wird, wird fie fanfte mit einem leim- 
haften Zeuge gerieben, da indeffen die Armozyn zu 
aleicher Zeit auf einem darunter ftehenden Kohlen- 
feuer getrocknet wird. Der Glanz wird den ſchwar⸗ 
zen Armozynen dur Bier und Pommeranzenfaft, 
fo zufammen gefocht worden, mitgetheilet; allein zu 
Armozynen von andern Farben wird deſtillirtes Kür- 
biswaffer gebraucht. In der Landſchaft Auvergne 
werden auch allerhand fchöne Seidenftoffen geweber, 
und Caftel Naudary, eine Stadt in Ober⸗Lan⸗ 
quedoc an einem Canal, bringet gleichfalls ſehr fchö- 
ne feidene Stoffen zumege, deſſen ſich auch Nimes, 
eine wohlbebauete Stadt in LTiederzLangquedoc, 
und verfchiedene andere Städte mehr mit Recht ruͤh⸗ 
. men .fönnen-, wiewohl Lion fie alle bey weitem über: 
trifft. In verfchiedenen Städten werden, um Seide 
zu befommen , eine große Anzahl Seidenwürmer um - 
terhalten; infonderheit aber zu Alais, welches eine 
mäßige Stadt in !.Tieder- Languedoc ohnaefähr. 
5 Meilen von Uzez ift, aus welcher man alle Jahre - 
wenigftens 1200000 Pfund ungewirfter Seide aus» 
führer, die nebjt der, welche man in den übrigen 
Städten bereitet, meiftentheils in Frankreich ver 
. braucht, und nachgehends ausaeführer wird. In 
der Zeit von weniger als einem Jahrhundert haben 
die Franzoſen ihre Wollenmanufacturen gar jebr vers 

| | beſſert, 


Ed 


in Grankreih. 223 
beffere, welches wohl infonderheie dem Unterricht 


beyzumeſſen iſt, welchen fie darinn von ‚Sremden er⸗ 


halten, die ſich in Frankreich niedergelaſſen, wie auch 


der heimlichen, obgleich verbotenen, Ausfuhr der 


Wolle aus England, Im Jahre 1665 errichtete der 
Herr von Roberts, ein Holländer, zu Abbeville 
in der Picardie, eine Manufactur von Wollenftof 
fen; welches Unternehmen ſowohl gegluͤcket, daß die 
Stoffen ‚die allda gemacht werden, und die mehren> 
‚teils in Tüchern beftehn, an Feine und Güte den 


Engliſchen und Holländifchen Tüchern kaum weichen, 


König Ludewig der Vierzehnte fuchte diefe Fa— 
brik auf alle Weife empor zu helfen; denn Se. Ma⸗ 
jeftät vergönnete dem Herrn Robets und feinen 
Knechten verfchiedene anfehnliche Privilegien, wor« 
unter auch die Freyheit war, alles ohne Unterfchied 
in das Königreich einführen zu dürfen, was er und 


feine Leute zu ihrer Arbeic noͤthig hätten, ohne die ger 


ringften Abgaben dafür zu bezahlen. Die gedachte 
Stadt Abbeville ift über diefes allenthalben wegen 


- ihrer $einens und Segeltuh- Manufacturen , wie auch 


wegen anfehnlicher Seifenfiedereyen und Stücgieße: 
teyen berühmt. Die Stade lieget eigentlicy in dee 
Lieder» Dicardie, in der Graffchaft Pouthieu 
an der Somme, und ift zur Handlung ſehr bequem, 
weil der Fluß ſchwere Schiffe tragen kann; wie 
denn auch mit den Manufacturen ein großer Handel ' 
getrieben wird, wofür ftarfe Geldfummen einfoms 
men. In der ber: Yrormandie wird auch ftarf 
mit Vieh, Holz, Eifen und Kohlen gehandelt, vor⸗ 


nehmlich aber mit Tuͤchern, indem in dieſer Ad 


verſchiedene ſchoͤne Tuchfaͤrbereyen gefunden 
wer⸗ 


224 Von den Manufacturen 

werden. Inſonderheit bluͤhet die Stadt Rouen, 
welche eine der groͤßten und anſehnlichſten Staͤdte 
Frankreichs an der Seine iſt, welches mehrentheils 
von den Manufacturen herruͤhret. Die Stadt hat 
16 Thore, 30 Marktplaͤtze, und 85 Kirchen. Die 
Haͤuſer find praͤchtig, die Gaſſen breit, und die Ein⸗ 


wohner reich, welches alles die Stadt größtenrheils 


den Sabrifen und der Handlung zu danfen hat, In 
Bretagne findet man ftarfe Fabriken von Leinwand 
und Seegeltüchern; denn dieß Sand bringt fehr viel 
Hanf und Flachs hervor. Zu Morlair in Vlie- 
der⸗Bretagne wird unter andern, fowohl mit ges 
machtem Leinwand, als auch mit unbereiterem Flachs 
und Hanf große Handlung getrieben. Die Sand» 
fchaft Berry in Orleans Fann fic) infonderheit we= 
gen des Seinens rühmen, fo allda gemacht, und für 
das befte von ganz Franfreich gehalten wird, wie: 
wohl die Tuchfabriken der gedachten Sandfchaft den 
Fabriken anderer, Franzöfifchen Oerter weit vorgezo⸗ 
gen werden. Zu Tours, einer fchönen Handels⸗ 
ftade der Landſchaft Toursine gleichfalls in Or⸗ 
leans, die. an der Loire liegee, ift ein ſehr ftarfer 
Handel mit Seide, wie auch zu Chatillon an der 
Indre. Lions, die Hauptftadt von Lionnois, 
und eine der größten Städte Sranfreichs an der. 
Rhone, beſtehet bloß durch die Manufacturen und 
das Commercium, indem die Handlung diefer Stade 
fich nicht nur über ganz Frankreich, fondern aud) 
über die ganze Schweiz und Italien erſtrecket, 
und es bat ſich mehr als einmal zugetragen, wenn 
zu Lions ein Banquerot gemacht worden, daß als» 
denn beynabe ‚halb Europa Ancheil Daran geben 

' ie 


in Frankreich. 225 


Wie fehr die Seidenmanufacturen von diefer Stadt 
allenthalben berühmt find, haben wir ſchon oben ge» 
meldet. In der kleinen Landſchaft Beaujolois giebt 
es vielen Hanf, der zum Theil bearbeitet, zum Theil 
unbearbeitet ausgeführee wird. Außer den Tuchma—⸗ 
nufacturen von Auvergne, deren wir vorbin fchon 
Erwähnung gethan haben, machen die Einwohner 
dieſer Landſchaft, welches fehr arbeitfame und auf ihre 
Nahrung befliffene Leute find, auch fehr fchöne Spi— 
Ben, und allerhand Stoffen, imgleichen Papier ‚wel: _ 
ches man für das befte in ganz Europa hält. In— 
fonderheit Fann fich die Stadt St. Flour in diefer 
Landſchaft ihrer fchönen Tapeten, guten Tücher und 
feinen Meffer rühmen , vie allda gemacht werden. 
In der Sandfchaft Limofin wird aud) gutes Papier 
verfertigt, und zu Nimes in Nieder⸗Languedoc 
it eine Fabrife von Sarge und andern Stoffen, wie 
auch zu Usez, und in verfchiedenen andern Städten, 
Weil wir bier aber von den Franzöfifhen Manufa= 
euren reden, Fönnen wir nicht umhin, des feinen 
Leinwands von KamerpE zu erwähnen, fo die Haupt⸗ 
ſtadt einer Provinzder Franzoͤſiſchen Niederlande 
iſt, welches Leinen uͤberall wegen ſeiner beſondern 
Feine Ramerykstuch genannt, und zum großen 
Vortheil dieſer Stadt haͤufig geſucht wird, indem es 
alles Leinwand, das man in der ganzen Welt machet, 
an Schönheit übertrifft. Aus diefen und andern 
Dingen, die ſich nicht alle in der Kürze melden laflen, 
‚ erhellet der große Vortheil, den Frankreich überhaupt, 
und verſchiedene Provinzen und Städte deflelben in- 
- fonderheit aus den Tapeten: Seiden= feinen Sargen» 
und Tuchtvebereyen, wie auch andern Fabriken ziehen, 
4Band. “0 und 


226 Von den Mannſ 


und zwar um ſo viel mehr, da eine ſo große Anzapı 
Perfonen, die fonft nichts verdienen würden, durch 
die Fabriken und Manufacturen Arbeit befommen, 
und in den Stand gefeger werden, fogar ein großes 
Hausgefinde zu unferhalten, und in gute Umftände 
gerathen ; wie denn auch viele Unterthanen diefes 
Königreichs, die fi wegen Mangel an Arbeit und 
Nahrung anderswohin würden begeben müffen, da- 
durch nicht allein in dem Königreiche gehalten, fon- 
dern auch Hingegen viele Fremde hinein gelocfet wer- 
den, Zu einer Tuchfabrife werden infonderheit viel 
Perfonen erfordert, nämlich Wollenwäfcher, Woll- 
kratzer, Wollkaͤmmer und Spinner, worauf die wol⸗ 
lene Faͤden durch andere zu einer Scherung gemacht, 
und auf den Geſtellen geſchoren werden. Hierauf 
werden Weber erfordert, um das Tuch zu weben, 
Scherer, und Faͤrber, um es zu färben, deren al- 
lein viele an der Zahl find, Walker, und mas 
mehr dazu gehöret, und alsdenn wird das Tuch 
erft durch) QTuchbereiter geprefl ſet, und voͤllig bereit 


gemacht. 


In der Nachricht von den Sranzöfifihen Manu⸗ 
facturen koͤnnen wir die von Spinnen gemachte Seide 
nicht vorbey gehen, die zuweilen von den Franzoſen 
aus Liebhaberey zu Handſchuhen und Struͤmpfen ver⸗ 
arbeitet wird. Die Erfindung davon hat man dem 
Herrn Bon, einem Mitgliede der Akademie zu Mont: 
pellier, zu danken, der im Jahre 1710 einen Bericht - 
davon herausgab. Die Spinnen mit Furzen Beinen 
find diejenigen, welche aus dem hinterſten Theile ih: 


re⸗ Leibes durch fuͤnf hoͤcherchen zweyerley Arten von 
Faͤden 


in Frankreich. 227 
Fäden fpinnen , deren einige ftärfer, andere aber 
ſchwaͤcher find. Die dünneften dienen ihnen, ihre 
Gewebe aufzufpannen und Fliegen zu fangen. Wenn 
fie Eyer geleger haben ‚ wickeln oder befpinnen fie dies 
felben in eine Art eines Fleinen Netzes oder Gehäufes, 
fo aus viel ftärfern und dickern Fäden befteht, um 
die Ener für die-Kälte oder andere bluclofe Thierchen 
zu verwahren. Der Herr Bon bradjte ı2 bis 13 
Unzen von dieſen Negen zufammen, und ließ fie ei- 
nige Zeit mit einem Stäbgen Flopfen, um den Staub 
herauszubringen. Hernach ließ er fie in warmem 
Waſſer fo lange wafchen, bis das Waller rein blich, 
Darauf wurden fie in einem Keffel mit Seife, Sal: 
peter und Arabiſchem Gummi 2 bis 3 Stunden über 
einem gelinden Feuer gefocht, wieder mit Waſſer 
ausgewaſchen, und zum Trocknen hingelegt; da denn 
die Seide gefämmet ward, wiewohl die Kämme viel 
feiner, als gewöhnlich, fenn muͤſſen. Die gefämmte 
Seide war afchgrau, und Fonnte bequem gefponnen 
und bearbeitet werden, indem fie ftärfer und feiner 
war, als die gemeine Seide. Man befand auch, 
daß ein Paar gute Mannsftrümpfe davon nur 3 Une 
zen wogen, dahingegen die von anderer Seide durch- 
gehends 7 bis 8 Unzen ſchwer find. Da nun die 
Möglichkeit dargethan ift, Seide von Spinnen zu 
befommen ; fo befteht noch die einzige Schwierigkeit 
darinn, Seide genug davon zu erhalten, Es würde 
gar nicht fchwer fenn, eine genugfame Anzahl Ever 
zufammen zu bringen , wenn man nur ein Mittel 
wüßte, die Spinnen fo gut zu unterhalten, als die 
Seidenwuͤrmer; denn die Spinnen vermehren ſich 
ſtaͤrker, als die sa und find auch niche 
Re 2 | fe 


223 Von den Manufackuren - 


ſo vielen Krankheiten, als diefe, unterworfen. Ya 
der Herr Bon, welcher eine große Anzahl Spinnen 
in papiernen Köftaen, die gleichfalls mit Papier vol- 
ler Eleiner Luftlöcher bedeckt waren, aufgefuttert, hat 
bemerfet, daß von 7 bis 800 Spinnen in einem Jahre 
faum eine einzige geftorben; da hingegen von 100 
Seidenwuͤrmern durchgehends kaum 40 zum Spin« 
nen kommen. Der gedachte Liebhaben fieng die Spin- 
nen in den Monaten Auguft und September, wenn 
die Ener ausfommen, und er bemerfte, daß die al- 
ten Spinnen Durchgebends fturben, fo bald fie ihre 
Eyer gelegt hatten. Diefe Proben des Herrn Bon 
fhienen anfänglidy mit großen. Bortheilen vergefell- 
fchaftee zu fenn; allein der Herr Resumur, ver 
von der Königlichen Societaͤt der Wiffenfchaften er- 
. nannte worden, die Sache weiter zu unterfuchen, hat 
befunden, daß die angebohrne Feindfeligfeit und Bös- 
artigkeit der Spinnen verhindere, daß fie nicht bey 
einander Fönnen gefüttert werden. Denn er hat be- 
merfet, daß von den 4 bis 5000 diefer Thierchen, 
die er bey Funfzigen oder Hunderten in kleinen Schäd)- 
telgen aufbehielt, und täglicdy mit Fliegen und den 
blutigen Enden ‘von Fleinen Federgen furterte, die 
Kleinften von den Größten verfchlungen wurden, fo 
daß in Eurzer Zeit nur wenig mehr übrig waren; 
welcher fonderbaren Feindfeligkeit man es zufchreiben. 
fann, daß fo wenig Spinnen gefunden werden, da 
fie doc) eine fo große Anzahl Eyer legen. Ueberdieß 
würde auch zur Auffüterung der Spinnen weit mehr 
Mühe und Platz, als zu den Seidenwürmern, er: 
fordert werden, indem ein befponnener Kneuel von 
einer Spinne viel Fleiner, als von einem Seidenwurm, 
ift. 


in. Sranfreich. 229 


iſt. Mach der Berechnung des Herrn Reaumur 
liefern 2304 Seidenwürmer ein Pfund Seide, da 
hingegen 27648 Spinnen zur Hervorbringung eines 
Pfundes Seide würden erfodert werden, indem ein 
Häusgen von einem Seidenmwurm fo ſchwer, als zwey 
von einer Spinne, wiegt. Und weil die Seide bloß 
von den Weibgen gefpennen mwird, fo würde man 
nothwendig eine gedoppelte Anzahl davon auffücterm 


müffen. 


Da die Glasfabriken dem Königreih Franke 
reich Feinen geringen Vortheil einbringen; fo muͤſſen 
wir Diefelben nicht unberührt vorbeygehen. Im 
Sabre 1688 hat der Herr. Abrabam Thevart eine 
neue und viel vortheilhaftere Art erfunden, beffere 
und größere Scheiben zu gießen, als jemals bekannt 
gervefen, und welche Art zu gießen bis ißo faft nir- 
gends anders, als in Franfreich und England, ges 
braͤuchlich iſt. Durch diefes Mittel, welches dem 
Dlechgießen fehr gleich ift, koͤnnen nicht nur Spiegel 
gegoffen werden, die zweymal fo groß find, als die, 


fo man zu Venedig durch Blaſen verfertigee, fondern _ | 


man kann dadurch auch allerhand Formen und glä= 
ferne Zierrathen gießen. Die vornehmfte, wo nicht 
die einzige Glasmanufactur in Sranfreich ift zu St. 
Robin, drey Meilen von Laon, allıvo die vielfäl- 
tigen Defen, Schmiede, Werfhäufer, Zimmerhäu- 
fer, und andere Gebäude für die übrigen häufigen - 
Handwerksleute, die zu einer Glasfabrife erfordert 
werden, eher das Anfehen einer Stadt, als einer 
Manufacktur, haben. Einige halten Thubal-Cain 
für den erften Erfinder des Glafes. Der große ers 

Pe mes 


2330 Bon den Manufacturenin Frankr. 


mes lehrte die Egypter dieſe Kunſt. Dem Pli⸗ 
nius zufolge, ift diefe Kunſt zuerſt von ohngefaͤhr 
durch einige Seeleute an dem Fuße des Berges Car⸗ 
mel erfunden worden, welche bemerket, daß einige 
Stuͤcke Salpeter, Die fie unter einen Keſſel geftecker, 
den Sand durch die gewaltige Hiße geſchmelzet und 
in Glas verändert hatten. In Languedoc wird 
gleichfalls Glas gemacht; allein es ift weder fo fein, 
noc) fo weiß, als das von St. Gobin, indem Sous 
de * dazu gebraucht wird, fo allda, in Spanien und 
in Egupten gegraben wird, und dem Glaſe eine bläu= 
lichte Farbe giebt; da eß hingegen , wenn es von 
Rali gebrennet wird, viel weißer und heller ausfies 
bet. Man fann fich. leicht vorftellen, was für einen 
Vortheil Franfreich von einer Fabrik ziehen müffe, 
die nebft der Enalifchen alle andere weit übertrifft, 
fo daß die Franzöfifchen Spiegel und * 7— 
ſehr haͤufig geſuchet werden. 


* Ein Kraut, fo am Meere wich, woraus man ein 
alkaliſches Sal macht. 





VI, Aug: 


ihn: HA 231 


DEI EEE BZEE BEIDE ZZLE En * * 
! Kar a 
Auszug 
derer 
phyſtcatiſchen Artitel, 
J welche 
in der 484 Numer 
der 


pilolophien Transactions 


enthalten ſind. 





a dieſes gelehrte Werk wenigen in Deutſch⸗ 
land bekannt wird: fo wollen wir kuͤnftighin 
allemal einen. Auszug des Innhalts einer jee 
den Numer liefern 5; dem obngeachtet aber doch die vor= 
nehmften Stüce daraus, wie bisher, dem Magazine 
ganz einverleiben.. 

Der erfte Artikel enthält ein Schreiben des Herrn 
Hoare, aus Rom, vom Auguft 1747. Es wird 
folgendes darinn gefagt: Das Gemäblde des Achil⸗ 
les und Chiron, fo zu Heracles gefunden worden, 
it 5 Fuß lang und 4 Fuß breit. Die Figuren find 
halb in $ebensgröße, ganz friſch von feinen Farben 
und wohl gezeichnet. Die Figur vom Hercules ift 
vortrefflih. Das Gemäbhlde des Thefeus und des 


Minotaurus ift etwas über fünf Fuß bad. Der 
P 4 erſte 


232 Auszugausder 4g4Numer 


erfte hat eine feine Stellung. Er ftehet mit dem ei» 
nen Fuße auf dem Kopfe des Winotaurus, welcher 
den Kopf eines Stiers vorftellet, fo an einem menfch- 
lichen Körper fißer, und verfchiedene Genii oder Cu- 
pidines ſcheinen ſehr beſchaͤfftiget, ihrem Erretter zu 
liebkoſen, einer kuͤſſet ihm die Hand, ein anderer ums 
faſſet fein Bein, und noch andere laffen verfchiedene 
Merfmahle der Dankbarkeit blicken. in anderes 
Gemaͤhlde ftellee die Hiftorie der Virginia vor, wel- 
che auf eine rührende Weife weinet; im Appius 
wird die wütende Entzuͤckung ganz natürlic) und wun⸗ 
dernswürdig ausgedruͤcket. Kin anders zeiget den. 
Hercules und die Goͤttinn der Natur mit einer 
Menge von fombolifchen Figuren; movon eine ſehr 
merkwürdig ift, Die einen Knaben vorftellet, der eine 
Gemfe fauget , die als ein Zeichen ihrer. Zärtlichkeit 
feine Knie lecfet, und ihre Beine ganz forgfältig fo . 
hinleget, daß ſie ihm keinen Schaden thun koͤnnen. 
Der Sieg kroͤnet den Held, der ſich auf ſeine Keule 
lehnet, und die Natur ſitzet vor ihm, und giebt allen 
ſeinen Thaten ihren Beyfall. Die Zeichnung und 
Farben find vortrefflich. Es finder ſich unter andern 
ein fehr feltfames Stuͤck, welches 18 Zoll lang und 9 
breit iſt. Ein Papagen ziehet einen Karren, darinn 
eine Art einer großen Bremſe fißet, deren: Hörner 
anſtatt eines Zaumes dienen, dadurch der Papagey 
geleitet wird. Zwo Schildereyen, ohngefähr 43 Fuß 
lang, ftellen Comödianten auf dem Schauplage vor, 
wobey die Perfpectiv wohl beobachtet iſt. Ein ans 
deres zeiget eine Hochzeit nur von 3 Perfonen, und 
ift mehrentheils in dem Gefhmade des Aldobran; 
dini zuXom.. Es find noch eineMenge Eleiner Bil- 

derchen, 


’ 


der Philof, Transad. 233 


| derchen, Die allerhand Ceremonien der alten Heyden 


vorftellen. Die meiften davon find auf rothem oder 


ſchwarzem Grunde. Es finden ſich aud) einige Gro— 


- tesquen nach der Art der Indianiſchen Mahlerey. 


Diefe Gemaͤhlde fegen eine Frage außer Streit, und 
befräftigen, daß die Alten die Perfpectiv » und Lands 
fchaftmahleren verftanden. | 

Der andre Artikel ift ein Brief, einen alten Schub 
und den Körper einer Frauensperſon anbetreffend, fo 


in einem Moraft gefunden worden, mit des Herrn 


Dertu’s Anmerkungen. | 
Der dritte Artikel enthält Briefe von Norfolk 


und Suffolf, die Käfer anbetreffend, wozu der Hr. 


Arderon von Norwich noch verfchiedene Umftände 
hinzugefüger. Es find diefe Inſecten zu Norwich 
vor 20 Jahren oft häufiger und oft weniger gemefen. 
Sie find die erucz, oder der [carabzus arboreus 
vulgaris major des Herrn Ray. In verſchiedenen 
Theilen Engelands beißen fie the brown tree- 
beetle, the blind beetle, the Chafer, the Cock- 


- chafer, the Jack-horner, the Jeffry Cock, the 


May-bug, und in Norfolk the Dor. Bey den 
Hollaͤndern heißen fie Baumkaͤfer, Raubfäfer, 


 Rornwürmer , weil fie die Wurzeln des Korns vers 


berben; und in Seeland nennet man fie Molenaers 
oder Müller, wie Boedartius fagt Cap. 78, weil 
fie die Blätter verfchiedener Arten Bäume in fo Fleine 
Stüce zerbeißen, als wenn fie gemalen wären. In 
Engeland werden fie gleichfalls "Müller genannt, 
welches aber wohl vondem weißen mehlichten Staube 


herruͤhret, womit ihre Flügel bedeckt find. Die Fran⸗ 
joſen nennen fie hanerons, Diefe Inſecten haben 


5 zwey 


234 Auszug aus der 484 Numer 


zwey Paar Fluͤgel, das eine Paar iſt hautigt, und das an⸗ 
dere ſind Schalen. Das erſte iſt unter dem letzten zuſam⸗ 
mengefalten, und koͤmmt nicht anders zu ſehen, als wenn 
es zum Fluge ausgebreitet wird. Die elytra oder Scha⸗ 
lenfluͤgel find von einer roͤthlichen lichtbraunen Farbe, und 
fcheinet mit einem weißen Staube gefprenfelt zu ſeyn, der 
leicht abgewiſchet werden kann, Die Beine und der fpißige 
Schwanz find weißlicht, das uͤbrige des Körpers iſt braun, 
ausgenommen an einem jeden Gelenke an den Geiten des 
Bauches, mo fich eine zackichte weiße Linie zeiget. Es iſt 
wahrfcheinlich, daß die Weibchen mit ihren fcharfen 
Schwaͤnzen Löcher in die Erde machen, und ihre Jungen da 
binein legen; ob fie aber anfänglich Fleine erucz, oder ob es 
Eyer find, woraus folche erucz gehecket werden, das if 
noch nicht ausgemacht. Go vielift gewiß, daß diefe eru- 
cz höchft fchadlich find, indem fie allenthalben, wo fie 
binfommen, die Wurzeln verzehren, ja an manchen Der- 
tern werden fie in folcher Dienge gefunden, daß es kaum 
zu glauben iff. Ich babe gefeben, fagt Herr Arderon, 
daß ganze Plage fchönes bluͤhendes Gras zu Sommerszei⸗ 
ten in wenig Wochen fo durre, trocken und kraftlos ge> 
worden, als Heu, fo daß fich viele Ellen von diefem trocke- 
nen Rafen konnten aufwickeln laffen, indem diefe Wuͤr⸗ 
mer die Wurzeln davon verzehret hatten. Wiewohl einige 
verfichern , daß fie die Wurzeln nicht freffen, fondern nur 
die um Diefelbe liegende Erde los machen. Wenn fich eis 
ner davon an eine Rübe feßet, fo frißt er bloß die mittelfte 
fleine Wurzel, worauf die Ruͤbe fogleich vertrocknet und 
eritirber. Alsdenn geht er weiter. Auf gleiche Weife ver- 
derben fie die Wurzeln ded Weizens, des Rockens eꝛc. und 
faſt aller nüglichen Pflanzen, die ihnen vorfommen. Was 
Diefe Peft noch verderblicher macht, ift dieſes, Daß fie fo 
lange Zeit erucz bleiben, welches nach dem Goedartius 
wenigſtens vier Jahre wahret. Mouffet aber fhreiber, 
in der Normandie habe man bemerfet, daß fie alle drey 
Jahre am zahlreichften find, welches Jahr daher auch Pan 
des hanetons genennet wird. Und es iſt nicht unwahr⸗ 
ſcheinlich, daß ſie in den offenen Feldern, wo ſie ein gutes 
Futter finden, ein Jahr eher zu ihrem — au 
— ande 


der Philoſ. Transact. 235 


ſtande gelangen, als diejenigen, welche Goedartius in 
gläfernen Bechern beynahe Hungers fterben laffen. Herr 
Arderon jagt, diefe eruc® fönnen weder durch den hef— 
tigſten Froft in unfrer Gegend, noch auch wenn fie mit 
- Waffer bedecket find, ausgerottet werden. E3 find einige 
Davon viele Tage in die fchärfite Kalte hingeleget worden, 
und andere hat man eben fo lange mit Waffer bedecket, fie 
find aber doch wieder aufgelebet, und haben ihre vorigen 
Krafte wieder befommen. Kraͤhen und Schweine freffen 
fie zwar ſehr gerne; doch ihre Anzahl iſt gar zu groß, als 
daß fie dadurch Eönnte verringert werden. Die befte, mies 
wohl fehr muͤhſame Art iff, die Kafer von den Baumen 
bey Tage mit langen Stangen herab zu fihlagen,, fie hers 

nach zufammen zu fehren und zu verbrennen. Auf einem 
Gute zu Seathal, 5 Meilen Suͤdweſt von Norwich, fo 
jährlich gO Pfund Sterl. einträgt, und dem Hofpital St. 
Helena in diefer Stadt zugehöret, waren diefe Inſecten 
das legte Sahr fo haufig, daß der Pachter verficherte, er 
und feine Leute hatten go Scheffel davon gefammlet ; die 
eruc® davon hatten auf dem Bute folchen Schaden verur— 
fachet , daß diefe Stadt dem Pachter aus Mitleiden wegen 
- feines Ungluͤcks 25 Pfund nachließ. Bey Tage fliegen 
wenige von diefen Rafern herum, fondern fie verbergen lich 
unter den Blättern der Eichen, wilden Feigen: und Linden: 
baume etc. und können von denfelben herabgefihüttelt wer- 
den. : Hier fiheinen fieim Schlafe zu figen, bi3 die Sonne 
untergehet, da fie füch auf den Flug machen, und als ein 
dicker Schwarm von Bienen um die Hesken herum fliegen, 
um welche Zeit fie öftersden Menfchenmit großer Gewalt 
‚wider die Köpfe zu fliegen pflegen, Daher auch das Sprich- 
wort entſtanden: So blind wie ein Kafer. Mouffet be 
richtet ung, daß im Jahre 1574 den 27 Febr. eine folche 
Menge von diefen Infecten in die Severne gefallen, daß 
dadurch die Kader der Waffermühlen geheminer worden. 
Daß fie damals fo früh im Sabre gefommen, ift eben fo 
außerordentlich, als ihre große Menge; denn die größere 
Art erfcheinet felten vor dem Monat May, und die Flei- 
nere, welche im Julius und Auguſt hervorkommt, wird 
ſelten gefehen, wenn die Abends Falt gemorden. eh den 
A : Fans 


236 Auszug aus der 44 Rumer 


Transactionen der Dubliniſchen Societaͤt wird berichtet, 
das Landvolk habe in einem Theile dieſes Koͤnigreichs von 
dieſen Inſecten ſo vielen Schaden erlitten, daß ſie einen 
Wald von einigen Meilen, der zwiſchen zwey an einander 
graͤnzenden Laͤndern gelegen, angezuͤndet, um dadurch ihre 
fernere Verbreitung zu verhuͤten. Da die Jungen gewiſ⸗ 
ſer Thiere andern zur Nahrung dienen; ſo dienet der Ueber⸗ 
fluß der einen Art Thiere zur Ausrottung der andern. 
Golchergeftalt werden die Kafer, wovon es heißt, daß ſie 
die Eyer der Heufchrecken auffreffen, von den Kraben ver⸗ 
zebret. Daher auch der Herr Arderon, ein wirdiged 
Mitglied der Königl. Sorietat zuXTorwich, den Wachs: 
thum der Rafer der Ausrottung der Walder und des Auf: 
entbalts der Kraben um diefe Stadt herum zufchreibet. 
Es fiheiner alfo ein großer Irrthum einiger Pachter zu feyn, 
welche den Leuten ihre Kraͤhen nicht goͤnnen, und desfalls 
übel mit ihnen zufrieden find. Sie können davon durch 
das einmuͤthige Urtheil einiger gefchwornen Landleute von 
Suffolk uͤberzeuget werden, die ein gewiſſer Herr zuſam⸗ 
men berufen ließ, um über feine Kraͤhen ein Urtheil zu faͤl⸗ 
len, der fie auch großmuthiger Weife würde haben ausrot⸗ 
ten laffen , wenn fie nicht wären frey gefprochen worden. » 
Der vierte Artikel enthalt ein Schreiben ded Herren D. 
Walls von Worcefter über den Gebrauch der Peruvianis 
fchen Rinde bey den Kinderblattern, wenn fie mit Bluta 
fluffen , Fleckfiebern und dergleichen bösartigen Zufällen 
vergefellfchaftet find. Da diefer vortreffliche Arzt dag, 
wag D. Morton und D. Moore von diefer Rinde in 
Anfehung der Kinderblattern gefagt, wie auch ihre gute 
Wirkung bey erftorbenen Gliedern und verfaulten Ges 
ſchwuͤren, wie auch bey Fleckfiebern wohl überleget; fo 
fchließet er daraus, daß fie auch bey Kinderblattern unter 
dergleichen Umſtaͤnden gute Dienfte leiften könne. Er er⸗ 
zaͤhlet verfchiedene Kalle, bey welchen er einen Ertract der 


* Rindemit gutem Erfolg gegeben,namlich Extr.Cort. Peruv. 


3@. Alum. erud. Jij. zween ſtarke Löffel voll alle’ zwo 
Stunden zu nehmen. Aus diefen Fallen, wie auch aus 
vielen andern, fagt er, ſchließe ich, Daß nichts fo merklich 
und fo bald einen verlegten Hals bey den N 

eilen 


Te. 
— — 
* Miro! * 


der Philof. Transad. 237 


beilen koͤnne, als diefe Rinde; ich habe auch niemals ge- 
funden, daß fie das Ausfpeyen bey der Art Dlattern ver: 
hindert hätte, wo dieſe Ausleerung noͤthig iſt. Wenn in 
den eriten Auftrirten dieſer Krankheit die Rinde mit dem 
Stuhlgange abzugeben fcheinet ſo iſt dieſes fo wenig ſchaͤd⸗ 
lich, Daß ich es vielmehr gemeiniglich ſehr nuͤtzlich befun⸗ 
den habe. Denn, wie Hoffmann wohl bemerket, nimmt 
eine natuͤrliche Eröffnung oͤfters die Flecken weg. Die Er— 
oͤffnung, fo die Rinde verurſachet, ahmet alfo den freund— 
fchaftlichen Wirkungen der Natur nach, und koͤmmt alfo 
in diefer Abficht dem Arzte in feinem vornehmften Amte zu 
ſtatten, welches darinn befteht, ein Diener der Natur zu 
feyn. Bey den meiften, denen ich die Rinde gegeben, has 
be ich befunden, Daß die Reifung der Blartern Dadurch be> 
fördert, und die Dauer der Krankheit verfürzet worden, 
welches gewiß Feine geringe Sache iſt. Ich bediene mich 
gemeiniglich des Extracts (indem ich ein decodtum aus 
der Ninde mache, ohne ein alcalifches Salz hinzu zu thun) 
lieber , ald der Rinde felber ; denn ich glaube, daß er mit 
der Rinde gleiche Wirkung habe, und den Magen ded Kran⸗ 
fen nicht fo befchwere. Bey Kindern und zartlichen Per: 
fonen, die gar leicht einen Eckel vor diefer Arzeney bekom⸗ 
men können, babe ich fie mit guter Wirkung in duͤnner 
Chocolate gegeben, welche fie, wenn fiefüß genug gemacht 
ift, am allerbeften verbirger. 
Der fünfte Artikel ift ein Poftferiptum des Herren D. 
Doddridge von Kloribampton, diefed Inhalts: Eine 
Predigersfrau in der Nachbarfchaft, welche, nachdem fie 
in die Wochen gekommen, in eine Naferey verfiel, die aber‘ 
bald gehoben ward, fand wahrend der Zeit derjelben eine 
folche Beranderung in dem Zuftande ihrer Nerven, daß, 
ob fie gleich weder vorher noch jeitdem jemals ein muficalis 
ſches Gehör oder eine Stimme gehabt , dennoch zur Vers 
wunderung aller Umftehenden einige ſchoͤne Lieder zu fingen 
fähig war, welche ihre Schwefter einige Zeit vorber in ih⸗ 
ver Gegenwart gelernet.hatte, worauf fie. doch aber ſelbſt 
nicht einmal befondere Achtung gegeben, | 
Der fechfte Artikel iſt ein Verzeichniß von 50 Pflanzen 
aus dem Garten zu Chelſea, der Koͤnigl. Academie * 
er 


238 Auszug aus der 484 Numer * 


bee Geſellſchaft der Apotheker für da8 Jahr 1745 über: _ 
eben. | nn. 
; Im fiebenten Artifel findet man die Fortfegung der 
KTachricht von einem Verfuche einer Naturgeſchichte 
von Carolina und den Bahamiſchen Injeln, von 
Mark Catesby, Mital. der Bönigl. Gefellfchaft, zu= 
fammengesogen von Eromwell Mortimer, Secret. 
der Rönigl. Befellfbaft. Die 9 erften Abfchnitte dieſes 
Werks find fehon in den vorhergehenden Stücken der Phi- 
lofoph. Transadt. befannt gemacht. Den ıoten Abfchnitt 
fängt der Verfaffer mit dem ıcoffen Kupfer des andern 
Buches an. Er handelt von Pflanzen und Inſecten. 

Der achte Artikel enthaledes Heren D. Thom. Came⸗ 
rons von Worceſter Nachricht von einem ungewoͤhnli⸗ 
chen rödtlichen Zufalle. Der Hr. D. Green, Rector von 
St. Georg zu Queenfgare in London ꝛc. ritte nicht 
weit von London. Sein Pferd ward feheu, und er fiel von 
demfelben in eine Hecke. Der Fall an und für fich that 
ihm Eeinen Schaden. Weiler aber nicht ſtehen Eonnte, fo 
ward er in einem Wagen zu Haufe gebracht. Denfelben 
Tag ward er von einem Medico und Wundarzte beſuchet. 
Diefe fanden fein ferotum fo geſchwollen, daß die Ruthe 
faft gar nicht zu fehen war. Der Arzt glaubte, dieß ware 
Durch einen heftigen Stoß aufden Sartelfnopf verurfachet 
worden. Als ihm nachgehendg die Hüfte aufſchwoll, und 
er kein Waſſer laffen fonnte; fo glaubte der Wundarzt, daß 
die Blafe geborften ware. Der Patient aber fagte, die 
Schwenkung des Pferdes hatte ihm eine fo unerträgliche 
Empfindung verurfachet, als wenn er von einander gefpal- 
ten würde; und fo fand fich8 auch tiachgehendd. Denn 
aller angewandten Gorafalt ungeachtet, ffarberden 6ten 
Fagdarauf. Bey der Eröffnung fand man das ferotum 
und Die corpora cavernofa ganz zerquetfcht, Die ofla pubis 
waren 4 Zoll von einander gefpalten, undin der Blafe war 
etwas uber dem Halſe ein Riß von einen halben Zoll. 
Dieß war ganz was erffaunendeg; denn der Dock. Green 
war ein ſtarker Mann von großen Knochen, 64 Jahr alt, 
und die vereinigende Fläche der ofliumpubis war viel breis 
ter, als wir jemals gefunden. —B | 

| Im 


— 


— der Philofoph. Transad. 259 


Im neunten Artikel findet fich ein Schreiben des Hrır. 
D. Henry Miles an den Hn. Henry Safer, den Unter: 
fehied der Graden der Kalte anbetreffend, fo zwifchen einem 
Thermometer inder Stube und in der freyen Luft bemer> 
fet worden. —* 
Der zehnte Artikel giebt eine Nachricht von einer Frau, 
die eintodtes Kind 16 Jahre lang im abdomine getragen, 
während welcher Zeit fie 4 lebendige Kinder zur Welt ges 
bracht, von dem Hrn. Dock. Starfey Middleron. Im 
Detober des Jahres 1731 farb einer gewiffen Frau, Na— 
mens Ball, im fechifen Monat ihrer Schwangerfchaft ein 
Kind in ihrem Leibe. Diefes verurfachte ihr eine große in: 
nerliche Erfchütterung, die mit einer Bewegung des Kin= 
des, fofieempfand, begleitet ward, welche aber innerhalb 
6 Tagen immer mehr und mehr abnahm. Von diefer Zeit 
an hatte fie beftandige Schmerzen, die den Geburthsſchmer⸗ 
zen nicht unahnlich waren, und die Hebamme vermuthete 
eine unzeitige Geburt. D. Bamber verordnete, nad) ges 
fchebener Unterfuchung, einige treibende Arzeneyen, indem 
er glaubte, daß ein todes Kind da wäre. Es brachten 
dieſe Arzeneyen auch etwas herauß, das die Frau für einen 
Theil der Aftergeburth hielte. Ihre Echnerzen hörten auf, 
aber der Leib ward nicht dünner. In diefem Zuftande 
blieb fie 20 Monate, da fich die Schmerzen wieder einftell= 
ten. D. Bamber verordnete ihr warme Suppen. Es 
gieng ihr zweymal Waffer ab, und ald der Doctor feine 
Unterfuchung wiederholte, fo fühlteer ganz deutlich durch 
die Haute des abdominis ein todtes Kind. Den 28 Det. 
1734 fand ihr der Hr. D. Bamber, welchen ich beglei⸗ 
tete, bey der Geburth eined hubfchen Knabens bey; er 
fand aber, daß das todte Kind indem abdomine enthalten 
war, fo daß man vermittelfi Feiner menfchlichen Kunſt da⸗ 
zu kommen fonnte. Den 22 Ditob. 1735. ſchickte fie zu . 
mir; fie genas aber eined Knabens, ebeich hinkam. Ich 
brachte die placentam weg, und fand das todte Kind noch 
in derfelben Lage. Den g Det. 1738 hatte fieabermals einen 
Knaben gebohren, ehe ich hinkommen Fonnte. Das todte 
Kind blieb wie vorhin. Den 27 Jun. 1741 hatte fie vor 
meiner Ankunft ein Maͤgdgen zur Welt gebracht. Den 14 
\ — lb Octob. 


I 


- 


f Octob. 1747 ward ſie ins Guys: Hoſpital eb 


240 Auszug aus den Philof-Transad. | 


| acht, mo 
fie den 7 November ffarb. Sch eröffnete fie in. Gegen: 
wart der Herren Doctoren Neſchit, KTichols und Law⸗ 






rence, und fand den uterum nebft den andern Theilen des 


abdominis in ihrem natürlichen Zuffande. Das Kind lag 


. ander rechten Seite innerhalb des il, und war an daj: 


felbe und die daran liegende Häute Durch einen Theil des 
peritoni beveffiget, worinn die fimbria und ein Theil der 


Faͤllopiſchen Röbre fich zuverlieren fchien. Es war gar 


nicht verfaulet, fondern einem Enörpeligten Klumpen aͤhn⸗ 
Yich, und die Beine, welche manvor andern Fennen Fonnte, 
waren fehr verunſtaltet und verdrehet. Dieſer Zufall dies 
net zur Heberzeugung derer, welche glauben, Daß die Kna⸗ 
ben ander rechten, und Die Magdgen an der linken Seite 
empfangen werde. N 

Der eilfte Artikel enthalt eine Nachricht von der Anna 
Cutting, welche ohne Zunge deutlich reden Finnen. Wir 
liefern nachfteng eine ausführliche Erzehlung davon in,die- 
fem Magazine. Von dem Anhang diefer Numer foll eine 
Anzeige im folgenden Stuͤcke gegeben werden. | 


RE ————— 


J. Phyſicaliſche Nachricht von den Geſundbrunnen über 


haupt. 

II. Verſuch, die wahre Abſicht des Nic. Machiavels 
bey der Verfertigung der Regierungskunſt ſeines Fuͤr⸗ 
ſten zu entdecken. Ka 

III. Fortgefegte Abhandlung von der Wirfung der Luft 
auf und in die menjchlichen Körper, von dem Herrn 
John Arbuthnot, M. D. eg 

IV. Naturgefchichte der Infel Tabago. 0 — 

V. Nachricht von den Fabrifen und Manufacturen in 
Frankreich, und den daraus entſtehenden Vortheilen. | 

VI. Auszug derer phuficalifchen Artikel, welche in der 

| — der Philofophical Tranzactions enthal⸗ 

ten find. — —* Kr 


. . 4 

x ei‘ 

—9 ——— x J 
Si x * S 








geſammlete Sqriſten, 
zum 
Unterricht und Vergnuͤgen, 
aus der Naturforſchung 


und den 


angenepmen Wiſſenſchaften —2 





N : Ai RT au 





Des vierten Bandes dritteg Stu. 
— — — — ——— ——— —— —— —— — 
Mic Königl. pohin. und Churfuͤrſtl. Saͤchſi ſcher Freyheit. 


——— bey Georg Chriſt. Grund, und in Leipzig, 
bey Adam Heinr. Holle, 1753. 


\ 





— 


SR Sr A 
an 3 ——— 


— 





MNaturgeſchichte 
Der Inſel Tabago, 


welche S. 212 im vorigen Stuͤcke abgebrochen 
worden. 


ZEnter den Vögeln in dieſer Inſel ſind 
zwo Arten von Amſeln. Eine 
große Art, deren Fleiſch den Tauben 
s nichts nachgiebt, und eine Fleinere, 
die den Amfeln in England gleicher, 
che; daß fie einen längern Schnabel has 
ben. Das Fleiſch davon gleicher am Geſchmack 
den englifchen Staaren, Man muß ihnen aber die 
Haut abziehen, fonft find fie bitter, Der Booby * 
wird fo genannt, weil es ein fehr leichtglaͤubi⸗ 
ger Vogel if, Einige — ſind ſo groß, 
| 22 wie 
.* Sooby heißt in englifcher onrude f viel als ein 


einfaͤltiger Tropf. 
ER 





“. 





242 Raturgefhicte derd Inſel Tabago. 
wie ein Capaun. Ihre Foen find unt fsleihiih, 
und fie fü ind in fo großer Anzahl, daß ein. einziger 
"Mann in 10 Tagen 10000 davon: verſchaffen kann 
Der blaukoͤpfigte Papagey iſt ein ſehr ſchoͤner 
Vogel. Er iſt etwas kleiner, als die gruͤne Art. 
Sie lernen alles nachſprechen. Sie ſchmecken ſowohl 
gebraten als auch gekocht ſehr gut. Von Parraka⸗ 
toes giebt es zwo Arten; eine davon iſt fo groß wie 
eine Droffel in England, und gleicher einem Papas 
gey an den Federn. Die Kleinere Art aber ift nicht 
größer als ein Sperling, und lernet gleichfalls wie 
die grünen Papageyen reden. Hiernaͤchſt hat man 
hier den großen Papagey, deſſen Kopf und Bruft 
gelbe ift. Diefer Bogel redet am beften ‚ift auch ges 
lehriger als die übrigen, und läßt fi), nach meinem 
Geſchmack auch ſehr gut eſſen. Der Macaw hat 
einen Kopf wie ein Papagey, fein Leib aber iſt vier- 
mal fo groß und bat blaue rothe und grüne Federn, 
die ihm ein fehr fchönes Anfehen geben. "Der Fla⸗ 
mingo iſt von allen Voͤgeln der ſchoͤnſte, er iſt lang 
und gerade, von der Hoͤhe eines Mannes. Einige 
ſagen, er ſey gut zu eſſen, ich weiß aber weiter nichts, 
als ſeine ſchoͤnen bunten Federn an ihm zu loben. Die 
Enten ſind allhier ſchoͤn, allein ſie ſind kleiner als 
die engliſchen. Sie halten ſich des Nachts auf den 
Baͤumen auf. Die Seegaͤnſe ſind faſt eben wie die 
englifchen. Die Seemöven find allhier i in aroßer 
‚Menge, und von den englifchen in weiter nichts uns 
terfchieden ‚denn daß fie beffer fehmecfen, - Man bat 
allhier zwo Arten von Maſſerhuͤhnern, die fehr que 
zu effen und nur der Größe nach von einander untere 
fchieden find, Bon Curteltauben giebt es auch 

zwo 


Naturgeſchichte der Inſel Tabago. 243 


zwo Arten: die groͤßern girren ordentlich wie Turtel⸗ 
tauben; die kleinern aber haben eine Ark eines trau⸗ 
rigen Tones; beyde Arten find que zu eſſen. Der 
Rriegsfibiffpogel wird alfo genannt, weil er ſich 
weit vom Ufer zu den Slotten begiebt, ehe die Sees 
leute. jemals Sand entdecken, Er ift ungefähr fo 
groß, als ein welfcher Hahn, er ſtellet den Fifchen 
nad), und hat aud) einen fiſchichten Geſchmack. Sei⸗ 
ne Federn find ſchwarzgrau, fein Kropf aber ift roth, 
wie ein welfcher Hahn, wenn er boͤſe iſt. Der Pa⸗ 
tadiespogel, oder der Köniafifcher,, iſt ungefähr. fo 
groß, als ein englifcher Staar, Seine Federn has 
ben alleriey Farben. Er lebet von. den Fliegen, die 
oben auf dem Wafler ſchwimmen. Der Delitan, 
ift.ein Vogel ungefähr fo groß als eine Gang, hat 
einen ſehr langen Hals und einen viel größern Kropf, 
als andere Vögel. Er friße Fiſche, und Hat aud) ei« 
nen fiichichten Geſchmack, ſeine Federn aber find vor« 
treffiih. Cockerrico ift der Name der Phafanen in 
Tabago; fie find größer als die englifchen, und fols 
len auch beſſer ſchmecken. Es giebt auch noch zwo 
Arten von Waſſervoͤgeln, davon die eine roth und 
Lie andere grau iſt. Sie find fo groß, wie ein Cas 
faun, und haben einen langen krummen Schnabel, 
Sie find bloß der Farbe nad) von einander untere 
fhieden, und ſehr gut zu effen, Die allhier fo ges 
nannten Holztauben leben mehrentheils von allerz 
hand Beeren ‚und find nach meinem Gefchmad das - 
beſte Eſſen in America... Diefer Vogel ift größer, als 
eine englifche Taube, Sie find bisweilen fo fett, daß 
fie durch den Fall berften, wenn fie von den Bäumen 
herunter gefchoffen werden, Es giebt hier noch ver⸗ 
23,2 ſchie⸗ 





244 Naturgefihichte der< fe Zabago. 


ſchiedene Voͤgel mehr, die ſich alle ſen, die 
ich aber nicht zu nennen weiß, und deren Federn die 
Coloniſten nicht nur ſelbſt gebrauchen, f fendern fie 
auch verfchicken, 

Auch fehler es der Inſel Tabays niche an aller: 
ley Holje. Es wachfen allhier Cedern, die zween 
bis 5 Fuß im Durchmeffer halten, von deren Holze ge: 
meiniglic) die Häufer und Schiffe gebauer werden. 
Der grüne Hirſch, (the grean hart) welchen: ich 
für den Herfules unter ven Bäumen halte, dienet 
allerley Arten von Inſtrumenten zu machen, wie auch 
zu eingelegter und Drechslerarbeit. Der weiße und 
rothe Locuſt, oder die americaniſce he Acacia, iſt 
ein Baum von zween bis drey Fuß im Durchmeſſer, 
fo fih zum Haus: Mühlen: und Schiffbau fehr gut 
gebrauchen läßt. Der Maſtick baum hat ſo feine 
Adern, daß das Holz davon fo glatt gemachet wer⸗ 
den kann, wie das englifche Buchsbaumbolz, Einige 
Davon alten 3 bis 4 Fuß im Durchmefler, Es ift 
zu allerley Gebrauch bequem, und fo dauerhaft, daß 
die caribifchen Coloniften es auch ewiges Holz 
nennen. Mahogany if ein Baum, deffen Holz den 
Eedern an Farbe gleicht. Es ift vortrefflic, zum 
Schiff bau. Die indi ſſchen Spanier brauchen es 
ſehr ſtark, weil es unter dem Waſſer ſehr ſelten vom 
Wurme angegriffen wird. Der Mangrove, ſo 
von einigen roth Holz genennet wird, iſt gut zum 
Färben. Die Rinde davon würde "auch, wenn 
man es weiter unterſuchen wollte, ſehr bequem zum 
Gerben ſeyn. Vom weißen Mangrove werden 
gute Tauen gemachet. Der Weißholzbaum hat 
die beſondere Tugend, daß der Wurm ihn an⸗ 

rißt. 







Naturgeſchichte der Infel Tabago. 245 
| * Die Engländer in America bauen daher ihre! 
Scife von dieſem Holze. Der gelbe Sandel⸗ 
baum haͤlt 2bis 5 Fuß im Durchmeſſer. Das Holz 
davon ift zu allerley Gebrauche ſehr gut. Es wird: 
nicht nur an dem Orte genußet, wo e8 waͤchſet, fon« 
dern auch verfihicket. Der Lorberbaum ift fovors 
treff ich, Daß er von jedermann bewundert wird, Geis. 
ne Rindeilt wie Zimmeteinde, undfeine Beeren ſchme⸗ 
cken und riechen wie Nägelein und Zimmer, ‘und 
koͤnnen alfo als ein gedoppeltes Gewürz angefehen 
werden. Der Buchsbaum hat allhier ein ftarfes 
und feftes Holz, es wächfet aber felten fo groß, daß 
es zum Bauen fönnte gebraucht werden, Der ſo⸗ 
genannte Kidele» oder Geigenbaum, hat eine ana 
genehme Blüte, und mächfer fo groß, daß er zum 
Bau fann gebraucht werden. Der Braſilienbaum 
waͤchſet gleichfalls groß, und iſt gut zum Färben, 
Braſiletto ift eine Fleinere Arc davon, waͤchſet ſel⸗ 
ten fo groß, Daß es Bauholz‘ abgeben könnte, iſt 
aber zum Faͤrben eben ſo gut, als die vorige Art. 
Der Sullybaum ift ein ſchweres und fehr diche 
‚tes Holz, das im Wafler unterſinket. Auf den 
Barbadifchen Inſeln gebrauchen-fie es zu Walzen, 
Hauptfächlid) aber zu Mühlenrädern, zu Spindeln 
und Schaften in ihren Windmühlen und fo weitet: 
Der Lalsbafchroder Rürbsbaun hat eine Art eia 
nes zähen Holzes, welches wir zu Pumpen und Eleinen 
Fahrzeugen gebrauchen. Aus der Schaleder Frucht 
diefes Baumes machen einige Leute Trinfgefäffe, die 
fie Calebaffen nennen. Grünes Fuſtickholz iſt 
gut allerhand Inſtrumente und ausgelegte Arbeit dar⸗ 
aus zu machen, Das gelbe aber. können die Faͤrber 
| a beffer 








beſſer ehe Lgnum — ein di | 
nme 5.08 iſt gut zu Punchgefaͤßen und Mir 
| Das Gummi, die Blüte und bie Ninde Das 
5 ‚werden. in, den Apotheken gebrauchet. Wenn 
Bier oder anderes, Getraͤnke, 10 bis i⸗ Stunden in in 
einem Gefaͤße von ſolchem "Hole geftanden, und 
alsdann getrunken wird, fo hilft ſolches wider die 
Schwindfucht. ‚Manchioneekilt. eine Art von Holz, | 
fo zu Planfen und Diehlen ſehr bequem ift, und von 
Natur einen fo bittern Geſchmack hat, daß Fein Wurm 
es berühret. . Der gelbe Pflanmenbaum giebt.zu 
mancherley Gebrauche ſehr gutes Holz. Der Kohl⸗ 
baum waͤchſt zu einer außerorbentlichen Größe, fü 
daß einige bey: 100 Fuß lang werden, fie haben aber 
eine: fehr zaͤſerigte Wurzel... Es giebt kein. gutes 
Bauholz, weil es fo vieles Mark in Pr enthält: In⸗ 
deß iſt es doch gut zu Pallifaden, Pumpen, Dad: 
rinnen, Troͤgen, Eimern u. dig; Aus der harten 
und ‚äußenften. Rinde bereiten die Indianer durch 
Huͤlfe des Feuers die Spitzen ihrer Pfeile. Der Kohl 
an ſich ſelbſt, der an den aͤußerſten Enden des Bau⸗ 
mes waͤchſt, iſt vortrefflich zu eſſen, und uͤbertrifft 
den engliſchen. Ebenholz bringt die Natur hier 
gleichfalls hervor. Die Stauden, „ fo allhier wach» 
fen, werden in Linien gepflanzer, wie unfere Hecken, 
die Plantationen Dadurch von einander zu fondern. 
Die empfindliche Pflanze, die ſich zufammen 
ziehe, fo bald man ſie anruͤhret, iſt eive Siaude e, die 
Bien, gleichfalls in. Menge waͤchſt. MACE 
In Anſehung ‚der Re von: Tabago 
— die Coloniſten inſonderheit bey den folgenden 
Dingenihre Rechnung— Bemca 
landes, 
| 


Naturgeſchichte der Inſel Tabago. 247 


Landes, wenn man nur eine maͤßige Rechnung ma⸗ 
chen will, dem Inhaber jaͤhrlich 400 Stuͤck von Ad)» 
ten einbringen, welches in den barbadiſchen Inſeln 
auf 100 Pfund Sterling gerechnet wird, nachdem die 
Baͤume ſechs Jahre ſind gepflanzet worden. Das 
Zuckerrohr, welches die Holländer allhier gepflan⸗ 
zet, hat ſo zugenommen, daß ein Acker Landes von 
Zuckerrohr bis 6000 Pfund Zucker bringt, ohne den 
Rum und Mollaſoes zu gedenken. Der Taback, ſo 
auf dieſer Inſel waͤchſt, giebt dem ſpaniſchen von 
Trinidada nichts nach, ſo ungefaͤhr ſieben Meilen 
davon, und nicht über 20 Meilen nordwaͤrts von 
den veriniſchen Inſeln abliegt, wo der beſte Ta⸗ 
back von der Welt herkoͤmmt. Es giebt zwo Arten 
von Cottun, wovon ein fleißiger Pflanzer jaͤhrlich 
bey 200 Pfund machen kann. Ingwer, der hier 
ſo gut waͤchſt, als in einem Theile der Welt, kann 
auf zwo Arten verbeſſert werden. Einige ſchaͤlen 
und trocknen, andere aber ſchaben ihn. Die letzte Art 
iſt die beſte, und verdoppelt den Preis davon. Mit 
der erſten Art kann ein Mann in einem Jahre 7000 
Pfund machen. Von der Sarſaparilla kann ein 
Mann jährlich fo viel ſammlen und trocknen, daß es 
ſich auf gobis 100 Pfund Sterling beläuft. Semper- 
vivum ift eine gewiſſe faftige Pflanze mit ftachelichten 
Blättern, wovon allhier ſowohl als in den barbadi- 
fchen Inſeln eben fo qute Aloe kann gemachet werden, 
als, von Succotrina fommt. Bienenwache: ift / 
en eine gute. Waare. Bom Honig. machen wir 
Meth, oder machen es uns auch auf andere Art zu 
Nutze. Die Dinillios wachen in Huͤlſen, wie die 
türkischen Bohnen; und find. etwas flacher und Düne 
SEHE U: 





248 Naturgeſchichte der Inſel⸗ 


tier, und voller kleiner Saamenkoͤrner. Sie wach⸗ 


fen gemeiniglich auf Buͤſchen am den. Felſen. Wenn 
fie blühen, geben fie einen fehr angenehmen Geruch 
don fich, und bey’ ihrer Reifung werden fie erft grün, 
hernach braun und endlich immer dunfler. Einige 
gebrauchen fie, Die Chocolate oder Kleider damie'zu 
parfumiren. Die Spanier aber falzen fie ein zum 


Verſchicken. Sie brühen ſie in einer Peckel, die aus 


Salz und Leimwaſſer beſtehet, hernach trocknen fie 


dieſelben, und binden ſie in Buͤndel, in deren jeden 


100 gehen. Ein fleißiger Mann kann jaͤhrlich 10000 
Buͤndel davon ſammlen. Der natuͤrliche Balſam, 
wie wir ihn nennen, iſt ein gewiſſer Saft, der aus 
dem Balſambaume herauslaͤuft, wenn man ein Lo 
darein macht, da er denn in einem reinen Gefaͤße auf⸗ 
gefangen wird. Die Blaͤtter dieſes Baums find von 
Den Keigenblättern nicht viel unterſchieden, und der 
Balfam it fhralleinnerliche und äußerliche Wunden 
ein gewifles Mittel, Es giebt noch einen andern Dal: 
ſam, der dem Balfam von Gilead an Tugend voll⸗ 
fommen gleich if, Er kommt von der Blume des 
Balfambaums. Ihre Blaͤtter find gelb, und gold⸗ 
faͤrbigt. Sie iſt fo groß als eine Roſe. In dieſer 


gelben Roſe zeigen ſich nur 3 oder 4 Blaſen oder 


Tropfen von einer Ambrafarbe, in der Groͤße einer 


Erbſe, welche aus der Roſe fommen, und den vor⸗ 


trefflichen, wunderbaren und alles heilenden Balſam 
Planze, die mehrentheils auf feuchten Boden waͤchſt. 
Sie hat ein großes breites und ianges Blatt, das 
allenthalben mit Stacheln gleich den Zaͤhnen einer 


Sage verſehen ifty Aus dem mittelſten Theile dieſer 


Blaͤtter 


4, 


x 


Naturgeſchichte der Inſel Tabago. 249 
Blaͤtter waͤchſet ein Stengel heraus ‚ der ı2 bis 14 
Fuß hoch ift, und unten am Boden 4 bis 5 Zoll'in 
Durchmeffer Hal, Wenn diefer Stengel anfängt 
trocken zu werden; fo werden die Blätter abgefchnits 
ten und ins Waſſer geleget, fo mie man es mit dem 
Hanf machet. Nachgehends trocknet manfie ander 
Sonne, fondert das verfaulte Mark davon ab, ſo 
an den reinern Theil des Seidengrafes anhänger, 
welches fo fein als Seide kann gefponnen werden, Es 
Fann zu Tapeten, Kleidern und allerlen Gebrauche an- 
gewendet werben. Gemeiniglich aber werden Geile 
Daraus gemacht, Die außerordentlich ftarf find, Ar⸗ 
notto oder Annotto, oder, wie die Holländer fagen 
Rocoo, ift eine Pflanze, die eine rothe Farbe giebt, 
und fehr gut für die Färberift. Sie wächfer afldier 
in folder Menge, daß ein Mann von einem Acer 
Landes in Kahresfrift über 1000 Pfund machen kann. 
Es waͤchſet dieſe Annotto als ftachelichte Kletten, 
wie Difteln, welche, wenn fie veif werden, voller ro» 
then Körner find, die man bey trockenem Wetter 
ſammlen, auf einen reinen Boden legen, und die 
Körner ausdrefchen muß, Nachgehends muß man 
fie in einem Gefäß mit Wafler einweichen, bis das 
Waſſer eine Hochrothe Farbe aus demfelben heraus 
bringe. Dieß gefchiehet um fo viel cher, wenn es 
fleißig umgerühret wird, Hernach fondern fie mit 
einem Siebe, oder etwas dergleichen, die Körner von 
dem gefärbten Waffer , bis nichts als ein fedimentum - 
am Boden übrig bleiber, welche Subftanz fie in Fäfe 
fer fchlagen und fo verfehicken: Andere aber trocknen _ 
es an der Sonne, wodurch es befler, und gedoppelt 

bezahlet wird. 
Der 





250. Naturgeſchichte der Infel Tabago, 


Der. grüne Theer läuft aus der Erde von beit 
Munjadfelfen, und wird gemeiniglid) nad) einem 
Plagregen gefammlet, da fie es von der Oberfläche 
des Waflers abfehöpfen, und es in ein Gefäß thun, 
bas ein Loch im Boden hat, wodurch das Del vom 
Waſſer allmaͤhlig abgefondert wird, Es zeiget eine 
fonderbare Fräftige Wirfung an allen fömergpafien 
und, beſchaͤdigten Gliedern. 


Der Munfack iſt nichts anders. wi —— 
geronnener Theer. Wenn ſich dieſer Munjack ſo 
wohl in einer kalten als in einer warmen Gegend fans 
de; fo würden ordentliche Kohlen daraus werden, wie 
wir in England: brennen.  Diefen Munjack zer- 
fößt man zu Pulver, vermiſchet ihn mit Erde, und 
verbrennet ihn in den barbadiſchen Inſeln unter 
den Zuckerkeſſeln. Wenn er nicht mie Erde vermi- 
ſchet wird, ſo laͤuft er durch die Hitze in eine oͤlichte 
Subſtanz zufanımen, wie man ſolches an gefchmol _ 
zenem Peche bemerfet hat, an deſſen ſtau die Spanier 
Wunfack gebrauchen, Die Seifenerde ift eine Art 
von Seimen, weldyen die Natur mit der Kraft der 
Reinigung anderer Körper begabet hat. Es wird in 
Sal oder friſchem Waſſer aufgeloͤſet, und: giebt einen 

Schaum wie Seifenwaſſer. Es giebt auch eine Are 
von Leimen, der in den Zuckerbeckereyen gebrauchee 
. wird, davon auch. Gefäße koͤnnen gemachet werden, 
Er. giebt über diefes auch gute Ziegelfteine, und wenn 
er mit Sande vermifchet wird, gutes Ölas, Es fin. 
den ſich allhier über dieſes no) mancherley Schalen, 
Steine, Marcafite und Minsralien; „deren — un 

Wert 


Naturgeſchichte der Infel Tabago. 251 
| Sing, noch nicht einmal bekannt find. Und gleich” 
wie ſich aflhier durch die Güre des Himmels zum. 
Unterhalte von Menfchen und Thieren Vorrath ges 
nug findet; fo öffnet die Natur allhier die Thuͤren 
a igeen Schaͤtzen fleißige Arbeiter dar * 

wit zu bereichern. * 


IR 


entanunnnnsunenens ana 
a | 
Rain Nachricht 


von dem Anhalt der 472 Kummer, 
| Der); 


Philofophical - transactions. ; 


Der 43. Band der Philolophieal- ———— 
giving fome account of the prefent under- 
takings ftudies and labours of'the ingenious 

in many confiderable parts of the world; 
“ft in ato zu London 1746. 3 Alphab. © Bogen 
* heraus gekommen , und faſſet die Jahre 17a 
1745. und die 472 + 477 Nummern in ſich. 


Die 472. N. bat 4 BRENNT: und folgende Artikel, 


NO eichte Art, * flachtige — —— zu | 
Sy» erhalten, von Ephraim Reinhold Seehl. 
Herr Seehl giebr ſolche für nichts weiter, als 
für eine Verbeſſerung von Stahls Merhode 
AUS; man wird fie aus den beyden Proceffen * 
len 






252 Von dem Inhalte der 472. N. 


len koͤnnen, die er vorſchreibt. Zuerſt lehret er den 
fluͤchtigen Schwefelgeiſt, mit alkaliſchem Salze fuͤr 
ſich, zu machen. Man nehme ein Pfund Schwefel⸗ 
blumen, und fünf Pfund trocken feuerbeſtaͤndiges 
Alkali, veibe folhes unter einander, und. thue das 
Mengfel in ein eifernes Gefäß. Man gieße nach 
und nach ein wenig Waffer hinzu, bis daß erft das 


Alkali aufgelöfer wird, alsdenn bringe man-alles zum 


Kochen, ven Schwefel defto. beffer aufzulöfen. Wenn 
es eine Vierthelſtunde gefocher hat: fo gieße man 


nach und nach mehr, Waffer hinzu, und wenn man 


fiebt, daß der Schwefel aufgelöfer iſt, feige man die 


Solution durch, laffe fie bis zur vollfommenen Trocks 


ne in einem eifernen Gefaͤße abrauchen, bis es faft 
zu fehmelzen anfängt, und nehme alsdenn das tro⸗ 
ckene Pulver, wenn es abgekuͤhlet ift, heraus, thue 
es in eine Retortam tubulatam, ſetze folche in Sand: 
hige, und lutire einen Necipienten daran; darauf 
gieße man nady und nach Durch die Röhre zwey 
Pfund rectificirees Bitriolöl ein, und mache fogleich 


⸗ 


die Roͤhre mit einer Verſtopfung von Kreide und 


vuto zu, ‚gebe alsdenn ein nach und nach verſtaͤrktes 
Feuer einige Stunden lang, bis aller flüchtige Schwe⸗ 
felgeift übergegangen ift, worauf man das euer aus» 

ehen läßt, den Recipienten abnimmt, und die Seuche 
figfeit forgfäftig in eine Glasphiole gießt, Die mit eir 


nem gläjernen Stöpfel verwahret wird. So wird. 


man ungefähr 12 Unzen flüchtigen Geift erhalten, der, 
mittelmäßig belle ſeyn, fehr durchdringend beißend 





und fehwefelicht, faft wie Gas Sulphuris riechen, und. 


im Geſchmacke wie bey allen andern Berfuchen unges 
mein fauer feyn wird , fo daß man ihn als ein allge⸗ 
meines Saure brauchen Fann, und es vielleicht durch⸗ 

| gängig 


der Philoſophical transactions. 253 


gängig das befte unter allen bisher befannten Sau⸗ 
ren iſt. Das folgende ausgenommen, welches a 
zweyte Proceß verfertigen lehret. 

Den fluͤchtigen Schwefelgeiſt mit Kalke zu ma⸗ 
chen ‚ nehme man ı Pfund Schwefelblumen ‚44 Pf. 
feuerbeftändiges Alkali, und reibe folches wohl unters 
einander; darauf thue man das Pulver in ein eifern 
Gefäß, das man über das Feuer feßet, gieße ein wenig 
Wafler zu, das Salz nach und nach aufjulöfen,, laſſe 

es eine Bierthelftunde gelinde Fochen, thue mehr Waf 
fer, und. alsdenn 3 Pfund ftarfen lebendigen Kalk hin⸗ 
zu, welches alles man zufammen einige Zeit fochen 
läßt; wenn die Auflöfung völlig geſchehen iſt, feige 
man die Sauge durch, und laſſe fie wie im-erften Pros 
cefle zu einem trockenen Pulver abrauchen, welches 
man in eine mit einer Roͤhre verſehene Relorie thut, 
und nach und nach anderthalb Pfund vectificirres Bis 
triolöl zugießt, darauf wie vorhin zu diftillicen force 
fährt: fo erhält man acht Ungen flärfern, fäurern und 
flüchtigen Geiſt, als der vorige, und von gelblichter 
Farbe. Herr Seehl mache verfchiedene Anmerkun⸗ 
gen. über diefe beyden Procefle. Den Borzug feines 
Berfahrens vor dem ftahlifchen feger er darinn, daß 
Stahl den Schwefel verbrennt, und alſo mit Zerfide 
rung feines Gewebes, einen Theil des Geiftes oder 
Gas forttreibt, imgleichen daß diefe Methode reine 

licher als jene iſt, und mehr, wohlfeiler und vollfoms 
mener, fowohl zum Arzeneygebrauche, als zu einent 

Auflöfungsmittel liefert, auch) den zurückbleibenden 

- Tartarum vitriolatum reiner und zum Arztneygebraus 
che geſchickter laͤßt. Man darf auch nicht befuͤrchten, als 
| würde mis Bitriolöl vermengter Schmwefelgeift ent ⸗ 
| ftehen, 






254 Bon dem Inhalte der 
ſtehen / da bekannt iſt/ daß ein ſchwerer ober ſtaͤrk 
res Saure, in gehoͤriger Verhaͤltniß— ebraucher, 
ſchwaͤchere allezeit abfondere, und‘ frey übergehen 
Haß ‚An fich alfo Bier Das BitrIctBI MI Der Fener- 
beftändigen Alkali vereiniget, und den Tärtarin 
Vitriolatum ausmacher,den Teichtern Geiſt aber über. 
gehen laͤft. Band OR —J ONE 
Der andere Artikel befehreibf einen Zufall bey ei⸗ 
nem neugebornen Kinde, der für eine Spinam biſe 
dam gehalten worden. Ein Wundarzt zn Windfor, 
Herr Georg Anlere, har ihn der en mitge⸗ 
theilet. Die Zeichnung von den unterſten Rücken 
fnochen des Kindes ; fo den fechften Tag nicht erlebet 
hat, weiſet, daß in die unterſten Ruͤckgradswirbel 
eine Oeffnung gamg in die Hoͤhlung des Ruͤckgrads 
hinein gegangen, ſo daß das Ruͤckgradsmark bloß 
und ohne Bedeckung einiger Knochen da gelegen; 
diefe Deffnung hat man angefehen, als ob fich Die 
Fortfäge ver Lendenwirbel in zween Kefte theileten,, 
welches ſich aber nach Herrn Cromwel Morrimers 


Anmerkung , nicht ſo befunden haft.. 
Im 3. Artikel theilet ein Wundarzt zu Truro in 
Cornwallien, CHriftoph Warrick der Gefllfehaft eine 
_ befondere Heilung der Wafferfucht mit. Er bat ei- 
ner Frau, welcher bey diefer Kranfheit das Wafler 
abgezapfet werden müffen, in den Unterleib Briſtol⸗ 
waſſer und Claret eingefprüßer in der Abficht, dat 
diefe Feuchtigkeiten die Fließwaſſergefaͤße verfchließen, 
und den Ausguß der darinn enthaltenen Lymphae 
verhindern follten; aufdiefe Gedanken war er dadurch) 
gerathen, daß er zuvor beobachtet hatte, wie Die abges 
zapfte Feuchtigkeit, wenn erfiemirjenen Materien ver- 

menge 


‚der Philoſophicaltransactions. 255 


menge hatte, zufanmengetonnen war, Der Er— 
folg iſt auch nach Wunſche geweſen. 


Dieſer Verſuch hat Herrn Stephan Hales M. Ber 


Ge Gelegenheit gegeben, eine Merhode mitzuteilen, 


wie man flüßige Materien in den- Unterleib bringen 


\ Fann ; ſie wird im IIII. Are. befchrieben, und koͤmmt 
darauf an, Daß man in jede Seite des Unterleibes ei— 


ne Roͤhre ftecken foll; die eine ſoll vermittelſt eines 
ſchwachen ledernen Schlauches mit dem Gefaͤße ver⸗ 
bunden ſeyn, das den Saft in ſich haͤlt, den man in 
den Leib bringen will, und durch die andere wird das 
Waſſer abgezapfet: ſo darf man) feine Ohnmachten 
wegen Ausleerung des Unterleibes befuͤrchten; Herr 
N. zeiget auch, wie man beſtimmen kann, wie groß die 
Kraft iſt, mit welcher der Unterleib von dem Waſſer 


ausgeſpannet wird, und wie man ſich alſo mit Hinein⸗ 
laſſung der andern Feuchtigkeit zu verhalten habe, 


Der V. Art. enthält Herrn Johann Fothergills Aus⸗ 
zug aus feinem Verſuche über den Urſprung des Am⸗ 
bra, Es foll darinn erwiefen feyn, daß der Ambra 
feinem Urfprunge nach aus dem Pflanzenreiche herz 
ruͤhret, aber durch ein mineralifches Saure in feine 
isige Geftalt gebracht worden, 

Sm VI. Art. ftehen einige Beobachtungen aus 
der Maturgefchichte, welche Herr Secondat de Mon⸗ 
tesquieur dem Nräfidenten überfchrieben. In einent 
Gefundbrunnen bey Bagneres in Gafcogne, findet 
man fleine Steine von roftiger Eifenfarbe, und von 
der Öeftalt wie Parallelepipeda oder Würfel, aber 
mit ungleichen Seiten und fehiefen Winkeln Man 
bat in der Gegend daherum, bey Verfertigung eines 


Grabens, eben dergleichen Steine in einer Art Schies 


4 Band j R fer 





| ‚fer — und Herr Br RE daß 


— 


die Quelle durch einen ſolchen Ort durchgeht und die 


Steine, welche mit ihrer Mutter nicht feſte zufam- 


‚men bangen, mit ſich foreführet. Die Quelle ältkein 


Eifen, denn fie wird von Galläpfeln nicht ſchwarz, 
fondern eine ſolche Vermiſchung bekoͤmmt nur, wenn 
ſie eine Zeit geſtanden hat, eine weißlichte Farbe. 
Eine Bemerkung anderer Art des Herrn Monteſquien 
betrifft das Steigen des Thermometers von der Wär- 
me auf hohen Gebirgen. Die Erfahrungen, die vom 
Herren Monnier darüber angeftellet worden, und in 
deffen Ueberf. von Coteſens Phyſik 408 ©. wie aud) 
in den Memoires der Akad. der Wiſſenſ. von Paris 
1740 zu lefen find, haben ihn darauf gebracht, Er 
hat ein Aueckfilber : Thermometer zu Bagneres abges 
theilet, fo, daß ziwifchen dem Grade des Fochenden 
Waſſers, und des Eiſes 180 Theile gewefen; dieſes 
bat er den g Julii 1743 nebft zwey Barometern auf 
die Spitze des Pic du Midy genemmen, die Barome» 
ter haben eines auf 20 Zoll 2 tin, das andere auf 20 
Zoll ız Linie aeftanden. Er hat das Thermometer mit 
ihre umgeben, davon es eben fo tief gefallen ift 
als zu Bagneres, aber von Fochendem Waſſer ift es 
nur auf 165 Grad geftiegen, alfo 15 Grad niedriger 
als zu Dagneres geftanden. Nach feiner Rückkehr 
nach Bourdeaur bat er den Grad des kochenden Waſ⸗ 
fers dafelbft 34 Grad höher als zu Baqneres aefuns 
den, wenn die Barometerhoͤhe 28 Zoll * 2oder 3 
finten iſt, es fiel’alfo bey einer neuen Abtheilung des 
Thermometers, der 165 Grad nun auf den RE und der - 

Banner 


* Sol vermuthlich 20.300 beißen, h 


- der Bhilsfophicaltrangactiong. 257 
Unterfehied der Grade im Fochenden Waſſer, auf dem 
Pic du Midi und zu Bourdeaur bey 20 Zoll 3 kin, 
Barometerhoͤhe, ift 18 Gr, des fahrenheltifthen Ther⸗ 
mometerg, welche mit 15 Gr. des delißlifchen, deffen ſich 
Herr Monnier bedienet, übereintreffen, 

Im VI. Art, befchreibt Herr Heinrich Baker, 
SM.d. ©. ein neu entdecftes Geeinfert, dag er den 
Augenfauger heißt, weil man es an ven Augen der 
Brunnfifche (Sprats) hängen findet, aus Denen es vers 
mittelft eines langen Rüffels fange. Die Abbildung 
in natürlicher Größe, und auch durch das Vergroͤße⸗ 
rungsglas ift beygefüget. 

Im VIIL Are. erzäblet Herr Collinfon eine beſon⸗ 
dere Probe von der Härte der Miufcheln. In den 
Ruinen der St. Edmondsabtey befindet ſich eine Art 
Stein, welche aus Grieß oder Sand mit einer un« 
fäglichen Menge fehr Fleiner Mufcheln vermenger, bes 
ſteht; der Sand harte ſich an verfchiedenen ver Wit 
terung ausgefeßten Orten zerbroͤckelt, aber diefe Mus 
ſcheln waren ganz geblieben und hatten ihren vollfom« 
menen Glanz behalten. So hart aber die Mufdyeln 
find, fofönnen fie doch von Fiſchen verdauet werden. 
Dieſes iſt eben nicht lo ſehr bey einigen großen Fiſchen 
zu verwundern, die in ihren harten Kinnbacken eine 
zulängliche Berrichtung dazu zu haben feinen, fie 
zum leichtern Verdauen zu zermalmen, aber in ges 
miffen zarten und Fleinen Fiſchen müffen fie bloß 
durch deren Säfte aufgelöfet werden, denn Herr 
Collinſon hat in den Gedärmen derfelben lange 
Reihen von Pedtuncnlis gefunden, von deren Echa« 
len einige völlig, andere nur zum Theil aufgelöfer, ans 
dere noch unverleget geweſen. er Callinſon wuͤnſchet, 

R2 man 





258 Vondem Inhatte der a⸗ Nu 


man möchte das Auflöfungsmittel, welches hiche Fiſche 
beſitzen, unterſuchen, weil ſolches entweder ſelbſt, oder 
vielleicht die Fiſche, durch eine ſolche Unterſuchung 
fönnten noch brauchbarer gemachet werden, 


Der VIII. Art. erzaͤhlet die Umſtaͤnde einer Krank⸗ 
heit, an der ein italieniſcher Geiſtlicher geſtorben, nebſt 
einigem, das man bey feiner Eröffnung bemerfet hat, 
befonders einem Gefchwüre, das unweit des Magens 
angetroffen worden, und hier abgebildet iſt. 


m zehnten Artikel unterfuchet Herr Jacob Ju⸗ 
rin die Wirkung federharter Körper, Er ſetzet daben 
zum Voraus, was aus Hooks Verſuchen erhellet, und 
in deſſen Lectionen de potentia reſtitutiua, ſo 1678 her⸗ 
ausgekommen, enthalten iſt, daß die Spannung oder 
Ausdehnung eines ſolchen Koͤrpers ſich wie die dazu 
angewandte Kraft verhalte, oder, wenn Die Feder ver- 
möge einer gewilten Kraft z. E. durch den Naum eis 
nes Zolles zufammengedruckt wird, daß die doppelte 
Kraft ſie durch zween Zolle, u.f.m. uuſommendrucken 
werde. Die Federkraft der Luft beobachtet ein ander 
Geſetz, denn fie verhält fich nicht wie der Raum, um 
welchen fie weiter, fondern wie der, in welchen 
fie zuſammengedruckt worden. Alsdenn beftimmer er, 
wie ftarf eine Feder, die mit ihrem einen Ende feſte 
gemachet, von einem ‚Körper, deflen Gewichte und Ges 
fhioindigfeic gegeben find, zufammengepreffer wird, 
menn er gerade auf fie anftöpt. Herr Jurin leitet 
aus dieſem Hauptfage fehr viele Folgerungen her, und 
bemerfet, daß fich diefe Betrachtungen bey dem Strei⸗ 
te wegen der lebendigen Kraͤfte brauchen laſſen, der 
ſeiner Meynung nach mehr als ein Wortſtreit iſt, und 


bey 


| 4 N 02 Le Pal 
der Philoſophical transactions. 259 
bey dem ſich beyde Parteyen auf Gruͤnde, welche die 
Theorie federharter Koͤrper vorausſetzen, beruſen. 
Sm ıı Artikel erzaͤhlet der Herr Hofr. Haller einen 
merfwürdigen Zufall, der in dem rechten Eyerftocke 
eines Weibsbildes von 30 Jahren auf dem göttingis 
fehen Theatro bemerket worden. Man hat im Unter 
leibe,im Dbertheiledes Beckens, an der Mutter, eine 
große Geſchwulſt, Die ans zwo Fleinern beftanden, ges 
funden. Die vechte Muttertrompete war an dieſe 
Geſchwulſt dergeftalt angewachfen , daß faft die Hälfs 
teder Haut, die fie ausmachet, indie Haut, welchedie 
Geſchwulſt umgab, verwachfen war. Mic der Ges 
ſchwulſt und der Murter hat auch das Mes zufam: 
mengehangen; und an der außern Flaͤche des Sackes, 
der Die Gefchwulft enthielt, Haben fid) Wafferbläschen 
Chydatides ) befunden; auf derlinfen Seite ift nichts 
außernatürliches gewefen. Die Haut, welche die Ge⸗ 
ſchwulſt einwickelte, war faft eine Linie dicke, und der 
Sad überall Hohl, durch eine Zwiſchenhaut in zwo 
Höhlen getheilet. In dem Eleinern Sacke befand fich 
eine Materie,die zugleich Honig und Fette aͤhnlich war, 
und efhe große Menge von Haaren enthielt, welche 
den menfchlichen vollfommen ähnlich und braun, kraus, 
faft zween Zofle lang, nirgends aber fefte waren. 
Weil Herr Haller bier ein offenbares Deyfpiet von- 
den Honigfchwwären’( Melicerides) der Alten hatte, ſo 
. brachte er die Honigmafie ans Feuer, welche fich ſo— 
gleich entzimdete, und wie Fett wegbrannte. In 
dem andern Sacke war ein eitriges Wefen von einer 
andern Art, faftwie Mitch; es ſchwommen darinnen 
wie Stückchen $unge, die braun waren und fich zer⸗ 
reiben ließen, Herr Haller glaubet, es feyen durch 
| 2, 2 ii einen 


/ 





‚einen Zufall zwey — in Bi — aufge⸗ 
ſchwollen, die nach und nach den ganzen Raum des 
Eyerſtocks eingenommen, und die uͤbrigen, als die 
ihnen zu widerſtehen unvermoͤgend waren, zerſtoͤret ba» 
‚ben. Schwerer feheine ihm zu begreifen, woher im 


"Eyerftode fo viel Fett gefommen, welches, wenn man 
es alles herausgenommen hätte, wohleine Unze würde 
ausgetragen haben, da fi) im gefunden Eyerftode 
nicht das geringfte Fett zeiget. Er folgert hieraus, | 


daß fich überall Fett anlegen koͤnne, wo fich ein zels 
lenformiges Gewebe befindet, ob folches wohl nicht 
überall gefchieht. Er hat im Hodenbeutel, im maͤnn⸗ 
- lichen Öliede, Fert gefeben, und weiß, Daß man ders 
gleichen in dem zarten zellenartigen Wefen gefunden 
bar, das zwifchen der harten und ſchwarzen Haut des 
Auges liegt. Noch eine andere Frage ift, wie Haas 
re ohne eine Haut, in der fie gewurzelt hätten, haben 
entfteben Fönnen? Obgleich fonft die Haare, wenn 


fie Die Haut durchdringen, indem Fette ihre wahrhaf« 


ten Wurzeln haben, wie man bey den Haaren ver 
Schaam fieht, fo ift doch hier ſchwer zu ſehen, wie 
an einem Orte, der von dem Oberhaͤutchen (Epidermis) 
fo entfernet gewefen ift,, an diefen Haaren der äußers 
liche Ueberzug bat eneftehen Fünnen, Der den ordent« 
lichen Haaren fo ähnlich, und eben fo hornartig ges 


weſen ift; erfrager, ob nicht dadurd) Die gewöhnliche: 


Meynung entfräftet würde, daß die Rinde der Haare 
ihren Urfprung vom Iperhäutchen Habe, und obniche 
hieraus folge, daß die Rinde des Haares von der. Rin⸗ 
de des Würzelchens entftehe? Denn Herr Haller ift 


nicht geneigt zu glauben, daß Diefe Saure Ueberbleib» | 


fel einer zerftörten Frucht geweſen waͤren wie fie es 
- in 





der Philoſophical transactions. 261 
— in andern ähnlichen Begebenheiten ‚ befonders in der, 
welche Tyfon in den Transactionen erzähle, wohl 
gewefen find; denn Tyfon hat nebft den Haaren aud) 
Zähne gefunden, bier aber ift nicht zu vermuthen, daß 
ſich die Haare follten verhalten haben, wenn die Zähne 
und Knochen wären zerftöret worden. Die Ges 
ſchwulſt ift auf einer Kupfertafel abgezeichnet, und 
das Driginal wird in dem anaromifchen Borrathe ber 
göttingifchen Akademie aufbehalten, 

Der 12 Artikel ift das Verzeichniß der 50 Pflan— 
zen aus dem Chelſea Garten, welche die Aporheferge: 
fellfchaft auf das Fahr ı74ı des Herrn Hans Sloane 
Anordiiung gemäß, der Föniglichen Geſellſchaft über: 

liefert hat. Sie find mit den vorhergehenden in einer 
Reihe fortgezähfee, und machen das Taufend voll. 
Im 13 Artikel giebe Here Baker eine leichte Art, 
Münzen, Gepräge u: f. w. abzudrucken. Zuerſt iſt 
bier nöthig, daß man das, wovon man die Abbils 
- dung haben will, in ſchwarz Siegellack vollfommen 
‚und fcharf abgedrucket babe. Alsdenn fchneidet man 
das Siegellad rings um den Rand des Abdrucfs mit 
der Schärfe eines Federmeflers ab, und ftreicht Gums 
miwaſſer, das, fo wie das Bild werden foll, gefärbee 
ift, auf diefen Abdruck, vermittelft eines Eleinen Haare 
pinfels, woben manin Ach nehmen muß, daß ſolches 
wohl in alle Vertiefungen des Abdrucks komme, weil 
dieſelben in dem davon zu verfertigenden Bilde erha . 
ben werden, und allein Farbe bekommen müffen, da« 
ber man fie von allen andern Theilen forgfältig weg⸗ 
Schaffen muß, eheman weiter gebt. Dießgefchieht, i in« 
dem man den Zeigefinger nur ein wenig mie Speichel 


.. Gh beneßer, und ” gelinde aber ſchnell über 
,\ RA die 





262 Von dem Inhalte der a⸗ 


die Flaͤche des Abdrucks führer, halkemnäk mit einem 
reinen Tuche abwifchet, bis man finder, daß alle er⸗ 
habene Theile des Abdrucks vollkommen rein, und nur 
die Buchftaben und Vertiefungen gefärbt find. ‚Mad: 
gehends benetzet man ein Stüd fehr duͤnnes Poſtpapier, 
das etwas groͤßer als das Schauſtuͤck iſt, mit dem 
Munde, oder mit Waſſer, bis es durch und durch 
feuchte wird, aber es darf kein Waſſer daran haͤngen 
bleiben; man lege ſolches auf den Siegelabdruck und 
oben auf das Papier drey oder vier Stuͤcken ftarfes 
wollenes Zeug oder Flanel ungefähr von eben der 
Größe. Zuvor aber muß man ein Paar flache glatte 
eiferne Platten, etwa 2 Zoll ins Gevierte und ein 
Zehntheil eines Zoll dicke in Bereitſchaft haben; auf 
der einen ihr Mittel wird der Siegelabdruck mit feis 
ner rechten Seite oben geleget, ehe man das Papier 
und) den Flanel auf ihn leget, und die andere Platte | 
koͤmmt unmittelbar darauf, Nun bringt man alles | 
feft und gleich auf einander gelegetin eine Prefle, die | 
Herr Baker weitläuftig befchreibt, ja in Kupfer vorſtel⸗ 
let, und die Art fie zu brauchen evflärer. Man fann mit 
einem Worte fagen, daß es eine Buchbinderpreffe, 
nur fleiner, aber von Eiſen iſt. Man ſieht teicht, 
Daß fich auf diefe Arc der Abdruck vonneuem auf das 
Papier abdrucken wird. Bey dem Siegelabdrude 
erfodert Herr Baker, das Siegellack folle fehr fein 
feyn / fonft werde ihm die gehörige Härte, und dem Abs 
drucke die Schärfe mangeln, es folle etwas breiter, 
als das Schauſtuͤcke und die Dicke nach dem Maafe 
der erhabenen Theile deffelben ſeyn, man muͤſſe auch 
das Schauftück abdrucken, wenn das Siegellack die 
gehörige Hitze habe, denn fey es zu heiß, jo werde cs 


cd 





I 


IR 
— 


der Philoſophical transactions. 263 


ſich an das Metall anhaͤngen, und wo es zu kalt iſt, 


koͤnne man keinen ſcharfen Abdruck erhalten, die beſte 
Zeit ſey, wenn das Siegellack aufhoͤret zu arbeiten 
und kleine Blaſen aufzuwerfen. Man ſoll auch den 
Abdruck nie auf einer Tafel oder einem harten Kör- 
per machen, ohne etliche Blätter Papier, oder noch 


beſſer, ein Stücd wollen Zeug darunter zu haben, das 


Schauftüc auf beyden Seiten gleich ftark abdrucken, 
und mit dem Drucfe anhalten, bis das Siegellack 
bald falt ift, fonft würden die erhabenen Theile des 
Abdrucks, weil folche noch weich find, niederfinfen und 
nicht fo feharf bieiben , das befte Papier dazu endlich 
ift weiße Pappe, Kartenpappe oder ander ftarfes 
Papier. Man kann die Abdruͤcke auf das Papier von 


. was für einer Farbe man will machen, Herr B. bat 


fie insgemein roth gemacht, und daher ſchwarzes Sies 
gellack erfodert, auf dem fich das Rothe am beften aus⸗ 


nimmt; wolle manfie ſchwarz und weiß wie Kupfer» 


ſtiche machen, fo müßte man rothes Giegellack neh» 
men. Zur rothen Farbe nimmt er Lack und Zinno— 
ber vermenget, zum ſchwarzen ift die Tufche am beften, 
und giebt Bilder, dieRupferftichen vollkommen ähnlic) 
find. Er zieht diefe Arc, Abbildungen von Schau: 
ftücfen zu befommen, allen übrigen vor, die entweder 


nicht fo bequem find, oder die Schauftücken befchädigen 


u. ſew. Das Siegellack hält einen ftarfen fenfrechten 
Drud aus, und fann man wenigſtens drey bis vier 
gute Abdeücke davon machen, es würde zu taufenden 
tauglich ſeyn, wenn es nicht Riffe befäme, die ſich 
auf den Abdruͤcken mit zeigen; aber ses kann wieder 


% abgewafchen, gefihmolzen und zu einen neuen Model 


gebrauchet werden. Herr DB. bat ſich dieſer Methode 
Pr RX 5 feit 


264 Vondem Inhalte 


feit 25 Jahren bedienet, und ein. Geheimniß daraus 
gemachet, hält ſich aber jetzo wegen des Mutzen, den 
fie baben fann, verbunden, fie mitzutheilen, 

Im rg. Artigiebe Herr Forfergi ll feine Bemerkun⸗ 
gen wegen des perſiſchen Manna. Er hat dieſe Art von 
Manna aus Petersburg, unter dem Titel Manna Perh- 
cum ex planta Al Hagi Maurorum erhalten, und glau⸗ 
bet, aus ſeinen damit angeſtellten Berfuchen werde er⸗ 
hellen, daß von drey Arten des Purgiermanna, welche 
die Araber unter den Namen Manna, Tereniabin, 
und Siracoſt gebrauchet haben, die mittlere Art noch 
vorhanden ſey. Das Manna, das er unter Händen 
gehabt hat, war eine dunkele braunröthliche vermengte 
Mafle, und bejtand bey genauerer Unterſuchung aus: 

1) einer großen Menge cryſtallenartiger faſt durch⸗ 
ſichtiger runder Koͤrperchen, von weißlichtgelber Far⸗ 
be und verſchiedenen Größen; die größten übertrafen 
nicht einen Eorianderfaamen , oder eine fehr kleine 
Erbfe; Sie fallen mehr ins röthliche als die Maſtix⸗ 
koͤrner, weichen aber an Geſtalt und Durchſichtigkeit 
nicht weit von ihnen ab; 2) kleinen Stuͤckchen wie 
Stacheln, und andern wie Stengeln von Blättern 
oder Früchten; 3) einigen wenigen ſchmalen fpißigen 
‚fteifen Blättern; 4) vielen roͤthlichten langen Hülfen, 
yon einem füßen gallertartigen Gefchmade, die von 
einem big zu fieben harte, unordenelich geftaltete doch 
ungefähr nierenförmige Saamen von fehr herbem Ges 
ſchmacke, und 5) etwas Sand und Erde. Bier Un 
zen Manna in warmem Warfer aufgelöfet, ließen eine 
Unze oder etwas mehr dergleichen im Filtro. Die 
Kuͤgelchen N. 1. find hart, und laſſen fich wie Zus 
erfand zerbeißen ; fie haben einen ii 
| en 





Be iv * 


der Philoſophical transactions. 265 


fen Geſchmack, und viel weniger von dem Mannages 
fchmacfe als das Ealabrifche, aber doch genug anzu⸗ 
zeigen, zu was für einer Art Materie dieſe Maſſe ger 
hoͤret. Die Stengel u. ſ. w. fcheinen Theile der 
Pflanze zu ſeyn, Diedas Manna giebt. Manbat eis 
nige Saamen gefaet, und daraus Pflanzen vom Al- 
hagibefommen. Soweit gehen deren 5. Erfahruns 
gen, das übrige feiner Abhandlung beftehe in Anfuͤh— 
rung deffen, was Cluſius, Tourneforf, u. a. vonden 
verfchiedenen Arten des Manna, von der Weife, es 
zu fammlen, u. f. w. gefaget haben, 
Im XV. Artikel befchreibe Herr Hofr. Haller eine 
Pflanze, Cyanus Foliis radicalibus partim integris 
‚partim pinnatis, Bradtea Calycis ouali, Flore ful- 
phureo. Sie ift aus Rußland, oder wenigftens von 
der Wolga. Ein beygefügtes Rupfer ftellet fie vor. 

‚ Der XVL Artikel enthält ein Schreiben Herrn 
Pickerings von der Fortpflanzung und Wartung der 
Schwaͤmme. Herr P. vermehret darinn feine ſchon in 

ber 471 N. Hievon mitgerheilten Anmerkungen, welche 
den Fungum porofum craſſum magnum, der in Eng» 
land vorzüglid) Mufhroom, und beym Rajus 
‚Syn. ftirp. Brit. Ed. II. p. ı1. Fungus campeflris al- 
bus fuperne, inferne rubens I. B. heißt, befonders 
zum Gegenftande haben, Die berabhängenden Scheib«- 
chen auf der untern hohlen Seite des Hutes vom Erd» 
ſchwamme, find die Saamenbehältniffe, vondar fallen 
die Saamen in eine ihnen weislich zubereitete Hoͤh⸗ 
lung mitten im Stengel , und fommen dadurch leicht _ 
- in die Erdeneben ihrer Mutter, wiewohlfich die Erd» 
ſchwaͤmme auch duch Schoͤßlinge wie die Potatoes 
vermehren. Diefe ſchon damals vorgetragene Saͤ⸗ 
Hi tze, 





Se, beftätiget Herr Pickering durch folgende neue Be: 
obachtungen: 1. Er hat nicht nur in verfchiedenen fol 
chen Sceibchen deutlich Saamen, von einer Größ 
fe und Farbe angetroffen, welche der Reife der Pflan- 
ze gemäß waren, fondern aud) eine hülfenartige Deffs 
nung, mit einer Reihe Saamen, die Durchzufallen 
bereit waren; woraus deutlich erhelfet, daß jede eins 
zelne Scheibe eine Saamenhülfeift. 2. Er bat ferner 
bemerket, daß der Faden mitten im Stengel, an dem 
er den Saamen zuerft entdecket hat, einen ſolchen Bau 
hat, vermittelft deffen er ven Saamen auffangen, und 
längft des Stengels auf die Erde führen Fann. 3. Er 
findet, daß ver Schwamm als eine vollfommene 
Pflanze feine Wurzel, Stengel und Saamen hat, / 
auch nicht nach dem gemeinen Sprüchworte in einer 
Nacht waͤchſt, weil er welche in allen verfchiedenen 
Almftänden ver Reife befist, von denen einige feines 
Wiſſens 14 Tage alt, und nur jego erft zum Eſſen 
fauglic) find. 4. Er hat Schwaͤmme eine ganze Wo⸗ 
che der freyen Luft ausgefeger, aber vor allzuftarfer . 
Wirkung der Sonne und des Regens verficheret, wor⸗ 
auf er innerhalb diefer Zeit noch Feinen Anfang zur 
Faͤulung, vielweniger TIhierchen darinne gefunden, 
wie er gleichwohl in andern durch das Bergrößerungss 
glas entdecket hat. Er vermuthet, die übeln Folgen, 
welche bisreilen von dem Genuffe ver Schmämmeent- 
fanden, feyen mehr dergleichen mit eingefchlucktem Un⸗ 
geziefer, als einiger giftigen Eigenfchaft zuzufchreiben, 
Zuletzt giebt er noch Borfchriften, wie folche Schwaͤm⸗ 
me zu ziehen find. ı Man beftimme dazu ein Stüd 
‘Erdreich von anderthalber Elle Breite, und fo lang 
alö es der Platz zuläßt; am jedes Ende der vorer- 
y waͤhn⸗ 


2 


, 


. 


der Philoſophical transactions. 267 


waͤhnten Breite ſtecke man einen Stab, und neige 
ſolche mit den Spitzen zuſammen, daß fie ein gleich⸗ 
ſchenklichtes Dreyeck machen. So weit diefe Stäbe 
von einander, und fo hoch fie find, muß das Mijt- 
beet, von.altem festen trocfnen Mifte, derb zufams 
mengetreten,gemachet werden ; weder neuer noch feuch« 
ter Mift ift taualich, denn da diefe Gewächfe von Na⸗ 
tue faftig und ſchwammicht find, jo würde ihnen zu 
viel Hiße und zu viel Feuchtigkeit fchaden. Hat man 
das Beet folchergeftalt zugerichtet; fo bedecfe man es 
drey Zoll hoch mit feiner gefiebten Gartenerde, und 
ftefe in ſolche, in gehörigen Weiten entweder das 
weiße faferige Wefen, das man aus Dertern, wo vor= 
mals Schwaͤmme gewachfen find, fammlen Fann, 


oder man gieße Waſſer darauf, indem Schwaͤmme zu- 


vor find gewaſchen worden, oder man thue die Scheib⸗ 
chen der Schwaͤmme felbft hinein. Die erfte Art, iſt 
eine Berpflanzung der Schwämme, denn die weißen 
Faſern find nichts meiter als Schoͤßlinge alter 
Schwaͤmme, von deren fic) andere wie Potatoes fort 

anzen; nach) der ziweyten Art, werden die ausge: 
wafchenen Saamen in die Erde gebracht, und nach 


der legtern, die Saamen in ihren Hülfen gefäet. Das 


fo zubereitete Beet, muß man beftändig mit langem 
frifchen Stroh, einen Fuß hoch bedecken, die Pflan— 
zen vor Sroft, Sonne und Winde zu fhüßen. Im 
Mittel Des Sommers, und am Ende des Winters 


ift es am beften, diefe Beete unter Dach zu machen, 


zu anderer Zeit aber fann man fie lieber unter freyem 
Himmel anlegen, denn diewarmen Regen tragen viel 
zu ihrer Fruchtbarkeit bey, und da die Beete abhän« 
— | ’ Er gig 





268 Von neu wiederholten Verf 


gig angeleget ſind, ſo koͤnnen ſie ——— Dee als 
nöthig ift befommen. 

Ein Zufag zueiner Anmerfungi im 461Stüce bet 
Transactionen , fchließt diefe Nummer; von ber fo · 
genden foll — ‚geredet werden. 


A.O.R 
Er ED 
an, Y 
Bon einigen neuwiederholten 
Berfuden | 
mit dem großen Geſchuͤtz. 


($ im ——— Julius das Koͤnigliche 
Preußiſche Feldartillerieregiment feine jaͤhr . 
lich gewöhnlichen Uebungen mit re. 4 | 
und Ricochetſchießen nach der Scheibe, und 
mit Bombenwerfen nach dem Ziele, in einem Walde 
bey Berlin, 14 Tage hintereinander anftellte, wurden 
die Herren Euler und Kies, Mitglieder der Föniglis 
hen Afademie der Wiſſenſchaften, eines Tages von ei» 
nigen Herren Officiers diefes Regiments eingeladen, 
fid) bey diefen Uebungen einzufinden, und allerley 
Verſuche mit dem groben Gefchüge, welche zur Er 
läuterung oder fernern Unterftüßung der davon vor⸗ 
bandenen Theorien dienen Fünnten ; zugleich mit ih: 
nen anzuftellen, Auch ich erhielt Erlaubniß, di 
| donnern 


u‘ 








n 


Ri: 
4 


— 


mit dem groben Befihlig. 269 


donnernden Berfuchen beyzumohnen ‚ und das meis 
nige zu genauer Beobachtung derfelben-benzutragen. 


- Sie machten den Anfang mit Bombenwerfen, 
aus 3 hinter einer deswegen aufgerichteten Batterie 
gepflanzten Mörfern. Man warf die Bomben nach 
einer Stange, deren Weite von gedachter Batterie be» 
Fannt war; und wenn fie nicht bis an diefelbe reich 
ten, fo maß man den Unterfhied, Die Bomben 
waren ungefülle, jede war ı22 Pfund ſchwer, und 


- nachdem wir von unterfchiedenen den Durchmeffer ge= 


. meflen hatten, befanden wird, daß man den Durd)= 
mefler einer jeden auf ıcz Zoll, Rheinländifchen 
zwölftheilichen Maaßes, fegen konnte. In die Be 
obachtung der Verſuche aber theilten wir ung alfo. 


Einer ftellte ſich an die Secundenuhr, welche wir bey 


uns hatten, und zählte ldut die Secunden. Der ans 

dere gab auf die Mörfer Achtung, und bemerkte die 

Secunde, in welcher ver Mörfer losgebrannt ward, 

und die, in welcher die Bombe in die Erde fiel; dies 

fe beyden waren ganz nahe bey den Mörfern; der 

Dritre hielt fih bey dem Ziele auf, und maß mit ei 

‚nem fleinen Segquadranten den Winkel, welchen die 
‚Bombe bey ihrem Einfchlage' in die Erde mic dem 
Horizonte machte. Sie fchlugen allemal 3 bis 4 

Schub in die Erde hinein, und in der dadurch ent 

ftandenen fchiefen Fläche in dem Soche, gegen den Ort 
zu, wo fie hergefommen waren, war diejenige Linie, 

deren Meigung man mir dem Seßquadranten maß, 

Das Pulver, deſſen man fich bediente, mar von dem: 

jenigen, welches gewoͤhnlichermaßen zu diefen Uebuns 
gen gebrauchet wird; das ift, nicht von dem —— 
ir 


270 Von neu wiederholt en Verſuck 


Wir bemerkten demnach bey, dem erſten 
ſchießen fol ee 3 | ; 




















Hrönung Ladung |Erhöhung! Schuß: Be HE in} 
—2 | der a “| mr ‚weiten — | 
er er ” 

a Loth Grade ſRhe bein GSecun: | Grade” 
Ruthen |. den‘ MN 


s 1. 20| 30.) 140 9: 1.28% 
ir 1:17 9,44 3 
3..|% 17.1044, [140 un [40.0.0 


Der Boden, in welchen die Bomben einfchlugen, 
war ein purer lockerer Sand; daher kames, daß die 
Einfchlagswinfel Eleiner waren, als die Erhöhungen 
der Mörfer, da fie doc) größer, als die Erhöhungen 
hätten feyn follen; weil die krumme ginie, welche ei⸗ 
ne Bombe in der guft beſchkeibt, niemals eine Para- 
bel ift, und die Bombe allemal unter einem größern 
Winfel in die Erde fällt, als fie aus dem Mörfer ges 
fchoffen worden, Diefer fo lockere Sand fiel nun. 
allemal der Bombe nad), wodurd) nothwendig der 
Winkel in der Erde verändert und fleiner werden 
mußte. Man fchoß alfo zwar nach diefer Richtung 
noch einmal herum, aber. dabey ward auf nichts Acht 
gegeben, als auf die Zeit; und diefe war, bey aleicher 
Ladung und Erhöhung der Mörfer, vollfommen wie 
vorher, naͤmlich bey der erften Bombeg, und. bey den 

legtern beyden ıı Secunden. 


Hierauf richtete man die Mörfer gegen einen Alte 

dern Ort, mo etwag fefterer PR wa; und wir 

bemerfren folgendes : | 
Ord⸗ 


mit dem geoben Gefehig. 












T Ordnung Eadung (Erhähung Schuß: |Berflofe: Zöinerin | 
er n Mör:| weiten Ku 
er er 














Vf. Sorh | Grade Be Serunden Grade 








| | 
1 730 1 IE Tr 352° 
2 :|.%: 6] 44: |.107 BE > 
3 in 61:44 I 1das 9 46° 





Hier find zwar die Winkel in der Erde allemal‘ 
etwas größer, als die Erhöhung der Mörfer, doch 
aber, wegen des nod) viel zu fockern Bodens, noch 
nicht groß genug. Die Moͤrſer wurden hierauf‘ noch 
gegen einen andern nicht zu fehr lockern Boden ge» 
richtet; und da fand man folgendes: 


Wintelin 














Drömung Ladung Erböbnmol Schuß: Berrioffe 
der M | er Mor: | weiten ne Zeit | der Erbe. 
-. fer fer 
Pf. Loth] Grade I Rheinl. [| GSecun: Grade 
Kuthen den 
i 1'0, 28] 313 | 7% 6 373 
‚2 507.48 BR ad BAR, 


—*— BOT ae Bu Ton 46 


"Endlich ward noch zweymal herum geſchoſſen, und 
eben dem Boden gezielet, wie zu allererſt. Doch 
iſt darinne nur ein einzig mal der Winkel in der Erde 
zu klein. Dieſe und andere Unrichtigkeiten dabey 
muß man bloß dem lockern Sande, welcher auch 
nicht an allen Orten gleich locker war, zuſchreiben. 
Doch wird man ſo viel daraus ſehen, daß, wie bey 
den meiſten andern Schuͤſſen, alfo auch bier uͤber⸗ 





haupt, der Winkel in der Erde allemal ordentlicher 


* groͤßer iſt, als der — der Moͤr⸗ 


fer. Bey den Secunden der verfloffenen Zeit wird 

man mit Vergnügen eine defto größere Nichtigkeie 

— durchgaͤngig bemerken; als welche fich allemal genau 

nad) der Ladung und Erhöhung der Mörfer richter, 
Hier find die gedachten legten 6 Schüfe. 


Drdnung| Padung Erhöhung) Schuß: Merilofie: Winkel in 
er * der — weiten | ne Zeit der Erde 
’ — — 








Bf. Loth Grade ı Rheinl. |Secunden; Grade 
Ruthen I | 
1 B—— 200 Io 40 
4. 2a I m 39 
3 2.4. 45 200 5:78 49 
I 2, 10 30 200 10 au 
2 124|1.4 | 186 13 46 
3 2.4 45 200.7}. 213 50 


Wegen des Winfels in der Erde ift noch zu mer- 
fen, daß man ihn durch Das Mefien niemals fo fine 
det ‚wie er wirklich feyn folltee Der Boden ift alles 
mal fefter, als die Luft; wenn er unendlich feſt wä« 
re: fo würde Die Bombe in gerader Linie oben auf dem 

Boden bin fahren. Weil er aber doch allemal einen 
gewiſſen Grad der Dichtigfeit hat, der allemal noch) 
größer feyn Fünnte: fo muß die Bombe allezeit we⸗ 
nigitens unter einem Eleinern Winfel in der Erde Hinz 
unterfahren, als unter weldyem fie auf Diefelbe auf⸗ 
gefallen ift; melcher Auffallungsmwinfel doch eigentlich 
derjenige ift, welchen man miffen will. Je lockerer 
nun der Boden ift, deſto näher koͤmmt er der Größe 
des Auffallungsminfels; er wird aber aud) in diefem 
Kalle, durch das Nachfchießen des Sandes oder der 
lockern Erde, allezeit vermindert; wie aus obigen 

| Exem⸗ 


5200 mit dem geoben Gefehliß: 273 


Erempeln zu.erfeden ift. Man kann ‚alfo das Ver⸗ 
haͤltniß des Erhoͤhungswinkels des Moͤrſers zu dem 
Auffallungswinkel der Bombe durch die Erfahrung 
"niemals genau beftimmen,, und alfo aud) niemals 
durd) diefelbe die wahre Größe und Krümme der 
Linie, welche die. Bombe in der Luft befchreibe, wiſ⸗ 
ſen. So viel aber weiß man zuverläßig aus d 
Erfahrung ; daß diefe tinie Feine Parabel ift. Dies 
felbe ‚aber vollfommen zu beftimmen, dazu fehlen 
noch diefe Stunde die nöthigen Erfahrungen, welche 
Herr Robins , der ſich doc) die meifte Mühe damit 
gegeben, felbft noch nicht gehabt hat. 

Mit den Nicochets wurden hierauf ſolgende Ver⸗ 
ſuche angeſtellet. | 

1, Eine 1Bpfündige Haubitze. 

adung ı& Pfund, verfloſſene Zeit 3 Secunden, 
Schußweite 144 Ruthen. Erhoͤhung 7 Grad, 
Man ſchoß allemal mit hohlen Kugeln. 

Eine ſopfuͤndige Haubitze. 

Ladung ı2 Pfund. Zeit 3 Sec, Schußweite 
180 Ruthen. Erhöhung 73 Grad. 
$Eine 2pfündige Rammertanone. 

Sadung 2 Pfund. Zeit 4 Secund, Schußweite 

144 Ruthen. Erhoͤhung 4 Grad. 
ine 12pfündige Rammercanone, 

Ladung 1 Pfund, Zeit 34 Secunde, ME 

weite 144 Ruthen. Erhöhung 4 Grad. 
Eine 24pfündine ordentliche Canone. 


Ladung 2 Pfund. Zeit 4 Secund. Schußmwelte 
144 Be Erhöhung 44 Grad, 


ne ri Sa ine 


. N id: J—— 
274 Von neu wiederholten Verſuchen ıc. 
J 
Bine 12pfündige ordentliche Eanone, 
$adung ı Pfund. Zeit 33 Ger. Schußweite 
160 Ruthen. Erhöhung 4 Grad. 
Alle dieſe und die vorhergehenden Schüffe geſcha⸗ 
hen gegen einen etwas ftarfen Mordwind. Der 
‚Himmel war größtentheils helle und die euft var 
febr warm, 

Als ich faft eine Vierthelmeile von dem Walde, 
worinnen gefeuert ward, gegen Mittag zu entfernet 
war, bemerfete ich allemal ftarfe Stöße vom Win 
de, fobald mar gefchoffen worden. Einige Tage 
vorher ftund gegen Norden ein ftarfes Gewitter. 
Man vermuthete, wegen des Windes, daß es ganz 
gewiß heran fommen würde, als es fich gänzlich zer⸗ 

theilete. Die Herten Dfficiers fagten ‚daß fie recht 
deutlich gemerket hätten, wie Das Gewitter zertheilet 
und verjagef worden, da man gegen 


daſſelbe gefeuert, —J— 
C. Mylius 





| hi 275 
Ba aka or 
a N 

Nachricht 


von den 


Pohlniſchen Salzgruben, 


von einem Deutſchen von Adel 
mitgetheilet, | 


der in folche vor einigen Jahren felbft auf die Tiefe 
von 200 Faden eingefahren, und in felbigen drey 
Stunden lang herum gefuͤhret worden. a) 


Aus den Phil. Trans. 61 Rum. ⸗Art. für den Julius 16701 
$ Städtchen Wieliczfa befindlich find, (wel⸗ 
ches, die Kirche ausgenommen, unter Der 


Erde ganz untergraben ift b), in acht Schädhten ein. 
| ER RE Die 


Zur Ueberfegung dieſes Stückes aus den Transactionen, 
bat mich · der Bortheil bewegt, den ich Lefern, welche fich 
um diefe Sachen befümmern, aus folgenden Anmerkun⸗ 
gen meines geſchickten Freundes, des Heren Schoberd 
verfprechen Fann. A. ©. Röfiner, 

Anmerkungen. ü 
a) Europa wird fehmerlich dergleichen Bergwerke 
mehr haben, ald wie die Galzaruben in Pohlen find. 

Wenn der Autor an ffatt 3 Stunden, 3 Tage und drey 

Nächte darinnen herum gegangen wäre: fo würde er 

doch Faum die Halfte davon gefehen haben. 

by Es iſt nicht allein die Stadt, die untergraben, * 

* ern 


J 


an faͤhrt in die Pohlniſchen Salzgruben, 
die eine Meile von Cracau bey dem 





= 


276. Nadriden 


Die beyben vornehmften davon So in der Stabt 
feibft , durch welche das Sal; heraus gefördert wird; 
durch zween andere wird Holz, nebft andern Roc 
iendigfeiten binabgelaffen c). Mi 

Die 


dern es reichen die Gruben ae jeder Seite noch einmal 
fo weit hinaus, ald die Stadt groß it. Dom Morgen 
gegen Abend erſtrecken fie ſich auf 600, von Mittag ge- 
gen Mitternacht auf 200, und im der. größten Tiefe auf 
80 Lachter, die Pachter 5 Dreßdner Ellen, welches dag 
Maaß ift, das als Lachter acbraucher, und decimalifch 
getbeiler wird, 

ec) Die Schächte, die damalen offen geweſen, find 
jeßo zum Theil wieder zugeſtürzt, und andere dagegen 

abgeſunken worden. 

Gegenwaͤrtig ſind ihrer an der Zahl 10: Regis, Gors⸗ 
ko, Lois, Buzenin, Bozawola, Danielowiec, Janina, 
Seraf besno und Wodna Gora, die alle ſeiger gerade 
niedergeben. Durch die erftern fieben wird Salz gefoͤr⸗ 
dert, und nach Erfordern der Umſtaͤnde Hol und alle 
dere Materialien eingelaffen. 

Seraf dienet zum Einfahren der Arbeiter , und if des⸗ 
halb auf zwoen Seiten, und alſo mit doppelten Fahrten 
Herſehen. Der ganze Schacht bat auf jeder Geiten ır 
Fahrten, jede A ız Ellen, welche alle, weil der Schacht 
geraum genug iſt, vormärts inchiniet find, und unter 
jeder iſt zu mehrerer Sicherheie eine. Bühne über ‚den 
ganzen Schacht, damit, wenn von den Einfabrenden 
etwa einer verunglucket, die auf den untern Fahrten 
—— zugleich in Gefahr geſetzet werden, und er ſelber 

h nicht tiefer, als eine Fahrt, herab fallen fann. 

"Durch den Wafferberg, Vobna⸗ Gora, wird das Waf- 
ſer in zuſammen genaͤheten Ochſenbaͤuten durch Pferde 
ausgezogen. 

Und Leszno iſt eine Wendeltreppe, fo von Tage big auf 
die Sohle rund gemauert, im Diameter bis 5 Ellen weit, 
und anfänglich mit Stufen von Sandſtein — ——— 

weſen, 


mw 


pe 
- 


von den pohlniſchen Salzgruben. 277 


= Die Einfahrten in die Schächte ſind fünfeckicht, 


4 bis 5 Tuß lang, und eben fo breit, überall mit 
Zimmerung verwahree d). re 
S4 Ueber 


weſen, wie fich aber folche, des Wafferd wegen, nicht 
Dauerhaft befunden, und mit_der Zeit gebrochen, iſt 
zwar folche Zveppe rund gemauert blieben, die Stufen 
aber, deren an der Zahl 470, find von Eichenholze ges 
machet worden. 

d) Die Schachte find, Leszno ausgenommen, alle 


viereckigt, es liegt aber auf ziweyen Ecken, mo dag Seil 


hinunter gebt ‚auf jeder ein flark Stücke Holz (der Hund 
genannt) das um einen ſtarken eifernen Polzen beweglich, 
und wovon allemal eines, wenn ein Ende des Geilg mit 


der Raft herauf koͤmmt, untergefchoben wird, tamit die 


Laft von dem Seile abgenommen werden kann; oder wenn 

‚man einfahrt, damit man beym Einfaße darauf auf: 
greten kann, und mag dieſes wohl die Urſache feyn, ware 
um gefaget wird, die Einfahrten der Schachten wären 
fünfedliat. 


Ihre Breite iſt im Lichten fuͤnftehalb Ellen, und die 


Laͤnge beynahe 6 Ellen, ihre Tiefe aber erſtrecket ſich im 

den meiſten auf 25 bis 30, und in Regis auf 46 Lachter. 
Sie ſind durchaus mit ſtarkem Bauholze verzimmert, 

ſo, daß von oben bis unten Joch auf Joch geleget, und 


werden durch etliche Lachter weit davon gelegene kleinere 


Schaͤchte (Brunnen), die nicht tiefer als etwas bis auf 
die Haͤlfte des Schachtes abgeſunken, ziemlich trocken 
erhalten, indem die Waſſer, die ſich in dem feuchten 
Gebirge nach der Schacht zu ziehen, und insgemein in 
der 8ten oder ioten Lachter angetroffen werden, un daß 


fie nicht gänzlich in die Gruben hinunter kaufen, größ> 


tentheils zwiſchen den obern Zimmern der Schacht in 
Rinnen gefangen, und durch eine Kleine Strecke zu dem 
Brunnen geleitet werden, wo man fie nachhero, wenn 


⸗ 


ſich eine Partie geſammlet, entweder in zuſammengenaͤ—⸗ 


heten Ochſenhaͤuten durch Pferde, oder in Kuͤbeln durch 
Menſchen auszieht. — 


l: —3 
Na N * RR IP: er 
f g \ 3 Dar u" I 
” ; 


Weber ihnen befindet ſich ein großes Rab ‘e) mit 
einem Seile, das fo dicke, als ein flarfer Arm 
NK if, 

e) Die Kehrraͤder auf den Tageſchaͤchten find in Anfes 
bung der Laften, die Damit gefördert werden, ungemein 
bequem. Gie greifen mit einem gezahnten Rade in ein 
Getriebe, das an der Welle, die horizontal uber dem 
Schachte liegt, und worauf ſich das Geil aufwinder, 


fefte ift, und werden gemeiniglich von 10 Pferden ums 


getrieben. Der Brams ift dabey fo ficher und wohl 
angebracht, daß ein Mann fo viel aufbalten kann, als 
6 Paar Pferde, wenn fie alle ihre Krafte anwenden, zu 
ziehen vermögend find. MR 
Auf Danielowier, welcher Schacht nur 23 Kachter tief 
iſt, ift die Verhaͤltniß in der ganzen Maſchine folgende, 


Die Arme, woran die Pferde gefpannet werden, find 


von der Are ausgemeffen, jeder 21 Fuß lang, der Ra: 
dius in dem Kronrade ift 16 Buß, der Radius des Ge: 

triebes 8 Fuß, und der Radius der Welle, auf welche 
fich dag Seil mir der Laſt aufwickelt, 14 Fuß, die Laft 
aber, die mit einem Ende gehoben wird, iſt ordinair 
4 Faß, jedes A 6 Dresdner Eentner, und in 10 Stun⸗ 
den werden durch 5 Paar Pferde go Enden oder 320 
Faß zufammen 1920 Eentner gefördert. Es geſchieht 
aber auch, daß zumeilen Stücken von 40 bis 50 Eent- 
ner, herauf gezogen werden. 


Auf den übrigen Schachten find fie (die Schatht Res 


gis ausgenommen) von eben derfelben Gtructur, ob 
fchon von anderer Proportion; auf Regis aber, welche 
Echacht noch einmal fo tief if, und big im die andere 
Etage veichet, beftehet Die ganze Maſchine aus einer auf- 
recht ſtehenden Welle nach Art der gewöhnlichen, Pfer⸗ 
degöpel;, und wird von 6 Paar Pferden getrieben. Der 
Brams aber ift dabey feft, wie in den bollandifchen 
Windmuͤhlen vorgerichtet, und kann ein Mann gar leicht 
noch mehr damit halten, ald im vorhergehenden. 


| 


Der 


von den pohfnifehen Salzgruben. 279 


iſt f), und folches wird wie eine Roßmühle von ei» 
nem Pferde getrieben g). 

Wer einfahren will, muß den Bergkittel 9 an⸗ 
legen, und noch einen zu ſich nehmen, der an beſagtes 
Dickes Seil ein anderes bindet, und ſolches fo um fich 
herum zieht i), daß er darauf fißt; alsdenn nimmt er 

‘ rg i den 


Der Radius der Welle ift 5 Fuß, die Ränge der Ar- 
men, woran die Pferde gefpanner werden, iſt vom Mittel 
ausgemeffen 20 Fuß, Die Laſt iſt wie im vorhergehenden 
ordinair 4 Faß, und in 10 Stunden werden, wenn aus 
der erften Etage gefördert wird, 100 Enden, oder 400 

ß, und wenn aus der andern Etage gefördert wird, 60 

den, oder 240 Faß zu Tage ausgegeben. 

) Die Seile werden in Wieliczfa verfertiget, und find 
im Diameter 4 auch wohl 5 Zoll ſtark, nachdem daß der 
Bi rein gearbeitet wird, und wiegt ein folche8 Geil zu⸗ 

en 60 bis 70 Etein. 

8) Es wird vielleicht nur ein Pferd an dem Kehrrade 


| geweſen ſeyn, indem ſie — da es weiter nichts 


thun duͤrfen als daß es von Anfang, wenn ſie ſich an 
dem einen Ende des Seils uͤber der Schacht aufgeſetzet, 


das andere, das in den Schacht gehangen, helfen auf— 


een bis daß fo viel Perfonen aufgeſeſſen, daß fie fel: 
biges überwiegen, da alsdenn die Mafchine fich von ſelbſt 
bewegt, .. durch den Brams zumeilen wieder angehals 
een wir 
hy Diefe find, weil die Gruben trocken, und überall 


geraum genug, daß man bequem gehen kann, von weiſ⸗ 


‚fer Leinwand, und merden um den Leib herum mit einent 
Paß, wie bey ber pohlniſchen Tracht gewoͤhnlich, zuge⸗ 
bunden. 

i) Sind Se Seſſel von geſponnenem Hanfe gefloch⸗ 
ten, welche Seſſel zwey und zwey uͤber einander an das 
Seil angeſchlungen, und daher auch ‚($zlog Schlong) 
Schlingen gertennet werden. 


gr Nacheihen 


den andern auf den Schooß und umfaßt ihn fefte k). 
Wenn das dicke Geil etwas hinabgelaffen iſt, bindet 
ein anderer ein Seil an daffelbe, feßet fi) darauf, und 
nimmt einen andern ‚der einfahren will, zu ſich Mind 
auch) diefe beyde etwas hinabgefunfen, fo wird für dag 
dritte Paar Platz, und fo fahren oft 30, 40, und mehr 
Leute |) mit einander 100 Faden ın) fief ein; wenn 
der erfte aufden Grund fommt n), fleigter ab, und die 

andern 


x) Diefed thun fie, wenn einer furchtfam if, und 
doch gerne an dem Geile einfahren will. Sonſt werden 

remde, und fonderlich Bornehmere, mehrentheild die 
Treppe hinunter geführet. 

1) Vordem iſt ed nichts ungewöhnliches geweſen, daß 
40 bi8 so Mann Arbeiter auf einmal an dem Geile ein: 
und ausgefahren, nachdem aber die Schacht GSeraf 
Anno 1724 zum Einfahren der Bergleute aptiret wor: 
den: fo haben jetzo die Dfficianten, und deren Bediente, 
die ihnen leuchten muͤſſen, fich Diefer Commoditaͤt zu bes 
dienen. Da denn; wenn fie auch alle,fo viel ihrer or⸗ 
dinair in den Gruben zu thun haben, mit einmal aufſi⸗ 
gen, nicht mehr als hoͤchſtens 20 bis 24 Perfonen eins 
gelaffen werben, die Paar und Paar, jeder in einem 
befondern Schlung, uber: einander fißen. _ 
m) Die Tiefe der Tagefchachte iſt ſchon bey Lit. d, 
angezeiget worden; und tiefer ‚pfleget man in Wieliczka 
an dem Geile nicht einzufabren. 

n) Unter den Tagefchachten koͤmmt man aufmeift ho⸗ 
rizontal liegende Strecen, oder Gange, womit das gans 
ze Gebirge von einem Schachte zum andern und fo weit 
fich bis daher Galz gezeiget, die kreuz und quer durch⸗ 
fahren worden; von diefen iſt abernialen mit Schächten 
tiefer in das Gebirge abaefunken, worunter gegen Abend 
große A gegen Deorgen aber, wie unter 
den. ee ne fortgehende Streden an: 
zutreffen, von welchen ſowohl, als von den ausgebaue: 

| nen 





. von den pohlniſchen Salzgruben. 2gr 


andern folgen ihm nach der Ordnung nad), alsdenn 

- führen fie die Sremden bey fampenlichte durch wunder« 
bare Irrgaͤnge 0), wo ſie immer ingrößere Teufe tom» 
men, 


nen Plaͤtzen, nochmalen_ tiefer abaeteufee iff, alfo daß 
dermalen 3 Schächte unter einander liegen, niemalen 
aber in gerader Finie auf einander zutreffen. 

Heil aber diefes die Förderung des Salzes fehmwer 
und koſtbar gemacher, indem dasjenige, was in dem 
Tiefften ausgearbeitet worden, fo vielmal gezogen wer— 
den müffen ;_fo find dermalen die Haupefihachte unter. 
den Tagefchachten tiefer abgeſunken, und man braucher 
gegenwartig nur zween Schachte von Tage in das Tiefite 
zu gelangen. ! 

0) Die Streden und Schächte find vordem nach dem 
Gehoͤre, und fo zu fagen, nur auf dag gerathe wohl, ges 
trieben, und abgefunfen worden, und mochte c8 daher 
wohl feyn, Daß die Gruben damalen mehr einem Laby- 
rinthe gleich gefeben, wie man denn noch gegenwärtig 
an folchen Orten, mo fie vor Alters gearbeitet, abneh— 
men kann, da die Strecken und Schächte fo verwirrt 
durch einander geben, daß ich mir ſelbſt nicht getrauetẽ, 
mich heraus zu finden. Seitdem aber der Bau der Grus 
"ben von 1718 an, ordentlicher geführet worden, feben 
fie ganz anders aus. | | 
Was die Strecken anlanget, fo find die meiſten, und 
fonderlich die neuern, im Lichten 5 Een weit, und eben 
fo hoch; Theils haben auf allen Geiten feſte Gebirge, 
theils find nur an der Decke unterzogen, theils find auch 
ringsum verzimmert, da denn in den mehreften die 
Stempel mit ihren Zragern fo dichte an einander ſtehen, 
dag man oftermalen auf viele Lachteen gar kein Gebirge 
gewahr wird. er ht 
In vielen, wo der ſtaͤrkſte Durchgang, finden fich bin 
und wieder Altare und Capellen, die ind Salz oder fefte 
. Gebirge gehauen find, und darinnen bey einem Crucifie 
oder anderm Gedaͤchtnißbilde eines Heiligen beſtaͤndig 

ein 


292 un) Nahe 


men, bis fie an gewiffe Fahrten p) gelangen, und 
auf ſolchen noch 100 Lachter tiefer fahren; dafelbft 
| ie ji ABA EN. . find 


ein brennendes Licht unterhalten wird. Die, welche 
darunter am merfwürdigften, und den - Fremden als 
was ſonderliches gemwiefen werden, find die Capelle des 
leidenden Chriſti, ſo unweit den Schacht Seraf, wo die 
Arbeiter einfahren, auf einer großen Ebene (Liſak ges 
nannte) liegt; und die Kapelle Sanct Antonii, fo gleich 
unter dem Schacht Danielomwiec, wo die Dfficianten eins 
fahren, gelegen ift. ' i "ai 
Bey der erſten, welche wie etwan eine Niche, in hal» 
ben Zirkel ungefahr 24 Ellen im Diameter ausgehauen, 
und nebft dem Erucifir mit verfchiedenen andern Bil- 
dern, und von Salz gehauenen Statuen verfehen, bal- 
ten die gemeinen Bergleute, nachdem fie eingefahren, ehe 
fie an die Arbeit gehen, ihre Andacht, indem fie Die ges 
mwöhnliche Kitaney, und andere geiftliche Lieder abfinaen. . 
Und bey der legten, die ordentlich wie eine Kirche an 
Der Decke rund, und mit allen ihren Säulen, Altaren, 
Crucifix, und verfchiedenen andern Statuen, in Lebens⸗ 
größe, alles ind ganze Galz gehauen ift, thun die Offi⸗ 
cianten ein gleiches. Mi ‚ J 
p) Die Schaͤchte, welche von den Strecken unter den 
Tagefchichten weiter in dag Tiefe geben, find mehren: 
theils mit Fahrten verfehen, man kann aber dermalen 
an einigen Orten auch auf Treppen in das Zieffte kom⸗ 
men. Wie denn fonderlich feit wenig Jahren unter dem 
Schachte Sanina dergleichen Treppe angeleget worden, 
die bi in das Tiefſte derfelben Gegend veichet, und an 
die 400 hölgerne Stufen bat. Inder Breite iſt fie im 
Lichten beynahe 5 Ellen, die Hoͤhe iſt ber Breite gleich, 
und die Pferd: gehen darauf ganz ficher auf und ab. 
Sonſt find gedachte Schächte nicht fo weit als die Ta⸗ 
geſchaͤchte, fie übertreffen aber zum, Theil felbige an der 
Tiefe. Theils find wie. die Tageſchaͤchte verzimmert, 
theils fehen ohne Zimmerung in ganzen, — 


/ 


a 


h von den pohlniſchen Salzgruben. 283 


ſind doppelte mannichfaltig durch einander gehende 
Strecken, eine uͤber der andern, denn die Arbeiter 
gehen immer weiter fort, und hauen das Salz aus, 
fo lange der Salzgang dauert q). Wenn fie ſolchen 

verlie: 


dag Gebirge leiden wollen. Zu jedem aber ift ein befons 
deres Kehrrad, das nach Gelegenheit der Umſtaͤnde etliche 
und 30 bi8 40 Ellen weit davon, in einem mit Fleiß dar⸗ 
zu ausgehauenen ebenen Plage, den fie die KRehrradgfam: 
mer nennen, und von welchem eine hohe und geramme 
‚Strecke nach dem Schachte zugeht, angeleget iſt. 

Dergleichen Kehrraͤder beftehen aus einer aufrecht ſte⸗ 
benden Welle 10 bis ı2 Ellen hoch und im Diameter 
anderthalb big drittehalb Ellen ftarf, und aus den vier 
Armen jeder aus dem Mittel der Welle gemeffen zu 7 big 
8 Ellen lang ‚und werden nach Erfordern der Laſt vong, 
10, auch wohl ı2 Pferden getrieben, die Laften aber, die 
damit gefördert werden, find öfters noch größer als bey 
den Tagefchächten, und babe ich bey Abſinkung folcher 
Schächte mehr als einmal geſehen, daß Stücken von 60 
bis 70 Centnern geboben worden. 

q) Was die eigentliche Rage des Salzes, und die Bes 
fehaffenheit de8 ganzen Gebirged anlanget, würde hier 
zu weitlauftig ſeyn zu befchreiben. Daher ich nur ſoviel 
Davon gedenken will, daß man nicht fagen Fann, das 
Gal; werde Bangmeife angetroffen, fondern ein deutfcher 
Bergmann würde, wenn er die erfte Schacht hinunter 
koͤmmt, fprechen, es ware Stockwerk, es liegt oben im 
großen Klumpen, unten darunter aber geht es richtig 
Fletzweiſe. | ee 

Jene, die großen Partien find der Größe nach gar 
different, und giebt es welche, die fo groß find, daß uns - 

achter jahrlich mehr ald 600000 Eentner ausgears 

eitet werden, eine dergleichen Kugel alleine, wenn es 
möglich ware, daß Arbeiter genug zugleich darinnen ars 
beiten Eönnten, auf etliche Jahre Salz genug geben 
8 4 Wwuͤrde; 


284 MNachricht 
verlieren, und ſich nichts von Salze mehr zeiget, 
ſuchen fie anderswo r) Gange auf, daher find fo viel 
Höhlen und Irrgaͤnge in diefen Gruben. 
ar ‚Die 


würde; da dieſes aber nicht feyn kann, fo giebt es folche 


Derter, worinnen ſchon von 100 Jahren her, Salz ge: 


Bauen worden ift. 


Von den Flegen aber weig man noch nicht, mie weit 


fie geben, indem zur Zeit noch in feinem das eigentliche 
Ende erreichet worden, Auch nicht zu fürchten ſteht, daß 
es in viel hundert Jahren erreichet werden wird. 

.. 7) Die Strecken und Schächte werden theils der Com⸗ 
munication wegen, theil® aber und vornehmlich in der 
Abſicht Salz zu ſuchen, getrieben und abgefunfen. Bon 
der Wünfchelruthe wird da nichts gehalten. * 
An einer Strecke arbeiten in jeder Schicht 2, und an 
einem Schachte 4 Mann, welche das Gebirge ‚mit Eifen, 
Keilen, und Schlageln auf folgende Art gewinnen. 


So groß als die Strecke oder Schacht angegeben, um⸗ 


bauen fie das Gebirge mit 4 Schrammen, deren jegli- 
cher ı Fuß breit und beynahe drittehalb Fuß tief; dann 
machen fie in der Mitte der Lange noch eben dergleichen 
Schramm, und fihlagen neben felbigem mit Keil und 
Schlaͤgel ein dreyesfigted Stücke fo lang als die Strecke 
hoch ift, heraus, und hauen bi8 auf die Tiefe des 
Schrammes nach. And wenn dieſes geſchehen, feßen 
fie daneben wiederum Keile an, und treiben das Gebirge 
zu beyden Geiten, fo weit ald ed mit den Schränmen 
umbauen, in ganzen Stücken los; worüber 2 Dann uns 
gefähr 8 Tage zubringen. a RER 
Sie gewinnen auf diefe Art ſowohl das Gebirge, ald 
das Salz, auf welches fie zu Zeiten treffen; Fommen fie 
aber auf Stein, der ihnen zu feite werden will, fo wird 
eldiger eben wie auf den Erzgebirgen gebohrer und mit 
ulver geiprenat. Se Ce Ve 
Die Eifen, mit welchen die Bergleute prdinair ihr Ge- 
‚birge und Salz arbeiten, find viel größer und fehive- 
Nxer 


2 | von den pohlniſchen Salzgruben. 285 


ver als der deutſchen Bergleute ihre ‚fie find vorne auch 
mit einer viel duͤnnern Spike gefchärfet ‚und ſtecken feſte 
an einem GStiele, mit welchem fie dag Eifen zum hauen 
aufheben; wenn aber auf feſtes Geffeine getroffen wird, 
fo brauchen fie zu Zeiten auch ‚Kleine Eifen, die fie auf 
fegen, und mit dem Fauftel auffchlagen, fo wie es in 
den Erzgebirgen gebräuchlich. 3" " 
Wann nun mit dergleichen Strecken oder Schächten 
auf Salz getroffen worden, wovon man hoffer, Daß es 
dauern werde, fo uberlaffen Die Arbeiter, die zuvor im 
Treibung oder Abfinkung derfelben gearbeitet, und zum 
Salzſuchen bejteller find, den Ort andern, die eigent= 
lich das Salz ausarbeiten, und felbiges entweber in Faͤſ⸗ 
fer Salz hauen, oder es in ganzen Banken, viertehalb 
Ellen breit, ı und ı Biertbelelle dick, und an den Wan: 
den, oder im ftebenden, 8 bis 12 Ellen, auf der Gohle 
aber 16 big 24 Ellen lang ablöfen, ö | 

Solches gefchieht auf eben die Weife, mie in den 

Strecken und Schächten, nur daß hier die Stuͤcken uns 
gleich größer als in jenen, und wern einmal die Deff- 
. Nung gemachet worden ‚die ganze Wand, oder der ganze 

Boden nach der Reihe weg adgefchlagen wird. An ein 
bergleichen Stücke feßen fie, nachdem Daß «8 lang iff, 
20 bis 30 Keile unter. 

So bald es fich anfängt zu loͤſen, verurfacher jegli⸗ 
cher Schlag einen Klang, der fo hell und ſtark ift, al 
ber Schall von einer Glocke immer feyn kann, und wel⸗ 
her alsdenn immer heftiger und tiefer klingt, je mehr 
es fich Tüfter, bis endlich folches Getöfe, nachdem es 
weiter 108 wird, fich wie bey ubermaßig großen Gloden 
nur in ein Brummen verwandelt, und das ganze Stud, 
wie man fich leicht vorſtellen kann, mit einem ziemlichen 
Gepraſſel anf die untergelegte Bettung von der Wand 
Ders une 
Dieſe abgelöffen Bänfe werben durch Keile ferner in 
Stuͤcken 3 bis 31 Elle lang, und 13 Elle breir zerſetzet, 
welche nachhero , damit fie leichter fort zu waͤlzen, wie⸗ 
derum dur) andere Ürheiter rund gehauen, und alsdenn 
kon | twa⸗ 


= 


k „a | 
mt BE os *4 





Die großen Weiten s) werden ſehr ſorgfaͤltig mit 
fefter und ftarfer Zimmerung ausgefeßet, daß man 
— J——— aus 


Batwanen genennet werden, das kleine Salz aber, was 
aus den Schraͤmmen gehauen wird, und was beym 
rund machen abfallt, wird gleich in den Gruben in Sif 
fer eingefchlagen. | ir 
¶Ein foldyer Batwan wiegt zuweilen 10, 20,30, 40, auch 
wohl so Centner, ein Faß aber halt ordinair 6 Centner. 
Letztere werden auf Kleinen Schleifen, jede mit 2 Pfer: 
den, von einem Drte zum andern fort geſchafft; von je- 
nen aber werden die ſchwereſten gemeiniglich durch vier 
Mann da, wo ed nöthig ift, hingewaͤlzet. | 
Dieſe Arbeit gebt, weil die Arbeiter darinne geuͤbet 
find, gar gut von flatten, und bat unfehlbar zu der 
Meynung, daß das Salz in den Gruben leichter ſey als 
am Tage, Gelegenheit gegeben; man begreift aber, wenn 
mon auch dem Galze feine Schwere laßt, (mie denn 
wirklich an der ganzen Gache nichts ift, und das Gal; 
einmal fo ſchwer bleibt, als das andere) gar leicht, wie 
eö zugeht, wenn man nur felbige recht beſieht, und auf 
Die Vortheile, die fie dabey brauchen, Achtung giebt. 
5) Die Orte, wo das Galz ausgehauen worden, ‚oder 
noch ausgehauen wird, nennen fie Kammern ‚und geben, 
weil deren fehr viel find, jeder einen gewiffen Namen, 
Einige davon, wo das Salz Stockweiſe geſtanden, find 
fo groß, daß gar fuglich eine große Kirche darinn ſtehen 
könnte, und wo ed Flegmweife gelegen, da fie nicht fo 
hoch find, giebt ed welche, die fo weit, daß, wenn fie 
aufgeräumt würden, wohl taufend Menfchen darinne in 
Drdnung geftellet werden fönnten. | RL, 
Die, welche in Anfehung der gegenwärtigen Arbeit 
wohl gelegen, und eine ebene Sohle oder Fußboden has 
ben, dienen an ſtatt der Niederlagen, und find theilg 
mit Batwanen, theils mit Faffern zwey⸗ und dreyfach 
über einander angefüllet. Andere find die Magazine zum 
Heu für die Pferde, und wieder andere die Gtalle, dar- 
ie innen 


— von den pohlniſchen Salzgruben. 287 


aus dem hier befindlichen Holze eine nicht gerin⸗ 
ge Stadt bauen koͤnnte; außer dem würde es 
ent Brüche 


innen nach Beſchaffenheit der Arbeit in der nächften Ges 
gend 10 bis 15 Paar Pferde beyſammen fteben. ; 
Zum Theil ftehen fie noch gegenwärtig voller Waffer, 
wovon, meil felbiges auf das farkfte gefalgen, das Salz 
an den Wanden und an den darinnen liegenden Stuͤcken 
Holz, und Berg haufig anfchießt. Wie Denn, mo die Luft 
den Zug durch hat und das Waffer lange in Ruhe ges 
ftanden, felbiged am Rande herum auf der Oberflache 
fo ſtark und dicke angefchoffen, daß es, wie von den 
Galzfeen in Rußland vorgegeben wird, zugefroren zu 
ſeyn ſcheinet. Auch inandern, wo vordem dergleichen 
Waſſer eine Zeit lang geſtanden, und nachhero entweder 
mit Fleiß zu Tage ausgeförders worden, oder durch 
RKluͤfte und Riffe weiter in die Gruben gegangen, die - 
Waͤnde und der Fußboden mit vielen taufend Galzfry> 
ſtallen, die manchmal ein halb Pfund und mehr wiegen, 
uber und über beſetzet find, welches, wenn viel Licht an ders 
leichen Ort koͤmmt, ungemein fchön anzufeben. 

J In einigen ſind zu Unterſtuͤtzung des Gebirges ſtarke 
"Pfeiler oder Bergfeſten von Salze gelaſſen; in andern 
ſind zu gleichem Endzwecke die Berge, oder wie die pohl> 
niſchen Bergleute reden, die Räume aus den Schaͤchten 
und Strecken, wie flarfe n aufgefeßet, und wies 
der in andern find von de bis an die Decke ſtarke 
Kloͤtzer 7 bisg Ellen lang q er einander gefchränker, 
und inwendig mit Raumen ausgefuͤllet, welche Unterffüs 
gung fie deshalb Kaszt (Kaften) nennen, und liegen viel- 
mals in einer Kammer etliche 100 Stamme Holz auf 
ſolſlche Arc beyfammen, i u 
> Sn vielen aber, wo dergleichen Bergfeften nicht ges 
h laſſen und fonft auch nicht unterbauer worden, ja auch an 
ſolchen Orten, wo ed daran nicht gefehlet, die Evacua— 
tiones aber allzu groß gemwefen , ift dag Gebirge bin und 
wieder niedergegangen, auch wohl in den oberften gar 
4 Dand, T bie 


888.00 RA 


Brüche machen, und die darüber ftehende Stadt hin⸗ 


unter gehen. BR 
| Sie 


bi zu Tage aus eingebrochen, wie es denn nur kuͤrzlich 
Anno 1745 gefcheben, daß etliche Haufer auf diefe Weiſe 
über einander gefallen, und nieder in die Erde geſunken. 

Wenn dergleichen Einbruch gefihiebt, fo empfinden 
fie durch die ganze Stadt an der Erde ein Zittern, wie 


1 


bey einen Erdbeben. Bey dem Anno 1745 waren die 


Wirkungen der Luft, die durch das Niedergeben des Ge- 
birges zufammengepreßt ward, erffaunend. Man hat aıı= 
gemerlet, daß dadurch Batwanen, welches, wie fchon ge= 


aget, Stücken Salz find, von-30 bis 40 Eentner ſchwer, 


die in einer Strecke, fo nach dem Orte zugegangen ‚ wo 


der Bruch geſchehen, der Reihe nach neben einander ges 


fegen haben, fo zuſammen yeblafen, und auf einander in 


die Strecke hinauf gefchoben worden, daß fie mie Mühe 


c 


wieder auseinander gearbeitet werden muffen. In einer 
Schacht , fo von unten mitfelbigen Communication hat⸗ 
te, waren die Fahrten in Die Höhe gehoben, und bey der 
nachften Tageſchacht, mo die Luft ihren Weg binausge- 
nommen hafte, war dad Dach über der Schacht einenf] 
Theil weggehoben, und abgedecket. Bi. Be 
Sonſt thun dergleichen Unterftugungen wohl etwag, 
und dienen wie ein Kiffen, daß fich die Laſt nach und 
nach darauf legen und mit einem male herunter 
brechen fatın, dag Ge r ganz damit aufzuhal⸗ 
ten, find fie niche binreiden®, fondern e8 Drücker felbiges. 
in dergleichen Orten, welches faft unglaublich, auf den 
zten Theil und noch weiter zufammen, und Die perpendis 






cular untergefegten Stempel, nicht weniger auch die von: 
Salz gelaffenen Pfeiler zerbörften endlich, wenn dag Ge⸗ 


birge einmal los ift, und die Laff zu groß wird. Und 
kann man in denen ausgehauenen Flegen feben, daß fih 


ſelbiges nach und nach alfo aefeget, daß, wo die Höhe ei- 


nachhero nicht einmal aufgericht Darunter hingehen koͤn⸗ 


nes jolchen Fletzens zuvor 4 bi8 5 Ellen gewefen, man 


nen, 





von den pohlniſchen Safzgruben. 289 


Sie hauen hier dreyerley Art Salz aus t), Das 
erfte ift gemein, fehlecht, grob und ſchwarz. Das 
zweyte etwwas feiner und weißer. Das dritte ganz weiß 
und kryſtallenhelle. Das fehlechte und ſchwarze 

x STR Salz 


nen, wenn nicht die Sohle ı Elle und mehr nachgehau⸗ 


Leber diefes iſt erftlich im Jahre 1644 umd welter im 
Sabre 1696 durch Verſehen Feuer in die Gruben gekom⸗ 
men, da nicht nur die Kaſten an vielen Orten ausge: 
brannte, fondern auch dag Gebirge von der Hitze los 
gemachet worden, und niedergegangen. iſt. Wie ich! dent 
von der Feuersbrunft Anno 1644 in alten Nachrichten 
gefunden, daß esnicht nur kurze Zeit, fondern beyna⸗ 
be ein ganzed Fahr durch gedauert, und daß: cben 
damalen der Tagefchacht, Bonner genannt, durch wels 
chen das Feuer mit Einfenkung des Heues in die Grit 
‚ ben gebracht worden, ausgebrannt und zuſammen ges 
brochen ift. 


Born der andern aber Anno 1696 , welche unverſehens 
in den Gruben angezündet worden, weiß man, daß fie 
etliche Monate angehalten, und daß dabey viele Mens 
fehen, die dem Feuer beyzukommen vermeynet, durch 
den Rauch erſticket worden. 


t) Das Salz, was aus allen folchen Kammern aus⸗ 
‚gearbeitet wird, wird unter zweyerley Namen, auch in 
zweyerley Preife verkaufet; es hat aber eigentlich mehr 
terley Gattung, deren jede fich gar wohl von den andern 
unterfcheiden laßt: Wovon bey anderer Gelegenheit 
mit mehrern. Die fchlechtefte und wohlfeilffe in Breife ift 
das fo genannte Zielona (Brünfalz), welchen Namen ed 

vermurhlich daher erhalten, mweil grauer Berg oder Lets 
ten mie eingemifchet iſt, und daher etwa einigen gruͤnlich 
geſchienen bat, wovon im Jahre 1742 das Faß * * 

pohlni⸗ 


2900000 Rare 


Salz wird in großen faft runden Stüden ausgehau« 
en, die drey pohlnifche Ellen in der tänge, und eis 
ne in der Dicke haben ; Soldye Stücken werden für 
50 bis 70 pohlnifhe Gulden, deren drey einen Tha- 
fer machen, verkaufet. Eracau hatdas Vorrecht, eis 
ne gewiffe Zahl für 8 Gulden zu Faufen u), 

Zu Cracau liegen große Stücken auf der Gaffe vor 
der Bürger Thuͤren x), wie auch auf dem Sande in 
Flecken und Dörfern, vor der Edelleute Häufer und 
Schlöffer, wo das vorbey gehende Vieh diefe Salz» 

| fteine 


pohlnifche Gulden, in ganzen Stücken oder Batmanen aber 
als welche alle nach dem Berichte verfaufet werden, der 
Gentner ä 3 und zwey Drittel fl. (6 und ein Drittel Gul⸗ 
den auf den Reichsthaler gerechner) verfaufet worden. 

Und die andere iſt das Szybikowa, welches reiner iff, 
und den Namen unfehlbar Daher hat, weil es allererſt 


unter der andern Schacht, vom Tage hinein, dergleis 


chen Schacht fie Szybik Ceine Heine Schacht) nennen, 
gefunden worden, wovon das Faß zu 24 fl. undin Bat⸗ 
wanen der Centner ä 4 fl. verfaufet worden 
Die dritte Gattung Kryſtallenſalz, oder Sal gemmz, 
findet fich in Kleinen Stücken mit dem Gebirge vermengt, 
wovon es bey Treibung der Strecken und Abfinfung der 
Schächte, wenn dergleichen vorfallt , abgelöfet wird, zum 
—— aber wird dergleichen ordinair nicht ausgear⸗ 
eitet. u 
u) Davon-weiß man dermalen nichts, e8 bekoͤmmt 


aber der Adelin Klein: und Groß-Pohlen mehr ald 20000. 
Faß, die fie zu ihrer, und ihrer Unterthanen Bedurfniß - 


verführen dürfen, und wovon fle für Das Faß nicht mehr 
als 4 Bulden bezahlen. | ee 

x) Schon in Breßlan kann man dergleichen antreffen, 
und feit einigen Fahren ift auch etwas, obwohl in Elei= 
nern Stuͤcken ä 5 bis 6 Centner bis nach Dresden ver: 
fuhret worden. | N 


\ 


von den pohfnifchen Salzgruben. 291 


fteine belecft, die nachaehends mit Mühlen und an⸗ 
dernMafchinen zum Gebrauche Flein gemahlen werden. 

Die Farbe diefer Salzfteine ift dunfelgrau mit 
Gelb untermenget. Die Werkzeuge, vermittelft deren 
fie ausgehauen werden, haben faft alle deutſche Nas 
men, nur mit pohlnifchen Endungen, denn die erften 
Arbeiter in diefen Gruben, die nun faft vor 400 Jah— 
ron entdecfet worden, find Deutfche gewefen y); daher 
die Pohlen ihre Benennungen beybehalten, und fols 
chen nur pohlnifcye Endungen beygefüget haben. 
| T3 Diefe 


y) Die Entdeckung des Salzes foll geſchehen feyn, un: 
ger der Regierung Boleslai mit dem Zunamen Pu- 
dici, 26 um das Jahr 1251, und zwar ſoll das 
Salz erſtlich in Bochnia, und hernach einige Zeit dar: 
auf auch in Wieliczka feyn gefunden worden. 

Ich will den Deurfchen desfalls nicht das Wort reden: 
allein was die Benennung der Werkzeuge anlanger, fo iſt 
iſt ed ganz richtig, daß die mehreften aus dem Deutfchen 
bergenommen find, ja es hat auch Bochnia felbft erftlich 
einen deutfchen Namen Salsberg gehabt, und wird in 
dem Privilegio von 1253, da Boleslaus, Nicolaum von 
Seyno mit der Gegend um Bochnia belehnet, und felbi: 
gem die Freyheit ertheiler die Stadt Bochnta zu erbauen, 
ausdrücklich gefaget, „daß Boleslaus ihn mit dem Drte 
„der Salzgruben, auf Pohlnifch Bochnia, auf Deutſch 
»Salzberje genannt, (wie es im Privilegio per j geſchrie⸗ 
„ben ) belehne.,, 2 
_ In Pohlen aber wird es der Devotion der heiligen 
Kunegunda, einer Prinzeginn aus Ungarn und Gemahlinn 
des Könige Boleslai zugefchrieben, und felbige auch 
fowohl in Wieliczka, als Bochnia als Patroninn der Sa⸗ 
linen verehret. Wie denn jährlich das Felt Kunigunda 
den 23 Julii nicht allein über Tage folenn gefeyert, ſon⸗ 
‚dern auch Tags darauf in den Gruben bey dem Altare 
ber heiligen Kunigundaͤ im Yeyfeyn der Geiftlichfeit An- 
dacht gehalten wird. + 


292 Machricht 


Dieſe —— gehoͤren dem S önige von Poh⸗ 
len z), der ihre Beamten ſetzet und beſoldet; fie find 
ein wichtiger Theil der Föniglichen Einfünfte, weil 
fie ſehr viel eintragen, 

Nicht meniger als tauſend Menſchen 9 5 
heſtanhisd darinnen, De: man waet die Menge des 

damals 


2) Mas in ben Gensrapbien hin und mi cher von dem 
Galinen vorgebracht wird, als wären folche dem Haufe 
Drorsztein ——— felbiges ift grundfalfch. 

Das Haus Morsztein hat in Wieliczka dag Bergmei⸗ 
ſteramt (woraus fie Bachmeifter gemachet haben) von 
langer DH ber, mwie.erblich, und befömmt daflır jahr: 

aus den Galinen eine anfebhnliche Penſion, wogegen 


| ibm De auf den Bau der Gruben Dbficht zu haben, 


weiter aber hat gedachted Haus, weder an der Stadt, 
noch an den Gruben, einiges Rechts. fondern e8 find fels 
bige von langen Zeiten ber, mie noch igo, allezeit ein 
Theil der Zafelguter der. Könige geweſen, die fie denn 
auch mehrentheild verpachtet, zu Zeiten aber auch admi⸗ 


niſtriren laffen. 


aa) Die Anzahl der Arbeiter in den Gruben erſtrecket 
ſich nicht a als etwa 450 bis 500 Mann, wenn man 
aber diejenigen mit dazu rechnet, die uber Tage bey den 
Salinen in Arbeit ſtehen, fo mag ed wohl auf 700 Mann 
kommen; e8 fann aber auch feyn, daß fie zur felbigen 
ge fonderlich wenn fie nicht mehr, als 3 Pferde ges 
abe, groͤßer geweſen, anerwogen deren jeßo zum. we⸗ 
nigſten 40. Paar beſtaͤndig in den Gruben gehalten ‚und 
theils zu Körderung des Salzes aus den untern 
ten, theils aber zu Fortſchaffung beffelben und fonderlich 
der Bale, von einem Drte zum andern ; gebrauchet 
werden. | 
Daß aber Leute unten wohnen follen,. wie hin und 


wieder erzäblet wird, felbiges iff nicht an dem fondern, 


die Arbeiter halten ibre Schicht, kei: * andern Berg- 
werfen, 


J 


von den pohlniſchen Salzgruben. 293 


damals vorraͤthigen Salzes auf zwo Millionen Gule 
den bb). Ä 
Beftändig werden in diefen Gruben 3 Pferde ges 
halten, die dafelbft ihre Ställe, und andere Moths 
wendigkeiten haben. Gie führen das Salz von den 
Oertern weg, wo es ausgehauen wird, und man 
zieht ſolches nachgehends vermittelft oberwaͤhnten Ra» 
des und Seiles heraus, welches von einem Pferde 
cc). am Tage getrieben wird. Die Pferde, fo eine Zeit« 
lang in diefen Gruben bleiben, werden von der Schär« 
fedes Sales blind, und alle drey, die damals daſelbſt 
waren , hatten das Gefichte völlig verloren dd); ein« 
nem, das am längften in diefen Gruben geblieben 
war, waren die Hufe noch einmal fo lang gewachfen, 
ne 24 alg 
werfen, zug Stunden, und wenn diefe zu Ende, fahren 
fie wieder aus. 
bb) Hier iff wohl eine Ziffer zuviel, e8 wäre denn, daß 
man das mit gerechnet, was noch außgearbeitet werden - 
follen, indem ordinair der Vorrath in den Gruben fich 
nicht leicht höher beläuft, ald etwa 120 bis 130 taufend 
Eentner. Wenn man aber den ganzen Borrath, wie er 
in den Gruben, und über Tage, auf den Hurbhäufern, 


. amd in den Niederlagen an der Weichſel befindlich, zufam: 


men vechnet: fo mag felbiger fich zumeilen wohl auf 
400000 Eentner belaufen. 7 
ec) Befiehe die Note e. J 
dd) Die Pferde werden beynahe eben fo wie die Men⸗ 
fehen an dem Geile durch die Schächte eingelaffen, auch 
nach Erfordern der Umſtaͤnde, wenn über Tage — 
dentliche Arbeit vorfaͤllt, wieder ausgezogen, ſonſt aber 


bleiben fie beftandig unten; ich habe aber miemalen gemer⸗ 
ket, daß fie an den Augen Schaden gelitten, auch niemalen 


gehöret,daß die Arbeiter desfalls etwas geklaget, ungeachtet 
es welche Darunter giebt Die von Jugend an in den Gru— 
* IN. ben 


294 Rain: Mobile 


als fie fonft pflegen, daß jeder Huf faft eine Span⸗ 
ne lang war ee). | I Be 

Die Gruben haben auch unten einige Salzquel⸗ 
Yen ff), aus denen das Salzwaſſer ingewifle Drte ge» 
leitet, und dafelbft verfotten wird gg). Es 


ben gearbeitet, und dabey ein Alter von go und mehr 
Jahren erreichet haben , denn von der Bergkranfheit, mit 
welcher die Bergleute auf den Erztgebirgen befchweret 
werden, weiß man dafelbft gar nichts. A 

ee) Diefes will eben nicht in Abrede feyn, doch kann 
ich er nicht ſagen, daß ich dergleichen wahrgenommen, 
nahe 


n dermalen die Pferde ordentlich befchlagen, oder 


Doch wenigfteng zu gemwiffer Zeit ausgewirker werden. 

ff) Es giebt in den Gruben leider ! Waffer genug, wie 
in der Note r ſchon erwähnet worden, und ed werden auch 
Dermalen jahrlich mehr ald 100000 Eentner zu Tage aus⸗ 
gefördert; allein Duellen findet man darinnen nicht, fons 


dern das Gebirge iſt an fich trocken, und alles Waſſer, 


was unten angetroffen wird, geht theild um die Schächte 
herum, theils auch, und vornehmlich, durch ſolche Drte, 
wo das Gebirge eingebrochen von Tage hinunter, und 
wird, weil es überall Sal; findet, ehe ed noch hinunter 
koͤmmt, auf das ſtaͤrkſte gefalzen; es tragt ſich wohl zus 
weilen zu, daß in folchen Drten, wovon man gewiß 
weiß, daß das Gebirge noch nicht berühret worden, Kluf- 
ge angetroffen werden, die voller Salzwaſſer ftehen, es 
iſt aber felbiges fehr wenig, und lauft in kurzer Zeit aus, 


Sonſt hat e8 unmeit der Tagefchacht Lois einen Drt, 


wo beftandig ſuͤßes Waffer lauft, wovon Die Arbeiter 
und Pferde trinken, und welches, weil es nahe bey dem 
Salze ausfließt, den Fremden, als etwas hoͤchſt wun⸗ 
derbares nemwiefen wird; ed wird aber eigentlich felbiges 
auf einer Strecke, die mit Fleiß ſteigend unter einen Thal 
getrieben, und momit man dem oberften Sande, mo es 
durchgeht, zu nahe gefommen, in hölzernen Rinnen, bis 
zum Bebälter,, fortgeleitet. | 


ab) Bis 1724 ift noch in Wieliczka Gal; gefotten wor, 
en, 


w; 


vonden pohlnifchen Salzgruben. 295 - 
Es giebt auch nod) anderswo Salzgruben in 


- Bohlen, nämlic) bey Bochnia, dieaber nicht fo guf 


— 


* 


eingerichtet find, als die jeßt erwähnten hh). Außer« 
dem haben verfchiedene Derter in. Pohlen und Reuſ⸗ 
fen Salz, als Holicz, Colowiza, Solum, Pnig, Os⸗ 
wenz, und fo weiter ii). In der podolifchen Wuͤſte 
ohnweit des Boryſthenes, ift ein Salzſee kk), deſſen 

ir Waſſer 


den, in folgenden Jahren aber, da das Holz immer wei⸗ 
ter zugeführer werden müffen, und theurer worden , find 
die Giedereyen eingegangen, und wird dermalen Fein 
on mehr gefotten, fondern fie laffen die Sohle alle weg: 
aufen. | 

- bh) Die Bochnier Gruben ſtehen mit unter der Di: 
rection von Wieliczka; unterfiheiden fich aber von diefen 
onderlich darinnen, daß hier das Salz alles dem Anfes 
ben nach gangweiſe angetroffen wird, welches in vielen 
Stuͤcken einen ganz andern Bau erfordert hat, fo daß es 
freylich darinnen nicht allenthalben fo bequem und com= 
mode, als in jenen. 

Sie find nicht fo weitlauftig, als Die in Wieliczfa, und 
es arbeiten darinnen auch nicht mehr als etwa 250 big 


soo Mann, ihre Tiefe hingegen ift weit größer, und ers 
ſtrecket fich auf 600 Ellen; fonft aber iff die Einrichtung 


und Arbeit dabey wie im jenen, ausgenommen, daß ders 
malen feine Batwanen gearbeitet, fondern das Salz alles 
Klein gehauen, und in Faͤſſer gefchlagen wird. 

i) In Roth⸗Reußen unmeit Lemberg, giebt ed an vielen 
Orten Siedereyen, die theild dem Adel zuſtaͤndig find, 
theils aber zu der Deconomie Sambor, welche, mie Wie: 
liczka und Bochnia ein Tafelgut des Königes iſt, gehoͤ⸗ 
gen, und mehrentheild mit jelbiger zugleich verpachtet 
werden. Die Orte aber, die hier genannt find ſind jetzo 


zum Theil unbekannt, theils aber find nur Niederlagen; 


bis auf Halicz , wo noch gegenwärtig Salz gefotten wird. 
 kk) In Rußland mögen folche Salzſeen wohl ſeyn, fe 
—J | zweifle 


296 Nachricht 


Waſſer von der Sonne in — bie Bit, 
daß das Salz liegen bleibt, und die Leute mit Pferd 
und Wagen darauf, wie auf Eife, fahren, Das Sal; 
in Stücken hauen und wegführen. 2 


Der. pohlniſche Sefchichtfehreiber Cromer bes 
ſchreibt folches weitläuftig, und verfichert , man finde 
in der bochnifchen Grube ein zufammengefrornes 
Waſſer das fie Carfunkel hießen 11), und die Leute 

zu 


zweifle aber, daß dergleichen in Podolien angetroffen wer⸗ 
den, indem das Salz aus der Gegend von Sambor da= 
bin gefchaffet wird, welches fie nicht nöthig hatten, wenn 
fie mit dergleichen Salhfeen verfehen wären. 


1) Was Eromerud unter dem Carfunfel verffanden, 
Davon weiß man jetzo nichts. Es finden ſich aber im 
Salze ſowohl, als im Gebirge, einzelne Stücken Holz, 
manchmal wie ſtarke Aeſte eined Baumes, gg Br 
gemeine Volk für das Vieh brauchen. \ 


Dieſes Holz ift ſchwarz mie eine Kohle, und auf vie⸗ 
lerley Weiſe zerriſſen und zertruͤmmert, die Riſſe aber ſind 
mit Salze wieder voll gewachſen, und wird von der Far⸗ 
be Wagti Solni (Salzkohlen) genennet. Wenn auf ders 
gleichen getroffen wird; foverurfacher es einen penetrans 
ten und widerwärtigen Geruch faft wie Früffeln, den 
man auf viele Rachter weit fpührer, und wovon der Ar⸗ 
beiter,, fonderlich an folchen Orten , wo die Luft — 
genug durchfließt ſtark inepmmmodiret wird. 


Sonſt iſt merkwuͤrdig, daß ſie im Salzſuchen, mie 
auf Klüfte treffen, Die mit einer Art eines Dunfkes, (0 

‚fie auf den Gruben, in ihrer Sprache, Saleter nennen, 
angefüller find, welcher Dunſt, fo bald er ein Licht ergreift, 
fich anzundet; ; wie fie dann ſolchen auch, um Daß er je 
und. 


vonden pohlnifchen Salzgruben. 297 


zu Reinigung ihrer Körper fo wohl äußerlich, fich da⸗ 
itzureiben, als es in einem geſchickten Bebiculo ein» 
zunehmen, gebrauchten, \ 


und nach wegbrennen fol, inögemein mit Fleiß anzuͤn⸗ 


en. 

Sie koͤnnen ſelbigen hoͤren an dem Ziſchen und Pfei⸗ 
fen, unter welchem er durch die Kluͤfte, worauf ſie gehauen, 
durchdringt; trifft es ſich, daß die Arbeiter eine Zeit lang 
von ihrer Arbeit weg bleiben, wenn etwa Feyertage oder 
andere Verhinderungen einfallen, und der Ort, wo der 
Dunſt ausgeht, iſt ſo gelegen, daß die Luft nicht frey 
durchfließen, und ihn mit wegnehmen kann, ſo ſammlet 
ſich ſolcher, und ſteht allemal iu der Höhe; wann nun 
Die Arbeiter unbeſorgt mit ihrem Grubenlichte dazu, nnd 
in den Dunft hinein kommen, fo entzündet er fich mit eins 
“mal wie Pulver, verbrennt diefelben, wirft alles weg, 
und fährt durch die Schachte bi8 zu Tage hinaus, mo 
er auch wohl das Dach vom Huthhaufe abhebt, daher 
‚man fich in folchen Gebäuden, wo eine Zeit lang niemand 
bingefommen, wohlvorzufehen hat, und nicht überall ges 
rade zugeben darf. ' 

In den Bochnier Gruben tragt ſich dergleichen öfterer 
zu ald in Wieliczka; fo bald ſich der Dunft entzündet, 
wird der ganze Ort voller Feuer, und riecht nachher 
ftark nah Schwefel , doch har man Fein Erempel, daß et= 
was damit angezündet worden, außer daß e8 die Arbei> 
ter, und Officianten verbrannt, und oftmal fehr be 
fchadiget hat. Es find noch Keute da, denen es die Hans 
re auf dem Kopfe weggefenger , und die Hande und das 
Geſicht verbrannt hat, wie ed unter andern einem Of⸗ 
fiianten in Bochnia alfo begegnet, daß er lange zuge 
bracht, ehe er wieder geheilet worden. Einem Arbeiter, 
den dergleichen betroffen, hat es durch den Kittel uber’ 
den aanzen Leib lauter Eleine Flecken wie eine Erbfe groß 


gebrannt, und der Kittel iſt voller Löcher gewefen, wie 


wenn er mit Schrot dDurchfchoffen ware, 
— Wann 


vr 


298 Nachricht von den pohln. Salzgr. 
Wann die Arbeiter ohne Richt an folche Orte gegan- 
gen, aus Vorforge zu erfahren, ob Saleter, wie fieres 
den, zu ſpuͤren ſey, bat ed fich auch zugetragen, daß 
fie darinne erſticket, und wo eiher den andern mit Noth 
bald wieder heraus bringen Eönnen, find fie wie tode 
geweſen, die Augen haben ihnen vor dein Kopfe geftan- 
den, und find auch nicht zu fich gekommen, bis fie in 
frifche Luft gebracht und mit Waffer begoflen worden. 
Es findet fich folcher Dunft gemeiniglich in feuchtem Ge: 
Birge, er koͤmmt mit Waffer, oder es folget doch Wal: 
fer nach; wenn der Schlag einmal vorbey, und der 
Dunſt alle ift, hat man fich weiter nichts zu befürchten, 
fo lange bis daß es wieder eine Zeit lang geflanden, 
und fich von neuem der Dunft wiederum | 
geſammlet bat. 


€. ©. Schober. 





ee, | RB, 30 299 
BRECHEN RR IR Be rk 
a, # 

Martin Knutzens 


— Profeſſoris der Weltweisheit 
zu Koͤnigsberg, 


Beſchreibung 


eines 


Allgemeinen Wetterglaſes. 
§. 1. 


Wine genaue ER der mannigfaltigen 
Deränderungen der Luft, und der verfchies 
‚denen Abwechfelungen, die fich in derfelben 
faft täglich in Anfehung ihrer Schwere und 
geichtigfeie, Wärme und Kälte, Trockenheit und 
Feuchtigkeit, und fo weiter, ereignen, iſt eine Bes 
ſchaͤfftigung, die nicht weniger nußbar, als angenehm 
zu nennen. Sie zeiget ihren Einfluß und Nutzen in 
einer wabrfcheinlichen Vorberbeftimmung des Wets 
ters, in Beurtheilung der Geſundheit und Ungeſund⸗ 
heit deſſelben, in einer genauen Erkenntniß der Luft, 
ſo unſern Erdkreis umgiebt, und einer pflichtmaͤßi⸗ 
gen Einſicht der daraus hervorleuchtenden Vollkom⸗ 
menheiten Gottes. Die zu dieſem Zweck erfundene 
Barometra, Thermometra, Hygrometra und Mas 
nometra find dahero fo wohl bey Gelehrten, als an⸗ 
dern curieufen $iebhabern der Naturlehre, fo befannf, 
als beliebt und hoch gehalten, hr 

| 4. 2. Die 






‚300 u Befchreibung a 


982 Dieobermähnte verfchiedene Arten der Wet⸗ 
tergläfer entdecken uns die Eigenfchaftender Luft und 
des Wetters nur auf eine zerftreute Arc und Stuͤck— 
weife. Es ift unter den Naturlehrern befannt , daß 
man öfters verfchiedene derfelben zugleich zu Rathe zie⸗ 
hen müffe, wenn man von der gegenwärtigen und zu⸗ 
fünftigen DBefchaffenheit des Wetters einen fichern 
Schluß machen will. Ich habe demnach zu meinem eige⸗ 
nen Vergnügen und Mugen ein Inſtrument verfertigen 
laffen, in welchem die vornehmiten Arten der Wet— 
tergläfer auf eine bequeme Art verbunden find ‚Damit 
ich nicht bey einer etwa anzuftellenden Beobachtung 
des Wetters diefelben an verjchiedenen Orten fuchen, 
fondern afles zugleid) bey der Hand haben möchte... 
83. Ich nenne diefe Mafchine ein allgemeines 
Werterglas (Inftrumentum meteorognofticum , vel 
etiam meteorologicum univerfale) weil bey derſelben 
die vornehmften, zur Meteorognofie oder Werterfennt: 
niß gehörige Inſtrumente beygebracht worden; wie 
ich denn aud) außer einem Barometer, Thermometer, 
Hygrometer und Manometer, verfchiedene andere 
Stücfediefem allgemeinen Wetterglaſe einverleiber ha⸗ 
be , durch welche auch noch andere $uftbegebenheiten, 
fo jene nicht darftellen Fönnen, gleichfam im Kleinen 
abgefchildert werden. Ob num gleich die Erfindung 
dieſer Zufammenfeßung nicht eben viel- Wiß und 
Scharffinnigfeir erfordert hat: fo fcheint es doch, daß 
manchen Liebhabern der Maturfenntniß die Befchreis 
bung diefes Inſtruments nicht unangenehm feyn duͤrf⸗ 
ge, indem verfchiedene bier durchreifende Gelehrte, 
welche Daflelbe bey mir gefehen, mir ihr Vergnügen 
darüber bezeuger, auch zum Theil zur Befchreibung 
deſſelben 


eines allgemeinen Wetterglaſes. 301 


deſſelben mich ermuntert haben. Wenn es zierlich 
und mit einer genauen Richtigkeit verfertiget wird: 
ſo kann es nebſt dem Nutzen einer bequemen Obſerva⸗ 
tion des Wetters zur Zierde eines Gartenhauſes, oder 
eines Zimmers dienen, und zugleid) durch eine finnli= 
che Darftellung einiger tufterfcheinungen ein unfchuls 
diges Gemüthsvergnügen befördern, 

9.4. Das beygefügte Kupfer ftellet zwar Die 
Beſchaffenheit diefes allgemeinen Werterglafes, oder 
meteorognoſtiſchen Inſtruments, ziemlich deutlich vor 
Augen, , daß ich eben feine weitläuftige Erklärung für 
nöthig erachte. Indeſſen will ic doch in möglichiter 
Kürze das Bornehmfte, fo dabey zu bemerfen, bey» 
bringen. Ich unterfcheide bey diefem Inſtrumente 
die wefentlichen Hauptftücfe, welche in einem Baro= 
metro, Thermometro, Hygrometro und Manometro 
beftehen, von den zufälligen Zierrathen, welche theils 
zu befferm Anfehen, theils aber auch zur Darftellung 
‚einiger $uftbegevenheiten dienen. Ich werde dem» 
nach erftlich die Einrichtung der erfteren befchreiben, 
und fo dann auch der andern zufälligen Zierra⸗ 
then Erwähnung thun.. | 
95 Das vornehmfte Hauptftück diefes Inſtru— 
ments, und gleichfam die Bafis der übrigen ift ein Bas 
tomefer, welches größtentheils in der hohlen Hauptfäus 
le des Inſtruments verborgen, und nur mit dem ober« 
ften Theile bey der Scala hervorraget. Es befteht 
diefes Barometrum aus einer dicken gläfernen Röhre, 
und hält mehr, als ein Pfund Dueckfilber in fih. Auf 
der Säule des Dueckfilbers ift zugleidy eine Statue- 
oder Puppe angebracht, welche mit ihrem Stabe die 
Grade der Schwere und Seichtigkeit der Luft durch 

Br ihr 


Boat): Befehreibung 


ihe Steigen und Fallen an der beygefügten Scala 
anzeige: dieſe Fleine Statue fellet uns das gveris 
efifhe Wertermännchen , oder den fo genannten Wet⸗ 
terpropheten vor. Will man die Koftenerfparen, fo 
darf man nur ein ordentliches einfaches Barometrum 
in der hohlen Seite des Inſtruments anbringen; 
denn in folchem Falle ift esnichtnörhig, daß die Röh- 
re des Barometers fo dick ſey und man brauchet alfo 
nicht eine folche Quantität von Queckſilber dazu, als 
wenn man das Wettermännchen vaben vorftellen will*, 
Die Scala des Barometers ift auf zwey runde cylin= 
derförmigte Gläfer gefleber, die auf beyden Seiten 
dejfelben oben im Gehäufe oder Capital des Inſtru⸗ 
ments: ftehen **. Der Zweck diefer Öläfer wird im 
folgenden mit mehrern bemerfet werden, | 

6. 6, Unter der Scala des Barometers, fo oben 
im Capitäldes Inſtruments befindlich, habe ein Hy⸗ 
grometer verfertigen laffen , welches die Feuchtigkeit 
und Trockenheit der. $uft auf die Art anzeiget, daß 
Das Austreten des Cavalliers mit dem Becher die naſ⸗ 
fe Luft; das Herausfommen aber der Dame mit 
dem Fächer, trockne Luft bedeute, Die Scala 


n 


* Die Wahrheit zu fagen: fo iſt auch, biefe Teste Are 


namlich ein Barometrum von einem mäßigen Diameter 


zur Accurateſſe der Obſervation dienlicher, als eins 
mit dem gverickianiſchen Wettermaͤnnchen, obgleich 


dieſes curioͤſer laßt, und bey Unwiſſenden mehr Ver⸗ 

wunderung erwecket: denn die Luft laͤßt ſich in letz⸗ 
term Falle nicht fo leicht aus dem Raume uber dem 

Queckſilber wegfchaffen. Ar | 


t 


** Die Scala kann auch an zwo Fleine lange Fäfelchen 


nahe an dem Barometro zu beyden Geiten befejliger 
werben, F 


eines allgemeinen Wetterglaſes. 303 


ift auf dem kleinen Geländer, fo das Hygrometer 
umgiebt, angeklebet. Sonft aber iſt das Hygros 
meter auf die gewöhnliche Arc eingerichtet, und iſt 
der Grund deſſelben eine Saite, die von der Näffe 
oder Trockene der Luft fi) herum drehet, wie aus der 
Naturlehre und der Xerometrie bekannt ift. 

$. 7. Unter dem Barometer ift der Thermomee 
ter: angebracht worden ‚daran die Grade der Wärme 
und Kälte der $uft beobachtet werden koͤnnen. Es 
iſt nicht nöthig zu erinnern, daß bey 'einer genauen 
Beobachtung der Wärme und Kälte in der $uft, es 
dienlich und nörhig fey, bey Verfertigung der Scala 
nicht nach) der ‚gewöhnlichen Are, nach der Befchafs 
fenheit der Luft in einem Keller den Grad der tempe⸗ 
rirten Luft zu beſtimmen, und darauf die Eintheilung 
nad) Belieben einzurichten: fondern vielmehr etwa 
nach Fahrenheitiſcher Art durch Beftimmung der 
Puncteder angehenden Gefrierung wie auch der Auf⸗ 
fiedung oder Kochung des Regenwaſſers die Eintheia 
lung zu reguliven; welche Methode heut zu Tage des 
‚nen, welche in der Naturlehre nicht ganz Fremdlinge 
ſind, nicht leicht unbefanne feyn fann*. Die unter dem 
Thermomeetro befindliche Kugel ver. hölzernen Haupt« 
fäule des Inſtrumentes ift in der Mitte mir einer Fuge 
verfehen; fo daß die obere Hälfte Derfelben nebft dem 
Obertheil des ganzen Inſtrumentes Fann abgehoben 
werden, und der. Barometer in die Höhle des In⸗ 
firumentes , und deffen hölzerne Röhre fann eingefegee - 
werden; darauf fodann die untere Hälfte mit der 
obern durch ein eifern Stift ‚befeftiget wird, - 


Nuiſchenbroecks Elementa Phyſica. $, 792. 
4 Band. u 5% $,8, Die⸗ 


304° 





Eleinen Statue ftehen, die mit Waller vorher ange 
füllet werden müffen, und zu dem Ende auszunehmen 
find. Die langen Arme der Siphonum oder Heber, 
welche unten mit verfchiedenen Spißen verfehen find, 
fprigen,, wenn man das Waffer vorher durch Sau⸗ 
gen zum Sprunge gebracht, ihre Wafferftrahlen in 
die beygefügte blecherne Schalen, oder Baßins, welche 
von zwo gipfernen Statuen, fo zwey roͤmiſche Sol 
daten vorftellen, gehalten werden. Man erfernet 
aus dieſen Fontainen die Schwere und den Druck der 
£uft, welche das Waſſer aus den cylindrifchen Gläfern 
immer dem vorherfallenden Waſſer nachtreibe. 
8,9 Das zweyte Stuͤck, welches zur Zierde 
dieſes meteorognoftifchen Inſtrumentes geböret, ift 
2) eine blecherne hohle Rugel, auf welcher ein 


ſchwarzer Adler mit vergoldetem Schnabel, Kron 


und Zepter und Reichsapfel ſteht. Die Kugel iſt 


nach Are der Heronsfugel, oder der fogenannten Pilz 
Heronis eingerichtet. (f. v. Wolfs Anfangsgrüne 
de der Marh. Hydraulik 9.39. n.2.) Die fupferne 
Röhre derfelben geht mit einer Beugung durch den 


Schnabel des Adlers. Wenn man dem Adler in den 


Schnabel bläft, fo fpringt aus demfelben ein Waſ⸗ 


wi ſerſtrahl, 


‚eines allgemeinen Wetterglaſes. 305 


ferftrabl , welcher von der unten am Inſtrument an⸗ 
gebrachten Mufchelfchale aufgefangen wird. Man 
fann auch noch zwo Kugeln von Blech vor gleicher 
Größe und mit den fo gebogenen Röhren zum Auffaß 
appliciren, und an voriger Stelle den Adler. fegen, 
nämlich eine, fo in der Mitte durch einen Boden in 
zwey Halbfugeln gefondert, und nach Art des vom 
Heren Baron v. Wolf J. c. 9.43. -befchriebenen 
Springbrunnens eingerichtet, und eine andere, fo 
wie eine Aeols oder Dampffugel zubereitet worden, 
ſ. Wolfs Berfuhe Tom. I. $.173. Im erften Salt 
wird eine Fleine angezündete Lampe, fo unter der Rus 
gel im Eapitäl des Inſtrumentes placiret worden, dag 
darinnen befindliche Waſſer zum) Spfung bringen, 
und durch den Schnabel des Adlers in Die Höhe trei⸗ 
ben, auch; zugleich die Lehre von der Ausdehnung der 
ufe durch die Wärme beftätigen; in dem andern 
Fall aber wird duch den Schnabel des Aölers ein 
Dampf heraus brechen, Der zu einer angenehmen 
Borftellung des Windes, und der Urfachen deſſelben 
dienlich, zumal wenn man feidene Faͤden und lange 
Streifen Papier in mäßiger Entfernung demfelben 
- entgegen ſtellet. Fuͤllet man diefe letztere Kugel mit 
Spiritu vini? fo fann diefer Dampf, wie befannt, 
- entzündet werden, und ftellet einen langen feurigen 
Strahlvor. Wenn man hiebey an ftatt des Adlers 
- einen Drachen von Blech zum Auffag braucher: fo 
wird die Figur des feuerfpeyenden Drachen ein ange⸗ 
nehmes Schaufpiel den Augen darftellen. Die glä- 
fernen Siphones, oder Röhren, deren $. 8 gedacht 


worden, und die auf beyden Seiten des Inſtru—⸗ 


mientes Springbrunnen vorftellen, fönnen, wenn 
— Ara | fie 


306 Betrachtungen uͤber den Einfluß 
fie unten mit viefen Sprigen und Eröffnungen ver 
fehen, nicht nur. durch die vielen hervorbrechenden 
Mafferftrahlen Vergnügen erwecken, fondern auch, 
wenn man in gehöriger Stellung ein Licht dagegen 
ſtellet, etwas einem Regenbogen ähnliches unfern Aus 
gen abbilden. Und fo lehret diefes allgemeines Wer« 
terglas ung nicht allein die Eigenfchaften der Luft ers 
Eennen und abmeſſen, fondern ſtellet auch‘ zugleich 
viele $ufterfcheinungen oder Meteora gleichfam 

| | im Kleinen vor Augen. Kr 


* * *** * nr J — * ** SE SE SE ZU * 
Betrachtungen 

uͤber denEinfluß der Raturlehre 

in Die Metappufie 


ie Metaphufif ‚die zu einer Zeit, da man das 

Schöne und Nüsliche fehr ſchlecht Fannte, 

eine Königinn der Wiffenfchaften genannt 

wurde, bat in den neuern Jahrhunderten, 
zwar diefen fchwülftigen Ehrentitel verloren, aber 
an innerlichem Werthe fehr viel gewonnen. An ftate 
eines philofophifchen Wörterbuches, ift fie eine Samm- 
lung folcher $ehrfäge geworden, die theilsihrer Allge⸗ 
meinheit wegen, da fie alle Dinge überhaupt betref- 
fen, bey unferer übrigen Erfenntniß durchgehends 
brauchbar, theils ihres Gegenftandes wegen, da fie 
unfere Seele, die Welt und ihren Schöpfer angehen, 
ungemein wichtig find, Sie wuͤrde noch den — 
Titel 





der Naturlehre indie Metaphyſik. 307 


Titel verdienen, wenn die Kenntniß, die ſie uns 
giebt, nicht ſo gar enge Graͤnzen haͤtte, und inner 
halb diefer Grängen nicht an vielen rten noch fo. 
dunkel und ungewiß wäre; wenn die Herrfchaft die- 
fer Königinn fich nicht über fo wenig Länder, und 
auch in diefen ändern nicht mit fo weniger Gewalt 
erſtreckte. Wir müffen fie dem ungeachtet hoch ſchaͤ⸗ 
gen, wenn auch gleich die Nachrichten, die, fie ung 
‚eetheilet, nur nach unferer Befchaffenheit groß und - 
wichtig find, wenn man auch gleid), fo oft man fa» 
gets Cartes, Lock, Leibnitz, Wolf, haben eine große 
metaphufifche Einficht befefien, hinzu’ fegen muß: 
fie Menſchen. 

Ich muß dieſes Geftändniß voraus ſchicken, weil 
ich uͤbrigens bekenne, daß ich von der Metaphyſik 
nicht ſo hohe Gedanken hege, als verſchiedene, die 
ſich einbilden alle Wiſſenſchaften zu beſitzen, oder die 
ſie nicht beſitzen verachten zu duͤrfen, wenn ſie große 
Metaphyſici ſind, oder es richtiger auszudruͤcken, wenn 
ſie die metaphyſiſchen Lehrfaͤtze dieſes oder jenes Welt⸗ 
weiſen gut auswendig gelernet haben. Die Natur⸗ 
lehre hat ſchon vor Zeiten das Ungluͤck gehabt, daß 
man ſie in ein Gewebe metaphyſiſcher Kunſtwoͤrter 
verwandelt hat, und ſie iſt von dieſem Zufalle noch 
itzo nicht völlig befreyet, wenn Köpfe über fie kommen, 
die mehr zu metaphyſiſchen Spigfündigfeiten, als zu 
aufmerffam anzuftellenden Erfahrungen und richtiger 
Schluͤſſen aus denfelben aufgeleget find. An ftatt,daß. 
ich glauben follte , folche Geiſter brächten der Natur- 
lehre großen Vortheil, bin ich gegentheils-verfi 5* 
wer viele — — a. Licht, un 


Bee 1 20 


— Mi > 


368 Betrachtungen user dan Einfluß 


ne Abfiche iſt, iso hievon eines * das andere an⸗ 
zufuͤhren. | ar 
Ich muß erſt ein Paar Meere Sage 
fagen, den ein guter Freund von mir im Ernſte ber 
Hauptet hat. Er meynte, man fönnte in der Phyſik 
Feine gewiſſe Erkenntniß haben, wenn man nicht die 
Metaphyſik verſtuͤnde. Bermuthlich deßwegen, weil 
fie die erften Gründe aller Erfenntniß in fich enthält, 
Man wird mir erlauben, meine Meynung davon mit 
einem Gleichniſſe zu ſagen; ich muß ſolches aber auch 
von mir ſelbſt hernehmen. Ich habe das Abc nicht 
eher auswendig gelernt, bisich lateinifche Bücher lag, 
und wiffen mußte, ob ich ein Wort am Anfange oder 
am Ende des Wörterbuchs fuchen follte; wie Fonnte 
ich aber zuvor deutſche Bücher leſen, ohne das A b c 
zu önnen ? Ich hatte die Buchftaben außer der Ord⸗ 

- nung und in einzelnen Wörtern Eennen lernen. Iſt 
es denn noͤthig, daß man die metaphyſiſchen Saͤtze, 
die etwa in der Naturlehre zum Grunde gelegt wor⸗ 
den, erſt in einer abgeſonderten Wiſſenſchaft lernet ? 
Ich tadele niemanden, der ſich die Begriffe vom Rau⸗ 
me, der Zeit, der Bewegung, dem Zufammengefeßten 
u. ſ. f. in der ‚Dntologie gemacht bat, aber ich glaube, 
wenn er da wäre verfaume worden, Fönne ſolches in der 
Phyſik nachgeholet werden. Noch mehr, ic) glau« 
be, viele diefer Begriffe und Saͤtze, laſſen ſich in ber 
karl k angenehmer und leichter faſſen. 

Denn wie iſt man wohl auf die allgemeinſten hr 

füge der Ontologie gefommen, als indem man ein- 

A Gegenftände in der Natur betrachtet, was fie 

efonders hatten, weggelaflen, und folchergeftalt einen 
ne erhalten‘ 2. , ber fehr viel unter if 
| greift 


der Naturlehre indie Metaphyſik 309 


greift? Sucht man doch ſelbſt die erſte deutliche Aus⸗ 
druͤckung von dem Satze des zureichenden Grundes 
in des Archimedes Buͤchern vom Gleichgewichte. Ei⸗ 
ne Wage, die auf beyden Seiten gleichviel beſchwert 
iſt, giebt nach keiner einen Ausſchlag, weil Fein Grund 
vorhanden iſt, warum ſie ihn mehr nach der als nach 
jener geben ſollte. So ſoll Archimedes geſchloſſen 
baben*. Leibnitz hat nad) Herr Bilfingers Gedan« 
Een** als ein. metapbufifcher Geift, der die Gründe 
eines Saßes deutlich auswickelte und allgemeine Bes 
griffe abfonderte, gefehen, Daß die Stärfe des Schluſ⸗ 
fes auf den Dberfas anfam x wo Fein Grund eines 
Ausfchlages ift, da ereignet fich auch Fein Ausfchlag, 
und daß diefer Satz den allgemeinen Ausfprud) era 
forderte : wa Fein Grund einer Wirfung ift, da ere 
folge aud) die Wirfung nicht. Wer weiß nicht, daß 
Leibnitz den Satz des nicht zu unterfcheidenden mie 
Beyſpielen aus der Matur beftätige, und Here Wolf 
es der Mühe werth geachtet hat, das was ung die 
 Bergrößerungsgläfer zeigen, zu deflen Erläuterung 
anzuführen ***, 
| va Nutzet 


* ch bekenne, daß ich dieſen Schluß unter allen Ausga⸗ 
ben des Archimedes, die ich befige, in Hervagii Gries 
chiſcher, in der Panormitanifchen von 1685, in Bars 
rows, und in Sturm, vergebens gefucht babe, ob» 
wohl der Satz felbft da anzutreffen iſt. Sollte es 
wohl nur eine Tradition feyn, die dem Archimedes 
dieſe Art zu ſchließen, eben wie die Wafferfchraube - 
and die Brennfpiegel beylegt ? Gie kann wenigitens 
nicht fo-alt feyn, denn Barrow hat fie nicht mit ums 
ter des Archimedes Eroterica gefegt. x 
** Diluc, Philof. Sect. I. c. III, Age 


vBerſuche IIIter Th. 82.5. 


310 Betrachtungen über den Einfluß 


Nutzet vielleicht der Gag des zureichenden Gruns 
des der Naturlehre ebenfalls wieder? Sch gebe eg zu, 
aber ich behaupte, daß man diefes Nutzens —** 
tig werden fönne, ohne in genauerm Verſtande ein 
Metaphyſicus zu feyn. Cicero hat den Demofrit, 
der die Atomen aus ihrem Wege weichen ließ, ohne 
daß fie Grund dazu gehabt hätten, nicht in die Mes 
taphyſik verwiefen, Er fagernur: Nichts fey für einen 
Naturforſcher fehändlicher, als zu behaupten, daß 
etivas ohne Urfache gefchehe *. Es ift wohl in den 
meiften Fällen fo leichte, die Anwendung des Saßes 
vom zureichenden Grunde in der Naturlehre zu mas 
chen, daß man folches nicht erft aus: der Metaphyſik 
lernen darf: Und ich muß geftehen, daß mich gewiſſe 
dergleichen Anwendungen nicht auf andere Gedanken’ 
bringen, die ein mehr metaphyfifches Anfehen haben, 
aber vielleicht eben daher bey mir weniger Leberzeu- 
gung wirken. Man bat den leeren Raum aus der 
Welt verbannen wollen, weil-fonft kein Grund vor» 
handen wäre, warum die Körper dieſe oder jene Fi: 
gur. hätten. Wider diefen Schluß habe ich Zweifel 
anderswo ** vorgetragen, Die ich bier nicht wieder- 
holen will. Ich finde eben ſo wenig eineh Beweis 
wider die anziehende Kraft darinn, daß fie dem Sage 
des zureichenden Grundes zuwider fey. Soll diefes 
fo viel heißen, daß wir nicht begreifen, wie fie einen 
Körper dem andern nähern koͤnne, fo bitte ih, mir 
Rec zu a, wie Körper einander durch, den 

De - zu 
* De Fin. Bon. et.Mal. L. I) Wenn die Secle/ wo die⸗ 
ſes ſteht, kein Einſchiebſel iſt. 


Sm April 1743: der Selufligungen dis Berflandes 
und des Wied. 307. ©. 


der Naturlehre in die Metaphyſik. zu 
Stoß forttreiben; ich ſehe ſolches alle Augenblicke, 
aber ich. verftehe nicht, mie es zugeht, und fo lange 
ich dieſes nicht verftehe, fo lange darf ich die anzie⸗ 
hende Kraft nicht bloß deswegen verwerfen, weil ich 
nicht verſtehe, wie es mit ihrem Urſprunge beſchaffen 
iſt. Das erſte Geſetz der Lehre von der Bewegung: 
daß ein Koͤrper in dem Zuſtande bleibt, in den er 
einmal iſt gebracht worden, laͤßt ſich aus dem Satze 
des zureichenden Grundes herleiten. - Da indeß das 
Berharren in eben dem Zuftande was wirkliches zu 
feyn ſcheint, fo mögen die Metaphyſiker, die den 
Satz aufs fpigfündigite zu brauchen willen, daß aus 
einem Mangel feine Realität entftehen koͤnne, fehen, 
was fie Hr. Eulern antworten, der eben aus diefer 
Betrachtung eine Kraft der Trägbeie i in den Körpern 
herzuleiten ſuchet die fie ihm vielleicht nicht alle zuge⸗ 
ben werden *. Menigftens werden fie ihm die Anz 
merfung, bie er beyfüger, nicht leugnen koͤnnen, daß 
der waſſerrechte Stand der Wage, in dem ſchon 
vorhin angeführten Falle nicht eigentlich auf den 
Mangel des zuichenden Grundes, fordern auf et« 
was anders ‚, nämlich auf Die gleiche Wirkung beyder 
‚Gewichte anfümmt.. 

Ich pflege mir dergleichen Schlüffe, dabey man 
den zureichenden Grund zu Hülfe zu nehmen pfleget, 
auf eine Art vorzuftellen , da ich ihn nicht zu nennen 
nöthig habe, und da man vielleicht die Nothwendig⸗ 
keit derfelben aus dem Sage des Widerfpruches deut: 
licher einſieht. Wir urtheilen alsdenn, daß zu einer 
Degebenheit erh zureichender Grund vorhanden iſt, 
x sr Us wenn 

ech. T. IL. $. 56. 


43 


312 Betrachtungen über,den Einfluß 


wenn aus unfern Begriffen, die wir von den dabey 
befindlichen Umftänden haben, diefe Begebenheit ſich 
nicht folgern laͤßt: Kann man alſo nicht den letztern 
Ausdruck ſtatt des erſtern brauchen ? Wenn zu ver⸗ 
ſchiedenen Begebenheiten gleichviel Grund vorhan · 
den iſt, ſo heißt dieſes ſo viel, aus unſern Begriffen 
folget ſowohl eine Begebenheit als Die andere, und 
daher müffen fie entweder alle zugleich, oder Eeine er⸗ 
folgen. Wenn ein Gewichte bey der Wage fine, 
ſo muß das andere auch ſinken, denn es iſt alles bey 
einem voͤllig, wie bey dem andern beſchaffen; Sie 
koͤnnen aber nicht beyde zugleich ſinken, alſo ſinkt Eeie _ 
nes. Mich deucht wenigftens, daß bloß eine natür« 
liche Metaphyſik, und feine Eünftliche, erfordert wird, 
fo zu ſchließen. 

Wollte ich mid länger —* den allgemeinſten 
Grundſaͤtzen der Philoſophie aufhalten, ſo wuͤrde es 
leichte fallen, zu zeigen, daß die Begriffe von der 
Zeit, dem Raume, dem Zuſammengeſetzten u. d. g. 
eher ſind von den Metaphyſikern aus der Naturlehre 
erlernet, als von ihnen den Natunforfchern erklaͤret 
worden. Doc) vielleicht haben fie ven Verdienftum 
diefe phufifalifchen Begriff, daß fie-folche von dem, 
was die Einbildungskraft ihnen beygemengt hatte, ge⸗ 
reiniget haben, Geſetzt dieſes wäre, fo hat die Na⸗ 
turlehre davon keinen befondern Vortheil. Man 
brauche doch in der Naturlehre den Begriff vom Raus 
me, den die Metaphyſik den eingebildeten nennet, ob 
man gleich erkennet, daß der wahre Raum etwas an« 
ders ſey. Und es iſt, wie Here Euler ebenfalls be⸗ 

- merfee*, feine Gefahr bey dem — ſolcher 
Ei, ſinn⸗ 
* Mech. 7. $. 8. 


der Naturlehre in die Metaphyſi f. 48 


ſinnlichen Begriffe, wenn man nur dabey in den ge⸗ 
hoͤrigen Graͤnzen bleibt, und nicht behauptet, daß 
die Sachen wirklich ſo ſind, ſondern, daß wir ſie nur 

> betrachten, Man mag die Monaden für Elemen⸗ 
te der Koͤrper erkennen oder nicht, ſo wird man in 
der Naturlehre doch nichts von den Grundtheilchen 
der Körper annehmen dürfen, als was die Erfah: 
rung Davon lehret oder ſchließen läßt, und der meta⸗ 
phyſiſche Irrthum wird alſo der Naturlehre ſo wenig 
ſchaden, ſo wenig die Erkenntniß der Wahrheit ihr 
helfen kam. Boyle* hat an den Elementen der 
Ehymicorum aus bloß phnfikalifchen Gründen ge» 
zweifelt, ohne was. von der Monadologie zu wiſſen, 
und du Hamel** und andere haben bey der geome- 
trifhen Schlüffe, welche die Ausdehnung ohne En⸗ 
de fort zu eheilen lehren, Anwendung auf wirkliche 
Körper, den Unterſchied zwifchen matbhematifchen 

und phnfikalifchen Körpern in der: Phyſik, und — 
in der Metaphyſik erinnert. 


Doch es wird Zeit ſeyn, daß ich mich zu Anbei 
peifen der Metaphyſik wende. Es ift nicht nöthig 
weitlaͤuftig zu zeigen, was ber Theil, den man die 
i allgemeine Weltbetrachtung nennet, der Phyſik ſchul⸗ 
dig iſt. Wer weiß nicht, daß die Lehre von der 
weiſeſten Verbindung, vermittelſt der alle Theile der 
Welt ein einziges und vollfommenes Ganze ausma« 
chen, fi) am Deutlichften aus der Förperlichen Wele 
erläutern läßt, ob man wohl auf die Geiſterwelt fehr 
wenig aufmerkſam muß geweſen fe, wenn man Die 
H "le 
). * — ſcepticus. * * 
** philoſ. Burgundica, Phyfi. 8 — Trad. Mc. 





x —* (u a \ 
314 Betrachtungen uber den Einfluß 
Allgemeinheit diefes Satzes leugnen, oder ihn gar 
für gefährlich ausfchreyen will; und wer wird in-den 
allgemeinen Begriffen, Die von den Körpern und ihren 
Beränderungen gegeben werben, nicht erfennen, daß 
man nicht auf.folche würde gerathen feyn, wenn man 
die Körper, ihre Kräfte, ihre Bewegung 1. f. w. 
nicht aus der. Naturlehre hatte fennen lernen? ? 
Was uns in der Metaphyſik am nächiten angeht, 
äft Die Kenntniß unferer Seele, und was am mich» 
tigſten für uns ift, iit die Kenntniß Gottes aus der Ber; 
nunft. Sch befürchte, es würde beydes elend bes - 
Schaffen ſeyn wenn die Phyſik nicht behuͤlflich gemefen 
wäre, diefe beyden Arten von Kenntniß zu beftätigen 
und zu erweitern, Vielleicht werden die befondern 
Deweife, die ich deswegen anführen will, defto mehr 
Eindruck machen, wenn ic) vorläufig überhaupt er⸗ 
innere, wie fchlecht es um dieſe Wiffenfchaften aus» 
gefehen hat, da es um die Phyſik noch fehlecht aus» 
ſahe, und daß Cartefius, wie er der Phyſik ein neues 
Anſehen gab, auch die Lehre von Gott und von der 
Seele in größeres Sicht fegte. Doch man wird ver- 
langen, ich foll umftändlicher erweiſen, was die Na⸗ 
turlehre uns nutze, die Seele kennen zu lernen, zumal 
wenn fie ung, nach des Cartefius Ausfpruche, befann: 
ser, als der Körperiift. Ich geftehe es, daß ich die. 
fen Ausſpruch von nichts weiter, als von der Verft- 
cherung, daß die Seele wirflid) vorhanden fey, Pan 
men faun, und daß ich außerdem befirchte, die Seele 
feiy uns nicht weiter befannt, als in ſofern ſie ihre 
und andere Körper kennet. Denn was willen wir 
doc) von der Seele für ein Merfmaal, daran wie fte 
von andern Sachen unterfiheiden, anzugeben, als 
j ET are SAT BARRRERIG daß 





« 


der Naturlehre in die Metaphyſik. 315 


daß fie ein Wefen ift ‚welches weiß ‚daß in ihm Ber« 
änderungen vorgehen, die den Veränderungen, welche 
in der Welt vorgehen, gemäß find. . Man wird es 
mir verzeihen, daß ich nicht vom Vorſtellen der Welt 
geredet habe: dieſer Ausdruck fager vielleicht eben 
das, was ic) gefaget ‘habe, aber: nur etwas undeuf« 
licher. Ich erzehlete letztens einem guten Freunde,ich 
haͤtte eine Maſchine, welche Hitze und Froſt, Regen, 
Wind, Blitz, Donner, und Sonnenſchein vorſtellete: 
Er glaubete, es waͤre ein Stuͤck von Weigels Pan- 


cosmo, oder ein kleiner Schauplatz der Welt, bis ich 


ihm ein Bret mit einem Barometer und Thermometer 
zeigete. In der That kann ichin feinem andern Ver⸗ 
ftande fagen, daß unfere Seele ſich die Welt vorfteller, 
als, indem man fagen Fann, daß. Wertergläfer die 
Witterung vorftellen. Was in unferer Seele vor. 
geht, wenn wir fagen ‚wir empfinden, hat mit dem, 
was diefe Empfindungen außer uns veranlaffer, niche 
mehr Nehnlichfeit ‚als das Fallen des Queckſilbers im 
Barometer mit einem Sturmwinde. Seit Cartefii 
Zeiten, (denn diefe Epocha fommt hier wieder vor) iſt 
diefes ausgemachet. Der Zerftörer der Woͤrterphyſik 
fagete zuerft deutlich, und kaum fand er mit einer fo er» 
ſtaunlichen Neuigfeit Glauben, daß die Farben in den 
Körpern was anders: wären, als die Empfindungen 
der Farben in der Seele, und daß die Philoforben, 
wenn fie von Abbildungen der äußerlichen Sachen im 


Gehirne redeten, Darunter entweder nichts, oder bloße 


Bewegungen, die vermittelſt der Nerven fortgepflanzet 
würden, verftehen Fönnten *, es war aber bloß die 
Unterſuchung des Körpers, die ihm zu diefen Gedan⸗ 


' Er fen 
Cacteſ. Dioptr, c, IV. $. VI. 


316 Betrachtungen uͤber den Einfluß 


Een Gelegenheit geben, und auf eine vernünftige Er⸗ 
Elärung der Empfindungen führen konnte. Wird 
man wohl die Seele für ein unförperliches Wefen 
zu erfennen vermögend ſeyn, wenn man’ fich nicht 
aus der Maturlehre verfichert hat, daß die Kräfte - 
der Körper nicht vermögend find, Gedanken, Urs 
eheile und Schlüffe Hervorzubringen? und würde 
man nicht die Frage, was die Seele vor der Em⸗ 
pfängniß gemwefen ift, für zulänglich beantwortet Hals 
ten, wenn uns nur die Maturforfcher zuverläßig 
darthun Fönnten, daß der Leib der Körper eines 
Saamenthierchens gemefen it? Bi 
Verſchiedene Wirkungen unferer Seele lehret ung 
nur dieNaturforfcehung vollfommener erkennen. Wie 
aus verſchiedenen dunfeln Begriffen ein Elarer ent« 
ſteht, laͤßt fich nicht deutlicher zeigen, als wenn man, 
Körper, die Empfindungen in uns erregen, zerglie⸗ 
dert, und bemerfet, wie viel einzelne Theile, von 
denen mir zuvor nichts wußten, das Ihrige zur Em— 
pfindung des Ganzen beygefragen haben, Biel taus 
fend Jahre hat die Menfchen das Sonnenlicht ge— 
rührer, ohne daß jemanden eingefallen wäre, es fit 
fiebenfach zu halten. Ich führe dieſes Erempel deſto 
lieber an, weil ich es in einem Briefwechfel zwiſchen 
zween Gelehrten gefunden habe, die beyde, zur Bes 
fhämung fo vieler überriaturforfchender Grillenfaͤn⸗ 
ger, die tieffte und von finnlichen Begriffen entfern⸗ 
tefte Kenneniß der Metaphyſik, mit der Einfichtin das 
Schöne und Wunderbare der Naturlehre glücklich 
verbinden. Herr Bilfinger hat durchdiefes Benfpiel 
Heren Hollmanns Zweifel gehoben, wie unzählige 
dunfele Borftellungen in unferer Seele feyn 2* 
— Ha ohne 


der Naturlehre in die Metaphyſik. 317 


ohne daß wir ung derfelben bewußt find, ob wir 
gleich die klare, Die aus ihnen enefpringt, erkennen *, 
Alle Welt hat fieben verfchiedene Farben zufammen: 
gefehen, wo niemand vor Newton was mehr als ein 
einfaches Sonnenlicht zu fehen glaube, 
Nicht nur dunfele Empfindungen lehret ung die 
Naturlehre kennen, da uns fonft beftändig unbefanne 
bleiben wuͤrde, daß ſie ſich in unſerer Seele befinden; 
auch Wirkungen des Verſtandes, Schluͤſſe, die wir 
ſo ſchnell machen, daß wir es ſelbſt nicht wiſſen, daß 
wir ſie machen, wickelt ſie uns aus, und entdecket uns, 
was wir gedacht haben. Allen Menſchen ſieht der 
Mond, die Sonne, ein jedes Sternbild, nahe am 
Horizont größer aus, als wenn es hoch am Himmel 
ſteht. Niemand brauche diefes etwa dem, der es 
ihm vorfaget, zu Gefallen nach;ufprechen, ein innerlis 
ches Gefühl verfichert jeden, daß er wider fein Ges 
wiffen reden müßte, wenn er diefes verleugnen wolle 
te. Aber zugleich verfichern uns die Kunftgriffe, 
welche die Marhematikverftändigen anzuwenden wife 
fen, der Körper ſcheinbare Größen auszumeffen, daß 
der Winfel,den von beyden Enden des Mondes u. ſ. w. 
gezogene Strahlen, an unferm Auge machen, unverän« 
derlich bleibt. Mach dieſem Winkel, nad) dem Bil« 
de in unferm Auge, das er beſtimmet, richtet fich aber 
die Empfindung, Die wir von der Größe einer Sache 
haben, Wie koͤmmt es, daß uns die Sonne in der 
Hoͤhe Fleiner ſcheint, als am Horizonte, da ihr Bild 
in unſerm Auge nicht Eleiner wird? Es verändert 
Be fh 
' ® Bilfing. et Hollm. epiftolae amoebaeae de harmon. 
praeſt. epift. Bilfingeri $. 6, 





318 | Betrachtungen uͤber den Einfluß 


ſich hier nichts in unſerer Empfindung, ſolglich muß 
Das groͤßer und kleiner Scheinen nicht auf unſere Em⸗ 
pfindung allein anfommen. Worauf fann es alfo 
weiter ankommen, als auf Schlüffe? Und wer. hätte 
ohne folche Leberlegungen geglaubet daß er einen 
Schluß machte, wenn er eine Sache, die er. ſieht, 
groß oder klein nennet? 

Wielleicht verdienet dieſes, daß ih noch etwas da⸗ 
von ſage, der ſo merkliche Unterfchied der Größe, 
‚welche die Geitirne nahe beym Horizont, und in 
größerer Höhe zu haben fcheinen, hat zu allen Zeiten 
Diejenigen befchäfftiget, Die den Grund merfwürdiger 
Begebenheiten zu unterfuchen bemuͤhet gewefen find, 
Gaflendus bat ein ganzes Bud) davon gefchrieben *, 
ob er wohl vielleicht die rechte Urſache nicht getroffen 
hat. Denn es ift faft zur Gewißheit gebracht, daß 


feine andere Urfache ftatt finder, als weil uns dag 


Geftirne nahe am Horizont entfernter zu ſeyn dünfer, 
als in größerer Höhe. Man Fann diefes auf ver- 
ſchiedene Art darthun, obwohl alle Arten einerley 
Grund haben. Wenn mir längft der Erdfläche hin- 
feben, fallen uns Gebäude, Sandfchaften, u.d. gl. ente 
weder unmittelbar in die Augen, wenn ihnen die Son. 
ne die erften oder. die letzten Strahlen zufchicket, oder 
unfere Einbildungskraft führer uns Doc) diefelben in 
die Gedanken; geſetzt, das Licht des Vollmondes, oder 
der Sterne, waͤre nicht ſtark genug, ſie uns kenntlich 
zu machen. So viel Gegenſtaͤnde zroifchen. uns und 
dem Ben bringen uns den Begriff bey, daß es 

weit 


—J —— de; apparente magnitine DR humilis 


et fublimis. Paris 164 Nu . 


| 


der Naturlehre in die Metaphyſik. 319 


weit von uns ſehn muͤſſe; ganz anders verhält es 
ſich, wenn wir die Augen nach demfelben fait gerade 
in die Höhe richten, Nichtsift da in der weiten Eins 
öde des Himmels, zwiſchen uns und dem Geſtirne, 
vorhanden, das uns erinnerte, das Geſtirne ſey 
weit von uns. Ohne alſo zu empfinden, das 
Geſtirne ſey kleine, ſchließen wir ſolches, in der Eins 
bildung, es ſey uns naͤher. Dieſer falſche Schluß 
kann uns fo weit verfuͤhren, daß die Sonne, wenn. 
man ſie hinter hohen und dicht beyſammenſtehenden 
Bäumen auf- oder untergehen ſieht, uns wohl wie 
eine große Flamme, als ob ein Haus hinter den - 
Bäumen brennte, vorkoͤmmt, weil diefe Bäume in 
einer Entfernung fehr kleine Winkel, einer etwa von 
2 oder 3 Sec. in unferm Auge machen , und ohne das 
ftarfe Sonnenlicht hinter ihnen gar nicht empfindlid) 
ſeyn würden, da alfo die Sonne, deren fiheinbarer 
Diameter faft 30° beträgt, ſich über verfchiedene von 
ihnen erftrecket, und folglich , weil wir ihre Groͤße aus 
der uns befannten Größe der Bäume ſchließen, ung 
fehr groß vorfümme *. Eine andere Erklärung hänge 
damit zuſammen. Das Gewölbe des Himmels fcheint 
uns nicht wie eine hohle Kugel, fondern wie ein hoh⸗ 
ler laͤnglichtrunder Körper, fo, daß es bey unſerm 
Scheitel niedergedruckt ausſieht; ich will fagen, daß 
es uns vorkoͤmmt, als hätten wir daſſelbe zu ertei« 
hen einen Fürzern Weg, wenn wir ung gerade in 
die Höhe erhüben, als wenn wir längft der Erbfläche 

bapin reifen, 100 es auf jelbige aufzuftoßen Peine 
an 


* Ian € Logan in Seh philoſophiſchen — 444 N. 
Band· * 


320 Betrachtungen über den Einfluß 


Manfistleich,taß die ſer Betrug eben aus dem Grun⸗ 

de herruͤhret, aus dem uns die Geſtirne im Horijont wei⸗ 
ger entfernt ſcheinen. Ein Geſtirn, das einerley wirfli« 
che Größe behält, nimmt auf diefer länglichtrunden 
Höhlung ein größer Stüdeein, wenn esnahe beym Ho- 
risont, als wenn es hoch fteht, und fcheint folglich gröf 
fer*. Defaguliers Verſuche beftärfen eben dieſe Erklaͤ⸗ 
rung”*, Erfegte zwey Lichter von gleicher Höhe-und 
Etärfe,eins noch einmal fo weit als das andere von dem 
Zufeber: weil diefer den Umftand der verfchiedenen 
Entfernung wußte, fo erflärte er. feines für größer 
als Das andere, und er fällte noch eben diefes Urrheil, 
wenn er bende ichter nur durch ein Eieines doch ſahe. 
Der Begriff von der doppelten Entiernung verur⸗ 
fahre, daß er das weitere Licht dem nähern gleich. 
fchäßte, ob es ihm wohl nur unter einem halb fo großen 
Winkel erſcheinen mußte. Defaguliers ließ ihn die 
Augen auf einige Minuten zufchließen, nahm wäh» 
rend dieſer Zeit das entferntere Licht weg, und fegte 
ſtatt deffenein anderes, das halb fo hoch war, ineben 
die Linie, aber gleich an das nähere Licht. Der Zu⸗ 
feber, dem diefe Deränderung unwiſſend geſchehen 
war, merkte fie nicht. Er glaubte eben die vorigen 
$ichter zu ſehen, und hielt alfo das Fleine Licht für 
groß, meil er es für entfernt hielt, Defaguliers hat 
noch einen ähnlichen Verſuch mit elfenbeinernen, 
Kugeln angefteller ***, — jo 


* Smith compleat Syftem of Optiks 163 uf. mie 
imaleichen 328 u. f. Anmerfungen. 

** Philof. Transadt. 444 Num. V 
Ebendaſ. Art. 





der Naturlehre indie Metaphyſik. 321 


Größe in verfchiedener Weite gefeßet, und niemand 
hat die weitere für Fleiner halten wollen; er hat wi- 
der, dem Zufchauer unmiflend, ftatt der weitern eine 
deſto Eleinere hart an die nähere gefeget, und Die Ver. 
wechslung ift ebenfalls von Perfonen, die ein kurz Ge⸗ 
fichte hatten, nicht bemerfer worden: denn wer in die 
Ferne gut fiehe, läße ſich fo nicht betrügen, weil die 
Eleinere Kugel, die näher ſteht, ftärferes Licht ins Auge 
ſchicket, als die weitere und größere, und ſich dadurch 
verräth. 

Ich würde fein Ende finden, wenn ich nur alles 
aus der Optik anführen wollte, was uns Beränderun: 
gen in unferer Seele kenntlich machet, von denen wir 
fonft nie gemuthmaßet hätten, daß fie in ung vorgien: 
gen. Wer weiß nicht, daß in diefer Wiſſenſchaft fo 
gar Borfchriften gegeben werden, nad) denen die Per: 
fpectiv und Mahlerfunft uns auf eine angenehme 
Weiſe betrügen, das ift, uns veranlaſſen, faifche 
Schluͤſſe aus unfern Empfindungen zu machen? 
Denn der Streit, ob die Sinne betrügen oder nicht, 
mit dem die Philofopben fo viel Blätter in ihren Lehr⸗ 
büchern und fo viel Stunden in ihren Borlefun 
gen auszufüllen wiſſen, iſt doch nichts mehr, als 
ein bloßer Wortftreit, der fich gleich hebt, wenn man 
Empfindungen und Schlüffe aus Empfindungen von 
einander uͤnterſcheidet. Wenn ich mich auf einem 
Schiffe befinde, fehe ich wohl, daß das Ufer fortgeht? 

Nein; das Bild des Ufers rücket in meinem Auge - 
fort; das empfinde ich eigentlich : Ich bin aber niche 
berechtiget, die Bewegung des Ufers daraus zu fchliefe 
fen, wenn eben die Veränderung auch von meiner 
‚eigenen Bewegung berrühren Fann, 

52 Aus 


2 ; Be Nee are / 

322 Betrachtungen iiber den Einfluß 
Aus der Nachricht von einem jungen bon Ge⸗ 
Butt an blinden Menfchen, dem der Staar geftochen 
worden, fann man meinen Gedanfen nad) mehr von 
unferer Seele fennen fernen , als aus manchen tieffin: 
nigElingenden Lehrſaͤtzen, Die nichts als die gemeinften 
Sachen , oder die ungereimteften Einfälle vortragen. 
Locke, der diefe Begebenheit feiner Aufmerffamfeie 
werth geſchaͤtzet, bat vermurhlich eben fo geurtheilet. 
Diefer Menſch glaubte anfänglich, die Gegenftände, 
die er fähe, berührten feine Augen eben fo, wie das, 
was er fühlte, feine Hand. Er war nicht vermö- 
‚gend, Dinge, deren Öeftalter noch blind durchs Ge- 
fuͤhl unterfchieden haste, durch das Geſicht zu unter« 
ſcheiden. Weil er die Kage und den Hund immer 
verwechſelte, und fich Doch ſchaͤmte, allegeit zu fragen, 
fo fing er fie, und lernte die Begriffe, die er durchs 
Gefühl von ihr hatte, mit denen, die ihm das Geſicht 
gab, vergleichen. Erft zween Monate nachdem ihm 
der Staar war geftochen worden, entdeckte er, daß. 
auf Gemälden Körper vorgeftellee würden, denn er 
hatte fie bisher nur als buntfchäcichte Flächen ange⸗ 
ſehen: aber.er erftaunte defto mehr, wie er fand, daß 
die Gemälde ſich nicht fo anfühlten, wie fie ausfa- 
ben; daß er fie ihres Lichtes und Schattens wegen 
für rund und uneben hielt, da doch feine Hand ihn 
verficherte, daß fie flach wären: Er fragte, welcher 
von beyden Einnen ihn betröge, ob das ——— oder 

das Gefühl * 
Wie viel koͤmmt nicht, vermöge dieſer Erpäßtung, 
bey dem Sehen auf Kunſt und Hebung an 2 das mir 
— fuͤr 
* Phil. Transact. n. 402. Smith, Opt. pi x. 


der Naturlehret in die Metaphyſi k. 323 


fuͤr uns angebohren halten, weil wir es zu einer Zeit 
gelernet haben, von der uns nur wenig Erinnerung 
übriy bleibe, Wie viel tragen nicht folche Erzählun« 
gen zu der Sefihichte der Seele bey! Gollte man 
‚eben fo forgfältige Nachrichten von den beyden Blinde 
gebohrnen, denen Here Taylor zu ihrem Gefichte 
verholfen, erhalten, fo würden wir dadurch die 
Kenntniß, die fid) aus voriger ziehen läßt, beftätie 
gen und vermehren koͤnnen. Diefe Menge von Wir« 
kungen unferer Seele, die uns nur die Optik entdecket, 
iſt felbft den erften Schrifeftellern von der Dptif, nach 
dem Euflides, nicht unbefannt gemwefen. Albazen 
bat ſchon bemerfet, daß wir beym Sehen Schluͤſſe 
unter unſere Empfindungen meicen-, und deswe⸗ 
en irren *. 


- Da wir die meiſten Begriffe durchs ei er⸗ 
halten, und dieſer Sinn mehr als die übrigen iſt un⸗ 
terfuchet worden, fo ift es Fein Wunder , daß ich aus 
der Wiffenfchaft, die ihn betrifft, fo vieles babe er⸗ 
wähnen Fönnen, und Doch noch einen großen Theil 
mit Stillſchweigen übergangen habe. Die Phyſik 
der uͤbrigen Sinne hat indeſſen ebenfalls Lehren, wo⸗ 
durch die Kenntniß der Seele erläutert wird. Daß 
die Seele eine natürliche, oder vlelmehr von ſich ſelbſt 
erlernte Geometrie beſitzt, daß ſie, ohne was vom 
Zirkel zu wiſſen, Groͤßen mit einander vergleicht, lehret 
uns, außer der taͤglichen Erfahrung, die Baukunſt, 
3 die 


* Alhazen Opt. L. IL c. ı0. fqgq. in thef. — Fe- 
. derici Rifneri. 
FE tillc. g. 


324 Betrachtungen tiber den Einfluß 

bie Malerey u. d. gl. Kuͤnſte, welche die Schönheit 
zum Gegenftande haben: aber fo wunderbar dicfes 
ſchon ift, fo viel wird doch nod) diefe natürliche Geo⸗ 
metrie, die es bey Kleinigfeiten fo genau nicht niume, 
von der natürlichen Arithmetik übertroffen, die wir 
bey der Mufif ausüben, Werfollte es glauben, daß 
die Seele eines Frauenzimmers, die vielleicht das Eins 
maleing nicht kann, die mancherley Berhältniffe der 
Töne und ihren oft fo geringen Unterfchied , fo genau 
zu bemerken weiß? Wer bildete ſich wohl ein, daß 
das Misvergnügen , welches ung ein Uebelflang 
verurfacher,, bloß daher rühret, weil wir zwiſchen ges 
wiffen Zahlen feine gute Berhältniß bemerken? und 
wer ſieht nicht, daß eine gewiffe uns noch verborgene 
Art zu wirken in unferer Seele der Grund feyn muß, 
weswegen in der Mufif die berechnete Annehmlichkeit 
mit der empfundenen nicht allezeit übereintrifft. 

Ich würde noch viel mehr anführen fonnen, wo⸗ 
durch die Kenntniß der Seele erläufere wird, wenn 
ich Die Gefege der Empfindungen weitläuftiger vor» 
tragen wollte, wie fie von denen abgehandelt werden, 
die die Unterfuchung des Körpers zu ihrem Haupt⸗ 
werfe zu machen fcheinen. Man kann das vornehm⸗ 
fte davon in der Phnfiologie des Hrn. Bar. Hallers 
lefen *, von dem fehon befannt ift, daß er im Vor- 
frage der Biffenfchaften, wie in der Dichtfunft, fehr 
vieles mit fehr wenigen zu fagen weiß. Man wird 
fidy daraus, und aus dem, mas id) erwähnet Babe, 
verfihern, daß unzählicheg,,. mas in unferer Geele vor» 
geht, uns ohne die Naturlehre würde berborgen blei« 
„ra. ben, 
R Cap. 1. 


der Naturlehre indie Metaphyſik. 325 


ben, mie gegentheils nach des Hrn. Baillou gegrüns 
derer Anmerkung * es ung fehr dienlich iſt, die Be— 
ſchaffenheit unſerer Empfindungen zu Eennen , wenn 
wir diefelben bey phyſikaliſchen Unterfuchungen recht 
brauchen wollen: aber diefe Befchaffenbeit lernen wir 
felbft erft aus der Naturlehre kennen. Selbſt die 
Art, wie man in der Erkenntniß der Seele weiter 
kommen kann, laͤßt ſich nirgends beſſer, als in der 
Phyſik lernen, da dorten wie hier, alles darauf bes 
ruhet, Erfahrungen geſchickt anzuftellen, und folche 
gehörig zu gebrauchen, Iſt e8 daher zu verwundern, 
wenn nach Hn. Königs Erinnerung der Hr. Baron 
Wolf, in Unterfuchung der Seele eben den Vor— 
| feheiften gefolgee ift, die Newton in Entdeckung der 
Geheimniffe der Natur beobachtet hat **? 

Ich werde von dem Einfluffe der Naturlehre in 
die Erfenntnig Gottes aus der bloßen Vernunft fürs 
zer feyn koͤnnen; nicht alg ob er geringer wäre, fon= 
dern weil er von fo vielen und fo ausführlich ift ge- 
zeiger worden, daß ich die Anzahl der phnfifotheolo« 
gifchen Schriften bier zu vermehren nicht nöthig has 
be. Das einzige vortreffliche Werk Nieuwetyts "**, 
. von dem wir Hr. Segnern eine fo ſchoͤne Ausgabe zu 

danfen haben, Fann ftatt unzähliger anderer dienen, 
; %4 von 


* ©. fein Minnie fur Phiftoire des pierres precieu. 
fes in dem 1.3. der Memorie di varia erudizione 
della Societä colombaria 168 ©. 
** Sam. Koenig. Orat. inaug. de optimis Wolfiana et 
Newtoniana philefophandi methodis earumque amico 
confenfu p. 73. Franequ. 1749. fol. 
*x* Rechter Gebrauch der Weltbetrachtung. 


Ein luß 


von denen ich nur noch eines anfüßre, "OR vielleicht 
feiner Kleinigkeit wegen nicht fo bekannt iſt, als es ſei⸗ 
nes wichtigen Inhalts und vortrefflichen Ausfuͤh⸗ 
rung wegen verdienet. Es iſt eine Abhandlung vom 
Hrn. Bar, Wolf, in der er die Größe des göttlichen 
Derftandes aus der Größe der Welt, und der Mans 
nichfaltigfeit von Dingen auch in dem £leinften Raus 
me erläutert % Was für ein Geift muß das feyn, 
bem, Himmel voll Weltgebäude, Planeten voll ver: 
nünftigfeynfollender Gefchöpfe, und Waſſertropfchen 
voll Inſecten, gleich groß ſind! | 

Ich muß eine hieher gehörige Anmerkung. nicht 
ganz mit Stillſchweigen übergeben. Viele phyſikali⸗ 
fche Lehren find fo befchaffen, daß fie uns von den 
Eigenfchaften des Schöpfers der Welt erhabene Bes 
griffe geben, wenn wir diefen Schöpfer ſchon erfen: 
nen, aber daß fie einen hartnaͤckichten Gottesleugner 
nicht überführen, daß die Welt einen Schöpfer habe: 

a Stimme der ruft alzufchwach dem 

ben. 


»aller, 

Ich rechne z. €, Die Beweisgruͤnde, die von der Drds 
nung und den Abfichten in der Welt hergenommen 
find, hieher. Eben der Philoſoph, der fo fcharflin- 
nig bemerfet har, daß diefe Betrachtungen nicht voll» 
kommen ſchließen, wenn die metaphyſiſchen Lehren von 
ber Zufaͤlligkeit dabey nicht zum voraus geſetzet wer⸗ 
den, hat doch eben dieſelben ſo vortrefflich anzuwen ⸗ 
den gewußt, uns die Weisheit, Macht und —* 
des 


326 — uͤber der 





* ie Phyficae‘ Kr Theolog, na —— cet. 
in Thuͤmmigs NAT 


der Naturlehre indie Metaphyſik. 927 


des Bauherrn der Welt zu entdefen . Man kann 
bey dergleichen fo löblichen Unterfuchungen noch in 
“ Sehler anderer Art verfallen. Die Planeten bemwes 
gen ſich alle nach einer Gegend und faft in einer Flaͤ—⸗ 
che. Newton fchließe: diefe Vorfchrift fen ihnen 
von einem freyen Wefen gegeben worden, weil in der 
Matur Feine Nothwendigkeit dazu enthalten fey. 
Aber der Hr v. Maupertuis bemerket, daß dieſes nur 
in Newtons $ehrgebäude gelte, in welchem fich die 
Lage der Planetenbahnen und die Richtung von ihren 
Bewegungen nicht anders, als durdy wirkliche Bes 
obachtungen beftimmen laffe, daß übrigens in ans 
dern Sehrgebäuden diefes Fein ftärferer Beweis für 
das Dafeyn Gottes fey, als jede andere der Materie 
eingedruckte Bewegung **, | 


‚Eben der Auffag des Hrn, von Maupertuis, der 
mir zu vorerwähnter Anmerfung Öelegenbeit gegeben 
bat, erinnert mich an eine merkwuͤrdige Erläutes 
rung. der göttlichen Weisheit aus der Maturlehre, 
Bon dem .befannten Sage, daß die Natur, oder 

‚vielmehr ihr Urheber, allezeit den Fürzeften Weg gehe, 
findet man unzählige Beyfpiele, und bat ihrer noch 
mehr entdecket, ſeit dem uns die höher getriebene Meß» 
Funft in den Stand gefeget hat, fie zuerfennen. Bey 
Körpern, die an einander ftoßen, wird die Bene ° 
gung fo vertheilet, daß eine gegebene Veränderung 
bervorzubringen, ſo wenig Wirfung, als möglich ift, 

3 ER Fe: | erfore 
* Inden vernünft. Geb. von den Abſichten. 

** Examen des preuves de l’exiftence de Dieu etc, Me 
moires de ’Acad, de Berlin ann. 1746. p, 27ı. 


328 Betrachtungen überden Einfluß. 


erfordert wird; diefes Gefeß *, und ein ähnliches, 
welches beym "Sleichgewichte der Körper ſtatt fine 
det **, hat der Hr. v. Maupertuis am angeführten 
Dte abgehandelt, Da ung indeffen nicht alle Abſich⸗ 
ten der göttlichen Weisheit befanne find, fo erhellee 
leichte „ daß der Weg nicht allemal der kuͤrzeſte feyn 
wird, der uns fo feine, und daß wir daher, wie 
Hr. Euler erinnere *, nicht allegeit ficher zum 
voraus fehen koͤnnen, morinnen das Kleinfte oder 
Größefte bey einer gewiffen Wirfung der Natur ber 
ftehe, bis wir die Befchaffenheit diefer Wirkung felbft 
haben Fennen lernen, und von da rücwärts gehen. 
Ich will nur noch eine Erinnerung beyfuͤgen, die 
zwar einen bloß zufälligen, aber doch ebenfalls wich» 
tigen Nutzen zeigen wird, Die metapbufifchen Un« 
terfuchungen find unftreitig meiftens ungemein fchwer, 
ihre Öegenftände mit vieler Dunkelheit umgeben, die 
Gründe, worauf man bauen muß, öfters von den 
finnlichen Borftellungen weit enefernet, und den Zu- 
fammenhang zroifchen den Grundfägen und den letz⸗ 
ten Folgerungen einzufehen, lange Reihen von 
Schluͤſſen nöthig. Gleichwohl fejmeichelt nichts dem 
philoſophiſchen Stolze fo fehr, als in Bemühungen, 
die aus angeführten Urfachen fo ſchwer und doch fo 
wichtig find, etwas beſonders gethan zu haben. ie 


* Recherche des loix du mouv. et du repos. m * N. 
287. 

** Loi du Repos. ©. auch Mem, de. l Acad. de Paris 
1740. 244 ©. der hol. Ausgabe. 

*x* Problematis I foperimetrici — generali, Addi- 


tam. II. 


der Naturlehre in die Metaphyſik. 329 


leicht iſt dieſes die Urſache, warum die Metaphyſik 
insbeſondere der Schauplatz der philoſophiſchen Krie⸗ 
ge geweſen iſt. Wie nuͤtzlich iſt es nicht, wenn wir 
aus der Naturlehre die engen Graͤnzen unſerer Kennt⸗ 
niß gelernet haben; wenn wir in ihr Geheimniſſe der 
Natur finden, und einſehen lernen, wie ſolche wirk 
liche Geheimniſſe von denen unterfchieden find, die 
fich der menfchliche Wahn erdichtet. Diefes mit einem 
und dem andern Benfpiele zu erläutern, fo frage man 
doch diejenigen, die eine fo tiefe Kennniß in die Nas 
tur der Seele befißen, daß der Erfinder der Mona- 
dologie nichts gegen fie ift; die von dem nothwendig⸗ 
ften und zufälligen Wefen eines Geiftes aufs tiefſin- 
nigfte zu reden, ich hätte bald gefaget, zu ſchwatzen 
willen, die das Ungereimte der vorher beftimmten 
Harmonie aus ihrer Empfindung erfennen, und 
Kräfte in der Seele entdecken, dieallen andern Welt 
weifen verborgen geblieben waren, man frage doch die⸗ 
fe großen Geijter, mas die Seele eines Polnpen ift ? 
Ob fie ſich mit ihm zerfchneiden läßt, wenn er die 
wunderbare Eigenfchaft zeiget, die Huſaren und Ula« 
nen zu gönnen wäre, oder ob der Polype voll See: 
fen ift, die wie mächtige Bedienten eines großen Für: 
ften], nur auf die Zergliederung des Reichs warten, 
fih zu Fleinen Tyrannen aufzumerfen, oder ob diefe 
Gefchöpfe, die fich bewegen, ihren Raub ergrei en 
verfehlingen und verdauen, kurz, bis auf ihre Fort: 
pflanzungsart, alles ehun, was manche Menfchen 
thun, etwa gar feine Seele haben? | 

Mir mögen endlich unfere Kenniniß vom Baue 
des Körpers fo weit treiben, als wir wollen, ſo bleibt 
uns noch immer verborgen: 

Wie 





‚330 — * 


= 2: » Wie Welen fremder Art 
Der Seele — ſind. A 
J— 
und es iſt kein Wunder, da auch bey — 
bloß koͤrperlicher Wirkungen, der berühmte franzoſi⸗ 
ſche Zergliederer, Mery, ſeine Mitbruͤder mit den 
Saͤnftentraͤgern verglichen, die zwar alle Gaſſen ſehr 
genau wiſſen, aber keine Femtuß von dem haben, 
was in den Häufern vorgeht *. Wer diefes uͤber⸗ 
leget, wird nicht fo verwegen feyn, und von der Ver— 
bindung des $eibes und der Seele fo entfcheidende 
Ausfprüche fällen ‚ als gewiſſen Philofophen gemöhn« 
lich find, die den Körper kaum aus einem Eleinen 
Compendio Anatomico fennen, Er wird die Wir⸗ 
kung des Seibes in einander nicht fchlechterdings leug⸗ 
nen, ob er gleich zugejtehen muß, daß er davon kei⸗ 
nen Begriff hat, denn die Phnfif wird ihn lehren, 
daß Begriffe von natürlichen Wirkungen haben, 


nur ſo viel heißt, als aus der Erfahrung willen, daß 


etwas gefchieht, ohne zu verftehen, mie es gefchieht, 
davon der Magnet, die Schwere, bie eleftrifche 
Kraft, und unzählige andere Erempel vorhanden 
find: Er wird aber auch, wenn es ihm beiannt ift, 
was für erftaunliche Wirfungen in Bewegungen, die 
willkuͤhrlich feinen, von Menfchen find hervo ge⸗ 
bracht worden * durch das Urtheil: ein Körper, 
| e 
* Fontenelle Eloge deM. Mery. * 
** Yußer des Hrn. Vaukanſon Kunſtſtuͤcken ſi keht man 
eine wunderwuͤrdige Probe davon beym C amus Trai- 
te des forces mouvantes FH. Th. 521. S. an einer Ca⸗ 
roſſe, Die von fich felbft gegangen, und deren Figuren 

| ——— Bewegungen gemacht. 


⸗ 


der Naturlehre in die Metaphyſik. 331 
der bloß mechantich, alle erforderliche Bewegungen 
des menfchlichen Körpers hervorbringe, fey unmöglich ; 
der nicht entweder Unmiffenheit oder niederträchtige 
Begriffe von der Runft des Scyöpfers verratbe. 

Ich Habe ſchon erwähner, daß eine größere Ein« 
ficht in die vorige Beſchaffenheit unſers Koͤrpers uns 
auch mehr Licht von dem vorigen Zuſtande unſerer 
Seele geben wuͤrde. Die Dunkelheit, die wir bey 
dem erſten finden, warnet uns, ſowohl bey dem ans 
dern, als bey befondern Urtheilen von dem Zuftande 
. unferer Seele nady den Tode, befonders in Abfiche 
auf ihre Verbindung mit dem Körper, bedachtſam 
zu geben. Sind hier nicht vielleicht bisweilen Säge 
als Ausfprüche ver Dffenbarung behauptet worden, 
die weder von der Offenbarung, noch von der Vers 
nunft gerechrfertiget werden ? Wenn uns die Offene 
barung verfichert, Daß uns eben der Körper bey der 
Auferftehung wieder zu theil werden foll, leget man 
nicht diefen Ausfpruch manchmal fo aus, daß die Nas 
turlehre vielleicht etwas mehr als Schwierigkeiten, 
darinnen finder, und daß man, moferne fi) auch 
diefe Schwierigkeiten , welche die Srengeifter als Des 
monftrationen anfehen, heben laffen, ſich doch nach 
der Rechtsgelehrten Redensart: mir uͤberfluͤßigem 
Beweiſe beladen muß? Der Apoſtel, den ich den 
groͤßten Philoſophen unter den Apoſteln nennen wuͤr⸗ 
de, wenn dieſes nicht noch weniger waͤre, als einen 
Euler oder Moivre zu ruͤhmen, daß fie vortrefflich 
Eubifwurzeln ausziehen koͤnnen, giebt uns durch ein 
aus der Natur genommeries Glelchuß zu ſolchen Aus⸗ 
legungen keinen Anlaß.Laͤßt ſich der Leib, den wir 
— mit einem Saamenkorne vergleichen, ſo 


ſchein 


F 





332 Betrachtungen uͤber den Einfluß ꝛc. 

ſcheint es nicht nothwendig, daß der verklaͤrte Leib, alle 
Theile des verweſten wieder bekommen muͤſſe. Viel⸗ 
leicht iſt ein gewiſſer Theil Materie unſerer Seele beſtaͤn⸗ 
dig zugeſellet, und das uͤbrige alles nichts weiter, als was 
für den Leib, den wir unſer nennen, die Kleider ſind. Sol⸗ 
chergeſtalt würde man mit philoſophiſchen Gottesge⸗ 
lehrten ſagen koͤnnen, daß der Leib ſeine vornehmſten 


Theile wiederbefomme *, ohne den Einwuͤrfen ausge⸗ 


ſetzt zu feyn, Die fich bey andern Erklärungen leichter ma» 
chen, als heben laffen**. Ich will dieſe Gedanken hier 
nicht weitläuftiger ausführen, zu deren Erläuterung 
vielleicht Hn. Bazins Auffag *** etwas beytragen Fann : 
Ich würde wider die Bedachtfamfeit, die ich. nur den 
Augenblick angepriefen habe, felbft handeln, wenn ich 
gewille Säge annehmen wollte, wo wir weiter nichte 
wiſſen, als diefes; | 
Gott iſt gerecht; die Geelen bleiben 
Was hier gebricht, wird dort erfuͤllt. Deollinger. 
Man mag ausdem, was ich angeführet habe, urtbeilen, 
ob es dienlich ift, die Renntniß,die ung die Sinne geben, 
bey Seite zu fegen, wenn man den Berftand mitden er⸗ 
babenften und ſchwerſten Unserfuchungen befchäfftigen 
will, und ob fih der Mugen der Naturlehre in der Mera- 
phnfif, nicht mit eben fo wichtigen, Gründen darthun 
laffe, als Hr. Poleni gezeiget hat, was für Dienfte fie 
der Mathematik leiftet f. re en 
* Baumgart. thef. theol. ad Comp. Freyl. ad P. II.a.25.$. 4. 
** Io, Bernoull. diff. de nutritione $. 22. Oper. T. I. n. LIIL. 
*** Vom Wachsthume der Thiere und Pflanzen. ©. des 


Hamb. Magaz. J. B. 6.St. 2. Art. IN, 
+ Io. Poleni Or. de Phyfices in rebus Mathem. vtilitate in 
Magnif. Kappi Orat: Clarifl. Viror. Seledt. P. LOr. 22. ' 


Be A VL. 


ER 1 2 
Ra a 
ba 463 Ha 
Matthiaaͤ Belg*, 

aus Ungarn, ae 


Mitgliedes der Königl. Londonifchen und der Koͤnigl. Berl. 
Geſellſchaften F 


Hiſtoriſchphyſikaliſche Anmerkung, 
von 
dem neuſoliſchen Kupferwaſſer, 


das insgemein Cementwaſſer heißt, 
und Eiſen mie Kupfer verwechſelt **, 
| in einem Schreiben 


an Heren Hand Sloane, Barons, 
Praf, der K. ©. mitgetheiler. 
Aus dem Lateinifchen in den Phil. Transact. 
5 450 R. ı Art. 


| a 
ie neufolifchen Duellen find bey den Gelehrten 
) berühmt (2). Athanaſius Kircher erwaͤhnet 
Kr: fie 
* Hr. Bel hat in Willens gehabt, die Naturgefchichte 
von Hungarn befonders herauszugeben. Wir hoffen, 
das Werk werde in dem Stande feyn, daß fein der 
Gelehrſamkeit fo empfindlicher Tod folches ung nicht 
entziebet. A. d. Ueb. “ | 
** Man ſehe die Nachricht von der Altenburger Cements 
„quelle im Hamb. Mag. III. B. V. Gt. IN. Art. A.d. U. 
(a) Die Gefchichte dieſer Bergſtadt findet man in T. U. 
Hungariae Nouae p. 409. fegg. | 








334 Hiſtoriſchphyſikaliſche Anmerfung 
fie in feinem Mundo fubterraneo {I Th. ıgı Seite, 
Eduard Broun in feinen merfwürdigen Reifen, 186 S, 
und ac. Tollius V Epift.ıgr, thun folches ebenfalls, 
anderer Eleinen Schrifefteller zu geſchweigen. Es ift 
nicht nöthig, Hier ihre Menynungen, oder ihre vom ge- 
meinen Hörenfagen erteilte Nachrichten weitläuftig 
zu unterſuchen. Es wird zulänglich feyn, hier fo viel 
anzuführen, als uns felbft Die eigene Betrachtung 
und die Berfuche unferer Freunde gelehret haben, 

Sie befinden ſich eine Meile von der Stadt Meufol 
nach Mittage zu, in dem weitläuftigen Rupferbergwers 
fe, das man im Deutfchen Serrengrund, fat. Vallem 
Dominorum, heißt. Außer Erzählungen des ge: 
meinen Volks, ift eg ungewiß, wenn man fie zuerft 
entdecfet und ihre Wirfungen beobachtet hat. - We- 
nigfteng müffen fie zu den Zeiten des deutſchen Pli- 
nius, Georg Agricola, noch nicht bekannt geweſen 
feyn, weil er nichts von ihnen erwaͤhnet. Denn da 
er im VIIII B. von der Natur der aus der Erden 
gegrabenen Sachen , furz mach dem Anfange bey mir 
347 Seite, die Schmolnizenfer (b) Quellen von- 
ähnlicher Beſchaffenheit forgfältig ermähner hat, ſo 
ſchweigt er von den Neuſohliſchen, ob er wohl ſonſt 
verſchiedenes von andern neuſohliſchen Waſſern und 
daſigen Metallen erinnert, Man ſaget, wie Botskuy 
1605. gewuͤthet habe, ſey von ungefaͤhr und durch An⸗ 
leitung der Furcht, die Entdeckung unſers Kupfer⸗ 
waſſers geſchehen. Denn da die Bosheit der Feinde 

® De 
(b) Wir haben diefe Bergſtadt und ihr Rupferwaffer in 
der Gefchichte der Scephufifchen Graffchaft im Pro- 

- dromo Hiſt. Hung. p. 119. $ Ulla: erwaͤhnet. | 


— Kid a > Walt, v 
von dem neufohlifch. Kupferwaſſer. 335 
nach Eroberung und Verbrennung Neufohls, auch) 
ber Bergwerke nicht verfchonte, haben Die Bergwer— 
Fe auch ihre Sachen, und unter diefen auch Das Ei— 
ſenwerk, als Schlaͤgel, Eifen u. d. gl. vor den Fein⸗ | 
den in die Gruben, als * niemand kommen wuͤr⸗ 
de, verborgen. Da dieſes Gezaͤhe hier uͤber einen 
Monat in fumpfichten Derrern. gelegen hatte, und 
nach Abzuge der Botsfayer wieder hervor gezogen 
ward, fo haben fie befunden, daß’ es vom Kupfer 
angefreffen fey, und zwar defto ftärfer, je feuchter eg 
gelegen. Sie haben alfo gefchloffen, das hin und 
wieder in den Gruben hervorrröpfeinde Waſſer muͤſſe 
eine kupfermachende Kraft beſitzen, und daher 
Gelegenheit genommen, zu Sammlung deſſelben, wie 
zu Schmolnitz, Gerinne zu legen, und ſolche nach⸗ 
gehends, damit ſie nicht jedem offen ſtuͤnden A Kia 
herum einzufchließen, 
$. I. Man bat diefes bald weiter fortgeſetzet, wie 
man die Kraft dieſes Kupferwaſſers, das man auch vis 
triolifch nennen koͤnnte, beffer bemerfer hat. Es ver- 
zehrete das Eiſen, das man hinein warf, und gab an der 
‚Größe eben fo viel Kupfer wieder. Dieſe leichte Art Ku⸗ 
pfer zu erhalten, hat fo viel Beyfall gefunden, daß man 
jeßo 24 ſolche Rammern, in welche das Waffer einges 
faſſet ift, zählen fann. Wir wollen nur zwo Davon be= 
fchreiben, aus denen fich wird auf das übrige fchließen 
laffen. Die vornehmſte ift, die ungefähr auf 75 tachrer 
(orgyias) feiger nieder gehf, aber in einem gekruͤmm⸗ 
. ten Zugange von ısı$achtern befahren wird c). Hier 
tröpfele das Kupferwaſſer aus den Seiten in der * 
c) Die Deutſchen heißen es eine Mannsfahrt. 
4 Band. >) 





336 Hiftorifchphnfifalifche Anmerkung 
be heraus, und wird erſtlich in einem mfleinen Ref auf⸗ 
gefangen, und aus dieſem in einen größern, der in ver- 
fchiedene Rinuen getheilet ift, gelaffen. In den kleinen 
Keffel wird Klein Eifenwerf, als Hufeiſen u.d.gl. ge- 
han, welches fich innerhalb 3 oder 4 Wochen in Ku- 
pfer ; mit Beybehaltung eben der Geſtalt, nur daß ſie 
etwas erhabener iſt, verwandelt. Und dieſes Waſſer 
iſt viel kraͤftiger, als das in dem groͤßern Keſſel aufge⸗ 
fangen wird, Denn von demſelben wird das Eiſen 
nur ſchwach und aufdie Art angegriffen, daß erftlich auf 
der Oberfläche des Waflers nur ein leimichtes, gelbich⸗ 
tes Häutchen ſchwimmt, die endlich, ehe das Eifen noch 
völlig verzehret iſt, ſich an felbiges nach und nach wie ein 
fetter Leim anhaͤngt. Die Bergleute nennen folche lei⸗ 
michte Materie den Schmund, nehmen fie monat» 
lich mit Sorgfalt von dem Eifen "ab, und legen fie in 
eine befondere und höher angelegte Kammer, damit 
die Feuchtigkeit ablaufen kann. Dieß geſchieht ſo 
lange, bis das Eiſen ganz oder groͤßtentheils verzeh⸗ 
ret iſt. So viel von der erſten Kammer. 

$. IV. Die zweyte, welche funfzehn Lachter tiefer 
iſt, wird von ihrer Geftalt und tage, Die lange ger 
nannf, denn da fie bier und da nur zwo Lachter Brei⸗ 
te hat, ift fie 25 lang. Hier tröpfelt das Rupfer- 
waffer häufiger, alsin den übrigen, herab. Denn es 
koͤmmt nicht nur eropfenweife aus den Seiten und der 
Firfte der Grube,fondern es hat zwo beftändige Quel- 
len, daraus das Waſſer ſtets hinter einander einen 
Strohhalm dicke fließt. Beyde eröffnen fich von Mit⸗ 
tage, und die erfte drey Schritte vom Eingange der 
Kammer linker Hand; die zweyte, fünf Schritte mei. 
ter hinein. Damit das Waſſer nicht unnuͤtze wegfließe, 

wird 


von dem neuſohliſch. Kupferwaſſer. 337 


wird es durch Roͤhren, theils i in Gerinne, theils in 
viereckichte Keſſel geleitet, in welche man altes und 
neues Eiſenwerk wirft. Wir haben auch das beob⸗ 
achtet, daß die Gerinne zu Auffaſſung des Waſſers und 
des Eiſenwerkes ſo vorſichtig auf der Erde angeleget: 
find, daß nichts vom Waſſer vorbey fliegen fann. Was’ 
ein Gerinne ſolchergeſtalt aufgefangen hat, fließt ins 
‚andere, und daraus ins dritte u. ſ. w. dabey ſich doch 
die Kraft des Waſſers gewaltig vermindert. Denn wie 
es in dem erſten Gerinne das Eiſen ſchneller und ſtaͤr⸗ 
ker angegriffen hat, ſo geſchieht ſolches im zweyten und 
dritten ſchwaͤcher und langſamer. In eben dieſer Kam⸗ 
mer dringt mitten aus der Wand ein beſonderes und 
helleres Waſſer tropfenweiſe hervor, welches deswegen 
in einem eigenen Keſſel geſammlet wird, und darein 
wirft man das Kupfer, das man aus den übrigen Kam: 
mern erhalten hat, wenn e8 reiner werden foll; denn 
diefes reinere Wafler hat die Kraft, daß das unreine 
Kupfer davon reiner und glängender wird, Weil uͤbri⸗ 
gens alle diefe Kammern abhängig find, fo wird das 
Waſſer, das aus den Gerinnen und Keffeln abfließt, 
von der lockern Sohle der Strecken eingeggen, und 
verliert fie) nach und nach. Ueber die befchriebenen 
Behaͤltniſſe von Kupferwaſſer, findet man hier und da 
inden Gruben feuchte Derter,in Denen fich Eifen fupfers 
artig färbt, zur Anzeige, daß die Feuchtigkeiten diefer 
- Grube fat alle Kupfer halten, | 
G. V. Das Waffer felbft fieht in den Keſſeln gruͤn⸗ 
licht aus, ob es wohl, wenn man es mit einem hellen 
Glaſe ausfchöpfet; Elar, und wie ein Cryſtall durch⸗ 
fihtig ift. Wir haben es ohne Geruch befunden, der 
| Ben aber war vitriolifch und zufammensies 
) 2 hend 





B Hiſtoriſchrhyfitaliſthe Ainmerfung 


hend und kalter Art. Da wir die Tropfen wie ſie bey 
den Quellen ſelbſt herausdrungen, unvorſichtig koſte⸗ 
ten, ſind uns die Lippen davon angefallen worden, wie 
$euten gefchieht, die nach Vertreibung eines Siebers 
noch matt find, Da wir ung noch in der Gruͤbe be- 
fanden, und drey oder vier deutſche Meilen weit in den 
unterirdifchen Strecken herum fuhren, haben wir auf 
den Lippen Feine Beſchwerung, als ein gelindes Ju⸗ 
cken bemerket; wie wir aber in die freye Luft an Tag 
gekommen find, fingen fie uns an erftlicy aufzuſchwel⸗ 
len, und nachdem zu ſchwaͤren. Sonft ift das Waſ⸗ 
fer durchgängig von gleicyer Kraft, außer, wo es ftäre 
fer zu tröpfeln anfängt, denn alsdenn wird es ſchwaͤ⸗ 
her, und greift das Kupfer langfamer an. Die Hölzer, 
‚nen Gerinne und Keffel, indenen es aufbehalten wird, 
läßt es nicht nur unbefchädige, fondern machet fie noch 
feiter , Daß fie länger, als geroöhnlich, dauern. In 
den Rammern. von welchen die Keffel eingefchlofjen 
‚werden ‚befindet fich Fein widriger Geruch, und man 
fpürer feinen Bitriol , deffen Geruch fich fonft hier und: 
da entdecket, vielleicht wegen der feuchten Luft, die ihn 
auflöfet, und nicht einmal in Fäden und Eryftalle zu⸗ 
ſammen gehen laͤßt. Doch findet man in einigen 
Kammern, wo dieſes Rupferwaſſer fließt, einen 
Stctein, der hier weißlicht, dortnach Vitriolart blauliche 
ift. Auch aufden Seiten der Strecken, wo fiedem Bo⸗ 
den der Rammern am nädıften find, haben wir ein 
Mittelſalz angewachfen bemerfet,das mit feuchter und 
gelber Erde vermengt, ohne Geſchmack ift, und ſich wie 
Srauenglas (lapis Specularis) zerreiben läßt. Die 
Bergleute, die ohnedem zu Krankheiten geneigt find, 
feinten dieſes Kupfer bey verzweifelten Zufäls 
len, 





von dem neufohlifchen Kupferwaſſer. 339 


len mit großer Zuverſicht auf deſſen Heilungskraft, 
wodurch fie denn geſchwinden Stuhlgang, oder Er—⸗ 
brechen, oder beydes zugleich, erhalten. Bey Au⸗ 
genkrankheiten iſt ſein Gebrauch ſicherer, wenn es 
nach Arc eines Umſchlages vorſichtig gebrauchet 
wird: Denn das Rupferwaſſer iſt den Augen 
dienlich, ſaget Agricola MB. bey mir 117 ©. de 
Natura eorum, quae effluunt ex terra. 3 
$. VI. Das Rupfer, das dieſes Kupferwaſſer 
liefert, ift viel reiner, gefehmeidiger u. leichter zu ſchmel⸗ 
zen, als diefes Metalle übrige Arten ; daher die Gold⸗ 
fehmiede daraus Schüfleln, Becher, Tabacfsdofen, im⸗ 
mer einer mit mehr Kunft als der andere,machen, die fie 
mie ſcherzhaften, bisweilen auch gelehrten Auffchriften 
zieren, Wir haben dergleichen verfchiedene im II Tom. 
Hungariae nouae in der Geſchichte ver Grafſchaft Zol 
Part.Gener. Meınbr. Phyf-$.XI. p.305. gegeben *, So 
langediefesKupfer noch im Waſſer liege,läßt es fich viel 
— — leich· 
* Der Wis bey ſolchen Aufſchriften koͤmmt meiſtens 
darauf an, daß zu den beyden Metallen Kupfer und 
Eiſen, noch ein Paar andere gebracht werden. Ein 
Diabetes Heronis aus folchem Kupfer, den ich befiße, 
iſt inmendig ſtark vergoldet, und die Röhre, die fich 
in der Mitte erhebt, und den Heber enthalt, wird 
mit einem filbernen Bergmannchen oben verfchloffen > 
Dieſes hat dem Dichter zu folgenden fchönen Berfen 
Anlaß gegeben: . Au 
Mein Mutter war das Eifen hart 
Gebahr ein Kind von Kupferart 
Fragt Silber ist ein Maͤnnlein Flein 
And ift mit Gold bekleidet fein. | 
Man findet von dem Wunderbaren dieſes unterirdi⸗ 
fchen Wſſers einige Nachrichten in den Brei. Samml. 
1724. Aug. IV. Cl. 5. Art. A. d. U. 


349 Hiſtoriſchphyſikaliſche Anmerkung: 
„leichter zerreiben, als wenn es heraus genommen ift; 
denn da wird e8 etwas fefter, indem‘ feine Theilchen 
fih genauer mit einander. verbinden. Der Leim 
aber, den wir vorhin erwaͤhnet haben , ift nichts wei⸗ 
ter, als vobes Kupfer, das fich aus dem Wafler praͤ⸗ 
cipitiret bat, und ans Eifen anhaͤngt. Es wird jaͤhr⸗ 
lich nach Neuſohl in den Rupferhammer gebracht, und 
dafelbft das veinfte Kupfer daraus geſchmolzen, ohne 
merflichen Abgang, weil das Eifen, welches vom Ku⸗ 
pferwaffer iſt verzehret worden, etwas weniges fremder 
Materie in eben dem Leime zurück laͤßt. Ehe diefe Ku⸗ 
pferwagjerquellen von einer am Tage gefchehenen 
Ueberſchwemmung geſchwaͤcht wurden, welches noch 
bey unferm Gedenken gefchehen ift, weiß man gewiß, 
daß mehr Kupfer hat aus dem Eifen fonnen erhalten 
werden. Denn es ift gewiß, daß 1707, 88 Centner Ei · 
fen inKupfer verwandelt worden,da jetzo kaum 20Cent⸗ 
ner jährlic) zu Stande gebracht werden, Man kann 
bieraus fehließen, daß dieſe Ueberſchwemmung des Ru- 
pferwaflersKraft ftark vermindert hat,und die Duellen, 
ob fie gleich ftärker fliegen, den Fupfermachenden 
Beift, wenn ic) fo reden darf, weiter ausgebreitet, und 
viel ſchwaͤcher gemacht haben, als er bey noch ſchwaͤche⸗ 
remFluſſe derſelben war. Denn wenig Rammern lie⸗ 
ferten Damals mehr Kupfer, als jeßo von zwanzigen 
gefchieht ; ja, die meiften Kammern liefern fein dichtes 
Kupfer mehr, fondern nur den vorerwähnten feim, der 
in Slammenfeuer muß gefhmolzen werden. 

$. VII. So viel wird vonder Befchaffenheit dieſes 
Rupferwaffers gen ug feyn. Ich will nun erzählen, 
was fowohlich,als meine Freunde, zu genauer Erkennt: 

niß von ihrer Patur, für Verſuche angeſtellet Ban. 
1, Ein 


von dem neufohlifch. Kupferwaſſer. 347 


— — Ein Pfund des ſtaͤrkſten und reichhaltigſten 
————— man langſam und nach und nach 
abdunſten ließ, truͤbte ſich erſtlich, und ließ ein gel⸗ 
bichtes Pulver fallen, das nachgehends bis zur voͤlli⸗ 
gen Trockne gebracht, drittehalb Scrupel grün: 
lichtes Ueberbleibiel zurück ließe: Eben dieß Leber 
bleibfel ward auf gewöhnliche Art im Waſſer aufges 
loͤſet, und gab eine grüne Solution, die man durch⸗ 
ſeigte und abdunſten ließ, worauf fih 2 Scrupel 
von cryſtalliſchem Vitriole zeigten. Was vom Puls 
ver noch überblieb ‚war gelb, und fechs Gran ſchwer, 

‚daß alfo ein medicinifches Pfund diefes Kupfer: 
waffers faft nicht über zweene Scrupel Kupfervis 
triol enthält. 
—— Ein Pfund eben dieſes Kupferwaffe ers, das 
man mit Oleo tartari präcipitirte, ward rübe und 
meerguin ;_ wie man es ducchfeigee ließ es etwas im 
Filtro zurücfe, das getrocknet 22 Scrupel , mit em 
menig Mittelſalze, gab. 

‚3. Endlid) warf man in ein Pfund Rupferwafs 
ſer in einem genau verfchloffenen Glaſe, ein Stuͤck⸗ 
chen Eifen, das davon bald mie Kupferfarbe übers 
zogen wurde, dabey ſich hier und da Blaſen anhien- 
gen: den Tag darauf ward das Wafler trübe und 
weißlicht, mit weißen Etreifen an dem Boden des 
Ölafes, und um das Eifen herum, worauf fich nad) 
einigen Tagen ein gelbichter oder fupferfärbiger Bo⸗ 
denſatz um eben das Eiſen herum zeigete. | 

S. VII. Aus diefen Berfuchen lernen wir folgendes: 

1. Daß diefes Waſſer wirklich kupferhaltig, und 
voll Aupfervirriol fen, und aus metallifchen Gaͤn⸗ 
gen herfomme, in denen es hier und da dem Ku: 

DA pferkies 









543 Hiſtoriſchphyſikaliſche Anmerkung 
pferkies aufgeloͤſet hat, daher wir es, vorhin erwaͤhn⸗ 
termaßen, vitrioliſch nennen koͤnnen. 

2. Daß es das Eiſen angreift und aufloͤſet, und 
die Kupfertheilchen ‚die fich in ihm aufgelöft befinden, 
fallen läßt, Die alsdenn nach und nad) die Öeftalt des 
Eifens, an das fie fi) gehängt hatten, annehmen. . 
Die genauere Betrachtung diefes Kupfers zeiget fol- 
ches deutlih: Es machet feinen dichten und glatten 
Klumpen, fondern es hängen unzählige Fleine Theis 
chen, wie Fifchrogen, in ein Stüc zufanımen , das 
fich zerreiben laßt, und über die Maßen zerbrechlich 
ift. Es ift aber denen, die nur die erften Anfangs« 
gründe von der Chymie und von Dergmwerfsfachen 
veritehen ‚bekannt, daß ein Metall vom andern prä. 
cipitivet wird. So läßt Aqusfort das Silber fal- 
len, wenn Duecffilber darinnen aufgelofet wird , das 
Bley wird vom Silber, Kupfer vom Bley, Eifen 
vom Kupfer präcipitirt. Wenn man alfo etwas Kus 
pfer in Scheidewaffer aufgelöfet hat, und Eifen hin⸗ 
ein wirft, Fann man eben dergleichen Berwandelung 
des Eiſens in Kupfer wahrnehmen , wie wir von une 
ferm Kupferwaffer berichtet haben, das Eifen wird 
nämlich von dem Menftruo angegriffen und aufgelös 
fet werden, und zugleich wird ſich das Kupfer aus 
dem Menftruo abfondern, und ftatt des Eifens nad) 
und nad) zu Boden finfen *, — 
| | $. IX. 
* Here Bel hat denen, an welche fein Auffaß gerichtet 

iſt nicht nöthig gehabt zu fagen, Daß das Scheider 

waſſer, nachdem es das Kupfer aufyelöfet bat, muß 
geſchwaͤchet werden; meil man fonft nicht viel deutli= 


ches von der erfolgenden Wirkung fehen wird. An⸗ 
merk. des Ueberſ. PM he 


von dem neuſohliſch. Kupferwafier. 343 


„IX. Da fich diefes fo verhält „wie es wirflich 
an dem ift, wird man eines und das andere daraus 
widerlegen koͤnnen, das von verſchiedenen unbedacht ⸗ 
ſamer Weiſe aus den Wirkungen dieſes Kupferwaf- 
fers gefolgert wird. 

‚5% Da man fo viel Kupfer aus dem Waſſer zu 
nehmen pflegt, als man Eifen hinein gethan bat, fo 
ſchließen diejenigen falfch, die fich einbilden , dag ir 
fen ‚das vom Waffer, angegriffen werde, gebe die Rus 
pfertheilchen ‚die es in fic) enthielte, heraus, Die da⸗ 
Durch gleichfam von ihren Banden befreyer, die uͤbri⸗ 
gen Theile aber verzehret würden, oder verſchwaͤnden. 

2. Es hat auch bey diefer Begebenheit feine we⸗ 
fentliche ‚Derwandelung des Eifens in Kupfer 
ftart*, wie fich die Goldmacher felbft einbilden, und 
andere bereven wollen, als ob ein unvollfonmeneres 
und unedleres Metall in der That feinem ganzen Weſen 
nach in ein vollkommeneres und edleres Fonnte verwan⸗ 
delt werden. Denn aus den anı geführten Berfuchen ers 
bellet , und phufifalifche Gründe zeigen genugfam,, daß 
unſer Kupferwaffer gar nicht das Kupfer in Zifen 
verwandelt, fondern nur Die Kupfertheilchen, die 
| 5 es 

* Be bat folche wirklich geglauber. ©. Polyh. 
ſ. L. II. P.I. c. I. .6. Er feßet der wahren Mey: 
En die Frage entgegen : Wo fo viel Eifen hingekom⸗ 
men fey, da nur wenig Schladen bey Sarmachung 
des Kupfers übrig blieben. Kerner fey den Eifenar- 
beitern befannt, daß die geringffe Menge Kupfer, Die 
unter Eifen befinbfich iſt, beym Gluͤen und Schmieden 
verurfache, daß das Eifen nicht ohne Gefahr der Um⸗ 
fiehenden nach allen Seiten foringe : Wie fich alfo das 
präcipitirte Kupfer werde arbeiten laſſen. Dan wird 


beyde Einwuͤrfe aus der wahren Theorie leicht ſelbſt 
beantworten. A. d. U. 





344 Hiſtoriſchphyſikal ſche Ar merr 


es enthielt, niedergeleget Habe. "Wäre es unfer 
Borfas, fo koͤnnten wir gar aus unferer Beobachtung 
das Gegentheil wider die Boldömacher erweifen. 
Denn wenn fo verwandte Metalle, als Kupfer und 
Eifen , felbft durch —— der Natur nicht Eönnen 
verwechfele werden, daß 5. E. aus dem Eifen Kupfer 
wird, fofann man folches von der Kunſt, wenn fie 
fich auch auf noch fo viel Wiffenfchaft gründer, noch 
vielmeniger erwarten, Daß aber Kupfer und Ei- 
fen unter allen Metallen einander am nächften ver · 
wande find, hat Henkel in feiner Kieshiftorie 424. 
uf. S. zulaͤnglich, und mehr als wahrſcheinlich dar⸗ 
gethan, auch auf der 422. ©. erzaͤhlet, es ſey ihm 
unter fo vielen Verſuchen Feine einzige Kupferſtufe 
vorgekommen, die der Magnet nicht angezogen hätte, 
daß alfo des Magnets anziehende Kraft fih nah 
dem Eifen auch auf das Kupfer’ erſtrecket. Und da 
Eifen und Kupfer eben die Metalle find, welche das 
eigentlich fogenannte Vitriol Tiefern, das man von 
den übrigen unter eben der Geſtalt und dem Anfeben 
nicht fagen Fann, dern fie haben forohl feine Sub ⸗ 
ftanz, als feine grüne oder blaue Farbe, fo müßte 
das berühmte vitriolum Hermaphroditicom , mern 
es ſich irgendavo befände, ſich gewiß in dieſer ſonder⸗ 
baren Wirfung der Natur durch ſichere Anzeichen 
entdecken, welches doch nicht geſchieht. 
$.X. Da ü übrigeng das neufohlifche Kupfer, | 
wafjer von Kupferfies,, der in unteriedifchen Gängen 
aufgelöfet worden, vorerwähntermaßen , alle feine 
Kraft habe, Iehret ſowohl die Sache ſelbſt ‚alsdas 
Beyſpiel und das Verfahren der Schmolniger. 
‚Die ganze metallrelche Revier um * Gebirge, iſt 
| ‚innen 


von dem neufohlifch. Kupferwaſſer. 345 


innen und außen voll Schwefelfies, daß Daher das 
fupferbaltige oder Cementwaſſer nicht nur. inner⸗ 
halb der Gruben, fondern auch zu Tage aus überall 
bervorbricht, auch daher viel reichhaltiger und Kur 
pfer fallen zu laflen tüchtiger ift, als unferes ir 
Herrngrund. Ja die Schmolnizer pflegen by 
trockener Witterung , und wenn die Cementquellen am 
Tage vergehen, Haufen Kiefe aus den Gruben, oder 
alte Pingen mit fchlechtem Brummenwafler zu begiefe  - 
fen; die alsdenn, indem fie den Kies durchdringen, 
davon die Kraft erhalten, das Eifen anzugreifen, und 
das Kupfer fallen zu laffen; folches Wafler wird 
nachgebends in Gerinne und Kefjel gefammlet, und 
erhält einerley Kraft. mit dem ordentlichen Gement- 
wafler. Soviel fchien der Muͤhe werth, von den neu- 
fohlifchen Cementwaffern anzumerken. A. G. R. 
Preßburg, den 13. Aug. | 
1728 


— J 
—* 


ER 

DT LOHNT, We 
Neue herausgefommene 
chriften | 






| Elärung von der Natur der-Farben, zur Er: 

läuterung der Farbentheorie des Memwton, 
Halle, in der rengerifchen Buchhandlung 1749. in 8. 

7B.18. Man hat dieuUrſache, warum diekichtſtrahlen 

verfchiedene Empfindungen von Farben in unferm Au⸗ 
EN OR de 


N Eberhards Verſuch einer nähern Er⸗ 


346 Neue herausgekommene 


ge verurfachen, in der verſchiedenen Größe derlichtthei [« 
chen gefucht. Hr. Eberharden ift diefes nicht wahrfchein= 
lich. Wenn die Theilchen des Violetſtrahles fleiner,als 
die Theilchen der übrigen Lichtſtrahlen wären, würden 
fie nach feinen Gedanfen ($. 5.) Deswegen nicht Eleinere 
Schwingungen in den Fafern des netzfoͤrmigen Haͤut⸗ 
chens, und dadurch die Empfindung einer dunflern 
Sarbe hervor bringen; denn, da fie und Die übrigen - 
gichttheilchen, einerley Stoß von der Sonne weg» 
treibt, fo würden fie deftomehr Geſchwindigkeit von die- 
fem Stoße erhalten, je Fleiner fie find, und Eönnten 
alfo die gebensgeifter in eine eben fo ftarfe Bewegung 
ſetzen, als die größern, aber langfam bewegten rorhen 
$icherheilchen *. Hr. Eberhard fieht audı 6. $. nicht 
ein, warum ſich die Eleinen Licheeheilchen leichter von 
der brechenden Oberfläche follten anziehen laflen, als 
Die großen, da die Kraft des Anziehens von einerley 
Art mit der Kraftder Schwere ift, und ſchwere Körper 
von verfchiedenen Maffen fich mic gleichen Geſchwin⸗ 
digkeiten gegen den Erdboden bewegen. Da fich nun 
die verfchiedene Brechung der Lichtſtrahlen auch nicht 
aus ihrer Theilchen verfchiedenen Figur erflären, läßt, 
fo geräth Herr E. auf die Gedanken, daß fie von 
der verfchievenen Geſchwindigkeit derfelben herrühret, 
SE J Einer 
* Mir wiffen von der Art, wie das Licht in die Nerven - 
und Rebendgeifter wirket, nichts, und Können alſo 
nicht enticheiden, ob man fich folche, wie die Wi a. 
zweyer Kugeln in einander vorzuftellen babe, da e 
Maſſe durch die Geſchwindigkeit kann erſetzet werden. 
Daß einerley Empfindung in beyden Faͤllen entſtehen 
muͤſſe, folget fo wenig, als daß Rartärfchen und Ku⸗ 
geln einerley Wirkung thun müßten, wenn fie mit ei⸗ 
nerley Ladung gefshoffen wurden. 





Schriften 347 


Einerley Kraft wird einen Körper deffomeniger aus ſei⸗ 
ner vorigen Richtung bringen, je fehneller er fich nach 
derfelben bewegte. Die rorhen Lichttheilchen mwerden 
alfo vielleicht am menigften gebrochen, weil fie am ge- 
fehwindeften geben (10.11.95) Die Lichttheilchen erhal: 
ten diefe verfchiedene Gefchwindigfeit, nach Herrn €. Ge⸗ 
danken (14.$.), da die Sonne, welche als ein Dichter 
und aͤußerſt erhitzter Körper durch die zitternde Bewer 
gung feiner Theile das Licht, welches ihn umgiebt, oder 
fich in feinen Zmifchenraumchen aufhalt, mit Gewalt von 
fich treibt, aber in. ihren Theilchen nicht durchaus gleidy 
große Bewegung Dat, woraus ein ungleicher Stoß gegen 
verfchiedene Lichttbeilchen entſtehen muß. Herr €. fus 
cher feine Gedanken von verfchiedenen Einmürfen zu bes 
freyen, und durch allerley Erfahrungen zu beftatigen: 
Er bemuͤhet fich, 3. €. die Farben , welche erhigter Stahl 
nach und nad) zeiget u. d. gl. aus denfelben zu erklären. 
Man kann nicht Ieugnen, daß feine Hypotheſe fehr finn- 
reich , und von ihm wohl ausgeführet iſt; und feine Ab⸗ 
handlung ſowohl Belehrfamteit, als Einficht geiget, ob⸗ 
wohl der Hauptgegenftand feiner Unterfuchung zu den Ges 
heimniffen der Natur zu gehören feheint, Die von Menfchen 
als Menfchen ſchwerlich dürften ficher eingefeben werden. 
1. Verſuch eines Beweifes von einfachen Dingen, als 
Elementen der Körper, worinnen nicht alleinderen Dafeyn 
aus andern Gruͤnden als bisher gewöhnlich geweſen herge⸗ 
leitet, fondern auch deren Kräfte und Nutzen inder Nature 
lehre gezeiget wird; nebſt einem Eendfchreiben an Ge. 
Hochedelgeb. Hn. Joh. Heine. Gottl Juſti, J.K. H. der ver: 
witweten Herzoginn zu Sach! Eifen wirkl. Rath. Der 
gelehrten Welt zur Beurtheilung mit Befcheidenheif vors 
geftellet von Engelbert Heinricy Schwarzen , Adv. immas 
tricul. Dreßden 1749. 8. ſechs und einen halben Bogen. 


Hr. Schwarze entderker dem Befkreiter der Monaden feine 


Gegenmeynung in ſehr böflichen und befcheidenen Ausdruͤ⸗ 
KFungen. Seine Gedanken kommen hauptfachlich darauf 
an: Die bisherigen Grundlehrer hatten geglaubet ein Köre 
per, wie er in der Natur vorhanden, koͤnne nicht anders 
zerglieders werben, ald wenn er auf geometriſche Ark in 


feine 


— 





348 Neue herausgefom 


feine gleichartigen Theile ( partes. integrantes nomoge . 
peas) getheilet wurde ‚und wenn fie in diefer Theilung, fo 


Lange fie nur in Gedanken Fönnten, fortführen, würden: 
fie endlich auf ganz fubtile Theile, ja wohl gar aufeinfas 
che Dinge kommen, melche Elemente der Körper aus. 
machten. Diefe Art der Zergliederung fol dem Hn, v. 
Leibnitz und Wolfigefallen haben, welches Herrn Schm- 
ſchwer zu beweifen fallen durfte. Nach Heren Schw. 
Anmerkung muß man den Körper erſt in feine ungleich 
artigen Theile zergliedern. Die chymiſchen Elemente, 
welche er als nachfte Srundurfachen der Körper annimmt, 
ſcheinen ihm jedes wieder auß zweyerley Materie, aus ei-⸗ 
ner atmoſphaͤriſchen Luft, und aus förperlichem Feuer zu 
beſtehen, die alfo wahre Grundurfachen der groben Koͤr— 
per ſeyn müffen. In beyden nun findet man ſowohl eine 
ufammenziehende / ald auch eine ausdehnende Kraft, und 
aß die erſte in der atmofpharifchen Luft, die andere in 
dein Förperlichen Feuer gar merklich den Vorzug babe. 
Er will diefed nicht weitläuftig beweifen, weil es ſchon 
von vielen durch Berfuche dargethan ift *. Hr. Schw. 
fchließt alfo zwo Grundmaterien der Körper (zı. $.) die 
elementarifche Luft und das elementarifche Feuer («ther) ; 
die erfte ift eine. einfache Materie, welche mit einer zus 
ſammenziehenden Kraft verfeben if, das zweyte eine ele⸗ 
nentariſche Materie mit einer ausdehnenden Kraft Dies 
e beyde halt er für. die Grundmaterien der Körper, Die 
Körper ,. die weiter aus Feiner andern Materie zuſam⸗ 
mengeſetzet find ; und glaubet, es laffen fich daraus alle 
koͤrperliche Erfcheinungen erklären. Wach einer folchen 
pbyfikalifchen Zergliederung der Körper aber, glauber ev, 
koͤnne man erftlich die mathematifche vornehmen, und. 
ſchließt (30. $.), wenn ein Punct von einem Drtezum an⸗ 
Ä a 1 Re Mn dern 
* Dieſe Verſuche moͤchten itzo vielen Naturforſchern noch unbe⸗ 
kannt ſeyn, wenn fie nicht: aus der philoſophiſchen Hiſtorie er: 
innert werden, daß ein vormaliger leipziger Philoſoph aus Den 
Verſuchen eine anziehende Kraft der Luft nefchloffen hat, aus 
+ denen man iso die Schwere und Die Federfraft der Luft untrüge 
lich erweiſt. Was Herr Schwarze für fo ausgemacht annimmt, 
. ife.nicht den Einwürfen, fondern den Demonffrationen ausge: 
ſetzt, die wider die fogenannte phyficam divinam find gemachet 


worden 


Schriften. 2 


bern beweget würde, und Fußſtapfen oder Merkzeichen 
feiner Bewegung binterließe, entflunde Daraus eine Li: 
nie, und eben fo aus der Linie Bewegung eine Flache,und 
aus der Fläche Bewegung ein Körper ;da num bemeldere 
Merkzeichen dem fortbewegten Puncte gleich wären, (denn 
fonft könnten fie nicht deſſen Merkzeichen feyn,) fo entſte— 
be ein mathematiſcher Körper aus fo viel Puncten, als 
Merkzeichen in dem Körper vorhanden find, und diefe 
Merkzeichen zufammen genommen, —55— den mathema⸗ 
tiſchen Koͤrper aus. Das iſt alſo ein Beweis des Herrn 
Schwarzens, daß ein mathematiſcher Körper aus einfas 
chen Dingen ‚ (denn dieſe und Puncte find ihm gleichguͤl⸗ 
tig) beſtehe *. Er ſchließt folches auch daher (32. $.), 
weil bey einem zufammengefeßten Dinge, da e8 endlich 
iſt, alle Eigenfihaften, und folglich auch deffen Theilbar- 
Feit müßten endlich feyn. Man fönne es alfo nicht ohne 
Ende forttheilen, und müffe daber auf Dinge fommen, 
die Feine Theile mehr haben. Nach diefen Bemeifen mi: 
derleget Herr Schwarze verfihiedene Einwürfe Heren Ju⸗ 
ſtis wider die Monaden; wie ed aber zu weitläuftig feyn 
würde, folches bier augzuführen, jo wird man fchon ver- 
niögend feyn, fich aus dem beygebrachten einen Begriff 
von des Hrn. Schwarzend Abhandlung zu machen. Auch 
bey denen ‚Die vielleicht nicht überall feiner Meynung feyn 
fönnen, muß fie ihm doch Hochachtung erwerben, da die 
Zahl der Rechtsgelehrten fehr Elein ift, die noch alsdenn, 
wenn die Ausübung ihrer erlernten Wiffenfchaft fie bes 
ſchaͤfftiget, noch fo viel Geſchmack an philofophifchen Be⸗ 
trachtungen, und fo viel Einficht in diefelben übrig bes 
halten , ohne das W. 3. E. über dem oft eben fo fehr ges 
misbrauchten, aber doch einträglichern E.R.W, 

| zu vergeffen. —„ 
Die Leibnitianer erkennen Punete und einfache Weſen nicht für 
einerley, und wuͤrden dieſen Beweis nicht gebrauchet haben, da 

von allen Lehrern der Geometrie demonſtriret wird, daß mathe⸗ 
5 Koͤrper nicht aus Puneten, als aus Theilen beſtehen 


DK SED 
Inhalt 


 Ampate des dritten ei 
m ‚vierten Bande, 


Am 


1. Ferfegung des Rarungefichte um Zn Zabago 


eite "241 


IL. ‚Nachricht v von dem Inhalte der 472 Rum, der Yhi- 
Iofophical» transactiond‘ A DS 


11. Kon einigen neu wiederholten Beruchen mit dem 
groben Geſchuͤtze 268 


Iv. Nachricht von den poßfnifhen — 275 


V. Knuzens re eines allgemeinen Wetter⸗ 
glaſes SE RO 


VL Betrachtungen uber Mon Einfluß der Naturlehre in 
die Metaphyſik von Prof. Kaͤſtnern MS 306 


VI. Bels Anmerkung von dem neuſphliſchen Kupfer 
waffer 


VII. Neue perausgefommene Sen 345 





Hamburgiſches 


Kagazin, 


oder 


geſammlete Schriften, 
zum 
Unterricht und Vergnügen, 
aus der Naturforſchung 


und den 


angenehmen Wiſſenſchaften aberbaup 








Des vierten Bandes viertes Stuͤck. 


—æẽ— bey — — Grund, und in nn, 
bey Adam Heine, Holle, 1753, 


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| 17% * Me 737 L. , 
"An Account ofa Voyage 


LT 
4 2 
2:08 


ir — den oe &ltel de 
Abſicht dieſes Werkes, die Neife 
nach der Hudfonsbay betreffend, 
ſchon angeführet*, "und geben ge= 
genwaͤrtig eine vollſtaͤndigere 
Nachricht davon. Dieſer erſte 
| Band enthält die Geſchichte der 
| Keife bis zum 10 Pier 1746, und Nachrichten. aus der 
Matürgefchichte, und andern Merkwuͤrdigkeiten, und 
wvon den Sitten der hdianer; welche mit den Gewohn⸗ 
‚heiten der aͤlteſten Zeiten verglichen worden "Die Ma⸗ 
terialien dazu hat der Verf, theils ſelbſt auf der Reife 
geſammlet / da er von Anfang her in Willens geweſen die 
Beſchreibung bekannt zu machen; theils von den Ca⸗ 
pitainen erhalten, Er iſt daher mit dem Verfaſſer ei⸗ 
‚ser Beſchreibung von dieſer ling er we dem 
itel, 





AESiehe das Magaj. 118, ı Et. 


— Titel/ Genuine Account, anfuͤhret, ſehr uͤbel 
den, daß ſolcher ſich der Abſchriften, ſo er, N 
waͤrtiger Verfaffer, ven Benfißern der Nordweſtcom⸗ 
; mitee gegeben haste, als der jeinigen bedienet, und ſei 
ner Erzählung-einen Vorzug vor gegenwärtigen. ju= 
gefchrieben hat. Der Verfertiger des Genuine Ac- 
count hat den Entfchluß, die Reife zu befchreiben, erft 
etliche Wochen nach ihrer Zurückfunft gefaße, und 
den. Titel als Agent der Subferibenten, den er ſich an⸗ 
gemaßt, wird Ihm von unferm Schriftfteller eben- 
falls übel ausgelegt, da er meiter in feinem Character, 
als die Mineralien zu unterfuchen, und die Küften 
abzuzeichnen, mitgefchickt worden, und fichbeftändig 
beym Cap. Moor aufgehalten, der bey weiten nicht 
fo viel Küften gemeffen, als Cap. Smith, den unfer 
Verfaſſer begleitet, Diefes kann unftreitig auf nie« 
manden als aufden Hrn, Ellis geben, deffen Werk wir 
vorhin angezeiget haben; und ob uns wohl igt ange» 
führte Erinnerungen damals fehon befanne waren, 
haben wir doch die Neife zuerft aus jenem erzählen 
wollen, weil es ganz, und fürzer als gegenwärtiges 
war, Itzo können wir zu den gegebenen Nachrichten 
einige Zufäße und Verbeſſerungen fuͤgen. 
Bey gegenwärtigem Werke befinden fich zwo 
Charten, eine von dem füdlichen Dcean, zwifchen 
‚Schottland und C. Farewel, dieandere von der Hud⸗ 
fonsenge und Bay, nach den Entdecfungen, die dar 
‚felbft zwifchen 1616 und 1743 gemacht worden; Einis - 
ge andere Zeichnungen ftellen die Indianer, und Dins 
ge, fo fie angehen, als die, Sriedenspfeife (Calu- 
met,) ihre Art von Wiegen und von Zelsern u. ſ. w. 


vor, 
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354 y 6 







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A von der Hudfond Bay. 355 


Des ‚Schreibers Nachrichten find,ordenelich wie 
ein Tagebuch abgefaßt, und dienen alfo denen unges 
miein/ die alle auf der Reife vorgefallerie Begebenhei ⸗ 
ten umſtaͤndlich wiſſen wollen. Beſonders iſt das 
Wetter ſo ſorgfaͤltig angemerket, daß ſich der Verfaſ⸗ 
fer ſelbſt deswegen entſchuldiget: Wir koͤnnen dieſe 
Bemerkung nicht ſchlechterdings als Aare 
fehen; und würden ung ſehr twundern, daß Leute, die 
ſich zu Richtern über Reifebefehreibungen aufwer⸗ 
fen „. folche "Beobachtungen mit: dem altfraͤnkiſchen 
Wortfpiele einer Windphiloſophie lächerlich zu ma⸗ 
hen glauben, wenn’ wir nicht wuͤßten, daß dieſe Leu⸗ 
so wichtige Urſachen zu. einem ſolchen Verfahren has 
bei Es iſt ſchon eine ziemliche "Zeit, daß die. größe 
ten Naturforſcher die Bemerkung des Werters auf 
dem Lande als wichtig angeſehen haben, und iſt fie 
auf der See nicht noch viel wichtiger ? Kann mau 
allgemeine Beobachtungen anders als aus einer großen 
Menge einzelner Erfahrungen ſchließen ? Und ift es 
dem Schiffer zu verargen, daß er‘ für ſich und ſei⸗ 
ne Nachfolger Anmerkungen auffchreibt, durch wel: 
che das Leben vieler Menfchen kann erhalten werden ? 
- Mögen doc) tefer, die hinter dem Dfen die Welt 
een‘ ‚das überfchlagen, was für fie nichts 
taugt | 
"Wir wollen indeß mit folchen Nachrichten: unfern 
Leſern bier nicht beſchwerlich fallen, weil derjenige, 
fuͤr den ſie wichtig ſind, ſich nicht mic Auszügen _ 
aus Meifebefchreibungen "begnügen kann. Due 
auch der Raum nicht zuläßt, dem Verfaſſer Fuß 
. ir Fuß zu folgen, po müffen wir nur von denen 
33 durch 






durch bas ganze — rkn digkeiten 


eine und die andere anführen. tofopdn dbug: —* aa 

Den 29 Yu 11746 hattet ſie eine Nebel 

die dem Lande ſehr aͤhnlich ſchien⸗/ und deren | 

muiittags —— —— 
Bandhe werwirven auch einen guten Kenner in Oer⸗ 


gern) wo. man Land vermuthen kann, zumal ·da ſie 


oft von der zuruͤckgeworfenen Sonnenftvalen, 
flefig:erfeheinen, als ob ſich — * 
befände; Sie zu erkennen, muß n 

obächten) ob: — — 34 
veraͤndert, da man alsdenn ſchließt/ daß. fie Fein Land 
ſind. Die sfelfältigentebelin diefen Gegenden ma⸗ 
chen aber auch außerdem; daß es unnuͤtze iſt, Ausſich⸗ 
‘ten von den Kuͤſten zu zeichnen, weil die Kuͤſten im⸗ 


mer zu einer Zeit anders. ausfehen;: als zu der an⸗ 


bern: nt. Smith Ta. ditn bin m ee 
Wie es befanne iſt, daß diefe Seen voll großer 
Stücken ‚Eis find, fo wird: man ſich einen Begtiff 


von ihrer Groͤße aus einigen Begebenheiten machen 
die der Verfaſſer theils aus ihrer eigenen Erfahtung, 


theils aus den Nachrichten anderer Seefahrer ers 
zaͤhlet, denn er hat verſchiedenes von dem, was Hud⸗ 


ſon, Baffin und andere in dieſen Gegenden bemerket 


haben, mit beygebracht. Baffin meldet, er habe ein 

ſolches Eiseiland gemeſſen, und feine Höhe 200 Fuß 

uͤber dem Waſſer gefunden, iſt alſo, nach einiger Mey⸗ 

nung, nur der ſiebente Theil Eis über dem Waſſer, 

fo muß diefes Stücfe Eis 140 Faden, oder 1680 Fuß 

von oben, bis an den Boden, lang geweſen ſeyn. Das 

Waſſer unterwäfcht dieſe Eiseilande, daher fie oft 

umſchlagen, daß man de alfo mit den Schiffen nr 
A * 


N Fe 


von der Hudſone Bay. 357 


unahe an fie trauen Darf. ‚Den 25 Heum. wurden, 
de Schiffe. durch ein Stuͤcke Eis, das über eine 
Seemeile breit war, von einandersabgefondert ‚ohne 

ß fie hätten zufammen fommen fönnen, weil Das 
Eis. in einem fortgieng. Das fhone Wetter veran- 
laßte einige $eute von einem Schiffe nach dem andern 
über das Eis zu geben : Cie fanden auf dem gan⸗ 
zen Wegenicht mehr als drey Deffnungen in dem ie 
fe, deren Feine über einen Fuß breit war: Raum aber: 
waren fie in dem andern Schiffe am Bord; fo borfte, 
das Eis in eine unzaͤhlige Menge kleiner Stuͤcken, 






und machte gleich da, wo die Spaziergänger ihren, 


Weg genommen hatten, eine fo weite Oeffnung, daß 
das eine Schiff durch, felbige zu dem andern fegelte, 
An diefen Eiseilande befindet fich oft. ein (harffpißi«, 


ges fehr hartes Stücke, das vor den andern Theilen 





denn in den Engen 
die Unmöglichfeit ſchon aus bloßer Berrachrung der 
Et 3 4 Ebbe 


hervorragt. Es fälle meift ins blaulichte, und da 
ch. diefe Theile meift unter dem Waſſer befinden, fo 
ind fie ihrer Härte wegen vermögend, ein Schiff zu 
Durchftoßen, wen man fie nicht forgfältig, vermeidet: 
an nennet fie Tongs. Die erwähnten Eisinfeln 
verfegen in den Sommermonaten die Durchfabrt 


durch die Meerenge, denn weil der gefehmohene 


Schnee auf dem Sande durch die Hudfong- und Da⸗ 
vidsengen in den Dcean fließt, fo entftehen zu folcher 
Zeit außerordentliche Ströme, in welche fich das Eis 
feßet, nachdem es vondem Thauen inden Flüffen, auf 
den Sandbänfen, und in unzähligen Eleinen Bayen, 
die fich in diefen Gegenden befinden, ift losgemacht 
worden, und folchergeftalt die Durchfahrt verhindert, 

Kb erzcuget fich fein Eis, wovon’ 





PER. 
G. das H.M. II. B. ı St. Sollte es nicht wahr⸗ 
fcheinlicher feyn, daß dieſes Verfahren des Gouper⸗ 


neurs aus einer Misgunft der Hubfonsbangefellfehaft 
bergerubrer ? | | 





| 


von der Hudſons⸗Bay. 359 


— vielleicht auch, weil man fein Boot an 
dt, ihm Nachricht zu geben." 


| - Aoted nicht noͤthig feyn, von dan; Zubereitungen 


unferer Seefahrer zu überwintern, und von den Wirs 
kungen der Kälte in dieſen Gegenden weitlaͤuftig zu re⸗ 
den, weil ſolches aus andern Reiſebeſchreibungen bes 


kant genug iſt. Doch verdienet vielleicht eine be⸗ 


ſondere Art Eigenthums angemerket zu werden) 
Wenn Gezelte aufgerichtet werden, fo darf niemand 
einen Stamm Hol; fo nahe bey eines andern Gezʒelte 
abhauen, als einer aus dem andern Gezelte einen 
Stamm auf feiner Schulter, ohne unterwegens zu 
ruhen nach Hauſe tragen kann. ' ° 

Von den Dämmen und Haͤuſern, welche ſi ch die 
Bieher ‚machen, wird ausführliche Nachricht ertheiler, 
und durch Grundriffe und Durchfehnirte folcher Ger 
bäude erläutert, ‚ohne welche Beyhülfe wir uns hier 
davon nicht Deutlich erflären fönnen. Die Indianer 
pflegen die Bieber entweder mit Kugeln zu fchießen, 
oder noch lieber, (mei dorten die Haut befchädiger 
wird) mie Schlingen zu fangen, wo Pappeläfte zür 
$ockfpeife dienen. Die Indianer müffen bey tegung 
diefer Fallen ihre Hände waſchen, und auf: alle Are 


verhuͤten, daß der Bieber nichts davon an ben Par- 


peln riecht, denn fie find fehr fcheu. 
Die Vögel, welche in diefer Gegend den Winter 


‚über verbleiben, werden von der Natur alle, die Ra⸗ 


ben ausgenommen, wider die Strenge der Witterung 
ungemein verforget, Das merfwürdigfte Benfpiel 
darunter geben die Nebhühner, dieden Sommer über 


braun, von der Farbeenglifcher Rebhuͤhner find; Mic 


Anfange des Winters verlieren fie diefe braunen Fe⸗ 
5 dern, 





Schwanzfedern ausgenommen, die (dwarz ‚getipfelt; 
find. Die weißen Federn/(nur die Schmungfedern 
und die, großen: Schwanzfedern, nicht). find Doppel, 
oder gefuͤttert: Jeder Kiel namlich bat Doppelte 
dern, deren eine in der andern waͤchſt, die innern 
kleiner, als die aͤußern, gelinder und, wollichter. So 
haben fie im Winter noch einmal ſo viel Federn, 
Sommer. Dieſe weißen Federn, verlieren fie im Fruͤh⸗ 
jahre, undbefoinmen ihrebraunen Federn wieder, (da, 
nur eine. an einem Kiele ift,Jmenn der Sommer angeht. 
Die Kebhübner find an der, Geſtalt des Kopfes den, 
englifchen nicht unähnlich, ‚aber, die. Schnäbel, find, 
mehr zuruͤcke gedrückt, und Fürzer, Ueber den ugen 
haben ſie kleine roihe Kaͤmme, der Bau ihres Leibes 
iſt wie bey einer Taube, aber viel groͤßer: Ihre Schen⸗ 
kel ſind zottig; Sie naͤhren ſich wenn die Erde mit 
Schnee bedeckt iſt, von den Aeſtchen und. Knoſpen der 
Pappeln, die man mit Gries vermengt in ihren Kroͤ⸗ 
pfen ſindet. Sie laufen wie die engliſchen Rebhuͤhner, 
und halten ſich wie dieſe volfweife. zuſammen, “aber et. 
nur den Winter über ;, Sie haben ihren Ramen auch 
wegen ihrer Aehnlichkeit in dieſen beyden Abſichten mit 
den engliſchen Rebhuͤhnern erhalten*. Die meiſten 
Rebhuͤhner waren dieß Jahr um den 13 Weinmonats 
völlig weiß, bie — Tiere werben ebenfalls 
er 1% 
© Denn ſouft fan man auch aus des Verfaſſers Be⸗ 
ſchreibung nicht klug werden, ob es Rebhuͤhner oder 
was es ſonſt iſt. Der meiſten Reiſenden Nachrichten 
aus der Naturgeſchichte ſind, wenn ſie keine Zeich⸗ 
nungen haben, eben ſo unbrauchbar, weil fie feine ſy⸗ 
fiematifche Kenntniß der Naturgeſchichte befigen. 


‚vonder Hudſons 361 
Winter mit waͤrnietn Declen derſorhet / denn 





gegen den 
Kun Felle von Thieren die im Som̃ mer getoͤdtet wor⸗ 


den, ſind von geringem Werthe und wird mit ſolchen 
ein Handel getrieben. Die Kaninchen haben im 
Sommer ta kurze Haare, braͤunlichter Farbe, 
die im Winter nicht abfallen, ſondern laͤnger und weiß⸗ 
werden. Wenn man an. ihnen mur die Wur zel der: 
Haare, oder bis die Haifte braun ſiehet, ſind ſie am⸗ 
beſten zu eſſen.n Bierfcheinen in ihren Fellen groͤs 
fer, »äls die engliſchen Kaninchen, ; ‚aber; nicht meht 
ſo wenn fiesäbgegdgenrfind. Ihr Kopf unda ihre 





Ohten ſind Kaninchen, * geihwdigüf — 


Hafen aͤhnlich Jia umid did And mal 
uUnter Dig Winehfehaft, neichenißi Engekländen 
——— auch/ daß fie wöchentlich zwey · 
in jede Gezelt eine Art won) Getraͤnke gebrauet 
en welchernen Verf. Sprücg Beer tiennet Ob⸗ 
wohl das eigentliche Gewaͤchſe, von weſchem das Bien 
ſeinen Namen Sat, Spruoe) innerhalb zwanzig Mei⸗ 
len nicht befindlich war, fo bedienten ſie ſich doch, fat 
deſſen der Gipfel von jungen Fichtenbaͤumen, und der 
Bei faſſer beſchreibt ihr Verfahren folgendergeftalt x 
Wenn der Keſſel faſt voll Waſſer iſt, fuͤllet man ihm; 
noch mit kleinen Fichten; Ein einziger Verſuch wird 
lehren, wie viel Fichten das Waſſer, das man hat, 
vertraͤgt: Alsdenn laſſe man die Fichtengipfel unter 
Waſſer kochen, bis die Fichten anfangen gelb zu wer⸗ 
den, und die Rinde ſich abfchäler, oder die Aeſtchen 
leichte abgehen, wenn man daran ziehet; darauf neh⸗ 
me man den. Kefjel weg, und die Fichten aus dem 


Waſſer, und zu, ungefähr zwo Gallons dieſes 


Saftes thue man ein Viertheil einer Pinte Zuckerhe⸗ 
| fen 


” - Pr 
? - 
362 —HNMN 
RT 


fen (Molofles.) ———— den A— ist ben _ 
das Feuer, und laffedie Feuchtigkeit $ mal * 
den; bis ſich ein Schaum erhebet alsdenn 
man die Feuchtigkeit ab, und gieße ſie in bin Gef, | 
in das man zuvor, wenn es zwölf: Gallonen hält, 
ungefaͤhr zwo Gallonen kalt Waſſer gegoſſen hat; 
Wenn das Gefaͤſſe woll iſt, lade man ein Schießge⸗ 
wvehr mit etwas weniges Pulver ohue Pfropf feure 
lsdenn zum Spundloche hinein; Po wird die Feuch ⸗ 
tigkeit Dadurch zu arbeiten anfangen z Ungefaͤhr in⸗ 
nerhalb 24 Stunden mache man das Gefaͤſſe —* 
das Getraͤnke wird zum Gebrauche dienlich ſeyn. Der 
Verf. meldet, daß dieſes Bier viel dienlicher gewe⸗ 
ſem ails das Waſſer son aufgethautem Eiſe, und ver« 
hindert, daß die Leute niche mir Verſtopfungen ge⸗ 
plaget worden, welches fonft aller‘ — ———— 
den Winter uͤber geweſen. Daher nehmen die Dies 
dienten der Factorey, wenn ſie ſich auswarts in einem 
Gejelte eine Weile aufhalten wollen, Qunterhöfen mit] 
ſolche unter ihr Waſſer zu mengen nah 
Von der ————— Veefaſſer noch 
an, daß ihrer zu 200 in einem Wolke zuweilen bey⸗ 
ſammen find, welche der Jaͤger auf die Ebenen aufs 
Eis zu treiben ſucht, und fie daſelbſt in beſtaͤndigem 
Schrecden erhält, indem er immer Eleine Ladungen 
Pulver unter fie voͤfeuert da ſie denn immer vor ihm 
auffliegen und ſich wieder ſetzen: Er verfolgt ſie ſolcher⸗ 
geſtalt fo lange, bis fie muͤde, und fo zahm als Kuͤch⸗ 
fein find, da er denn fo viel von ihnen tödter, als er 
will, Cinigevon ben Factoreybedienten und India⸗ 
nern haben eine Pfeife, mit der ſie dem Habichte 
nachahmen, und wenn ſie ſehen, daß die Rebhuͤhner 
einen + 
N 


N 

















‚von der Hudſons Bay . 363 


‚einen weiten Flug unternehmen wollen, verurſachen 
ſie damit, daß ſich ſelbige wieder ſetzen. Die Rebhuͤh⸗ 
ner waren damals bis in die erſte Woche des Chriſt⸗ 
monats in großer Menge, und alsdenn hoͤrte ſolches 
auf, weil nicht fo viel Schnee auf den Hügeln, als 
in den niedrigen Gegenden, wo ſich die Engellaͤnder 
befanden, war, und die Rebhuͤhner dorthin gehen konn⸗ 
‚sen, ſich von: Beeren zu naͤhren, die den ganzen Win⸗ 
ser über bleiben. ı Die Menge von Leuten, die. ihnen 
immer nachfteflte, und nicht die Zeit lieſſe, fich zu ver« 
ſammlen, vertrieb fie-ebenfalls; Bey großer Kälte 
geben fie keine Jagd, weil ſie fich in den Wäldern 
aufhalten. Faſanen, die den englifchen ſehr ähne 
lich find, befinden ſich ebenfalls dafelbft, aber nur 
wenige den Winter über, und haben doppelte Fe— 
dern. Sowohl diefe, als die Habichte oder Beyer, 
‘und eine andere Art Nebhühner, die fie Waldrebhuͤh⸗ 
ner nennen, verändern gegen den Winter jmar Die 
Federn aber nicht die Farbe, Von den Fafanen und 
Geyern giebt es vielerley Arten. Das Waldrebhuhn 
"hat einen rothen Kamm über den Augen ; es wird 
‚oft getödtet, indem es auf der Erbe figt und fchläft, 
und zu anderer Zeit hat man fich mehr zu befürchten, 
daß man ihm zu nahe fommt, als daß es davon flie⸗ 
Bun denn oft muß der Jaͤger etliche Ellen zu⸗ 
ruͤcke gehen, wenn er es fchießen will, Damit der Schuß 
‚wegen zu großer Nähe den Vogel nicht zu fehr zex⸗ 
fleiſcht. Die Rebhuͤhner und Kaninchen, die fie beka⸗ 
men, betrugen gar nicht ſo viel, daß ſie gegen die 
hundert Dutzende, die Hn. Hudſons Leute getoͤdtet 
hatten, oder gegen die achtzehnhundert Dutzende, die 
von In, Thomas Buttons Leuten umgebracht worden, 
mären 





waͤren zu rechnen gewefen, und unſere Seef 

«den auch nicht fo vielbekommen Haben, venn ſiegleich 
allen ihren Fleiß angewandt haͤtten. Man —* 
ſer Jagd noch eine andere von Voͤgeln rechnen die 
der Berf. Willoks nennet, und die ſich beſtaͤndig in 
den Meerengen befinden. Sie find ſchwer mit Schief- 
‚fen zu tödten, als am Kopfe, und man ſchießt fie bloß 
sur Luſt, denn auch die Seeleute eſſen fie felten oder 
niemals "Wenn man einen ſchießt, ſchwimmen die 
andern um ih herum, ohne ihre Gefahr und was 
dem andern begegnet iſt/ zu merfen daß man den 
EN zu wiederholen Gelegenheit. dar.“ 110939 


Von den Indianerm welche ben S „DW, Theil 
der Hudfonsbay bewohnen, und eigentli ‚die 2 
indianer oder Ri ſtinons find, ‚werben 4 verfchiede- 
ne arfige, Nachrichten ertheilet, | Eie | ſind Si aa 
wohlgebildetes, gefundes und munteres rn und 
faſt noch beffer, als die Ener, geftalte 

ben . ‚einen guten Verſtand, eine lebhafte 
kraft, faſſen und bepalten alles leichte. Die Pie 
heit. ift ihnen nicht ganz, unbekannt, und ſie verd 
‚men die Laſter, fie find gegen einander. eufelig un 
‚gefällig, und ) verehren das Alter, wiſſen J re Ge⸗ 
ſchaͤffte mit fo viel Klugheit A als gefistere, Mn 
zu führen. Die Indianer, welche die Factoreyen bes 
ſuchen, weichen etwas von dieſer Abſchlldern ng ab*. 
Die Anbiatter werden weiß gebohren da fe hi 


"Kinder meift nackend gehen, ſich Sen hr. ie ie r 





Sommerſoune, der Luft, und dem 


Zelte ausfeßen, ſo befommen fie eine * | 
J das 9.0. 4.04. D. n& — 





von der Hudfond- Bay. 665 


nerfarbe; Ihre Kleidung beſteht aus Thierhäuren, 
‚ und diefes giebt dem, Verf; Anlaß zu erwähnen, daß 
die Kleidung der europäifchen Voͤlker lange Zeit eben 
fo befchaffen gewefen, wie er denn hin und wieder 
Gelegenheit nimmt, die Sitten der Indianer mitden 
Sitten der ältern Europäer zu vergleichen. ıDabey 
den letztern allerley Kuͤnſte und Wiffenfchaften und da⸗ 
durch andere Gewohnheiten aufgefommen, fo ift bey 
jenen alles in der erften Einfalt geblieben. Die Ues 
bereinftimmung ihrer. Gebräuche aber zeiget an, daß 
fie mit den Europäern einerley Urſprung gehabt. Die 
Ehe iſt bey ihnen gebräuchlich, aber nicht die einges 
bitdete Gemeinfchaftder, Weiber, von der man mit 
Grunde glauben kann, daß fie.nirgends in der That 
ſtatt gefunden. . Die Heirath ift.bey dieſen india: 
nern mit einem Vortheil verbunden, der fie Dazu bes 
fveget, und alle, Völker, Dieeben dergleichen Lebensart 
batten, muß bewogen haben, denn Die Kinder ver 
fihern fie vor Mangel im Alter, und find als ihr 
Reichthum anzufehen. Die Kinder jagen für ihren 
» ‚ Bater, wenn er felbft folches nicht mehr zu thun 

vermögend ift, und außer dem verhungern müßte : 
Hieraus folget, daß die Gemeinfchaft der Weiber uns 
tee Bölfern, die von der Jagd gelebt haben, niefann 
im Gebrauche gervefen feyn, weil auf die Art mehr 
Vortheil dabey ift, eine eigene Frau zu haben. Auch 
die Weiber wuͤrden bey der Gemeinſchaft nicht wiſſen, 
von wem ſie ſollten ernaͤhret werden, da ſie ſelbſt nicht 
jagen konnten. Wenn ein Indianer finder, daß er 
geübt genug in der Jagd ift, mehr als eine. Frau, zu 
ernähren, fo nimmt er die zweyte und vielleicht die 
. welche Zahl ſie ſelten uͤberſchreiten. Wenn ei⸗ 
he 






6 Machricht 
ne Indianerinn ſchwanger iſt, ſo ſchonet ſie ſich nicht 
mehr als ſonſt, ſie unternimmt eben die rbeit, und 
glaubt, ſoiches werde ihre Geburt erleichtern, mid ihr 
Kind ſtaͤrker machen ; bey der Geburt ſtehen ihr an⸗ 
dere bey, und die Männer gehen aus dem Gezelte, 
oder man ziehet einen Vorhang von Häuten vor. Die 
Geburt wird ihnen leichte, und den Tag darauf gehet 
die Frau in das Holz; mit dem ’neugebohrnen Kinde 
auf dem Rücken, ihr Feuerholz zu holen, und feset 
* gewoͤhnlichen Geſchaͤffte wie zuvor for 9 
Ehe fie. mit den Europäern bekannt wurden; has 

ben fie Kräuter ftatt des Tobacks geraucht, da ſie ſich 
itzo des brafilianifchen bedienen, ‚und damit Die ges 
trocfneten Blätter von einem Kraufe,das dem Buche» 

baume gleichet, vermengen, die Hiße zumäßigen. In 
Mangel deſſen, thun fie Pappelknoſpen unter den 
Toback. Der Berf, glaubt, die Gewohnheit Tobach 
u. a. Kräuter zurauchen, ſey unterden Alten befannt‘ 
gewefen, aber bey den Griechen abgefommen, und 
wie man fie alſo in Europa erneuert, als was 
ganz neues angeſehen worden. Er führer eine Stelle 
aus dem Plinius (Naturgeſch. 28 B. ı7 €.) an, 
daß man bey gewiſſen Kranfheiten das Rauchen als 
ein Heilungsmittel gebraucher; und erzähler ausdem 
Herodotus (L.I. N. 211.) Pomponius Mela (L. I. ci 
2. de Thracia) Solin (ec. 15. de Thracum moribus) 
und Strabo (L. XV. pag. 494), daß verfhiedene 
Voͤlker bey Feften u, a. Gelegenheit Dinge, die ei: 
nen Rauch verurfachen, ins Feuer geworfen. "Die 
Indianer machen ſich Pfeifenkoͤpfe von: Steine, an 
welche fie ein kurzes Rohrchen ſtecken, den Rauch dar 


durch einzufangen, Wenn fie englifche Pfeifen bekom⸗ 
men, 


von der Hudfond: Bay, | 367 


men, brechen fie folche ganz furz ab. Bey ihrer Ca⸗ 
humet oder Kriedenspfeife merkt der Verf. an, daß 
fie im Weſentlichen ihrer Geſtalt, wie ihres Gebrau 
ches mit dem Merkuriusſtabe uͤbereinkomme. Es’ 
fehlen ihr zwar die Schlangen, die der Merkurius— 
ſtab hat, und ſtatt deſſen iſt es eine Pfeife; aber die Ges 
ſtalt eines Stabes und die Fuͤgel daran machen doch 
das Hauptwerk aus, die Indianer ſelbſt veraͤndern 
die Zierrathen der Fliebenopfeife, und die Schlangen 
ſcheinen ein Zuſatz zu ſeyn, der erſt nachgehends zum 
Merkuriusſtabe gekommen: Da übrigens die Fries 
denspfeife, wie der Merfuriusftab, ein Zeichen eines 
Abgefandten ift, fo folgert der Verfaſſer daraus, daß 
diefe beyden Dinge nicht ganz unterfchiedene Erfin- 
dungen americanifcher und europäifcher Völker, die 
nur einige Gemeinfchaft mit einander gehabt härten, 
find. Der Berfafler bat bey Bergleichung der In⸗ 
dianer mit den älteften Bölfern, mit dem P. Lafiteau 
einerley Abficht, deffen Werk er auch anführer. Die 
Indianer haben Feine Regierung unter fich, jedes 
Dberhaupt feiner Familie ift niemanden ſonſt untere 
würfig, eben wie es in alten Zeiten gemwefen ift. Aber 
wenn fie des Handels wegen eine Reife antreten , fo 
muͤſſen die verfchiedenen Samilien, die ſich da zufam» { 
men fchlagen, nothwendig einen Vorgeſetzten haben, 
wie ihnen auch ein Wegweiſer noͤthig iſt. Iſt alſo 
ein Indianer als ein geuͤbter Reiſender bekannt, fo 
gehorchen ihm die andern auf der Reiſe, ſo lange fie . 
bey der Sactorey find, und auf dem Ruͤckwege, aber 
| ‚länger dauert diefe Berbindlichfeit nicht. Die Facto« 
reybedienten heißen diefe Führer. Capitains, und 
wenn ſolche Capitains zur: Factorey kommen, be⸗ 
4Band. Ya ſchenkt 


368 ht 
ſchenkt fie der Gouverneuer mit Fa das 
mit leonifhen Treffen eingefaßt, ungefähr “wie. die 
Trummelfchläger haben, und mit einem dito Hu» 
te, in dem eine gemalte Feder ſteckt; auch befommen 
fie etiva ein Paar englifhe Strümpfe von zweyerley 
Sarbe, und haben etwa einen indianifchen Schuh an 





einem Fuße, und einen englifhen am andern, Fer: 
ner laßt man den Capitain in die Factorey, welches: 
den andern Indianern nicht verftattet ift, mo er mit, 


dem Gouverneur Tobac raucht; Er befindet fih auch 
beym Handeln mit dem Gouverneur im Zimmer, da 


die uͤbrigen Indianer ihre Waarenzur Factorey hin⸗ 


aus durch ein Fenſter bekommen. Die Capitains geben 


ihnen durch ſolche Umſtaͤnde ein Anſehen bey ihren 
Landsleuten, und erhalten das nicht umfonft*. Es: 


giebt auch andere Indianer, die fie Capitains der Fluͤſ⸗ 
fe nennen, ‚das heiße nicht mehr, als daß fie die Führer 


der Indianer an diefem oder jenem Fluſſe find,cder von’ 
den andern in folchen Dingen, wo es diefe für noͤthig 


befinden, befragt werden; imgleichen daß die andern 
Indianer ihre Borfchläge anhören, wenn fie.auf die. 
Jagd, in Krieg, oder zum Berfauf ausgehen wol⸗ 
len : Aber zum Zwange haber ſie keine Gewalt, die 

‚andern 


*Auch in Africa haben die Europäer den Wilden die 
Thorheit beygebracht, mit europäiichen Kleidern und 
| Ehrenbezeugungen groß zu thun. Wie der Verf. die 
»Gitten der Indianer mit den Gewohnheiten der Altes 


ſten Völker vergleichet, fo hatte er Diefe ihre Einfalt, 


daß fie folche nichtswuͤrdige Unterſcheidungszeichen 


nicht umſonſt verlangen, mit der Thorheit un 


dener Europäer vergleichen koͤnnen, Die Frank reich 
Ir fo ie Dinge * noch ag bez. 
za hlen. 


von der Hudfond: Bay. 369 
andern leiften ihnen gar feinen Gehorfam, und alles 
ihr Anfegen koͤmmt auf die Hochachtung an, welde 
Die andern für fie hegen ; wenn diefe vermindert wird, 
fälle auch ihr Anfeben, 

Außer den Capitains find noch weyerlen Perſonen 
von beſonderm Anſehen bey den Indianern, die Aerz⸗ 
te und die Beſchwoͤrer. Der Arzt beſchenket den 
Gouverneur, damit er die Erlaubniß erhaͤlt, wie der 
Capitain, mit ihm zu rauchen. Er kauft einen klei⸗ 
nen Kaſten voll Arztneyen, der mit Zuckerwerk, ſpani⸗ 
ſchem Suͤßholz u. d. gl. angefülleeift, und ihm durch eis: 
nen Engelländer aus der Factorey nachgerragen wird, 
Er kauft auch abgedruckte Bilder, die er forafältig 
vorzeigt, weil er aus der Factory nach feinem Ge⸗ 

gelte gehet. Die Indianer, welche nicht wiſſen, daß 
Ber Doctor Geld für ſolche Vorzüge gegeben hat, bil⸗ 
den fich ein, er muͤſſe gewiß ein großer Mann fen, 
daß er fo viel Ehre genieße, Daß ihm ein Engellaͤnder 
aufivarte, undglauben, alles gefchede aus Hochachtung 
fuͤr ſeine Gefchicklichfeit und feinen Berftand, Wenn’ 
der Arzt feinen Kaften Fauft, fo fage man ihm, für was: 
das u. jenes gutfen, obwohl alles zu allen Dingengleich 
gut oder nicht gut iſt. Aber wozu es gueift, das befiehle 
er feiner Srau zu merken. Wie der Verf, ift berichtee 

worden, braucht man diefe Xerzte vornehmlich in Faͤl⸗ 
len, die zur Wundarztney gehören; Sie beſitzen einige 

Kenntnifi von Pflanzen und thun damit große Euren, 

die vermuthlich am meiften daher rühren, daß ihre - 

- Kranken ver Bewegung gewohnt, und nicht zärtlich 

find. Wegen der vielen Bewegung, die fie haben und. 

- ihrer mäßigen Lebensart wiffen fie von wenig Kranfheis 

ten. Ihr — 9 —— iſt Schwitzen, 
welches 


370 Nachricht vonder Hudſor 
welches fie folgendergeftalt verrichten : Siemadhen eine 
$auberhärte von biegfamen Aeſten, die fie abbauen und 
fo in die Erde ftecfen, fo hoch, daß eine Perfon dar⸗ 
unter fißen kann. Ueber die Aeſte breiten fie Bieber- 
häute, oder andere warme Deden, und macheninei- 
niger Entfernung davon ein Feuer, in welches fie große 
Steine legen, und wenn folche heiß find, fie in das 
Zelt auf Sand legen, bis es in dem Ögzelte außeror: 
dentlich heiß wird, Alsdenn gehet der Kranfe hinein, 
und bleibe bis das Öezelt fühle wird, da er alsdenn ent« 
weder indas Waſſer läuft, oder die Decke abgeworfeh 
wird, und er. foin der freyen Luft auch im falten Fruͤh⸗ 
lingswetter figet, und den Schweiß abkratzet; wie er 
denn auch wohl gleic) nach dem Schwißen ins Waſ⸗ 
ſer, das voll Eis ift, läuft, ohne Schaden zuempfins 
den. Der Berfalfer vergleicht diefe Gewohnheit zu 
fchwigen mit ähnlichen Öebräuchen alter Voͤlker, der 
ven Herodotus (L. III. n. 73.) und Strabo (L. 3. 
106.) erwähnen. Uebrigens find fie der Meynung, 
die Wiffenfchafe der Arztneykunſt fey nicht zu erlere 
nen, fondern fie erbe von Vater auf den Sohn. 
Die Indianer glauben einen Geiſt, den fie Manitou; 
nennen, und ihm alle Bollfommenbeiten der Gottheit 
zufchreiben, und einen andern Vitico, den fie als den 
Urheber alles Uebels fürchten. Die Beſchwoͤrer ruͤh⸗ 
men fich einer betondern Vertraulichkeit mit dem lege 
teen. Es verlohnt ſich nicht der Mühe, hier die Gas. 
keleyen anzu uͤhren durch welche fie ihre dummenLands⸗ 
leute in dieſer Einbildung zu erhalten ſuchen Mit dieſer 
Nachricht von den Indian rn ſchließt ſich der iſte Theil 





des Werkes; von dem 2ten ſoll kuͤnftig 
geredet werden, 


& I 
⸗ 


"HL. Wie 


1 aa 371 
ERLELESERELETETZEEIEE 
II. | 
Wie der 


Bft Mortel zu Madraß in Oſindien 


gemacht wird: 


In einem Briefe 


Seren Iſaae Pyke, Eſqu. 


Gouverneur yon St. Helena, 


an Edmund Halley, 


L.L.D. Kon. Aſtronomen, Vicepraͤſidenten der K. G. 
beſchrieben, und von ihm der Geſellſchaft 
| mitgetheilt. 


Aus vn Philof. Tranfactionen,. AR 3 Art. 


| | an nehme fünfzehn Scheffel feifchen Gru⸗ 
N benſand, der wohl gefiebe ift, und thue 
dazu eben fo viel Steinkalk: dieſes lafle 


man mit Waffer auf die gewöhnliche Art durchnegt, 
zweene oder drey Tage beyſammen liegen. 

Alsdenn loͤſe man 20 Pf. Jaggery (welches un⸗ 
reiner Zucker oder dicke Zuckerhefen ſind,) in Waſſer 
auf, und ſprenge dieſes Waſſer uͤber den Moͤrtel, ſtam⸗ 
pfe es unter einander, bis alles wohl vermengt iſt, 
und laſſe es alsdenn auf einem Haufen liegen. 

Weiter ſiede man einen Vierthelsſcheffel Bramm, 
Goes eine AA EIREDNIENRN wies» = (a. Tare) oder 

Yaz das 









372 Wie der beſte Mörtel zu Madrag 


das Mitte zwiſchen diefen und der E Eibfeift) y zu einer 
Gallerte, ale drücke folches Durch groben Cannefaß 
durch: vie F Senat die fich ausdruͤcket, hebe 
man auf... 
Man: hebikle and ehten \ Wierrheiefheffet Miro: 
ii (eine Art Pflaumen) und) foche fie gleichfalls 
zu einer Gallerte, hebe auch diefes Waffer ebenfalls 
auf: Wenn man ein Gefäß hat, Das groß genug ift, 
Fann man alledrey, das Jaggerywafler, das Gramm⸗ 
wafler und das Mirobolanenwaffer zufammen thun. 
Die Indiauer hun. ordentlich in wenig feinen Kalf 
Hinein, damit ihre Arbeiter es nicht trinken.“ 
Wenn der Mörtel geſtampft iſt, und zu — 
wird, ſo beſprenget man ihn mit dieſer Feuchtigkeit, 
da er denn ungemein gut zur Verbindung der Ziegel 
und Steine wird; der Arbeiter hat allezeit etwas ſol⸗ 
cher Feuchtigkeit ben der Hand, feine Ziegel damit zu 
beneßen, und wenn fie zu dicke — verduͤnnet er — 
mit friſchem Waſſer. —— 
Man nierke auch, daß der Mörtel nicht nur vo) 
| und vermengt, ſondern auch wohl ar 
getragen werden muß, daß jeder Ziegel, oder jedes 
Stücde Ziegel, mit dem Mörtel eingeſetzt, und jede 
Lücke damit ausgefüllt wird, obwohl nicht fo dicke als 
der englifche Mörtel : Lieber jebe Schicht Ziegelwird 
auch etwas davon fehr dünne aufgetragen. Hat die 
Arbeit einige Zeitgeruber, wenn es auch nur ſo lange 
gewährt hätte, als das Fruͤhſtuͤck oder das Mittags- 
mahl gedauert har, fo fange man nicht eher wieder 
an, bis der Mörtel, vermitrelft eines Loͤffels, mit die⸗ 
ſer Feuchtigkeit von neuem benetzt worden ift, und le⸗ 
ge alsdenn erſt Mn Mörtel auf, Denn en 
| oͤrte 








imn Oſtindien gemachtwird. 373 
Mörtel gleich fo durchnetzet iſt, trocknet er doch viel 
eher, als jemand, der ihn nicht unter Haͤnden gehabt 
bat, ſich einbilden follte, beſonders i in heißem Wetter. 

Zu ſtarker Arbeit wird eben der Moͤrtel ſolgen⸗ 
dermaßen noch verbeſſert. 

Man nehme groben Hanf, und winde folchen lo— 
fer in Bündel, fo dicke als ein Manngfinger, (in 
‚Engelland bedienet man ſich Ochfenhaare ftatt bieſes 
Hanfes) alsdenn ſchneide man ihn in Stuͤcken, etwa 
einen Zoll lang, und wickele ihn wieder auf, daß er 
locker liegt: alsdenn ſtreue man ihn leichte über den 
andern Moͤrtel, der zu gleicher Zeit muß umgewandt, 
"und folglich dieſe Materie mit bineingettieben werden, 
Man muß Arbeiter Halten, die ihn in einem Tage be« 
ftändig ftampfen, und alles wohl untereinander men⸗ 
‚gen, bis der Hanf mit dem Mörtel vollfommen ver- 
bunden ift. Weit es fehr ſchnell trocknet, muß man 
es fleißig mit vorermähnten Jaggery⸗ Gramm ⸗ und 
‚Mirobotanenwafler befeuchten, dazu man auch) ſchlecht 
Waſſer nehmen kann: Wenn es ſo durchfeuchtet und 
geſtampft iſt, wird es ſich wohl untereinander men⸗ 
gen, und damit bauen fie (ob es wohl bey den gemeis 
nen Hausmauern nicht gewöhnlich ift,) wenn der 
Bau ſehr ſtark werden fol, 3. E. den Kirchenthurm 
zu Madraß, an dem gebauet wurde, ‚wie ich mich zu⸗ 
fee dort befand, . Auch machen fie einige Zierrathen, 
als Säulen, Bogen oder Bitdwerfe, die fie in Gaͤr⸗ 
gen auffegen f auf diefe Art. 

Zu den gemeinen Gebäuden in Madraß, n wo bie 
Regenzeit nicht über drey Monate im Sabre anhält, 
und bisweilen noch von kuͤrzerer Dauer iſt, legen ſie 
| ordentlich die gemeine Ziegelarbeit in leimichten Thon, 

| Y4a SUND 


| 374 ie der befle Moͤrtel zu Mat 


‚und überftreichen fie auf benden Seiten mie diefem 
Mörtel, der noch kann en werden, = viel 
‚von dem Mörtel zum bauen. | 








Wenn man den Mörtel —— maßen 
zubereitet hat, muß man etwas davon abſondern, 
und zu jedem halben Scheffel das Weiße aus fuͤnf 
oder. ſechs Eyern und 4 Ungen bee. (oder ordentliche 
‚ungefalzene Butter,) nebft einer Kanne Burtermilch 
thun, auch folches alles wohl unter einander ruͤhren: 
Mit dieſem vermenge man ein wenig von dem Mir- 
‚tel, bis er alle Ghee, Buttermilch und Eyweiß ein, e⸗ 
ſogen hat: das uͤbrige mache man mit ſchlechtem fri⸗ 
ſchen Waſſer gelinde menge es ſo alles untereinan- 
der, und laſſe es eine Kelle voll auf einmal auf einem 
‚Steine, vermittelſt einer ſteiner nen Walze,zermalmen, 
auf eben die Art, wie die Chocolate ordentlich in 
Engelland gemacht oder zertrieben wird: dieſes la 
man in einem Troge bis zum Gebrauche ſtehen. Wenn 
man ſich deſſelben bedienet, und es zu trocken ſeyn fol 
te, ſo benetze man es mit ein wenig Waller oder vor- 
erwaͤhnter Feuchtigkeit, Dieß if der andere Mena 
‚zug beym Uebertuͤnchen. 


Man merke, wenn der erſte beym Bitten i 
aufgefragen worden, fo muß folcher mit einer Kelle, 
oder einem glatten Steine wohl überrieben, und mie 
Grießſande, der, nachdem e8 die Umftände erfordern, 
mit Waſſer oder vorerwähnter Feuchtigkeit benetzt ift, 
beftreuet werben, darauf man ihn denn wieder harte 
druckt. Wenn dieſes halb trocken iſt, nehme man 
vorerwaͤhntes Mengſel zum feinen Tuͤnchen, und wenn 
es > gan trocken ift, trage man.den Firniß — 


N 


in Offindien gemacht wird. 375 


fen auf. Soll es aber bald trocken werden, muß man 


den Chinamfaft mit einem Pinfel aufftreichen, 


‘ Die befte Are des Firniffes zum Weißen wird 


 folgendergeftalt gemacht: Man nehme eine Gallone 


Toddy, eine Pinte* Buttermilch und fo viel feinen 
Chinam, oder Kalf, als genug ift, es zu färben ; 
man thue darunter etwas von vorerwähntem Chi⸗ 
namfafte, und. überftreiche damit. gelinde, wenn al⸗ 
les eingetrocknet ift, wiederhufe man folhes, Eine 
solche Tünche ift dauerhafter, als manche weiche Stei⸗ 
ne, und hält das Wetter in Indien beffer aus, ‚als 
‚alle Ziegel, die fie daſelbſt verfertigen. 
Zu einigem von dem feinen Chinam, das viel 
üble Witterung und Regen aushalten foll, nehmen 
ſie ſtatt der Ghee Senföl, bisweilen Fochen fie auch 
die Rinde. des Mangobaums und andere anbaltende- 
Rinden, aud) Aloes, die bier in Mienge am Sees 
‚ufer wachfen; zu.allem feinem Chinam aber, dag zu 
‚dem auswendigen Tünchen dienen fell, nehmen fie 
——6 die hier Toyre heißt. Zu Arbeit, die 
inwendig bleibt, brauchen ſie ſehr duͤnn und ſchwach⸗ 
gemachten Leim, ſtatt des Kleiſters zum leberweißen, 
und thun manchmal ein wenig Gummi dazu. 
Zu merken. Da einige der. erwähnten Sachen 
in England. nicht zu haben find, fo wird es nicht uns 
dienlichfeyn, etliche hier zu erwähnen, Die, meinen Ges 
danken nach, von eben der Befchaffenbeit find. 

Was alle anhaltende Rinden betrifft, halte ih 

Eicyenrinde fo gut, als einigeandere., | 

| ET VRR Statt 
* Die Sallone hält acht Pinten. Miege Staat von 

' Großbritannien, ITh. 428, A. d. Ueb. 


X 
⸗ 


Statt Aloes fönnen Terpenebin, oder Ninde 
und Aefte des wilden Pflaumenbaums dienen. Ob 
der Terpenthin gleich nicht fo ftark ift, kann er doch, 
in größerer A ——— zu m ber Abſicht 
dienen. 


Es giebt eine Ye von Aloes J— die 
oft ſehr wohlfeil iſt. Statt der Mirobolanen kann 
Saft von wilden Pflaumen, und ſtatt des Jaggery 
unreiner Zucker, oder Zuckerhefen gebraucht werden. 
Statt des Coddy, welches eine Art von Pälmmioein. 
iſt, wird der Birkenſaft ziemlich dienen. 


Anmerkung. In China und an andern Orten, 
machen ſie den Moͤrtel mit Blute von allerley Arten 
Thiere ein, aber man ſagt, Die vorerzaͤhlten Ingre⸗ 
dientien baͤnden eben ſo wohl, und thaͤten vollkommen 
ſo gute Dienſte, ohne dem Moͤrtel eine ſo — RN 
be zu geben, wie das Blur. | 


Man halt in Indien dafür, vorerwaͤhntes Tuͤnch⸗ 
werk uͤbertreffe alles, was bey uns die Stoccaturar⸗ 
beiter brauchen, und ic) habe ein Zimmer mit fol: 
chem Mörtel ausgetünche gefehen, der dem beften Tä- 
felwerk an Ölätte und Schönheit gleich Fam. Icht bin 


Mein Herr | — 
Ihr gehorſamer Diener 


Iſaac PM 
CR 0— N 


376. Wieder beſte Moͤrtel zu Mad 





— 


II. Ber; 


“+ 
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N Kama), 2 a8 2 Kay N Ir - . 
f a y a —— 7 i Ri RE, ER 0 y 
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” An) Ze y Ken = . . wer » H 3 


II. | 
— die Gegenwart 


eines 


igen Weſens in den Rerven 


darzuthun. 


Von Alexander Stuart, 
Doct. der Arztneygelahrtheit, Leibarzt Ihro Maj. 
der Koͤniginn, M. d. K. G. 


Aus der 424 Num. der Philoſ Tranſact. V. Art. 


r 





An. Der Gegenwart eines ffüßigen Vefens in in 

9) den Nerven, das man insgemein mit dem 

EI Mamen der tebensgeifter belegt, ift von ver« 
‚ fhiedenen gezmweifelt worden, uno die Sache ift noch 
ftreitig, ob man gleich mit Unterbindung der Nerven 
u. ſ. f. Verſuche angeſtellet. Dieſes veranlaßte mich 
zu folgenden Verſuchen, die, wie ich hoffe, dieſe Lehre, 
die in der Kenneniß von den Verrichtungen thieri⸗ 
ſcher Körper und inder ausübenden Arzeneyfunft, von 
fo viel Nugen ift, inein kloͤrer Licht fegen —— ale 
in dem fie ſich bisher befunden hat. 


Verſö—c 

er hieng einen Froſch mit den Borberfüffen anf, 
Ir er die Hinterfuͤſſe frey hatte: alsdenn ſchnitt ich 
ihm den Kopf mit einer Scheere ab, und ftach mit 
dem Ende einerSonde, wo das: Knöpfchen ift, wel⸗ 
Kurt | ches 


— 


378 Verſuche eines fluͤſigen Weſens 


ches in dieſer Abſicht flach und glatt gefeilt war, 
gelinde von oben herunter auf des Ruͤckgradmarks 
oberſten Theil, wodurch bey allen untern Theilen 
das ſtaͤrkſte und vollkommenſte Zufammenziehen ver⸗ 
urſachet wurde. Ich wiederholte dieſes bey eben 
dem Froſche zu verſchiedenenmalen mit gleichem ( Sr: 
folge, doch hielt ic) allezeit etliche Secunden zwiſchen 
jedem neuen Stechen inne, denn wenn ich es zu ge⸗ 
ſchwinde wiederholte, tourde dus Zufanttnengiegen 
ſchwaͤcher. 


... 1. Verſuch. er — 


Mit eben dem Ende der Sonde ſtach ich gelinde 
gegen das Gehirn in den Kopf auf das Ende des 


verlaͤngerten Marks, das in der hintern Hoͤhle des 


Hirnſchaͤdels zu ſehen iſt. Ich wiederholte ſolches 


verſchiedenemal an eben dem Kopfe mit eben der a. 


fung. 


IM. Verſuch. 


Ich band bey einem Hunde ein Stüd feinen ges | 
drehten Bindfaden mit der Schenfelpulsader, der 


Blutader und dem Nerven, Die ihm zugehören, paral- 
lel, band alsdenn ſowohl diefe Gejäße, als den mit 


ihnen parallel;gehenden Faden, oben und unten, in 


der Weite von etwa 4 Zolle, alsdenn ſchnitte ich alles 


‚bey beyden Drten, wo ich gebunden hatte, ab, daß i 


die Gefäffe, und den Nerven mit dem ihnen parallel 


gehenden Faden in einem Bündel abnehmen Fonnte, ich 


legte ſie auf ein Brett, da ſich denn die beyden Blutge⸗ 
faͤſſe ſogleich zuſammenzogen, und faſt um die Haͤlfte 


— 


ihrer natuͤrlichen Laͤnge, die ſie in dem Koͤrper hatten, 
| ei faſt auf drittehalben Zoll verfürzten, da der 


Nerve 


. 
* 


BR N dem Nerven. 379 


| — en blieb, und an den Parallel, Faden 
von 4 Zoll eben fo pafte, als zuvor, ehe er aus dem 
* war geſchnitten worden, wie in TDengeDenben 

igur. 





BT 2 | F Hi 

Der Nerve und Faden, in nafürlicher $änge 
— Zoll. 

Die Blutader und Pulsater jufammengezogen. 


Aus der ahellet daß die Verhaͤltniß der Blutgefaͤße 
in ihrer ſtaͤrkſten Zuſammenziehung zu ihrer Ausdeh⸗ 
nung und zu den Nerven, deren natürliche Laͤnge un« 
verändert bleibet, fajt wie 5: 8 ift, oder welches eben‘ 
ſo viel fügt, dag fich ein Stück eines Blutgefaͤßes, das 
ausgeſchnitten und ſich ſelbſt uͤberlaſſen wird, vermör 
gend iſt, ſich dergeſtalt zuſammen zu daß es * 
ſeiner Laͤnge verlieret. 


Ob aber dieſer Verſuch gleich zureicht, die elafie 
fe Kraft der Blurgefäffe überhaupt zu ſchaͤtzen, fo iſt 
doch nicht zu zweifeln, daß der Grad ihrer Srärfe 
und Elafticität bey Thieren von verfcyiedener Art - 
etwas mehr oder weniger verfchieden iftz welches 
auch bey einzeln Gefchöpfen von einerlen Art, ja bey eis: 
nerley Gefchöpfe in verfchiedenen Zuftänden des Lebens 
ſtatt finden Fann ; aber diefe Mannigfaltigkeiten ge» 
ben mid) gegenwärtig nichts an, da ich nur zeigen will, 
daß die Nerven feine Federkraft, und Die Slurgeäfle ’ 
Ben eine 4 IB Be | 





| dol⸗ 






389 Verſuche eines fübigen I 
Solgerungen aus diefen Berfuchen © 


Die beyden erften Berfuche jeigen,, % das * 


Birne und die Nerven, zur Bernau die duch 


Muffeln gefchieht, fehr vieles beytragen, 
Der dritte weift eben fo deutlich, daß dasjenige, 


was fie zur Bewegung, bie durch Muffeln geſchieht, 


beytragen, von einem fluͤßigen Weſen, das ſie ent⸗ 


halten, herruͤhret, man mag es nennen wie man will. 
Dieſen Schluß zu beſtaͤrken, wollen wir uͤberle— 
gen, daß wir keinen andern Beweis von dem Daſeyn 


des unſichtbaren fluͤßigen Weſens, das wir Luft nen⸗ 
nen, und von ſeinen mancherley Beſchaffenheiten, 


ſeiner Schwere und elaſtiſchen Kraft haben, als den 


wir aus Beobachtung ſeiner Wirkungen erhalten, die 


ung zulaͤnglich von feinem Daſeyn verſichern, ob wohl: 


feine Fleinen Theilchen und deren Zufammenfügung 
keinem unſerer Sinne entdecket iſt. 


Sehen wir auf eben die Ark, daß gegenwaͤrtige 


Verſuche, die Federkraft, und ſolcher gemaͤße Vibra⸗ 


tionen der Nerven voͤllig außer Zweifel ſetzen, ſo glau⸗ 
be ich, koͤnnen wir mit Sicherheit ſchließen, daß ſich 
in den Nerven ein fluͤßiges Weſen befindet, ob fol- 
ches ung gleich unfichtbar ift, ſo gewiß, als es ein- 
flüßiges Weſen giebt, das wir Die Luft nennen, ob | 


wir folches wohl nie fehen, 


\ 


Ich will nur. noch binzufegen, Daß es ung uva * | 


fteht, diefen Mervenfaft mit was für einem Namen‘ 
wir wollen, zu benennen, wenn mit ſolchem nur ein 
eigentlicher beftimmter und ausgemachter Begriff ver⸗ 
bunden ift, aber daß ich'gleichwohl das Wort Geifter 


für — gewaͤhlt halte, weil es einen Begriff, 


wie 


| ae N in den Nerven. 38 


wie etwas, das ungefaͤhr den Geiſtern gaͤhrender 

Saͤfte, oder fluͤchtiger ſalzigten Geiſter, wie z. E. 

Dieſchhorngeiſt, u. ſ. w. oder einem flüchtigen Dunſte 
gleich kaͤme, giebt, welches alles unbeſtimmt iſt, und 

nur Nachforſchende verführer, und Unwiſſenden ge: 

ſchmeichelt hat. 


Aber der Quell, aus dem dieſes fluͤßige Weſen 
entſteht, naͤmlich das Blut, das im Leibe umlaͤuft, 
die Gefäße, durch welche’ es abgefondert wird, und 
die Nerven, in denen es fic) beweget und enchalten, 
wird, der gelinde Geſchmack, oder vielmehr, Daß es 
faft gar Feinen hat, und daß im Gehirne und in den, 
Merven fein Geruch bemerkt wird, das alles veran⸗ 
laßt feinen Begriff von folhen Geiftern. Die eine 
fachen Eigenfchaften reines und von allem Fremden be» 
freyten elementarifchen Waflers, werden viel beffer als, 
les erklären, was unfere Sinnen daran entdecken. 
fonnen, und was wir bey den Verrichtungen des, 
Körpers, in fo fern folche auf die Nerven ankommen, 
wahrnehmen, Sch hoffe, ich werde folches bey Er: 
klaͤrung einiger tbierifchen Bewegungen ausführlicher 

zeigen koͤnnen, als gegenwärtige Öelegen- 
| heit —— | 


ET 
TER 


hs EV he 





38% Des Rittersde Baillou Anmerkung. 
ai KKKKKKK *— 62 
IV. | 


Nachrich von des Ritters de Sailon 
| Anmerkungen ST 


wegen 


— Edelgeſteine. 


—— Ritter Johann de Baillou beſitzt eine ſeht 
—— ſchoͤne Sammlung von Foſſilien zu Flo— 
| renz. Hr. Joannon de Siar Saureiit der „ 
folche befehen hatte, ließ ohne des Bſitzers 
Willen eine Defcription abregee davon drucken. Dies 
fes hat den Hrn. de Baillou veranlaffet, in ein Paar 
Aufſaͤtzen die Art, die er fich bey Unterſuchung na« 
tuͤrlicher Koͤrper bebienet, und die Einrichtung, nad). 
Der er eine Befchreibung von feinem Eabinet heraus⸗ 
geben will, befannt zu machen ;° Man findet fie in’ 
den Meinorie di varıa erndizione della Societa co- 
oınbaria Fiorentina, wo fie in dem 1747 zu Slorenz 
Herausgefommenen erften Bande die VII Stelle ein: 
nehmen. Da des Herrn de Baillou Abhandlungen 
verfchiedene ‚zu befannte Sachen aus der Phyſik 
überhaupt enthalten, hat man nur was in denfelben 
am wichtigften und lehrreichſten gefchienen, bier ane 
fuͤhren wollen. 

Bey einem ſtarken Tribe zur Maturgefchichte, 
hat er fich wegen derſelben Weitlaͤuftigkeit hauptſaͤch ⸗ 
lich die Edelgeſteine zum Gegenſtande gewaͤhlet: Der 4 


N: Zufammenbang verfcdjiedener 9* von 
ennt⸗ 






an üuͤber die Edelgefteine. 393 


Kenntniß aber hat ihn genoͤthigt, feine Unterſuchun ⸗ 
gen auch auf alle Koͤrper, die aus der Erde gegra⸗ 
‚beit werden, mit zu erſtrecken. Die Haͤrte und die 
eifenthlümliche Schwere find die vornehmften Merk⸗ 
maale der Edelgefteine, Die erfte erfennt man bisher‘ 
bloß aus der Schäßung der Steinfehneider, und dies 
fe Schaͤtzung gründet ſich ſtark auf einen bloßen Zur 
fall. Berfchiedene Steinfchneider haben einen Stein 
dem Hn. Baillou, der für hart, der für weich erklaͤret, 
ja einer hat fi) fetbft oft widerfprochen, wenn man 
ihm einen Stein zu verfchiedenen Zeiten gegeben, 

Diefes laͤßt fich leicht aus der Art erklären, wie die 
Steinfehneider die Härte und Die Weiche beurteilen,’ | 
Sie bedienen ſich, wie befannt, einer Scheibe, die 
fie herumdrehen, und während folcher Arbeit den 
Stein Darauf drücken. Die Bewegung der Scheide 
fehleife nach und nach Theilchen von dem Eteine ab, 
mache feine Winfel ftumpf, und giebt ihm Fralben, 

nachdem es der Künftler verlange. Beym Diamante’ 
fehleifen ftreuen fie auf die eiferne oder ſtaͤhlerne 
Scheibe Diamantpulver, befeuchten folches nebft der 
Scheibe mit Oele, daß es anhält, und Drehen als: 
denn die Scheibe herum ; Sind die Edeliteine, die 
fie ſchleifen wollen, — als Diamant, ſo bedie⸗ 
nen ſie ſich anderer Zubereitungen, und bald bleyer⸗ 
ner, bald zinnerner, bald füpferner Scheiben, imglei⸗ 
chen verfchiedener anderer Pulver, ſtatt des Diamant: 
pulvers, als Schmergels, allerley Arten von San 
de, von Erde,u. ſ. f. Diefe Pulver dienen ſtatt eiR 
ner Seile den Stein anzugreifen, und nehmen die 
Theilchen des Steines weg, indem fie fih in die 
Zwiſchenraͤumchen des Steins und der Scheibe einfer 
4 Dand, Sb gen, 


384 Des Rittersde Baillou Anmerkung. 
Gen, und zugleich das Rad herumgedrehet wird. Es 
find alfo bey diefer Arbeit viel Dinge zu beobachten, 
Scheiben , deren verfchiedene ſich für verfchiedene 
Steine ſchicken, Pulver, die auch nach Beſchaffen⸗ 
heit ver Scheiben und der Steine von verfchiedener 
Beſchaffenheit feyn muͤſſen; und Wafler oder andere 
Feuchtigkeiten, die ebenfalls nicht gleichgültig find: 
Und endlich, wenn alle diefe Dinge vermittelft der ih: 
nen eingedruckten Bewegung wirken, fo begreift jeder 
aus den Örundfägen der Naturlebre und Meßkunſt, 
Daß ganz verfchiedene Wirfungen erfolgen müffen, 
bloß nachdem die Bewegung fchneller oder langfamer. 
iſt. Wie fann man alfo vermuthen, daß ein Stein» 
ſchneider, der nichts als feine Erfahrung hat, hier 
niche irren foll, da es in die Augen fallt, daß bier die 
feinfte Theorie nörhig wäre? Ein harter Stein muß 
ſtark, und ein weicher gelinde auf Die Scheibe ge: 
Drucke werden. Der Steinfchneider gewöhner fich an 
eines von beyden, nachdem er in diefer oder jener Are. 
von Steinen arbeitet, und wenn er einen Stein bes 
koͤmmt, der weder fehr hart noch fehr weich ift, fo 
wird er mit demfelben nicht fo umgehen, wie es bie 
mittlere Befchaffenheit des Steines erfoderte, fondern 
in eines von beyden Aeußern fallen. Sat er bisher 
weiche Steine gearbeitet, fo wird er einen mittlern 
Stein hart nennen, und umgefehrt. Ferner ift die 
Bewegung der Scheibe nicht gleichförmig. Sie 
koͤmmt auf des Steinfchneiders Hand an, fie wird als 
fo ſchwaͤcher oder ftärfer, nachdem der Steinfchnei- 
der von Arbeit ermüdet ift, oder mit frifchen Kräften 
anfängt, oder durch mancherley äußerliche Gegen⸗ 
ftände geftöret wird, und diefes hat einen Bun. in 

| ein 





ar Aber die Edelgeſteine. 385 


fein Urtheil von der Befchäffenheiedes Steine. Der 
Schmergel, und die andern Schleifpulver find auch 
‚nicht allezeit einerley, das Wafler, oder was man 
ſonſt für Feuchtigkeit brauchet, kann ihre Theilchen 
‚mehr oder weniger verbinden, und dadurch einen Un« 
terfchied in ihrer Wirfung verurfachen. Biel andere 
Anmerkungen von eben der Ark übergeht Hr, Baillou 
‚mie Stillfhmweigen, 3. E. was man in den Steinen 
Knoten nennt, nämlid) gewiſſe Theile, deren Bau von 
den übrigen etwas verſchieden ift, daß fie dafelbft ein 
feineres und dichteres Korn haben; diefe Theile find 
allezeit härter, als die übrigen. Der Steinfchneider 
muß fie fennen, und wiflen, was aus ihrer Befchafe 
fenheit folger. Bey fo vielen Schwierigkeiten fälle in 
die Augen, daß ein Steinfchneider den wahren Grad 
der Härte von verfchiedenen Steinen nicht ſchaͤtzen 
Fan, wenn folcher niche fehr merklich von andern 
Graden unferfchieden ift, 

Mit der eigenthümlichen Schwere verhäftes ſich 
faft eben fo. - Here Baillou fabe, Daß man nod) 
feine rüchtige Regel hatte, Fleine unordentliche Körs 
‚per abzumwägen, wie die Edelgefteine find, von de— 
nen man ordentlich nur kleine Stücfchen und diefe 
‚oft von verfchiedener Art hat. Außerdem, daß es an 
fih ſchwer fälle, ſolche kleine Körperchen genau 
waͤgen, fo erhellet, daß der Zufammenhang der Theile 
des Waflers ihm etwas beträchtficheres von ihrer 
Schwere benimmt, als großen Körpern, weil fie in 
Bergleichung ihres Gewichts mehr Oberfläche haben. 

Beyden dielen Unvollfommenheiten bat Herr de 
Baillou abzuhelfen gefuchet. Er hat mit Beyhülfe 
Br parent eine Mafchine erfunden, die fo ein- 
m Sb. 2 gerich 





336 Des Ritters de Ba st Anmerkung, 


gerichtet und abgetheilt ift, daß MM von fich ſelbſt und 
"ohne vorerwähnten Irrthuͤmern unterworfen zu feyn, 
den Grad der Härte von den Steinen, die man dar« 
"auf unterfüchet, anzeigt. Es iſt ihm feinem Berichte 
nach gelungen, dergleichen Maſchinen berauszubrin- 
gen, die das verlangte in der größten Schärfe ohne 
‚empfindlichen Itrthum verrichtet. Bon gleicher Boll: 
kommenheit iſt eine andere Maſchine, die er erfunden 
hat, die eigene Schwere der Steine zu unterſuchen. 

Solchergeſtalt war er im Stande, die rohen 
Edelgeſteine in ihrer Mutter zu erfennen. Er uͤber⸗ 
‚zeugte fich, daß die Farbe nur ein zufälfiges Merf- 
maal von ihnen ift, und ein Rubin weiß, ein Ames 
thyſt faft ohne Farbe, ein Diamant gelb u.f.w, feyn 
kann. Er .fonntedie Steine, die er wollte fegen laf- 
fen, felbft unterfuchen, und brauchte es nicht, fich 
den Steinfchneidern zu verfrauen. Indeß rührte 
ihn Dabey ein unerwarteter Vorfall Unter Erei- 
nen von einerley Härte und Schwere, Die auf einerley 
Art gefcehnitten und gefeßt waren, hatten einige mehr 
Feuer, als die andern, ob fie wohl alte von gleicher 
Reinigkeit waren, ihr Waffer gleich ſchoͤn war, und 
fie Feine Federn, oder Fleine Theifchen von ande» 
ver Art, in ſich enthielten. Die Urſache hievon zu 
entdecken, gieng Herr Baillou wieder zu den rohen 
Steinen in ihrer Mutter, und fand was merkwuͤr⸗ 
digers, als er bisher geglaubt hatte, in der Geſtalt 
die die Steine ordentlich annehmen, und die bey je⸗ 
der Art von Steinen meiſt beſonders iſt. Gewiſſe 
Arten von Topaſen z. E. ſchießen in Wuͤrfeln an, an⸗ 
dere Topaſen, und die orientaliſchen Chryſopraſen in 
rautenſtẽ oͤrmigen m (quilles rhomboidales) die jich 
in. 


se: uͤber die Edelgeſteine 387 


in Spitzen, die in vier Seitenflaͤchen — 
ſind, endigen, die Amethyſten ſechseckicht, faſt wie 
die Bergeryſtallen, die Granaten die Dodecaedris, 
eine Art von Rubinen in Octaedris, eine andere in 
rautenförmigen Kegeln, die Smaragben in ſechs⸗ 
eckichten Kegeln, die ſich weder in Spitzen noch in, 
Pyramiden endigen*. Hieraus folgerte alſo Hr. de 
Baillou eine Regel: Es ift gewiſſen Körpern, die 
vom Mineralreiche abftammen , wefentlich, eine bes 
ftimmte Geftalt zu haben, die nicht merklich Fann vers 
ändert werden. Die Metalle, die Kieße, die Stei— 
ne und die Salze befräftigen eben dieſes, und bier» 
aus folgte, wiedernauf die Evdelgefteine zu fommen, 
daß diejenigen, die. man zu einerley, Arc rechnen fol« 
Te, niche nur einerley Haͤrte und eigene Schwere, 
ſondern auch einerley natuͤrliche Bildung haben 
muͤſſen. Vermucthlich hatten alſo die Steine, Die 
bey aller übrigen Aehnlichkeit nicht einerley Feuer bes 
faffen, verſchiedene Bildung, woraus eine Verſchie⸗ 
denheit in ihren Theilen folgte, eben wie Salze von 
verfchiedener Geftalt ihrer Cryſtallen, auch aus Theis 
len von: ir Art beſtehen. Indeß hat ſich 
a ng Bb 3." re diefe 


* Die beßaͤndige Geſtalt der Sryfkallene Ir den Quar⸗ 
zen u. d. g. Steinen, hat den Hrn. Linnaͤus veran 
laßt, fie zu den Salzen zurechnen: Als der beruͤhm⸗ 
te Herr Profeſſor Lange in Halle vor einiger Zeit die 
Guͤtigkeit hatte, mir ſeine lehrreiche Foßilienſamm— 


lung zu zeigen, wies er mir ein Stuͤck Tartarus Vi- 
triolatus unter den Quarzdruſen, das ein Paar Her⸗ 


ven, die auch Steinkenner feyn mwollten, betrogen, : 
und dadurch den von —* — gr Pr 

rochen hatte 
€103 


388 Des Ritters de Baillou Anmerkung. | 


dieſe Muchmaßung nicht durch Verſuche beſtaͤtigen 
laſſen; Man haͤtte dazu rohe Steine von bekannter 
Bildung nehmen, und ſolche nachgehends ſchneiden 
muͤſſen, wozu Hr. Baillou feine rohen Steine, die 
ihm in der Sammlung noͤthig waren, nicht aufs 
opfern wollte. ‘Bey den Steinfchneidern findet man 
Die rohen Steine nicht fo, wie fie ausgegraben wer« 
den. Gie haben nur Stüden, die man fchon in In⸗ 
dien grob nach orientalifcher Art bearbeiter hat, und 
Die bier von neuem müflen nad) dem europäifchen Ge⸗ 
ſchmack zugerichtet werden; Andere Stücken werden 
yon ihrer Geſtalt polirte, aber noch ungefchnittene 
Steine (pietres en cabochon) ‘genannt, weil ihre 
Ecken find abgeſtumpft worden, da fie das Wafler 
aus den Gruben forigefchwennmt, und in Slußbetten 
fortgewälzt hat, wie man an einigen durchfichtigen 
Kießeln fiehet, die im Rheine u. ſ. w. gefunden wer« 
den, und nichts als folchergeftalt fortgeſchwemmte 
Stuͤcken Bergeryftall oder Topas find, Man finder 
auch foldye Steine mit abgeftumpften Ecken, die von 
den Indianern felbft dergeſtalt find zubereitet worden. 
Es ift leicht zu begreifen, Daß man an feinen von die⸗ 
fer Art Steinen ihre natürliche Bildung erfennen 
Fann. Wie Herr Baillou dieſen Mangel zu erfegen 
bekuͤmmert war, fiel ipmein, eben die Mathematif, 
die ihm bey der Härte und eigenen Schwere fo be- 
bülflich gewefen, auch hierzu brauchen. Er fuchte 
den Blanz der Steine zu mefjen, d. i. ein Mit: 
tel ausfündig zu achen, wodurch man ben Untere 
ſchied zwifchen dem zichte fehen Fönnte, das verfchies 
dene Steine zuruͤckwerfen, und es gelung ihm auch 
dieſes Unternehmen. Wenn von einigen Steinen, 
die 


über die Edelgeſteine. 89 


die übrigens in allem einander ähnlich waren, nur das 
Feuer verfchieden war, fo wußte er den Ueberſchuß 
bey denen, die das meiſte hatten, mit geometrifcher 
Kichtigfeit zu berechnen : Er Fonnte die Urſachen un« 
terfuchen, und ausmachen, wie man fie fehneiden 
müßte, daß fie die befte Wirfung thäten *. 


Bb 4 Man 


Ihh nehme mir die Freyheit bier eine Anmerkung beyzu⸗ 


fügen, die mir eben der Freund, den ich bey eier an⸗ 


‚bern Gelegenheit (im 6St. des 3B. 606 ©.) erwaͤhnet 


habe, mitgetheilt hat, wie ich ihm des Hrn. Baillou 


Aufſatz zu leſen gab. „Ich bin nicht zufrieden, ſagt 


„er, daß man die Wirkung des Lichts in den Steinen 
„ſo gar ſchlecht unterſucht hat. Die Steinſchneider 


„glauben durch eine Menge der Facetten dem Dia⸗ 


„mant aufzubelfen, wodurch ihm zwar viel Licht, 


„aber gar zu viel gegeben wird. Ich bin indem Kalle 


„mit den Alten gleich gefinnt, die den Diamanten 


ſehr wenig Schnitt gegeben haben, wodurch fie ver: 


„muthlich daB eigne Licht der Diamante haben erhal: 


gen wollen. Ich will meine Meynung mit dem 
- „Schnitte der Sarbenfleine bemweifen. Ein fchöner 


„Rubin oder Saphir wird blind, jemehr durch. die 
„Menge der Facetten fremdes Licht in den Steinfallt: 
„bie Runftverftändigen geben alfo den edlern Farben⸗ 


„feinen wenig oder gar Feine Facetten. Barum 
„nimmt man alfo dem Diamant fein eigenes Licht, da 


„man fo freygebig ift ihm eine fo große Menge frem: 
„des Licht zu geben, welches. er feiner Natur nach al- 
„fe aufnimmt ? Wird der Diamant bieburch beffer 


„oder geringer ? Die Goldfchmiede verfichen in die— 


„tem Stücke noch mehr, ald die Steinfchneider, denn: 


diefe Eünfteln wirftich fehr viel, wenn fie die Stei⸗ 
„ne aufbringen. Gie bedienen fich zu dem Ende der 
„Folien, der Dinte, der Farben, der Höhe und. der 


„Tiefe, nach der ſie den Diamant in die Kaͤſten ſetzen; 


„Ja 


3” Des Ritters des J ill N Anmerkung. 


Man wird, leicht ſehen, daß dieſ drey Maſchi. | 
nen wirklich neu find, da vor dem Herrn Baillou- 
ſchwerlich jemand daran gedacht, dergleichen Unter⸗ 
ſuchungen mit Sicherheit anzuftellen. Er ſindet in⸗ 
deß noch eine ‚vierte noͤthig, Die man bey Edelgeftei- 
nen, welche meift aus gleichartigen Theilchen beſte⸗ 
hen, entbehren kann, aber bey andern Steinen, die 
aus Theilen von verfchiedener Art gemengt find, brau ⸗ 
chen kann⸗ Es Eönnten nämlich zweene folche Steis 
ne gleiche Härte und Schwere haben, und doch. von 
verfchiedener Are feyn. Man bifdefich eine verſtei⸗ 
nerte Muſchel ein, deren organiſcher Theil mit en 
verfleinernden Safte ‚ mit Erde, Schwefel, Salz, 
ud: dergeſtalt wäre untermengt und gleichfam 
amalgamirt worden, daß die Zwiſchenraͤumchen i in 
ihr ſo viel betruͤgen, als in einem andern Steine, 
und die Summe von dei Beruͤhrungsflaͤchen der 
Theilchen bey ihr eben jo, groß wäre, als bey dem 
Diener Das eife 5 wuͤrde beyden einerley ei eigene 
| Schwere, 


i 3. ſelbſt des Cryſtalls dem — ſein wahres 
„Richt zugeben, und in ihm gewiſſe Farben zu umter: 
"drücken: Nur die Menge der Erfahrungen ‚macht 
„nur wenige gefihiskt, in dieſer Kunſt gemiffen Grunds 
„fügen nachzugehen, wodurch es ihnen: vortrefflich 
„glückt. Dem ohngeachtet bleibet ſolches immer me⸗ 
chaniſch, und wird noch nicht dasjenige, was Herr 
 „Baillou mit Recht aus der Optik von den Steinen 
verlangt Was ich meinem Freunde zur Vertheidi⸗ 
gung der Facetten bey den Diamanten entgegen ge: 
> fer habe, würde zu weitläuftig feyn bier. anzufuͤ — 
und ich wuͤnſchte auch die Richtigkeit einiger meiner © 
danken erftlich durch Verſuche zu pruͤfen, * * 
* bbber noch die, Gelegenheit gefehler hats" ET; 








eo 


J 





a "ben Die Edelgefieine. zoꝛ 


Schwere, das andere einerley Härte * ‚geben, ‚und 
doch Fönnten Die Theilchen in der Muſchel eine andere 

fammenfegung haben. Ob ſich gleich die Wirk 
lichfeit einer folhen Einbildung nicht erweifen läßt, 
fü fiehet man doch, daß es nichts unmoͤgliches iſt. 
Herr Baillou bat alfo eine Mafchine gefuche, und 
feinem Berichte nad), in eben der Bollkommenheit 
wie die übrigen gefunden, dadurch er beftimmen kann, 
nach) was für Graden die Theilchen harter und jez 
fpringender Körper aus dem Mineralreiche zufam 
menhängen und in einander gefügt find. 


Die Vortheile, welche: fo forgfältig angeftellte 
Unterſuchungen gewähren, fallen leicht in die Augen. 
Sie fommen niche nur darauf an, daß der Natur—⸗ 
forfcher die Foflilien in feiner Sammlung ordnen 
kann. Herr Baillou erzählet folgende, die der Ger 
ſellſchaft Nusen bringen. Man kann dadurd) die 
DBeichaffenheie ver Meerpflanzen und Mufcheln bes 
ftimmen, die zu Gefchmeide taugen; man kann ʒei⸗ 
gen, daß ſich bey den Berfteinerungen wirflich ein 
verfteinernder Saft befindet. Man fann die Steine, 
* — — die Alabaſter und Marmor, die zur 

bs | Bild⸗ 

“Men man dag Zufammenhängen zwifchen ey Naar 
Theilchen von einerley Art beftimmen will, fo beur⸗ 
theilt man folches nach der Verhaͤltniß ihrer Flächen; 
aber ein Paar Theilchen von einer Art, und ein Paar 
Theilchen von anderer Art, Eönnen mit, einerley Staͤr⸗ 
ke zuſammenhaͤngen, obgleich ihre Beruͤhrungsflachen 
* verſchieden waͤren. Ein Magnet und ein Stuͤck Eiſen, 
Deren Beruͤhrungsflaͤche klein iſt, haͤngen ſtaͤrker zuſaͤm⸗ 
‚men, als ein Paar groͤßere auf. einander gelegte Stein⸗ 
pilatten Hrn. Baillous Ausdruck iſt alſo nur nicht voll⸗ 
fommen richtig, obwohl fein Sag an ſich wahr leibt. 





392 Des Ritters de Baillen Anmerf 


, Bildhauerey dienen, die Erden, oe zu En 

Kuͤnſten gebraucht werden, die Jaſpis, Agate, Kie- 
fel und Eryftalle, die zum Gefchmeide dienlich, wäh. 
Yen, den Grad der Keinigfeitvon den Metallen aus» 
machen, und endlich beurtheilen, wie weit es die Kunſt 
eines Steinfchneiders bringen koͤnne. Hr. Baillou 
Hat bey diefer Bemühung den Gedanfen des donter 
nelle gefolget, daß die Verbindung der Meßfunft mit 
der Maturlehre beyde wechfelsweife angenehm und 
gründlich mache. Wenn man die Farben der Edel: 
gefteine angeben will, fehletes ebenfalls an deutlichen 
und beftimmten Ausdrücfungen, weil diefe Farben 
von fehr unterfchiedenen Graden find : In foldyen 
Fällen Hat ſich Herr Baillou der newtonifchen Optik 
bediener, und vermittelft der einfachen und vermeng« 
ten Sarben, gemiffe beftimmte Graͤnzen erhalten, nad) 
Denen er die Ordnung von den Schattirungen der 
Farben, nach der geometrifhen Maturlehre des Lchts 
ausmachen kann. 
| Man mird leiche- urtbeilen, daß Here Baillou 
bey ſo viel Fleiße der Vergroͤßerungsglaͤſer nicht ver⸗ 
geſſen hat, wie er ſich denn auch des Gonnenmi- 
froffops bedienet, das einen Floh fo groß als ein 
Pferd madıt, und im übrigen bey chumifchen Linters 
fuchungen, die Befchaffenheit der Atmoſphaͤre, der 
auflöfenden Säfte u. f. w. forgfältig beobachtet ‚ und 
endlich aud) das Sonnenfeuer angewandt,die Geheime 
niſſe des Foſſilienreichs zu entdecken. 

Dieſe vorlaͤufige Nachricht wird unſtreitig eine 
‚Begierde nach zweyen Werken erwecken, die er ver⸗ 
ſpricht. Das erſte iſt ein Tractat von Edelgeſteinen, 
und das andere eine Beſchreibung von feinem Cabi⸗ 
Era | f we 


Aber die Edelgefleine, 393 


net. Diefe foll aus fieben Bänden in groß Folio und et⸗ 
wa 600 Kupferplatten beftehen. Es würde vielleicht 
unnuͤtz feyn,die Einrichtung deflelben, von der er der Ge⸗ 
fellfchaft ebenfalls Nachricht giebt, zu befchreiben. Man 
wird fich aus dem angeführten vorftellen, daß er auch 
bey folhen Sachen, die [yon fehr von andern find un« 
terfucht worden, noch was neues und merfwürdiges. 
liefern kann. Mur eine Probe zu geben, fo erkläret er 
etwas für einen Serthum, das 180 von den Narurfor« 
fchern für eineneue Entdeckung ausgegeben wird, naͤm⸗ 
lich, daß die fogenannten Korallengewächfe, Gebäude 
und Wohnungen von Inſecten wären Da er feine 
Spur von einem einzigen folchen Inſect gefunden hat, 
Fann er fich nicht bereden, daß es ganze Haufen von ih⸗ 
nen in einem folchen Gewächfe gegeben habe, Er hatte. 
alle mögliche Unterfuchungen mit denKorallen im Mee⸗ 
ve und aufler dem Meere angeftellet, und alle Sorgfalt 
gebraucht, die angeblichen Aerme diefer Juſecten, die 
Marfigli follfür Blumen angefehen haben, zu entdecken, 
aber nichts fehen fönnen, u. er Halt felbft diefe Blumen 
für einen Nugenbetrug*. Er erfennetdie Korallen für 
Meerpflanzen. Hr.Reamur halt fie für eine Art von 
den Pflanzen, die aufandern Körpern wachfen, fo daß 
dieſe Pflanze einzig nur das ift, mas man eigent- 
Ä lich die Rinde der Koralle nennet. 
A. ©. Röftner. 
“Man fehe des Hn. Juſſien Examen de quelgties’/pro- 
ductions marines etc. im 1742 $ahre der Schriften der 
parifer Akademie der Wiffenfchaften. Herr Klein bat 
‚in den Abhandlungen der danziger naturforfchenden. 
Gefellfchaft ebenfalls dem Hn. Juſſieu nicht Beyfallges 
ben wollen. S. die zuverl. Nachr. 109 Ih. 47 ©. 


* * 
V. Jo⸗ 


394 Friſchens Vorſtellung der Vögel 

an. 

| V. RE 4 nee 
en Broribard Friſchens 


Vorſtellung der hen 
in Deutfhland, 


und beyläufig auch einiger fremden, mit. 
ihren natürlichen Sarben ı Kun 


Diefer find? 
kurze Befchreibungen 


der abgebildeten Bogel 
beygefügen. 

d — * err Friſch, ein um die ganze Gelehrſamkeit, 
d: a befonders um die Maturgefchichte, unſterb⸗ 
2: ‚lich verdienter Mann, welcher bereits vor: 
einigen. Jahren zwar alt, doc) der gelehrten Welt 
noch. zu früh, -geftorben , hatte fid) ‚durch. feine in. ız - 
Theilen herausgefommene Inſectenbeſchreibungen 
einen großen Dank bey den Naturforſchern und al⸗ 
len Lebhabern der Natur verdienet, als er nach feinem 
Tode itzt angezeigte Befehreibungen deutſcher Vögel, 
nebft einem anfehnlichen Bogelcabinet, hinterließ. Er 
empfahl noch auf ſeinem Todbette ſeinem in Berlin 
lebenden Sohne, Herrn Ferdinand Helfreich 
Friſch, welcher ein Kupferſtecher iſt, die Heraus⸗ 
gebung dieſer Beſchreibungen, nebſt den dazu er⸗ 
forderlichen Abzeichnungen der Vögel, ——— 
Bi bat auch bisher den Willen L nes Dar 

ters 





en Deutfehlande ) 395 


ters treulich erfüllee, und wird ihn noch ferner erfül- 
len, bis er diefes wichtige Werk wird zu Stande ge— 
bracht haben. Was der gefchickte Her Röfef in 
Muͤrnberg, durch feine fchönen Abzeichnungen der 
Inſecten leifter, das leiſtet dieſer durch feine wohlge⸗ 
troffenen Abzeichnungen der Vögel, und hat fich be; 
reits ben Befall der Kenner erworben, Das ge: 
dachte Bogelcabinet bat itzo einen würdigen Beſitzer 
‚an dem Heren Baron von Deinezobre, welcher 
es mit Sorgfalt erhaͤlt, vermehret, und dem Herrn 
Friſch zum Gebrauche offen ftehen läßt, Diefer zeich- 
net und ftiche die Vögel mic befonderm Fleiße, und 
feine geſchickte Ehegattinn illuminiret diefelben, 
In der Vorrede beklaget Herr Friſch gleich‘ An⸗ 
fangs einen vierfachen Mangel in den bisherigen Bes 
fhreibungen der Bögel; nämlich, daß es 1) an einer 
zulänglichen Eintheilung der Vögel in ihre eigentli— 
che Gefchlechte und Arten, 2) an der Feftfegung eis 
nes gewillen Namens, den jeder Vogel künftig im 
Hochdeutſchen behalten Fann, 3) an einer der Natur 
gleidyenden Abbildung eines jeden Vogels, und 
4) an einer forgfältigen Nachahmung ihrer Farben, 
fehle. | | 

Rieſe Mängel find wichtig, und wir unterftes 
ben uns, zu behaupten, daß den beyden letztern durch 
die Geſchicklichkeit und den Fleiß des jüngern Herrn 
Friſch in dieſem Werke abgehoffen iſt. Albinus 
hat bey den wenigen Voͤgeln, die er abgebildet, oft 
mit den Farben geſpielet, und dadurch die Natur ver⸗ 
laſſen; welches wir von des Herrn Friſchs Abbildu⸗ 
gen nicht ſagen koͤnnen. Was den zweyten Mangel 
anlanget, fo it freylich noch gar nichts richtiges von 
* den 


396 Friſchens Vorſtellung der Voͤgel 


den Namen der Voͤgel im Deutſchen feſtgeſetet ‚in 
dem fie faft fo vielerley Namen haben, als Länder, 
Jaͤger und Bogelfteller in Deutfchland find, Doch 
geſchickte und beftändige Namen ergeben fich leicht, 
wenn dem erften Mangel abgeholfen ift, nämlich, 
wenn man eine gegründete fuftematifche Eintheilung 
der Voͤgel vor fich bat, Willougbby und Linnaͤus 
haben bisher hierinnendas befte geleifter. Weil aber 
des erftern Buch in Deurfchland wenigen befannt ift, 
der leßtere aber auch in feinem Naturſyſtema zuweilen 
die Menſchlichkeit verraͤth, fo wollen wir unfere ei- 
‚gene Gedanken über die Eintheilung der Bögel mie 
theilen. Man wird alsdenn auch deſto beffer im 
‚Stande feyn, von des Heren Friſchs Eintheilung 
ber Bögel zu urtheilen, welche wir alsdenn, nebft ei- 
ner fernern Nachricht von diefem Werke, Bepbeingen 
wollen. 
Der gefammte Umfang der natürlichen Körper 
auf unferer Erde wird mit Recht in das animaliſche, 
vegetabilifche und mineralifche Reich eingetheilet. Je⸗ 
des von diefen drey Reichen enthält fo viel und man⸗ 
cherley Körper, daß fie, nach gewiſſen Kennzeichen, 
in befondere Elaffen eingetheilet werden müffen. So 
Bat z. E. Linnaͤus das Thierreich in 6 Claſſen, naͤm⸗ 
lich in vierfuͤßige Thiere, Voͤgel, Fiſche, Amphibien, 
Inſecten und Wuͤrmer eingetheilet. Nun enthaͤlt 
jede Claſſe wieder Körper, welche durch gewiſſe Kenn⸗ 
zeichen zu unterſcheiden ſind. Man muß jede 
Claſſe wieder in gewiſſe Ordnungen eintheilen. Aber 
auch in den Ordnungen herrſchet gemeiniglich noch eine 
große Mannichfaltigkeit welche die Eintheilung der 
Körper in einer jeden Ordnung in Geſchlechter — 
achet. 


fachet. Der Unterfchied endlich, welcher fich noch in 
den Öefchlechtern zeiget, giebt den Grund zu den vers 
ſchiedenen Arten an. die Hand, Sind in.den Arten 
noch) viele und mannicyfaltige Körper enthalten, fo 
muß man noch fo viel untergeordnete Arten machen, 
als nöthig ift. Bey den Inſecten z. E. iſt diefe Uns 
terordnung der Arten unvermeidlich.  Syft aber ineis 
ner Claſſe nicht. fo eine große Vielheit und Mannich« 
faltigfeit der Körper, fo muß eine oder die andere 
Einfheilung weggelaflen werden, wie z. E. Linnäus 
bey der fehr ſchwachen Elaffe der Amphibien gethan 


at, R 
r ‚Die Elaffen, Drönungen, Geſchlechter und Arten 
wohl zu unterfcheiden, muͤſſen gewiffe untrügliche 
Kennzeichen feftgefeget werden... Und zwar müffen die 
Kennzeichen der Drdnungen an andern Theilen der 
Körper , als die Kennzeichen der Claſſen, Die Kenn;eis 
hen der Gefihlechter an andern , als die Kennzeichen 
der Ordnungen, und die Kennzeichen der Arten an 
andern Theilen oder. Eigenfchaften, als die Kennzei« 
chen der Öefchlechter, genommen werden, wenn nicht 
eine entfegliche Berwirrung der Elaffen, Drdnungen, 
Gefchlechter und Arten entftehen fol. So hat z. €. 
Linnaͤus das Kennzeichen der Claſſen der Pflanzen an 
der Anzahl der Fafern (ftamina) in den Blumen ges 
nommen; wiewohl er (mit was fiir Nechte, das wife 
fen wir nicht) hinten etliche Claſſen angehängt hat, 
welche zu dem Hauptgrunde feiner Claſſeneintheilung 
nicht gehören. , Die Kennzeichen der Drönungen der 
Pflanzen hat er nicht auch von den Fafern, ſondern 
von der Anzahl der Stenipel (piltilla) hergenommen. 
Zum Grunde der Eintheilung der Ordnungen in Ge« 
— ſchlech · 


— 


—* eh 
398 Friſchens Borfiellung der Vögel 
ſchlechter lege er, als Kerinzeichen ‚die f änmelichen 
übrigen Theile der Blumen. Endlich id eine Kenn⸗ 
chen der Arten alle Theile und Eigenſchaften der 
tanzen, welche einen merflichen und beftändigen 
Unterſchied der Gefchlechter abgeben, z. E. die Figur 
und Größe der Blätter, der Wurzel, der Stengel, 
die Farben u. ſ. w. Ss muß man mit allen Einthei- 
füngen natürlicher Körper verfahren, Go mürde 
man zum Erempel die Mineralien nicht eintheilen, 
fondern vermengen, wenn man füwohl die Kennei- 
chen der Drdnungen, als der Geſchlechter von ihrer. 
Haͤrte oder von ihrer, Feuerbeſtaͤndigkeit, oder Teich» 
tern Auflöfung i im euer hernehmen: wollte. Man 
muß allemal wiffen, worauf man bey einem Körper 
fehen muß, wenn man fagen ſoll, zu was fuͤr einer 
Claſſe, worauf man ſehen muß, zu was für einer 
Srdnung u. f. 1. er gehöret ; außer dem wird man 
fich lauter hoͤchſtdunkle und verwirrte Begriffe von den 
Körpern machen, unö fie niemals, als von ungefähr, 
bey ihrem rechten Namen nennen koͤnnen. 





Wir wollen nun unſere Betrachtung auf die Br 
gel lenken. Die Vögel machen Fein befonderes Nas» _ 
furreich aus, fondern fie find eine Claſſe in dem Thier« 
reiche. Fofglich müffen fie in Ordnungen, Geſchlech⸗ 
fer und Arten eingerheilet werden ; und diefe Dreyfas 
he Eintheilung ift bey den Vögeln hinlänglich. So 
bald man einen Vogel ſieht, wie er in der Natur iſt, 
er ſey lebendig oder todt und ausgeſtopft, ſo muß man, 
wenn man eine gegruͤndete Eintheilung der Vögel im 
Kopfe hat, wiſſem, zu welcher Ordnung, zu welchem 
Geſchlechte und zu welcher Art er gehoͤret. Alſo 

muß 


in Deukfehland. " 309 


muß man an den Bögeln , wie an allen natürlichen 
Körpern, nichts zu einem Kennzeichen machen, mas 
man nicht an ihm fehen kann, unter was für Um« 
ftanden man ihn auch fiehet, wenn man ihn nur fo 
fieher, wie er in der Natur ift. Alfo geben i die Eis 
genfchaften der Vögel, welche man nicht ſtets an 
ihnen bemerket, z. E. ihr Aufenthalt, ihr Fraß, ihre 
Art zu freſſen, ihr Flug, ihr Gefang, ihr Niſten 
und dergleichen, keine guten K ennzeichen ab. Denn 
wenn man einen Vogel im Zimmer vor ſich bat, ‚fo 
kann man es ihm nicht, wenigftens nicht ohne Schlüffe 
zu madyen, anfehen, ob er im Walde, auf dem Felde, 
oder auf dem Waſſer lebet? ob er Koͤrner oder Wuͤr⸗ 
mer frißt? wie er ſingt? wie er fliegt? wie er frißt? 
u. ſ. w. Ihre Kennzeichen muͤſſen alſo auswen— 
dig auf ihre Koͤrper gleichſam geſchrieben ſeyn, ſo 
wie die Handwerksleute und Kraͤmer ihre Schilder 
vor bie Haͤuſer bangen. Was macht man aber an 
ihnen am füglichiten zu den Kennzeichen ihrer- Ord⸗ 
nungen, efchlechter und Arten ? Da ber Arten 
mehr find, als der Gefchlechter, und der Geſchlech⸗ 
ter mehr, als der Ordnungen, ſo muß man an den⸗ 
jenigen Theilen ihrer Körper, an welchen ‚man die 
größte Mannigfaltigfeir verfpüret, die aber doch be» 
ftändig find, die Kennzeichen der Arten feitfegen, 
Diejenigen Theile, welche weniger Weränderliches 
zeigen, muͤſſen die Kennzeichen der Geſchlechter und 
die am wenigſten mannichfaltig find, Die Kennzeichen 
der Drdnungen hergeben. Das Kennzeichen der 
Voͤgel überhaupt ift der hornige Fortfag ihres Dune 
* der Schnabel. 


Band. Ce Die 





400 Friſchens Vorftell 


I 
« 





lung der Vögel 
Die Büßen, und Ryalen bp ABäget Fin wohl in 


* 


die Augen fallende aͤußerliche Theile eines jeden Bo, 
gels, welche über zehn» bis zwölferley merfliche Ver- 
fhiedenheiten nicht haben. Manche haben vier Zaͤ— 
ben, manche drey; bey manchen ftehen ihrer, drey 
vorn, und eine hinten heraus; bey manchen Ieben 
ihrer zwey vor» und zwey binterwärts, wie bey 
den Spechten. Manche haben ‚lange Zaͤhen und 
Krallen, manche Furze, manche krumme Krallen, 
manche gerade. Bey manchen find, die Zaͤhen Durch 
eine Membran verbunden, wie bey den Gaͤnſen, Enten 
und allen Waffervögeln. Diefe Berfchiedenheiten 
der Zahen und Krallen in Anſehung der Größe, Pro: 
portion, Figur, Anzahl und übrigen Befchaffenheit 
geben, unferm Beduͤnken nach, zu einer guten Einthei- 
lung der Bögel in ihre Drdnungen, Öelegenheit; weil 
diefe Verfchiedenheiten deutlich, beftändig, und der- 
felben nicht zu viel und nicht zu wenig find. 
Noch mehr Berfchiedenheit in Anfehung der Größe, 
Proportion, Figur, u. f. m. zeigen die Schnäbel 
der Vögel, welche gleichfalls beftändige und gleich 
in die Augen fallende Theile der Bögel find. Man: 
he Schnäbel find lang, wie bey den Schnepfen, 
manche kurz, wie bey den Finken, mandye dünne, 
wie bey den Canarienvögeln, manche dick, wie bey 
den Gimpeln, manche fpigig, wie bey den Amfeln, 
manche Feilförmig, wie bey den. Baumhackern 
manche gerade, wie bey den Krähen , manche krumm, 
wie bey den Adlern, manche unter ſich gebeugt, wie 
ebenfalls bey den Adlern, manche über ſich gebeugt, 
wie bey einer feltenen Art Waffervogel, manche breir, 
wie bey den Gänfen, bey manchen reicht der a 
| | Theil 


Zheilı meit über den —— — ide en 
bey mandjen nicht weit, wie bey. en Aclftern, bey 
einigen ift einer fo lang als der andere, wie bey dert 
Droffeln, einige find um die Nrafenlöcher und Anen 
fchuppicht, einige fleifchiche, einige hart, .e * nige | 
haaricht, einige federicht, u. f. w. So große Man 
nichfaltigfeit an den Schnäbeln kann Gelegenheit 
genug geben, die Drönungen der Voͤgel in ihre Ges - 
fehlechter einzutheilen. Sie wuͤrde zureichend ſeyn, 
wenn ſie auch nicht ſo groß waͤre weil einerley Kenne 
zeichen des Geſchlechtes bey vielen, ja bey allen Did. 
nungen, vorfommen kann, 

Da der Arten vielerley find, ſo muß man alles 
übrige, was äußerlich an den Vögeln zu fehen und 
nicht zufällig. iſt, zu den Kennzeichen derfelben ge⸗ 
brauchen, z. E. alles dasjenige, was nicht an den’ 
Schnäbeln, Zaͤhen und Krallen zu bemerken ift, und 
doch fonft deutlich in die Augen fälle, z. E. der 
Kopf, die Augen und der Schwanz. Ich unters 
ftehe mich faft nicht, PR die Farben mit dazu zu nee 
men, weil fie bey einigen Böneln, als bey den Gän 
fen, ‚Enten, Hühnern und andern mehr allzu zufaͤl⸗ 
lig und unbeftändig find. Doch da der Arten allzu 
vielerley find, die Sarben bey den meiften Voͤgeln 
auch fehr deutliche und beftändige Kennzeichen der. 
Arten darbierhen , fo trage ich Eein Bedenfen, fie hier. 
mit in- Betrachtung zu sieben, - So gehören z. E. 
der fo genannte Duäfer und der Stieglitz wegen ihrer 
Schnaͤbel, zu einerley Geſchlecht, nämlich zum Ger 
f&hlechte der. Finfen: nichts aber- kann ihre Arten 
beſſer unterfcheiden, als. ihre Farben, welche ſehr 
Deutlich unterjchieden Eng find, Muß man 

c 2 do 





| 402 Srifcheng Borftellung der Voͤgel 


doch i im Pflanzenreiche die Farben der Blumen auch 
zum Unterſchiede der Arten der Pflanzen gebrauchen. 
Gleichwie aber die zufälligen und unbeftändigen 
Sarben der Blumen nur Varietäten der Pflanzen. 
arten find, fo find auch Die zufälligen und unbeftän« 
digen Farben einiger Arten Vögel, welche, wie bey 
den Pflanzen, aus von der Natur abweichender 
Pflege und Nahrung entftehen, nur Varietaͤten, 
und nicht Arten. Dieſe ſind, wie auch die Baſtar⸗ 
de, eigenelich Fünftlihe, und nicht natürliche, Koͤr⸗ 
per. Unſer Vorhaben ift aber, *— und nicht 
jene, einzutheilen. | 


Zu Ausdruͤckung ber Ordnungen ———— man 
ſich, wie bey andern natürlichen Körpern gewöhnlich 
ift, am bequemften der Kennzeichen ſelbſt. Den 
Gefchlechtern muß man befondere Namen geben, 
- als: Finfen, Spechte, Enten, Hühner u. f. w. 
Die Arten drücet man aus, wenn man, wie bey 
den Pflanzen, Das, was eine Art von allen antern, 
Arten eines Gefchlechtes unterſcheidet, zum Ge | 
fehlechtsnamen hinzu feßet, _ 

Wir fehreiten nun zum Vortrage der Seifhifehen 
Eintheilung der Vögel, Wir werden fie anzeigen, 
wie fie ift, ohne fie gegen unfere Gedanken zu halten, 
weil einem jeden Teiche ift, dieſes felbft zu thum. 
Herr Friſch theilet alle Vögel in zwölf Claſſen ein, 
Wir fagen, alle Bögel. Denn ob er gleic) in dieſem 
Werke eigentlich nur die deutfchen Bögel beſchreibt fo 
bat er doch bey den meiften Claſſen hinten einen oder 
den andern ausländifchen Bogel angehängt, und da 
e zu zeigen fic) Be ‚ daß unter bieſe zwoͤlf 

Claſſen 


BR a e. 
2... 10 Deutfehlend. 403 


Claſſen auch alle ausländifche Vögel gebracht wer: 
den koͤnnen. Die Elaflen find aber folgende: 
“ ok Kleine Vögel mit Furzen und dicken Schnäbeln, 
Hanfkoͤrner aufzufpalten. 
I. Kleine Bögel mit dünnen Schnäbeln, fo Flie⸗ 
gen und Würmer freffen. N 
UI. Die Arten der Droffeln und. Amſeln. 
IV. Spechte und Baumhacker. 
V. Heher und Aelften. 
VI. Raben, Krähen und Dohlen, 
VIE Stoß» und Naubvögel bey Tage, 
VIII Eulen ‚und Nachtvoͤgel. 
‚IX. Wilde und zahme Hühner, 
X. Wilde und zahme Tauben. 
X. Wilde und zahme Gänfe und Enten, und 
7 andere Schwimmvögel. 
XII. Die Vögel, fo gern am Waſſer oder bey 
hi waͤſſerigen Dertern find. i | 
Die erfte Claſſe hat drey Abrheilungen. In der 
erſten find achterley Finfen, in der. zwepten die 
Arten der Ammern und Sperlinge, in der dritten 
die Hänflinge und übrigen Vögel, die mit ihren et» 
was diefern Schnäbeln Hanfkörner auffpalten Fönnen. 
Bon diefen Abtheilungen bat der. Herr Berfafler 
feine Kennzeichen hinzu gefeget, Es find aber die 
achterley Finfen in der erften Abteilung folgende: 
ı) Der Buchfinbe, lateiniſch Fringilla, franzoͤſiſch 
Piucon,. böhmifch Penfewa. Diefes.äft der eigent⸗ 
lic) fogenannte befannte Finke, 2) Der Diftelfin- 
£e, lat. Carduelis, franz. Chardonneret; fonft der 
Stieglig genannt, \3) Der Blutfinke, welcher ins⸗ 
gemein Gimpel oder Dompfaffe genenner wird. 
d &c3z 4) Der 





| 364 Seifchen® Vorſtellum der Bögel 


a) Det Bergfinke; ſonſt auch Ouaker Geglet, Nie 
cawitz, Zehrling. 5) Der Gruͤnfinke, ing: 

der Gruͤnling, —2 Schwuniz, 

ſchel, oder Grünhänfling. 6) Der Graufinke. 

Der Kirfchfinte, 8) Der indianifche EL 
In der zweyten Abtheilung find neunerley Vögel. 

1) Der Goldammer, fat. Galbula, engliſch yellow 
Haınmer. Gonft hat er im Deutſchen auch die 
Namen Aemmerling, Hämmerling und Grinzling, 
und im Lateiniſch. Palſer eroceus und Miliaria. 2) 
Der Fettammer oder Hortulan. 3) Der Schnee 
ammer oder Gchneevogel. 4) Dir graue Ammer, 
5) Der weißfleckichte Mmmer. 6) Der Rohram. 
mer, Rohrſperling, oder Mochämmerling. 7) 
Der Hausfperling. 8) Der Baumfperling. 9) 
Der indianifche Bartiperling. In der dritten Abs 
theilung find ſiebenerley Atten. r) Der Bluthaͤnf · 
ling, lat. Linaria, franz. Linotte, und ſonſt im 
Deutfchen auch Limfinte Stachsfinke ‘oder Roth: 
— genennet. 2) Der Grauhaͤnfling oder 

rauthaͤnfling. 3) Der gelbkaͤhlichte Haͤnfling, oder 
Quitter. 4) Ser Fleine rothplaͤttige Haͤnfling, ſonſt 
auch im Deutſchen Zitſcherlein, Meer jeiſichen, oder 
Ziferenigen genannt. 5) Der grüne Hänfling, oder 
das eigentliche Zeifichen, boͤhmiſch Tſchiſcheck. 6) 
Der Kreuzfchnabel, Kreuzvogel, Krummfehnabel, | 
ober Grünis. 7) Der Eanatiendogel. ' 
"Die sidehte Claſſe hat fuͤnf Abtheilungen. Die 
erſte begreift diejenigen kleinen Voͤgel mit duͤnnen 
Schnaͤbein, welche zwar auch Hanf freffen, ihn aber 
nicht in der Mitte auffpalten, fondern das Hanfforn 
zwiſchen die Klauen faſſen, und es mit dem . 
el 





An Deutſchland. 405 


bel Mfhacken welcher ſtaͤrker und gärte ift, als ana 
derer Vögel mir dünnen Schnäbeln. —* in dieſe 
J gehoͤrige Voͤgel nennet der Hr Verfaſſer 
Maiſen. In der zweyten Abtheilung find diejente 
gen Fleinen Vögel mic dünnen Schnäbeln enthalten, 
welche eine lange und an einigen Arten mehr, alsan deh 
andern gerade hinaus ffehende Klaue an der Hinter⸗ 
zaͤhe haben; und dieſe ſind die Lerchen. In der 
dritten Abtheilung ſind viererley Schwalben, von 
welchen kein Character angegeben iſt. Die vierte 
Abtheilung enthält die rothgezeichneten kleinen Flie⸗ 
gen⸗ und Gewuͤrmvoͤgel, und es find derfelben ſech⸗ 
ferley. In der fünften Abtheilung find die Nach: 
tigall mit zehnerfey Grasmuͤcken, zweyerley Bach⸗ 
felgen und dreyerley der Fleinften Voͤgel. Diefe 
Abtheitung hat auch Fein allgemeines Kennzeichen. 
Wir wollen nunmehr die Voͤgel einer jeden diefer fünf 
al benennen. In der erften find die fech: 
ferley Maifen folgende: 1) Die große Kohlmaiſe 
franzoͤſ. Charbonniere, ſonſt auch im Deutſchen die 
Finkmaiſe genannt. 2) Die kleine Kohlmaiſe, auch 
Tannenmaiſe, oder Waldmaiſe. 3) Die Blaus 
4) Die Nonnmaiſe, franz. Nonnette, ſonſt 
uch im Deutfchen Mönchmaife, Afchmaife, Mehl⸗ 
36 Pimpelmaife und Oartenmaife. 5) Die 
pfmaife, oder Haubenmaiſe, Häubelmaife, Kos 
belmaife, Straußmaife. 6) Die tangfehränzige 
Maife, oder Schtvanzmaife, Zagelmaife, Zogel⸗ 
maife, Männenftiel, Moprmaife, Rietmaife, Berge 
9— Schneemaiſe. Die Lerchen in der ʒweyte 
— find folgende: 1) Die Feldlerche. 3 
Si e ‚Keydelerche, Baumlerche, oder Kolzlerche, 3) 
| 4 Die 







‚406 Srifcheng Vorſtellung der Voͤgel 

Die Gereutlerche „Kreutvogel, oder Krautvogel. 
4) Die Wieſenlerche. 5) Die Piplerche, ‚6) Die 
Schneelerche. Hierzu hat Herr. Friſch noch eine 
weiße Serche gethan, welche er ‚für eine ausländifche, 
und zwar für eine nordifche, hält, - Die Schwalben 
in der. dritten. Abtheilung find folgende: D Die 
große fhwarzbraune Schwalbe, welche einige, von 
ihrem gewöhnlichiten ‚Aufenthalte, die Kirchſchwalbe 
nennen; griechiſch &mevs, latein. gleichfalls apus. 
2), Die innere Hausſchwalbe. Hierbey gedenket 
Hr. Friſch einer. weißen Schwalbe diefer Art, welche 
in Berlin gefchoflen worden. 3) Die äußere Haus» 
ſchwalbe, Spierſchwalbe, oder Spirkſchwalbe. 4) 
Die Uferſchwalbe. Folgende Voͤgel enthaͤlt die 
vierte Abtheilung: 1) Das Rothkaͤhlchen, griech), 
eclhaxoc. Einige nennen es Rothbart. 2) Das 
Schwarzkaͤhlchen, aud) Gartenrörhling und, Stabt- 
röthling genannt, 3) Das Blaukaͤhlchen. 4. 5. 
6) Dreyerley Rothſchwaͤnze. In der fünften Ab- 
theilung endlich findet man folgende Bögel: ı) Die 
Nachtigall, griech. andy, lat. Infeinia. 2) Die 
fahle Grasmuͤcke. 3). Die braune Grasmuͤcke oder _ 
Mohrvoͤgelchen. 4. 5) Zweyerley größere Gras⸗ 






muͤcken. 6) Zweyerleh Sliegenfchnäpper. 7. 8)» 
Zweyerley Mönche, auch. Maifenmönche genannt. 
9. 10) Zweyerley Bachftelzen, niederdeutſch Wad- 
ſterte. 11) Der Weydenzeiſig. 12) Die ſchwarz⸗ 
ruͤckige Grasmuͤcke. 13) Der Schneefönig, ober 
interzaunfönig,, Taf. Trochilus, ſonſt deutſch auc 
Zaunſchlupfer. 14) Der, Sommer aunkonig, Be 
Regulus. 15) Der americanifche Colibrit, ‚welcher 
e — unter allen biehen bekannten Bögen, — 
und, 





und, wie die Schmetterlinge, mit feinem Fleinen fpigi. 
gen Schnabel den Saft und Thau aus den Blumen 
und: von den Blättern ſauget, aueh mit feinen Fluͤ— 
geln im Fluge einen Laut giebt, wie die Horniffen, 
Käfer u. d. gl.; Daher er auch von einigen der 
Brummvogel genennet wird. "Er hat übrigens an 
Schönheit nicht feines gleichen. Er wird in America 
haufenweife mit Waſſer oder Sand geichoffen. 

Die dritte Elaffe hat zwo Abtheilungen, In der 
erften find die Droſſeln; und in der zweyten die 
Amfeln. Von feiner hat Hr. Fr. das Kennzeichen 
angegeben. In der erften Abtheilung koͤmmt vor: 
1) Die Miftelöroffel oder Schnarre, Tat. turdus, 
fran;. tourd, oileau de meurre, la grofle grive, 
calendre. 2) Die Wacholderdroſſel, oder der Zie: 
mer, griechiſch reuxzs, lat. pilaris. 3) Die Weiß- 
droſſel, lat. turdas muficus; deutſch wird fie fonft 
auch Singdroffel, Zippdroffel, und Zippe genenner, 
4) Die Rothdroſſel oder Weindroffel, franz. mauvis, 
italieniſch malvizo.. In verfchiedenen beuffchen 
Provinzen wird fie auch Winfel und Halbvogel ge 
nennef, Die zweyte Abtheilung enthält folgende 
Vögel: 1) Die ſchwarze Amfel, lat. merula, 
— franz. le merle. 2) Die Ringamſel, oder 
Schilddroſſel. Einige nennen fie Waldamfel, Berg« 
amſel, Gebirgamfel, 3) Die Byrole oder gelbe 
Droffel, lat. Turdus luteus, -Oriolus, Chlorio, 
franz. Loriot, Orimerle, Compere Loriot. Die: 
fer fehr fchöne gelbe Vogel hat, wegen. feines Gefan- 
ges, welcher fich allemal in zo endiget , im Deurfchen, 
da er auch Pfingft- und Kirfchvogel genennet wird, 
folgende wunderliche Namen erhalten, als: Byrolt 
* Cc5 — 


408 Friſchens Vorſtellung der Voͤgel 

Bierholer, Bierolf, Wiedewol, Bruder Hultrof, 
der Schulze von Milo, Hugelfyos, Wyrock oder 
Weihrauch. 4) Der Seidenſchwanz, oder die boͤh⸗ 
mifche oder Haubendroffel, lat. Turdus criſtatus 
Graculus 1. garrulus Bohemicus, franz. la’ grive 
Bohemienne. Syn Bayern wird er Böheimle, und 
in der Schweiz Böhmer genennet. 5) Die blau- 
koͤpfige rothe Amfel, Iatein. merula rubra cyaneo 
capite, franz. le merle rouge & tete blEue, Gie 
wird auch der große Rothwuͤſtlich, oder das große 

Rothkaͤhlchen oder Rothſchwaͤnzchen, genennet. 

In der vierten Claſſe Bat Hr. Fr. feine Abthei⸗ 
lungen gemacht. Er har die Spechte, Spechtarten, 
den Kuckuck und die Papagoyen darein gebracht. Es 
koͤmmt alfo vor: 1) Der Schwarsfpecht, lat. picus 
niger, franz. pic noir. Er wird auch von einigen 
die Hohlfrähe genenner. 2) Der Grünfpecht, lat. 
picus viridis, franzöf. pic verd. Die anatomirte 
Zunge diefes Spechts ift in Kupfer. beygefüger, fo 
wie fie im Fahre 1709 in den pariſ. Memoires mit- 
getheilet ift. 3) Der Buntfpecht, Tat. picus difco- 
lor, franz. cul rouge. 4) Der Fleinere Buntfpecht, 
lat, picus guttatus, ]. albis et nigris puhdtis nota- 
tus, „franz. pie grivelle. 5) Der Wendehals, lat. 
iynx, franz. terco, turcot. Er hat auch im Deur- 
fchen die Namen Windhals, Drehhals, Materwin-, 
del, oder vielmehr Nackenwindel befommen. Zum. ‚ 
Kennzeichen der Spechte feßet Hr. 3. die zwo hinten, _ 
hinaus, und die zwo vorn heraus ftehenden Klauen. 
Doch finder fich diefes nur an den itzt⸗ emeldeten fünf’ 
Spedten. 6) Der Blaufpeche ' lat. picus einere.. 
us, franz. grumperau bleuätre.” "Diefer Vogel wird 
—* 1:33 fonft 





in Dentfehland, 409 


fonft zu den Baumhackern gezaͤhlet. Dieſem ſind der 
Grauſpecht, lat. certhius maior, fr. grimperau grifatre, 
und der fleinere Graufpecht, oder der Fleinfte Baum» 
hacker , cefthius minor, franz. leplus petit grimperau, 
beygefüget. 7) Der Kuckuck, lat. enculus, franz. cou⸗ 
cou. 8) Der Wiedehopf, Tat. upupa, franz, huppe, 
Endlich find die Papagoyen überhaupt angeführet, 

In der fünften Elaffe finden wir auch Feine Ab: 
eheilungen. Es find aber folgende Vögel darinnen 
enthalten: 1) Der Nuß · oder Eichenheher, Holz: 
heher, Hölzfchreyer, Herrehuſch, Eichelhabicht, lat. 
pica glandaria, |. garrulus, graculus, franz. geay. 
2) Der Tannenheher, türfifche Holzſcheher, italie- 
niſche oder africaniſche Holzſchreher oder Holzheher, 
lat. pica abietum nigra punctata, |. guttata, franz, 
pie Srivellee. 3) Der Birfheber, oder blaue Ra⸗ 
cke, Tat. garrulus eoeruleus,'l. pica coerulea, franz. 
pie "blene, geay bleu. Mandelkrähe ift fonft ein be- 
Fannter Name diefes ſchoͤnen Vogels. 4) Die Ael⸗ 
ſter, Aglafter , fat. piea varia caudata, franz, pie. 
5) Die Bergälfter, oder der größere Neuntödter, 
Würgengel, Wargengel, Duargringel, lat, pica ci- 
nerea, J. lanius maior, franz. pie grifätre. 6) Der 
mittlere Neuntödter, fat. pica medise magnitudinis, 
länius'medius,, 1. — *—— franz. pie de medioere 
groffeur, ou le fecond d’efpece. 7) Der Fleinere 
Neuntoͤdter, oder Großhacker, Dorndreher, Dorn⸗ 
treter, Dornreich, lat. pica minima, J. lanius minor, 
J. tertius, frang. la plus petite pie, ou —— 
efpece. 8) Der Eleine americanifche Neuntödter, 
lat. pica ’americana eriftata‘, franz. * * DS 
te vengl. Kings birth! < 

n 


— 


410 Friſchens Borftellur g der Vögel 


In der ſechſten Claſſe ſind, auch ohne Abtheilung, 
folgende Vögel enthalten: 1) Der Rabe, Rapp, 
Kolifrabe, Kolkrabe, Kohlrabe, kohliche Rabe, lat. 
corvus: maior, franz. corbeau. 2) Die fhmwarze 
Kraͤhe, lat, cornix nigra, l. corvus minor, franz. 
petit corbeau. 3) Die graue oder Nebelfrähe, la. 
cornix, |. corvus cinereus, franz, ‚corneille. 4) 
Die bunte oder ſcheckige Kraͤhe, auch Waſſerkraͤhe, 
lat. cornix varia, franz. petit corbeau: tachete blanc. 
5) Die graue Dopte, Klas, Table, Tahlecke, Tah⸗ 
lick, griechiſch xorı5 5 lat. — «“ cinerea, chon- 
cas, franzöf, graille, grole, montellee: 6) Die 
fhwarze Dohle ‚ griechifch megweroyes , lat, mo- 
nedula nigra, fpermologus, frugilega, frang. grage⸗ 
freux, grolee, 

& weit ift dieſes Werk bis itzo Herans ; unb es 
enthalten dieſe ſechs Claſſen acht und ſechzig Platten. 
Die Platten zur ſiebenten Claſſe, in welcher 24ziger⸗ 
ley Raubvögel vorkommen, find. zwar auch bereits 
alle geftochen und illuminirec: die dazu gehörigen Bes 
fhreibungen aber find noch.nicht gedruckt. - Es find in. 
allem g2 Platten fertig, und 156 Vögel geftochen und 
illuminiret. Ueberhaupt wird fich Die Anzahl der Plat⸗ 
fen auf 203, und die Anzahl der darauf vorgeftellten 
Voͤgel über deittehalb hundert erſtrecken. Wenn die 12 
Claſſen durch find, wird Hr. Friſch das. Werk ſchließen, 
hernach aber noch ein Supplement hinzu thun, i in wel⸗ 
chem die zuruͤckgebliebenen deutſchen und einige auslaͤn⸗ 
diſche Voͤgel vorkommen werden. Jede Platte koſtet 
bey ihm 2 Gr. 6. Pf., und, die, Beſchreibung zu einer 
jeden Claſſe 2 Gr... Liebhabern werden dieſe wenige 

9 für ein fo ſchͤnes Werk nicht gereuen. Sie 
muͤſſen 


in Deutſchland. gu 


muͤſſen ſich aber gerade an ihn zu Berlin wenden, 
weil er das Werk ſelbſt verleget. Der Format iſt 
ziemlich groß Folio, und‘ diejenigen, Vögel, deren 
Größe es zulaͤßt / ſind in ihrer natürlichen Größe ges‘ 
ftochen ; die wahre Größe der größern aber iſt bey 
jedem auf dem Küpferftiche bemerket. Wo es noͤ⸗ 
thig und moͤglich iſt, da werden allemal die Sien zu 
den Haͤhnchen hinzugefuͤget. Kurz , dieſe Abbildun⸗ 
gen der Vögel verdienen den Beyfall der Kenner undy 
die wenigen Koſten dafür vollfommen, 3 
- Die Befchreibung hat der fel. Herr Frifch groͤß⸗ 
tentheils ſelbſt gemachet, bis gegen die legt, da ihn 
der Tod uͤbereilet. Diefen Mangel wird fein Herr 
Sohn erfegen, Er ift vollfommen dazu geſchickt, 
mweil er fechs e ein Jaͤger gewefen, und fich bes 
fonders auf di ntniß der Vögel geleger ‚weil ihn 
fein feliger Herr Vater dazu aufgemuntert, und er 
ihm beftändig mit Beyträgen in fein Bogelcabiner 
und zu feinen Nachrichten an die Hand gehen müffen, 
Sonft hat der fel. Hr. Frifch die Schwierigfeit, die 
Vögel gefchickt einzutheilen, wohl erfannt, wenn er 
in der Vorrede fpricht: „Den rechten Unterfchied, 
„der jede Vogelart von der Natur aller andern Arten 
„unterſcheidet, hat man noch nicht erreichen Fönnen, ;, 
Er hat feine Befchreibung verfertiger, da er ſchon 
nahe 80 Jahr alt gewefen, und alfo genug geleifter, 
daß er uns kurze und gute Nachrichten von den Voͤ— 
geln Hinterlaffen hat. Vom Vogelfange hat er wer . 
nig beygebracht, weil diefes zu mweitläuftig würde ges 
weſen feyn, und eigentlicdy in Jagdbuͤcher gehoͤret. 
Sein Bogelcabinet hat ihm große Dienfte gethan. 
Seine ausgeftopften Bögel find ſchon über 20 9 | 
ahre 







412 Friſchens Vorſtellung der Vögel 
Sabre aft, und, wegen guter Auffiche, meiftens noch 
unbefchädiger. Den Spedtäfer, Buͤcherkaͤfer und 
Die Federmotte, hat man bisher aus; den Bogelcabi- 
nettern noch garnicht verbannen koͤnnen, Hr. Friſch 
faget aber, daß endlich. ein Mittel wider fie erfunden 
fey, und verfpricht es, mitzutheilen. Sein Here 
Sohn hat es ung im. voraus, entdecket. Es beſteht 
darinnen, daß jeder Vogel in einem beſondern hoͤl⸗ 
zernen oder gläfernen Kaften aufbewahret wird. Es 
iſt aber hierbey wohl zu merken, daß dieſe Kaſten 
uͤberaus wohl ſchließen muͤſſen. Sonſt hat uns der⸗ 
ſelbe auch geſaget, daß das Raͤuchern mit Schwefel 
um die ausgeſtopften Vögel gut ſey. Wir haben 
auch gefehen, daß in dem Bogelcabinerte des Herrn’ 
Barons von Bernezobre in den Scheänfen, worin⸗ 
nen die Voͤgel ftehen, hin und wie ige Häufchen 
Kiehn liegen, und auf die Brettchen der meiften ein» 
zelnen Vögel ein Stückchen Juchten genagelt war. ı 
Beyderley Körper duften ftarf aus, und machen, daß 
die Inſecten vor diefem ihren unangenehmen ftarfen 
Geruche die viel ſchwaͤchern Ausdünftungen der aus⸗ 
geftopften Bögel nicht ſpuͤren. 4, 
‚Ehe wir fehließen , wollen wir einige wichtige An -· 
merfungen aus des Herrn Friſchens Befchreibungen 
der Vögel mittheilen. Bey Gelegenheit der Cana⸗ 
vienvögel, welche fich mit allerley europäifchen Voͤ⸗ 
geln paaren und Baftarde zeugen, machet er folgende 
Anmerkungen über dieBaftarde überhaupt. 1) Ale, 
Baſtarde find von folchen Arten der Thiere, Die ein» 
ander in vielen Eigenfchaften verwandt find. 2) Alle 
Baftarde fommen von zufammen genöthigten und 
zum Paaren gezwungenen ‘Arten ber, 3) — 
— | arde 





J 


in Deutfehlend. 413 


ſtarde ſehen ihrem Vater an 2 Ei 
gleich, und am $eibe gemeiniglich der Mutter. 4) 
Alle Baftarde find unfruchtbar. Von diefem letzten 
giebt er die theologifch : moralifche Urfache an, daß 
fie der Segen des Schöpfers: Seyd fruchrbar und | 
mehret euch, nicht angienge, 

Bon dem Winteraufenthalte der Schwalben find 
die Meynungen verfchieden. . Dlaus Magnus ſelbſt, 
und viele gelehrte Leute halten dafuͤr, ſie ſtaͤcken im 
Winter als todt im Waſſer und Schlamm. Aber 
Herr Friſch beweiſt durch einen artigen Verſuch un— 
truͤglich, daß dieſes nicht iſt. Er bat etliche Schwal« 
ben, welche an Häufern genifter, gefangen, ihnen 


mit Wafferfarbe doth gefärbte Fäden, als Ringe, 


um Die Süße gebunden, und fie wieder davon fliegen 
laffen. Im Srübjahre find dieſe Schwalben mit 
ihren rothen Fäden glücklich wieder zu ihren Neftern 
zurück gefommen. ‚Die rothe Farbe würde gewiß 
im Wafler ausgegangen feyn. Sie müffen alfo fo- 
wohl im Winter ſich in andern Laͤndern ‚SihalEen, 
wie viele andere Vögel hun. | 

Die Byrole, oder der Kirfchvogel, machet ein 
ſehr wunderbares Neſt. Wir haben eins in dem 
vernezobrifchen Cabinette geſehen. Es ift laͤnglicht 
und von lauter zuſammen gewickelten Raupen» und. 
Spinnengeweben ‚ mit gelben dürren Grashalmen 
durchflochten, ſehr kuͤnſtlich zuſammengewebet. Oben 
hat es wie ein Paar Ohren, an welchen es an einem 
ſchwankenden duͤnnen Aeſtchen angehaͤngt iſt. Oben 
an der Seite geht ein ovales Loch hinein. Kurz, 
man erſtaunet uͤber die Kunſt, die in Mein Vogel⸗ 


neſte 
Bon 


14 Friſchens Vorſtellung der Vogel 


Bon den Spechten iſt bekannt, daß ſie an den 
—— im Walde mit dem Schnabel ein ſchnar⸗ 
tendes Geraͤuſch machen. Herr Friſch hat nicht da⸗ 
hinter fommen fünnen, wie diefes der Specht an⸗ 
fange. Wir find fo glücflich gewefen, diefem Bo- 
gel fein Geheimniß abzufehen. Er machet dieſes 
Geraͤuſch allemal auf duͤrren Aeſten. Auf einen ſol⸗ 
chen duͤrren Aſt hackt er mit ſeinem Schnabel etliche⸗ 
mal langſam und ſtark; dadurch wird der Aſt in eine 
zitternde Bewegung geſetzet. Indem der Aſt ſo zit» 
tert, haͤlt der Specht feinen Schnabel ſteif nahe dar⸗ 
an ‚daß alfo der Aft fehr oft an denfelben anfchlagen, - 
und ungefähr ein folches Schnarren verurfachen muß, 
dergleichen in Hamburg und Leipzig die Nachtwaͤch⸗ 
rer hören laflen. Der Specht thur diefes um feines 
Sraßes willen. Denn durd) diefes Erfchüttern Fries 
chen die Wuͤrmer unter den Rinden hervor, und er 
ſchnappet fie alle weg. Der große ſchwarze Specht 
faͤngt, wie Herr Friſch meldet, die Ameiſen, indem 
er auf einen Ameifenhaufen tritt, die Zunge über den 
Haufen herausftrecet, und wenn fie voll Ameifen iſt, 
dieſelbe hineinzieht. 

Man hat den Kuckuck mit Gewalt zu einem Sper⸗ 
ber, oder uͤberhaupt zu einem Raubvogel, machen 
wollen. Herr Friſch zeiget klar, daß ihm unrecht 
geſchehen. Indeſſen iſt es wahr, daß er fein Neft 
bauer, fondern feine Eyer in die Nefter ber. an 
macken leget. u 

Diefes mag genug feyn, unfern Leſern einen Ber 
griff von diefem ſchoͤnen Werke zugeben. 

Indem wir aber mit dieſer Nachricht ſchon fertig 
fi "r erhalten wir von dem Hrn. Srifch ein Ber: 

— 


in Deutſchland. 45 
zeichniß derer Vögel, welche noch kuͤnſtig folgen wer ⸗ 


den, \&s wird nicht undienlich feyn, umeiner volle _ 


ftandigen Nachricht willen, daffelbe hier noch anzu- 
hängen, zumalda wir zugleich ein faft vollftändiges 
Berzeichnißider Voͤgel in Deurfchiand liefern. 
Zur fiebenten Claſſe gehörige Bögel, nämlich: 
Raub⸗und Stepvögel bey Tage, fo zwar ſchon fer- 
tig, Die, Befchreibung davon aber noch nicht gedruckt 
if: Nämlich. die Adler, Habichte, Geyer, Falken 
und Sperber. »N0.69. Der fchwarzbraune Adler, 
70. Der braunfahle Adler. 71. Der Steinadler. 
2. Der .dunfele Hühnergeyer, oder Habicht. 73. 


er belle Hühnergeyer, oder Habicht, 74. Der 


Entenſtoͤßer, oder ſchwarzbraune Habicht. 75. Der 
Rauchfuß oder gelbbraune Geyer. 76. Der braun⸗ 


fahle Geyer. 77. Der-fehwarzbraune Fifchgeyer. 


78. Der Fifch- oder Brandgeyer. 79. Der graus 
weiße Geyer, oder Falk, go. Der weiße Geyer, 


oder Falk. 81. Der große gefperberte Falk. 82. 
‚Der große gepfeilte Falk. : 83. Der ſchwarzbraune 


Falk. 84.Der Nöthelgeyer. 85. Derrorhe Falk. 
86. Der Steinfalf. 87. Der Baumfalf. 88. Der 
Mauſefalk. 89. Der Fleinfte Rothfalk. 90. Der 
Sperber mit geſtreifter Bruft, womit der Kuckuck 


verwechfele wird. 91: Der Sperber mir braunge: 


a 4 


pfeilter Bruſt. 92. Der Sperber mit geftumpften 


Pfeilflecken. Diefe Claſſe ift nunmehr auch fertig. . 


Zur achten Claſſe gehürige Vögel, nämlich die 


Raub: und Stoßvoͤgel bey Nacht, als Eulen und _ 
Nachtvoͤgel. 93. Der Schuffut oder Uhu. 94 


- Die weiße Eule, 95. Die graue Eule. - 96, Die: 


Brandeule. 97, Die Steineule. 98. Die Schleyers 


4Band. | oO» eule, 


| | 416 Friſchens Vorftellung der Vogel 


eule, oder Perleule. 99: Das Ohrkaͤuzlein don. 


Das Kaͤuzlein, joder Sterbevogel ſo den Tod der 
Manſchen anfagen fol. 101 Das. kleinſte Kaͤuz⸗ 
ein, 102. Die Nachtſchwalbe, oder ber Tageſchlaͤ⸗ 
fer, caprimulgus. 103. Die — * Die 
fliegende Katze. 

Zur neunten Claſſe — Vogel * wilde 
und zahme Hühner :; 104 Der Trappe, 105. Der 
Auerhahn. 106. Der Birkhahn. 107. Das 

Schneehuhn. 108. Das Haſelhuhn. “109. Das 
Rebhuhn. 110. Das indianifche Rebbuhm am 
Das weiße Rebhuhn. 112. Die Wachtel. Zah⸗ 
me. -ı3. Haushahn. 114, Englifche oder groͤßeſte 
Art Hahnen. 115. Tolligt und pauſchbackige Haͤhne. 
16. Kluckhenne. u7. Straubigte mit umgewandten 
Federn. 118. Kruphenne. Sremde, song. Der 
Pfau. 120, Der weiße Pfau. 121. Der indiani. 
fhe Hahn. 122. Der Faſan. 123. Der bunte 


a Safan. 124. Der Baſtart von. Faſan mit deut⸗ 


ſcher Henne, 125. Die africanifche oder Perlhenne. 
Zur zehnten Claſſe gehörige Vögel, namlich wil⸗ 
de und zahme Tauben, 126. Die große Ringeltaus 
be, 127. Die blaue Holztaube, 128. Die Turtel⸗ 
taube. Zahme. 129. Der Feldflüchter: 130. Die 
Haustaube, oder Mohntaube 131. Die Rropftaus 
be. 132. Die Pfautaube, 133. Das Moͤwchen. 
Fremde. 134. Die Sachtaube. 135. Die türfifche 
- Taube. 136. Die Schwalbentaube, oder Tuͤmler. 
Zur eilften Elaffe gehörige Bögel, nämlich Waſ⸗ 
fervögel mit Schwimmfüßens‘ Die Hänfe; wilde. 
137. Der Schwan, 138. Die wilde Gans. 130. 
Die Baumgans, SHE 140iDie done Gans, - 
———— 


in Deurfehland. \ J 27 


ter: ‘14, Die‘ Chineſiſche Gang, pie En⸗ 
wen. 142, Die gemeine wilde Ente "143. Die Fa⸗ 
ſanente. 144. Die en Ente, 145. 
Die Söffelenre mit blauen Flügeln. ° 146. Die blaue 
Söffelente mit ganz weißem Bauche. 147. Die brau⸗ 
ne Söffelente. 148, 149 150 151. Krickenten. Frem⸗ 
de, 152. Die grau: und rothhaͤ ht? afeicanifche Eu⸗ 
te. 153: Die gelbe perfianifche Ente: 154, Der 
ſchwarzgraue Ganstaucher, Er. 15 Der braune 
fahle Ganstaucher, Sie 156. Der ſchwar ;föpfigre 
Oanstaucher mie Schopf und weißer Bruft. 157. 
Der rothkoͤpfigte Ganstaucher mit Eh opf und qrauer. 
Bruſt. Fremde. 158. Der Schwanentaucher, 
— — Tauchenten. 159. Die tothbrüftige 
Zauchente. 160. Die Möringente. 161. Die mit 
dom ſchwarzen Rreuzauf dem Rüden. Tauchhuͤh⸗ 
ner. 162. Der Nöring, oder Seehahn mie halben 
Shwimmfüßen. Fremde. 163. Die groͤnlandi⸗ 
ſche Seetaube. 164. Die tuͤrkiſche Ente. 

Zur zwölften Claſſe gehoͤrige Voͤgel der groͤße⸗ 
ren Art. 165. Der Kranich. 166. Der Trappe. 


167. Der Stord. 168. Der ſchwat ʒe Storch. 


169. Der gewöhnliche Keiger. 170. Der Eleinere 
Reiger mit weißem Schopf. "171. Der Loͤffelreiger 
zwenerley, 172. Der ſchwarze Reiger. 173. Der 
afchgraue Reiger mit drey langen Nackenfedern. 
174. Die aroße Robrdommel. 175. Die kleine 
Rohrdommel, Er, Sie, 176. Fine geibe mit . 
ſchwarzen Flügeln, Waſſerhuͤhner· 177. Das 

weißbläfise» große Waſſerhuhn, oder Kritſchele. 
178. Der Rorhbräßling. 179. Das oliven Waſſer⸗ 

huhn. 280, Das weißgefprengte kleine Waſſerhuhn. 

—  &D—2 181, Das 


418 Friſchens Vorftelh ngder Bögelic. | 
181. Das langſchnaͤblichte Huhn, oder Taufchnarte. 
182. Der Kibit, oder Kiwit. 183. Die fleine Art, 
Er, Sie. 184. Der Brachsogel, oder Glucth. 
185. ‚Die Fleinere Art. 186. Der Staar, Er, Sie. 
187. Die große Haftmoͤwe mit Schwimmfuͤßen. 188. 
Die Schwalbenmoͤwe mit Schwimmfüßen.. 189. Die 
Eleine Moͤwe mit Schwimmfüßen. 190. Die Seeam⸗ 
fel. 191. Der Eisvogel,oder gaͤhliche Sifcher. Schne⸗ 
pfen größerer Art. 192. Der lang» und krumm⸗ 
fehnäblichte größefte Schnepfe, oder Keilhaake, fonft 
wegen feines Gefchreyes, Himmelsziege. - 193. Der 
Waldſchnepfe, Er. 194. Der langbeinichte Schne- 
pfe mit vothen Füßen. 195. Det. langbeinichte 
Schnepfe mit gelben Füßen und braunem Dauche. 
196. Der Streitfchnepfe mit langem Schnabel. 
197. Zweyte Art Streitfchnepfe mit fürzerem Schna- 
bel. Schnepfen mittlerer Art. 198. Der 
Schnepfe mit harten Puckeln auf der Schnabelſpitze. 
199. Der gelbfuͤßige mit braungeſprengter Bruſt. 
‚ Rleinere, 200. Der rord-und Furzfüßige kleine 
Schnepfe. 201. Der mit punctivter Schnabelfpige, 
202, Der Rorhbraune mit gefprengter Bruſt. 
203. Der Fleinefte oder Sandlöper, 





Berlin. BER. 
M. 


= — — 
——— 
— Nor 


= | * 419 - 
—** DEE — ***** 
— "3 0 


Betrahtungen 


| TREE Be | Er 
Pranyenundiher nal mit 
den Inſecten. | 
"Erfes Hauptſtuͤck. 


28 iſt zwiſchen den Pflanzen und Thieren eine 

folhe Gleichheit der Werkzeuge, welche zur 

Erhaltung ihres Lebens. und zu ihrem 
Wachsthume dienen, daß man Mühe haben würde, 
folches zu glauben, wenn nicht die gefchickteften Zer⸗ 
gliederer durch genaue Erfahrungen und Anmerfuns 

gen davon überzeugt worden wären. Es wirdfeine, 
unnüße Arbeit feyn, wenn wir zu. demjenigen, was 
ung ſchon von ihnen befannt.ift, einige neue Erfah» 
FaNgeRT hinzuſetzen. 


Die Aehnlichkeit zwiſchen den Pflanzen und Thie⸗ 
ren iſt ſo groß, ſagt der Herr Hales i in feiner Sta: ' 
tie der Bewächfe, daß, wenn wir beyde mit glei- 
cher Methode unterſuchen, wir uns mit Grunde zu 

. großen Entdeckungen Hoffnung machen koͤnnen. 
Es Haben die Pflanzen, ebenwiedie Thiere, Adern, 
- Blut, welches in diefen Adern fließet, Luftroͤhren und 
Gefäße, die zur Durchlaffung der Luft beftimmer find, 
die ihnen ſtatt der Lunge dienen, Haͤute, Knorpel, 
Dd 3 | Dar 


— 
— — * 
Pr 
zei 





2 Betrachtungen uͤber die Pflanzen 


Druͤſen, Bänder, Schweißlöcher , Werkzeuge ber, 
Fortpflan zung zwey unterſchiedene Geſchlechter, ber 
ftändige Ausdünftung um det neuen Nahrung Platz 
zu machen, eine Jugend und ei N — Al⸗ 
ter. Sie 5 ferner Kranfs n,‘ RR 


wow 


—* — 


es 9— weniger der Die * zu bemerf fen, in wie 
weit diefelben von einander unterſchleden * 


"6.1 Da bie Pflanzen feine‘ Bewegung — | 
fondern immer an einem Orte verbleiben müffen, un 
baher ihre Nahrung nicht fo wie Die Thure füchen 
koͤnnen; fo bat der Schöpfer hierinn für’ fie aefors 
get, fo daß bie Nahrung’ fie füchere muß. Dieſer 
große Suftkreis, welcher uns umgiebt, iſt der Verforger 
der Pflanzen. Er iſt ganz mit Salz und Schwefel 
angefüllet, welche er wechfelsweife von der Fläche ver 
Erden erhebt und wieder niederlaͤßt. Diefe Mate 
rien vermifchen fich mit dem Waſſer, und Hängen 
fih an Die, Gewaͤchſe, woſelbſt ſie ein neues flüßiges 
Weſen, eine qanz zubereitere Nahrung, bilden, weiche 
die Erde den Pflanzen darbiethet; ſo wie eine Mutter 
denen Kindern, welche noch) nicht im Stande find ihre ; 
Nothdurft feldft zu fuchen, die Milch veichet, Er 


$.2. Die Thiere zweyer verſchiedener Gefchlech- 
ter müffen fid) einander nahen, um ihre Art. fortzu⸗ 
‚pflanzen. In den Pflanzen geſchieht es durch die 
Circulation der Luft, welche Die zur Befruchtung bee 

ſtimmte 


* 


u ihre Analogie mit den Infeeten. 421 


| ſtimmte Materie von einem — zum andern 
ſuͤhret. 

. 30 Die Thiere haben nur einen Weg, 
meichen fie ihres Gleichen hervorbringen: Die Pflan 
zen zeigen hierinn eine gewiſſe Gleichfoͤrmigkeit mit den 
Thieren, und ſie haben uͤberdieß eine wundernswuͤr⸗ 


dige Anzahl fruchtbarer Sproſſen, die allezeit bereit 


ſind aus zubrechen, und die auf der Oberflaͤche et 
Staͤmme und Aeſte verbreitet liegen. 

4. Bey den Thieren ſieht man einige Werk. 
jeuge, modurch fie Die Nahrung zu fich nehmen, ‚ans 
dere, die fölche zubereiten und verbäuen, und noch an- 
Dere, die beftimme find, das Ueberflüßige von demjeni⸗ 
gen, welches in ihr Weſen verwandelt wird, abzufons 
dern. Die Pflanzen empfangen von der Erde eine 


Nahrung, die ſchon völlig zubereitet ift, Feine groben - 


Theile übrig läßt, und nicht braucht erſt burchgefeis 
* und verduͤnnet zu werden. 
g. 5. Die Bewegung entſtehet bey den Thieren 


—J zweenen Gruͤnden, der erſte iſt bloß mechanifch, 


und von ihm eneftehen Die Veränderungen, an wel: 
hen der Wille feinen Antheil hat ; als der Umlauf 
des Blutes, die Verdauung, das Dthemfchöpfen : - 
Der zweyte Grund der Bewegung berubet in dem 
Willen , biedurch ertfchließen fie fich zu geben, zu 


ruhen, fir ihre Jungen Sorge zu fragen, ihr Seben | 
zu vertheidigen, oder andere anzufallen. Die Pflan⸗ 


zen haben nur die erfte Art diefer Bewegung. Es 
war alfo ganz unnüß, daß viele alte und einige von 


den neuern Weltweifen die Pflanzen mit einer See⸗ 
le, die ihren Wachsthum Deforgen füllte, haben bes 


ſchenken wollen. 
Did 4 | 6 


i gan | Betrachtungen über die Pflanzen 


$.6. Das Blur der Thiere braucht einer un⸗ 
Bewegung , und ohne diefelbe muß eg 
entweder gerinnen, oder ſich auflöfen ; : das Blur der 


Pflanzen, welches der Saft in ihnen if, kann lange 


Zeit in ihren Gefäßen dauern, ohne ſich zu veraͤn⸗ 
dern, Der Winter ift eine Zeit, in welcher fie ru⸗ 
ben, und fo lange er waͤhret, fteher diefer Saft ſtill, 
ohne etwas zu wirken. Er verbleibet ineben der Ru⸗ 


be in denen jungen Bäumen, die man aus den Pflanz: 


fchulen nimmt, um fie aus * ande i in das an 
dere zu verſetzen. 


$. 7. Die Pflanzen ſchopfen keine Luft Sur Art 


der Thiere, wenigftens ift die Art, wie ſie Othem ho» 
fen, ein Geheimniß, welches: uns noch unbefannt ift, 


—* 


Man kann zwar nicht leugnen, Daß die Luft Die all⸗ 


‚gemeine zum Wachsthum bewegende Kraft ſey; aber 


wie wirket ſie in die Pflanzen? Dieſes iſt eine ſchwe⸗ 


re Frage, welche bisher noch nicht erklaͤret worden. 


Alle dieſe Verhaͤltniſſe, die man zwiſchen ihnen und 
den Thieren findet, und dasjenige, wodurch fie unter⸗ 
fchieden werden, find Gegenftände, welche nicht allein 
unſere Meubegierde, fondern auch die Unterſuchung 
und Bemuͤhung eines jeden Menſchen, der die Wer⸗ 


fe des Schöpfers zu erfenmen begierig ift, verdienen. , 


Es haben viele geſchickte Naturkuͤndiger ſich hiemit 


| befchäfftiget ;_unterdeffen find fehr viele Umftände 


übrig geblieben, wobey man bishero nicht weiter als. 


zur Wahrfcheinlichfeit gefommen ift. Dergleichen 
find : die fchnurgerade Höhe derfelben in Anfehung 
des Horizontes, und die Ark, wie die Luſt in ihre Roͤh⸗ 
ren dringet, und in ſolchen umläuft, Ich glaube im 
Stande zu ſeyn, hieruͤber einige neue Anmerkungen 
mit · 


u ihre Analogie mit den Inſekten. 423 


mittheilen zu koͤnnen, welche ich in Unterſuchungt des 
Verhaͤltniſſes der Inſekten und Pflanzen gemacht 
habe; und: da die Betrachtung der erſten mich auf 
die legten gefuͤhret, ſo werden fie beyde der Inhalt 
dieſer "Abhandlung ſeyn. | 9 

Daß die Luft ein großes zum Wache chum der 

Pflanzen beytrage, iſt außer Zweifel. Die Pflanzen 
find unbefeelet, und die Materien, welche zu ihrer 
Nahrung dienen, find ebenfalls unbefeeler: und doch 
ift noͤthig, daß eine die andere ſuche. Wir haben 
fhon gefagt, daß die Nahrung zu den Pflanzen 
fomme. Es muß alfo eine Triebfeder vorhanden 
ſeyn, welche diefe fortſtoͤßt und in die Röhren der 
Pfanzen führe. Die Materie wovon folche er⸗ 
naͤhret werden, find hauptſachlich das Salz und der 
Schwefel, welche die Luft mit ſich fuͤhret, und auf 
der obern Fläche der Erde au sbreitet, ferner, die 
irdischen Theilchen und das Waller. Dieſes ver 
ſammlet fie, wickelt fie aus einander; loͤſet fie auf, - 
und machet daraus einen flüßigen Körper, Den wir 
- Saft nenien. Diefes ift noch nicht genug, dieſer 
Saft muß gegen die Natur aller ſchweren Körper 
‘ aufwärts fteigen, um zu den höchften Gipfeln der 
größten Bäume zu gelangen, und in Die aͤußerſten 
Ende ihrer Aeſte und Blätter dringen. Und man 
hält dafür, daß die Pflanzen diefe Wohlthat der luſt 
zu danken haben. 

Insgemein erklaͤret man dieſes Phaͤnomenon fole 
aender Geſtalt: dafi, wenn der Saft die Schweiß 
locher der Dflanzen befeuchtet, durchwaͤſſert und ges 
öffnet habe, und ſich an dem Einganae viefer Eleinen 
Deffnungen feftgefegt, und alsdenn die Bi BR 

Dd 5 er 


* 


424 Betrachtung uͤber die Pflanzen: 

er angefüllet iſt, durch die Waͤrme des Tages ver⸗ 
duͤnnet werde, ſo treibe dieſe ihres Ders. den mit 
ihr verfnüpften Saft, zerreiße, zertheile und ftoße 
denſelben gewaltſam fort N welcher dann, ſo gut er 
Eann, weiche, und auf diefe Ark in die Aefte, Blaͤt⸗ 
ter und Früchte dringe, ; Aber bey diefer Erklärung 
bleiben nody viele Schwierigkeiten übrig. Die durch 
die Hitze verduͤnnete Luft kann zwar auch den Saft 
verduͤnnen, aber dieſe Verduͤnnung kann nicht ſo 
groß ſeyn daß fie faͤhig wäre, ihn bis, in die Wur⸗ 
zen einer Eiche, und in die Außerften Spitzen ihrer 
Aeſte zu treiben, Die Fälle, welche man hier zu 
Hülfe nimmt, find weder bewiefen nech überall ans 
genommen. "Es ift gar nicht gewiß, daß bie Feuch⸗ 
tigkeiten durch die Wärme in den Gefäßen der Pflan- 
zen in die Hoͤhe ſteigen. Die,Urfache diefes Stel: 
gens müßte bloß Die Wirkung der Wärme auf den 
fchwefelichten Theil des Saftes feyn, wie folches in 
unfern Wertergläfern gefchiebet. Die bloße Aus» 
breitung der. Luft ift nicht hinreichend, um in die 
Pflanzen wirken zu fönnen, fondern fie muß mehr 
ausgebreitet. ſeyn, als die aͤußere Luft, denn wenn 
dieſes nicht waͤre, ſo wuͤrde der aͤußere uſttreis, mie 
derjenigen die inder Pflanze umläuft, in einem Sleich- 
gewichte ftehen, und folglich Die letztere nicht heraus 
freten, und einer frifchen Platz machen koͤnnen, und 
der Ziekellauf der Luft müßte aufhören, | 
Ich unternehme es. nicht, alle diefe Schmieeig- 
keiten, und. viele andere, die man noch hiemider 
— koͤnnte, aufzuloͤſen. Ich werde die Wir— 
kung der Luft auf die Pflanzen nur in fo weit zum 
Gegenftande nehmen, als fie. ihnen das geben F 
ar ie 


währe Analogie mit den Inſecten. 425 
fie wachſen laͤßt, und. die vornehmſte wirkende, Kraft 
ft, welche alle ‚Beuchtigkeiten, wovon. vr fh ernaͤh⸗ 
> von, in ſie hinein leitet ! 

Es iſt eine.überall ——— Hgg: daß 

N Pflanzen, fo wie die Tiere, Athem fehöpfen ; ja 
man koͤnnte fagen, Daß. fie weit mehr Luft holen, 
wenn man Die erfkaunliche Anzablvon $ufrröhren und 
Luftgefaͤßen, womit: fie- verfehem find, betrachtet, 
Dieſe fcheinen ſo gar die unfrigen zu übertreffen, 
Der Mugen der Luft ſcheint in ihnen ſehr genau bes 
ſtimmt zu feyn, ‚namlich die Feuchtigfeiten zu sera 
teilen, zu verdünnen und zuzubereiten,  Diefes ges 
ſchiehet ‚wenn fie das Sal; und den Schweſel dazu 
traͤget, welcher zu der Bereitung des Saftes erfor 
dert wird ; ferner, wann fie dieſem Safte die Kraft 
in die Höhe zu ſteigen mitcheiler, welche er ſich nicht 
ſelbſt geben kann. 
Wann dann die Lufſt die vornehmite Urfache if, 
daß der Saft in die Hoͤhe ſteigt, ſo muͤſſen wir 
ſehen, durch welche Mittel und was für eine mecha⸗ 
‚nifche Art diefes gefchehen koͤnne. Einige wollen, 
Diefes gefhehe durch die Schwere der Außern Luft, 
welche die Piianzen umgiebet, andere, daß folhes 
durch die von der Wärme verurfachte Verdünnung 
derfelben geſchehe. 

Borelli beftreitet beyde Saͤtze. Es ift gewiß, 
ſagt er, dag die Erhöhung des Saftes in denen 
Röhren der Pflanzen nicht durch das Uebergewicht 
der außeren $uft über diejenige, die in den Möhren 
ift, verurfacher werde :- denn ſowohl die eink als die 
andere Luft, die äußere wie die inwendige, verdüns 
nen und verdicfen fich des Tages über durch die. 

San: 


226 Betrachtungen hberdie Pflanzen 


Sonnenftrahlen, und des Nachts durch die Kälte, 
- in gleichem Grade. Da es nun unmoͤglich ift, daß 
bey diefem Gleichgewichte die äußere Luft den Saft 
au ſwaͤrts treiben Fann, fo muß durd) einen andern 
Umftand die in der Pflanze befindfiche Luft leichter 
gemacht werden „ als diejenige ift, welche fie umgie⸗ 
bet. Borelli bemühte fih, diefen Umſtand durch eine 
Entwickelung zu erklären, welche hieher zu feßen unnüß 
feyn würde, weil fie nicht angenommen worden, und 
er diefe Schwierigkeit in feinem Stücfe gehoben ha. 
Ueber diefe Schwierigkeit werde ich einige Murh- 
maßungen mittheilen. "Sie hat zwey Dinge zum 
Gegenftande. Erftlich: woher diefe Ausdehnung der 
Luft, welche den Saft in die Höhe treibt, und die 
Pilanzen gegen den Hinmel aufeichtet, entftehe, 
Zweytens: warum diefelbe Luft nicht eben diefelbigen 
Wirkungen in den Wurzeln Hervorbring, ° 
Ich hoffe in diefen beyden Schmwierigfeiten eini⸗ 
ges Licht zu geben, wenn ic) meine Meynung über 
einen Punct des Wachsthums, der noch nicht deut⸗ 
lich gemacht worden, auf eine Art an den Tag lege, 
welche jedermann ein Genuͤgen geben kann. Es ift 
keinesweges eine Neigung (man wird mir diefen 
Ausdruck verzeihen) welchedie Zweige haben, ſich zu 
erheben, und die Wurzeln in die Erde zu dringen. 


Zuweytes Hauptfiüd. 
- Bon dem fenkrechten Stande der Pflanzen 
® sin Anfehung des Horizonte. 
* Die Neigung, welche man bey den Pflanzen 
wahrnimmt, ihre Zweige gegen den Himmel, und 
| i ihre 


ihre Analogie mitden Juſekten. 427 


ihre Wurzeln gegen die Erde auszuftreden, nennet 
man ihre Perpendicularitaͤt. 

Der geſchickte Verfaſſer des Schauplagts der Na⸗ 
ur, glaubet in feiner vier und zwanzigften Unterres 
dung diefe Schwierigkeit zu heben, indem er die Ur- 
fache diefer Begebenheit, dem Umlaufe des Saftes 
zuſchreibet. Es ift aber die Meynung von dem Um: 
laufe des Saftes in den Pflanzen noch nicht ſonder⸗ 
lich befeſtiget, und fie hat, Gegner gefunden, die in 
diefer Materie von großem Anfeben find. Man 
Eann eine Sache nicht als eine Wahrheit annehmen, 
die aufeinem beftrictenen und ungeriffen Grunde be« 
ruhet. Außer dem zeiget der Berfaffer nicht, durch 
welche Kraft der Saft vielmehr in. die Höhe als 
niederwärts fteige. 

Der Herr de la Hire, dem viele andere Philofo- 
phen hierinn gefolget find, fchreibet die gerade Ab 
hängung der Wurzeln gegen den Mittelpunct der 
Erde dem Gewichte des Nahrungsfaftes, womit. ſi ie 
angefuͤllet ſind, zu; und leitet die Perpendicularitaͤt 
der Aeſte aus eben demſelben Safte, welcher in dem 
Magen der Pflanzen durchgearbeitet worden, und wie 
feine Duͤnſte, die ihrer Natur nach aufwaͤrts ſteigen, 

zu den Zweigen ſich erhebe, her. 
Dieſe Erklaͤrung hat abermals ihre Schwierig 
keiten in Anſehung der Zweige; denn wenn man ei⸗ 
nen Schnitt in einen Baum mache, fo mag folcher 
oben am äußerften Gipfel, oder unten am Stamme, . 
nahe bey dem Magen, woraus die zum voraus ge 
fegten Dünfte fleigen follen, geſchehen, fo findet 


man allemal einen volllemmenen Saft, von einer ® 


dicken ——— ‚. und Der weis von dem leichten 
x Weſen 





423 Betrachtungen uͤber die Pflanzen 
Weſen der Dünfte entfernet ift. Die harzigten 
. Bäume, als der Terpentinbaum, Die Cypreſſe, und 
andere, koͤnnen das, was ich gefagt babe, leicht be- 
weiſen. Indeſſen ſcheinet der Herr Hales mie dem 
‚Herrn de la Hire einftimmig zu feyn.  Die'Saft- 
‚gefäße, fagt er, find fo fein, daß der Saft beynahe 
in Dünfte aufgelöfet feyn muß, um in diefelben zu 
dringen. Ich leugne nicht, daß es unter ihnen einin - 
gegeben fönne, die fo befchaffen find‘; aber ver. 
größte Theil ihres feſten Wefens ift gewiß von ſol⸗ 
hen eingenommen, die eine merkliche Größe haben. 
Menn man einen jungen Zweig von einem Holluns 
der, einem Mohn, und vielen andern Pflanzen nimm, 
und einen Theil von der Haut, ungefähr von der 
Dice eines Bogen Papiers, mit einem Federmeſſer 
abziehet, fo Fann man mit einem guten Vergroͤße⸗ 
rungsglaſe die Saftgefäfle ganz deutlich fehen ; und 
. man unterfcheider fie um fo. viel beffer, da dieſe 
Feuchtigkeit voller $ufebläschen ift, die ihren Lauf un⸗ 
ferbrechen, und verurfachen, daß man ſie nicht nur 
erfennen, fondern auch den Durchmeſſer der Gefäffe, 
worinn er enthalten ift, beftimmen kann. Um end⸗ 
lic) diefe Schwierjafeir zu ſchlichten, ſo erheben ſich 
diefe Dünfte nicht von ſelbſt, oder durch ihre eigene 
Kraft, fondern fie werden von der Luft fortgeſtoßen. 
Die Luft ift demnach die einzige Triebfeder, auf die 
man allemal zuruͤcke ſehen muß. ERREGER. 
Der Herr Dodart ſchreibet die Urfache unfers 
Phaͤnomeni ver Sonne zu, welche die Aeſte zufih 
aufwärts zöge, fü mie die Erde die Wurzeln nieder 
wärts zufich zöge. Ich habe einen Verſuch gem cht, 
den ein jeder leicht nachthun kann, — — 


u ihre Analogie mit den Inſecten. 429 
‚Sag des Hrn. Dodart in Feine Wege beſtehen kann. 
Ich fegte einige Hyacinthenzwiebeln auf leere is | 
menglaͤſer. Diefe Zwiebeln waren umgekehrt, fo 
daß der Theil, woraus die Pflanze hervorfproffen 
ſollte, gegen den Boden des Glaſes, und den Theil 
‚der Wurzeln fchießen follte, gegen den Himmel ges 
wendet waren. Auf diefen letzten legte ic, ein Stuͤck⸗ 
chen Schwamm, welches ich fleißig befeuchtere, und 
dieſes war genug, die Pflanze zum Wachsthume zu 
‚bringen. - Sie trieb den Stengel zu Anfang gerade 
gegen den Boden des Ölafes, er war. aber faum ei- 
nen Zoll lang geworden, ſo fieng er an ſich zu kruͤm⸗ 
men, und fuhr fort fich ‚vertikal zu erhöhen, Die 
Tulpen thaten noch mehr als dieß, denn fie entfer« 
neten ſich alfobald von dem Körper der’ Zwiebel, fo 
daß ſie nur an einen ganz dünnen Stiele an ihr hin⸗ 
gen, und richteten ſich gleich gerade gegen den Him⸗ 
mel in die Hoͤhe. Es war in der That, um ſolches 
beylaͤufig zu erwaͤhnen, ein angenehmer Anblick, zu 
ſehen, wie dieſe Blumenzwiebeln ihre Sproſſen ge⸗ 
gen die entgegengeſetzten Pole in den ledigen Glaͤſern 
ſchoſſen. Hier war weder Erde noch Sonne, 
welche die Wurzeln und Sproffen an fich ziehen Eonn« 
ten; män muß daher die Urſache —* verſchiedenen 
Richtung. anderswo fuchen. | 
Weil die Erklärungen folcher See, die doch im 
Stande ſind, tuͤchtige zu geben, nicht von Schwierig. 
keiten und wichtigen Einwuͤrſen frey find, ſo wird es 
‚uns erlaubt feyn, einige andere vorzutragen.. Ich will 
es ivagen, die nreinige mitzutbeilen; und um: bald: zu 
der Erklärung dieſer verſchiedenen Wirfungen zu ge⸗ 
Force werde ich einen Satz zum Örunde legen, den 
J— alle 


430 Betrachtung über die Blanzen 
alle Welt zugiebt, nämlic) daß die Zuſammenſe⸗ 
zzung der Wurzeln ungemein von der Zuſammenſe⸗ 
‚ung derer Theilchen inden Zweigen und dem Stam« 
me unterfehieden fey. Ohne mich in die anatomifchen 
‚Abhandlungen, welche Malvighi und Grew davon 
‚gegeben, einzulaffen, wird e8 genug feyn, wenn wir 
betrachten, daß die Wurzeln Waflerpflanzen find, 
oder wenigftens eben fo wie diefe beftimmr find, mit⸗ 
‚ten in dem Mahrungsfafte, der fie von allen Orten 
umgiebet, zu leben und zu wachfen. Sie find eben 
wie die Wafferpflanzen auf ihrer ganzen Oberfläche 
mit Deffnungen gleichfam befäet, welche die Mün- 
‘dungen derer Cefäße find, die die Mahrung in füh 
faffen ſollen. Diefe Nahrung ift ein dicker Saft, 
der noch nicht-zubereiter iſt, weil er erftlich in dem 
> Magen der Pflanze zu feiner Vollkommenheit gelan · 
gen foll,) Ich muß mich hierüber erflären, denn der 
größte Theil dererjenigen,»die von den. Pflanzen ger 
handele haben, nahmen ihre Wurzeln fürden Magen. 
an. Ich halte vielmehr dafür, daß die Wurzeln der. 
:Pflanzen dasjenige find, was der Magenmund'bey den 
Thieren iſt, und daß ihre Berrichtung fey, den rohen. 
und ungefochten Saft ‘unmittelbar von Der Erde zu 
‚empfangen, und. daß derfelbe in dem Stamme oder 
Halſe der Pflanze gefocht und zur Vollkommenheit 
gebracht werde ; denn der Stamm ift gleihfam ein 
Mittelding zwifchenden Wurzeln und Aeften, Dieß 
iſt die Meynung des Herrn Geoffroy, wenn er ſagt, 
daßder Stamm oder der Hals der Wurzeln ein Ge⸗ 
bund feiner Zäferlein fey, und Daß aus dieſen Zafer- 
hen ein Meg oder: ſchwer zu Durchdringendes Gewebe 
entſtehe, welches denen Enäulichren Drüfen nn 
7 voll» 


wihre Analogie init den Inſecten. 431 


vollfommen aͤhnlich ſey, und aus eben der Urfache 
ſehr geſchickt, die Feuchtigkeiten zu verdünnen und 
durchzuſeihen. Daher halte ich dafuͤr, daß man die 
Wurzel ſehr uͤbel den Magen der Pflanzen benennet 
habe. Ich werde hievon zu Ende dieſer Abhand⸗ 
lung eine weitlaͤuftigere Probe geben, und mich ige‘ 
wieder zu meinem Hauptzwecke wenden. Wenn der: 
Saft in die Wurzel tritt, fo blaͤhet er folche- auf und: 
verlängert fie, ohne ihr eine andere Richtung zu ges 
ben, als die eine jede biegfame Nöhre beiömme,’ 
wenn man fie mit Waller oder Wind anfülfer,; wo⸗ 
bey die Richtung nad) oben oder unten gar nicht in 
Betrachtung koͤmmt. _Diefe. Feuchtigkeit nun brin⸗ 
get, wann fie in die Luftloͤcher tritt eine zertheilte Luſt 

mit ſich, fo wie dergleichen in allen fluͤßigen Sachen 
befindlich ift, welche auch eben daher unbeſeelet uud 
aller ausdehnenden Kraft berauber ift, auch nicht die 
geringfte Richtung bervorbringen kann. Die bloße 


Schwere des Flüßigen ift alsdenn genug zu verurfa. 


‚hen, daß die Wurzeln fortkriechen, und, wenn fie 
auch eine andere Richtung annehmen wollten, ſich 
niederwärts fenfen. Außerdem hält ſie noch eine 
Kraft zurück, leitet und zwinget fie, die Erde nicht zu 
verlaffen : diefes ift die anftogende Feuchtigkeit der 
Erde, und der unter ihnen befindliche Zuſammen⸗ 
bang: denn es iftniche zu zweifeln, daß die Feuchtige 
feie der Erde und der Saft der Wurzeln einen an 
einander hängenden Körper ausmachen, der, wie ale - 
le übrige, den Gefegen der Schwere unterworfen iſt. 
Die folgende Anmerfung wird zeigen, daß die Wur⸗ 
zen Feine Neigung, ‚Feine innerliche Triebfeder haben 
ſich niederwärts zu fenfen, Der Pater de Charles 
4 Dand, Ge voig 





432 Betrachtungen über die Pflanzen 
voix erzaͤhlt in feiner Befchreibung von St. Domin⸗ 
90, daß auf dieſer Inſel alle Bäume ihre Wurzeln 
horizontal fehießen ; ſelbſt Diejenigen, welche in an⸗ 
dern $ändern am tiefften Wurzel ſchlagen, Eriechen 
dort nicht über einen Fuß tief, fondern breiten ſich 
nachher auf der Oberfläche aus, Er bemerfer zu- 
gleich, daß weder Tufftein, noch Felfen, oder derglei⸗ 
chen ungefähre Hindernifle hieran Urfache find, denn 
es ift überall einerley, es mag wenig oder viel guter 
Grund da feyn. Den Grund diefer Begebenheit 
füge er in folgenden Worten hinzu. Die Bäume, 
welche ohne Feuchtigkeit nicht leben Formen, und nirs 
gend einige finden, als auf der Oberfläche, wo felten 
ein Mangel daran iſt wenn auch folche bloß von dem. 
Thau, der allemaf fehr häufig fällt, berühren follte, 
ſchießen ihre Wurzeln horizontal, an ſtatt daß fie fon: 
ften perpendiculair treiben. Dieſes bemweifer, daß die 
Seuchtigfeit der Erde, die die Wurzeln führe, ihren _ 
Lauf leite, auch dann fogar, wenn fie horizontal fort⸗ 
friechen, und fie mit indie Tiefe ziehe, wenn fie felbft 
binab finfet. ; RE 
Es zeiget fich hiebey eine Schwierigkeit, dieih 
nicht mie Stillſchweigen übergehen muß. Wennein 
Saamenforn, z. E. eine Bohne, auf der Erde oder _ 
in einem Haufen anderer Bohnen auszubrechen ans 
fängt, und dann das Ende, wo die Wurzel ausbre⸗ 
chen foll, oben lieget, fo weiß man, daß diefe'fleine 
Wurzel, fo bald fie durch die äußere Haurder Bohne 
gedrungen, ſich von felbft niederbeuge und den Erd» 
. boden fuche, ohne dag man fagen Fann, daß das Ge» 
wicht der Feuchtigkeit, oder die Berührung des Waſ⸗ 
ſers fie niederziehe ; denn die junge Wurzel ift noch) 


«x 
AM 


usipee Analogie mit den Inſecten. 433 


nicht lang genug, und zu ſproͤde um dieſem Eindrucke 
folgen zu koͤnnen. Daber haben einige das Phaͤnome⸗ 
non einer anziehenden Kraft sugefchrieben, und andere, 
die nicht fo ariftorelifch gefinnt find, miffen bis diefe 
Stunde die Urfache davon nicht. 

Es mözen aber diefe Bohnen, und alle andere. 
Saamenförner, gefäer feyn auf welcye Are fie wollen, . 
fo muß man bemerfen, daß der erfte Anfang der 
Wurzel fich immer auf einerlen Weiſe, nämlich mit 
der Are der Bohne parallel ausdehne, bis er durch 
die $änge biegſam wird und von der Schwere ver 
Feuchtigkeit gekruͤmmet werden fann. Hievon bin 
id) durch folgenden oft wiederholten Berfuc) uͤberfuͤh⸗ 
ret worden. Ich waͤſſerte einige Bohnen 24 Stun⸗ 
ben ein, und legte jie nachher in ein Gefäß auf eine 
feuchte Ede; ; in dieſelbe waren die Bohnen nur zur 
Hälfte gefteckt, ſolchergeſtalt daß die Seite, wo die 
Wurzel ausbrechen follte, die Erde berührte und davon 
befeuchtet ward. Darauf fehoßdie Wurzel, wie ge» 
möhnlich aus, und richtete ſich zwey bis drey Zoll 
über der Erde fehnurgerade gen Himmel, und 
Feine zeigte einige Neigung, fich zur Erde zu beugen. 
Nachdem fie dieſen Eleinen Wachsthum erlangt hat⸗ 


ten, vertrocfneten fie alle, bis auf Diejenigen, mit 


denen ich einen andern Beriuh anftelfen wollte, 
‚Was biefe betrifft , fo legte ich ein Stuͤckchen gewaͤſ⸗ 
ferten Schwamm an fie, wenn die Wurzel ungefähr 
zwey tinien lang war, fo, daß eben ihre Spige davon 
beruͤhret ward, und ich mochre den Schwamm gerade 
von der rechten oder von der linfen Seite anlegen, ſo 
bogen fich die Wurzeln allemal, und frümmten ihre 
Tr genau nach der tage des Schwammes, in 

Ee a2 ‚welchen 


\ = 


434 Betrachtung iiber die Pflanzen 


welchen ſie hineindrungen, und ſich als ein Kind an 


der Bruft feiner Amme an ihn hielten, Man ſiehet 
hieraus, daß bloß das Waſſer die Wurzeln bewege, 
vielmehr biefe als eine andere Lage anzunehmen. 


Es ift eine geroiffe Zeit, die man leicht bemerken 
kann, da man augenſcheinlich ſiehet, daß die Wurzeln 
auf alle Arten wachſen. Dieſes geſchiehet fur, nad» 


dem der Saamen gefaet worden. Ich hate zum 


voraus gefeßet, welchem auch nicht twiderfprochen wer: 


‘Den Fann, daß der Saft durch. alle Flächen ihrer 
Seiten in die Wurzeln dringe, und fie. auffchwelle 


wie eine biegfame Röhre, in welche man durd) ihre 


Luftlöcher Waſſer oder Wind beinger, In diefem 


vereiniget ſich die ganze Kraft, ſo lange ſie an einem 
Ende einen Widerſtand findet, gegen den Ort, wo ſie 
ſich am leichteſten ausdehnen kann. Eben ſo iſt es 


mit der Wurzel befchaffen, die aus dem Saamenkor⸗ 


ne dringet. In Anſehung ihrer iſt das Korn ein fer 
ſter Körper, gegen welchen fie Drücker, und den ihr 


geringer Wachsthum nicht uͤberwinden kann, weit 


leichter verlaͤngert ſie ſich an dem andern Ende, wel: 


ches als eine fehr feine Epiße leichter in die Erde. 
dringen kann. Aber nach ber Mae daß diefe Wurzel 
Kraft befümmt, die Erde öffnet, länger und Dicker 
wird, fo wirket. fie ihres Ortes, und das Saamen⸗ 


forn muß ihr meichen. „Man. fieht auch, daß faft 
alle Saamenförner von den Wurzeln aus der Erde 
herausgeſtoßen werden, ja einige zuweilen etliche Zoll 


hat. Dieſes beweifer, daß die Wurzeln auf beyde 
Arten wachſen, wenn Ihnen fein SinbeunB. An Wese Ä 


lieget. 


u wihreInalogie mit den Infecten. 435 


Irn Anſehung der Zweige Hoffe ich zeigen zu koͤn⸗ 
nen, Daß fie. von der Luft gezwungen werden, ſich ge= 
gen den Himmel zu erheben, welches aber nicht durch 
die Ausdehnung, fo fie von der Wärme erhält, fon. 
dern durch eine andere Kraft gefchicher. 

Da alle flüßige Koͤrper mit Luft angefuͤllet find, | 
fodiefe Lufttheilchen inihnen vertheilet, untergefaucht,, 
und eine bon derandern abgeſondert. Diefe alfo von. - 
einander. getheilte Theilchen find Feiner Verdickung 
oder Ausdehnung mehr fähig, Daher koͤmmt es, daß 
das Waſſer nicht enger zufammengepreht werden 
kann, ob es gleich ſehr mit Luft angefüllee iſt; aber, 
ſo bald dieſe Theilchen ſich einander wieder naͤhern, 
und ſich aneinander fuͤgen, entſtehet eine Luft daraus, 
welche alle ihre Eigenſchaften annimmt. Wir ſehen 
ſolches an dem Eiſe. Wenn das Waſſer gefrieret, 
ſo fuͤgen ſich die elementariſchen Theilchen des Waſ⸗ 
ſers zuſammen, und vertreiben die Lufttheilchen, wels 
che fie von einander getrennet hatten; diefe vertriebe« 
ne Theilchen begegnen fich, ftoßen zufammen, und 
werden zu Blaſen. Alfo vereiniget nehmen fie ihre 
Elafticität wieder an, fuchen fich) auszudehnen, und 
dehnen fich in der That mit einer erftaunenswürdigen 
Kraft. aus, weldyes, ohne die Eisfchofle zu vergröss 

fern, nicht nefcheben Fann : alsdenn zevreißen die ho⸗ 
len Gefäße des Eifes, und diefes macht eben, daß. 
das Eis leichter ift, alsdas Waſſer, indem es nichts 
‚mehr als ein Stück Waſſer derfelben Größeift, wele - 
ches durch die Luftblafen, die fich darinn ausgedehnee 
hatten, erweitert worden. | 
Ich will diefes Gleihniß auf die Sache ziehen, 
‚Die ic mir zu erklären vorgenommen babe, Wenn 
Ee3 der 


u 


436 Betrachtung über die Pflan en 


der in den Wurzeln enthaltene "Saft bis an den 





Stamm „welchen ich ſeiner Aehnlichkeit halber den 


Magen der Pflanzen nenne, geiommen iſt und er 
mit der Luft, welche er. in einer völligen Auflöfung mit 
fich führe, in ihn dringet (unter Auflöfung verſtehe ich 
bier feine Zernichtung, ſondern nur eine Theilung 
und Trennung der Theilchen) fo ift die Frage, was 
fir eine Kraft verurfache, daß er wider die Natur in 


die Hoͤhe fteige. Die Luft kann ſolches nicht thun, 


teil fie in dem Fluͤßigen aufgelöfer und alſo ohne Kraft 


if, Die Wärme kann es auch nicht, denn einemäs- 


fige Wärme, wie wir im Fruͤhlinge haben: iſt nicht 


ſtark genug, die im Waſſer von einander abgefonder- 
ten Luſttheilchen in Kugeln zufammen zu vereinigen, 


und man weiß, daß ein weit flärfer Feuer erfordert 
werde, dieſes zumege zu bringen, Die Kälte ift es 
auch nicht. Will ınan fanen, daß es dur ch Die anzie⸗ 


hende Kraft geſchehe, fo heißt folches zu den verbor« 


genen Eigenfchaften feine Zuflucht nehmen. Sollten 


es denn vielleicht Die Röhren und Suftgefäße de 


Pflanzen hun? Diefes werden wir.inder Fol ge ſehen. 
Auf dieſem Knoten beruhet die aanze Schwierigkeit. 


Ich muß beweiſen, daß die buſt in den Pflanzen ſich 


mehr ausdehne, als die äußere Luſt, und daß die 
„Wärme diefe Ausdehnung nicht verurfache, | 


e Die Fortſetzung folge kuͤnftig. * 


ER a ion — 


VIE Here 


NE. u, 

er 

Herman —— L M. 
"Philof. et Med. Doct. 


Bir 


Profefors der Arztueykunſ auf der Univerſitaͤt ie, 
Praͤſidentens des Ehirurgifchen Collegii, M. d. K. G. 
und der Koͤnigl. Akad. der Re: 
zu er | 


Vaſuche vom Quecluber 


Aus dem Lateiniſchen der 430 N. ı Art. 
EN der Philof. Tranſ. *. | 


— * 


ur diejenigen, bie.ben Urfprung der Forpers 
lichen Dinge und derfelben eigene und be— 
EI fondere Befchaffenheitendurd) fleißige Ver⸗ 
ſuche fh befannt gemacht haben, find auf den red)» 
ten Weg gefommen, fich eine wahre Kenntniß von 
diefen Sachen zu erwerben. Go oft fie aber die 
Huͤlfsmittel ihrer Wiffenfchaft erzählen, befennen fie 
auch einftimmig, die Chymie habe ihnen dazu den 
größten Nutzen geleiftet. — ſie auch die Shhrift⸗ 
Ee | ſteller, 

* Diefe wichtigen Berfuche find in drey Theilen in die 


Philoſoph. Transact eingeruͤckt davon bier der erſte 
geliefert wird; die andern fflen zu ihrer — eben⸗ 





* folgen. Anm. d Ueb. 


4338 Hermann Boerhaavens 
ſteller, die in dieſer Kunſt berühmt RR find; 
. forgfältig durchgehen, fo erhellet, daß die alten Al⸗ 
chomiſten den Vorzug vor den übrigen verdienen, 
wenn ſie von, der ‚Natur reden. Ich berufen ich 
deswegen auf den Geber und auf diejenigen, die ihm 
am nachſten kommen. Dieſe beſchreiben nur 35 
weg das, was ihnen ihre Kunſt entdeckt hatte, auf 
welche * alle ihren Fleiß wendeten, ohne ſich um et⸗ 
was anders zu bekuͤmmern. Kein Menſch hat der 
Natur fo ſcharfſinnig und fo unabläßig nachgeforfcht, 
und die Materie ducch fo mannichfaltige Berfuche zu 
erkennen gea:beitet, als die Alchymiſten. Wie dieje⸗ 
nigen/ welche die Hermetiſchen Weiſen geleſen ha⸗ 
ben, leicht zugeſtehen werden, daß ſich dieſes ſo ver⸗ 
halte, wenn ſelbige ‚gemeine, Erfindungen deutlich 
erzaͤhlen, ſo klagt man ſie gegentheils an, daß ſie 
von dem Geheimniſſe der Weiſen ſo dunfel ſchrie⸗ 
ben, als ob ſie hier nicht wollten verſtant en ſeyn. 
Man ſpricht, ſie braͤchten Hier ſo viel ungeh ure von 
allen bekannten Wahrheiten entfernte," un fdas 
ſchwuͤlſtigſte uͤbertriebene Neuigkeiten vor, ai 
fie als wahnſinnige Fabelhaͤnſe und eitle Br 
verlachen muͤſſe. Sie ſind ſo ſtrenge in ihren Wor- 
ten, als reich an Verſprechungen, da ſie indeß die 
Sabe felbft fo Dunkel vortragen, daſſ es fcheint, als 
Be fie ihre Geheimniffe nicht offenbaren. ‚Des 
rowegen halten die meiſten Klugen dafuͤr „ihre 
- Berfprechungen zu erfüllen fey der Natur und der 
Kunft unmöglich, und diefe-Schriftfteller verdienten 
nicht unter die Philoſophen gezählt, oder von ſolchen 
Ki zu werden, , Gleichwohl glaubt n ‚einem 
Sa in feiner Kunft mehr. alg einem. Inerfahr- 
Hei 





| 9 Verſuche vom Queckſilber. 


nen, und die Urtheile, die wir von der a 
der Sachen fällen, find affezeit zu verwwegen. "Bor: 
nehmlich da diefe Chymiſten ſich beftändig ertlären, 
man ſolle ihre Schriften nach den gemifleften &efegen 
der Matur unrerluchen, die man aus untrüglichen Er: 
fahrungen erlernet babe, und ihnen feinen Glauben 
behmeſſen, wofern die Kräfte der Natur, die man 
aus fichern Eriabhrungen Eennte, ihnen zuröibier waren, 
Ja fie fagen vielmehr, dieſes werde nur deswegen 
von ihnen gefchrieben, daß Unwuͤrdige von diefen 
Geheimniffen follten abgehalten werden, die fie Wür« 
digen entdeckten, daher hätten fie unter das Aufrich- 
tige, Deutliche und Wahre mit Fleiß viel Falſches 

und Dunkeles ſetzen muͤſſen. | 
Da ich die Chymie unterfucht, und der Alchymi- 
ften Schriften gelefen habe, babe ich gefunden, daß 
fie alfe einerley Sinnes find, Alle fteflen fich vor, 
die Metalle würden in ihren Gängen natürlicher, 
Weiſe erzeugt und genaͤhret, fie wüchfen und ver- 
mehrten ſich dafelbft, wie die andern natürlichen. 
Körper jeder an feinem Drfe ; die Nahrungsmittel 
Der Metalle, die erft von einer andern Natur-wären, 
würden durch den zeugenden metalliſchen Saamen 
in einer wahren metallischen Natur dergeftalt verän- 
dert, daß fie blog durch die Kraft dieſes Saamens 
ihre alte Eigenfchaften verlöven und neue erbielten, 
bloß durd) die gelinde Wirfung der ſchwaͤngernden 
Wärme, Alles diefes gefchebe auf eben die Art, 
‚wie von dem Saamen der Pflanzen und Thiere die 
erhaltene Nahrung zu ihrem Wachsthume verwandte 
wird. So würde alſo der belebende Saame des 
wachfenden Goldes, die he die er empfinge, 
in 





440. Hermann Boerhaavens | 
‚in einer gehörigen Mutter, vermittelſt geſchickter 
Wärme in feine befondere Natur verändern. Alſo 
glauben fie nad) Geſetzen, die den unterirdifchen 
Wefen vorgefchrieben wären, würde aus einer vom 
Golde unterfchiedenen Materie in langer Zeit beftän- 
Dig wahres Gold. Es verwandelt nämlich vermits 

telſt feiner Lebenskraft die erhaltene Nahrung in eine 
ihm ähnliche Materie, fo lange vorerwähnte vier 
Umſtaͤnde vorhanden wären. Bey genauerer Unter» 
fuchung diefer Umſtaͤnde haben fie gefunden, daß die 
fehon erzeugten Metalle, befonders das Gold, in 
einem dichten und reinen Steine genau: verfchlofien 
- wären, wo fie rings herum ſo umgeben würden, daß 
man weder Zugang noch Ausgang ſaͤhe. Die dichte, 
harte, undurchdringliche, reine, überall verfchläffene 
Murter des entftehenden Metalls ftelle Glas vor. 
Kaum ift etroas ſchwerer zu verſtehen, als wie das. 
dichte Metall durch die ſchwere Laft des harten Steis 
nes bis in die metallfchwangern Gänge hat dringen 
koͤnnen: Nicht weniger iſt es ung verborgen, auf 
was für Art das Metall an diefe Derter ins geheim 
gekommen iſt, wenn. es vom Anfange, wie man für 
ſehr waheſcheinlich hält, flüßigwar. Solchergeſtalt 
hat man die wahre Mutter der Metalle kennen ler ⸗ 
nen; man hat auch die wahre Wärme der Bergwerfe 
entdeckt, die felten fo ſtark iſt, als Die gelinde Wär- 
me eines gefunden Menfchen, oft aber noch unter 
dem 60 Grade des Fahrenheitifchen Thermometers 
ftehen bleibt. Daher befehlen auch) die Lehrer der 
Geheimniffe, die ſchwangere Materie foll in einem 
reinen Glaſe verfchloffen, mit einer Maymarme 
abgewartet werden ; Diefe aber. befinden wir meift 
N — von 


— 


 Derfiche vom Quecfilber. 441 
von 50 Graden : Und fo) groß bat Cruquius durch. 
' forsfaltige Beobachtungen feldft die mittlere Wärme 
des ganzen Jahres befunden. Die Nahtung des Me⸗ 
talles, und was die fruchtbare und zeugende Saa- 
menmaterie fen, ift noch verborgener, - "Die meiften 
erfentien ‘das Queckſilber, eine Materie, die allen 
Metallen gemein ift, dafuͤr: diefes wirde durch Die 
Kraft des lebendigen Saamens verändert und gabe 
ein beſtimmtes Metall, nach der befanden Beſchaf⸗ 
fenheit der Wirfung des Caamens. Alle Metalle 
würden alfo durch das Duedfilber und diefe metafli: 
ſche Kraft, (die man Schwefel nennet) wenn man 
forche bey nehöriger Wärme mit einander vermengt, 
zu der vollfommenen Geftalt eines befondern Mes 
talls gebracht, und daher laſſe ſich jedes Metall in 
dieſen beyden auflöfen. Gleichwohl hängt dem Queck⸗ 
ſilber von feinem erſten Urſprunge ein Fehler an, der 
mit ihm auf Das genauefte verbunden ift, und‘ fich 
ſchwer trennen laͤßt. Alſo wuͤrde das Queckſilber, 
das wir haben nicht das reine und einfache, ſondern 
vermoͤge der fremden ihm beygemengten Eigenfchaft, 
ſchon von einer beftimmten Natur feyn, und ſich daher 
faum bon der Kraft eines befondern metalliichen Saa⸗ 
mens in die Natur dieſes Metalles vorwandeln laffen: 
würde e8 aber durch ſchwere Kunftgriffe von diefem 
fremden Fehler gänzlich gereinigt, fo fey es-afsdenn 
erſtlich unverfälfcht, Taffe fıch weder durch die Kunft 
noch durch die Natur in Weſen von verfchiedener 
Art theilen, und alsdenn vermehre fich der belebte 
Saame eines jeden Metaffes vollfommen, wenn er 
in ihm aufgelöft werde : das Gold feldft » welches 
in ihm zergebe, gewaͤrmt und gezeitigt werde, ſey 

der 


Hermann Boerhaabens 
2 in fo geſuchte und berühmte an Biefge 


Arbeit. 

Da ich fahe, daß Sie vornehmſten gehen der 
Kunft in diefen Grundfäßen mit einander eins waren, 
babe ich mic) lange bemüber, durch Erfahrungen zu ler⸗ 
nen, wie man denn den reinen Merkur erhalten koͤn⸗ 
ne? ob er fih aus dem Metalle bringen laſſe? Was 
der andere Theildes Metallsfey, der das Queckſilber 





unter fein, Joch zu zwingen vermöge? Ich will erzaͤh⸗ 


len was ich erfahren habe, nicht die Kunſt zu lehren, 
denn davon bin ich fo weit entfernt-als einer; fendern 
ich will nur aufrichtig, mühfame, und fo gewiſſe Ver—⸗ 
ſuche, daß man fie für wahr annehmen kann, beſchrei⸗ 
ben. Andere werden fie alsdenn nicht wiederholen, 
fordern ſich ihrer nur als richtig behienen dürfen, fo 
oft es noͤthig iſt. Ein fleißiger Künftler kann diefe 
zum Grunde gelegt feine Gedanfen auf, etwas anders 
richten, und die Chymie dadurch höher reiben, Hätte 
nur jeder feine befondern Arbeiten. zum gemeinen 
* mitgetheilet! Das erfte ſoll ſeyn: | 


I. Wenn manveines Queckſilber in einem trocknen 
veinen Glaſe nur hin und her ſchuͤttelt, erhaͤlt 
man ein weiches, fehwarges,, zartes Puiber. * 


Verfahren. 


Sechzehn Unzen bey der amſterdamiſchen Sefell Pi 
ſchat gekauftes Queckfilber druͤckte ich durch Leder; 
es blieb keine Unreinigkeit zuruͤcke. Ich rieb es lan⸗ 
ge mit reinem Waſſer; auch dieſes blieb nach dem 
Reiben rein. Es ward lange mit Meerſalze gerie⸗ 
ben, ohne daß ſich die Farbe des Salzes verunreinig⸗ 
te. Man goß Wafler auf dieſes Salz das 

Luchs 


WVeerſuche vom Queckſilber. 443 
Queckſilber, wiederholte das Reiben, und hoch ver« 
änderte fich die Farbe nicht. In allen dieſen Um— 
ftänden hat ſich nichts ſchwarzes nichts fremdes oder 
unreines entdeckt, Das Quedfilber ward alsdenn 
abgewafchen und getrocknet: da es noch glänzend war, 
Ich that es in eine trockene reine Flaſche aus dunkel⸗ 
gruͤnem deutſchen Glaſe: zualeich feste ich es in 
Sand bey einer Wärme, die beynahe das Queckſil⸗ 
ber zu erheben vermögend war, damit ich defto fiches 
ver wäre, das Wafler das fich oft verborgen beym 
Queckſilber befinder, folchergeftalt alle fortzutreiben ; 
in Diefen Umftänden erhielt ich es drey Tage: ch 
trieb einen reinen trockenen dichten Korkſtoͤpſel in den 
Hals des noch warmen Gefaͤſſes fo ftark ich Fonnte, 
das Glas recht zu verfehliegen, Die verftopfte Oeff⸗ 
nung der Flaſche fteckte ich in einen Kuͤtt aus Pech, 
Harz, Unſchlitt und Schwefel, und zog ein Stück 
geinwand darüber, das ich mit zufammengezogenem 
Bindfaden recht genau verband. Mach diefer Bor: 
bereitung that ich das Slasin ein hoͤlzernes Käftchen, 
das fo gemacht war, daß die Flafche überall an die 
Seitenwände anrührte, und füllte ven Zwifchenraum 
zwifchen dem Käftchen und dem Glaſe mit trocknen 
Kleyen aus. Darüber befeftigteich einen durchbohr⸗ 
ten Decfel, daß der Hals der Flafche mic feinem 
Dbertheile etwas über die Deffnung berausragte, 
Innerhalb des Käftchens war das Glas unbeweglich. 
So ließ ich es an den Steinpeleiner Walfmühfe die 
Tag und Nacht gieng wenn der Wind wehete befefti« 
gen. Es wurde vom erften Merz 1732 bis zum 13 
Wintermonats eben diefes Jahres beftändig durch 
fenfrechtes Erheben und Miederfallen, erfchürtert. 

N 1 Erfolg. 


Mr Hermann Boerhe hanvend 
Frfel a N 
Wie ich die dlaſche eroͤffnete, fand ich vr das 
Gewichte Duedfilber, überall mit einem weichen 
ſchwarzen häufigen zarten Staube bedeckt. Ich 
Druckte es Durch reines Leder. Es gieng fluͤßiges 
reines Queckſtlber durch. Im Leder blieb vorerwaͤhn⸗ 
e Staub zurücke, der einen ſcharfen metalliſchen Ge» 
Ri mac pugelühr wie Kupfer hatte, | 





Solgerungen. J 

1. Das Dueckfüber, das für. fich nicht den gering: 

ften Geſchmack hat, erhält durd) bloſſes Schür- 
teln einen metallifchen fupferartigen Geſchmack. 

2. Da es zuvor ſehr gelinde war, wird es ſcharf, 

angreifend, 
3. Sein Gilberglanz verwandelt fih in die dun⸗ 
kelſte Schwärze. 

4. Sein flüßiges Weſen in trocknes Pulver. 

5. Alfo kann es unter der Geſtalt diefes Pulvers 
verborgen bleiben, und Unwiſſende betriegen. 
II. Das reinſte Queckſilber, mit dem man wie (I.) 
verfahren bat, giebt eben Das Pulver in viel 
größerer Menge, f | 
Ver fahren. 

Ich argwohnte, es koͤnnte ſich etwas von Mater 
vie anderer Art in dem Duedjilber verhalten, und 
durch die Bewegung in Geftalt Diefes Pulvers abge: 
fondert haben: Ich habe Daher das Queckſilber allesaus . 
einer gläfernen Retorte in erhigtem Sande uͤbergetrie⸗ 
ben, e8 wieder in: eben die Retorte aefchüttet, und.von 
„neuem übergetrieben : diefes ift fechzigmal von mir wies 
derholet worden. Sofchergeftalt war das Queekſi ber 61 
moldeſtuire. Auf des Gefaͤßes Boden a ich 5. 


— — 


Verſuche von Quedfi (ber. 445 . 


Drachen: dig Dulvers, von dem ich nachgehends | 
reden werde. : Das Durefilber ward hievon ſehr 
beweglich und glänzend. Ich habe zwo Ungen das, 
von in vorerwähnter Mühle auf eben die vorige (1.) 

Art und eben fo lange fchürteln laſſen. —2 


Erfolg. 
Das Gewicht war einerley. Es zeigte ſich ein 
weiches ſchwarzes Pulver, von ſcharfem metalliſchem 
kupferartigen Geſchmacke, welches ſich auf zwo Drach⸗ 
men und 26 Gran belief, und alfo mehr als den ach» 
ten Theil austrug, da von dem Kaufqueckſilber durd) 
eben das Verfahren kaum der 128 Theil in Pulver 
veraͤndert war, 


Solgerungen. 

I. ‚Quedfilber, das 610 mal deftilliee iſt, und gar 
feinen Geſchmack hat, erhält einen metalli« 
fhen Geſchmack. | 

2. Da es zuvor gan; gelinde war, wird. es ſcharf, 
angreifend, 

3. Sein filberartiger Spiegelglanz verändert fi ch 

in die dunkelſte Schwaͤrze. 

4. Seine natuͤrliche Fluͤßigkeit in feſtes Pulver. 

5. Es behält dieſe Eigenſchaft in langem, ſtarkem, 
oft wiederholtem Feuer. 

6. Alſo ruͤhret felbige nicht von fremder Unreinig- 
keit des Queckſilbers her, die ſich durchs F Feuer 
hätte abſondern laſſen. | 

7. Das rothe glänzende, fcharfe Weſen, das A 
‚ber Deftillation am Boden der Netorte übrig 
bleibe, ift dem ſchwarzen nicht — als der 
zn der flüchtig geblieben ift, 

; 8. Das 





Herman Boerhaaveꝛ er 


s ne Dueckfilber läßt fi) A J SM 
durch Schuͤtteln ſchwarz maihen, * iſt alle 
von veränderlicher Farbe, 

9, Giebt es mehr ſchwarzes, wenn, es in geringer 
ver Menge geſchuͤttelt wird? | 

IH. Das fehwärzefte Pulver des (II.) Berfuchs, 
verwandelt fich wieder in reines Duedfiber, 
wenn es mit ftarfem Feuer angegriffen wird. 

Derfabren. : RE, 

Zwo Drachmen ſechs Gran des ſchwarzen Pul⸗ 
vers (11.) habe ich in ſtarkem offenem Feuer aus einer 
reinen gläfernen Retorte übergerrieben, daß nach „no 
Stunden die ganze — gluͤete. 
Erfolg. | 

Im Recipienten befanden fich zwo Drachmen zwey 
Gran des reinſten, ungeſchmackten, glaͤnzenden Queck⸗ 
ſilbers. An den Seiten des glaͤſernen Gefaͤßes, das 
mit der Retorte verbunden und unten mit Waſſer 
gefuͤllet war, hieng hier und dar etwas Queckſilber, 
das ich ſo genau nicht habe ſammlen koͤnnen. Auf 
dem Boden der Retorte war ein feſter, kleiner, uns 
gemein aanter und Faum fichtbarer Flecken. | 

Solgerungen. 

1. Ein und fechzia mal deſtillirtes, —— 
und in vorbeſchriebenes Pulver verwandeltes 
Queckſilber, veraͤndert ſich nur Durchs Feuer in 
ſeine alte Geſtalt. 

2, Da es zuvor ſcharf angreifend war, wird es 
gelinde, | 

3, Seine ſchwarze Farbe berwanden h in ben 
helfen Spiegelglanı, x 

| 4: Aus einem feſten Data, wich, es in, | 
IH. 5. Bey 


Berfuche von Quekkſi (ber. 447 


5. +, Ben diefem drenfachen Verfahren bleibe es von 
einerley Natur, ob es wohl immer eine andere, 
Geſtalt darſtellt. 

6. Indeß entſteht durch dieſes Verfahren aus dem 
——— ein wenig feſtes Weſen. 

7. Das Schwarze war keine Unreinigkeit, oder 
was Fremdes, das ſo waͤre vom Queſilber ge⸗ 
ſchieden worden. 

Anmerkung. 

Ich habe Queckſilber in glaͤſernen coniſchen Retor⸗ 
ten mit flachen Boden, die mit einer umgekehrten 
chymiſchen Phiole verſchloſſen waren, einem Feuer 
von 108 Graden verſchiedene Monate lang ausge⸗ 
ſetzt. Es ward ſchwarz und gab ein vollkommen 
aͤhnliches ſchwarzes Pulver. Alfo sthun Schuͤtteln 
und Feuer in dieſem Grade einerley Wirkung i in das 
Queckſilber. 

HI. Queckſilber wird nur durch die gemeine De 

fillation verändert. 
Verfaͤhren. 

Achtzehn amſterdamer Pfunde Suekfilber, ‚ wie 
man es bey der amfterdamifchen Gefellfchaft zu Kaufe 
bat, habe ich aus einer reinen gläfernen Retorte mit 
Sandfeuer i in einenXecipienten übergetrieben,der vom 
Boden vier Zoll Hoch mit dem reinften Waſſer ange: 
füllt war, fo lange, bis Fein laufendes Duecffilber mehr 
im Bauche des Gefaͤßes blieb. Ich habe das Queckſil⸗ 
ber mit reinem trocknen Loͤſchvapier abgetrocknet und 
gereiniget, Daß es ganz trocken von allem hineingefalles 
nen Unrathe, und von dem Schwarzen, das fich mit 
dem Duedfilber bey jeder Deftillation erhebt, befreye 
war, Alsdenn babe ich es wieder in eben die Netorte 

4 Dand, BT gethan 





448 Hermann Boerhaaven 


gethan, und wie vorhin verfahren, ſolches REN zwey · 
und funfzigmal wiederholt. Bey einer jeden De⸗ 


ſtillation entſtand in der Retorte ein —— Banen 


bes Pulver, | 
| Erfolg. BETEN 
Nach 52 Deſtillationen hatte ich . Deechmen 
ſcharfes rothes glänzendes oben und unten purgiren⸗ 
des Pulver. Vom Queckſilber waren noch 16 Unzen 
5 Drachmen übrig, alfo 64 Drachmen verloren ges 
gangen. Dieß ift nicht zu vermeiden: Es dringt et⸗ 
was durch die Verkleibung heraus, und hängt ſich et⸗ 
wasSchwarzes und ein wenig Queckſilber an das Löfch« 
papier, wenn man es jedesmal abtrocknet. So we: 
nig folches auch auf einmal betraͤgt, fo macht es doch) 
bey der Wiederholung mas merfliches aus. Das 
Pulver war fehwer, glänzend roth, fehr zerreiblich, 
von einem feharfen metallifchen ekeln Geſchmacke, der 
fehr angriff und Faum aus dem Munde zu bringen 
war ; es beunrubigte den menfthlichen Körper lange 
und ftark, und veranlaßte Fortichaffung des Unraths. 
Das Duedfilber,mirdem ich auf die Art verfahren hats 
te, fchien flüßiger als Das gemeine, 
Folgerungen. — 
1. DasQd. uecfilber, mit dem man im Feuer befehrie | 
bener maßen verfährt, verändert fich aus feinem 
flüßigen Wefen, was ohngefähr den 28 Theil 
feines Gewichtes beträgt, in ein zartes Pulver, 
2. Sein filberartiger Spiegelglanz wird feuerrorb. _ 
3. Da es ganz ohne Geſchmack ift, fo erhält es einen 
— widrigen, metalliſchen ONEMBEIRgenben 
Geſchmack. | 
4 Da 9 





Verſuche vom Quedfilber. 449 


El Da es hoͤchſt gelinde iſt, ſo wird es ſchar F,giftig. er 
regt Unordnungen und Schmerzen im Korper, 
5. Sein fluͤchtiges Weſen wird feuerbeftändig, mes 
nigftens in dem Grade des Feuers, in dem eg zu⸗ 

— vor fortgieng. 

6. Sein uͤbriger Theil wird nur fluͤßiger, und be⸗ 
hält ſonſt die vorigen Eigenſchaften. 
7. Die bloß mechaniſche Bewegung, und ein nur 
—— Feuer machen das Queck ſilber ſchwarz, * 

ein ſtaͤrkeres Feuer roth, in einem verſchloſſ enen 
Gefaͤſſe. 

V. Mich verlangte zu wiſſen, was mit dem Queck⸗ 
ſilber weiter vorgienge, wenn es noch ferner mit 
dem Feuer, das zur Deſtillation noͤthig iſt, bes 

arbeitet würde, 

| Derfabren. 
Ich ließ 15 Ungen 5 Drachmen Queckſilber, das vom 
(IV.) übrig war, wie vorbin, fo lange deftilliren, bis‘ 
nichts mehr am Boden blieb, Was übergegangen war, 
- reinigteich, trocknete es, und goß es allezeit roieder in 
die Retorte. Das wiederholte ich 448 mal. So 
war das Queckfilber 500 mal deftiliiet worden, Al 
lezeie harte fich was Rothes erzeugt ; allemal war es 
fluͤßiger und reiner übergegangen, Die Ießtenmale 
hatte ich das Feuer heftiger gemacht, da fchien fih 
‚aber diefes rothe Pulver eher zu vermindern, als zu 
vermehren, vielleicht war es wieder zum Theil in 
| Queckſilber veraͤndert worden. 


Erfolg. | 
- Das Pulver am Boden der Retorte wog ı Unze 


5 Bari und 2ı Gran. Das Q uedfilber, dag nad) 
f2 500 


450 Hermann Boerhaavens 
500 Deftillationen noch übrig blieb, beteug 9 Unzen 
5 Drachmen; bey fo viel. Deſtillationen aber waren 
manchmal die Retorten geſprungen, und etwas Queck⸗ 
ſilber verflogen, außer dem, was bey fo vielmal wie⸗ 
derholtem Reinigen und Abtrocknen verloren gegan-⸗ 
gen war. 0% A RR 







Solgerungen. 
1. Die’ Folgerungen des II und IIII Verſuchs find 
auch hier noch richtig. 
2. Das Queckſilber iſt auf einer Seite ſehr une 
- veränderlich. — 
'3, Auf der andern ſehr veraͤnderlich. 
4. Bielleiche nimmt es nad) der Verwandelung 
feine vorige Geftalt wieder an, - 
5, Bielleicht erzeugt es fic) Durch eine neue Wir- 
Eung des Feuers wieder, und wird wieder in Die 
verwandelte Geſtalt veränder. 
VI. Die Eigenfchaft des Queckſilbers, daß es durchs 
Feuer in dieſes Pulver veraͤndert wird, kann ihm 
ſchwerlich durch die Deſtillation benomen werden, |] 
2: 5 "»Dekfabeen: EL? 
Ich Habe das üßigftereinfte Aueckjilber, aus dem 
ich mit sor Deftillationen 2 Unzen 1 Drama und 51 
Gran (I. IIII. V. Berf.) gemacht hatte, und davon TI 
noch 10 Unzen st Drachmen übrig waren, aus einer 
reinen gläfernen Netortedeftilliver, daß alles Queckſil⸗ 
ber in den Recipienten übergieng. Der Boden der 
Retorte war forein,als fäme fie nur erft aus dem Glas⸗ 
ofen; aber inwendig, wo des Queckfilbers Oberfläche 
‚vor der Deftilfation geftanden hatte, befand ſich ein. 
alänzender fchön feuerrorher, anfehnlicher zatter Ring. 
Das uͤbergegangene, gereinigte, getrocknete — 
| babe 


Verſuche vom Queckſilber. 451 


habe ih, twieder in eben die Retorte geſchuͤttet, und 
übergetrieben. Solches ift von mir zehnmal wie— 
derholt worden : Jedesmal bat ſich das rothe Pulver 
vermehrt, und im nicht geringerer Mienge, als aus 
dem noch rohen agree 

Erfolg. 

Das Queckſilber war ungemein lebhaft und glan— 
zend. Das feuerbeſtaͤndige Pulver glaͤnzte ſehr ſchoͤn 
feuerfarben, das übrige war wie bey II. IIII. V. 
Es belief ſich auf fü ieben Gran. 

Solgerungen. 

—— Eigenſchaft des Queckſilbers, ſich vom 
Feuer in dieſes Pulver veraͤndern zu laſſen, 
bleibt bey ihm auch nachdem ſein achter Theil 
in dieſes Pulver iſt verkehrt worden. 

2, Nach zur Deſtillationen bleibe fie noch, deren 
jede etwas dergleichen Pulvers gegeben hat, ob= 
gleich Fein neues Dueckfilber dazu gefommen ift. 

3. Alfo Fann man diefes Pulver fehmwerlich für ei— 
ne Unreinigfeit des Queckſilbers halten, die fich 
durchs Deftilliven von feinem Kerne abfondern 
ließe. 

4. Und alſo ift man hieraus verfichert, daß es fol- 
chergeftalt verändert wird ; es ift nicht gemiß, - 
daß es auf diefe Art gereinigt wird. 

5. Das Feuer vereiniget fic mit dem Queckſi (ber 
nicht fo, wie berühmte neuere Chymicigefchrie- 
ben haben. 

6. Der Rünftler wird mit alle feinem Fleiße ſchwer⸗ 
lich die Graͤnzen finden, über welche diefes Pul- 
ver nicht mehr wird. 

7, Entſteht diefes Pulver durch das Feuer aus des 

33 Queck⸗ 


Alien (bers rohem Ehieefel, ſo reiniget dieſe 
Deſtillation das Queckſilber nicht von demſelben. 

VII. Das Pulver des H. AI. V, VL, Verſuchs 
zu unterſuchen. | ; 

Verfahren, | 

Ich habe zwo Unjen eine Drachma und st Gran 
diefes Pulvers in eine reine gläferne Retorte, die mit 
Thon und darunter vermengtem Sande überzogen 
war, gerhan, das Feuer nach und nach verftärft,bis end» 
lich die Retorte, da ich frenes euer darauf brachte, 
fait von dem darauf gebrachten helfen Feuer glüete; _ 
diefes gefchahe im Sandofen drey Stunden 


einander. 
Erfolg. 

Aus dieſem Pulver iſt eine til und eine helbe 
Drachme reines wieder hervorgebrachtes Queckſilber 
geworden. Auf dem Boden der Retorte blieben bis 
achtehalb Drachmen feuerrothes Pulver. Im Halſe 
der Retorte iſt was haͤngen geblieben, wie auch in dem 
Recipienten, der an den Hals der Retort⸗ geleget 
war. Vielleich iſt auch was durch ſo Ian, und 
heftiges Feuer zerftreuet worden, ; 

FSolgerungen. 

1, Das Queckſilber entſteht wieder aus dem m Dur 
ver, in das es von euer war verwandelt wor⸗ 
DER: 

2, &s befömmt alsdenn alle hehe vorige Beſchaf⸗ 
fenheit wieder, und lege die ab, Die es ange: 
nommen hatte, Aus dem Pulner wird eben 
das Queckſilber. 

3. Es iſt nicht ſo feuerbeſtaͤndig worden/ daß es 
ſtarkes Feuer aushielte. 

Gleich— 





Verſuche vom Queckſi (ber. 453 


4 Gleichwohl iſt in dieſem Pulver ein Theil feuer- 
beftändiger als der, andre, jener bleibe noch 
Pulver, wenn ſich diefer wieder in Aueckſilber 
veraͤndert. 

VIII. Unterſuchung bes von vorigem Verfaßren 
‚VII, übrigen Pulvers, 

Derfsbren. 

Ich habe 7 Drachmen und 38 Gran dieſes Puls, | 
vers aus einer weinen gläfernen Retorte, die mit eis 
nem Umſchlage aus Thon und Sande bedeckt war, 
in freyes Feuer gelegt, das ich vorſichtig nach und 
nach verſtaͤrkte, bis die kleine Retorte vom Feuer, 
das fie oben und unten bedeckte, ganz gluͤete. In 
ſolchem Gluͤen habe ic) fie vier Stunden lang er⸗ 


halten. 
Erfolg, | 

Im Wecipienten befanden fich bis auf * gan⸗ 
zer Drachmen reines Queckſilbers, das wieder aus 
dieſem Pulver entſtanden war. Auf dem Boden der 
Retorte waren funfzehn Gran eines braunen zarten 
und in ſo langem und ſtarkem Feuer noch beſtaͤndigen 
Pulvers. Ein breiter zarter Fleck von ſehr ſchoͤner 
rothen Farbe befand ſich auf dem Boden der Retorte, 
und war wie in das Glas eingedrungen. 
| Solgerungen. 

1, Das Quedfilber wird nur durch das Feuer in 
oben befehriebenes (I. III. V. VI. VII. VIII.) 
Pulver verändert. h 

2. Diefes Pulver wird nur durchs Toner, aber: 

— durch ein größeres , in Queckſilber verändert. 

3. So ftirbt die Schlange, wenn fie fid) fesbft ge: 


biffen hat. 
| Ff4 .. Und 


— 





— Hermann Boerha ve ı 


4 Und ſteht nach dem Tode ih wieder auf. 

N 5, Ben fo viel Arbeit, in fo viel, fo lange unter: 
baltenem euer, find aus 16 Uiyen Queckſil⸗ 
bers nur 15 Gran feuerbeſtaͤndig geblieben, in 
einem Glaſe, das faſt bis zum Schmelzen gluͤete. 

6. Silber, Gold, andere Metalle, ſind auf dieſe 
Art ſchwerlich aus dem Dueckfilber zu erhalten, 
daß Arbeit und Koſten belohnt würden, | 
. Bon dem Pulver, das auf diefe Art aus dem 
" Hueckfilber ift feuerbeftandig gemacht worden, 
bleibt nur der 72fte Theil im Feuer beftändig, 
Das übrige alles wird wieder Queckſilber. 

8. 22 Gran find verloren gegangen. Sind fie _ 
zerftreuet worden ? Hat das Queckſilber Diefe 
Vermehrung des Gewichts vom Feuer erhal⸗ 
ten, und bey großerm Feuer wieder verloren ? 

9. Die beftändige und einfache Natur des Queck⸗ 
filbers laßt fich durch Deftilliren niche in Theis 
le verfchiedener Are zerlegen, Weder in feuerbes 


ftändiges und flüchtiges, noch in reines und un · 


reines, noch in Unrath, und vom Unrathe ge- 

fäubertes ; noch in Elemente von mancherley N 

Art, 
VIII. Dreyſehn Gran biefes letten Feuerbeftän | 
| digen Pulvers (VIII) habe ich in einem Schmelztie⸗ 
gel in freyes Feuer vor dem Gebläfe gebracht. Ich 
habe das Feuer durch das Gebläfe dergeſtalt vermehrt, 
daß der Schmeljtiegel durch und durch gluͤete. S 
babe ich es eine Viertheilftunde erhalten, Am Bo— 
den iſt ein feuerbeftändiges Pulver geblieben, Das 
aber braun und wie ein Schwamm aufgefehwollen 
far, Ich habe daraus gelernt 4 daß biefes ‚ge 


Se 


Verſuche vom Queckſilber. a 


bloß durchs F Feuer eine große Seuerbeftändigfeit zu⸗ 
laͤnglich erhalten habe. 

| X. Alsdenn habe ich zu diefem feuerbeftändigen 
Pulver (VIIII.) etwas Borar in Schmelstiegel ge: 
£han, und das Feuer mitdem Bebläfe verſtaͤrkt. Es 
iſt alles —5 eine Maſſe geworden, die ſich zer⸗ 
reiben ließ, in Glas verwandelte, und in dieſem 
großen Feuer beſtaͤndig blieb. 

XI. Zwey Gran dieſes Pulvers, das (VIII.) bis 
auf 15 Gran fo feuerbeſtaͤndig blieb, babe ich einem 
erfahrnen geſchwornen Probirer zu Amfterdam gege- 
ben, ſolches nad) den Vorschriften feiner Kunft aufs 
genauefte mit Bley zu probiren. Nichts feuerbeftän: 
diges ift übrig geblieben. Alfo enthielt diefes Pul» 


ver weder Silber noch Gold. 


XII. Die dreyzehn Gran, die mitdem Borax inein - 
glasachtiges Wefen zufammen gefhmolzen waren, (X.) 
habe ich nebft dem Borax einem erfahrnen geſchwor⸗ 
‚ nen amfterdamifchen Probirer gegeben, daß er dieſe 
ganze Maſſe nach den Vorſchriften feiner Kunſt aufs 
forgfältigfte mit Bley probiere Don der ganzen 
Maffe ift nichts feuerbeftändiges geblieben, Alfo 


Bielte fi e nichts von Silber und von Golde. n 
| Solgerungen i 
1. Queckſilber behält im Feuer feine Natur unver 
ändere, 


2. Es ift einfach und laͤßt fich durch Deſtilliren i in 
Weſen von verfchiedener Art nicht auflöfen, 
er Es wird vom Feuer feuerbeſtaͤndig gemacht, und 
ſccheint in feiner aͤußerlichen Geſtalt verändert. 
4. Wenn es fo N es in verfchiedenen 


5 The 


germann Boerhaavens 


2 verfchiedene. Grade der Beuerbeftän 
Digfeit, 

5. Gleichwohl hat keiner von Shen Theilen von 
einem ſo ſtarken und langwierigen Feuer, die 
Feuerbeſtaͤndigkeit des Goldes und Silbers er⸗ 
halten. 

6. Die Urſache, welche es feuerbeftähbig macht, 
iſt das euer, das durch das Glas geht, und 
einen Theil des Duedfilbers dergeltalt veräns 
‚dert, es fey nun bloß durch feine Wirkung, oder 
weil es fich mit dem Queckſilber vereinigt. Ä 

7. Das Feuer, das dergeftale wirkte, hat in zır 
Deftiflationen mit feiner Kraft oder Vereini⸗ 
gung, noch nicht den £leinften Theil davon in 
Gold oder Silber verwandeln koͤnnen. 

8 Sondern aus Duedfilber , das vom Feuer iſt 
feuerbeftändig gemacht worden, bringt ſtaͤrkeres 
Teuer wieder Dueckfilber hervor ; oder Die bee 
kannte Kraft des Bleyes macht, daß es von det 
Eapelle verfchwinder. 

9, Aus diefem Verſuche, erhellt alfo nicht, daß 
Queckſilber im Feuer ſolchergeſtalt Aſmmen 
gebracht, ein bekanntes Metall gebe; Die 13 
Gran floffen beym euer vor dem Gebläfe nicht, 
blieben im Bley nicht beftändig , und folvirten 
fich miedem Queckſilber nicht in ein Amalgama, 

10. Alfo läße fich aus dieſem Verſuche nicht zei: 
gen, Daß das Feuer der Philofophen Schwefel 
ſey, der den Mercur i in feuerbeftändige Metalle 
veraͤndere. 

u. Vielmehr iſt wahrſcheinlich, der naͤchſte Schwe⸗ 
fel der Weiſen ſey etwas anders. 5 

| | RB, PR 12, Der 


Verſuche vom Queckſilber. 457 
12, Der feuerbeftändig gemachte Theil ift feine Une 
reinigkeit des Queckfilbers, noch deflen roher ftin- 

Fender Schwefel, denn es verwandelt ſich wieder 

in Queckſilber. 
13. Des Queckſilbers Reinigung von der iedifihen ; 

Unart und der wäflerichten Rohigkeit ſcheint 

durch die bloße Deftillation nicht fo leicht zu er⸗ 

Balten. Vielleicht giebr es dazu einen andern 
geheimen Weg. 

14. Gold oder Silber laßt fich durchs Feuer aus 
dem Duecffilbernnichtmachen. Leute, die Feine 
Wiſſenſchaft befigen, und ihrer Einbildung zu 
viel Kaum geben, find an Hoffnung reich und 
freygebig mit Berfprechen, Queckſilber iſt hier 
Queckſilber ‚geblieben, 

15. So find wir vor den betrügerifchen Schriften 
und Kegeln fiher. Die find Sophiften, die 
se bloß aus dem Queckſilber und Feuer in 
kurzer Zeit innerhalb wenigen Monaten verſpre⸗ 
chen. Innerhalb vielen Monaten wird man 
nicht die geringſten Spuren eines Anfangs ſehen. 
XIII. Queckſilber, das unter boden Waſſer ge 
balten wird, erhebt ſich nicht über den Boden 
des Gefäßes, 


Verfahren. 


Ich habe von reinem zweymal deſtillirten Queckſil 
ber eine Drachma in ein Uringlas geſchuͤttet, das ich 
mit Regenwaſſer erfuͤllte. Dieſes Gefaͤße habe ich auf 
freyes Feuer geſetzt: das Waſſer hat acht Stunden 
lang ſtark gekocht, Doch fo, daß allezeit noch etwas Waſ⸗ 
ſer uͤber dem Queckſilber geblieben iſt. Das * 
er. 


458 Hermann Boerhaabens 


ber iſt nachgehends gewogen worden, und hat wieder 
eine Drachma ohne allen Abgang gehabt. 
Weiter habe ich eine Drachma Quectfilber i in ein 


reines crocknes Glas gethan, und ſolches innerhalb des 


Keflels ſo befeſtigt, daß es nicht wanken konnte, den 
Keſſel mit Waſſer gefüllt, und das Waſſer acht Stun« 


den lang kochen laffen, Das Gefäffe war cylindrifch, » 


offen, drittehalben Zoll hoch, und dergeftalt geſetzt, daß 
fein Waffer hineinfommen Fonnte, Nach diefem Ver⸗ 
fahren wog das Queckſilber noch eine Drachma, ohne 
einigen. Berluft. 

Ich habereines Queckfilber in einen gläfernen Kol: 
ben gerhan, Waſſer darauf gegoflen, und einen Helm 
Darüber gefeßt, alsdenneslange kochen laffen: Esift 


nichts von Dueckfilber aufgeftiegen. Ich babe fort- 


⸗ 


gefahren 5 su fochen, bis nad) Austreibung alles Wafr 
fers das Queckſilber aufdem Boden trocken blieb, dod) _ 
habe ich das Feuer alsdenn nicht verftärft. Das 
Queckſilber iſt ſogleich an die Seite des Kolbens und 


in den Helm aufgeſtiegen; der Grund erhellt aus dem, 


was ich in meiner Einleitung zur Chymie vom Bafe 
fer und vom Feuer gefchrieben, 

XII, Duecfilber Eann durch) die Kunft bergeftalt 
verändert werden, daß es aus dem Boden des 
Gefäfles bey einer Warme auffteigt, bey derder 
Eßig noch nicht kocht. 


Verfahren. 


Ich habe das Amalgama aus einem halben Pfunde 
Bley und anderthalben Pfunde Queckſilber i im Glaſe 
geſchuͤttelt. Es entſtund daraus ein ſehr ſchwarzes 
Pulver. Dieß habe ich in einen glaͤſernen | 

oben. 


Verſuche som Queckſilber. 459° 
hohen Kolben gethan, darüber Weineßig gegoſſen, der 
Durch Doppelte Deftillation recht rein geworden war, 
das Phlegma habe ich gelinde abdeſtillret. Nachdem 
ift das Feuer ein wenig verftärft worden, Doc) fo, daß 
die Feuchtigkeit noch bey weitem nicht kochte. Das 
Queckſilber ift ſammt dem Phlegma in den Helm, und 
vondarindie Vorlage gegangen. Eben das habe ich 
auf andere Art erfahren. Die Sache verdient Nach⸗ 
denken. Chymiſten! ich erinnere itzt nichts mehr 
Davon. Durch einen faſt ähnlichen Kunſtgriff habe 
ich gefunden, daß das Queckſilber ſo fluͤßig geworden, 
daß es ſich in meinem Digeſtirofen bey einer gelinden 
Waͤrme, als die Waͤrme eines geſunden Menſchen 
iſt, erhoben hat, und an den Seiten des Gefaͤſſes hin⸗ 
aufgeſtiegen iſt. Glaubt man, es ſey damals reiner 
geweſen? Es war mit Metall vermengt, und ſehr 
trocken. Aber die ungemein muͤhſamen Verſuche, 
die ich Jahre lang mit dem Queckſilber und den 
Metallen vorgenommen habe, will ich vielleicht zu an⸗ 
derer Zeit erzaͤhlen, wenn ich vernehme, daß ſolches 
billigen Richtern nicht misfaͤllt. N, 
XV. Geber hat gefchrieben, reines Queckſilber fey 
ſchwerer, als Gold, Ich habe mich fange bemüht, 
zu erforfchen, :ob es koͤnne dichter zufanımengepreße 
und folglich fchrwerer gemacht werden, als man es 
von der Natur erhält ? Ich habe gefucht, folches 
durch Abfonderung des leichtern und veränderlichen 
Theils von dem ſchweren Heberbleibfale zu bewerfftelli« 


gen, und folches nicht verrichten Eönnen, ch wolle 


te es nachgehends auf verfchiedene Ark reinigen, und 
es gelung mir nicht. Doch habe id) eins und das 
andere gefunden, das werth ift, Daß man es betrach- 

tet. 


460. Hermann Boerhaavens 
tet. Iſt es mir. erlaubt, folches zu erzählen : es 


fkoͤmmt darauf an : Ich habe zwo Unzen des reinften 


Goldes bydrofkarifch in Negenwafler unterfucht, das 
durch eine gelinde Deftillation war gereinigt worden, 
und gefunden ‚daß es fi zum Wajfer, wie 1942 
zu 1. verhält. Das Kaufqueckſilber, das einmal aus 
der Retorte war deſtilliret worden, zugeben dem Waſſer 
wie 13733: 1. Duedfilber mit dem veinften Golde 
vermengt, etliche hundertmal davon. deſtillirt, wie 
5:1. Queckſilber mic dem feinſten Silber,auf eben 

die Art bearbeitet, wie 13255: 1. Duedfilber mit Bley 
vereinigt, mit ſolchem ganz in Pulver verwandelt, und 


mit ſtarkem Feuer Daraus wieder hervorgebraiht, wie 


13 :1. Fünfhundert und eilfmal deftillicces Jueck- 
füber, wie 14 355: 1. Diefe Unterfuchungen find mit 
untadelichen Werkzeugen und der forgfältigften Beob⸗ 
achrung angeftellt worden, Sch habe Fahre darauf 
gewandt, Queckſilber zu diefer Abſicht zu erhalten ; 
und niemand anders hat fonft, fo viel ich weiß, dar 
auf gefeben. Kenner werden hieraus viel Dinge, 
welche Nachdenken verdienen, herzuleiten wiflen. Mir 
fey erlaubt, nur weniges anzumerfen, | 


Solgerungen. 


1. Wenn vom Unrathe gereinigtes Dueskfilber 
leichter wird, fo müflen es Gold und ‘Blen vom 
Unrathereinigen. Von Suchtenii und Phila⸗ 
lethaͤ Kunſtgriffen bleibt es unveraͤndert. 
2. Wird vom Unrathe gereinigtes Queckſilber 
ſchwerer ‚fo wird es durch Silber, in Vergleichung 
mit andern Metallen am meiſten gereinigt: am 


meiften aber wird es Durch die ſchlechte Deftiffa- 
tion, 


Vrerſuche vom Queckſilber. 461 ' 


tion, durch die Verwandlung i in ein rothes Prä- 
eipitat, nur aus fich felbft, und durd) die nach: 
gehends Daraus erfolgte Bieberhesftellung gen 
reinigel. 

3. Queckſilber Fann durch Silber und Feuer dich. | 
ter gemacht werden, | 

‚4. Queckfilber kann durch Deſtilliren, vermittelft 
des Feuers, fehr viel dichter gemacht werden. 
Iſt alfo dieß der befte Weg, es zu reinigen und 
vollfommener zu machen? 

5. Legt das Queckſilber feinen ſchwerſten Theil-im 
Golde ab ? Iſt dieſer abgelegte Theil des Gol⸗ 
- des Saamen? — 

6. Wird der ſchwerſte Theil des Queckfilbers durch 
Feuer, das ur mal daſſelbe gefocht, feuerbe⸗ 
ſtaͤndig gemacht, wieder hergeſtellt hat, ver- 
mehrt? Wie weit kann ſolches gehen? Koͤnn⸗ 
te das Queckſilber durch Fortſetzung der Arbeit 
endlich fo dichte als Gold gemacht werden? Wär 
re es alsdenn Queckgold, oder der Weiſen Mer⸗ 
cur? Das mögen tüchtige Richter unterſuchen. 

Dieſes wenige, das ich aber nicht ohne viel Mühe 

und Vorfichtigkeit erlernet habe, mag dießmalvondee 

Queckſilbers Reinigung genug feyn, Ich habe noch 

- viel mühfamere Verfuche von der Art, es aus den 

Metallen zu ziehen, von feiner Wirfung in die Mer 

falle, von den Metallen felbit, die ich mir aufgezeih- 
net habe, Bielleicht mache ich folche befannt, wenn, 
ich Zeit dazu befomme, daß manche auf mein Erin« 
nern n vergeblichen Fleiß und Koſten ſparen. 
Lebet wohl. | 
* Bi 


| — 


—2 


Aha | 
de vierfen Stücks im vierten Bande, 


4 Nachricht von der Hubfond- Be S. 353 


IL Wie der beſte Moͤrtel zu Madraß in Oſtindien ge⸗ 
macht wird \ ae — 


ni. Stuarts Verſuche, bie Geenwart eines fluͤßigen 
Weſens in den Nerven darzuthun. — 


| iv, Des Ritters de Baillon Anmerkungen wegen der 
Edelgeſteine ER. 


"WV. griſchens Vorſtellung Voͤgel in Deutſchland 
394 


VI. Betrachtungen uͤber die Pflanzen ob ihre Analogie 
mit den Inſekten 419 


VIL Boerhaavens Verfuche vom Queckſilber. 437 


Hamburgiſches 





gefominiete Schriften, 
zum 
Unterriht und Vergnügen, 
sus der Naturforſchung 


und den 


nen Wiſſenſchaften überhaupt. 





Des vierten Bandes fuͤnftes Stück. | 
Mit Königl. Pohln. und Churfürftt. Sächtifcher Greybeit. 


Hamburg, bey Georg Ehrift. Grund, und in —— 
bey Adam Heinr. Holle, 1753. 








Fortſetzung 
des im vierten Stücke dieſes Bandes abge 
brochenen Artikels 


von den 


Pflanzen und ihrer Analogie 


mit den Inſecten. 





Drittes Hauptftch, 
Woher die Ausdehnung der ‚Luft entſtehe, 
welche macht, daß der Saft in den — 
Rn aufwärts ſteigt. 


SW, enn die Waͤrme des Fruͤhlings die Na⸗ 
AB tur wieder zu beleben anfängt, und 
das elementarifche Feuer, deſſen Wir⸗ 
kung im Winter etwas nachgelaſſen 
hatte, dann durch Huͤlfe der Sonnen 
wieder die Oberhand bekommen, ſo beſeelet ſie alle le⸗ 
erg Körper, und fößt, on Orts wieder zuruͤck, 

bverbrei⸗ 





466. Fortſetzung von den Pflanzen _ - 

GR 7 End 0. RE re; 
‚verbreitet, verdiünnet, und dehnet dieſelbige aus, 
Die Luft ift ein flüßiges Meer, welches nicht auf⸗ 
fehwellen oder zunehmen kann, ohne daß es allen Fluͤſ⸗ 
fen, die aus feinem Schooße entfpringen,diefen Wachs⸗ 
thum mittheile. Die enclegenften und engften Gaͤnge, 
wohin die Luft nur dringe, müffen die Ausdehnung, 
die in der Maſſe der Luft gefchieht, empfinden. Es 
kann feyn, und es gefchieht auch wlflid), daß die 
der $uft eingedrucfte Bewegung ſich nicht zu gleicher 
Zeit und in gleicher Stärfe überall fpüren läßt, wo— 
bin die $uft dringt; aber das ift unmoͤglich, daß fie 
an den Orten, die von der wirfenden Kraft weit 
entlegen find, ftärfer feyn follte, als an den Drren, 
die ihr. nahe find, wie wir denn folche in unfern Kel⸗ 
lern nicht ſo ftarf, als außen, verfpüren. Auseben 
diefem Grunde kann die Erde und der innere Theil der 
Pflanzen Eeiner wärmern Luft genießen, als die ung 
umgiebe, und in welcher wir Othem holen. Siemuß 
vielmehr ſchwaͤcher feyn; aber wir wollen annehmen, 

‚daß fie von einerley Stärfe fey. 

Wenn wir uns in einer Luft befänden, die durch die 
äußere Wärme fo ausgedehnet wäre, wie fie in unfes 
ver Lunge ift, fo würden wir bald erfticken: denn da 
die Luft äußerlich und innerlich dann gleich ſtark feyn 
müßte, und die Wirfung der einen dem Widerftande 
der andern gliche, fo würde nad) den mechanifchen 
Grundfägen alle Bewegung aufhören. Diefes gefchieht 
zumeilen in einigen Gegenden von Perfien, als auf 
dem Wege von Bagdat nad) Surate, und in Aegypten 
zrifchen der Meerenge von Schwez und Cairo, wo, 
nad) der Erzählung des Thevenots, fich folche warme _ 
Winde erheben, daß man den Augenblick Davon er» 
ſticket. 


und ihre Analogiemit den Inſecten. 467 


ſticket. Dieſer Reiſebeſchreiber erzaͤhlet bey der Gele⸗ 
genheit einen Zufall, der einer Caravane begegnet, 
wovon in einer Nacht 2000 Menfchen geftorben find, 
Wir wiſſen, ohne dergleicdyen Erempel fo weit fuchen 
zu dürfen, daß eine gar zu heiße Stube eben dafjelbe 
Be Es wird, nach der Meynung des DBorelli, 







Beförderung des Umlaufes, fomohl des Saftes, 
I8 des Geblütes, ein Unterfchied der Verdünnung 
zwiſchen der äußern und inwendigen Luft erfordert. 
Hier ift alfo die Frage: wie diefer Unterfchied in den 
Inſecten und Pflanzen ohne Hülfe der Wärme gewir- 
Fer werde, 

Bey den Thieren find uns nur zwey Arfen des 
Othemſchoͤpfens befannt, nämlich durch eine einzige 
Röhre, welche die $uft ein» und ausläßt, wie bey 
den Menfchen, den vierfüßigen Thieren und Vögeln 
gefchieht, oder Durch werfchiedene andem Körper be= 
findliche Deffnungen, wie bey den Inſecten, welche 


die Luft durch ihre Stigmata einziehen, und dur - 


die Schmweißlöcher der Haut wieder auslaffen. Die 
Fiſche ehun foldyes durch die Ohren, welches eine ans 
dere Art Othem zu holen ift, die etwas von beyden 
vorhergehenden hat. Sie pumpen die Luft mit den 
Sprlappen in ſich, und laffen fie durch die unter den 
Schuppen befindlichen Schmweißlöcher wieder von fich. 
Wenn wir nad) der Aehnlichkeit ureheilen wollen, fo 
werden wir fehließen müffen, daß Die Pflanzen auf 
die Art, wie die Inſecten, $uft holen. ine einzige. 
Uebereinftimmung wird zureichend feyn, ung für diefe 
Meynung einzunehmen, nämlich die Aehnlichkeit ein 
rent —59 der — 


Gg3 Die 





468 Fortſetung vonden Bf 


Die Luftroͤhren der Pflanzen fin; fo, mie bey 
ven Inſecten, aus einem Bande zuſammen geſetzet, der, 
wie eine Spirallinie, ſchneckenfoͤrmig auf einander ge⸗ 
wunden iſt, welches, durch Huͤlfe eines Haͤutchens, 
einen zuſammenhaͤngenden Canal ausmacht. Dage⸗ 
gen beſtehen die Luſtroͤhren bey uns und den Thieren 
‚aus einer Enorplichten Röhre, Die gerade an 9 
der gefeßet ift. Die Knorpel in dieſen beſtehen ni 
aus ganzen Ringen, fondern fie find durch elaſtiſche 
Haͤucchen ausgefüllee, welche fich bey den verſchiede⸗ 
nen Tönen der Sprache ausdehnen und zufammenzie: 
ben koͤnnen. Wenn mir aus der Bildung und Bau⸗ 
art der Werfe der Natur von ihrer. Abficht urtheilen 
duͤrfen, fo müflen wir glauben, daß der Band oder 
die fehnecfenförmige Fiber in den Luftroͤhren der Pflan⸗ 
zen zu einem befondern Gebrauche beftimmer fey , Der 
von dem Nutzen des Haͤutchens in der unftigen ganz 
anferfchieden fey, weildie Pflanzen und Inſecten Feine 
Stimme haben. Diefe mechanifche Einrichtung ift 
nicht ven ungefähr und ohne Abſicht gemachet worden, 
md man Farın mit Recht ſchließen, daß fie einennd- 
thigen und ihrer Figur gemäßen Gebrauch) zum End- 
zweck habe, Mich dünfer, es fey nicht zu viel gewaget, 
wenn wir fhließen, daß die Luft in diefe Röhren 
dringe, und verfchiedentlich darinn geführet werde, 
eben, wie folhes in unfern Fnorplichten Möhren 
gefchieht, Wenn die $uft nur allein in die Roͤhren 
der Pflanzen und Inſecten dringen dürfte, ohne 
Daß fie , darinn verändert zu werden, noͤthig hätte, 
fomwäre ein einfacher Canal, wie in den Wurzeln, 
binlänglich geweſen; nun aber zeiget Die ſchnecken⸗ 
* Fiber durch ihre Figur deutlich an, daß is 





und ihre Analogiemit den Infecten. 469 


fo gefchaffen worden, um der Luft eine befondere 

Kraft zu geben. —— 
Dreer ſcharfſichtige Here Malpighy hat in feiner 
Zergliederung der Pflanzen die Aehnlichkeit der Lufte 
röhren in den Pflanzen und Inſecten fehr mohl wahr» 
genommen. Der Herr Reaumur hat jie ebenfalls in 
den Röhren der Bienen und Waſſerwuͤrmer entdecket. 
Schwammerdam befchreibt gleichfalls die Röhren des 
Wurmes, wovon die Wefpe erzeuget wird. Ich habe - 
nachher eben daffelbe bey den Seidenwürmern, und 
bey allen andern Raupen, bey ver Fliege, die man 
auf franzöfifch le peuple demoifelle, und auf lateis 
nifch libella nennet, und fonft vielen Inſecten, gefunden, 
Man £ann diefes leicht erkennen, denn man darf nur ei⸗ 
nige von diefen Thieren 3 oder 4 Tage geöffnet in Waſſer 
legen, fo wird. man den Band, woraus ihre fuftröhs 
ven beftehen,, fo leicht teilen fünnen, als man ein 
Knaͤuel Garn abwindet. Diefes nun iſt fchon eine 
fehr merkwürdige Aehnlichkeit zwifchen den Werfzeus 
gen, welche den Inſecten und Pflanzen zu Schöpfung 
ber Luft dienen, 

Bey den Thieren, welche die Luft durch eine 
Roͤhre einziehen und auslaflen, ift die innere Hitze 
allezeit größer, als die äußere tuft: bey denen aber, 
welche die Luft durch viele Röhren in fich ziehen und 
Durch verſchiedene andere wieder auslaffen , ift die in« 
nere Hiße nicht größer, als die Wärme der äußeren $uft. 
Sollte diefes niche die Urfache der zwo verfchiedenen 
Arten des Athemholens feyn? Diefes ift Die zweyte 
Aehnlichkeit zwifchen ven Pflanzen und Inſecten. 

Ich habe verfchiedene Verſuche angeftellee, um 
zu erfahren, ob diefer geringere Grad der Waͤrme nach 

694 einer 


[ 


470 Fortſetzung von den Pfla 





‚einer allgemeinen Kegel in den Mea⸗ beſtimmet ſey; 
aber ich geſtehe, daß ich bisher noch keine hinreichende 


Gruͤnde gefunden, die Allgemeinheit derſelben feſt zu 
ſetzen. Gegenwaͤrtig theile ich ſie nur als eine Mey: 
nung mit, die ich für mic) habe, und worinn mic) eie 
nige Erfahrungen beftärfer haben. 

Es fcheint,daß die Inſecten Feine innerliche Wärme 
vonnöthen haben ‚ um ihre Säfte flüßig zu machen, 
Diefes beruber auf einer Erfahrung ‚welche der Sar 
Reaumur mit zerfchnittenen Raupen angeftellet, wos 
von Die Stücfe in einer Kälte, die3 Grad ftärfer war, 
als der Froft von 1709, nicht gefroren find. Ders 
felbe Schriftfteller füger bey dieſer Gelegenheit hinzu, 
Daß die großen Thiere in ihren Körpern eine Wärme 
und einen Grund diefer Wärme haben, der fich nicht 
bey den Inſecten finde. Inzwiſchen muß man bes 
Fennen, daß einige Inſecten, zum Erempel die Bienen, 
Zeichen einer Wärme, und zwar einer fehr beträcht« 
lichen Hitze, von fich ſpuhren laſſen, weil eben derſelbe 
Auctor ſie oft i in dem Grade, den ein Ey, welches ber 
brütet wird, hat, an ihnen bemerfet. Aber follee 
biefes nfect nicht eine Ausnahme von der allgemei- 
nen Regel feyn? und follte ihm diefe Wärme nicht, 
in Anfehung feiner Arbeitſamkeit, mitgetheilet feyn? 
Es ift gewiß, daß diefes Thier eine Ausnahme von 
der allgemeinen gegenfeitigen Regel fey: denn faft alle 


Inſecten leiden eine Kälte, die uns unerträglich feyn 


würde, und ein Grad der Kälte, den wir ohne Ber 
fchwerlichfeit ertragen , tödtet fihon die Bienen. 
Das Allgemeine in den Regeln der Natur ift ung nicht 
befannt genug, Daß wir es auf alle Fälle richten koͤnn⸗ 


gen; und das Meue, welches ich bier vortrage, vers 


dienet 


undihre Analogie mit den Inſecten. 471 


dienet um fo viel mehr unfere Unterfuchung und Theil: 
nehmung, da es ein großes Licht in einem Theile der 
Naturlehre aufftecket, der unfere Kenntniß verbienet, 
und bisher noch fehr dunfel iſt. | 
Der Herr Mery, ein Mitglied der Eönialichen 
Akademie der Wiffenfchaften beobachtet, daß die Thies 
re die Luft durch zwey verfchiedene Wege empfangen; 
nämlid) durch die Drbemfchöpfung und durch die Ver⸗ 
mifchung mit den Speifen. Er beweift, daß dieſe 
leßtere von Feiner Kraft oder Wirfung , in Anfehung 
des Umlaufes des Blutes ſey. Und daß jene, die 
man ungetrennt einfihlucfe, den Lauf des Blutes ver« 
urfache und befördere. Auf gleiche Weife empfangen 
die Pflanzen und Inſecten zwo Arten der Luft, nam» 
lich die, fo mit dem Safte vermifcher in fie tritt, 
und die, fo durch die $uftröhren hinein dringt. Dieß 
ift abermals eine neue Llebereinftimmung, aus. wel⸗ 
cher man fchließen kann, daß bloß die Luft, fo durch 
die Röhren der Pflanzen in fie dringt, den Saft in 
ihren Canälen führe und in die Höhe treibe. 
Die grobe $ufe, welche die Thiere ſchoͤpfen, wirket 
ben Umlauf ihres Blutes, weil fie in ihren tungen _ 
eine größere Hiße, als die äußere antrifft. Dieſe 
Wärme verduͤnnet fie weit mehr, als fie bey ihrem 
Eintritte war, und giebt ihr dadurch die Leichtigkeit, 
welche fie nörhig hat, um auszumeichen , in den 
Adern fortzulaufen,, und das Geblüte, womit fie ver 
mifchee ift, mitfih zunehmen. Der Herr Hales hält. 
dafür, daß die Wärme unfers Geblüres fo ftarf ſey, 
als in einem heißen Waffer, worinn wir faum die 
Hand leiden koͤnnen. Aber die tuft, welche in Die 
Inſecten und Pflanzen, durch ihre ungen oder Luft⸗ 
695 röhren, 





472 Fortſetzung von den Pflanze 


eöhren dringt, findet da nicht eine folche Wärme, 
und da diefe allda faft in gleichem Grade mit der 
äußern Luft iſt, fo kann fie auch nicht mehr als dieſe 
verduͤnnet werden. 
Weoenn wie den Unterſchied, der ſich —— 
Luftroͤhren der Pflanzen und Inſecten befindet, bes 
erachten, und die Luftroͤhren der andern Thiere da⸗ 
gegen halten, fo werden wir leicht geftehen , vaß die 
befondere Einrichtung der erften etwas, welches 
ihnen fehle, und womit die andern verfehen find, 
erfegen folle. "Sollte Diefes nicht der Mangel der 
Wärme feyn? Diefes ift meine Meynung, die ich mie 
zu beweifen vorgenommen habe. Zu diefem Ende 
muß man unterfuchen, mie die $uft auf eine andere 
Art, als durd) die Wärme, verduͤnnet werden koͤnne. 
Wir finden an dem Eiſe, tie diefes geſchehen Fönne, 
Es ift eine Wahrheit, woran niemand zweifelt, daß 
die Wärme die Luft ausdehne, und die Kälte folche 
verdicke; nichts deſtoweniger dehnet fie ſich im ges 
frohrnen Waſſer aus, daß fie fo gar 'Slintenläufe 
und Grenaden serfprenget, In dem gegenwärtigen 
Salle ift esniche die Kälte, welche die Ausdehnung vers 
urfacher, und die Hitze noc) viel weniger. Es ges 
fchieht auch nicht durch) die Ausdehnung des Waflers, - 
weil nac) der Erfahrung des Heren Homberg, das 
Waſſer, woraus die $uft gepumpet worden, wenn es 
gefrieret, die Behältniffe nicht serfprenget, Es ift 
alfo fein Mittel übrig, diefes Phänomenon zu erfläs 
ren, als durch die Wafferblafen , die durch die Verei⸗ 
nigung der Lufttheilchen entſtehen. 
Daß durch dieſe Vereinigung die Luft eloftifh 
Br ift Feine neue von mir angenommene — 
er 


And ihre Analogie mit den Inſecten. 473 


Der Herr Muſchenbroeck ſaget: daß die Luft, wann 
ſie bis auf die elementariſchen Theilchen getrennet 
worden, von dem Waſſer ſtark angezogen und gehal⸗ 
- ten werde, und alsdenn viel von ihrer Elaſticitaͤt ver⸗ 
Toren zu haben, feheine, welche fich nicht eher wieder 
zeige, bis zwey diefer $ufttheilchen an einander ftoßen ; 
denn alsdann erlange ihre elaftifche Kraft von neuem 
ihre vorige Stärke, Diefer Schriftftelfer hatte vors 
ber gefaget: „Ob es gleich wahr ift, daß die Luft auf 
„eine außerordentliche Art durch die gemaltfame Bes 
„wegung der Feuertheilchen ausgedehnet werden koͤn⸗ 
„ne, fo bemerfet man doch, daß die elaftifche Kraft 
„‚derfelben auch da ftatt finde, wo mangar feine Ber: 
„anderung der Wärme entdecke. Der große Welt 
„meife Newton glaubte, daß der Schöpfer ven Theile 
‚chen der Luft die Eigenfchaft beygeleger Hätte, daß fie, 
„wann fich zwey derfelben einander näherten, fich von 
„beyden Seiten flöhen , und mit Gewalt von einander 
„jurüchgeftoßen würden, welche Gewalt nach Befchafs 
„fenheit ihrer Mähe fi) vermehrte,,, Diefes heißt, 
nad) dem Herrn Mariotte, fo viel, daß diefe zwey Theil» 
chen, indem fie fi) ausdehnen, ihre Kräfte eine gegen 
Die andere gebrauchen, und zugleich alle beyde gegen 
die angrängenden Körper. 

Wenn ich der finnreichen Vergleichung des Herrn 
Reaumur von der Matur der Luft folge, fo finde ih 
abermals etwas, welches zum Beweiſe meiner Mey- 
nung dienen kann. Er betrachtet Die Luſttheilchen 
als Schwaͤmme, die Waſſer in fich ziehen. So lange 
die Schwämme troden find, find fie elaſtiſch, fie laſ⸗ 
fen fi zufammen drücken und dehnen fich wieder aus: 
Wann man * aber in Waſſer tauchet, ſo werden ſie 

dergeſtalt 





474 Sortfegung von den Pflanzen 


| | | 1, 
dergeftale davon angefüllee, daß ihre Federn alles 
Bermögen verlieren, und das Waſſer, welches in ih» 
nen ift, kann nichts mehr zufammengedrücfet werden, 
als wenn e8 nirgends in enthalten wäre. Die Luft 
ift es demnach, welche in fie zieht, und fich dafelbft 
vermifcher. Wenn wir aber fegen, daß diefe Schwaͤm⸗ 
me zufammen mitten in einen flüßigen Körper gebracht 
werden fönnten, folchergeftalt, daß fie nur von dem 
Waſſer umgeben würden, fo ift Fein Zweifel, daß fie 
zufammengedrücfet werden könnten, und ihre Elaftici- 
tät wieder erhalten follten. Und diefes gefchieht eben mit 
den $ufttheilchen, wann das Waffer gefrierer. 

Wann die $uftröhren der Pflanzen und Inſecten 
gemacht find, um die Luft in elaftifche Blaſen, der- 
gleichen im Eife anzutreffen, zu verwandeln, und warın 
fie diefe in folcher Gejtalt in die Adern der Inſecten 
und Pflanzen führen, fo muß diefes eine ungemein 
zufammengepreßte Luft feyn, und welche nach dem 
Grade ihrer Preflung ſich auszudehnen bemuͤhet iſt. 
Folglich werden die kleinen Blaſen in dem Safte, 
wann ſie in den Roͤhren eingepreſſet worden, wie wir 
nachmals zeigen wollen, unaufhoͤrlich ſich aus zudeh⸗ 
nen bemuͤhet ſeyn; ſie erhalten alsdenn eine Kraft, 
die derjenigen gleich koͤmmt, die ſie durch eine ſtarke 
Wärme hätten erhalten koͤnnen: Dieſe Kraft muß in 
allen Kreiſen wirken, die Ausweichung aber kann nur 
da geſchehen, wo der wenigſte Widerſtand geſchieht. 
Ich habe nicht noͤthig, zu beweiſen, daß ſolches in Dies 
ſem Falle an der oberſten Seite ſey, weil an dieſer die 
wenigſten Hinderniſſe ſind. Da haben wir alſo eine 
bewegende Kraft, die nicht von der Wärme hervorge⸗ 
bracht wird, und welche ven Saft eben fo wohl en 
nz treiben 


und ihre Analogie mit den Infecten. 475 
treiben Fann, als eine durch das Feuer verurfachte 
Verduͤnnung. 

Die von der Natur der Luft am meiſten ‚ange 
nommene Säße, ftimmen überdieß glücflich mit mei⸗ 
ner Meynung überein, ja fie befräftigen fie gar mei⸗ 
nem Beduͤnken nach. Der größte Theil der Welt 
weiſen ſtellet ſich die &ufttheilchen, als ſchneckenfoͤr⸗ 
mig gewundene Federn vor, ſo wie die Federn in un⸗ 
ſern Taſchenuhren ſind, welche folglich entweder forte 
ftoßen oder zurücfgeftoßen werden ‚ nachdem der Wi— 
Derftand ihnen entweder weicht, oder fie überminder, 
Es ift nicht nöthig, ſich bier auf die Frage einzulafs 
fen, ob ihre Figur wirflich fo befchaffen fey, wie wir 
vorausgeſetzet, denn es iftgenug, daß ihnen die Eigen» 
fchaft der ſchneckenfoͤrmig gewundenen Bleche nicht 
ftreitig gemachet werde, und daß fie dieſe mit den 
Schwaͤmmen gemein haben, womit fie fo finnreich 
verglichen worden. Wenn man einer Uhrfeder ein 
Gewicht von 10 Pfunden zu halten und zu uͤberwin⸗ 
den geben will, daß fie es zu einer-gewiflen Höhe ers 
heben foll, fo wird fie gleich fo fcharf zufammengezos 
gen, bis ihre elaftifche Kraft ftärfer wird, als die Kraft 
des Gewichtes, welches gehoben werden foll; aber fo, 
wie ſich allgemäblich die Feder auslaͤßt, fo verlieree 
fie mit der Abwickelung auch ihre Kraft, folcherger 
ftalt, daß fie ftille fteht, wann ihre übrige Kraft 
mit dem Gewichte in einem Gleichgewichte befindlich 
ift. Wenn eben diefe Feder eine größere Saft, zum 
Exempel, 20 Pfund heben foll, fo muß fie aud) meh. 
als das erftemal zufammengezogen, ober anfgerane 
- den werden, uf. fe 


Die 


476 Fortſetzung von den Pflanzen 
Die Luft, welche wir fhöpfen, beſteht aus Luft⸗ 
federn oder Blechen, welche von der Atmofphäre 
ſchon auf einen gewiſſen Grad zufammen gedrucket 
worden, der aber noch nicht hinlaͤnglich ift, unfer Blur 
in Bewegung zu fegen; aber fie finden in unferer Lunge 
eine Wärme, welche fie aus dem Grunde, daß die 
Waͤrme die Luft ausdehner, ftärfer machet. Durch 
Huͤlfe dieſes Zuwachſes ihrer Kraft werden die Fe— 
dern in den Stand geſetzet, unſer Blut zu beleben, 
und deſſen Umlauf zu verurſachen. Sollte aber un» 
fer Blut fhleimigt und dick werden, fo daß diefe Fe⸗ 
dern eine ftärfere Anziehung nöthig hätten, dieß neue 
Hinderniß zu überwinden, fo begreift man leicht, daß 
auch die innerlihe Wärme, in gleicher Maße zuneh: 
men müßte, um diefes zu wirfen. Nun ift nad) des 
nen Anmerkungen der beften Scribenten in der His 
florie der Ijnfecten, des Schwammerdam, Malpighy 
und anderer, Das Blue der Thiere weit fchleimigter, 
als das unfrige; alfo haben fie eben aus diefer befons 
dern Dicke, den Grund hergeleitet, warum die Mas 
tur fie mit einer fo erftaunlichen Menge von Luftroͤhren 
verfehen habe. Eben diefer Grund bewege mich, ein 
gleiches von dem Safte zu ſchließen. Es wird alfo zu 
dem Umlauſe diefer zween Säfte eine $uft erfodert, bie 
einen größern Grad der Elafticität habe, als bey dem 
Blute der übrigen Thiere nöthig ift. Daher find. 
ir im Winter viel febhafter und munterer, als im 
Sommer, weil wir naͤmlich im Winter eine weit Dis 
ckere Luft fehöpfen. Und aus der gegenfeitigen Urs 
fache find die Völker, die in warmen $ändern woh⸗ 
nen, weit Iangfamer und weichlicher, als die, foin den 
nordlichen Gegenden leben, Hieraus Fann man 
—* | - fohließen, 





und ihre Analogie mit den Inſecten. 477 
fchließen, daß eine Falte Luft, oder die $uft in niedri⸗ 
gen Gegenden, falls fie nur troden ift, in- den 
Krankheiten, die aus einem fchleimigten und langſa⸗ 
men Geblüte herrühren, am allerzuträglichften fey, 

Wenn man auf die Gedanken fallen möchte, daß 
unfer Geblüte und das Blur der Inſecten von einer 
Befchaffenheit ſey, fo findet fi) noch ein Umftand, 
welcher beweifet, daß der Saft der Pflanzen und dag 
Blut der Inſecten fehwerer zum Umlaufe zu bewegen 
find, als das unfrige. Naͤmlich die ungemeine Feis 
nigkeit ihrer Gefäße; welche daher, weil die Oberflaͤ⸗ 
chen in dem Verhaͤltniſſe zunehmen, fo wie die Ge— 
faͤße in ihrem Durchmeſſer abnehmen, in dieſen eine 
weit beträchtlichere Scheurung oder Reibung verur⸗ 
ſachen muß, die folglich auch ſchwerer zu uͤberwinden 
iſt. Es iſt alſo aus vielen Urſachen wahrſcheinlich, 
daß eine weit ſtaͤrkere und kraͤftigere Luft, die auch 
eine groͤßere Kraft der Gegenhaltung beſitze, noͤthig 
ſey, um das Blut der Pflanzen und Inſecten in Bes 
wegung zu fegen. Daher müßte man vorausfegen, 
daß fie mit einer Wärme verfehen wären, diedie Waͤr⸗ 
me unferer Bruft um etliche Grad überträfe,, welches 
aber vermuthlich niemand wird behaupten wollen, 
Wir wollen alfo ein ander Mittel ſuchen, das fähig 
fey, diefe Wirfung hervorzubringen; und wir wollen 
es in den einfältigften Lrfachen fuchen, welche gemeis 
niglich die find, deren fich die Natur bedienet. Wir 
werden es finden, wenn wir die gemachte Verglei⸗ 
ung fortfegen. Wenn man einem Uhrmacher eine 
Uhr brächte, woran die Feder zu matt wäre, und die 
Kette nicht mehr ziehen oder die Räder im Laufe erhals 
sen Fönnte, und man begehrte dabey, daß er —— 

elbe 





473 Sortfeßungvonden Pflanzen 
ſelbe Feder beybehalten follte; fo hätte diefer nichts, 
weiter zu thun, als.fie in eine Eleinere Büchfe zu ſe⸗ 
Gen, oder fie mehr um ihre Achfe herum zu winden, 
hierdurch würde fie’eine größere ausdehnende Kraft, 
und dag Bermögen, das Gewicht zu überwinden, er⸗ 
halten. Sollten nicht die Luftröhren der Pflanzen, 
und Inſecten diefe Büchfe ſeyn? oder ein Werkzeug, 
welches gefchickt ift, die Luft zufammen zu drücken, 
um ihr Öelegenheit zugeben, fichftärfer aus zudehnen. 
Diefes find meine Gedanken, und bierinn befteht die 
Meynung, welche ich habe mittheilen wollen. 

Ich frage fie mit einem um fo viel geößern Vera 
trauen vor, da fich ein großer Zergliederer ſchon ihrer. 
bedienet, um das Dthemfchöpfen der Fifche zu erflä- 
ren. Indem der Here Verney betrachtet, wie die 
$ufe, welche durch die Ohren der Fifche in ihre Adern 
dringt, Dafelbft eine Kraft erlange, die hinreichend 
iſt, den Umlauf zu erregen, fofageter: DieSchwies- 
rigkeit, womit diefe Eleine gufttheilchen durch. die Deffa 
nungen ihrer Gefäße dringen, drücfer ihre Federn zus 
fammen. Hieraus folger, daß, wann fie hinein ges 
kommen find, diefe Federn wieder auseinander fchlas 
gen müflen , gegen die Bluttheilchen, welche dann mit 
Gewalt zerfchlagen,, beweget und zerrieben werden: 
Was bier der gefchickte Naturfündiger von dem 
Durchgange der $uft durd) die Ohren zu den Adern 
der Fifche fager, kann man ebenmäßig von der Luft 
fagen, die durch die Röhren der Pflanzen und ns 
fecten zu ihren Blutgefäßen dringe. 7.0 
- Die $uftröhren haben fomohl bey den Pflanzen, 
als Inſecten, eine Fegelförmige Figur, fowohl die 
Hauptgefaͤße, als ihre unzählige Aefte, Ihre weiteſte 
Oeffnung 


undihre Analogie mit den Inſecten. 479 
Oeffnung iſt am der Seite, die auswaͤrts lege, und 
ſie endigen ſich in den innerlichen Theilen der Thiere 
durch ſo ausnehmend feine Spitzen, daß man ſie auch 
mit den beſten Vergroͤßerungsglaͤſern nicht ſehen kann, 
Wann die Luft in die aͤußern Muͤndungen dieſer Ge 
faͤße dringt, ſo iſt ffe wahrſcheinlich den Geſetzen 
aller fluͤßigen Körper unterworfen, nämlich daß fie 
an Kraft und Gefchwindigfeis zunimme, jemehr die 
Röhre, wurinnen ſie fließt, enger wird. Wann nun 
die Luft alle dieſe kleine Roͤhren, worinn ſie von der 
aͤußern Luft geſtoßen werben‘, erfuͤllet har, fo draͤnget 
ſie ſich immer mehr und mehr, nach dem Maaße, wie 
ihr Canal enger wird; und wann ſie dann an das an⸗ 
dere Ende gelanget, wovon mir gefager, daß es außer⸗ 
ordentlich duͤnne ſey, ſo kann fie daſelbſt nicht anders, 
als ſehr zuſammengepreßt, und mit einer neuen Kraft 
verſehen, herausdringen. Wir ſehen ſolches an einem 
Fluſſe, hier fließt deſſen Waſſer unter den Bogen el⸗ 
ner Bruͤcke allemal ſchneller, und noch geſchwind 
wann es darunter hervorkoͤmmt. Daher muß die 
Luft, wann ſie aus den Luftroͤhren der Pflanzen 
koͤmmt, und, meiner Meynung nach, eben fo fein, 
wie ſonſt im Waſſer aufgelöferift, bey der Verlaſſung 
ihres! Gefaͤngniſſes, fid) in elaftifche Blafen verwan⸗ 
deln, und wie ein Strom auf den Nahrungsſaft zus 
fchießen, in welchem fienoch andere Lufttheilchen finder, 
die zwihr zu ſtoßen und fich auszudehnen gefchickt find; 
Nun fehen wir, wie die Luft in den Saft der Pflans 
zen und die Feuchtigkeiten der Inſecten, mit einer Zus 
ſammendruͤckung gebracht werde, die im Stande iſt, 
ihr eine größere Kraft mitzutheilen, als fie in ihrem 
erften Stande nicht gehabt hatte; namlich, wie fie 
4Band. Hh noch 


430 ‚Sortfeßung von den Pflanzen; 
noch nicht in die Luftroͤhren gekreten war, Was ih⸗ 
ve verticale Aufſteigung betrifft/ ſo glaube ich, daß 
ſich dieſe auf eine ſehr leichte Art erklaͤren laſſe. 
Nach der Meynung des Herrn Mery, den wir 
ſchon einmal angefuͤhret haben, treibt die unter den 
Feuchtigkeiten vermiſchte und Aufgelöfete. Luft keines⸗ 
weges die thieriſche Maſchine, ſondern bloß diejenige, 
welche Häufig durch Die zu ihrer Durchlaſſung ber 
ſtimmte Gefäße in fie tritt. Eben diefe Befchaffens 
heit hat es mit der Luft, welche.in den Saft und das 
Blut der Inſecten durch die Röhren in Fleinen Bla⸗ 
ſen dringt; denn eine jede Luft, die in einen fluͤßigen 

Koͤrper koͤmmt, wie daſelbſt eine Blaſe. 

Man weiß daß der natürliche Trieb einer ‘jeden 
Luftblaſe in einem Naß, das ſchwerer als fieift, ſey, 
gerade in die Höhe zu fteigen. : Folglich, ſo beſteht 
die Luft fo, wie fie aus den Röhren koͤmmt, aus lau⸗ 
ter Blafen , welche ſich vervielfältigen,, und eben fo 
iele neue Kräfte find „ die die junge Pflanze nad) oben 
9 und fie reizen eine gleiche Richtimg anzuneh⸗ 
men. Man möchte glauben, daß die Kraft der Luft, 
welche fich ftets aufwärts zu fleigen bemuͤhet, fo 
ſchwach ſey, daß ſie nicht Hinreiche,, die Pflangeducch 
die Erde hervorzutreiben. Aber, wenn wir uns nur 
wieder des Gleichniſſes von dem Eiſe erinnern, ſo 
werden wir finden, daß fie noch, anders moher eine 
große Hülfe befomme. Wenn man Wafler ineinem 
Gefäße frieren läßt, das ſtark genug iſt, der Macht 
des Eifes zu widerftehen, fo wird es, da es ſich nir. 
gends ausdehnen kann, ſich erheben, bäuchicht ‚oder 
trund werben, fodaßesfchwere Gewichte in die Höhe 
treibt. Eben fo ſuchen die Luſtblaſen, wenn fie er 
zuſam ⸗ 





fitafogiemit den Inſecten. 4Rı 


| aufammeng Dörte Bieten) als fie vor ihrem Eintritte 
in die Luftroͤhren waren, fich auszudehnen, und da fie 
in’ den Seitenmänden der Pflanze zu vielen Wider⸗ 
ſtand finden , ſo wenden fie ihre ganze Stärke: ‚gegen 
den fehwächiten Dre, weiches bie Spipe der Pflan⸗ 
if ir 
J 4 — hier alfo etwas ‚welches wir oft in 
der Natur wahrnehmen , naͤmlich zwey widrige Mit» 
tel, wodurch ein Endzweck erhalten wird, Die in« 
nerliche Hige bey ven Thieren verdünnet die Luft, wel⸗ 
che ſie fchöpfen ‚ mehr. als die äußere Luft iſt, und giebe 
ihr dadurch Die zum Umlaufe des Geblütes erforder⸗ 
liche Kraft; ah die Röhren der Pflanzen und In⸗ 
ſecten verdicken die Luft , die fie in das Blur derfelben 
führen, mehr als die äußere Luft, und erhalten da⸗ 
durch dieſelbe Wirkung. Es ſcheint, daß die Ohren 
der Fiſche, deren Bau viel‘ Aehnlichkeit mit’ den: aͤuße⸗ 
ren Oeffnungen der Luftroͤhren bey den Inſecten, ri 
che man Stigmata nennet, hat, auch Die Luft in Bla 
ſen verwandeln fönnten , um bie ihnen mangelnde 
Wärme zu erſetzen: denn diejenigen Fifche, die, wie 
zum &rempel Das‘ Meerfchwein, N) ‚augenfcheintich. ein 
Blut. haben, das wärmer iſt, als die äußere Luft, 
haben auch folche Lungen, wie die vierfüßigen Thiere; 
aber die, fodurch die Ohren uft fchöpfen, geben Fein 
Zeichen einer merflichen Wärme von ſich, wiediean« 
dern. Ich habe oft, und zu verfchiedenen Zeiten, Eleine 





Wetterglaͤſer, die ich beſonders dazu verfertiget hatte, 


in den Bauch lebendiger Hechte, Karpen und Forel⸗ 
len geſtecket: Ich ſchob ihnen ſolche durch den Mund 
bis in den Grund des Magens, aber ich habe niemals, 
ob * f ie gleich ganze Stunden darinn gelaſſen, das 

Hh 2 geringſte 


482." Sortfegung von den Pflanzen 


geringfte Steigen oder Fallen an dem Glaſe bemerket, 
fondern allemal gefunden, daß der Grad der Wärme 
mit der äußern Luft vollfommen gleich geweſen. Man 
£önnte mir vorwerfen, daß dieſe beſondere Figur der 
$uftröhren in den Pflanzen, welcher ich die Berdiefung 
der Luft zufchreibe, wodurch die Aefte, aufwärts zu 
wachfen, genöthiget werden, den Wurzeln eine gleiche 
Richtung geben müßten. Wann aber die Luftroͤhren 
anders in den Zweigen, als in den Wurzeln, einge⸗ 
richtet find, fo faͤllt dieſer Einwurf von ſelbſt weg. 
Nun aber glaube ich, und bin, weil ich es mit Auf⸗ 
merkſamkeit unterfucher habe, verfichere, daß die Roͤh⸗ 
con der Wurzeln nicht, wie die andern, gedrehet find, 
fondern daß fie die Figur gerader Eylinder haben. Mal 
pighy befchreibt fie auf eben diefe Art, Der Hollun- 
ber ift eine Pflanze, woran man die $uftröhren am 
feichteften fehen kann. Wenn man von diefem einen 
gyimen Zweig abbricht, und gemählich einen Theil der 
‚Rinde: abzieht , fo kann man mit.einem Bergröße- 
zungsglafe wahrnemen, daß man die duftröhren (ziehe 
und. ausdehne; wenn: man dann die Rinde wieder et. 
was nachläßt,, fo fieht man, wie die Feder wieder ein⸗ 
fpringt, und dev Band, woraus ſie beſteht, feine 
fchnecfenförmige Windung. wieder annehme, Bon 
biefem allen fieht man nichts an den Wurzeln; man 
findet da nur $uftröhren, die gerade ausgedehnet find, 
ohne fich zu kruͤmmen. Die Urſache dieſes Unterſchie⸗ 
bes iſt leicht zu begreifen. Die Wurzeln find Canäle, 
die beftändig von dem Nahrungsfafte umgeben wer- _ 
den; fie find da, als Gefäße, die zur. Erhaltung und 
Aufnehmung der Nahrung beftimmer find, und fie 
ſchwellen davon auf, wie Schwaͤmme. In dem 

Stamme 





Stämme ber Pflanze fangen erſt di > 
Röhren an, weil dort der Saft einen Weg nehmen, 
ſoll/ der feiner eigenen Schwere entgegen :i 
Da nicht die Wärme, fondern die bloß Figur 
der Möhren, die Erhebung des Saftes in den Pflan 
zen verurſachet; fo werde ic) die Frage nicht erwarten x 
Warum der kauf des; Saftes niche im Winter, wie 
im Sommer, fortdaure, da doch diefe Werkzeuge ihre: 
Geftalt nicht nach den “Jahreszeiten verändern, und 
folglich beftändig zu einerley Wirkungen fähig ſeyn 
müßten? Diefe- Schwierigkeit zu beantworten, iſt, 
aenug „wenn man bemerket, , daß diefe Werkzeuge Fer 
dern find. Die taͤgliche Erfahrung. zeiget, daß alle: 
Federn ‚auch die ſo aus den haͤrteſten Metallen ver⸗ 
fertiget worden, den Eindruck der Kaͤlte und Hitze 
empfinden; warum follten diefe Röhren Davon-ausgem, 
nommen ſeyn? Sie find ungezweifelt eben der Wir» 
fungen fähig, und fünnen folgfich fich ‚öffnen und 
fchliegen, um der Luft ven Durchgang zu verftatteit;: 
oder zu wehren. Wann die Kälte ihre Muͤndungen, 
oder wohl garidie.ganze tuftröhre verfchließt, fo kann 
die Luft nicht Bineins, oder wenigfteng nicht häufig ges 
ug dineinbeirigen um ‚den gbelauk des Saſtes m 
verurfachen. 
BER glaube, Bahr man meine Meynung mie. — 
ſchwachen Waffen beſtreiten wuͤrde, wenn man ihr 
die gemeinen Verhaltungen des Wetterglaſes entgegen⸗ 
ſetzen wollte, welche man der durch Die Wärme verur⸗ 
fachten Ausdehnung der Luft zuſchreibt; und daraus 
fhliegen wollte: Weil die Luft, welche in dem WBeingeifte 
iſt/ den Eindruck der Kälte und Hige empfindet, ſo muß 
menge, welche ſich in ” Blute der Inſecten und: 


b3 in 







484 Fortſetzung von der Bflanzen 
in dem Safte der Pflanzen! befinden, derſelben Em⸗ 
pfindung fähig ſeyn. Aber es ift noch nicht ausge» 
macht ‚ob das Steigen des Geiſtes in dem Thermo» 
meter Yon der Berdünnung der Luft / oder vielmehr 
von der Ausdehnung ber fchiwefelichten und geiftigen 
Theile diefer Feuchtigfeit herrühres' Der: Herr von. 
Reaumur bat diefes fehon bemerket Ohne die übers 
zeugenden Gründe, dieer davon angeführet hat, und 
die man in den Schriften der Afademie finden Eanıt, 
anzuführen, will ich nur dieß hinzuſetzen daß es: un. 
gemein wahrfcheinlich fey , daß die ſchwefelichte Mas 
terie ihren Anwachs von der Wärme befomme, und 
sticht durch die darinn enthaltene Luft ſteige. Denn 
Waſſer, Del, und andere gleichfalls mit Luft angefuͤllte 
Beuchtigkeiten, empfinden feine von den Beränderuns 
gen, welche der Weingeift im Thermometer leidet. 
Wollte man glauben, daß die Verduͤnnung der 
Luft die Urtache ſey, um deren willen der Saft in den 
Pflanzen und Wetterglaͤſern fteige,fo muß man doch ge: 
ftehen , daß fie jederzeit ein Verhaͤltniß gegen die äußere 
Wärme haben müfle, welche fie niemals ſo hoch, als 
der Saft fteige, treiben kann. Dieſe Schwierigkeit 
hat Anlaß gegeben, daß verſchiedene Naturkuͤndiger 
in den Pflanzen eine zuſammenziehende und ausdeh ⸗ 
nende Bewegung vorausgefeget, und einige Fallen 
oder Klappen, die den Nückfallder Säfte verhinderten, 
geglauber haben. Sie bildeten fi) die Art des Othem⸗ 
hölens und des Laufes der Säfte auf eben die Weiße, 
wie fie folche bey den Thieren gefunden haften; und 
einige fehreiben ihnen ſogar, um ihr $ehrgebäube voll» 
ſtaͤndiger zu machen, eine Seele zu, Man gründete 
fic) Hierinn ohne Zweifel auf die Geichfoͤrmigkeit, Ira 
— ie 


undihre Analogie mit den Infecten. 485 


die Natur zu beobachten ſcheint. Aber heißt diefes 
nicht, die Gleichfoͤrmigkeit gar zu weit treiben ? Iſt 
es auch wahrfcheinlich, daß die Natur fo viele Koften 
an Geſchoͤpfe, denen fie die freywilligen Bewegungen 
verſaget, gewendet habe, als an diejenigen, die fie 
belebet Hat, und die bloß dadurch, daß fie befeeler find, 
einen andern Bau und eine weit beträchtlichere Menge 
von Werkzeugen erfordern? Gewiß, die Gleichfoͤr⸗ 
migkeit muß uns in der Natur zwar leiten, aber niche 
verflihren. ap; — 
AIch nehme die itzterwaͤhnten Fallen’ zu Zeugen; 
dieſe hat Malpighy und ſeine Nachfolger mit denen 
verglichen/ welche wir durch die Zergliederung in uns 
fern Körpern entdecke Haben ‚und die zum Umlaufe 
ünferer Säfte hoͤchſtnoͤthig ſind. Dieſer Gleichfoͤr⸗ 
migkeit gemäß ſchloſſen fie, daß in den Pflanzen eben 
dergleichen Klappen befindlich wären, die auch einen 
leihen Nugen hätten, und Daß die Hige des Tage 
und die Kälte ver Macht, welche wechſelsweiſe die 
Saftgefäße ausdehneten und zufammenzögen , diefe 
Bewegung, welchemanSyftole undDiaftöle zu nennen 
pflege, verurfachten, und daß hierdurch die Feuchtigfeis 
teninden Pflanzen in die Höhe und: umgetrieben wuͤr⸗ 
den, Wenn diefer Sag wahr wäre, fo müßte folgen; 
daß, wo dieſe Abmwechfelung von’ Hige und Kaͤlte man⸗ 
gelt, auch die Zufammenziehung: und "Ausdehnung, 
und folglich der Umlauf der Säfte.fehlen muͤſſe. Un⸗ 
terdeſſen zeigen’ uns: unfere Erfahrungen täglich das 
Gegentheil von diefem Sage, Die Keller , worin 
die Gärtner ihre Fruͤchte treiben, wiſſen nichts von 
diefer Abwechſelung der Wärme.“ Ich habe von dem 
Herrn le Normand / Auffeher des koͤniglichen Kraͤu⸗ 
Rad 254 tergar⸗ 


486 Fortſetzung von den Pflanzen 


tergartens zu Verſailles, eine Schrift von, der Pfle⸗ 
gung der Ananas gefehen, worinn unter andern Re⸗ 
geln befohten iſt, dieſe Pflanze immer in einer gleichen 
Wärme zu erhalten, Dieſes deſto deichter zu bewerk · 
ftelligen , raͤth er, ein Werterglas vonder Einrichtung 
des Herrn Reaumur dabey zu: hängen, und Sorge zu 
sragen, Daß der Weingeiſt immer zwiſchen 15 und 20 
Grad, welches die gemaͤßigte Waͤrme unſers Erbftri« 
ches ift, ſtehen bleibe. Ich habe auch Ananas gefehen, 
die nach dieſer Vorſchrift aufgezogen wurden, "und 
mitten im Winter wohl fortkamen. Dieſe Anmer: 
kungen werfen noch eine andere Meynung uͤber den 
Haufen, welche von den neuern Weltweiſen angenom ⸗ 
men worden, und die auch den Alten nicht unbekannt 
war, indem Seneca fie ſchon eraͤhlet; nämlich: daß 
die durch den Wind verurſachte Bewegung vieles bey⸗ 
trage, den Saſt in die Hoͤhe zu treiben. Ich babe 
einſtmals einem gezeiget, daß ſeine Bemuͤhungen die⸗ 
fen Saͤtzen ganz zuwider wären; wenn er ſeine Baͤume 
an die Gelaͤnder und ſeine Weinſtoͤcke an Pfaͤhle be⸗ 
feſtigen ließe. Daher ſchließe ich, Daß die Veraͤn⸗ 
derungen der Luft zwar den Wachsthum befoͤrdern 
koͤnnen, keinesweges aber dazu nothwendig erfordert 
werden. | a Aare N year 
.... Die Erfahrungen des Herrn Hales, in Anfehung 
der, Menge des Saftes, den die Pflanzen aus ihren 
Wurzeln erhalten, find meiner Meynung von dem 
Aufiteigen: des Saftes, welches ic) der Elafticität,eis 
ner Luft, die mehr als die aͤußere verdicket worden, zur 
fchreibe, gar nicht entgegen. Je hoͤher der Saft ſteigt, 
deſto ſchwerer wird dieſe Saftſaͤule; und wie die 
Erfahrungen des Herrn Halesdahingeben, zu N 
Hl ar da 
















d TE 2 nalogier | i Y Inſecten 487 
daß die Pflanzen weit mehr Saft an ſich ziehen, nie 


man glauben follte,, fo Fönnte man mit echt fehliefe 
fen, daß dieſe Säule endlich fo ſchwer werden müßte, 


daß die Luft ni br im Stande wäre, fie fortzu- 
ftoßen, — man —— daß die Menge 
der Luft allemal mit der Menge der Feuchtigkeiten in 
Verhaͤltniſſe ſtehe; und uͤberdieß die Aus— 


—Rsã— 


hatte wahrgenommen; daß wenn man ein Stuͤck von 
der Rinde eines Baumes, oder ſelbſt ein Stuͤck von 
einem Zweige abſchnitte, alsdann der’ Saft, unten 
aus ber oberften Wunde floß, ‚und, hieraus wollte 
man ſchließen, daß der Saft wieder von oben zurück 
fliege, Wann aber das Steigen des Saftes eine 
Wirkung der verdünnten Luft wäre, fo müßte alsdann, 
wann man eine folhe Säufe durchſchneidet, weil der 
* Theil nicht mehr durch den untern, welcher ihn 
trieb unterſtuͤtzet wird, der Saft um ſo viel haͤufiger 
heraus fließen jemehr Seitenſaͤulen mit ihm eine Ver⸗ 
wandtſchaft hätten, weil ſich dieſe alsdann durch 
eben dieſelbe Roͤhre ausſchuͤtten 
wuͤrden. 





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2 von Jacob Logan, En | 
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an Heren Peter Eollinfon, 


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Aus den Pepe — 4408. 6 Mer 





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ie bie ef von einem — Saa⸗ 





ſo will ich ſie —— Anme Year, 
ſchweren, als mit ſolche ‚die f 
ders zu erwähnen in babe, abzielen > = » . 
Und zuerſt finde ich in: Millers Wörterbuce, daß. 
Herr aaa ber, wo 2 mich micht irre, bey den 
F 2 de Nature 








BE! "OORRMEN«. 489 


Maturforfchern in großem Anſehen ſteht, au 
Berfuchen mit vem Mans, auf. Die 5 Meynu 
then iſt, es koͤnnten Saamenkoͤrner zu ihrer völligen 
Größe gelangen, und dem Auge vollkommen erſchei⸗ 
nen, ohne daß ſie mit dem Staube befruchtet wären: 
Ich will nicht leugnen, daß dieſes geſchehen Yo 
denn es giebt eine unendliche Mannigfaltigfeit in der 

able = = «. Aber bey dem, was er erwähner, ha⸗ 
be ich Urfache, zu glauben, daß es fich anders’ vers 
hält, und daß er ug alle erſoderte ‚Sorgfalt anges 
wandt ‚de — 


Das erſtemal, da mit + dilefe — von nei 
Fi hatte Saamen bekannt wurden, war es im Wins 
ter , da ich nichts mehr thun Fonnte,. als darüber nach· 
zubenfen: YmSrühjahre aber befchloß ich, Verſuche 
mit dem Mays oder rürfifchen Weizen anzuftellen. 
In jeder Ecke meines Gartens, der 40 Fuß breit und 
faft go lang iſt, bepflanzte id) einen Hügel mit dieſem 
Korne, gab auf die Pflanzen Achtung, wie ſie zu ge⸗ 
hoͤriger Hoͤhe kamen, und ſowohl die ſtaubenden Blu⸗ 
men oben, als die Aehren unten hervortrieb: Auf 
einem von dieſen Huͤgeln ſchnitt ich die ſtaubenden Blu⸗ 
men ganz ab, auf andern oͤffnete ich forgfältig, die 
Achren, und fhniee oder zwickte aus einigen .alle bi 
feidenen Fäden ab, von andern nahm ich nur die Hälfe 
te, noch von andern ein oder drey Viertheil, mit eini⸗ 
ger Abwechſelung, und merkte mir an, an een 
Stengeln und wie viel ich weggenommen hatte. Anz 
dere verband ich gleich, ehe Die Seide hervortreiben 
— mit feinem Muſſelin, aber ſo kraus oder 





Bluͤten⸗ 





einige andere. Sie hatten ihre gehörige Laͤn 
Saamengehäufe waren vi voll ER iener E 


aber fe füßtten fd), weil inen Die Körner 
leicht an, und gaben gleich nach. Man fah ; 5 
ber Enamen in rc een, un bran f njbe. 


erffärte ich fogleich folgendermaßen: "Die Aehre war 
Eehr hoch, und ragte überdie Pflangemit iprer Seide 
er ar h —*P— ft 


Weſt⸗ 


der Pflanzenſaamen · 491 


weſtwaͤrts gerade auf den naͤchſten Hügel mit ‚in, 

laniſchem Korne zu; es war mir aber bekannt, daß 
ſte Staub/ faſt als ein Nebel fortfliegt, wenn man 
den Stengel (hüttelt. Ich urtheilte alſo mit gutem 
innbe, ein’ Befhipinb möge einige. foldhe 6 
non dem andern Hügel Hergeführen.paben, weiche-bie 
ſie aufzufangen getroffen hatten „- und dieſe Lage be, 
fand ſich bey den andern Aehren eben diefes Hügels 
nicht. Ich verwunderte mich vielmehr marum.ich 
* fo wenig. Körner, in dieſer Aehre eben ſo bes 
feuchter fandauı 3a, = 32 ncham um 


- Wie ich bey diefem Verſuche fehr forgfältig, und 
in meinen Beobachtungen aufmerffam genug war, 
diefes auch, wie ich es hier erzählet habe, wirflid; vor» _ 
gegangen ift, fo glaube ih, Fann man zugeftehen, 
daß dem ungeachtet, was Herr Öeoffroy wegen feiner 
Berfuchemifdiefee Pf nzeaufgezeichner hat, ich doch, 
vermöge meiner Verſuche mie diefen Aehren, ficher 
bin, daß fein Korn zugehöriger Größe koͤmmt, wenn 
. bie Seide weggenommen ift, oder diefruchttragenden 
Blüten bedecket find, daß fie von dent Staube nicht 
Fönnen befruchtee werden ; und daß fich alsdenn, 
wenn man die Aehren aufmacht, alle Sager der Saa⸗ 
men, ober Körner in ihrem Reihen zeigen, nur daß 
jedes eine trocfene Haut, ungefähr von eben der Größe 
enthält, als wenn die Fleinen zarten ehren mit: 
milchichtem Safte erfüllt erſcheinen, ehe die Seide 
hervorbricht. Die wenigen Körner aber, die ich. ge⸗ 
ſehen habe, waren fo vollfommen und ſchoͤn, als ich 
Bi. nur 





462 Einige’ Verſuche von der 
nur welche gefunden” habe, und an allen übrigen Stel. 
len befanden fich bloß trockne leere Häutchen, . 
von mir find befchrieben worden, Es laͤßt ſich fra- 
gen, ob nicht eben Daffelbe in dem ‘ganzen Saufe 
Wachsthums der Pflanzen ſtatt findet; wiew —3 
nach dem, was ich nur angemerket habe, ; ohne eine 
große DMannihfltigei Verſuche über allerley Sa⸗ 
Chen, Davon nich teilen läßt. IC) alaube aber, 
es wird wenig Pflanzen geben, bey denen fich die An- 
merfüngen fo gut machen faffen, als‘ bey he 
weil man von feinen Stilis, fo viel man will 
‚ober an der Aehre laffen, und die 
Körner ** ug zählen Bin an 


Ben. Kae) 








A run J— FERN ann enmd 4093 Zn 
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Ein Berfu Tr 

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26 in — Dampf 
uſtehen tann; 


04 N Da Te 

nur wenn man Licht, unter Der Erden sbeäiih, 

ohne daß ſchaͤdliche Duͤnſte dabey ſind, auch wenn der 

SR von untenher freye Luft bekommen kann es 
ſey denn 1 daß die Luft mit Gewalt daſelbſt 


hineingetrieben wird. 





Von 
den Ehrw. J. T. Deſaguliers, 
L«L{D.M,d. 8; ©, 
Aus den Pepe TZransact. 49. ® 5 Art. 
t * si —— * Valnch. 
in cyli beifcher — Feten ver an 
beyden offen ift ‚werde mit dem un⸗ 





einer Platte bedecket, die ein Loch von faft einem Zoll 
weit hat; unter diefen Umſtaͤnden wird ein Sicht, Des 
sen fechs auf ein Pfund gehen, nicht ganz eine Mine 
ee Rn, ehe es ausloſchet. 


2 Pers 


seen Ende in Waſſer gefeget , und oben mie. 





P Dom Dampfe im Bergwe Pf 
anna rn Daahe Kh Eck 


Wenn der Recipiene gar) bebeiter iR ‚brennt es 
faft eben fo lange, 


| Muſ⸗ Sevfict | 
Wenn der Recipient . Loch in der Pia 5 


fen Dr meh ut don a unfen u ihm ——— Ba 


er nur ein erſten Berfuche 
ori und — unde in die Röpr * 
blaͤſt/ wohl noch eher ansgeheit, RE TUR 


— Blam 3 — a Ist nl 
—* — Bi „Fr N Ku 7 


Man blaſe ii ein B iſe 
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Anmerkung 
den Einfluß großer Kalte 

3 in die Magnetnadel, 


wodurch ſie verhindert worden, Mitternacht zu 
— zeigen *; | 


von Capitain Chriſtoph Middlekon, 
SR. M. d. K. ©. # 
Aug den philoſ. TZransact.: 449 N. 3 Art. 


in der 418 N der philof. Transaet. ift bekannt 
gemachet worden, erwähnte ich eine außeror⸗ 
dentliche Begebenheit mit dem Seecompaß, die id) 
oft in der Hudfonsbay bemerfer hatte, wenn wir ung 
unter dem Eife befanden, nämlich, Daß die magnetifche 
Kraft der Nadel fo.verloren, oder geftöret war, daß 
fie, auch bey einer merflichen Bewegung des Schiffes, 
fich nicht nach Mitternacht richtete. Auf meiner Reife. 
in verroichenem Jahre dahin, bemerkte ich, daß unfer 
Compaß ſich gar nicht bewegte, "als fo lange der _ 
Duartiermeifter ihn zu berühren anbiel, Wir hate 
Pr ten 
* Man fehe des Herrn Ellied Beobachtungen im ı Gt. 
des IV DB. des Hamb. Mag. 17 ©. 
4 Dand, Si 


( AN einem Schreiben, das vor einigen Jahren 


496 Anmerkungen über den Einfluß ic. 
ten damals viel Schnee auf dem Sande und verfchie- 
dene Eisinfeln um uns, und die See gieng nicht gar 
zu gelinde; id) ließ einen von den Compaflen ins 
Cabinet bringen, aber ich fand feine Beflerung bey 
ihm, bis er faft eine Biertelftunde am Feuer geftan- 
den hatte, da er alsdenn I me fehr wohl an - 
nahm: Nachgehends ließ ich ihn nieder a ferien Dit | 
fegen, und einen andern ins Cabinet bringen, ver⸗ 
mwechfelte fie alfo alle halbe Stunden, und fand, daß 
ich Dadurch machen Fonnte, daß fie fo gut wiefen, 
als in einigem andern Theile der Welt. So mußte 
ich verfahren, bis wir faft 100 Geemeilen von der 
Küfte waren, nachgehends aber hatte ich diefer Bemuͤ—⸗ 
bung nicht mehr noͤthig. Die Urfache diefes feltfa» 
men DBorfalls bin. icy nicht vermögend zu errathen, 
da ich gewiß weiß, daß die Compaffe, was das Mecha- 
nifche bey ihrer Einrichtung berriffe, vollfommen gut 
waren, und zuvor und hernach bey der ganzen Reife 
ihre Dienfte thaten. Man brauchetniemals Del, ih 
nen eine leichtere Bewegung zu verfchaffen , denn das 
wuͤrde oft gefrieren , und vielmehr die Bewegung hem⸗ 
men. Ob aber die Kälte der Gegend die Gewalt bat, 
der Nadel ihre Kraft auf eine Zeit zu benehmen, oder 
ob das Reiben dadurch) dergeftalt vermehret wird, daß 
die magnetifche Kraft es nicht uͤberwiegen kann, weiß 
ich nicht zu fagen. Die Sache an fich ift gewiß - 
und erftaunlih. DenzoAp, .. 
1738 N ru“ 


‚ng, Nach⸗ 


BR REN 497 
DEE En ne 
fi; \ v. ging 
Nachricht 

von einer Stednadel, 


die aus der Blaſe eines Kindes genommen 
‘worden; 


von Kern Wilhelm Gregory, 


- einem Bundarzte, 
in einem Briefe 


an Heren Hans Sloane en 
Präfidene der K. G. mitgetheilet. 


Brompton bey EIER * 4 * 
1733 | 


din 


- Aug den philoſ. Tranſ 450 N. 3 At. 


Bm arbeitete, beyzuftehen, gerufen. Die Frucht 
I stellte fich der Dueere; ich bekam bald die 
Süße davon, und entledigte Die Frau in wenig Minu- 
ten ihrer Bürde, Die Nabelfehnur war fo kurz, daß 
ic) fie mit Noch unterbinden Fonnte, fie abzufondern, 
Ich nahm fogleich die Nachgeburt heraus, und maaß 
die Nabelfchnur , die nur. wenig über 4 Zoll lang war. 
* Sobald die Frau gehörigermaßen beforget war, unters 
füchte ich das Kind, und fandes an verfchiedenen Theis 
> Ien unvollfommen, weil es feinen Hintern, noch Glie⸗ 
——— Sia | * 


| 3— N ward, einer Fran, ) die in Kindesnörhen 





498 Nachricht von einer Stecknadel 

der, an welchen ſich das Geſchlecht hätte unterſchei⸗ 
den laffen, zeigete, Wo die weibliche Schaam feyn 
follce, befand ſich nur eine Eleine Deffnung, (ob ſich 
wohl die tippen der Schaam nicht dabey zeigten,) durch 
welche der Harn beftändig fortgieng; es hatte aud) ei. 
nen großen Mabelbruch, und ein wenig tiefer in der 
Linea alba war ein $och, inmelches fich der Maſtdarm 
öffnete, und da gieng der Unflath durch, fo lange das 
Kind lebte, welches falt zehn Wochen dauerte, Ber: 
fehiedene Tage, ehe das Kind ftarb, zeigte fich der 
Brand an dem Bruche, der bald das Eingeweide an⸗ 
griff, und des Kindes Tod verurfachte. Meinen Ge: 
danfen nach, war der Brand von der Kürze der Nabel- 
ſchnur entſtanden, die nicht in einer der Sruchtgemäßen 
$änge wuchs, fonft war das Kind überall vollfomen. 
Ich befam von den eltern Freyheit, es nad) feinem 
Tode zu öffnen; ich ſtellte keine ordentliche Anatomie 
an, fondern betrachtete nur den Majtdarm, den ic) 
vorbefchriebenermagen fand, und die Blaſe, die fehr 
Elein war, und feinen Harn enthielt: man fahe nicht, 
daß das Kind, weil es lebte, den Harn in einem Strome 
ließe ; Daher ich aufdie Gedanken gerathe,der Sphink-⸗ 
fer der Harnblafe fey fehr unvollfommen gewefen. Wie 
ich die Blaſe handthierte, fand ich was fcharfes, das 
meinen Finger ftach: ich Fonnte nicht entdecken, was 
es war, bis ich den Hals der Blaſe abſchnitt da ich 
denn aus der Blafe ein dichtes Wefen , etman fo groß, 
als eine kleine Feige, nahm, in dem fich eine Stecfna- 
del mit dem Kopfe daran, und ſehr ſchwarz befand, 
Die Harnblafe, Stecfenadel und das zähe Werfen, 
(das zwar etwas verdorben ift) find Bier in vectifis 
cirtemm Weingeifte aufbehalten worden, Da diefer | 





Vor⸗ 


aus der Blaſe eines Kindes. 499 


Vorfall meines Wiffens fehr außerordentlich iſt, fo 
habe ic) vorerwähnte Nachricht davon geben-mollen, 
deren Wahrheit id) nochmals verfichere , da das Kind 
von mir, in Öegenwart verfchiedener Zufeher iſt ges 
öffnet worden. Von mir ſelbſt unterzeichnet. 
— Wilhelm Gregory. 


—***** ************ 
BE PN 
00. Nachricht 
som Saſſafrasoöͤ 
en das in Cryſtallen angeſchoſſen; 
durch 


ee oh. Maud, Ehymiften, 
Mitglied der K. ©. 
\ | Aus den philof. -Zranf. 450 Rum. 7 Yet, 


der Chymie vorgefommen ift, die vielen auch 
in-diefer Kunft Erfahrnen wunderbar fihien, 
wenn ich fie ihnen erzählte, fo hoffe ich, die Gefells 
Schaft wird mid) enefchuldigen, daß ich mir die Frey⸗ 
heit nehme, ſie ihr vorzulegen. 

Bor wenig Jahren bemerkte ich bey etwas Oleo ef- 
Sentiali von Saſſafras, das einer froftigen Macht in 
einem offenen Gefäße mar ausgeſetzet gewefen, drey 
Theile von vieren in fehr ſchoͤne durchſichtige Cryſtallen, 
drey oder vier Zoll lang, und einen halben Zoll dick, 
von ſechseckichter Geſtalt, veraͤndert. | 
3 Diefe 





a mir letzthin eine ungemeine Begebenheit i in 


Ye 





o Nachrichtvon Saſſafrasoͤl 


u Cryſtallen ſanken im Waſſer unter, ohne 
fie) darinnen aufzulöfen: im Feuer entzündeten fie fich, 
und zerfchmolzen in ihren vorigen Zuftand, wenn ſie 
felbigem ausgeſetzet wurden. Sie behielten .alfo beftäns 
dig. Die Befchaffenheit eines Dels, ob fie. fih wohl un⸗ 
fer: einer andern re zeigten. Das —— 


einer —— A, foftw wie der Wein von 
Madera,) in einen. fehr durchfichtigen Körper, mie 
Eis, das aus dem helleften Waſſer enefteht, Diefes 
ſchein ein neues Beyſpiel des Anſchießens in Eryftal« 
Ten yu geben, das man ordentlich ſo erklaͤret, alswürs 
den die Theilchen eines fluͤßigen Weſens, oder eines 
andern Koͤrpers, der ſich in dem fluͤßigen Weſen er⸗ 
haͤlt, durch die Räte näher zuſammen gebracht, bis 
fie endlich ſo nahe fämen, daß fie einander wechſels⸗ 
weiſe anzoͤgen, und ſich zu einer unmittelbaren Beruͤh⸗ 
rung vereinigten. Da dieß Oel eines von den ſchwerſten 
Oelen, und ſogar ſchwerer, als Waſſer iſt, ſo 

niget es ſich deſto genauer, dergeſtalt, weil feine Thei | 
näher beyfammen find. Die hierüber nachdenfen 


‚wollen, koͤnnen Anlaß zu Betrachtungen nehmen, wor» 


innen ber Unterfchied zwifchen flüßig und feite feyn be⸗ 
ftehe; mie man denn auch hieraus ſieht, wie fehr die 
Farbe der Körper auf die Lage iprer ar 

| Theile anfümmt, | 
Man findet eine ähnliche Cryftallifation von Sch 


Neumann, die er Camphoram Thymi nennet, if ‚der 
389 und 431 Num. ber Zranfactionen. 


NP EG FB ‚ 
VIL Rad: 


I I 
— 501 


een 
| vn. sur Lu 


Nachricht 


von einer 


weißen Feuchtigteit, wie Dil 


die ſich 

ſtatt der waͤſſerichten Feuchtigfeit von Blute a 
das einige Zeit geftanden hatte, 

abgefundert hat; 

Durch Alerander Stuart, 
M.D. Leibarzt Ihro Maj. 

Mitglied der Kön. * — Geſellſchaft der Aerzte 

ondon 
Aus der 442 N. q Art, der philof. Tranſact. 


( Ar ohann Wis, ein Bildhauer in der Bromley⸗ 
N etwa 40 Jahre alt, hatte ungefähr 

drey Wochen feine Luſt zum Eſſen, und ſchlech⸗ 
te Verdauung gehabt, wobey er zuletzt Schmerzen 
und Ausdehnung des Magens empfand, und ei⸗ 
nen geringen Grad eines entzuͤndenden Fiebers be» 
fam, Die Zunge ward ‚ihm frocfen, rau) und von 
roßbrauner Farbe, mit einem gelinden weißen Strei⸗ 
fen auf jeder Seite, fein Harn von fehr hoher Farbe, 
mit häufigen, fchleimigen, violerfarbenen De 
die Stühle fehr gelb und flüßig. 

Wie man ihm acht Unzen Blut weggenommen 
hatte, zeigte fid) über dem zufammengeronnenen Ges 
blüte, ftatt der waͤſſerichten Feuchtigkeit nichts als dies 
fer weiße milchähnliche Saft, den ich in der Menge 

Ji 4 von 


— 





502 Nachr. voneiner weißer 


von ungefähr 4 Unzen abgoß. Erſt hatte er feinen 
Geruch, nachgehends aberfing er an, innerhalb 6 Tas 
gen, wie faule Eyer zu riechen. Er fand in einem 


Zimmer, wo noch drey Wochen,‘ täglich einige Stuns 


den, Seuer gehalten wurde, veränderte aber während 
dieſer Zeit ſeine Dicke und feinen Geruch nicht. 

Der Kranke hatte eine Woche zuvor, ehe ich in 
erſt fahe, fehr wenig gegeffen, den Abend zuvor nur ef» 


was gefochten Ralbsfuß zur Abendmahlzeit, und den 


Tag fein Fruͤhſtuͤck zu fich genommen. Gefund mar er 
ſehr gewohnt, täglich ftarfes Malzgetränfe zu genießen, 

Iſt das der Chylus, fo iſt ſein Weſen von der 
Milch ſehr unterſchieden, denn dieſe pfleget ſauer und 
dicke zu werden, wenn fie fteht, und bekoͤmmt nur den 
Geruch fauler Eyer,mwiediefer Saft bekam. Ob es nicht 
Chylus geweſen fey, der durch ein langes Umtreiben 
in den ‘Blutgefäßen faul geworden, läßt ſich meines 
Erachtens, ohne mehr Deobachtungen, nicht | beant- 
Morten. 

Das geronnene Geblüt mar mit einem elebrichten 
Häutchen,ungefähr einen Schilling dick, bedecket der vo> 
the Theil grumicht, zart und nicht zufammenhängenb. 


Ob er fich wohl innerhalb einer Woche viel be: | 


fer befand, fo verordnete ic) doch, ihm fünf Unzen Blut 
abzunehmen, um zu fehen, was für Veränderung vor⸗ 
gegangen wäre, und fand das ‚geronnene Geblüte mit 
einem flebrichten Häuschen, einer halben Krone dick, 


den vothen Theil von gehöriger Confiftenz und die wäß- 


ferichte Feuchtigfeie Elar, ohne einigen Chylum. 

Der Harn ward Elar, und er ward ungefähr inner: 
halb zwo Wochen, nachdem ich ihn das erſtemal ger 
gen hatte, gefund, 


U | 
Bde A VII. Nach⸗ 


Feuchtigk.ꝛc. 


en? 


ESEL RESTE 503 
RN ERDE 


VII, 


Nachricht 
von der Beſchaffenheit des bey Jena 
gelegenen | 


Zoͤrſtenbrunnens, 


„in einem gta 


Herrn D. Fr⸗ Boͤrner, 


ertheilet von 


Urban Friedr. Benediet Bruͤckmann, 
der A. W. Befl. in Jena *. 


nter den vielen Quellen und Brunnen, die 
wir hin und wiederum Jena antreffen, ift der 
* Fuͤrſtenbrunnen einer der allerberuͤhmte⸗ 
ſten. Dieſe Quelle verdienet ſowohl wegen ihrer an⸗ 

ne Sage, als wegen ihres ſchoͤnen Waſſers und 
anderer 





— Dice Aufſatz ift im Herbſtmonat 1748 zu Tena bey Ge⸗ 
legenheit der Verbindung Herrn D. Börners mit deg 
Herrn Berfafferd Schweſter gedrucket worden. Schrif⸗ 
ten, bie bey ſolchen Veranlaſſungen ans Licht kommen, 
pflegen felten von Dichtern großer Aufmerkſamkeit 
werth gefchäger zu merden, gefchweige, dag Philoſo⸗ 

phen im ihnen Unterricht ſuchen follten. Defto eher 
wird es der Herr Verfaſſer der feinen unter Den Ratur> 
Ji5 forſchern 





504 Nachricht von der Befchaffenheit 


andever.Eigenfehaften. medr,eine viel genauere Betrach⸗ 
tung,als man bis hieher deswegen anaeftellet bat, Ew. 
Hochedelgeb. werden demnach gütigft erlauben, daß 
ic) an Sie, als einen tiebhaber und Kenner der Na— 
turbiftorie, mit wenigem eine Befchreibung davon ab» 
gehen laſſe. Es iſt zwar bekannt, daß ſchon unters 
fhiedene Naturforfcher, des Sürftenbrunnens, als ei- 
ner ſchoͤnen und berühmten Duelle Erwähnung ge: 
than haben ; allein ich Habe nody nicht gefunden, daß 
jemand hinlänglich davon gefchrieben, noch) Die wahre 
Befchaffenheit deſſelben umftändlich genug berühret 
hätte. M. Adrian Beier, ein jenifcher Prediger, hat 
zwar in feinem Geographo Ienenfi, welches Bud) 
eher einer Chronif-als Geographie ähnlich fieht, vor 
andern des Fürftenbrunnens im Cap. 24, pag. 438. 
Erwähnung gethan ; doc) weil die Belchreibung 
dejfelben, eben wie D. Heinrih Schüttens in feiner 
Oryctographia Ienenfi fehr Furz und unvollftändig 
gerathen ift; fo habe ich nicht undienlic) zu feyn er- 
achtet, eine umftändlichere Nachricht davon aufzu- 
eben, — 
re Es quillt diefer Brunnen eine gufe halbe M ile 
von der Stadt Jena, in em: angenehmen Thale 
aus einem ‘Berge, welcher uftter dem Hayn oder fo= 
genannten Wölmüffe liege, Diefes Ihal hat auf 
Ba va beyden 


forſchern fo berühmten Namen würdig zu führen bes 

muͤhet ift, verzeihen, daß man dieſen Aufſatz, der fich 
von andern Gelegenheitsfchriften fo vorzüglich unfer- 
feheidet, den Siebhabern der Naturkunde, nur mit Weg- 
laffung deſſen, was Die beſondern Abfichten deffelben 


erforderten, bekannter machel. K. 


’ 


des guͤrſtenbrunnens sen Jena. so5; 


beyden Seiten ziemlich‘ hohe Berge, und erſtrecket ſich 
von dem Dorfe Woͤlnitz bis zum Brunnen; welches 
eine gute Biertelmeile betraͤgt. Sowohl wegen der 
fchönen Quelle ‚als der angenehmen Gegend erwaͤhl⸗ 
te der Ehurfürft von Sachfen, Johann Friedr ich, 
als er 5 Jahre, nämlich vom Jaͤhre is47 bis 1552 ges 
fangen geſeſſen Hatte, dieſen Platz, da er ſich auf der 
Jagd mit feiner Gemaßlinn Sibylla, einer gebohr- 
uen Herzoginn, von Jülich, Eleve und Berg, nebft 
dreyen Prinzen ermuͤdet hatte, daſelbſt auszuruben, 
und dieſes iſt die Urfache, warum man diefe Duelle 
nachhero den Süieffenbrunnen genennet hat. M. Jo⸗ 
hann Stiegel nahm Daher Gelegenheit, folgende la: 
teinifche Verſe, welche im fünften Buche feiner Ge⸗ 
Dichte anzutreffen find, zu verfertigen: , f 


ontis ad huius aquam frigus captabat opacum „ 
Saxoniae elector, myftaque Chriſte tuus. 
= “Tu fons iuftitiae vere fons viue falutis, 
‘ Saxoniae faluos Chrifte tuere duces. 


* Zeilen ſind nachhero zum Gedaͤchtniß feuer 

annten Ehurfürftens in einen Stein gehauen, und 
trifft man ſie zwar in dem Gewoͤlbe des re 
noch an, doch find. fie. von ber. gänge der Zeit weich 
unleferlich geworben. 


Eben dieſer M. Stiegel hat Bart von der Se 
gend unfers Brunnens, in feinem fünften — — * | 
—— Verſe ans Sicht geſtellet: 
> 'Fons exiens amoeno vallis angulo 

Vmbras meo gratas miniftro Principi, 

Lymphaeque garrientis opacum ‚gelu. | J 
AR _ Venator 


— 





— — — 


Venator huc ſyluis —— A ae 
—* Cum vitat aeſtum et auram captat mobile. — 
At ille mi. nomen relinquit inehtum 

Hoſpes meus, Deum colit ‚qui firmius, Pins 


Quam fontis vlla vrget Lymphas, perennitas,, dar wi 


" Da Principi pacem ‚Deus, da; iuibus, ,, ee 
4.3 Vtillo ad fontem praelueente ‚fit. yia, —2 Ah 
In ſempiternain vnde exilit yitam: fner Ya Pu: 


In Schuͤttens ‚Orydlographia Tehenfi, p- 30. habe 
ic) gefehen, wie auch in M. Adrian Beiers Geogra- 
pho — daß unſer Brunnen auch der Peniken, 
oder Peinikenborn genannt wird, weil er ſich nicht 
weit von ſeiner Quelle in das Deniken- oder Deiniken- 
baͤchlein ergieft; ferner auch det Haynborn, ver⸗ 
muthlich, weil er unter dem Hayn aus einem Berge 
hervorbricht. Sonſt wird er auch der Woͤlnitzer⸗ 
born genennet, ohne Zweifeldesmwegen , weil er dieſem 
Dorfe am nächften liegt, und fein Waſſer wenn es 
darinn eine Mehlmuͤhle getrieben hat, durch einen kur⸗ 
zen Weg in die Saale fließt. Dieſe Namen ſind 
aber in und um Jena faſt gar nicht bekannt, es wird 
alfo nicht nöthig feyn, davon mebreres zu gedenken. 


Man hat über viefen Brummen im Jahre 1554 
ein Gewölbe gemauert, ſowohl ihn rein zu halten, daß 
nicht allerley Unrath hineinfallen koͤnne, als auch zu 
mehrerer Bequemlichfeit dererjenigen, Die bey ange: 
nehmen Wetter dafelbft ihr. Vergnügen fuhen. 


Das Waffer bey dem Brunnen iſt ſchoͤn, helfe 
und klar, und wuͤßte ich nicht, daß es im geringſten 
‚Mehtere Eigenfehaften hätte, die wir nicht aud) bey 

jedem 


| des Fuͤrſtenbrunnens bey Jena. 507 


. jedem gemeinen lautern Wafferantreffen, Es iſt zwar 
etwas kalkigt, doch nicht fo ſehr, wie man es bey ben 
mehreſten Waſſern, um Jena her antrifft. Schuͤtte in 
ſeiner Oryctographia und andere mehr, haben unferer 
Duelle die Eigenfehaft zugefehrieben , daß fie Steine, 
Holz, Kräuter und andere ineingeworfene Dinge. mit 
Stein überzöge, und Reh u; Autor in ee 
nanntem Buche: 


© Hi fons omnia inieda — J RE con: 
chilia, plantas etc. topho fuo fenfim obducit et 
„lenignee poft multa tempora in lapides mutat. 


Allein, wenn man eg genau betrachtet , fo wird man 
finden, daß das Waſſer, ſo, wie es aus der Quelle 
koͤmmt, noch nicht die geringfte topffteinartige Mate- 
vie bey ſich führet, womit es die Körper überziehen 
koͤnne. Denn es fließt noch wohl etliche Büchfens 
fhüffe und weiter, ehe man etwas mit Topfftein über- 
zogenes darinnen antrifft: und habe ich einigemal, 
fowohl in die Duelle, als auch nicht weit davon, aller- 
ley Sachen in das Waſſ er geleget, woran ſich aber, ob 
es gleich lange gelegen, * von Stein — 
hatte. 


Es iſt die e Uefache der fing nicht 
allein‘ in dem Wafler zu fuchen, wie es ausdem Ber: 
ge hervorfließe, weil es fonft fomohl bey der Quelle, 
als weiter davon verfeinern müßte. Man bat auch 
uͤberdem gefunden, daß es allein von dem Erdboden, 
herrühre, über welchen das Waſſer wegfließt, denn 
von dem Orte, wo es zu verſteinern anfaͤngt, beſteht 
der Erdboden, bis zu bem — Woͤlnitz/ einige El⸗ 

len 





508 Nachricht von der Beſchaffe 


fen tief, aus laufer sermich feftem Topfftein, daß min 
ign aud) zum Mauern gebrauchel, © | 
In diefer ganzen Gegend trifft man fehr —* von 
PAR Ha Sachen an: als Wurzeln, Kräuter, 
Steine, Schnefen und andere Dinge mehr, weldye 
mit einem weißlichten Topfſteine/ wenn er trocken if, 
überzögen find, Bir 
Es wird ſich nunmehro leicht errathen aa wo⸗ 
her dieſe Koͤrper gleichſam in Stein verwandelt wer⸗ 
den, und man darf ſicher ſchließen, daß das Waſſer 
von dem topffteinigten Boden, wodurch es hinlaͤuft, 
nach und nach, durch feine ziemlich fchnelle Bewegung 
etwas losreiße, und diefes andern Körpern anhänge, 
Man findet daher auch) große Stüde, welche mieder 
Zeit auf diefe Art entftanden find, und. man fieht 
deutlich, daß fid) eine Lamella über der andern ange 
leget hat. | | 
Will man Sachen a welche. mit Stein 
folfen überzogen werden, ‚muß man fie ungefähr ein 
Vierteljahr darinnen liegen laſſen, und. behutfam | 
mit denfelben umgehen, fo lange, ſie noch naß, weil 
der Tophus daran alsdenn noch muͤrbe und leicht ab⸗ 
zuwiſchen iſt. Auch erhellet es von ſelbſten, daß 
man fie entweder anbinde, oder‘ fonft böfeftige, damit 
fie nicht durch das Waſſer mit weggeriſſen werden 
und verloren gehen. Dieſes muß ich noch erwaͤh⸗ 
nen, daß anſtatt andere ſchnellfließende Waſſer ihre 
Ufer vergroͤßern, ſo ſehen wir hier das Gegentheil, 
maßen ſich allmaͤhlich mehr und mehr Topfſtein, ſo⸗ 
wohl auf den — an bie DENE bet Damen 





des Fuͤrſtenbrunnens bey Jena. 509 


welche Häufig an ihm hingepflanzet ſind, als auch an 
die auf dem Grunde liegenden Steine anſetzet, daher 
ift auch unfers Waſſers Canal an vielen Orten fehr 
ſchmal geworden. 

Ein tiebhaber von Naturalien ‚wird nicht ‚allein 
fein Vergnügen haben, wenn er die Merfroürvdigkei- 
ten diefes Brunneng betrachtet, und in deffelben Waſ— 
fer allerley mit Stein uͤberzogene Koͤrper antrifft; 
fondern er wird auch auf den "Bergen, die ihn umges 
ben, und in dem Thale felbft unterfchievene verftei- 
nerte Schnefen, Mufcheln, Schwaͤmme, Steine, 
worauf Bäumehen und Sandfehaften zu fehen, hin 
und wieder finden, geſchweige der vielen Sorten von 
Kräutern, welche der Erdboden dafelbft beroortom. 
men läßt. | 

Diefes wäre eg, was ih Ew. Hochedelgeb. 
von dem Süieftenbrunnen hätte berichten koͤnnen, und 
glaube ich, nichts mit Stillſchweigen übergangen 

zu haben, mas dabey einer Yufmerffam- 
| feit verdiene, kai, 





{ * IX, Her 





so: Boerhavens Berfi u 
— — —— ** 
| — Doerha | 
Verſuche vom Sie. 
. Theil * en 


Aus den bite, Trandakt, 4430. 9 od Ä 





€ ch habe voriges Jahr einige Anmerkungen 
vom Queckſilber aufgeſetzet, aus denen erhellet, 
daß daſſelbe, ob es ſich zwar beſtaͤndig in 
andere Koͤrper zu verwandeln ſcheint, doch auf eine 
wunderbare Art, eine ihm eigene und unwandelbare Be⸗ 
ſchaffenheit beſtaͤndig behaͤlt. Ich habe ſolche der koͤn. 
englaͤndiſchen Geſellſchaft uͤberſchicket, und fie find hoͤ⸗ 
ber, als ich gehoffet hatte geſchaͤtzet, und in die Schriften 
dieſer Geſellſchaft eingeruͤcket worden. Mein einziger 
Vorſatz in dieſer Schrift war, die Dinge, die ich mit dem 
Queckſilber vorgenommen hatte, und was daraus ent- 
fanden ift, getreu und genau zu befchreiben, damit 
ich meinem $efer Die Arbeit und die Koſten, , folche zu 
wiederholen, erfparte, Jetzo habe ich eben Die Abſicht, 
da ic) der Akademie, welche unter dem Schutze des 


—2—— wen blüber, — dar⸗ 
“av biete 

* Man fehe dag 2 Sit de 4 8. de —— Mag. 
Herr Mortimer hat dieſen Theil aus den Schriften 
der koͤniglichen pariſiſchen Mademie von 1734 latei⸗ 
„ai ‚uberfeger, 


vom Quedfilber. zu 


blete. Wenn man beyde Abhandlungen mit einander 
vergleicht, wird man von der Aufrichtigkeit und den 
ſcharfen und genauen Unterſuchungen der alten Al— 
chymiſten bey dem, was ſie vom Queckſilber geſchrie⸗ 
ben haben, urtheilen koͤnnen, und zugleich ſehen, daß 
großer Fleiß und viel Klugheit erfordert wird, wenn 
man ihren Sinn erklaͤren, oder über fie richten will. 
Ich hoffe auch Dadurch die Liebhaber der Chymie vor» 
fichtig zu machen, daß fie durch die unbeftimmten Leh⸗ 
ven der heutigen Alchymiſten nicht betrogen werden, 
die nichtsgutes und richtiges aus dem Grunde miffen, 
und feine andere Kunft befigen, als das Gold durch 
ihr Berrügereyen von denen zu erhalten, denen fie weiß 
machen, fie fönnten fie die wahre Art, Gold zumachen, 
lehren. Was id) von der unveränderlichen und ein⸗ 
fachen Beſchaffenheit und den befondern Figenfchaften 
des Duecffilbers zuvor gezeigt habe, will ich wieder bes 
ftätigen. Einer fo gelehrten Gefellfchaft, wie die Afa- 
demie ift, koͤmmt es zu, von dem Mugen und der 
Wahrheit diefer Schrift zu urtheilen, und ich erfuche 
fie, einige müßige Stunden darauf zu menden, und 

andere Gefchäffte indeß bey Seite zu feßen. Ich weiß, 
daß die Afademie wenig leere Augenblide hat, und 
werde deswegen fo Furz zu feyn fuchen, als es möglich 
iſt. Ich komme zur Sache. | ; 


I. 


Reines Duedfilber, wie es meiftens bey den Kauf 
leuten der amfterdamer Gefellfchaft zu befommen ift, . 
en durch lange Digeſtion über dem Feuer zu feinem 


"4 Band, Kt ver · 


| 2 | Voerhaavens Ver ſuche 


Verfahren. A 
Das BERN ie Queckſilber bat keine Unreinig⸗ 
keit zuruͤckgelaſſen: Nachdem iſt es mit diſtillirtem 
Eßig und Meerfalze lange Zeit gerieben worden, und 
noch rein verblieben. Ich druͤckte es durchs Leder, goß 
ein Pfund in eine hohe reine Phiole, deren Oeffnung 
ich mit einem Papierſtoͤpſel zumachte, und ſolchen wie⸗ 
der mit einem andern Papier bedeckte, das ich an der 
Phiole Hals wohl anband, damit kein Pulver hinein · 
kommen konnte, die Luft aber frey ein:und ausgieng. 
So ſetzte ich es in einen Dfen in beftändige Wärme, die 
nach) dem Fahrenheitiſchen Thermometer über den oo 
Grad vom 15 Wintermon, 1718 bis zum 23 May 1734; 


gehalten wurde. Sch fand alsdenn diefes Queckſilber 


in der Phiole fluͤßig, mit etwas wenigem ſchwarzen 
Pulver auf der Oberflaͤche, das im Moͤrſer gerieben 
wieder Queckſilber ward, Alles dieſes Queckſilber 
that ich in eine reine glaͤſerne Retorte, zu diſtilliren, 
und vermehrte das Feuer gegen das Ende, bis die 
Retorte faſt gluͤhte. Es blieb gar nichts in der Re⸗ 
torte, und das Queckſilber war ohne — — 
Veraͤnderung uͤbergegangen. | | 
Folgerungen. J | 
1. Erwähnter Grad des Feuers verändert in u : 
fagter Zeit nichts an der Fluͤßigkeit, Fluͤchtigkeit und 
Beſchaffenheit des Queckſilbers, das in ein Gefaͤße, 
in welches die Suft frey gehen Fann, gethan wird: Es 
iſt aud) Feine Scheidung veiner Materie von unzeiner 
vorgegangen. = 
2, Auch) ift niche die geringfte merfliche enge 
Metallerzeugt worden, J 
— user oder Bo. 
4. Durch 


bonm OQueckſilber 3z 


4. Durch dieſes 152 Jahr lang fortgefeßte Verfeh 
‚zen iſt nichts vom Duceckfülber feuerbeſtaͤndig ge mache 
worden ; e8 hat fich auch nichtdergeringfte Anfänge einer 
mrecäflifchen Feuerbeftändigfeit, nicht einmak ſo vieles 
Bley hat gewiefen, welches Metall’ doc vermittelſt 
folchen Verfahrens am erften erzeugt werden ſoll, wie 
diejenigen jagen , die ſich Ye ne ſolchese am beſten zu 
—9— 
| 5. Ufo iſt dieſes Verfahren denen — Bora 
gelb, ‚die EBEN: die Metalle Khan aus 


re 


Es ift feße ——— daß alle neun 
"reinen Queckſilber angeftellte Unterſuchungen gar nicht 
das geben werden, was die Schriftſteller von ihm ver⸗ 
ſprechen, da das wenige ſchwarze Pulver, von dem ich ge⸗ 
redet habe, leichter iſt als das Queckſilber, auf deſſen Flaͤ⸗ 
che es ſchwimmt, und ſich leicht wieder in Queckfilber 
verwandelt. Man fehe, was ic) in den Schriften der 
koͤnigl. londonſchen Geſellſchaft 430 Num. von eben der⸗ 
gleichen ſchwarzem Pulver, das durch die bloße Bewe⸗ 

gung aus dem — iſt erhalten worden, geſa ge | 
habe. | 


7. Man fiehe al nicht, daß ſich das Quechſiber 
in den Gruben allein durch die langwierige Wirkung 
der unterirdiſchen Waͤrme ar einem Orte, wo die Luft 
frey dazu kann, in etwas metalliſches verändern laſſe. 
Die Wärme übertrifft in den Oertern, wo Erzgänge 
gefunden werden, felten 70 Gr, Sie ſagen zwar, es 
wurden ligne ei Wirfung 1000 En 

erfor⸗ 


Es Boerhaavens Verſuche 


aber wie koͤnnen Menfihen, bi ein fo kur⸗ 
f 1 — haben, das fo ficher wiſſen ⸗ 
8 Was den Schwefel betrifft, Deh die Acchymi⸗ 
ſten fuͤr eine von den Materien halten, aus dem die 
Metalle entſtehen, und von dem ſie ſagen, er braͤchte 
die Theilchen des Queckſilbers zuſammen, damit aus 
ihnen; ein fefter, und bis zum Feuer, das ihn ſchmelzt, 
beftändiger Körper würde, der fich haͤmmern ließe; 
fo feheine diefer Schwefel von der Materie des Lichts 
oder des Feuers. ganz unterſchieden zu ſeyn, obwohl 
das Feuer das einige Werkzeug iſt, vermoͤge deſſen 
dieſe wunderbare Vereinigung zwiſchen Schwefet und 
Queckſilber kann hervorgebracht werden. 
Gleichwohl ward bey dieſem Verfahren die "uf | 
frey zum Queckſilber gelaffen; und man wird vielleicht 
ſagen, dadurch fey des Feuers Wirkung verhindert wor- 
den, weil auch die Alchymiſten behaupten, ‘die nahe 
Luft verhindere die Rochung der Weifen. Dieß har 
mich auf den Verſuch gebracht, den ich ge will 


ll. 


Sueefiher ‚das die eh Being in 
wohl verfchloffenen. Gefäßen ift digerirt worden, giebt 


kein Metall. 
Verfahr en. 


Ich that x rein Queckſilber in ein reines ‚conifches 
Glas mit ebenem Boden, wie fich die.Probiever zur 
Scheidung des Goldes und Silbers bedienen, und 
feßte folches vom 6 Chriftmon. 1732 bis zum 8 Heu⸗ 
. mon, 1733 einer Wärme von 100 Grad aus. Das 
| Por blieb allezeit verfkopft, und das Babe | litt 

eine 


vom Dieekfilber. "51 


feine Veränderung, die merflich geweſen wäre. Ich 
nahm 6 Unzen davon, that ſie in eben dergleichen Ge⸗ 
faͤße, und ſteckte in deffen Deffnung den Hals einer ums 
gekehrten Phiole: Ich verlutirte Die Gefäße nicht, fon= 
dern fegte fie fo 4 Tage lang in fo heißen Sand, daß 
das Duedjilber aufzufteigen anfieng, damit ich alle 
Feuchtigkeit austrieb, die das Queckfilber enthalten 
konnte. Wie mir auch nicht dag geringfte Zeichen den 
Feuchtigkeit übrig zu feyn ſchien, lutirte ich beyde Ge⸗ 
faͤße genau zuſammen, wo ſie in einander geſteckt wa⸗ 
ren. Ich ſetzte das Queckſilber in ein genugſam hefti⸗ 
ges Sandfeuer, davon es genoͤthiget ward, zu ſteigen 
und wieder zu ſinken. Dieſen Grad der Wärme feste 
ich bis zum 29 Jenner 1734 fort; auf dem Boden des 
Gefaͤßes fand ich nichts, als fluͤßiges Queckſilber, mit 
einem leichten zarten ſchwarzen Pulver mäßig bedeckt, i 
nichts feuerbeftändiges, nichts präcipitivtes, obwohl der 
- Grad der Wärme faft an kochendes Balfer reichte. Ich 
goß diefes Queckſilber durch einen reinen trockenen pa⸗ 
piernen Trichter, deffen unterfte Deffnung fo enge war, 
daß fie kaum ein Haar durchließ. Das Queckſilber 
gieng vollkommen rein durch diefe enge Oeffnung durch, 
und an den Waͤnden des Trichters, wie auch an der 
Oeffnung blieb ein wenig ſchwarzes, das im Moͤrſer 
gerieben, wieder zu Queckſilber ward. Dieſes fo ges 
reinigte Queckſilber brachte ich im einer reinen aläfernen 
Retorte in heißen Sand, und am Ende in Suppreß _ 
fionsfeuer. Es ift im geringften nichts fenerbeftäns 
diges in der Retorte am Boden geblieben: nur fchien 
das Duedfilber etwas flüßiger, als zuvor, aber ſonſt 
keinesweges verändert. 


Kfz Folge⸗ 


x > Boerhanveng Berfuche 


| v antenne 


Hieraus fließen ebein die Schlüffe, die ſich aus 
7 Böcherpehenbem Berfuche herleiten laſſen; und wenn 
iman fie mit dem, was ich in der 430 Num, der Tranf. 
gefagt babe, verbindet, fo erhellt deutlich, daß das 
Zueckſilber durch mechanſche Bewegung, durch Dis 

geſtionen und Diftillarionen unveränderlich ift. Sc. 

igere daraus, daß die Chymiſten fich die unnüge 
Wiederholuug diefer Arbeiten erfparen fönnen, wos 
durch fie das Queckſilber feuerbeftändig machen, oder 
in einen andern Körper. vermandeln wollen, und tathe 
ihnen hoch uͤberdieß, Unmiffenden nicht zu frauen, die 
viel folche Thorheiten verfprechen : Diejenigen unter 
ihnen find noch die Kluͤgſten, die ihre ne an, 
— Unkoſten anſtellen tollen. 


Ich will die Folgen von andern Verſuchen ie. | 
eben fo muͤhſam, als die vorigen, find, und die ic) 
mit andern Metallen angeftelle habe, gleichfalls erzaͤh⸗ 
Ien. Ich habe mich lange bemühet, zu erfahren, ob 
es wahr ſey, daß die Metalle durch die Kunſt in Queck⸗ 
ſilber und in ein anderes Grundweſen koͤnnen aufgelöft 
werden. Verſchiedene Schrifefteller behaupten dieſes 
ſo deutlich und an ſo vielen Orten, daß es mir ſchien, 
als haͤtte man keinen Grund, daran zu zweifeln. Ich 
glaubte dieſen Schriftſtellern: aber damit ich die Sa⸗ 
che ſelbſt ſaͤhe, habe ich es mit Bley verſucht. Der be⸗ 
un Joh. Bapt. von Helmont (poteft. Medicam. 

$. 40.) ſpricht · Ich habe, füge ich, gefunden, daß 
das rohe Weſen des Bleyes, welches durch die Fet-⸗ 

„tigkeit feuerbeftändiger Salze ſich auflöfen läßt, bis⸗ 
Be nur N das — wegzuſchaffen iſt, 

„da 





vom Queckſilber. 517 


„daß alfe die Theile des zuſammengeſetzten Weſens ge⸗ 


„erenner werden, und das rohe Queckſilber zu laufen 
„anfängt *. „ Sein Sohn, Franz Merkur von Hels 


mont, fagt: „Wenn das Bley von alfalifchen Säften 


„und Salzen und Delen aufgeloft wird, die den Schwe⸗ 
„fel an ſich ziehen, und ihn von dem Körper trennen, ſo 
„wird das Bley auf diefe Are in flüchtiges und ffüßiges 
HQueckſilber veraͤndert, das kein Feuer mehr, wie zu⸗ 
„vor, verträgt, ſondern Die metalliſche Geſtalt verlohren 
„hat, und kalt und fluͤßig iſt, wie Wafler. „ (Man f. 


: the Päradoxical difcötrfes of F.M. von Helmont, 


em * 


L.ond! 1685. in 8 Part. II.q. 27. p- sr. **) Joachim 
Becher behauptet eben das und verfpricht verfchiedes 
nen Berfüchen, die er —— ibt, einen gluͤcklichen Er⸗ 


| folg. {v. Collectanes Quingenfo forkım experimentor. a 


p.310. ad 333. ) Her ift fur; und deutlich, mas ich) da» 
von Durch eine — und verdrießliche Arbeit 
erlernt habe. 


verfahren 


AIch föfte ſo viel reines Bleyweiß als ſich aufloͤ⸗ 


ſen ließ, in Br der mit ſechsmal ſo ſchwe⸗ 
N REG ‚tem 


⸗ — inquam, —— Saturni: pinguedine — 
Alium ſolubilem ſolo quandoque igne carptim delebi- 
lem, ‚fieque diuidi compofiti partes crudumque Argen- 
tum viuum currere permitti. 

** When Lead is diffolved by Alkalies and Salts or Oil, 
which take. in the: Sulphur and feparate it from the 

“: ‚Body, the Lead by thia Means becomes changed into a: 

. »volatile rurning Mercury which can no more endure 
ähe Fire as before but is cold and rursing. like Water 
and whitout a metalline Forin. | 


— 


58 Boer haavens Verſuche 


rem Weſſer geſchwaͤcht war, ich ſeigte Das Aufgeloſte, 
und fand es ſehr helle. Aus dieſem fluͤßigen 
Weſen, das ich in ein reines Glas that, ‚bey gelinber | 
Wärme verdicte, und nachgehends an einem Falten - 
Orte ruhig ftehen ließ, erzeugten ſich Cryſtallen, von 
denen ich 14 Unzen nahm, ſolche in einem glaͤſernen Moͤr⸗ 
fer, mit einer glaͤſernen Keule zerrieb, dieſes Pulver in 
dem reinften Regenwaſſer auflöfte, und. das Aufgelöfte 
mit dreymal fo viel Regenwaſſer diluirte, alsdenn eine 
andere durchfeigte und belle Auflöfung von Salmiat 
in Regenwaſſer, gelinde und bedachtfam dazu goß; 
das Bermifchte wird milhweiß, und dag Bley fälle 
gleich zu Boden, wie beym Silber, dasman in Aqua 
fort aufgelöft hat, geſchieht, wenn man Salmiak da» 
zu bringt, das auf dem Boden geſetzte ſchneweiße 
Pulver, ward mit vielem Waſſer abgewaſchen und 
getrocfnet, es war.ohne Geſchmack, und wog 185 Uns 
je, von dieſem weißen und trockenen Pulver that ich 
6 Unzen i in ein ſehr reines Uringlas, goß Darauf zwee⸗ 
ne Zoll hoch uͤber das Pulver die ſtarkſte Lauge aus 
lebendigem Kalk und Potaſche, die ich in einer wohl⸗ 
verſchloſſenen Phiole verſchiedene Jahre behalten hat⸗ 
te: alsdenn bedeckte ich das Uringlas mit Loͤſchpa⸗ 
pier, das ich um den Hals wohl daran gebunden hatte, 
ſetzte es in den Faͤulungsofen in die Wärme von 96 
Gr. und ließ fie darinn vom 6 Hornung 1732 bis 
zum 13 Auguſt eben dieſes Jahres, zu verſuchen, 
ob dieſes Mengſel, ſolchergeſtalt der Luft ausge 
feßt, ſich durd) die Wärme, „welche Faͤulung verur⸗ 
ſachet, aͤndern wuͤrde, und ich fand nichts, als eine 
weiße Maſſe, die gepuͤlvert ſalzig ſchmecte ich that 
fie in eine glaͤſerne Retorte, die mit einem — — 
| n 


/ 


vom Quedfilber sp 


Thon und Sande befchlagen war, trieb folche mit ofs 
fenem Feuer, bis zum Olten, und erhielt diefe Hige 
drey Stunden lang. Es flieg in die Netorte etwas 
mweniges weißer Dampf, aber gar nichts von Queck⸗ 
filber, und auf dem Boden blieb eine zerbrechliche Halb 
zu Glas gewordene afchfarbene Materie, die ih im 
Mörfer mit der Lauge von lebendigem Kalk und feuer 
beftändigem alfalifchen Salze lange rieb, und wieder 
bey gelindem Feuer abtrocfnete. Ich goß neues Al 
Fali dazu, und feßte es der Wärme von 96 Gr. vom 
ı8 Aug. 1732, bis zum 15 Weinmonats 1733 aus, 
trieb fie aber dabey täglich in dem gläfernen Mörfer, 
in.dem fie fich befand, und der nur mit Papier bedeckt 
‚war, ‘und ließ die frene Luft zu, alsdenn fand fic) 
ein weißes trocknes und zarfes Pulver, das nach 
neuer Zugießung eben der auge Durch Keiben in eis 
nen Teig verändert ward ; ich feßte es wieder der 
Fäulung aus, wie vorhin, und rieb es ofte, von vor: 
erwähntem Tage bis zum 2ı Hornung 1434, alsdenn 
war eg eine falzige weiße Mafle, die dem Gefchmade 
vom Meerfalze nahe fam. Nachdem fie war gerie⸗ 
ben, mit Waſſer abgewaſchen und aufs gelindeſte ab⸗ 
getrocknet worden, habe ich ein weißes, ganz geſchmack⸗ 
loſes Pulver gefunden, ſolches in die Retorte gethan, 
und dieſelbe viele Stunden lang in dem ſtaͤrkſten Feuer, 
welches das lutirte Glas ausſtehen konnte, gehalten, 
den 20 May 1734 iſt kein Queckſilber herausgegan⸗ 
gen. Der Hals der Retorte hat verſchiedene Sarben 
befommen. Die zerreibliche Maffe, die auf dem Bo» 
den geblieben iſt, hat ebenfalls verfchiedene Farben, ſcha⸗ 
lenweife über einander gelegt gezeiger, und 5 Unzen, 
nebſt 65 Drachmen gewogen; das Pulver, in wel⸗ 

Res ches 


520 Borrhanvens Verſuche 


ches fie verändert wurde, dat durche Reiben Kö 


Af farbe gezeigt. 
—— 


Das Bley war bey dieſem Verfahren aiſllich 
Bleyweiß, nämlich durch den Eßigdampf, der es Durch 


drungen und aufgelöft hatte, zu einem weißen Kalke, 


und barnach in ein zartes Pulver gebracht worden. 


Es ward im geſchwaͤchten Salpetergeifte aufgelöft, 


und fo ward das Bley ein heller Saft ohne Farbe, 
von füßem Geſchmacke, in welchen das Bley in die 
Eleinften Theilchen zertbeile if. Das Salmiak, wels 
ches drittens hinzu gegoffen ward, hat den Salpeter: 
geift herausgetvieben, und an deffen Stelle den Meet: 
falzgeift gefegt, der ſich aufs genauefte mie dem me⸗ 
talliſchen Theile des Bleyes vereiniger, und ihn, fo viel 
möglich, geſchickt gemacht hat, das Duecfilber von 
dem metallifchen Theile abfondern zu laffen, wie Diejes 
nigen, Die, nach unferer Einficht, am beften von diefen 
Sachen gefchrieben haben, vermeynen, denn fie fehreis 
ben befonders dem Salmiak und Meerfalze die Eigen: 


fchaft zu, daß fie das Duedfilber von den Metallen 


abfondern follen. Viertens hat es mir gefchienen, daß 


der fo zubereitete Kalk, der mie dem ftärfften Alkali 
ſieben Monate lang in Digeftion behalten worden, 


durch Verſchluckung des Bleyſchwefels haͤtte das 


B 


Queckſilber entdecken follen. Gleichwohl hat auh 
ein ftarfes Feuer nicht das geringfte Ducckfilber gegen 


ben. Fuͤnftens, zeigte auch diefe lange und ſtark ges 
riebene Maffe, nad) Beymiſchung eines neuen und 


ſehr ſtarken Alkali, und einer vierzehnmonatlichen Diges 


BR ion die geeingfte Spur Queckſilbers. Sehe 


ftens 


vom Queckſilber. 521 


ſtens rieb ich ſie wieder mit neuem Alkali; digerirte 
fie fünf Monate lang, ſo, daß fie nach allen dieſen Ver⸗ 
richtungen genugfam der Wirkung des alfalifchen 
Salzes ausgefegt geivefen ift, daß es Zeit gehabt hats 
te, ven fchwefelichten Theil des Bleyes abzufondern, 
und daß das Queckſilber, nachdem es vom Schwefel - 
befreyet worden, aus diefer Maffe durchs Feuer Härte 
Fonnen berausgetrieben werden. Nichts deftomenis 
ger hat das größte Feuer, nach allen dieſen Arbeiten, ein 
Queckſilber herausgebracht. 


Man ſieht alfo, daß die Erfahrung es nicht beftä- 
tiget, wenn die Schriftitellee mit fo viel Kühnbeit bes - 
baupten, es fey leichte, das Duecfilber aus dem 
Bleye zu ziehen. Cie fagen nämlich, das Bley fey 
das Metall, welches das: meifte Queckſilber enthalte, 
und laſſe ſich alfo dur) gehörige Salze am feichteften 
in Dueckfilber auflöfen. Folglich ift die Sache bey 
andern Metallen noch ſchwerer. Gleichwohl verfpre« 
chen diefe Schriftfteller, daß es leichte zu erhalten fen, 
und fihreiben Arten vor, die von der, welche ich ige er— 
klaͤrt habe, wenig unterfihieden find, da mich. diefe 
Doch nach. fo viel Arbeiten gelehret hat, daß mir das, 
was fie verfprochen haben, garnicht gelungen iſt. Ich 
zweifele fehr, ‚ob das, was diefe Schriftſteller behaus 
pten, ſich auf genugfame Erfahrungen gründet. Viel—⸗ 
mehr bin ich geneigt, zu glauben, daß fie ihrer Mey: 
nung mehr Platz gegeben, als die Erfahrung befragt 
- haben. Was von mir iſt erzähle worden, wird we- 
nigſtens dienen, den $efer von der Arbeit und den Ko⸗ 
ſten diefer Erfahrungen zu befreyen, und ihn abhal⸗ 
‚ten, eingebildete Grundſaͤtze der Lehre von den Mes 


tollen 


— 


522 Boerhaavens Verſuche 


tallen miche leicht anzunehmen. Es wäre zu mine 
fehen, daß diefe finnreiche und arbeitfame Chymiften 
uns den Erfolg folcher Arbeiten, die ihre Hoffnung 
nicht erfülle haben, getreulich befchrieben hätten, und 
uns niemals Arbeiten angegeben hätten, ehe ſolche 
von ihnen wären verfücht worden. Hiermit würden 
wir Zeit, Koften und Arbeit erfparen, und die Chy⸗ 
mie hätte ihren Plag unter den Wiffenfehaften i in kur⸗ 
jem erhalten, außerdem wird man, wo ich mich nicht 
fehr irre, die Wahrheit, den einigen Zweck — | 
Unterſuchungen, niemals erreichen. | 
AR, ! —— 

Iſaaeus Hollandus bat geſchrieben, man 
koͤnne das Queckſilber gar leicht aus Bleyſalze, wel⸗ 
ches mit deſtillirtem Eßig waͤre gemacht worden, zie⸗ 
hen. Weil ich einen Verſuch mit der beſten Gloͤthe 
und deſtillirtem Weineßig angeſtellet, ſo machte ich 
den verdickten Saft, den man Bleyſaft nennt; das; 
von calcinirte ich 2 Unzen in einem offenen Glaſe bey 
gelindem euer vom 6 Brachmonats, bis zummächfts 

folgenden 19 Brachmonats; das weiße Pulver, das dar⸗ 

aus entſtanden, ward in einem glaͤſernen Moͤrſer 
mit einer glaͤſernen Keule aufs ſchnellſte und lange ge⸗ 
rieben; es ward dann und wann ſaturirte Lauge aus 

dem ſchaͤrfſten firen alkaliſchen Salze, fo viel das Waſ⸗ 

fer auflöfen Eonnte, dazu gegoflen, ich behielt es in eben 

dem Mörfer, mit Papier bedeckt, bey der Wärme vom 

21 Heumonats, bis zum 27 Bintermonats: Sobald 

das Pulver getrocknet war, forgte ich dafür, daß es 

mit zugegoffener neuer Lauge dieſe ganze Zeit über ge⸗ 


tieben würde, - Ich behielt es alfo in der Wärme 
von: 


vom Queckſilber. 53 


von 90 Gr. mit Papier bedeckt, diefe ganze Zeit über, 
re ich es wechfelsweife trocknete, anfeuchtete und 
trieb. Den legten Tag zerftieß ich diefe trocfne und 
weiße Materie in ein Pulver, das ſich mit den Fingern 
nicht faflen ließe, that es in eine befchlagene gläferne Res 
torte, und feßte es den Feuer aus, das nach und nad) 
verftärkt worden, bis die Retorte glühte. Die 
dauerte 4 Stunden lang. Es zeigte fi). auch nicht 
das gerinafte Körnchen Queckſilber, weder inder Vor⸗ 
lage, noch im Halſe der Retorte, an deren Boden 
man eine ſehr ſchwarze leichte Maſſe, in Geſtalt ei⸗ 
nes Pulvers, und vom Geſchmacke, wie das ſchaͤrfſte Al⸗ 
kali, fand. Den 28 Wintermonats ſetzte ich ſie in ei⸗ 
ner glaͤſernen Schale in den Keller, wo ſie gleich feuch⸗ 
te ward, und ließ ſie daſelbſt bis zum 8 Jenner 1738. 
Die Groͤße dieſer Maſſe hatte ſich vermehret. Der 
ganze falzigte Theil mar von freyen Stuͤcken, durch 
Zutritt der feuchten Luft, zerfloffen, und der metallis 
ſche Theil blieb auf dem Boden in der Geftalt eines 
ſchwarzen Pulvers. Alles ward zugleic) getrockner, 
ſowohl das, was in ein flüßiges Wefen war verwandelt 
worden, als das, was nicht zerfloffen war; und die⸗ 
des Mengfel mar ungemein ſchwarz. Ich that es 
wieder in eine gläferne Retorte, und trieb es gegen dag 
Ende mit ftarfem Feuer, daß alles vier Stunden lang 
gluͤhte. Auch Hier zeigte ſich nicht das geringfte 
Merfmaal von Queckſilber, weder in der Vorlage, noch 
in der Retorte. Auf dem Boden ein afchfarbenes 
Weſen von brennendem Geſchmacke, wie euer, das 
gleich zerfloß, wie ich es der Luft ausfegte. 


Bley 


524 Boerhaavens Berfuche 
Bley, das i in reinem Eßig ift aufgelöft ‚und locker 
gemacht, und dergeftalt eingerichtet worden, daß es 
vom Salze aufs genaueſte konnte durchdrungen ı wers 
den, das man nachgehends mie dem fehärfften feuer- 
beftändigen flüßigen Alkali vermengt und gerieben bar, 
das nachgehends der Digeftion und Fäulung iſt aus⸗ 
gefegt worden, an ein heftiges Feuer gebracht, und 
von der Feuchtigkeit der Luft einen philoſophiſchen 
Monat lang aufgelöft worden, das man wieder ge» 
trieben, getrocknet, in heftiges Feuer: gebracht Hat, ſolches 
Bley, ſage ich, hat bey dieen Verſahren an 2 

Queckſilber gegeben. 

Was foll man alfo von dieſe Sache und von ben 
Ausfprüchen leichtgläubiger , träger, und bloß dem 
Nachdenken, ohne wirkliche Arbeiten ergebener $eute, _ 
urtheilen. Diejenigen, die mehr Arbeitſamkeit als 
Wiſſenſchaft beſitzen, werden von ihnen in unnuͤtze 
Bemühungen und unmaͤßige Koſten verfuͤhret wo⸗ 
durch ſie die ſchoͤnſte Kunſt verhaßt machen. Andere 
moͤgen ſich meiner Arbeit und Koſten — a 
die ihrigen zu erfparen. 7 
IV. RN 

Da meine eigene Erfahrung mich 5 * y 
daß die Salze, die man Sales reſuſcitantes nennet, 
das Dueckfilber, aus dem Bleye, auf die befehriebene 
Art, nicht herausbringen Fönnen , fo wollte ich verfü= 
en, was das Duedfilber ſelbſt vermöchte, zumal da 
die Chymiſten daſſelbe das Waſſer der Metalle heißen, 
in dem ſie, wie ſie ſagen, ſterben, wieder geboren wer⸗ 
den, und ſchoͤner als zuvor werden. Ich habe in eis 
nem reinen eifernen $öffel eine Ainze Bley geſchmol⸗ 
| zen: 





| 


| 
. 


vom Queckſilber.  s25 


zen: In einem ähnlichen Loͤffel, zu gleicher Zeit, drey 


Unzen reines Queckſilber gewaͤrmt. Alsdann habe 


ich das gewaͤrmte Queckſilber unter das geſchmolzene 


Bley gegoſſen; beyde haben ſich ſogleich vermengt, 


and eine feſte ſilberfarbene Maſſe gemacht. Ich has 
be ſie gerieben, und nachdem ich ſie wieder erweicht 
hatte, in einer kleinen Phiole gewaͤrmt, die Phiole 


mit Korke verſtopft, und in den Digeſtionsofen, bey 


einer beſtaͤndiggleichen Waͤrme von 84 Graden, vom 


u Hornung 1734, bis zum 10 Jenner 1735, erhalten. 


Es ward ein weiches Amalgama daraus, das ver 
Moöferkeule wie Butter wich, fogleih, da man es 
rührte, ſchwarz ward, und 4 Unzen wog. : Eben den 
Tag fegte ich eg in einer reinen gläfernen Retorte in 
erhißten Sand, und endlich in fo heftiges Supprefß 
fionsfeuer, daß der Sand 4 Stunden lang völlig 
glüche, worauf 2 Unzen, 64 Drachmen Duecfilber 
in die Vorlage gegangen find. Das rothe Pulver, 
welches vom Queckſilber auf dem Boden und im Hals 
fe der Retorte beym Diftilliren entftand, und dag - 


‚ wenige Queckſilber, das fich an der Retorte Hals ans 


gehängt hatte, imgleichen einige reine Bleykoͤrnchen, 


‚bie unter der Geſtalt eines Pulvers vorhanden wa⸗ 


ven, wog alles zufammen 52 Gran. Endlich befand 


fich auf dem Boden eine dichte Mafie Bley, eine Un⸗ 
ze, weniger 5 Gran, ſchwer, welche das Gewichte er« 


wähnter Bleykoͤrnchen ergänzte, uud woraus ich fa= - 
he, daß das Bley alles zurückgebtieben ift, und 43 Gran 
Queckſibers zerftreuet worden find. Diejenigen, die 


eine Wiflenfchaft in diefen Dingen befißen, werden 


die Urſache davon leicht entdecken, zumal wenn fie 
überlegen, daßjfich ein Theil dieſes Queckſilbers beym 
| | Diftilie 


526  Boerbanvens Verſuche 


Diſtilliren in der Fläche der weiten Borlage anhaͤngt, 
und der andere Theil, unter der Geftalt von Woͤlk⸗ 
chen, auf der Fläche des Waffers ſchwimmt, das man 
allezeit in die Vorlage gießen muß. le 
Aus diefem Verfahren habe id) gelernet, daß durch 
eine drey Jahre lang fortgefegte Digeftion Queckſil⸗ 
bers mit Bleye, und durch die heftigfte Diftillation, 
Fein Queckſilber ann ausgezogen, noch das Queckſil⸗ 
ber auf diefe Art zu feuerbeftändigem Bleye gemacht 
werden. Denn bey der Diftillation des Queckſilbers 
ift deſſen eine Fleine Menge allezeit in rothes Pulver 
verändert worden, daß dieſes Feuer, welches man da⸗ 
bey brauchet, aushält: das Gewichte vom Bley aber 
ift alfezeit geblieben. RER 

—* — 6 
Eben das habe ich mit dem Amalgama aus 3 Un⸗ 
zen Quedfilber und einer Unze guten Zinnes vorge 
nommen : Ich habe fie einerley Zeitlang eben dere 
felben Wärme ausgefegt, nachgehends auf eben die 
Art, bey. eben dem Feuer, aus einer gläfernen Re— 
torte diftillire ; der Erfölg war diefer: Aus der Vor⸗ 
lage babe ich 2 Unzen mit 4 Drachmen Queckſilber 
erhalten, am Boden der Retorte war ein Pulver, deſ⸗ 
fen einer Theil zart war, und aus was wenigen feuerbe« 
ſtaͤndiggemachten Queckſilber beftand ; der andere Theil 
war groͤber, ſchwarz, und aus kleinen Theilchen, wie die 
zum Theil find, zuſammengeſetzt. Am unterſten Halſe der 
Retorte hing noch was weniges Quedfilber, welches zu⸗ 
fammen 2 Drachmen und 5 Gran wog. Auf dem 
Boden befand fich eine dichte zinnerne Maffe, die eine 
Unze, nebft einer Drachmen und 9 Gran wog : Der 
bi, Verluſt 


\ vom Queckſilber. —— 527 


Verluſt betrug alſo 46 Gran, und ich habe die Ur⸗ 
ſache davon ſchon erklaͤret. 

Aus dieſem Verfahren erhellet, daß ſich aus dem 
Zinne Fein Duecffilber ziehen läßt, aber 3 Dramen 
und 14 Gran, D. 1. mehr als der fiebente Theil des 
Duedfilbers, find mit dem Zinne vereiniger, und po 
feuerbeftändig gemacht worden, daß fie davon in ei- 
- nem vierftindigen euer, von dem der Sand glühte, 
nicht konnten abgefondert werden. „Du follft aber 
„wiſſen, daß zwiſchen dem Saturn und der Luna 
„eine große Uebereinſtimmung iſt, in deren Mitte 
„ſich Sol befindet „wie auch zwiſchen Jupiter und 
„Merkur, in deren Mitte auch Sol iſt. » &. das 
‚Nou. Ki, Chyın. tradt. IX, 


VI. 


Zehn Unzen S Queckſilber habe ich wohl gewaͤrmt, 
und zu 2 Unzen des beſten Zinns gegoſſen, das in eis 
nem eifernen reinen Loͤffel war gefepmalzen worden, 
Ich rieb alles zu einem durchaus gleichförmigen Amafa 
gama; nachdem folches fehr warm und troden war, 
that ich es in eine gläferne reine und warme Flaſche, 
die ich nachdem wohl verftopfte. Ich fchloß fie in 
eine hölzerne Büchfe, und befeftigte folche an den 
Stempel einer Walkmuͤhle, der in beitändiger Bewe— 
gung war; fie iſt an ſolchem vom 30. Winterm. 1732 
biszumg. Kenner 1735 Tag und Nacht faſt beftändig . _ 
erſchuͤttert worden. Alsdenn nahm ich die $lafche ab; 
fie war noch ganz, auf ihrem Boden befand fich Rüf 
figes Dueckfi!ber, und nachdem fie einige Tage ftilfe 


geftanden hatte, zeigte fich oben ein hartliches Amas 


gama. Alles wog zufammen 12 Unzen, Ich diftils 
Band. gl irte 


528 Boerhaabens Verſuche 


lirte 11 Unzen und 7 Drachmen dieſes Amalgama in 
einer glaͤſernen beſchlagenen Retorte mit offenem Feu⸗ 
er, das ich gegen das Ende immer verflärkte, bis die 
Retorte 2 Stunden lang glühte. Es gieng nicht 
mehr Queckſilber über, als ich hinein gethan hatte; 
es war fehr flüßig, und auf dem Boden blieb Die zin- 
nerne Mafle am Glaſe haͤngen, mit etwas wenig gel⸗ 
ber Materie, die wie ſchalicht war. Dieſe Materie 
ließ ſich, wie das Zinn, leicht am Feuer fchmelzen, und 
Die Flaͤche, welche der Luft ausgefegt war, befam als» 
denn verfchiedene Farben. Die zinnerne Maffe, wog 
eine Unze mit 62 Drachmen, und es war noch ein 
wenig vorerwaͤhnter gelben Materie vorhanden, Es 
ift alfo gewiß, daß vermittelft einer fo lange fortgefeß« 

ten Bewegung das Zinn vom Queckſilber nicht kann 
dergeftalt aufgelöft werden, daß man durch die Di« 
ftillation im beftigiten Feuer —— daraus zie⸗ 
hen koͤnnte. 
Anmerkung. 

Ich habe was ſchoͤnes in dieſen drey leblen — 
hen wahrgenommen, daß naͤmlich das Queckſilber, 
welches durch Diſtilliren vom Bley oder Zinn iſt wie⸗ 
der abgeſondert worden, ungemein fluͤßig war, und 
wenn man es in einem dan weißlichten reinen alas 
fürten Becher ſchuͤttelte, Die Flaͤche des Bechers in 
furzer Zeit verunreinigte, und einen ſchwarzen fehr 
feſt anhängenden Flecken daſelbſt zurück ließ. So—⸗ 
bald id) diefen Flecken mit einem reinen und trodenen 
Papiere wohl abgewifcht hatte, entftand ein anderer, 
und dieß zu wiederholtenmalen. Dieß brachte mich 
auf die Gedanken, es fen folches des Metalls fetti⸗ 
Ba — zuzuſchreiben, der mit dem — 
über: 


vonm Queckſilber. 529 


übergegangen wäre, und fich auf feine Oberfläche an« 
‚gehängt, alsdenn aber Davon abgeſondert hätte. 
Mich hiervon zu verfichern,, habe ich diefes Dueckfils 
ber auf ein weißes reines und frocfenes Papier aus— 
gebreitet, wo es eine gelinde ſchwarze Spur, überall, 
wo es durchgegangen ift, zurück gelaffen hat: Die 
Fläche diefes Dueckfilbers ift allegeit mit einer zarten 
Haut bedeckt geweſen, die fertig ausſahe. Ob alſo 
gleich durch oſt wiederholte Diſtillation des Queckſil⸗ 
bers mit ihm Theilchen von andern Metallen koͤnnen 
vereiniget werden, ſo folgt doch daraus nicht, daß 
ſich ſolche Theilchen in Queckſilber verwandelt haben. 
Ich habe eben dieſen Verſuch mit Bley angeſtellt, 
und ſolches eben ſo lange auf eben die Art bewegen 
laſſen; da ich es aber von dem Stempel abnehmen 
wollte, iſt zum Ungluͤck die Flaſche zerbrochen, und 
die Materie verloren gegangen, daß ich alſo den 
Verſuch nicht habe zu Ende bringen koͤnnen. | 
Diefe Berfuche fönnen mehr Lichte von der Natur 
des Duedfilbers ertheilen. Ich habe mit Queckſil⸗ 
-ber und Metallen viel andere angeftellee, die von 
diefen ganz unterfchieden find, und mich noch viet 
mehr Arbeit gekoſtet Haben: welche ich, wenn 
fi) Zeit finden wird, mittheilen 
werde, 


am & m 


9 2 X. Nach⸗ 


530 Bon dem Verfeinerungen 

u... ae 

/ ö x: | | 
Na ch ri ch A N 


von den 


Berfkeinerungen um Drefben 
und Pirna, ER 


An Prof, Kaͤſtnern ertheilet. | 


ch habe das Vergnügen, Ihnen von He | 
Berfteinerungen einige Nachricht mitzuthei · 

len, die man in der Gegend von Dreßden 

und ‚Pirna findet, zumalen da die bey Dreß ⸗ 

den fo bekannt nicht find, und obgleich der fogenann- 
te ‚pienifhe Sandftein, Heiner vorzüglichen Eigen. 
fchaften wegen, weit und Breit auch in fremde $än« 
der verfahren wird, und Die Darinnen enthaltene 
Denfmaale der großen Ueberſchwemmung aud) nicht 
unbefannt haben bleiben Fönnen: fo werden ſich doch 
einige Anmerkungen davon beyfuͤgen laſſen. e; 
Eine halbe Stunde von Dreßden fängt fich bey 
dem Dorfe Plauen der fo genannte plauifche Grund 
an, durch welchen die Weißeriß herab in die Elbe 
fließt. Diefes enge Thal ‚welches das Auge, befon« 
ders des Naturforſchers, vergnügen kann, lauft ſuͤd⸗ 
waͤrts eine halbe Meile lang, bis an das Bart Dot 
A ap» 


um Dreßden und Birma. 531 


ſchappel, fort, und ift größtentheils, zumal an der 
Morgenſeite, von Felfen eingeehloffen, Digaypm Theil 
faft fenfrecht, ungefähr 100 Ellen hoch abgebrochen 
ftehen. Dieſe Selfen beftehen aus Porphyr, und laf 
fen kein Merkmaal don Berfteinerungen in fich ent« 
decken. Sie haben aber durchgehends_eine Dede 
von verfchiedenen Gefteinen und Erden, fo an Berfteis 
nerungen reich find. Groͤßtentheils find fie mit einer 
Lage von weißen Kalkfteinen bedeckt ‚welche mit roͤthli⸗ 
» chem Setten und weißer lockerer Polirerde vermengt find. 


An einigen Orten finder man zwifchen den Felſen und 


den Kalkfteinen eine Schicht von unreifem Porphyr, 
und anderswo von einem graugrünlichten glimmerich. 
ten feften Geſteine. Theils ruhen auf diefen Porphyr⸗ 
felfen andere von Sandftein, welche wiederum mie 
großen Ballen von unreifem Porphyr und Sagen von 
Kalkiteinen bedeckt, und mit weißer. Erde durchädere 
find. In allen diefen Arten, findet man Verſteine⸗ 
rungen, Kammmufcheln, Schraubmufchen, Am 
monshörner und gemeine Schneden , GSeeäpfel von 
allerfey Art, und ihre abgefonderte Stacheln, ſowohl 
Folbigte oder fogenannte Sahgalieine, als fpigige,fo 
einige fonften für verfteinerte Gewuͤrznelken gehalten 
haben. Luchsfteine und Wuͤrmchen. Aus dem Reis 
che der Pflanzen habe ic) nichts als Bilze entdecken 
koͤnnen, welche völlig von den Arten und Geftalten 
find, wie man fie in Langii Hiltoria lapidum figur. 
Heluetiae, p. 51.52; imgleichen in Magni a Bromell - 
‚Mineralogia et Lithographia Suecana-p. 72,73. abs 
‚gebildet ſiehet. - Es hat aber faft jede Art von diefen 
Berfteinerungen ihren befondern Platz, und ihre Be⸗ 
z ; 113 i ſchaf⸗ 


333 Von den Verſteinerungen 


Be ift nach Der Art des Geſteins, worinnen 
e gefunden werden, durchgehends unterſchieden. Die 
weißen Kalkſteine zeigen faſt bloß hohle Abdruͤcke, in 
‚welchen man, beym Entzweyſchlagen der Steine, vie 
Stadjeln von den Seeigeln oder Seeäpfeln gleichfam 
vermodert, und die Mufcheln verdorret und vertefet 
wahrnimmt. In dem Griefe von unreifem Porphyr, 
wie auch im rothen verhaͤrteten Letten, in dem alten 
Steinbruche bey Koſchitz, welches Dorf an der Mor⸗ 
genſeite des Thales auf der Hoͤhe liegt, befinden ſich 

ſonderlich die Schraubmuſcheln und Schnecken, wie 
auch Stacheln von Seeigeln, vollkommen. Es iſt 
aber wegen Zerbrechlichkeit deſſelben ſchwer, ein ganzes 
Exemplar daraus abzuſondern. In dem Sandftene 
babe ich nichts, als zweyſchalige Mufcheln ‚"alle von 
einerley Are, beyfamımen entdecken eönneh Man 
findet bey dem Dorfe Kofhis große Felfenftücke von 
weißem Sandfteine, welche aus lauter kleinen Kamm _ 
muſcheln beſtehen. In einer groͤßern Hoͤhe gegen 

Morgen zu iſt ein Felſen von gelbem groben Sand» 
| ſteine mit Eiſenadern, in welchem die Muſchelſchalen, 
wie in den Kalkſteinen verweſet find. Am vollkom⸗ 
menſten aber und faſt mit unverwandelten Schalen 
finden ſich die Muſcheln und Schnecken in dem grau. 
gruͤnlichten glimmerichten Geſteine, und wo der unreife 
Porphyr mit den Kalkſteinen graͤnzet. Die Seeaͤpfel 
werden nicht ſo haͤufig daſelbſt gefunden, obgleich die 
Abdruͤcke von ihren Stadeln überall in großer Menge 
find. Dagegen zeigen fich viele Steine, fo ihnen an 
Öeftalt gleichen, nur daß man die Merfmaale, wo die 
Stacheln geftanden haben, davon nicht ih 
ann, 


um Dreßden und Pirna. 533 
kann, weil vielleicht, tie vorhin gedacht worden, 
ihre Schalen verweſet. Man finder auch einige fo 
klein, wie eine Erbſe, auf welchen man die Strei— 
fen nicht anders, als durch ein Vergrößerungsglag, 
wahrnehmen Fann. Die $uchsfteine find am feltenften. 
Die Steinbilzen trifft man in der lodern weißen Er: 
de und rörhlichtem Letten an, fo mit den Kalkfteinen 
vermifche find. Sie find alle abgebrochen, und lies 
gen unordentlich, theils auf der Seite, theils umges 
Fehrt: moraus zu erkennen ift, daß fie Durch Die 
Fluth dahin geführet worden find. 


Außerdem werden in der Weißeriß, in der Elbe, 
auf der Höhe unter der Dammerde, und im Thal 
an der Elbe auf den Aeckern, Seeigel, oder fogenannte 
Krötenfteine, einzeln gefunden. Ich beſitze aud) ein 
Horn von einem Rehbocke, woran noch ein Stuͤck 
von der Hirnfchale ift, das vor etlichen Yahren beym 
Graben des Grundes zu einem Gebäude bey Dreß- 
den drey Ellen tief ausgegraben worden. - | 


Bey dem Dorfe Priesnig, eine Stunde unter 

Dreßden, an ver Elbe, ift ein Felſen von grauem 
Schiefer ‚ in welchem ſich Mufcheln, an welchen ins— 
gemein ein Ueberbleibfel einer zarten Schale zu fehen 
iſt, ſehr leicht finden laſſen. In diefem Schiefer. lie« 
gen hin und wieder auch gelbe Nieren, die, in Anfes 
hung der Art des Gefteins, fich von demfelbigen gar _ 
merklich unterfeheiden. Sie find insgemein 18 Zoll 
lang und ı Zoll did, Manche ſehen den Wolfsſchwaͤm⸗ 
men ähnlich, mie fie in Laugii Hiſt. lapid. fig. Helu. 
p. 52, abgebildet, und dergleichen auch im plauifchen 

ERSEEAN Grunde 


534 Don den Berfieinerungen 


Grunde gefunden werden. Andere ftellen eine harte 
Schalenfrucht (ungefähr wie Mandeln) vor, wenn 
man fie entzwey (läge, und haben inwendig gleich" 
fam eine Erde, Noch andere haben inwendig einen 
feften Kern, fo fid) von der Schale ſowohl durd) 
feine Härte, als dunfele Farbe, unterfcheider. Das 
her ich zur Zeit nicht weiß, was ich ihnen einen 

Namen geben ſoll. — 


Unter dem Dorfe Cotta *, ſo von dar ettwas naͤ⸗ 
her gegen Dreßden zu liegt, iſ eine Thongrube, ſo 
voll einſchaligter Muͤſchelchen iſt. Ich habe derſel⸗ 
bigen 4 Arten darinnen gefunden, als gemeine Gar: 
tenſchnecken, fo noch nicht einen Zoll im Durchmeß - 
fer haben; Ammonshoͤrnchen, davon die groͤßeſten 
die Groͤße eines Dreyers haben , und welche vollkom⸗ 

“men von der Art find, mie fie fih zu Sehrhaufen 
zwiſchen Dreßden und Lipgig manche Jahre haͤufig 
erzeugen, ferner 2 Arten von Schraubmüfchelchen, | 
davon Die eine $, die andere aber nur 3 Zoll lang 
it. Sie find nur caleiniret, und ſtecken ſowohl im 

Thon, als in der Dammerde, welche ungefähr eine 
Elle dick liege. Don allen Diefen Arten findet man 
ſowohl alte, als junge, deren manche Faum eine ober 
arvo Windungen Haben. Pi 


In eben diefer Thongrube findet man f —— | 
Beinbruch, Beinwell oder Walftein (Ofteocollam). 
Er iſt von eben der weißgraulichten Farbe und Mas 
terie, 


* Es ie diefes ein. anderes Cotta, als dasjenige, dag 
a0 —— liegt, wo der Sandfteinbruch ift. 


& Be) Dreßden und Birma. 535 
— wie der Thon, worinnen er ſtecket. Er klebet 


an der Zunge, aber" ohne Geſchmack. Er iſt auch 
2 von der Art, die einen Geruch von ſich giebt, 
deſſen De Boot in Hiſt. gemmarum et lapidum, und 
Lange in Hift. lapid. figur. Heluetiae gedenfet. Es 
find lauter Stüde, wie er ordentlich gefunden zu 
werden pflegt, und liegen allemal derfelben viele an 
einem Orte beyfammen , und. zwar ordentlich da, 
wo der Thon mit der Dammerde gränzet. Die 
größten, die ich gefunden, find nicht viel über einen 
Zoll dick. Die Hohlungen find meiftens leer; man« 
che mic eben foldyer Materie ausgefüllt, moraus die 
Roͤhren beftehen, nur daß fie porös iſt; wenige has 
ben eine weißlichte Materie in fih, welche zarten. 
Baumwolle ähnlich ift, aber nicht feſt zuſammen⸗ 
Dängt, wie Spinnewebe. 

Man finder in diefer Grube auch wirkliche Kno— 
chen, und ich babe ein Gerippe enfdeckt > roelches 
vermuthlich von einem Schafe ift. 

In dem pirnifchen Sandſteine, ſo von Pirna aus, 
an der Elbe binauf, imgleichen an der Gottläube, fo 
bey Pirna in die Elbe fällt, bey Nattmannsdorf, Cote 
ta und Berggießhübel, findet man verfteinerte Mus _ 
ſcheln in Menge. Es find aber meiftens zweyſchalichte 
faſt von allerley Are, von der großen Pinna marina 
von 8 bis 9 Zollen.an, bis auf die Vögelchen. Es 
fälle mir eben fein deutfcher Name bey. Die grofs 
fen Pinnae marinae ‚find zwar nicht die häufigften, 
doch aber auch nicht fo gar felten. Die einfchalich» 
ten laſſen fich nur felten finden. In der Föniglichen 
Naturalienfammer wird ein Seeftern aufbebalten, ber 

; 15 2 20 ME 


36 Bon den Verſteinerungen 


vor einigen Jahren ih dieſem Sandſteine gefunden 
worden, außer welchem mir nicht mehr als nur ein 
einziger bewußt iſt, der darinnen gefunden worden, 
welcher ein wirkliches Meduſenhaupt vorſtellt, daran 
aber die zarten Aeſte fehlen. 

Es ſchließet auch dieſer Sandſtein viele cylindriſche 
Adern in ſich, welche, wenn ich ihnen einen Namen 
geben ſollte, verſteinerte Baumzweige zu nennen nicht 
ungeneigt waͤre; wiewohl ich auch hierbey noch zwei⸗ 
ſelhaft bin, teil man feine von fonderlicher Dicke 
findet, Vielleicht finden fich Fühnere Forſcher ‚ bie 
fie für Aefte von dem Medufenhaupte halten. Sie 


koͤnnen e8. auch vielleicht fen, obgleich wegen ver 


Beſchaffenheit des Geſteins folches zu bemeifen, ſchwer 
fallen dürfte, indem fie gleich ihrer Mutter bloß 

Sandftein find, welcher die Fugen der vielen Glie- 

„der woraus die Aeſte des Medufenhauptes beftehen, 

nicht wahrnehmen läßt. Ihre Größe Fann vielleicht 

aud) die Sache ——— machen, Ich habe etli⸗ 
che einen Zoll dick gefunden. Es iſt mir aber nicht 
bekannt, ob es Meduſenhaͤupter von bergleichen ſtar⸗ 

ken Yeften giebt, 

Noch etwas befonders habe ich in diefem Steine 
ängemerft. Man findet in demfelben bisweilen flache. 
Hoblungen, welche mic ſchwarzer Erde ausgefuͤllet 
find, fo teils drüfiche und koͤrnicht, theils dem Ofen⸗ 
ruße ähnlich ift. Die Einwohner nennen es fälfchlich 
Steinmark, und brauchen es, wenn ſie ſich mit Heben 
und dergleichen Schaden getan haben, da fie eswohl 
zerrieben in Getränke einnehmen. Sollten eg nicht 
vielleicht Leberbleibfel von Fiſchen feyn, da es wohl 

—— 





lm Dreßden und Biene. 537 
eheſcheinlich HE, daß in Geſellſchaft der Muſſcheln 


auch Fiſche geweſen, und man außerdem feine Spu⸗ 
ten von ihnen in dieſem Steine antrifft? Wenig» 
ftens find mir. dergleichen noch nicht: zu Geſichte ges. 
fommen. Sie find insgemein laͤnglichtrund, bis⸗ 
mweilen gebogen, und die längften, auch nach Pro: 
portion die breiteften und hoͤheſten. Doch habe ich 
Feine vollfommene Fifchgeftalten darunter entdecken 
koͤnnen. Bisweilen ‚weichen dieſe Hohlungen von 
der beſchriebenen Figur ab. Ich bin aber dadurch 
auf dieſe Meynung gerathen, weil man in den hoh— 
len Abdrucken der Seeſpindel, oder Stacheln von 
den Seeaͤpfeln, wie ſchon oben geſagt worden, eine 
re Materie ‚, bey Zerfchlagung der & 
Steine antrifft, . 


4, €, Helk. 


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| leicht wegen Erhaltung [ones verfallender männlis 


38 D. Pietſchens Gedanken 


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D. Johann Gottfried Pietſchens 
Gedanken 


von 


—— Zwittern. 


ielleicht wuͤrde ich wohl niemals von ben 
Zwittern, oder Hermaphroditen öffentlich 


gedacht haben ; wenn mich: nicht die Nie- 


derfunft des Gouverneurs von Baffano und 
Sutri mit einem Kinde, welche gegenwärtig von 
einem großen Theile Menfchen mit gar verfchiedenen 


Betrachtungen bewundert wird, aufs. neue darzu vers 


anlaſſet hätte. Es Flinge freplich fehr entlegen, - 


"wenn man vernimme, daß ein Menſch, männlichen 


Ich 





Geſchlechts, ein Kind zur Welt gebohren hab 
gebe mir deshalb die Ehre, meine Leſer in die 


tbieren zu vergnügen, 


r Ab» 
bandlung mit einer Erflärung von sm Wunder: N; 


Was aber die Gefchichte unfers una be⸗ 


trifft; ſo will, ohne allen Anſtand, meine Meynung 


aufrichtig davon an den Tag legen. Entweder diefe 


ausgefprengte Nachricht ift gaͤnzlich erdichtet , vder 


unfer Here Gouverneur!ift von Natur eine vedliche - 
Frau, weldje die Borfichtigkeit ihrer Aeltern, viele 


er 


von denen Zittern. 539 


cher Lehnguͤther von Kindesbeinen an, — eine 
Mannsperſon ausgeſchrien hat. 


Andere Gedanken vondieſer Sache zu begen, find 
in der Seele eines Vernuͤnftigen etwas Unmögliches. 
Was aber außerdem die nicdern Geifter noch hier⸗ 
von urtheilen möchten, das verlange ic) nicht, u 
entfcheiden. Bielleicht halten es einige für ein Aben⸗ 
eheuer, oder gar für ein Maturwunder, und machen 
ſchon Weißagungen von der fünftigen Hoheit dieſes 
Gouverneurfindes Mir wird es gleichgültig ſeyn, 
ſie moͤgen es vergoͤttern oder verſteinern. 


Bis anhero hat man drey beſondere Claſſen in 
den oͤffentlichen Lehrbuͤchern fuͤr die Zwitter gemacht. 
In die erſtere hat man diejenigen geſetzt, an wel⸗ 
chen weder das Zeichen der männlichen noch der 
weiblichen Geburtsglieder hat deutlich Eönnen wahr: 
genommen werden, In die andere find die gebracht 
worden ‚welche die Zeugungsmwerfzeuge des einen Ges 
fehlechts ganz natuͤrlich befigen,und zur Fortpflanzung 
in demfelben vermögend find: hingegen des andern 
Geſchlechts Geburtsglieder nur verftümmele haben, 
und daher auch auf der andern Seite nur bloß zu einer 
unfruchtbaren Siebe geſchickt befunden werden. In die 
dritte aber find- folche gekommen, welche ſowohl Mäns 
ner, als Weiber, abgeben * oder welche tuͤch⸗ 
tig find, Srauenzimmer zu ſchwaͤngern, und auch wie» 
derum von Mannsperfonen gefchwängert zu werden. 
Vid. Dod. Schurigius in feiner Spermatologia Cap. II. 
Bauhinus Libr. prim. Cap. IV. de Hermaphroditis. 
 Rodericus a Caſtro Libr. tertio de Natura Mulierum 
Cap. XU. Mollerur in Tradtatu de Fieniephrapfen 

Daraus 


s D. Pietſchens Gedanken 


Par.eus in Operibus Libr, XXIV. ‚Cap. quarto, und 
viele andere ic. 

Die Zwitter, welche in der dritten Claffe ſichen 
find der Vernunft jederzeit am alleranftößigften ger 
wefen; und daher ift es eben gefommen, daß ver- 
ſchiedene Schrifefteller diefer Materie ; felbige mit \ 
Stillſchweigen übergangen haben. Doch kann man 
hiervon beſehen: Zachie Libr. ſeptim. T. J. quæſt. 7. 
Schenkii Lib. quart. in Obferv. und Columbum in 
Anatom. Libr. decimo quinto, 

Die eitele Lehre von den Zwittern, iſt fee‘, gar 
undenflichen Zeiten bis auf unfere Tage fortgepflan- 
get worden. Und man Fann Faum zreifeln, daß fie 
jünger, als die Erdichtung von den Wechfelbälgen 
feyn ſollte. Schon vor Conftantini Magni ‚Zeiten, 
welcher doch bereits von 306 bis 336 nad) Chriſti 
Geburt regieret hatte, ift die Meonurie von denen: 
felben bekannt geweſen. Vid. Zaunfchleiffer Oper. 
jur. Trad. de jure Monftror. Jacobus Maler 
Tr. de Hermaphroditis Cap. V et VI. 

Diefer große Kaifer muß wahrhaftig Fein — 
von den Zwittern geweſen ſeyn. Denn die graufa- 
men Geſetze, die vor feiner Zeit wider bie Zwitter ge 
geben waren, hat er wiederum gefchärfer: wie Eber- 
hardt Speckban quæſſion. juridic. Centur. prim. 
num. LXXVII erweiſet. Dieſe Geſetze waren ſehr uns 
barmherzig, und ich moͤchte zu der Zeit um der ganzen 
Welt Guͤter, kein Zwitter geworden ſeyn. Denn wie 
bald ein ſolcher gebohren wurde, ſo bald ward er auch 
entweder durch die Schaͤrfe des Eiſens oder durchs 
Waſſer — Elende Zeiten! wenn das Licht 

der 


von denen Zwittern. 41 


ef; in der Finfterniß und Unwiſſenheit ver» 
borgen ſteckt. Wie mauches unſchuldige Kindlein 
beyderley Geſchlechts, das etwan nur einen geringen 
Raturfehler an dem Geburtsgliede, mit auf die 
Welt gebracht, mag da nicht unter dem Namen ei- 
nes Zwitters haben umkommen müffen? 


Die Wechſelbaͤlge, da die drangſalsvollen Zeiten 
durch die Neligionsverneuerung aufgeflärter wurden, 
und viele Mönche ſamt ihrer andächtigen Drdens: 
ſchweſtern fpringen mußten, nahmen auf einmal ih» 
ven Abfchied zugleich mit. Die Zwitter hingegen 
haben bisher ihre völlige Süleigkeie behalten; und 
obgleich der allerberühmtefte und erfahrenfte Natur: 
forfcher unferer Tage Feinen zu fehen bekoͤmmt, fo 
bat doch das Anfehen und die Erzählungen aus dem 
Alterthume von denenfelben, fo viel Gewicht, daß 
diefe Thorheit noch immerdar unterhalten wird. 


Es wäre auch noch erträglich, wenn es ben Erzaͤh⸗ 
lungen von Hermaphroditen insgemein oder uͤberhaupt 
bliebe: allein das klinget in gefunden Ohren allzu abend» 
theuerlic), wenn befondere Begebenheiten und Ge— 
ſchichte von — aufgebracht werden. Zum 
Beyſpiel: Wie wundervoll muß es einem Bernünfz 
tigen nicht vorfommen , wenn D. BlancardusColled. 
medic. phylie. Cent. tert, obferuat. LXXX. pag. 461. 
ohne allen Spott vortraͤgt, daß zu Loͤwarden eine 
Frau geweſen, ſo in ihrem Eheſtande verſchiedene 
Kinder gebohren, fich zur Magd gelegt, und diefelbe 
gefchwängert habe. . Desaleichen die Gefchichte des 
vorgedachten Iacobi Malleri Tract. de Hermaphrodit, 
cap. II. pag. 151, wo die Zuchtmeiſterinn zu Leiden 

die 


NN 
542 D. Pietſchens Gedanken 
die größten ihrer untergebenen Waiſenmãgdchens 
ſchwanger gemacht. 
Ich habe die Hoffnung, und vielleicht: ift es ge⸗ 
wiß, daß diefe Schrift das Glück hat, alle diejeniz 
gen, welche bisher den Zwittern beygefallen, von 
diefem blinden Aberglauben abzuhelfen. Mich deucht 
aber, diefes wird nicht deutlicher gefchehen Fünnen ; 
als wenn ich hierbey eine nöthige und zuverläßige 
Betrachtung über die menfchlichen Geburtsglieder 
veranftalte. Ich will aus Hoͤflichkeit dem Frauen⸗ 
zimmer hierinnen den Rang goͤnnen, und zuerſt dero 
Schaam (vulva), ſamt ihrer Lage, wie ſie natuͤr· 
lich iſt, in Erwaͤgung ziehen. An ſich ſelbſt iſt die- 
fes Ding mehr denn zu bekannt, und die darinn be» 
findlichen Eleinen Schnirfelenen, als die weibliche Ru⸗ 
the (clitoris), die Nymphen (nyımphae), oder 
Waſſerlefzen, die Jungferſchaft (hymen), oder mo 
fie zerriffen, die daraus entftandenen myrtenfoͤrmigen 
Carunfeln (carunculae myrtiformes), die Haare, 
famt den Schaamlippen, und der unenebehrlicheRis 
darinnen, Dienen uns anißo in unfern Kram ganz 
nicht; ſie moͤgen daher auch ferner imberuͤhret bleis 
ben: allein ihre Verbindung mit andern Teilen, it - 
ung zu mwiffen nöthig. Vorwaͤrts gränzt fie an den 
£iebesberg (wons Veneris), ruͤckwaͤrts an den Hin— 
tern, wozmifchen aber noch das Bändchen und das 
Darmfell ift, und oberwärts ift fie mit dem Mund» 
loche der Mutterfcheide ( orificio vaginae vterinae) 
verfnüpfet; unterwärts endlich genießt fie die Nach- 
barfchaft der frenen Luft. 
Aufwärts über dem Mundloche der Motterſchei. 
de entſteht die Mutterſcheide ſelbſt. Dieſes iſt 
—4 | | eine 








von dent Swittern. 543 
eine haͤutigelaſtiſche Höhlung, inwendig voller Run. 
zeln und Falten, ohngefaͤhr vier oder fünf Zofl lang, 
und nachdem fie viel oder wenig gebraucht worden, 
weiter oder enger, Vorwaͤrts bar fie die Harnblafe, 
und hinterwaͤrts den Maftdarın zu getreuen Mach: 
barn. Ueber fich wohnt fie bey der Mündung der 

Mutter Corifieio vteri,) und darauf folger die Ges 
baͤrmutter (vterus) felbfi ° 43 

Die Knochen, welche diefe Theile umgeben, und 
wodurch die Deffnung zur Gebärmutter gehet, mer- 
den überhaupt ‘genommen, das Becken (peluis) 
genennet. Dieſes befteher aus dem Kreuz: oder 
Heiligenbein (ofle facro) und aus den Hüftbei- 
nen (oflıbus innominatis fine coxendicis). Die 
Huͤftbeine find wiederum in vtroque latere zufam« 
mengefeßt aus dem Darmbeine (ofle ilii,) aus dem 
Weichenbeine (ofle ifchii,) und aus dem Schaambeis 
ne (ofle pubis.) Diefe ganz fefte Theile baben, mei- 
nes Erachtens, auch nicht gänzlich ſtillſchweigend koͤn⸗ 
nen übergangen werden. ! 

‚Der Vterus oder die Gebärmurter, worinne bie 
menfchliche Frucht natürlichermeife bis zur Aus— 
ſchließung wohnet, ift ein elaftifhhäutiger Sack, wel: 
cher, wenn er leer, die Geftalt einer etwas breitges 
druckten Birne zeigt, An der vördern Seite hänget 
fie mit der Urinblafe, an der intern mit dem Mafts 
darme zufammen. Oberwaͤrts ift fiefrey. Aufde 
nen Seiten aber ift fie durch vunde und breite Baͤn⸗ 
der (ligamenta rotunda et lara) angeheftet. Diebreis 
ten find Fortſaͤtze des Darmfells, und führen eigentlich 
den Namen der Fledermausflügel (alae vefpertilio- 
num.) Sie beften auf beyven Seiten ſowohl ‚die 

4 Band, Mm Mutter, 


— D. Pietſchens Gedanken | 


Mutter, als auch die Mutterfcheide, an die Seiten 
des Beckens. Die runden Bänder gehen von dem 


obern Theile des Vteri durd) die Ninge der Bauch— 
mäuslein (mulculi abdominis), und endigen fi) in 
dem Fette, fo in ven NBeichen liegt. 


An dem Grunde des Vteri find auf beyden Sei. 
ten die Eyerftöcfe ( ouaria ), desgleichen auch die Mut⸗ 
terfrompeten (tubae Fallopii oder fallopianae), Ich 
will um der Kürze willen, weder fie felbft, noch ihre _ 


Verbindung mit andern Theilen, erzählen; denn ich 
verlange gegenwärtig Fein genauer Zergliederer zu ſeyn, 
- fondern nur fo viel beyzubringen, als zur Verderbung 
des Zwittergeſchlechts erfordert wird, und darum 
wird auch nichts von den Saamen-⸗ Puls» und 
Blutadern, noch Nerven ac. dieſer Theile erwaͤget. 


Bey den Mannsperſonen iſt zu betrachten die 


maͤnnliche Ruthe (penis ſeu priapus). Ueberhaupt 


iſt dieſes Glied gleichfalls ſehr bekannt. Es beſteht 


aus dem Oberhaͤutlein und der Haut, als gemeinen 
Decken des ganzen Leibes. Vorwaͤrts find dieſe Haute 


fo beſchaffen, daß fie fich vor- und ruͤckwaͤrts ſchieben 


laſſen; fie werden allda die Vorhaut (praeputinm ) 
genennet, und Dienen eigentlich zur Bedeckung Der 
Eichel (elans penis). Von dieſer Haut fchneiden die 
Juden ihren Knäblein amachten Tage etwas ab. Der 
Eöpfichte Theil diefes Gliedes wird die Eichel genennet, 
Unten an der Eichel ift die Vorhaut in einen fpigen 
Winkel vorgewachfen, und diefes wird das Band 
(frenulum) benennet. Am unterften Theile diefes 
Gliedes geht von dem Blafenhalfe ein ziemlich weiter 
Canal durch, welcher den Urin abführet , und wird 

die Harnrögre (vrethra) benennet. Den Ba 
: | Theil 


von den Zwittern. 545 


Theil der männlichen Ruthe machen die zwey ſchwam⸗ 
michten Körper (corpora cauernoſa) aus. Sie 
reichen von der Eichel bis an die Schaambeine, und 
folglich bis in die Gegend des Hintern. An dieſelben 
werden ſie durch ein Band, ſo des Veſalii Band heißt, 
vermittelſt eines Knorpels angebunden. Zwiſchen 
dieſen zwey ſchwammichten Koͤrpern iſt eine durchloͤ⸗ 
cherte und ſiebaͤhnliche Scheidewand. Blutgefaͤße 
ſind in großer Menge an dieſem Gliede, und ihr Bau 
iſt ungemein bewundernswuͤrdig. Die verſchiedenen 
Muskeln deſſelben wuͤrden allhier unnoͤthig angefuͤh⸗ 


ret werden. Desgleichen koͤnnen wir auch der Auf⸗ 


ſuchung der Druͤſen des Tyſonis, des Cowperi und 
des Littrii anitzo gar fuͤglich uͤberhoben ſeyn. 

Unter dieſem Gliede haͤngt ein Beutel, welcher 
der Hodenſack (ſcrotum feu burfula) betitelt wird, 
Dieſer beſteht aus dem Oberhaͤutlein, der Haut und 
einer noch beſondern fleiſchichten Haut (dartus). In 
der Mitte diefes Beutele ift eine Nath zu fehen, welche 
durch und durch geht, und denfelben inzwey Höhlen 
abtheilet. Jegliche dieſer Höhlen enthält ein Saamen- 
Fäulchen (tefticulus). Ein jegliches Saamenfäulchen 
bar eine Heberlage (epididymidem fine paraftataın ), 
die in Geſtalt einer Raupe auf dem oberften Theile 
derfelben liegt. Diefe Ueberlagen haben eine Verbin: 
Dung, vermittelft einer feften weißen Membrane, mit 
den Hodenkaͤulchen und mit den abführenden Ges 
fäßen (Vaſa deferentia). Die abführenden Gefäße 
nehmen ihren Ausgang, theils indie Saamenbläslein, 
theils in die Harnröhre jelbft, und werfen an bay 
‚den Drten den männlichen Saamen zu geböriger 
Zeit aus, 


Mm a2 Die. Mr 


6° D. Pietſchens Gedanken 

Die Saamenbläshen (Veficulae feminales,) 
deren zwo find, liegen andem intern Theile des Bla« 
fenhalfes, und beftehen aus membranöfen hohlen Bes 
hättniffen. Sie dienen, den männlichen Saamen 
im Vorrath aufzubehalten. Kurz vor dem Blaſen⸗ 
halſe liegt unter dem Namen glandulae proftatae ein 
faft herzförmiger Theil, der ungefähr in mannbaren 
Jahren die Größe einer welchen Nuß bat, und bey 
Auslaflung des Saamens einen weißen Flebrichten 
Saft vorausſchicket; und diefe Drüfen follen die Be: 
ſchreibung ber menfchlichen Veburtstheile zu gegen⸗ 
waͤrtigem Endʒwecke beſchließen. 

Nun wirds darauf anfommen, ob es angehe, daß 
ein Mann und ein Weib, zugleich in einem menſchlichen 
Koͤrper ſeyn koͤnnen oder ob es unmoͤglich iſt? Man 
muß mir vernuͤnftiger Weiſe doch zugeben, daß ein 
Zwitter, der ſich in beyderley Geſchlechte, in Anſe⸗ 
hung der Fortpflanzung, thaͤtig erweiſen ſoll, muͤſſe 
mit maͤnnlichen und weiblichen Zeugungsmwetfjeugen 
nach allen wefentlichen Stücen begabet feyn.‘ Und: 
wenn es angehet, daß dieſe in einer menfchlichen Ges 
ftalt zufammen beftehen koͤnnen, fo werden ſich alle 
diejenigen, fo fich öffentlich wider Die Zwitter aufleh⸗ 
> nen, vor der ganzen Welt ſelbſt zu ſchanden machen, 
Mir wird der größte Theil von diefer Schande ges 
buͤhren, und ich will mich alsdenn auch geduldig da · 
mit belegen laſſen: aber ich glaube ‚feinesweges ‚ in 
diefer Sache zu verfpielen. 

Man ftelle fid) demnach die männlichen Geburts. 
glieder wieder vor, Man erwäne die befchriebene 
Geſtalt und tage des priapus oder der männlichen. 
Ruthe. Man erinnere fich deren Berbindung, deren 


Beſchaf⸗ 


von den Zwittern. 547 
Beſchaffenheit und wie fie in einem Zufammenhange 
von dem Hintern an, unter dem Bauche durch, bis 
vor denfelben in einer gar merflichen Hervorragung 
gehet. Man erfenne hierbey, daß diefes natürlich, 
und alfo mefentlich noͤthig fo feyn muͤſſe. Man fage 
mir darauf, wie es gefchehen könnte, daß nun auch 
eine Schaam in diefer Gegend feyn möchte ? Es ift 
unftreitig, daß ſich ſowohl die Schaam bey Weibern, 
als die Ruthe bey Maͤnnern, in einerley Gegend ih⸗ 
ter Körper natürlicher Weiſe beſindet; und mie koͤnnte 
es denn möglich ſeyn, daß ſich dieſe zweyerley Ges 
ſchlechtsglieder in einem einzigen Leibe in einer gleichen 
Gegend befinden follten ? Iſt es nicht offenbar wider⸗ 
fprechend ? a 

Wollte man aber Ausflüchte fuchen, . und. mie 
balsftarrig entgegenfeßen, daß dem ohngeachtetin der 
männlichen Ruthe ein langfoͤrmiger Durchſchnitt, 
welcher den Ritz der Schaam abgaͤbe, ſeyn koͤnnte, 
u.mir ſolchergeſtalt meine erwieſenellnmoͤglichkeit hier 
von ſchwierig machen: ſo finde ich wiederum Schutz⸗ 
gruͤnde fuͤr mich im Ueberfluß. Geſetzt aber, man 
bildete ſich ein, daß eine ſolche Einrichtung geſchehen 
koͤnnte; ſo muͤßte doch nothwendig die Oeffnung der 

weiblichen Geburtsglieder in der ordentlichen Gegend 
feyn, weil ſich ſonſt kein Beyſchlaf mit einem Herma . 
phroditen wuͤrde vollbringen laſſen. Dieſer Vorſtel⸗ 
lung aber haͤnget der Hodenfack offenbar enfgegen, und 
verhindert, daß fich in der betrachteten Gegend Feine — 

weibliche Schaam anbringen laͤßt. 

Ferner wird dieſe Einbildung vereitelt, wenn man 
überlegt, daß ein langförmiger Durchſchnitt des penis, 
wenn . der Hodenſack koͤnnte aus dem Wege ge- 
Mm 3 x raͤumet 


,D). Pietſchens Gedanken 


raumet werden, welches aber nicht zu bewerkſtelligen 
iſt die Steifung dieſes Gliedes groͤßtentheils aufhe⸗ 
ben, und: —— die Bemuͤhung zur Erhaltung 
des Gefchlechtes fruchtlos machen würde. Die zwey 
corpora penis. cauernofa müßten von einander geriffen - 
werden , die ſiebaͤhnliche Scheidewand dererfelben müß: 
te gar wegfallen, und die Harnroͤhre dürfte auch nicht 
da feyn. Wo follte nun der Urin abgezapfet werden? 
Sind dieſes nicht lauter unvertreibliche Schwierigkei⸗ 
ten? Wie wollte wohl ein ſolcher Zwitter gebähren 
koͤnnen, deſſen Oeffnung zur Mutter durch die maͤnnli⸗ 
che Ruthe gienge? Nimermehr würde ſich dieſelbe 
Dergeftalt erweitern und ausdehnen laſſen, daß eine 
- förmliche große Frucht durchkommen koͤnnte. Ich 
will hierbey nicht gedenken, was es fuͤr eine Verwir⸗ 
rung in der Wirthſchaft der. menfchlichen Mafchine 
ſeyn müßte, wenn ineinem Korper. Doppelte Blut⸗ 
und Saamengefaͤße wären, welche gleichfalls. einen 
Saamen beyderiey Gefchlechter, der ſowohl ber Ge⸗ 
ftalt als dem Weſen nach verſchieden iſt, ausarbeiten 
ſollen.— 
Es iſt alſo genugſam geheuget worden, daß ſich 
Vulua und Penis nicht an einem Leibe in der natürlie 
chen tage befinden koͤnnen. Es koͤnnte auch zur 
Noth bey diefer Ausführung bewendet bleiben. Als 
lein, damit; ich denen Zwittergoͤnnern um defto eher 
als ein ‚verftändlicher tehrer in diefer Sache vorkom⸗ 
men möge; fo will ich einen. abermaligen Berfuh 
wagen, ob ſich nicht ungefähr an einem andern. Orte 
eine Schaam anſetzen läßt. Wir wollen die Bor: 
ftelfung einer natürlichmännlichenSeftalt bierbey nicht _ 
nen laſſen, und verſuchen wo ſich etwa ſonſten ein 
ſolches 


von den Zwittern. 6 


files Ding, ſamt den übrigen weiblichen Geburts» 
gliedern hinſchicken möchte, Wir wollen dabey ver: 
geſſen, daß es entweder fehr, ja höchft unbequemlich, 
oder gar nicht möglich feyn würde, den Beyſchlaf zu 
vollbringen, wenn die Lage der Geburtsglieber an 
ders wäre, als es der unendliche Schöpfer der 
menfchlichen Natur eigentlich beygeleget hat. 


Man finder noch fehr viele Gegenden und Theile 
vor fich, welche müffen geprüfet werden, ob fie vers 
mögend find, weiblidye Geburtsglieder einzunehmen, 
oder nicht? Wohlan! ich will diefe Unterſuchung 
fogfeich unternehmen, und damit ich nichts vergeffe, 
fo will id an dem Kopfe anfangen. ch will ihn 
überhaupt als eine beinerne Kugel erflären, und dar 

auf wird man mir außer Zmeifel Recht geben, daß 
Fein Hermaphrodite in demfelben feine weibliche Ges 
burtsglieder haben fünne. In dem Halfe, Armen 
und ‘Deinen wird es eben fo wenig gefchehen koͤnnen. 


Nun ift der Leib (truncus) noch übrig. Ich will 
denfelben von oben bis unten aus durchgehen. ch 
will zuvörderft denjenigen Theil fir mich nehmen, 
welcher unter dem Halſe liege, und von da, bis an 
die Herzgrube (ſcrobiculus reichet. Das 
Haupt wird ʒwar auch in der Benennung des Leibes 
uͤberhaupt, mit zu dem trunco gerechnet; allein ich 

habe deſſen ſchon vorher gedacht, und uͤbergehe dieſe 
Eintheilungsart der Zergliederer vorſetzlich. Man 
nennet dieſen Theil den Oberleib (thorax ). Hinters 
wärts ift er mit dem Nückgrade (dorfo), feitwarts 
mit denen Ribben (collis), vorwaͤrts mit dem Bruſt⸗ 
Mm 4 beine 


| Fo D Pietſchens Gedanken 


beine (ferno pedoris,) oberwaͤrts mit den Shlüf 


‚felbeinen (clauiculis) und unterwärts mit dem Zwerch ⸗ 


felle (diaphragmate) umgeben, Inwendig wird dies 
ſe Höhle mit einer weißen und fcharfgefpannten Mem- 
brane, fo das DBruftfell (pleura) heißer ‚ ausgeflei- 
det, Kin Theil des Schlundes und der Luftroͤhre, 


ſamt der Lunge, Herz und Herzbeutel befinden ſich in 


demſelben. Wenn ſich die Lunge, vermittelſt der ein⸗ 
gedrungenen Luft, ausdehnet, fo iſt im mindeſten Fein 


Platz für weibliche Geburtsglieder darinne vorhan⸗ 


den, und da ſie von allen, außer der untern Seite, 


mit Knochen bewaffnet iſt, ſo kann man nicht eine - 
mal Muthmaßung zu einem Eingange dahin haben. 


Das jenige, fo uns nun noch übrig iſt, wird der Un⸗ 


terleib (abdomen) genennet. Dieſer fängt unter 
dem Zwerchfelle an und geht bis an die Geburtsglie⸗ 
der. Was in dem Oberleibe das Bruſtfell ausmach⸗ 


fe, das verrichtet allhier das Darmfell (peritor 


naeum), Dieſe Hoͤhlung ſchließt Die Leber, das 
Milz, die Nieren, die Milchgefaͤße, die Harnblaſe, 
‚den Magen und den ganzen Darunterliegenden Zus 
fammenbang derer Eingemweide, auch bey Weibern 


natürlichermweife die Geburtsglieder, ein, Diefer bes 
erächtliche Theil unſers Leibes Ift nirgends, außer 


an der bintern Gegend, mit Knochen befegt. : Die 
übrigen Gegenden deffelben find hingegen von Bei⸗ 
nen, wenn ich das Becken, als den natürlichen Ort 


der tage weiblicher Geburtsglieder, ausnehme, frey. | 


Da ich aber vorher fehon von dem Becken, ſamt 
der natürlichen Lage ber Geburtsglieder und wie 


* $ 


felbige 4 


4 


ſelbige von beyden Geſchlechten nicht in einem Men« 
fehen an dem ordentlich gehörigen Orte feyn koͤnnen, 
gehandelt Habe s fo Fällt anjeßo die Betrachtung for 
wohl von der untern als hintern Seite des Unterlei— 
bes, weil fie beinern ift, von felbft weg, 


Man theilet den Unterleib übrigens noch in gar 


verfchiedene Gegenden (regiones) ab. Vorne, einie 


ge Singer breit, über dem Nabel, ift die regio epiga- 


ftrica. Um den Nabel rund herum, etwa auf drey 
Singer breit, ift die regio vmbilicalis, Unter diefer 
Gegend koͤmmt die regio hypogaftrica. Unter den 
furzen Ribben, auf beyden Seiten, find die Duͤnnun⸗ 
gen (hypochondria.) Noch weiter unter dieſen bes 
finden fich auf beyden Seiten die Weichen (inguina), 


Sn der egione epigaftrica ift Die Leber und der 
Magen, In der ED vmbilicali die dünnen. 
Gedaͤrme (jejunum et ileum), wie auch zum Theil 

der Grimmdarm (colon) und Duodenum (der 


Zwölffingerdarm.) In Der regione hypogaflrica 
aber ift die Vefica vrinaria, und hinter diefer der 
Maſtdarm (inteftinum redtum.) Hieraus ift folg · 
lich abzunehmen, daß einer Zwittermaſchine aller Or⸗ 
ten große Hinderniſſe und zwar in dieſen Gegenden 
lauter Eingeweide entgegen ſtehen. 


Zuletzt, wollen wir noch verfuchen, ob fi ch viele, | 


leicht enfweder in vtroque hypochondrio, oder in 
einer von beyden Weichen, eine Zwittergeftalt möchte 


ausruͤſten laffen, Ich will nicht angeben, was für 


Theile allhier ei a entgegen find, ſondern 
nur 


von den Zwittern. z51 | 


eu 


M 52 . Pietſchens Gedanken 


nur meinen Leſern einen Gedanken von dem Cöitu’ - 


und der unmöglichen Geburt, bey einem ſolchen Men⸗ 
ſchen, der entweder in den Hypochondrüs, ‚oder 
Weichen, die Genitalia Hätte, in ihren Gemüthern 
berühren: fo werben fie, meines Erachtens, allen 
af. an die Zwitter in biefem — 9 
laſſen. 


Es hat alſo nirgends ein Zwitter herauskommen 
wollen, und nunmehro iſt auch alle Hoffnung, daß es 
dergleichen Leute geben Ffönne, ganz vernehmlid) ver« 
eitelt. Die Herren Rechtsgelehrten und Naturfor— 
feher werden demnach fehr weislich handeln, wenn fie 
aufs Eünftige etwa Schriften von dieſer Materie her⸗ 

ausgeben wollen, daß ſie dieſe arme Geſchoͤpfe der 
Einbildung ganz "und gar auslaflen, und feine Gefe- 
Se , welche doch bis zum Untergange der Welt müßten 
müßig bleiben, meiter wider diefelben verfertigen. Mir 
koͤmmt es weit abgefchmacter vor, wenn man wider. 
Undinge, wie die Hermaphroditen find, Gefegema- 
chet; als wenn man unvernünftige Tiere, angerich⸗ 
teten Schadens halber, zur Befchimpfung, j mit Ge 
fängnipftrafe beleget. 


Man heget bis auf den heutigen Tag gar ſeltſa⸗ 
me und harte Geſetze und Fragen, wider dieſelben. 
Ich will meine $efer zu dem Ende nur auf des Herrn 
Profeſſor Teichmeyers Medicinam forenſem ver⸗ 
weiſen: da ſie vermuthlich meine Beſchwerden uͤber 
die Zwittergeſetze, als wahrhaft antreffen werden. Un⸗ 
ter allen Urtheilen aber, ſo wider die Zwitter gefal« 


| er find, hat mir basjenige am en ge⸗ 
ſchienen, 


— 


von den Zwittern. 553 


ſchienen, welches die Hermaphrobiten unferer dritten 
Claſſe, für unvollfommenere Leute erfläret, als andere 
find; und zwar aus der Urſache, weil fie mit doppels 
ten Zeugungswerkzeugen begabet feyn follen, und das 
menschliche Gefchlecht auf beyde Arten fortpflanzen 
fönnten. Wäre nun dieſes richtig: fo deucht mich, 
man Eönnte diefes Gefeg mit vollem Rechte ein Gefeg 
der Linvernunft heißen. / Ä 


Ich kann diefe Abhandlung nicht fehließen, ich 
habe denn zuvörderft meine Gedanfen, von dem Ur» 
fprunge der Ziwittererdichtung, noch beygebracht, weil 
ic) jonften möchte hören müffen, daß ich unzulänglich 
davon geichrieben hätte. _ Die Begriffe von unfern 
Undingen, find wohl, außer Zweifel, fehr vielfach 
verändert worden.‘ Und mich deuche, daß die Welt 
aud) jeßo noch nicht einig darüber geworden iſt. Mit 
. denenjenigen bin ich einig, welche die Unfruchtbaren 
beyderley Gefchlechtes, und Die etwas Widernatürlis 
ches an den Zeugungsgliedern haben, fir Zwitter 
halten, und wenn-man für folche ven Namen Her: 
maphrodit, und im Deutſchen, Zwitter benbehalten 
will; fo werde ic) meines Theils niemals darwider 
reiten. \ 


Sch habe immer geglaubt, und beharre noch bis 
(80 bey der Meynung, daß die gefprachigen Weiber 
unferer Vorfahren, die Zwitter größtentheils möchten 
ausgehecft haben. Denn da man weiß, daß es be 
reits vor undenklichen Jahren Frauenzimmer gegeben 

hat, deren Clitorides fo groß angemwachfen, daß fie 
auch denen Gänfehälfen nicht ungleich geweſen, wel- 
' che 


554 Ko} Pietſchens Gedanken a 


che andre ihres Geſchlechtes, ſtatt der Manner, da⸗ 
mit bedienet haben, und deshalb Fridtrices und Tri- 
bades genennet worden find, Vid. Martial, Hiſtor. 
Tribad. centur. II. Ambrof: Stegmann Mife. N. C. 
centur. III, p. 231. et multi alii, Go fann es gar 
leicht feyn, daß eine freuherzige Schweſter dieſes Luſt⸗ 
ſpiel ausgeplaudert, und das Geheimniß ihres weibli⸗ 
chen Buhlers verrathen hat. Die es erfahren, hat 
es für eine wirkliche männliche Ruthe ausgegeben 
und Davon weiter gejagt, Eine andere hat einen 
Beutel darzu gefeßt,. Die dritte hat endlich Hoden 
in den Beutel gelogen, und da ift ein Mannweib fer⸗ 
tig geworden, wie die abſcheuliche Misgeburt in 
Herrn Gellerts Fabeln. Die Leichtglaͤubigkeit aber 
hat dieſes Thoͤrichte endlich bis auf uns (Betr. 
gepflanzer, 








8 355 
**** ** * ** * 2 2 2 2 ZZ 2 z * * 
Fe KAT | 
Gedanfen 
‚über die verfchiedenen Meynungen von 
Den Lirfachen und Folgen, 

der in den 


ER und Fuhrenwäldern fich Bin 
und wieder 


findenden Holzwuͤrmer; 


und ob es wahrſcheinlich fey, 
daß Diefe für die Urſache anzufehen, warum 
viele Stämme abjtehen und fohr werden, 
mithin, 
| ob fiedas gefunde Hol zur Sohrung bringen, oder 


ob fülche Sohrung von Verruͤckung oder Vers 
| dorrung der Wurzel entſtehe. 





$ 


8 find bisher über die Würmer, welche man 
indem von Winde niedergefchlagenen Tan⸗ 
nen: und Suhrenhofze antrifft, verfchiedene 
Meynungen geheget, vornehmlich aber ift von einigen . 
behauptet worden : diefe Würmer entflünden ſodenn 
nur zwifchen der Borfe und dem Holze, in dem ſoge⸗ 
nannten Baſt einer Tanne oder Fuhre, wenn 3 
Stamm bereits —— ſey. 


* Es 


.W 556 Verſchiedene Gedanken — 


Es wird aber dabey geleugnet daß der Wurm ei⸗ 
nem noch geſunden Baume ſchaden, und denfelben zur. N 
Sohrung bringen koͤnne. 

Hingegen wollen andere, die in dem —— 7 — 
genen Holze gebruͤtete Van erhielten endlich Fluͤ⸗ 
gel, begaͤben ſich an die geſunden Staͤmme, legten ihren 
Saamen an die Zweige, der Saame würde von der 
Sonnenhitze belebet, der gefunde Baum fodenn von 
den Würmern angegriffen, ner Saft — der Bor⸗ 


ke verzehret/ und der Stamm auf dieſe Weiſe zur Soh⸗ 


rung gebracht, die Wuͤrmer freſſen ſich aus der Borke 
heraus, und hinwiederum an die geſunden — 
um dieſelben aufs neue zu verderben, | 

Eine dritte Meynung fchreibt diefe —— — 
vorig⸗ und dieſerjaͤhrigen Duͤrre zu, und gehet dahin, 
daß dem Stamme, welcher die Nadeln fallen laßt, 
nördige Fruchtbarkeit fehle, 

Nun geftebe ich gerne, daß mir ſowohl — 
me Erfahrung, als Einfiche, in die Naturlehre mans 
gelt, den Grund oder Ungeund der unterfchiedenen 
Meynungen unumſtoͤßlich zu erweiſen; ſo viel aber 
wird mir erlaubet ſeyn, daß ich aus einigen bekannten 
Wahrheiten aus unleugbaren Umſtaͤnden, auf die 
noch nicht völlig bekannten Urſachen ſchließe, und die 
ſe ſolchergeſtalt wahrſcheinlich mache. RE SF 

Diejenigen, welche die erfte Meynung für. ge⸗ *— 
wiß halten, geben den Anno 1747 im December 'ent- 
ftandenen Sturmmwind für die Urfache an, die Soh · 
rung der Tannen und Subren je Davon sr Hefe. ° 


fect feyn. wu 
| Le 


„ 


von den Holzwuͤrmern. 557 


Ich würde mit Bergnügen diefe Meynung anneh- 
men, wenn ich niche fo viele bedenkliche Schwierig. 
keiten dabey änträfe. 

Wie weit iſt nicht der Effect von feiner Uefache 
entferner; wo bleibt nexus , welcher nach den Prin- 
cipiis der — FRURteDNe wiſchen beyden ſoll ange⸗ 
troffen werden? 

Es iſt unbegreiflich, wie die Urſache einer. Soh⸗ 
rung, welche ſich kaum vor 14 Tagen hat ſehen laſſen, 
ſchon A. 1747 exiſtiret habe, und ſo lange verborgen 
geblieben ſey. 

Iſt der Stamm bereits damals folcheraeftalt ver» 
ruͤcket, daß er davon nothwendig hätte fohr werben 
ſollen, was hat ihn ſo lange erhalten, und warum 

‚fängt er erſt io an, die Nadel fallen zu laſſen? 
Brauchet aber ein Baum nach feiner Berrückung fo - 
lange Zeit, bevor er fohr wird, warum zeiget ſich nicht 
folcher Effect auch an andern Bäumen? warum fans 
gen nicht itzo auch Eicyen: Büchen- und Obſtbaͤume an, 
fohr zumerden ? da doch diefe allenthalben räumlicher 
ftehen, und alfo nothwendig vom Winde haͤrter ans 
gegriffen feyn müffen, als Tannen, die in Diefungen 
ſich befinden. 

Es zeiget die Erfahrung zur Genuͤge, daß eine 
Tanne bey mäßiger Fruchtbarkeit ſich annoch gruͤn er⸗ 
hält, Man ſieht ſolches an einigen, die mit einer 


einzigen Wurzel in die Erde liegen, und noch grün 
bleiben. 


ch habe hin und wieder in den Forſten Stämmie 
‚angetroffen, deren mehrefte Wurzeln bloß lagen, und 
die dennoch weder vom Wurme beſchaͤdiget, no) ſohr, 
ſondern 


sg Verſchiedene Gedanken 


ji — friſch waren, als eine der, umſtehenden E 


feyn Fonnte. 


Diefe © Stämme haben ben mehreften Teil ihrer 


Wurzeln außer der Erde, und erhalten ſich. Wie 
koͤnnen alfo die, welche noch in ihren Wurzeln fefte 
ftehen, deswegen fohr werden, weil fie vor zweh Jahren 


vom Winde beweget worden? Sollten aber die Stäm- | 


- me, welche in beregtem Fahre vom Winde hart bewe⸗ i 
get worden, noch io fohr werden fönnen ;. fo müßte 


es doch natürlicher Weife diejenigen vor andern treffen, 


. welche. dero Zeit nicht allein vom Winde hart beweget, 


fondern auch von den fallenden Bäumen bald bie, 
‚ bald dahin gerücket und gedrehet worden, | 
Dieſer Grund feheiner erft gedachter Meynung 


. am mehreſten entgegen zu ſeyn. Man betrachte doch 


nur die Oerter, wo der Windſturm ſo heftig gewe⸗ 


ſen, daß tauſend und mehr Tannen uͤber einander 
Er 


bene Bäume aufrecht ftehen geblieben. Einige, die 


Auf diefen Stellen find gleichwohl noch verſchie ⸗ 


von dem gefallenen Holze mitden Wipfeln an die Er⸗ 


de gedruͤcket waren, richteten fich wicder auf, wie man 
die auf fie gefallene Stämme wegnahm. 


Wer wollte wohl zweifeln, daß diefe gedrückte * 


Fuhren ſehr gelitten, und daß ſo gar ihre Wurzeln 
beweget worden? dem ungeachtet aber ſtehen ſie noch 
ganz gruͤn und unbeſchaͤdiget da. Warum fangen 


nicht dieſe an, fohr zu werden, warum zeuget ſich in 


ihnen nicht der Wurm, warum laſſen ſie die Nadeln 


nicht fallen? 


Daß ich Feinen Umftand allhier für * anneh⸗ | 


me, der nicht — iſt — u verfchiedene 


Stellen 


N; 





won den Holgwürmern. 559 
Stellen in verfchiedenen Holzrevieren erkennen), auf 
welchen eine Menge Verfall danieder gelegen, 

‚Und was will man denn von denen noch aufrecht» 
ſtehenden Baͤumen urtheilen, die in den Forſten 
an den aͤußerſten Enden dem Winde entgegen ge⸗ 
ſtanden. 

Sollten ſelbige nicht am mehreſten beweget ſeyn? 
und dennoch ſtehen ſie in ihrer vorigen Fruchtbarkeit, 
und erhalten ſich. 

Sind aber dieſe der Gefahr des Sturmwindes 
entgangen, was fuͤr Gewalt hat denn dieſer ſchaͤdli⸗ 
che Wind an denen Tannen ausuͤben koͤnnen die in 
den beſten und ſchoͤnſten Dickungen, als in einer Hes 
de, ſich befinden. 

Die Stellen, wo gegenwärtig Sohrungen enefte- 
hen, find mebrentpeils von fo gleichem Anwachs, als 
ob fie unter die Schere gehalten wären. | 

An allen Seiten find fie von einer unzählbaren 
Menge Baume umgeben, die fohrwerdenden Stämme 
ftehen nahe aneinander. Vermoͤge ihrer Dichtigkeit, 
hat der Sturmmwind feine Gewalt über fie erlangen 
Fonnen, daß fie niedergefchlagen worden. Sind fie 
gleich vom Winde bewegt worden, fo hat doch die 
‚Bewegung natürlicher Weiſe ſo ftarf nicht feyn koͤn⸗ 
nen, als andenen, welche einzeln ftehen geblieben, und 
welche dem Winde dero Zeit ganz und gar, ohne eini- 
ge weitere Beſchuͤtzung erponirer gewefen. 

Diefe haben vom Winde viel gelitten, und find 
feuchtbar, jene werden ſohr, ob fie gleich der Wind 
nicht veche fallen fönnen. Ich fehe nicht, wie man 
allhier einem Widerſpruche RER N will, * 


4Band. In os Doch 


560  DBerfchiedene Gedanken 


Dooh es iſt noch ein weit wichtigerer Umſtand übrig, 
der dieſer Meynung entgegen ſteht. 9 
Es wird behaupte, der Baum müfle zuvor von 
Verruͤckung der Wurzel abfterben, und fohr werden, 
nac) entftandener Sohrung zeuge fi der Wurm in 
dem Balte - NM 
Denn gleichwie eine Fliege Fein lebendiges Thier 
anfreſſe, alfo Fünne auch ein elender Wurm von einem 
gefunden Baume das Wefen, fo zu feiner Erhaltung 
nöthig ſey, nicht kkennen. N 
Hier tritt nun, leider! abermal die Erfahrung in 
den Weg. sch Fannn mit den hiefigen Forfibedienten 
beweifen, dag eine mäßige Tanne etwa zu einer 20% 
füßigen Sparre gehauen worden, Die dem äußerlichen 
Anſehen nach völlig gefund fhien, woran, fo weit 
man in die Höhe fehen Fonnte, gar Fein Wurmftic) 
zu erfennen war; fie ſtund aber auf der Seite von 
verfchiedenen fohr gervordenen Tannen. Wie fienies 
dergehauen, und die Borke aufgelöfee war, war fie 
fo reich von Saft, daß man die Hand damit negen 
fonnte; man war vermögend, fie allenthalben abzu> 
ſchaͤlen, und mie man genau zufah, hatte fie an ver» 
fchiedenen Stellen weiße und fchwarze Würmer, 
Hierauf entdeckten fich viele andere Stämme, an wel⸗ 
chen Eleine Wurmlöcher zu erfennen waren, und diefe 
hatten zum Theil ihren Nahrungsſaft und ihre Nadeln, 
ob fie gleich durch und durch voller Würmer waren. 
Nachdem ich vorher fehr geneigt war, oftgedach- | 
fer Mennung beyzupflichten, meil fie beruhiger, und | 
Feine gefährliche Folgen fürchten läßt; ſo mußte ich 
nunmehro auf eine andere Urſache, als die Berrüctung | 
ber Wurzel, verfallen, —J 


| 





Von den Holzwuͤrmern. 561 
Ich fing an, zu glauben, der Wurm, melcher 
im Tannenbolze lebendig worden, Fönhe aud) das ge» 
ſunde Holz befhädigen; und diefes iſt die zweyte Mey: 
tung, welche gegenwärtig nach meinem geringen Ber, 
mögen zu erörtern mich unternehme, 
Man hardiefe Würmer Duäft zuerft in dem Hol 
angetroffen, welches in feinem völligen Safte vom 
Windfturme abgebrochen, und an die Erde geworfen 
war. Alle Tannen, die nicht olmich, und doc) abges. 
brochen waren, jtunden vor dem Windfturme in ihrem 
beften Wachsthume; ihre Rinde war gelb, wie Wachs, 
dahergegen ganz ausgewachfene Tannen unabgebrochen 
nievergeichlagen lagen: le&tere blieben eine gute Zeit 
von diefen Würmern befreyet. Jene hergegen liegen 
ſchon in dem naͤchſten Fruͤhjahre nah dem Wind» 

fturme ihre Nadeln fallen, und wurden fohr. 

Es vergieng aber nur der Sommer 1748 , da war 
ein gutes Theil der unabgebrochenen Stämme gleich- 
falls angeftedt. | | 
Hieraus erhellet nun fo viel, daß die Würmer im 
wachsbaren Holze zuerft generiver worden , in ſolchem 
Holze, deſſen Theile leichter zu trennen, als das, fo 
völlig ausgemachfen ift, welches noch jung, und zu 

Bauholze noch nicht tauger, weil es zu mürbe ift. 
Bey dergleichen Holze find weit mehr Säfte, als 
bey ausgewachfenen; dieſen ift durch den Sturmmind 
auf einmal der Umlauf gehemmet: fie find ftehen ge« 
blieben, und haben alſo mit Hilfe der Sonnenhige 
den Stoff zu diefen flreitigen Würmern darreichen 
koͤnnen. 
Es iſt bekannt, daß durch die Aehnlichkeit der 
Dinge auch in der Naturlehre viele wichtige Wahr: 
! nz beiten 


62° DVerfihiedene Gedanken | 


heiten entdecket worden. Wir nennen aber bas ähn 
lic) , woben man einerlen Charäcteres antrifft. 
Ichg glaube daher, es fen nichts ungereimies, wenn 
wir aud) auf folche Weife mit dieſen noch nicht völlig 
Fannten Würmern näher bekannt zu werden ſuchen, 
das wir andere betrachten ‚die ihnen gleich fi nd, und 
die wir fehon naher kennen gelernet. 


Ich will zuerſt der Kornwuͤrmer gedenken. 
Dieſer, weiß man, entſtehet daher, wenn die Boden 
dem —* folchergeftalt erponiret find, daß die Früchte 
und der Boden zumeilen angefeuchtet werden, wenn 

zue Sommers;eit genuafam durchftreichende $uft feh⸗ 
let, wenn das Korn bey nicht genugſamer Umſtechung 
Heiß wird, die Boden vom Staube und Unreinigkeit 
nicht völlig gefaubert find, worauf denn im Junio 
und Julio der ſchwarze Wurm als Eleine Fliegen bruͤ⸗ 
tet, in ſpecie daſelbſt, wo die Sonnenſtrahlen hinein: 
Fallen. Solche Fleine Fliegen freffen ſich in Die Kör- 
ner, und werden erjt von Fettigkeit gelb, dann heil» 
roth, zuletzt aber, wenn die Körnlein Hoßl gefrefien, ' 
ganz braun. Je weniger alfo die Umftechung ge 
ſchieht, deſto mehr wird das uͤbrige geſunde Korn auch 
ausgefreſſen *. 

Ich bitte um die Erlaubniß, ztoifchen dieſen Korn⸗ 
wuͤrmchen und unſern Holzwuͤrmern eine Dergleichung 
anftelfen zu dürfen. j 


Die Kornwürmer entftehen an folchen Orten, wo 
die durchſtreichende Luft fehlet, auch wenn die Boden 
zuwei⸗ 


Koͤnigliche Kammerverordnung vom 22 San. 1747: ! 
Samb. Mag. ı Band, 301 Seite 





von dei Holzwuͤrmern. 563 


zuweilen naß, und angefeuchtet worden. Unſere Holz⸗ 
wuͤrmer ſind bey eben ſolchen Urſachen entſtanden; 
denn in demjenigen Holze, von welchem man gleich 
nach dem Windſturme den Baſt trennete, und alſo 
durchſtreichende Luft ſchaffte, trifft man keine Wür- 
mer an, ſo bald Luft hinzukommen kann, wird die 
Brut gehindert; die Staͤmme, worinn die Wuͤrmer 
zuerſt entſtanden, haben in den Waͤldern den ganzen 
Winter 1748 hindurch an feuchter Erde gelegen, und 
man hat, wie auch allenfalls kann erwieſen werden, 
die Würmer zu Anfange an den Seiten des Stam: 
mes, der an der Erde gelegen, zuerft angetroffen. 

. Mithin Fommen beyderley Würmer bierinn mit 
einander überein, daß fie in einer Dumpfigen oder 
feuchten Sage, wo durchftreichende Luft fehler, ihre 
Erijtenz erlangen, 

Der Kornwurm wird anfangs von Fettigkeit gelb, 
(hä hellroth, zuletzt aber braun; er bleibe weder 
von einerley Seftalt, noch Farbe, 

Wir treffen bey unfern Holzwürmern eben dieſes 
an, daß ſie ſich veraͤndern: anfangs ſind ſie dick und 
weiß, ſo wie der Saft und die Fettigkeit ʒwiſchen der 
Borke abnimmt, werden fie kleiner, auch einige roͤth— 

‚licht: in diefem Zuftande bekommen fie ſchon Flügel, 
und zulegt werden fie dunfelbraun, und — 
ſchwarz. 

Sowohl in Anſehung der Flaͤgel, ale auch was 
die Veränderung der Geſtalt betrifft, kommen beyde 
abermal mit einander überein. 

Diefes iſt die zweyte und dritte Uebereinſtimmung 
der Holzwuͤrmer mit den Kornwuͤrmern. | 


Sn 3 Mir 


564  BVerfihiedene Gedanfen 


Wir nehmen viertens an den Kornwuͤrmern ganz 
deutlich wahr, daß Die gefunden und feſten Körner 


; der Früchte dDurchfrefien, und nichts, als die Hilfen, 


übrig laflen: ſie fesen die Körner in folchen Zuſtand, 
daß fie nicht auflaufen, ‚und Feine weitere Früchte 
tragen koͤnnen. [aut } | gr 
Bon unfern Holzwürmern hergegen will man präs. 
tendiren, daß fie Fein gefundes Holz anfreffen follen ; 
fie ſollen fich nur bloß mit den trocfenen Stämmen be; 
helfen, welche, gleich einem ausgehuͤlſeten Fruchtkorn, 
ſchon ausgehülfee, trocken find, und feinen Saft 
mehr haben, A 


Hat die Natur dem Kornwurme die Cigenfchaft 


-bengeleget , daß er gefunde Körner angreift, und 


Daraus feine Nahrung nimmt; frißt dieſer die Körs 
ner nicht ſodann erft aus, wenn fie abgeftorben, wenn 
fie faul werden, warum follte denn unfer Holzwurm 
fich bloß mit verdorbenen Säften, Die ſchon guren« 
fheils weggetrocknet find, begnügen. Warum follte 
er ſich nicht lieber, gleich dem Kornwurme, an bie 
gefunden Stämme wagen, und’daraus feiner Nahrung 
wahrnehmen? ee! 

Berzehrer ein Kornwurm wohl diejenigen Koͤr⸗ 
ner , welche zum Saamen ausgeftreuet werden, nach⸗ 
dem fie in der Erde faul worden? Wie manche Tan⸗ 
ne findet man nicht in den Forſten, welche entweder 
aus Mangel der Fruchtbarkeit, oder weil fie für denen, 
fo über ihr ftehen, nicht auffommen kann, ganz fohe 
wird, und doch feinen Wurm bat. Alles Tannen- 
holz, was aufdem Stammerobtolmig wird, fängt an, 


An der Mitte faul zu werden, und verdorret endlic) 


gar, 


— 


von den Holzwuͤrmern. 565 
gar, warum findet man in dieſen den Wurm nicht, 
dieſe follen ja, nad) der erften Meynung, die rechte 
Sdbeiſe der Holzwürmer feyn.' Sal 
Ich zweifle nicht, nach folchen vorausgefegten 
Erfahrungen werde man mir fo viel zugeben, es 
laufe nicht gegen die gefunde Vernunft, wenn man 
behauptet, die Holzwürmer ziehen ſich aus der zer⸗ 
frefienen Borke einer Tanne an das gefunde Holz, 
um Dafjelbe gleichfalls zu verderben. Aber wie ge» 
ſchiehet dieſes? ES wird die Art und Weife gar 
leicht begreiflich werden, wenn man überhaupt nur 
auf den Trieb der Inſekten Acht giebt, welche die Na» 
tur ihnen mifgetheilet hat. | GER 

Hier nehme ich einige Stellen aus der in dem 
hamb. Mag. und zwar in deffen erften Bande, 309 S. 
aud) im 5 Stücke, 157. 5. anzutreffenden Abhandlung, 
von dem natürlichen Triebe der Inſekten zu Hülfe. 

Es ijt Fein Gefchöpf in der Welt, beißt es zu 
Anfange, welchem nicht die Fähigkeit, fein Gluͤck, ein 
jedes nach feiner Are zu befordern, angebohren ift, | 

Die gütige Hand des weiten Schöpfers hat in 
alles, was lebet, einen natürlichen Trieb geleger, nicht 

nur fein Vergnügen zu befördern, fondern auch die 

- Mittel deffelben anzuwenden. - / 

Es iſt bekannt, daß die Raupen fih in Schmer. 
terlinge verwandeln. Dieſe Berwandelung muß 
man als eine der wunderbarften Wirkungen der ratur 
erkennen. — 

Seite 323 heißt es weiter: Bey den Papi— 

lionen, wie überhaupt bey den Inſekten, iſt ein merk⸗ 
n4 wuͤr⸗ 


* 


Verſchiedene Gedanken 


Bi Umftand bey ihrem: ——— Die we⸗ 





nigſten Raupen freſſen von allen Bäumen und: Kraus 


teen ohne Unterſchied, viele Arten von Raupen freſ⸗ 
ſen nur ein einziges Kraut, und viele nur etliche. | 

Da nun die Jungen Der Inſecten ohne ii uns 
mittelbare Vorſorge ihrer Aeltern fuͤr ihr Leben ſind, 
fo iſt es noͤhig, Daß die Raupen, fo bald fie aus den 
Eyern hervorfommen, gleich Die ihnen eigene Nah: 
rung um ſich haben ‚ und stefan einen aneen, 
Tiſch finden. 


Wide aber dies wohl fo-feyn, wenn die Pa⸗ 


pilionen ihre Eyer ohne — überall hin⸗ 
legten? 


Wovon würden Raupen, die Mr als Neſſein 
oder Gras freſſen, ihren Hunger ftillen, wenn ihre 
Papilionen die Eyer, woraus ſie hervorgekrochen find, 
auf eine $inde oder. Eiche gelegt hätten ? Und mie wuͤr⸗ 
den diejenigen mit ihrem Schickſal zufrieden feyn, 
welche fich unfen auf den Erdboden verbannet fähen, 
da fie.doch ihr Futter nirgends als auf Fichten oder 
Bücher finden Fünnen? Ehe fie fo entlegene Ders 
ter ihrer Nahrung erreichen, würden fie als kaum 
fichtbar Eleine Wuͤrmchen, — allen nn ae 
Untergang fi finden. 


Der guͤtige Urheber der Natur hat auch für Die | 
fe Wuͤrmchen geforget, und dem Untergange auch 


des Fleinften Theils der Matur, vu die —— 
Anſtalten vorgebauet. | 


\ * * 


Er 


von den Holzwuͤrmern. 567 


Er hat den Schmetterlingen befohlen, ihre Eyer 
| dapin zu legen, wo die darauskommende Jungen ſo⸗ 
gleich ihre Nahrung finden. 


| Der Pfauenauge, Tagpapilion und andere Arten 
von dieſer Gattung, legen ihre Eyer an die großen 
Neſſeln gerade, als ob ſie wuͤßten, daß ihre kuͤnftige 
Jungen nichts anders als Neſſeln Freffen wuͤrden etc. 
„Eine Schlupfweſpe erwaͤhlet hierzu diejenigen 
Pflanzen, oder dasjenige Inſekt, welches die ihren 
jungen Maden eigenthümliche Nahrung ift. So 
bald das Junge ausfrieche, findet es um und um 
Nahrung, und ift in feine Speife begraben. So 
und auf diefe Weife forgen andere Inſekten fir die 
Ihrigen. Aber wie bringen denn unfere Holzwuͤr⸗ 
mer ihre Jungen auf? 


Diejenigen, welche der erften Meynung —— 
ſind, ſehen zwar, daß der Wurm im Holze da ift: al⸗ 
lein, wie er fich erhalte, wenn er in dem ausgefreffe- 
nen Holze Feine Nahrung miehr findet, wohin er ſich 
begebe, und wie er ſeine Jungen ausbrüfe, darum 
befiimmert man fich gar nicht. 


Meine Abfiche ift alfo, hierüber Betrachtungen 
anzuftellen; vielleicht gerathen mir dadurch zu mehre⸗ 
rer Gervißei, 


‚Jedermann weiß, daß Diefer Holzwurm, Quaͤſt, 
mit Fluͤgeln verſehen, deren Gebrauch in ſeiner Ge⸗ 
walt iſt, weil er ſie trennet, und davon fliegt. 

Es waͤre ein Fehler der Natur, wenn dem Wurme 
dieſe Fluͤgel gar nicht nuͤtzen folften, und wenn er fie 

zu —— noͤthig hätte, Da aber die 
— Ru5 Natur 


keit an. 


568 Verſchiedene Gedanten 


Natur nichts umſonſt, nichts Ueberfluͤßiges verrich⸗ 
tet; ſo muͤſſen wir ſo viel gewiß halten, daß der 
Wurm diefe Flügel anwente⸗ * und die — 

zu erhalten. 


Braucht er fi e zu feitie BERN j ee —9 an 
demjenigen Orte, wo er lebendig worden, kein beſtaͤn⸗ 
diger Unterhalt für ihn ſeyn, er muß davon He 
koͤnnen, um fich weiter zu ernähren.» Do 


Muß. der Holzwurm feine Nahrung . an einem 
andern Orte fuchen, als da er lebendig worden; fo 
wird er natürlicher Weife, eben die Nahrung ſu chen, 
die er vorhin gewohnt gebeſn Denn gleichwie ob⸗ 
angefuͤhrtermaßen eine Raupe, die bey dem Laube ei» 
nes Aepfelbaums gezeuget und Davon. erhalten wor⸗ 
den, ſich in Folge der Zeit von keiner Tanne ernaͤhret: 
alſo muͤſſen wir auch dafür Halten, daß ein zwiſchen 
der Borfe einer Tanne gezeugfer Holzwurm ſeine 
gewohnte Koſt nicht veraͤndern werde. Dieſe Koſt 


muß er an der Erde nicht finden koͤnnen, fonft ges 


brauchte er Feine Fluͤgel. Die Flügel find aber nicht 
umfonft da, daher muß der Holzwurm feinen Unter 
halt mit Hilfe der Slügel füchen. Aber wie begiebt 
er fich an die gefunden Tannen und zerfrißt die? 


Die Raupe und andere Inſekten laſſen erkennen, Ä 
es fen wenigſtens nicht wider die Vernunft, es ſey 
moͤglich, und-alfo ift von der ae Manag! bie | 


ROSUHENE bewieſen. 


Nunmehro kommt Pr 2) auf. die wirt 
Weil | 


von den Holzwuͤrmern. 569 


Weil ich aber bis hieher den Wurm an den Tan- 
nen herum nicht fliegen fehen, und.alfo von meinem 
eigenen Augenfchein nicht: zeugen kann; ſo muß ich 
fürs erfte bey a Umfländen Neben 
bleiben. 


ch habe an vorgedachter Tanne, die ganz frifch 
war ‚und doc) den Wurm harte, wahrgenommen, 
daß die Wurmſtiche nahe an den Aeſten herum ihren 
"Anfang nahmen, weiche Die Tanne das Jahr abge: 
worfen hatte. Um diefe Aeſte herum war die Borfe 
etwas aufgelöfet,, und die. Narbe von dem abgefalles 
nen Afte hatte fich noch nicht vollig nieder zufammen- 
gezogen; mir ift daher die Mennung derer fehr wahr: 
feheinlich geworden, welche behaupten, daß der aus— 
geflogene Wurm hinter folche Aefte den Saamen nie: 
derlege, und diefes um fo mehr , weil die Wurmftiche 
nicht unten am Stamme, fonbern oben an der Tarıne 
in der Höhe zu finden waren, daß fie die Sonnen⸗ 
ftrahlen berühren koͤnnten. Wie denn überhaupt mit 
der Erfahrung übereinfommt, daß die — 
von oben nach unten zugehen. 


Man hat Staͤmme gefunden, die von oben sis. 
4 Fuß an den Stamme ganz durchbohret und trocken 
waren, unten aber, fo weit man feine Wurmlöcher 
fand, hatte er noch) feinen völligen Saft, 


Daß zu Vermehrung des Wurms dumpfige Der: 
er, wo die durchftreichende Luft fehler, und Sonnen 
wärme erfordert werde, laͤßt ſich daraus erkennen, 
weil die Sohrungen ſich in den waͤrmſten Sommer: 
monaten und mebrentbeils in den beiten Dickungen 
anheben, 





575 Derfihiedene Gedan 
anheben, wo ein Stamm ganz nalje bey dem anbern 
fteht. Diefe Derter find nad) den Sägen der Na: 
turlehre unſtreitig die allergefchickteften,, den Wurm 
in der geößeften Menge herworzubringen,, wie aud) 
leider! der Hugenfchein zur Genüge ergiebet. 


Ich habe bereits oben erwaͤhnet, daß mitten in 
den Tannenfohrungen ſich Fuhren befinden, die ganz 
gruͤn und unbeſchaͤdigt ſind. Ich habe aus dieſem 
Unterſchiede Die Unrichtigkeit der Meynungen herge⸗ 
leitet, daß die Sohrung von Verruͤckung der Wur- 
zebentftanden fen, immaßen nicht abzufehen, warum der 
Sturmmwind nicht ſowohl die noch gefunde Fuhre, als 
die-verdorbene Tanne an Der — ſollte beſchaͤdi⸗ 
get haben. 


Beyde ſtehen neben — eine if friſch, die 
andere abgeftorben. Hier Fann unmöglich Die Wer: 
ruͤckung ber Wurzel für die Urſache angenommen 
werden. 


Indeſſen habe ich doch ſowohl in Sa als 
Fuhren, den Wurm angetroffen. In denen Forſten, | 
wo lauter Fuhren find, verhält es ſich mit der Soh ˖ 
rung, eben wie in den Tannenhoͤlzungen. 


Wenn aber unfer vielen Tannen wenige Fuhren 
ſtehen; ſo ſieht man, daß dieſe uninficiret, daherge- 
gen jene ganz durchbohret ſind. 


Hat man auf den Unterſchied einer —— und 
einer Fuhre nur Acht, ſo findet man, daß derfelbe 
ziemlich groß fey. Die Fuhre hat eine ganz andere 
Borke, als die Tanne, fie hatzStellen, die ganz fet⸗ 
| tig 


* 


von den Holzwuͤrmern. 571 
tig und lauter Men find. Ihre Säfte find weit dis 
fer und widriger, und nicht fo flüßig , wie bey einer 
Tanne. Fuhrenholz har gröbern Faden, als sin 
Tanne; es erhält fi) daher in der ya * ſo lat ze, 
als diefes. 


Diefer Unterfchied hat mich darauf —— daß 
der Wurm, welcher das Fuhrenholz verdirbt, unter⸗ 
fehieden fey, von dem in Tannenholze. 


Daß der im Fuhrenholze generirte Murm nicht 


‘ an die Tanne fliege, fondern * gewohnte Koſt wie⸗ 


der ſuche. % 


Ich habe mich dabey der Erzählung eines gewiſ⸗ 
fen Forftbedienten wieder erinnert, daß in einer be- 
nachbarten Fuhrenholzung fleine weiße Fliegen den 
jungen Fuhren die Nadeln abgefreffen hätten. Ich 
zweifle gar nicht, es werden die Stämme, um welche 
damals diefe Fliegen fich aufgehalten , nicht allein ihre 
Nadeln Haben fallen Laffen, ſondern auch insgeſammt 
ſohr und verdorben ſeyn. Und ich kann mir nicht 
vorſtellen, daß Fliegen in den Nadeln einer Fuhre 


den geringften Nahrungsſaft finden follten, Piel: 


mehr bin ich der Meynung, daß eben die Fliegen, 
welche fich) damals um die jungen Fuhren fehen laffen, 
diejenigen find, fo aus den verdorbenen Fuhren aus⸗ 
geflogen und mehrere Stämme beſchaͤdiget haben, 


Ich Fan auch, wider die Erfahrung, nicht zugeben, 


daß eine Fuhre, die einmal, es ſey aus einer Urſache, aus 
was fuͤr einer es wolle, die Nadeln gaͤnzlich hat fallen 
laſſen, und ganz von Nadeln rg ft, .. ge⸗ 

und 


N Mr h 
572. DVerichiedene Gedanken. 
fand fen; noch weniger aber pflichtdich der Meynung | 
ben, daß fie jemals Nadeln wieder befommen werde, 
und vielleicht wird eine Unterfuchung dieſe meine Ge⸗ 
danken beſtaͤrken, daß naͤmlich die jungen Fuhren 
verdorben, und alſo nicht wieder ausſchlagen koͤnnen. 


Daß man aber um die Tanne herum den Wurm 
noch nicht fliegen ſehen, kann entweder daher ruͤhren, 
weil es an denen Oertern, wo die Sohrungen ent- 
ſtehen, dunkel, die Tannen auch von ziemlicher Höhe 
find, fo daß man das, was in der Gegend, mo der 
Wurm anfliege , fic) bewegt, fo genau nicht erfennen 
kann, oder daß er fich, wie andere feines gleichen, bey 
Tage nicht fehen läßt . 


Ich gedenfe noch mit menigem der dritten Mey 
nung, daß nämlich der fogenannte Brand Urfache 
an denen Soprungen ſeyn ſolle. 


Dieſer Brand entſteht von uͤbermaͤßiger Hitze, 
und findet ſich vornehnilich an hohen Bergen, mo 
das Erdreich zu dürre wird *, | 


Solcher Brand aber kann. bey unfern yon 
gen die Urfache nicht feyn, immaßen die Derter, wo 
folche bey uns entſtehen, niedrig und fumpfig, und das | 
Erdreid) * itzo fruchtbar genug iſt. 


Sbeeic | 


* e Entdecte Gruft natuͤrlicher ———— 253 
eite. 


von den Hotzwůrmern. 98 


Gleichwie nun aus dieſen wenigen Gedanken er⸗ 
Belle ‚ daß die erſte Meynung verfchiedenem Wi: 
derfpruche unterworfen fen; biernächft aber von der 
zweyten Meynung fo: viel Dargethan worden, Daß 


£ fie nicht ‚allein möglich, fondern auch wahrſcheinlich, 


die dritte Meynung hergegen gleichfalls ihren voͤlli⸗ 
gen Grund nicht habe: ſo bin ich bis hieher bey der 
zweyten Meynung geblieben; weil mich die aber, 
der Folgen wegen beſorgt machet, ſo wuͤnſche ich, 
daß ein unumſtoͤßlicher Beweis von andern nicht ſo 
| ſchaͤdlichen Urſachen dieſe Meynung bey 

mir ausloͤſchen moͤge. 





Inhalt 





Zndalt des — Strike im 
—* vierten Bande. RN; 


i. Fortſetzung von den langen; und hee Amalogiemjt 
den Inſekten Seite 46 465 


II. Einige Verſuche, die Veſruchtung ber Pflahzenfaas 
- men betreffend ' 488 


ÄIL Ein Verfuch, ei; zeigen, daß in Bergiberken ie 


ohne fchabliche Dünfte entitehen kann 493 

. W. Anmerkung über deit Einfluß großer Kälte in Die 
Magnetnadel 495 

V. Nachricht von einer Stecknadel, die aus der Blaſe 
eines Kindes genommen worden 497 

VI. Nachricht von Saſſafrasot, das i in Cryſtallen ange⸗ 
ſchoſſen 499 

VII. Nachricht von einer. weißen Seuchigkei , wie 
Milch bey dem Blute 501 

VIII. Bruͤckmanns Nachricht von der Seſcha ffenheit des 
bey Jena gelegenen Fuͤrſtenbrunnens 503 


IX. ei Berfuche vom Queckſilber mweyter 
510 


X. Helks Nachricht von den Verſtenernngen um Dreß⸗ 
den und Pirna 539 


XL. D. Pierfchend Gedanken von den Zwittern 538 


XII, Gedanken über die in den Tannen- und Fuhren⸗ 
waͤldern fich befindenden Holzwuͤrmer 555 


a ae a 


Samburgiſches 





geſammlete Sorſtim, 


zum 
Unterricht und Vergnuͤgen, 
aus der Naturforſchung 


und den 


angenehmen Wiſſenſchaften uͤberhaupt. 


— 9 


—*— 





Des vierten Bandes ſechſtes Stuͤck. 
Mit Königl. Pohln. und Churfürftl. Sachſiſcher Greypeit 


Hamburg, bey Georg Ehrift. Grund, und in Seipzig, 
bey Adam Keine, Holle, 1753. 











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DER 


Verſuch 


von dem 


Seeweſen und der Handlung. 
Erſte Abtheilung. 


Ren Urſprung und Anfang zur Schiffahrt 
* hat man von den Aegyptern und 
23° Pböniciern berzuleiten. Jene, wie 

32 fie über die natürlichen Reichthuͤmer 
a eines meitläuftigen Landes hochmuͤthig 
wan auf ihre Geſchicklichkeit in den Waffenuͤbungen 
trotzten, und von ſolchen Koͤnigen beherrſchet wurden, 
die entweder Helden oder Geſetzgeber vorſtellten, wa⸗ 
ren auf nichts anders bedacht, als wie ſie ihre Mo 
narchie auf den höchften Gipfel der Vollkommenheit 
bringen —2 Sie unterſuchten die Dinge, die 

RER > 902 2 fie - 








578° Verſuch von dem ʒeeweſen 


ſie einfuͤhren wollten mit Aufmerkſam ſobald ſie 
aber dieſelben einmal eingeführet: und für nügtich 
erachtet hatten, fo veränderten fie dieſelben nie aus 
Eigenfinn oder Unbeftändigfeit. Sie mochten über 
Diefes den Ergöglichfeiten gern im hoͤchſten Grade 
nachhängen, und wußten ſich fremde Wollüfte in 
größter Menge zu verfchaffen, zu denen fie doch im⸗ 
mer etwas Defonderes mit untermengeten, wodurch fie 
ſich vor andern hervorthaten. Die verfihiedenen Kö» 
nigreiche, die fie in einer ziemlich Eurzen Zeit unter ihr 
Soc) brachten, die Selaven „die fie von allen Enden 
herbeyführten, eine forgfältige Begierde, fich zu ver» 
ewigen; alles diefes bewog.diefelben, ungemeine Dinge 
zu unternehmen ; und dasjenige, was die uralten 
Völker weit über die neuern feget, half ihnen folche 
vollenden. Der hauptfächlichte Handel, der die Ae⸗ 
gypter befhäfftigte, und an welchem jedermann 
freyen Artheil nehmen Fonnte, war der Handelnah 
den Morgenlaͤndern durd) das rorbe Yeer. Und 
‚gleichwie eine unzählige Menge Waſſergraͤben er 
gyptenlanddurdfähpnitten, und den großen Staͤdten, 
die durch dieſes Mittel zugänglich gemacht, und eine 
gegen der andern gleichſam wagrecht geleget worden, 
den Handel und Wandel erleichterten, ſo wurde das 
Sand ‚in kurzer Zeit und mit geringen Unfoften frucht⸗ 
bar gemacht: welches beydes Vortheile find, welche 
die Handlung unterſtuͤtzen und beleben. Durch den 
einen werden die Kauſmannsguͤter der Gefahr entho⸗ 
ben, fchadhaft zu werden, oder zu verderben: durch den 
andern aber haben fie einen fo viel ficherern Abgang, 
als jedermänniglich Theil daran nimmt, und rag 
| ſich bequemlich damit verſotgen kann. aa a 
' 88 


J 





und der Handlung. ° 579 


Es ijtkeine Nation, die) fo gut alsdie Aegypter, 
fich alle Borcheile und Bequemlichfeiten, die ein großer 
Strom an die Hand giebt, zu Nutze zu machen ge« 
mußt hätte. Sie hatten überall Waffergräben ges 
graben, die der Mil zur Zeit feiner. Ueberftrömung 
anfüllete, und dadurch die Zufuhre der Foftbarften 
Kaufmannsgüter und der erforderlichen Lebensmittel 
befchleunigte. Man ſah allenthalben: alles voller 
flachen Schiffe und Floͤße, diebis in den Steinbruͤchen 
jelbft die Spigfäulen und andere Bildhauerarbeiten, 
die dDafelbft verfertige worden ‚waren, abboleten. 
Was den Preiß der Dinge erhöhet, was. diefelben 
theurer machet, das jind die Fuhren über Land, deren 
Sangmwierigfeit- und Schwierigkeiten oſtermals den in- 
‚nern Werth der Dinge felbft verzehr Man wird 
diefes täglich in Frankreich inne, wo die Heerftraßen 
(ſowohl durch die Schuld der Kriegsbaumeifter , des 
nen die Beforgung derfelben obliegt, als der, Dber- 
auffeher der Provinzen, die, ungeachtet der Hof: 
dienfte, womit fie.die daran liegenden Dörfer beſchwe⸗ 
‚ren, und der Anlagen, fo jie daraus ziehen, und ver= 
muthlich zu anderm Gebrauche anwenden, nicht genug: 
fame Acht darauf haben ) fo übel beſtellet, fo ſchlecht 
unterhalten und fo nachläßig ausgebeflere werden. 
Daferne die Chinefer ihrem Urfprunge nach wahr- 
haftig Aegypter find , wie einige Gelehrte, und was .. 
noch mehr, einige feharffinnige Köpfe muthmaßen 
wollen, fo Fann man fagen , daß fie nicht aus ver Art 
ihrer Vorfahren gefchlagen, fondern diefelben noch in 
vielen Stüfen übertreffen, Und gewiß, fie haben, - 
fo zu reden, ihr ganzes fand dadurch fchiffbar und 
leicht zugänglich gemacht, daß fie.einen Strom mit 
9 IR — dem 


Verſuch von dem n Semeſen 


pi andern durch Wafergräben an einander < gehängt, 
und diefe Gräben ſo geſchickt zu leiten ale daB 
faſt feine Stadt, ja faum einmal ein Dorf zu finden 
ift, wo man nicht bequemlic) zu Schiffe hinfommen 
fonnte. Zudem fo erblicket man auf diefen Strömen 
ein unzähliges, arbeitfames, und mit wenigem fich bes 
belfendes Volk, fo ſich auf nichts‘, als Handlung, 
leget, und felten an das Sand fommt. Und gleichwie 
dieſes fammtliche Volk Feinen andern Grund noch 
MWohnftädte har, als feine auf verfchiedene Weife ge 
bildeten Schiffe, fo begiebt ſichs oft, daß diefe Schiffe 
über einen Haufen zufammen fontmen, und eine Ark 
von Städten ausmachen, weldhe die Ehinefer, die 
vielauf ein geiles Ebenmaaß halten, Waſſer ſtaͤdte | 
zu nennen pflegen. Durch diefer ihren Borfchub wird, _ 
fo zu reden, die ganze Bölferfchaft in Bewegung ge= 
ſetzet; fie reifet und flieht die Faulbeit und den Muͤſ—⸗ 
figgang ; es fommt ihr nichts zu ſchwer für, fobald 
fich nur ein Gewinn zu erholen, oder einige Ehre zu 
erjagen, darbiethet. So iſt auch das Regiment in 
China unter allen denen, die heutiges Tages befannt 
find, das vollfommenfte, das weifelte, das am we⸗ 
nigften tyranniſche, für Verdienſte und Gaben, die 
fich hervorzuthun gefrauen , das günftigfte, mit einem 
Worte, Dasjenige Regiment ‚ wo man am meiften 
die öffentliche Drdnung handhabet, und die Ruhe und 
Das Gluͤck eines jeden insbeſondere in die größte 
Sicherheit feßer. 

Was die Phoͤnicier anbelanger, ſo muß man 
uͤber den Grad der Macht erſtaunen, zu welcher ſie 
ſo ſchnell gelanget ſind, wenn man bedenkt, daß ſie 

nur einen ſchmalen Strich —* an der — 
uͤſte 





und der Handlung. 581 
Kuͤſte beſeſſen, und mit maͤchtigen und kriegeriſchen 
Voͤlkern umgeben geweſen, die ihnen, ſich auszubrei= 
ten, verwwehreten. - Allein eben diefes vergrößerte ihre 
Kuͤhnheit und Begierde, fich hervorzuthun, und bes 
wog fie, ein neues Neich auf der See zu fuchen, 100» 
für fie niemanden, als allein ihrem Heldenmutde, einen _ 
Dank ſchuldig wären. Won folchen Gedanken einges 
nommen, machten fie ſich alle Häfen und Anfuhrte, 
die fie auf ihren Küften hatten, und ihnen die engen 
Graͤnzen ihres Baterlandes mit Wucher erſetzten, ges 
ſchickt zu Nutze. Diefe beftändige Befliſſenheit auf 
die zum Seewefen gehörigen Dinge, hat diefelben in 
den uralten Zeiten fie die Erfinder der Rechen⸗ und 
Sternſehekunſt, ja felbft für diejenigen anzufehen An- 
laß gegeben, welche der Handlung eine vernünftige 
und Flüglid) eingerichtete Geſtalt gegeben, da fie die 
felbe von allen Uinterfchleifen und Verhehlungen, fo 
dieſelbe verfälfchen und verderben konnten, , geläutert, 
und zu gleicher Zeit die doppelte Verrichtung von 
und Handelsleuten zur Ausübung gebracht 

aben 

be Ein anderes Lob, fo die Phoͤnicier verdienen, iſt 
dieſes, daß ſie ferne ar gefährlihe Schiffahrten uns 
ternommen, ohne daß fiejemand vor fich gehabt, der 
ihnen den Weg gewieſen, oder Hülfliche Hand geborhen 
hätte. Man Fann nicht glauben, wie viel die Alten 
auf fühne und wißbegierige Seute gehalten, die ſowohl 
„zu Wafler, als zu Lande, viele Reifen gethan, und 
von denenſelben taufenderley ſeltene und merkwuͤrdige 
Dinge, ſamt der Kenntniß einer neuen Welt, mit⸗ 
gebracht haben. Die fabelhafte Geſchichte erman⸗ 
gelte nicht, ſofort auszuſprengen, daß ſie in die Hoͤlle 
204 hin: 





582 Verſuch von n dem Zeewe 


hinunter gefahren waͤren, und den — Goͤt⸗ 
‚tern ihre, Geheimniſſe abgenöthige hätten. So lau: 
teten die Erzählungen, die auf die Rechnung eines 
Herkules, eines Thefeus. und eines Pirithous 
herumgetragen worden, und welche alle große Dichter 
angenommen, obne dap fie vielleicht recht :gemußt, 
mas zu denfelben Anlaß gegeben. Wenn die heutigen 
eben fo große Luft an Maͤhrlein hätten, mas würden 
fie niche für Gelegenheit haben, diejenigen herauszu- 
fteeichen , welche die entlegenften Meere durchftrichen, | 
und faft die ganze Welt umfegelt haben: als einen 
Serdinand YMagalbac, insgemein Magellan ge 
nannte, einen Ritter Srancis Desk, einen Ritter 
Thomas Cavendish, einen ®livier von Hoorth, 
und endlich einen Sebaſtian Cano, den Kaiſer Carl 
der Fünfte auf eine fo vorzuͤgliche Art belohnete, da er 
ihm eine Weltkugel sum Wapen ertheilte mit der Um» 
fhrift: Primus mei eircumdedifti +? Würden diefe 
berühmten Seefahrer nicht ebenfalls in fo viele Her⸗ 
Eules oder Bacchus, Argonauten oder Tynda⸗ 
riden verwandelt worden ſeyn? RL 


* Man hat angemerfet, daß, a des Wortes cireum⸗· 
dediſti, entweder eireumiuifti, , ‚oder ireumnauigafti, 
ſtehen foflen. Allein, mer wollte voneinem fo großen 
Kaifer eine fo genaue Richtigkeit in dem Ausdrucke er⸗ 
fordern! Ich erinnere mich hierbey der Antwort, 
welche Alerander der Große von: einem Tonkuͤnſtler 
befam, dem er, in Anſehung einiger Ben 
feiner Kunſt, einen Verweis geben. wo fe, und die 
folgenden Anhalt war: Bebuͤte Gott, de aß Ew. 
Mojeſt. dieſe Dinge ja nicht beſſer —*— en, es ich! 


and der Handlung. © 583 
Es ſcheint, daß der gegwungene Aufenthalt des 
Volkes Gottes unter den Aegyptern demſelben eine 
Neigung zur Schiffahrt eingefloͤßet, und daß dieſe 
Neigung durch die Nachbarſchaft mit Tyro und 
Phoͤnicien noch mehr angewachſen ſey. Denn 
wo man Luſt und eine ſtarke Begierde, in einem 
Dinge zum Zwecke zu kommen, bey ſich he— 
get, fo unterlaͤßt man nichts, ſich die nuͤtzlichen Ein- 
richtungen zuzueignen, die man bey feinen Nachbarn . 
wahrnimmt, und. die ihnen- fehmeichelhafte Vorzüge 
zuwege bringen. : Und eben hierinn koͤmmt mir der 
Nacheifer vornehmtich loͤblich, ja gar als eine Tugend 
vor. ‚Die Flotten Salomons, die nah Ophir und 
Tharfis giengen, brachten unfägliche Reichthuͤmer, 
Geraͤthe, Arbeiten von Elfenbein, in Judaͤa unbe» 
kannte Seltenheiten , und vor allen Dingen Gold, 
‚von dannen mit. ' Kein Fürft, fo reich) und mächtig 
er immer geweſen, hat jemals fo viel von dieſem Foft- 
baren Metalle zufammengebradht, als Salomo (dem 
eine einzige Neife vierhundert und funzig Zentner 
Goldes eingebracht) , noch auch die Pracht je fo hoch 
getrieben, als fie unter feiner: Beherrfchung gemefen. 
Es würde etwas Leberflüßiges feyn, wenn wir ung 
hier in eine mühfame critifcye Unterfuchung einlaffen 
‚und ausmachen wollten, welches die eigentliche tage 
‚von Dpbir und Tharfis gewefen. Einige neuere 
Scriftfteller bilden fih ein, daß diefe beyden, Ma» 
men die beyden Theile von America überhaupt bes 
‚deuten, welche die Landesenge von Darien von einans 
: der abfondert, und daß der judifche König, des Chri⸗ 
ftopb Columbus Vorgänger geweſen waͤre. Allein 
dieſe Meynung hat fo wenig Wahrfcheinlichfeit, daß 
905 fie 





—* 


584 Verſuch von dem Seeweſen er 






fie nicht einmal eine Widerlegung verbienet, Alle 


aus der Schiffahrt gezogen, wiewohl er die am ro⸗ 


uͤbrige Meynungen aber laſſen ſich fuͤglich in zwo 
einſchraͤnken. Ben a 
Die erſte ift von dem Bifchofe von Avran⸗ 
ches, Heren Auer, derfichin einer fangen und müh- 
famen Abhandlung zu beweifen angelegen fen Taffen, 
daß Salomons Reichthuͤmer von der oftlichen afri⸗ 
canifchen Küfte, und infonderheit aus der Landfchaft 
Sofala, die fehr reich an Elfenbein und Goldgruben 
ift, bergefommen wären. Die andere will, daß 
man Ophir und Tharfis in Indien zwiſchen den 
beyden Halbinfeln des Ganges, fuchen müffe. Dies 
fe Meynung wird dadurch nody wahrfcheinlicher, daß 
alle weltliche Schrifefteller darinn einig find, daß vor. 
diefem feine Handlung reicher, noch weitausgeſtreck⸗ 
ter gewefen, als diejenige, welche entweder über das 
rothe Meer und die Meerenge Babelmandel, 
oder über den arabifchen Meerbufen nach Indien 


‚geführee worden. Dafelbft traf man alle Kaufe 


mannsgüter an, womit Salomons Schiffe bela« 


den nach Haufe famen, und fand diefelben,, nicht al« 


lein wegen der Befchaffenheit und Fruchtbarkeit des 
Landes, fondern auch wegen der Edelmürhigfeit der 
Einwohner allda im UWeberfluffe, als melde einen 
Ruhm darinn fuchten, alle Fremden zu gewinnen, und. 
durch ihre Dienftfertigkeit an ſich zu ziehen, bey denen 
fie zu vechter Zeit zu verlieren, ihren Schaden aber 
bernach mit YBucher nachzuholen wußten. Indeſſen 
mag es mit diefen verfchiedentlichen Muthmaßungen 
befchaffen feyn, wie es wolle; fo ift es genug, wenn 
ich hier nur anführe, was für Vortheile diefer Prinz 


then 


und der Handlung 585 
chen Meere fo bequem gelegenen Hafen zu Eloth 
und Zzeongeber zu erweitern und zu verftärfen wiſ⸗ 


ſen, und mit wie großer Geſchicklich⸗ und Behutſam⸗ 


keit derſelbe einen Ueberfluß in ſeine Staaten gezogen, 
der uns heutiges Tages faſt unglaublich vorkom men 
wuͤrde: Alles dieſes aber hatte derſelbe vonnöthen, 
die prächtigen Gebäude, die er dem Gottesdienfte ge» 
widmet hatte, zu vollenden, bey demfelben alles, was 
die Baufunft Damaliger Zeiten Künftliches befeff ſen, 
anzubringen, und fie mit allen Schönheiten auszuzie⸗ 
ren, die Menfchenhände dazu beytragen fonnten. 
Dftindien, fo naͤchſt China das volfreichfte 
‚sand auf dem Erdboden ift, war lange Zeit der Vor⸗ 
wurf aller Reifen, fo die Alten unternahmen, und 
aller Handlung, womit fie fich befchäfftigten. Und 
wie konnte auch wohl eine Handlung nuͤtzlicher ge» 
trieben werden, als eine ſolche, wobey ſo Verkaͤufer, 
als Käufer, faft gleichen Gewinn zogen! Die Voͤl⸗ 
fer, die Dadurch) angelocfer wurden, zogen um die 
Wette, und nach Maaßgebung der Begierde oder 
der Geſchicklichkeit, die fie befaßen, fich zu bereichern, da⸗ 
bin: und wie aus Arriani Periplo ınaris rubri, aus 
pielen Anmerkungen des Plinius, Solinus und 









- Pbiloftrarus erheflet, fo war damals feine Straße 


weder bekannter, noch mehr beſuchet. Zudemfo both 
Oſtindien, welchesdamals, fo wie noch heut zu Ta⸗ 
ge, die gefchickteften und behendeften unter allen Han- 
delsleuten hervorbrachte, fomohl wegen ihrer Kennts 
niß des innerlichen Werthes des Öoldes und Silbers, 


welches fie vielmehr wie eine Kaufmannswaare, als 


wie eine Münze betrachten, als weil fie allerley Aus» 
Manage ; und * zu ſagen im — — zu ma⸗ 
chen 


586 Verſuch von dem Seeweſen 


hen mußten, dar. _ Zndeffen gerieth eine fo vorteeff- 
liche Handlung nad) und nad) in Verfall und Ab: 
nahme, und verlofch endlich ganz und. gar; bis folche 
nachher von denen ehr: und madhtbegierigen Prole- 
maͤernwieder hergeftellet wurde. Anfänglich maßeten 
fi) derfelben die Handelsleute von Alerandria an, 
und ſchickten jährlich anfehnliche Klotten dahin. Die 
fe Kaufleute waren fehr — und fruchtbar 
an Ausfindung allerley Mittel und Wege: Sie wuß- 
ten ſich alle Umftände uße zu machen, die ihnen 
durch einen gluͤcklichen Zufall angebothenwurden. Ein 
forgfältig beobachterer Gewinn, der täglich wieder: 
fommt, die zu rechter Zeit überftiegenen Hinderniffe 
der Waarenverführung , und die Vervielfältigung 
des Briefmechfels, machen, fo zu fagen, die Seele der 

Handlung, und infonderheit der Seehandlung aus. 
Aus den Ueberbleibfeln der alten Stadt Tyrus, 
und mit Hülfe derer von den Phöniciern erhaltenen 
Nachrichten erwuchs Carthago,die fo ſtolze Mitbuhle⸗ 
rinnder Stadt Rom, welcher fie die Herrſchaft über die 
Welt fo lange ftreitig gemacht. Nichts war gefchminder 
noch behender, als ihre Aufnahme zur Ser, und, wels 
ches gemeiniglich Daraus zu folgen pflegt , ihre. Ver⸗ 
ſchwendung und Trotz. Gegen das Ende des zwey⸗ 
ten puniſchen Krieges, zählte Carthago 700000 
Einwohner in feinen Ringmauern , und über 300 
Städte in Africa felbft, worunter ſie die Hauptſtadt 
mar. Sie hatte Bolfpflanzungen nad Spanien, 
in Sicilien und Sardinien gefchicet ; welche da- 
felbft fo —— als maͤchtig worden waren. Ihre al⸗ 
lenthalben in Ehren gehaltene Schiffe machten von 
Tage zu Tage neue Eroberungen; ja! man — 
o 


0 md der Handlung. "587 


fo gar, daß fie bis nad America gefommen find. 
Dafern folches wahr feyn follte, wie von gefchickten 
$euten gemuthmaßet worden, fo fheint es, daß 
die Carchaginenfer fich eine folche Entdecfung, aus 
der Benforge, nicht zu Nuge machen wollen, daß man 
das alte Vaterland nicht für ein neues verwechfeln 
möchte, zumalen fie ohnedem überzeuget gewefen, daß. 
die Mache nicht allemal fo ftarf anwaͤchſt, als fie ſich 
verbreitet: Allein ihre ‚mit Mistrauen' verfnüpfte 
Staatskunſt kann fie auch bewogen haben, andern 
Nationen nichts davon bekannt werden zu laffen. 
ſich die Spanier wohl dabey 
befunden haben, wenn ſie einer ſo klugen Auffuͤh— 
rung gefolget haͤtten, als